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American Psychose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
... oder wie ein Buch brutal verstümmelt wird. Mit fast der gleichen Grausamkeit, mit welcher Bret Easton Ellis in seinem vor ca. 10 Jahren erschienen Roman "American Psycho" (Kipenheuer & Witsch Verlag) seine Opfer in ihre Einzelteile zerlegte, hat es auch Regisseurin Mary Harron geschafft jegliches ´Leben´ des mittlerweile zum Kultroman avancierten Werkes zu eliminieren. Waren es doch gerade die nüchtern detailverliebten Schilderungen, mit welchem Patrick Bateman seinen sterilen Tagesablauf von Wall Street bis hin zum willkürlichen Mord wahl Personen schilderte, die die gefühlsarm oberflächlichen 80er Jahre auf so drastisch sarkastische Art beschrieben - Sie hat sie weggelassen. Noch nicht mal zwischen den Zeilen hatte man das Gefühl, das Pat von einem inneren Motiv zu seinen Schlachtzeremonien mit Designerwerkzeugen und Bolzenschußpistole angetrieben wurde - Sie gab ihm eines: den Neid auf bessere Visitenkarten oder Appartements. Mag sein, daß ein Film mit einer Länge von ca. 100 Min. nicht den Raum schafft alle Personen und ihre Beziehungen untereinander zu charakterisieren. Aber sollte man (hier wohl eher frau) dann nicht lieber die Finger von teurem Zelluloid lassen und vor allem den erwartungsvollen Zuschauer nicht deren hart verdientes Geld für blind zusammengefügte Szenen aus der Tasche ziehen. War es nicht gerade der zur Praline verwandelte, bepisste Toilettenstein in der Godiva-Schachtel der in eindrucksvoller Art und Weise gerade seine Beziehung zu Evelin, seiner so called Freundin beschreibt. Überhaupt verlieren sich in den teilweise, oder besser überwiegend äußerst langweilig von der Kamera in Szene gesetzten Einstellungen, fast alle Grundstimmungen, die das Buch ja gerade zu dem gemacht haben, was es immer noch ist: außergewöhnlich. Natürlich müssen die Quälereien nicht derart genau in die bewegten Bilder (FSK 16) transferiert werden, daß der Zuschauer auf jegliche Phantasie verzichten kann. Doch annähernd jedes aussagekräftige Detail zu ignorieren, welches die Romanvorlage liefert, läßt eher einen Film entstehen, der bis auf ein paar Szenen und den Namen fast nichts mehr gemein hat mit dem Original. Alles in allem, und auch angesichts der gähnenden Leere im Kinosaal, wird wohl der Film den Erscheinungstermin dieser Ausgabe nicht mehr erleben, aber meistens folgen ja auch Verleihvideos, deren Mietpreis man wohl eher in das Druckerzeugnis investieren sollte. ][ g
German DJ-Championships . . . . . . . . . . .
Köln, 18.08.2000. Daß DMC-Deutschland relativ obskure Vorstellungen von Lokalität und Rahmenprogramm einer DJ-Battle hat ist hinlänglich bekannt, so daß man sich das Lamentieren über pillenfressende Buffaloträger, Landebahnfrisuren und IQ-Defizite auf seiten des Publikums am besten spart und die Einbettung in ein Kommerztechno-/Dancefloor-Event wie immer freundlich unter der Rubrik Planlosigkeit verbucht. Ein anderer Kritikpunkt ist seit eh und je die mangelhafte Besetzung der Jury, die sich aber glücklicherweise dieses Jahr mit der völligen berbewertung des peinlichen Auftritts eines ausschließlich aus der Vergangenheit abkupfernden 3-P-Plattendrehers nur einen groben Schnitzer leistete und dem objektiv Besten schließlich auch die begehrte Meisterjacke überließ. Und der heißt, juhu, da freut sich der Lokalpatriot, DJ Razor. Der Stuttgarter zeigte die anspruchsvollste Kür der acht Finalisten und bestätigte damit nicht nur seine Favoritenstellung, sondern schaffte nach dem großen Pech bei den ITF-Meisterschaften, bei denen er als Sieger der Eliminations an einem Materialfehler scheiterte, auch endlich den längst verdienten Sieg bei einer großen Battle. Damit ist auch gewährleistet, daß Deutschland endlich zum ersten Mal seit Ray D. 1997 wieder einen würdigen Vertreter zu den Weltmeisterschaften in den Londoner Millenium-Dome schickt, die bei Druckbeginn noch nicht beendet waren. Auf die Plätze verwiesen wurden ITF-Vize Kid Fresh und der Meister der Jahre 96 und 97 Ray D.. Titelverteidiger G-Spot hat nun wieder mehr Zeit für seine DJ-Schule und belegte Rang 4... ][ motik
Mego in München . . . . . . . . . . .
Das von der "ars electronica '99" preisgekrönte Wiener Label "Mego" gastierte am 29./30.9.00 in der "l-o-k", einem Ort für elektro-akustische Musik in München. Verschiedene Vertreter des experimentierfreudigen, genreübergreifenden Labels, wie etwa Pita, Hecker, Kern und Farmers Manual, standen dabei auf dem Programm. Darüberhinaus sollten sogenannte "Visuals" von Skot, welche im Mai diesen Jahres auf den renommierten Kurzfilmtagen von Oberhausen gezeigt wurden, die Musik begleitend bebildern. Was sich auf dem Papier, bzw. dem Bildschirm interessant liest, wurde in München durch Nichtbeachtung schlichtweg ignoriert. Nur etwa 25, über den Abend und den Raum verteilte Zuhörer fanden sich in der "l-o-k" ein. Ob dies dem letzten Wiesn Wochenende, oder der Tatsache zu verdanken war, daß laut "In-München", (eines kostenlosen Programm,-und Stadtmagazins) am Freitagabend insgesamt 87 öffentliche, party,- oder konzertähnliche Veranstaltungen stattfanden darunter auch Ritchie Hawtin und John Acquaviva im Ultraschall Gewinner blieben in jedem Fall die 4/4tel-Takte. Kaum verwunderlich daher,- eher verständlich und dennoch irgendwie traurig, daß die Jungs von Farmers Manual dann ihre brachialsten, ohrenbetäubendsten klanglichen Ordner auf ihren 4 Notebooks öffneten, die Lautstärke den schmerzhaft- digitalen Sound-Fund-Bruch-Stücken anpaßten, und somit das solide Mauerwerk bis zur beinahen Selbstoszillation und dem damit verbundenen Einsturz des Gebäudes trieben. Die im Zorn über die Menschenleere begründete, spontan vor Ort getroffene Zielsetzung der vier Mitglieder von Farmers Manual bestand mutmaßlich darin, die "l-o-k" möglichst schnell leer zu spielen. Ob dies schließlich auch gelang, entzieht sich der Kenntnis des sich um sein Gehör ernsthaft sorgenden Rezensenten, der nach etwa einer halben Stunde den Ausgang suchte.
Rückblickend konnten auch die äußerst beliebig zusammengestellten und per Videobeamer projezierten, geometrisch-pixeligen Muster und Bilder (darunter Trailerausschnitte des Films "13th Floor", sowie eine häufig wiederholte Aufnahme einer jungen Frau, mit blauem Auge) leider nicht sonderlich überzeugen. Lohnenswert bleibt in jedem Fall die Erkenntnis, daß ein Konzert immer auch nur so gut wie sein Publikum ist. Und wenn es in München für diese Form von Musik keines gibt? ][ ea
Hype, Static, Mr. Burnz, Kela Kelee, Bukue One @ 0711 Club . . . . . . . . . . . . . . .
Eine geballte Ladung Qualität sorgte im verregneten Stuttgarter Sommer für eines der besten Events diesen Jahres. Die deutschen ITF-DJ-Meister Hype und Mr. Burnz, sowie DJ Static, seines Zeichens ITF-Weltmeister im Beatjuggling, gaben sich die Ehre und versorgten die Anwesenden mit faszinierenden Battle-Routines. Dazu flashte die Performance des höllisch begabten und supersymphatischen Beatboxers Kela Kelee von der Rock Steady Crew das Publikum genauso wie die Rhymes des wortgewaltigen Bukue One. Welch großes Vertrauen der Brightoner Kela Kelee in seinen Skills hat, zeigt übrigens die Anekdote von seiner Reise im letzten Jahr zu den DMC-Weltmeisterschaften in New York. Auf Drängen seiner Homies von den Scratch Perverts kratzte er sein letztes Geld für das Flugticket zusammen und verwirklichte dann seinen Plan, DMC zu einem Auftritt zu überreden. So wurde ihm der gesamte Aufenthalt bezahlt und das WM-Video machte ihn weltweit bekannt. Ein großes Risiko, das sich auszahlte für den 21-Jährigen, der seine Geräuschnachahmerei früher nur als dumme Angewohnheit sah, ehe er zum ersten Mal Rahzel im Radio hörte, vor dem er sich im übrigen wahrlich nicht zu verstecken braucht. Wie auch immer, Hype und Static schließlich brachten den Laden auf vier Plattenspielern auch tanztechnisch zum Sieden. Prächtige Party. ][ motik
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