OUK das siebenund20ste ± einladend & beleuchtend ± Okt/Nov 00 Mr Burnz

Mr.Burnz-Bringing Turntablism to the next step!

Bei einer lokalen DJ-Battle in Erlangen Anfang diesen Jahres standen sich im Finale die Lokalmatadoren Skeme und Mr.Burnz gegenüber. Im Vorfeld mußten sich den beiden Repräsentanten der DJ-Crew Liquid Finguz illustre Namen wie der Münchner M-Tech oder der Göttinger spätere ITF- und DMC-Runner-Up Kid Fresh geschlagen geben, was vor den diesjährigen deutschen ITF-Meisterschaften die Konkurrenz ehrfürchtig gen Nürnberg/Erlangen blicken ließ. Wie sich erweisen sollte zurecht, denn der in Erlangen noch unterlegene Mr.Burnz besiegte bei der wichtigsten Battle des Jahres einen Großteil der deutschen Turntablism-Elite und trat damit in die Fußstapfen des nicht mehr angetretenen Titelverteidigers Hype. Mr.Burnz, das ist der erst 16-Jährige Jan Wagner, der für eine neue Generation endlich auch wieder international wettbewerbsfähiger deutscher Turntablists steht, die mit frischen Ideen und dem nötigen Enthusiasmus Hoffnungsträger für die Zukunft ist.

ouk: Wie kommt jemand in so jungen Jahren auf die Idee, sich dem Turntablism zu widmen?
Burnz: Ich habe das immer bei meinem großen Bruder Inzpekta H. gesehen und wollte natürlich das gleiche machen wie er. Allerdings hat er mir hoch und heilig verboten, an seine heiligen Plattenspieler zu treten. Deshalb habe ich mich immer heimlich nach oben geschlichen und geübt, wenn er nicht da war. Das war so vor 2 ein Viertel Jahren. Irgendwann hat er mich dann erwischt und cool wie er ist, hat er nicht geschimpft, sondern mir 6 Platten in die Hand gedrückt und mir gesagt, daß ich damit machen kann, was ich will. Bis ich dann meine ersten eigenen Plattenspieler hatte, haben wir uns praktisch immer darum geschlägert, wer üben darf.

ouk: Wer ist der bessere von euch beiden?
Burnz: Ich. Er hat eine Zeit lang nicht viel gemacht, während ich sehr schnell besser geworden bin. Jetzt holt er aber auf das krasseste auf. Er hat von uns auch immer die besten Ideen, kann sie aber manchmal nicht umsetzen. Dann probiere ich das halt.

ouk: Wie waren die Gedanken nach dem Titel bei den deutschen ITF-Meisterschaften?
Burnz: Das war das absurdeste, was ich mir hätte vorstellen können. Ich habe es für nie, nie, nie möglich gehalten. Das war das Ziel, was ich mir für die nächsten drei Jahre gesetzt habe und jetzt hat es schon dieses Jahr geklappt, ich bin der glücklichste Mensch der Welt. Nach dem Finale kam direkt Sat 1 und wollte ein Interview, aber ich bin in Tränen ausgebrochen und habe es überhaupt nicht mehr gepackt.

ouk: Wie sieht es mit der Nervosität aus?
Burnz: Oh je, ziemlich heftig. Ich bin ein Typ, der immer aufgeregt ist. Bei den Eliminations hatte ich wirklich Glück: Ich habe bei einem der Juggles eine Stelle nicht abgeklebt, weil ich sonst Rillen überklebt hätte, die ich gebraucht habe. Also mußte ich die Nadel frei Hand setzen. Dabei habe ich so gezittert, daß gar nichts mehr ging. Irgendwann habe ich die Nadel einfach fallen lassen und sie ist auch noch in der genau richtigen Rille gelandet...Im Finale wurde es dann mit der Zeit besser.

BURN, BABY, BURN!

ouk: Wieviel Sunden pro Tag übst du?
Burnz: So im Schnitt eineinhalb Stunden zu Hause und noch mal eine Stunde mit Freunden, vor der Meisterschaft noch ein bißchen mehr.

ouk: Welche Nadeln benutzt du?
Burnz: Die silbernen Concorde Pro, aber auch Sure und Stanton sind ziemlich cool.

ouk: Welchen Style legst du im Club auf?
Burnz: Naja. Zwar sagen viele, daß man seinen eigenen Style spielen soll, aber das was mir persönlich am besten gefällt ist entweder nicht partymäßig genug oder würde den Leuten nicht so gefallen. Ich finde ein DJ ist in erster Linie dazu da die Leute zum tanzen zu bringen und nicht arrogantmäßig irgendwie sein eigenes Zeug durchzubringen. Ich weiß, das es andere Stimmen gibt, aber ich spiele lieber "Watch out now" u.s.w., was mir ja auch gefällt, auch wenn es besseres gibt. Mir und meinem Ego tut es auch gut, wenn die Leute abgehen und tanzen auf das Zeug, das ich spiele.

ouk: Hörst du nur HipHop? Wie siehts mit Drum'n'Bass aus?
Burnz: Drum'n'Bass höchstens zum Jugglen, ansonsten vor allem Ragga und Dancehall.

ouk: Was hältst du von Bodytricks?
Burnz: Die mag ich nicht, weil ich die Plattenspieler als Instrumente sehe und nicht als Zirkusnummer. Es ist natürlich Oldschool und das respektiere ich schon, aber die Zeiten sind einfach vorbei. Es ist schade, daß das beim Publikum immer am meisten wirkt.

ouk: Wann kommt der Zeitpunkt, an dem das üben anfängt zu nerven?
Burnz: Nie, auch wenn ich jeden Tag dieselbe Routine übe. Keine Ahnung warum, mir macht es einfach Spaß. Nerven tut’s, wenn von 10 Versuchen 8 mißlingen. Dann bekomme ich meinen Ausraster. Dann mache ich aber trotzdem so lange weiter bis es klappt.

ouk: Wie wichtig für dich ist die Musikalität bei deinen Routines?
Burnz: Sehr wichtig! Für mich hat eine Routine einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende. Das kommt daher, daß ich seit 11 Jahren Geige spiele, wo der Aufbau ähnlich ist.

ouk: Hast du noch Zeit für die Geige?
Burnz: Die wird schon ein bißchen vernachlässigt, weil ich eben die Plattenspieler für mich gefunden habe. Das ist einfach mein Instrument. Ich bin noch zu jung und unreif, um das mit der Geige zu bereuen, aber ich werde damit ja auch nie aufhören. Es ist sowieso Pflicht an meiner Schule, daher könnte ich gar nicht aufhören. Aber die Plattenspieler sind einfach mein Leben geworden. Dieses Element erfüllt mein ganzes Leben mit Freude.

ouk: Du hast dich mit deinem Sieg für die ITF-Weltmeisterschaften qualifiziert und eine Einladung zu den Vestax-Meisterschaften in Tokio erhalten. Schon nervös? Wie ist dein Ziel?
Burnz: Das ist schon krass. Wenn mich jemand darauf anspricht, denke ich immer "Oh Gott, erinnere mich nicht daran". Ich will dort einfach durch die Elminations und dann schauen was passiert. Ich bin jedenfalls kräftig am üben für neue Runs.

ouk: Nimmst du auch an den DMC-Meisterschaften teil?
Burnz: Das würde ich super verdammt gerne machen, weil mir das System besser gefällt. Da hat man mehr Zeit und kann sein musisches Talent viel besser zeigen. Die eineinhalb Minuten bei ITF sind dafür zu knapp. Aber DMC ist in Deutschland einfach zu unorganisiert. Ich habe keinen Bock, mich von einer Jury bewerten zu lassen, die teilweise aus dem Publikum gewonnen wird und zwischen einer Technoveranstaltung meine Sets zu machen. Es war schon krass, daß die den G-Spot letztes Jahr besser bewertet haben, als den Hype. Nichts gegen G-Spot, der mag superfreundlich sein und kann da ja nichts für, aber das war schon übel.

ouk: Wie sieht’s mit eigenen Produktionen aus?
Burnz: Also Turntablism hat absolut Vorrang, vielleicht später, wenn ich damit mein Geld verdienen sollte. Im Vordergrund steht jetzt aber erst mal die Schule. Damit aufzuhören wäre das Dümmste überhaupt, ich habe ja noch nicht mal die Mittlere Reife.

ouk: Wie ist das Interesse an deiner Person nach dem Titel?
Burnz: Naja, das hat mir schon Türen geöffnet. Ich habe jetzt auch einen Manager, weil viele denken sie könnten mich angesichts meines Alters abzocken. Wie auch immer, ich hoffe nur, daß mir der sogenannte Erfolg nicht zu Kopf steigt.

ouk: Es fällt auf, daß Turntablism in Deutschland nicht den Stellenwert hat, wie beispielsweise in Frankreich oder den Staaten. Was meinst du, woran das liegt?
Burnz: Also mir ist eher aufgefallen, daß jeder weiß, was das ist und das die Leute wirklich darauf abgehen. Aber das kann natürlich daran liegen, daß ich mich nur mit solchen Leuten herumtreibe. Aber als ich vor zwei Jahren die Excecutioners zum ersten Mal gesehen habe, habe ich auch nur gedacht, juhu, Wahnsinn, aber kapiert habe ich überhaupt nichts. Es sind aber wohl eher die 40-jährigen, die damit überhaupt nichts anfangen können.

ouk: Was sagt deine Mutter dazu?
Burnz: Mum ist stolz auf mich und findet das supertoll. Sie sieht halt, daß man dafür Begabung und Fingerfertigkeit braucht. Sie findet es trotzdem ein bißchen lärmig; das kann ich aber bei Außenstehenden verstehen. Sie stand auch von Anfang an dahinter und hat mir letzten August auch meine eigenen Plattenspieler und einen Vestax gekauft. Das war ein supertoller Tag.

ouk: Wie erklärst du dir, daß du innerhalb von so kurzer Zeit derartige Skills an den Tag legst?
Burnz: Naja, meine Crew, die Liquid Finguz, und ich, wir waren alle auf der selben Schule, der Chris war sogar mein Tutor. Jeder hat zuhause immer etwas vorbereitet und ist dann direkt zu den anderen gerannt, um es ihnen zu zeigen. So haben wir uns gemeinsam super hochgepusht. Man wollte halt die anderen immer toppen, das motiviert natürlich unheimlich.

ouk: Siehst du eine Chance an Leute wie Q-Bert, D-Styles oder Craze heranzukommen?
Burnz: Ich werde alles dafür geben, aber ich könnte niemals bewerten, ob das möglich ist. Ehrlich gesagt möchte ich sowieso meinen eigenen Style finden und diese Jungs nicht kopieren. Ich bin aber sowieso eher der Juggler, das gefällt mir besser. Insofern ist Q-Bert auch kein Vorbild. Im Scratchen klar, aber seine Juggles haben wenig Flow und keinen Style. Da hat Craze schon die hammer Mischung. Also üben, üben, üben und dann schaun mer mal...


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