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Jenseits von Bits und Bytes
Oft ist beim Spielen das Gewinnen nicht immer alles. Wie sagt da der Volksmund so gerne: Dabeisein ist alles was zählt ist der olympische Gedanke! Und dies hat uns ja der (ehemalige) Reutlinger Stephan Vuckovic in den späten Abendstunden der Live-Berichterstattung aus Sydney schweißüberströmt präsentiert. In der letzten Etappe des Triathlon, auf dem Weg zum ersten olympischen Gold, vorbei an allen Sehenswürdigkeiten der australischen Metropole gerannt, wurde er dann doch noch überraschenderweise von Simon Whitfield auf den letzten Metern überholt. Doch keine, von den Anstrengungen im Kampf um den ersten Platz, verzerrte Fratze stöhnte in die herangefahrene Kamera, vielmehr taumelte er im unglaublichen Freudenglück, die Hundertstel und Tausendstel den applaudierenden Zuschauern schenkend, mit strahlender Mine über die blau unterlegte Zielgerade. Was für eine Begeisterung trotz der zum Greifen nahen Medaille, die wie einst Franziska van Almsik, vom Goldfischchen zum Silberfischchen mutierte. Für ihn zählte nur die Freude an der Bewegung, woraus vor ca. 15 Jahren der Triathlon geboren wurde. Wer nun keine Lust mehr hat, passiv zu konsumieren, der kann selber an so manchem neu erschienenen Spiel teilnehmen. Nicht ganz so kalorienverzehrend, aber annähernd die Vielzahl der Nationen umfassend, kann man sich zum Beispiel in das Europa im Jahre 1900 fallen lassen. Als Vertreter einer (oder mehrerer) der sieben Nationen Österreich-Ungarn, Großbritannien, Frankreich, Deutsches Reich, Italien, Rußland oder des Osmanischen Reichs versuchen die einzelnen der 2-7 Strategen bei DIPLOMACY (Avalon Hill Game Company/Hasbro) ihre Nation zum größten expansiven Ruhm zu leiten. Ohne aufwendige Regeln oder unübersichtliches Spielmaterial machen sich so alle Beteiligten auf ihren Weg zum Ziel: Reduziert auf deren taktisches Geschick verschieben sie hübsch gestaltete, metallene Land- und Seestreitkraft-Miniaturen auf dem historisch illustrierten Spielbrett, bis 18 der Versorgungszentren von einer Nation kontrolliert werden. Nicht Würfel entscheiden über den Verlauf, sondern kluge Bündnisse durch welche Mitspieler auf die eigene Seite gezogen, Intrigen geschmiedet und vorausschauend die eigenen taktischen Vorhaben weiter ausgebaut werden. Hilfreich lassen sich alle Entscheidungen in den einzelnen Verhandlungsrunden auf einem beiliegenden Kartenblock eintragen und dadurch besser überschauen. Das 1958 von Allan B. Calhamer entworfene Spiel, welches nun als erstes, aus dem übernommenen Avalon Hill Verlag seine Wiedergeburt erleben darf, gilt dabei als Mutter aller Verhandlungsspiele, zu deren Abkömmlingen nicht zuletzt auch Junta gezählt werden darf. Gerade das anzuwendende psychologische Verhandlungsgeschick läßt dabei jede Partie zu einem wahrhaft kommunikativen Erlebnis werden. Allerdings ist dafür eine Anzahl von mindestens 4 Spielern fast schon eine Grundvoraussetzung, da man sich bei kleineren Gruppen häufig auf den eigenen Verbündeten zu gut verlassen kann. Aber leicht lassen sich durch das umfangreich mit Beispielen bestückte Regelheft Neugierige in die Künste der Diplomatie unterweisen, so daß größere Gruppen unter wirklich Spielbegeisterten keine Probleme darstellen dürften. Ebenfalls einen gewissen Kultstatus genießend, reanimierte die Firma Hasbro daneben auch ACQUIRE, einen weiteren zeitlosen mit zahlreichen Auszeichnungen prämierten Klassiker aus dem Hause Avalon Hill. Das 1963 von Sid Jackson ins Leben gerufene Spiel führt dabei 2-6 Spieler tief in die wirtschaftlichen Welten des Fusionierens, Spekulierens, Investierens und Verkaufens. Auf einem 9 mal 12 Felder großen Kunststoffspielbrett werden hier auf dem Weg der aktienorientierten Vermögensmehrung Konzerne gegründet, in Hotelketten eingestiegen und überlegte Investitionen getätigt. Sollte dann das anfänglich zur Verfügung gestellte Startkapital zur Neige gehen, heißt es die Fusionen voranzutreiben, bei welchen in klassischer Weise kleinere Konzerne in den größeren aufgehen und so die einzige Einnahmequelle darstellen. Aber hierfür mußte man sich auch geschickt am Aktienmarkt beteiligt haben, denn nur wer Anteile verkaufen kann, bekommt auch Cash. Die anfänglich kleinen Klötzchenunternehmen wachsen durch Bauelemente, die zufällig aus einem allgemeinen Vorrat gezogen werden, zu immer eindrucksvolleren Dimensionen und Marktwerten heran. Doch richtig spannend, und vorallem im Verlauf einer Partie nur schwer einschätzbar, gestalten sich die Ausbauten zum Ende des Spieles hin. Gehen dann nämlich langsam die Bauelemente des Nachzugstapels aus, kann sich durch taktisch geschickt zurückgehaltenes Material noch eine, die Finanzverhältnisse entscheidende, Wende heraufbeschwören. Ein ebenfalls leicht verständliches Spielprinzip, übersichtlich und kompakt in der Anleitung dargestellt, sowie das gut gearbeitete Spielmaterial, machen Aquire so zu einem anspruchsvollen Wohnzimmerbörsenerlebnis. Nicht zuletzt sind die einzelnen Mechanismen des Spieles für Freunde von Big Boss oder Chinatown nicht gänzlich fremd und auch unter nostalgischen Aspekten äußerst interessant. Oft sind einfachste Spielstrukturen Grundlage für neuere Erscheinungen. So auch bei ROSENKÖNIG (Kosmos) von Dirk Henn, bei dem zwei Spieler um die Königskrone im England des 15. Jahrhunderts im sogenannten Rosenkrieg rangen. In Form eines stark modifizierten Reversi plazieren die Vertreter der Häuser York und Lancaster die hölzernen Rosensteine auf der 9 mal 9 Felder großen Landkarte. Dabei bestimmen sich die Ablageorte anhand von Machtkarten, die klar vorgeben, in welcher Richtung und Entfernung gelegt werden darf. Sollten die erreichbaren Felder bereits besetzt sein, so kommt es vor, daß die bis zu fünf vor jedem Spieler offenliegenden Machtzüge nicht ausgeführt werden können. Doch zusätzliche vier Heldenkarten in jedem Haus lassen so auf dem Weg zur siegreichen möglichst großen, zusammenhängenden Fläche, gegnerische Blockadesteine in eigene verwandeln. Durch die kompakte Ausführung sowohl im Bereich der Regeln als auch in der Spielmaterialgestaltung, ist Rosenkönig ein idealer Begleiter, den man auch mal zwischendurch kurz (ca. 30 Min.) zocken kann. Eine weitere Herausforderung für 2-4 wagemutige Pioniere stellt COLORADO COUNTY (Schmidt-Spiele) von Reinhard Staupe dar. Auf dem großen Spielplan, der die noch urbar zu machenden Weiden und Wiesen widerspiegelt, liegt es nun an den zukünftigen Ranchern sich ihren Besitz zu erwirtschaften und später auch mit Hilfe der eigenen Cowboys zu erstreiten. Dabei geht es darum Landfelder zu bestellen, Grenzsteine richtig zu plazieren und sich vor allem die wichtigen Wasserrechte an den sechs, variabel plazierbaren, Seen zu sichern. Immer bestrebt, den möglichst größten Landbesitz der 150 Parzellen sein eigen zu nennen, bringen die Spieler ihre mannigfaltigen Ausrüstungsgegenstände, bestehend aus Cowboys, Markierungssteinen, Landkarten, Flaggensteinen sowie ihre Spielfiguren geschickt ins Spiel. Ob aber jeder das fruchtbare Land erhält, welches er sich erträumt hat, ergibt sich dann in einer der vier unterschiedlichen Bewertungsphasen. Auch hier gilt, daß zusammenhängende Flächen größere Werte bringen als wahllos verteilte Einzelgrundstücke. In Zusammenarbeit mit dem Redaktionsteam des Schmidt Spiele-Verlags ist somit ein spannendes Strategiespiel entstanden, dessen facetten- und variantenreiches Regelwerk versierten Spielern eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Seite stellt, die angestrebten Punkte zu erwirtschaften. Vor allem aber steht der Zweispielermodus der Dreier-, oder Viererpartie um nichts nach, was eine häufige Einsetzbarkeit verspricht. Mit DISKWARS (Amigo) wird der Spieler in eine phantastische Welt voller mystischer Wesen entführt. Dabei handelt es sich um ein neues, einzigartiges Spielsystem, bei dem man monumentale Kämpfe erleben kann, ohne aufwendige Vorbereitungen zu treffen. Alles was jeder Spieler dazu benötigt, ist eines der acht Diskwars-Sets im Taschenformat. Jedes dieser Sets enthält das schnell erlernbare Regelwerk, die notwendigen Kämpfer, Länder sowie Magier mit ihren Zaubersprüchen zum bilden einer individuellen Streitmacht. Bei jedem Diskwars Spiel erlebt man eine Abenteuergeschichte mit eigenen Spielzielen und Spielbedingungen. Hierbei haben die Spieler die Wahl zwischen Elfen, Zwergen, Drachen, Rittern, Orks, Untoten oder solchen phantastischen Wesen wie den Akoluthen und den Y´llan. ][ g Wer nun Lust bekommen hat selber in diese Welt zu schlüpfen, schickt am besten eine Postkarte mit dem Stichwort Diskwars sowie dem Absender an die Redaktion (Adresse im Impressum). Wir verlosen drei Exemplare dieses Spiels. Jenseits von Bits und Bytes TV-Tip: Domino-Day präsentiert von Linda de Mol am 03.11.00, 20.15 Uhr auf RTL. |
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