les gammas
Wie uebersetzt man Musik?
Eine Antwort hierauf hat auch Tom Wieland nicht, der verschollene dritte Mann von Les Gammas, wohnhaft in Wien hinterm Parlament, von dem Rest der Crew auch Onkel Tom genannt. Als DJ ist er in ganz Europa unterwegs, als Plattensammler auch mal in staubigen US-Lagerhaeusern. Als Resident im Augsburger Vibe Club sollte er zusammen mit Marc Frank Anstoss zu einem Projekt sein, das heute, zehn Jahre spaeter, in aller Munde ist ...
ouk: Fuer Franzosen sprecht ihr ziemlich gut Deutsch!
tom: naja ... was soll ich sagen ... also den Namen Les Gammas haben wir angenommen, weil uns die gleichnamige Sendung im Bayrischen Fernsehen so gut gefallen hat. Darin kamen Ausserirdische auf die Erde und lernten Franzoesisch. Ansonsten haben wir eigentlich keinen besonderen Hang zum Frankophilen.
ouk: Dann wollt ihr eure Hoerer also unterrichten, oder seid ihr gar Ausserirdische?
tom: Also ich fuer mich waere lieber ausserirdisch, als das ich unterrichten moechte. Bei den anderen zwei sieht es da vielleicht schon anders aus.
ouk: Was uns speziell bei eurem Album, aber auch bei aehnlichen Produktionen anderer Kuenstler auffaellt, ist der Einsatz von Gesang, sei es als Sprachgesang oder in Form gesungener Strophen. Gerade auf Exercises de styles gibt es ja viele Stuecke mit Gesang.
tom: Es geht bei dieser Art von Musik um Seele. Und die Stimme ist einfach das Medium schlechthin, um Seele zu vermitteln bzw. zu uebertragen. Aber ich selbst bin auch ueber Marcs Gesangtalent erstaunt. Ich kenne ihn ja schon seit ich 16 Jahre alt war, wir legten neun Jahre lang zusammen im Augsburger Vibe Club auf, als ich dann aber hoerte wie gut er singen kann, war ich echt ueberrascht.
ouk: Hat er das unter der Dusche gelernt?
tom: Nicht nur. Inzwischen nimmt er auch Gesangstunden. Das wichtigste an Les Gammas sind aber die Roots, die Marc und ich in den neun Jahren, in denen wir im Vibe Club zusammen waren, erarbeitet haben. Soul hat da natuerlich immer eine grosse Rolle gespielt.
ouk: Zur Zeit zeigt sich ja das Phaenomen, dass saemtliche Produzenten, die bislang auf ihren Computer und die digitale Technik schwoerten, jetzt liebend gern live auf der Buehne stehen wollen. Auch Les Gammas treten live auf, wie siehst Du diese Entwicklung?
tom: Nun, Les Gammas entstanden eigentlich genau anders herum. Jochen hatte urspruenglich eine Live-Band und war Stammgast bei uns im Vibe Club. Daraus entwickelte sich dann eine Art Hauskappelle, bzw. Clubband, die alte Soul- und Jazzstuecke nachspielte. Ich allerdings bin gar kein Musiker, sondern sehe mich als Plattenleger, Radio-Macher und vorallem als Musikliebhaber. Aber wie gesagt: Aus dieser Hauskappelle heraus entstanden Les Gammas, der Computer hielt also erst im Nachhinein Einzug. Aus genau diesem Grund treten Marc und Jochen auch sehr gerne live auf.
ouk: Also nur drei Leute. Wo bleiben die Streicher?
tom: Die haben wir alle in einer kleinen, schwarzen Kiste versteckt. Das gilt aber nur fuer die Auftritte. Es waere schoen, wenn wir immer ein Streichquartett zur Verfuegung haetten, was sich aber aus organisatorischen und finanziellen Gruenden nicht machen laesst. Folglich kommen die Streicher und Choere aus dem Sampler. Bei der Produktion spielen dann aber richtige Geiger, so bei All of me, wo Teile des Augsburger Stadttheater-Orchesters fuer uns gespielt haben. Generell gehen wir aber dazu ueber, immer mehr Samples durch echte Instrumente oder echten Gesang zu ersetzen. Allerdings lassen wir es uns nicht nehmen, das alles hinterher kraeftig zu bearbeiten und zu modulieren. Les Gammas Konzept beruht also auf zwei Straengen: zum einen sind da die Erfahrungen als DJs, basierend auf dem Clubabend im Vibe Club, zum anderen aus den Erfahrungen als Live-Band.
ouk: Dann erntet ihr jetzt also die Lorbeeren fuer eure langjaehrige Arbeit.
tom: Ja, das koennte man vielleicht so sagen, wobei wir alle davon ueberrascht worden sind. Sicherlich war es irgendwie voraussehbar, ich haette aber nicht gedacht, dass das alles so schnell geht. Man hat zwar durch die diversen Gast-DJs stets das Tor zur Welt offen gehabt und wir sind auch immer wieder eingeladen worden, aber jetzt machen wir eben selber Musik, anstatt nur die Musik von anderen zu spielen. Das ist schon toll. Und inzwischen leben wir ja auch von der Musik, obwohl ich ja eigentlich nach Wien gezogen bin, um mein Studium abzuschliessen. Es ist natuerlich sehr gewagt, denn wir sind ja auch nicht mehr die Juengsten und das ewige Rumreisen und Auflegen, immer bis spaet in die Nacht, faellt einem da nicht leichter. Uebrigens fragte mich Gilles neulich, wo denn das deutsche NuJazz-Wunderkind waere. Aber ich kenne da jetzt auch niemanden. Vielleicht ist das aber auch die Arroganz von uns alten Hasen.
ouk: Nun, man muss sich ja auch erst einmal ein grosses historisches Spektrum erarbeiten und erschliessen. Mit 15 machen das wohl die wenigsten. Aber sag uns doch jetzt mal, woran man eigentlich einen Les Gammas-Remix erkennt.
tom: Nun, eigentlich erkennt man ihn gar nicht. Wir wollen uns nicht auf bestimmte Sounds festlegen und setzen uns auch bewusst keine Grenzen. Wenn uns ein neuer Stil gefaellt, dann machen wir das eben. Sicherlich, Fender Rhodes und Gesang sind etwas, was wir alle lieben. Deshalb kommen sie natuerlich auch haeufig vor. Stuecke liegen ja auch viel naeher am Pop, als am typischen DJ-Tool-Format. Ich denke auch, dass du dir die eigene Kreativität raubst, wenn du dich von vornherein auf einen bestimmten Stil festlegst. Stil heisst ja auch nicht, sich hinzusetzen und einen Track zu machen. Stil besteht immer auch aus all deinen gesammelten Eindruecken.
ouk: Und doch kann man oftmals einen Remix blind erkennen.
tom: mmmh, auch das ist mittlerweile schwierig. Es produzieren ja soviele Leute die gleiche Art Musik.
ouk: Auch Euer Sound hat sich von der ersten Maxi Servus Mr. Bond zum Album stark veraendert. Weniger Dancefloor-typisch, dafuer sehr musikalisch und durchdacht. In der Szene in der Ihr agiert ist das nicht gerade typisch.
tom: And in the beginning ,there was RHYTHM ... Exercise als Listening Album schafft es hoffentlich zu einer laengeren Halbwertszeit in Deiner Plattenkiste bzw. zu Hause. Schau doch mal in Deine Box: wieviele 12" bleiben da laenger als 3 Monate bestehen? Nach 1 1/2 Jahren Exercise Produktionszeit wuchs natuerlich der Eigenanspruch, mehr als blose Dancetracks zu schaffen und sowas wie klassisches Songwriting mit Elektroniksupport begann. Das war beim Album allerdings kein grundlegender Masterplan, sondern ist wohl eher auf den Live-Musiker-Background von Jochen und Marc zurueckzufuehren. Hinter den Les Gammas-Produktionen steckt oft lange Arbeitszeit: ein bis vier Wochen wird grundsaetzlich intensiv an den Produktionen gefeilt, bevor sie erst mal im heimischen Club getestet werden. Und dann wird nochmal weitergefeilt ...
Vinyl mit Stammplatz in meinem Case (wenigstens für die letzten Monate)
Isolee`: beau mont plage (freeform mix)
Little Louie Vega feat Blaze: elements of life
Billy Foster: dreams (old school jazzdance magic)
V.A. Snowboy presents the HI HAT the true JazzDance Session
Innershade: operator (Attica Blues rmx)
][ edl und mb
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