OUK das sechsund20ste ± invers & gegenläufig ± Aug/Sep 00 Sugarman 3

Sugarman 3 sind vier ambitionierte Musiker, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den verloren geglaubten Soul wieder auf die Bühne zu holen. Ja richtig - Bühne, denn hier handelt es sich weder um ein DJ-Kollektiv noch um einen performance-verliebten Live-Act. Sugarman 3 spielen Boogaloo. Jene Mischung aus Soul, Funk und Jazz, die auf jede unnötige Note in einem eh schon viel zu langen Solo verzichtet, sich voll auf den Groove konzentriert und gerade deshalb Sammlern zu empfehlen ist, die bereits alle wichtigen BlueNotes und Prestiges in ihrem Regal wägen. Das tanzfreudige Clubpublikum wird sowieso im Sturm genommen, Auftritte der Band in New York sind generell ausverkauft.
Wer jetzt voller entsetzen „Acid Jazz“ schreit, liegt allerdings falsch. Man kann zwar den Hintergrund einiger Bandmitglieder durchaus darauf zurückführen. Schlagzeuger Rudy Albin z.B. spielte lange Zeit mit Jack McDuff, wurde sich des Terms „Acid Jazz“ aber erst bewußt, als Jack McDuff bereits dem Bebop frönte:

Rudi: Das erste Mal hörte ich den Begriff Acid Jazz auf einem Festival in Schweden vor etwa zehn Jahren. Im Publikum war eine große Zahl Jugendlicher, die alle enttäuscht waren, daß wir Bebop spielten. Ich glaube sie haben etwa ganz anders erwartet.
Neal: Jazz war die Basis, auf der wir aufbauten. Weil Rudi die meisten Jack-McDuff-Arrangements kannte, spielten wir Anfangs viele Cover-Versionen, schrieben dann aber bald unsere eigenen Stücke und entwickelten uns mehr und mehr zu einer Boogaloo-Band.
Rudi: Wir wollten, daß die Leute zu unserer Musik tanzen. Es gibt doch nichts langweiligeres, als ein Konzert, bei dem zwar alle mitwippen, aber eben nicht tanzen. Sobald sie aber Boogaloo hören, legen sie los.

Was dann aber doch nicht immer selbstverständlich ist. Zu sehr hat sich in der trägen Masse das Bild vom stillen Beobachter festgesetzt. Fast zwanghaft wird jede Art von Fußbewegung unterdrückt und andächtig den Tönen der Band gelauscht. Das auftauchen des DJ-Phänomens half da auch nicht viel weiter. Zwar wurde die Musik endlich vom Zwang, betrachtet werden zu müssen, befreit. Das eigentliche Problem aber nicht im geringsten gelöst. Das Publikum spaltete sich viel eher in zwei Gruppen - die der betrachtenden Konzertbesucher und die der tanzenden Partycrowd - Versuche DJ und Band an einem Abend zusammenzuführen, wurden bislang nur wenige unternommen. Getanzt wird, wenn der DJ auflegt, weshalb in Zukunft die Single-Auskopplung forciert wird, zumal gerade die englischen DJs alles spielen was im 7“-Format einherkommt. Aber wodurch bewegt man die Massen denn nun zum Tanzen?

Neal: Guter Dancefloor und auch guter Soul wirkt hypnotisierend. James-Brown-Platten sind richtig hypnotisierend. Die kannst Du direkt nach einer Technoplatte spielen. Viele junge Musiker achten allerdings nicht genug auf den Groove. Ein kurzes Solo reicht vollkommen, daß ist es, worauf wir besonders achten. Klar, wenn Du live spielst, brauchst Du gewisse Licks und Phrasen, um das ganze spannend und abwechslungsreich zu halten, aber im Studio ist sowas völlig fehl am Platz. Es muß hypnotisieren! Bei den jungen Musikern ist es gerade besonders hip, diesen und jenen Jazzmusiker nachzuahmen, seine Kniffe zu lernen, um damit angeben zu können. Dabei vergessen sie aber das Wesentliche am Ganzen. Die Schlagzeuger sind da am schlimmsten.

Kein Wunder also das Adam Scone sich vielmehr darüber den Kopf zerbricht, wie er drei Leslies gleichzeitig an seine Hammond anschließen kann, anstatt sich die Finger beim Üben neuer Spieltechniken wundzuscheuern. Das Ersetzen des E-Bass durch die Hammond ist Sugarman 3 bei ihrer Musik besonders wichtig und Teil der Authenzität. Größere Veränderungen stehen in Zukunft nicht an, allenfalls die Einbindung von Gesang bei einigen Stücken. Das wichtigste scheint den Vieren der Spaß am Ganzen zu sein. Ständig wird gelacht und gescherzt und oftmals direkt nach dem Auftritt die Tanzfläche aufgesucht, so fern denn ein DJ anschließend noch auflegt.

Neal: In New York versuchen nun einige Clubs richtige Soulabende aufzuziehen. Dabei lassen sie Bands spielen und DJs auflegen. Auch neue Produktionen werden gespielt und das Publikum zieht auch langsam mit.
ouk: Lebt es sich als Musiker leichter in Amerika?
Neal: Nein, überhaupt nicht. Hier nehmen viele die Musik als gegeben. Niemand überlegt sich, wie viel Aufwand und Arbeit da eigentlich dahintersteckt. Musiker werden in Europa generell besser behandelt. Wir spielen auch alle noch als freischaffende Musiker in anderen Bands, anders könnten wir unseren Lebensunterhalt nicht verdienen. Gleichzeitig ist es eine willkommene Abwechslung. Wenn Du vier Wochen auf Tour warst, ist es gut, eine Pause zu haben und etwas anderes zu spielen. ][ edl und mb

Sugarman 3 - Sugar’s Boogaloo - Desko Records (LP)
Sugarman 3 - Soul Donkey - Desko Records (LP)
Sugarman 3 - Cherry Picking / Turtle Walk - Desko Records (45)


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