OUK das achtund20ste ± zackig & wählerisch ± Dez/Jan 00 Jenseits von Bits und Bytes

Jenseits
von Bits und Bytes

Nachdem nun die vom Kosmos Verlag in Zusammenarbeit mit Klaus Teuber ins Leben gerufene Insel Katan bis an ihren Rand besiedelt ist, folgt in selbigem Verlag als logische Konsequenz der Ausbau der Städte im Detail. Mit LA CITTA von Gerd Fechtel stürzen sich nun zwei bis fünf Entwicklungsspielbegeisterte in die Rollen italienischer Fürsten. Ihre Aufgabe besteht darin, zwischen den 22 Landschaftsteilen ihren Städten ruhmreiche Expansion zu bescheren. Auch hier stehen dabei drei unterschiedliche Rohstofftypen im Vordergrund, um die im erbitterten Wettstreit gerungen werden muß. Dabei dient die Landwirtschaft der Ernährung des angestrebten Bürgerzuwachses, Gewässer der hygienischen Versorgung sowie Marmorvorkommen dem finanziell bessergestellten Ausdehnen der Stadtgrenzen. Doch kaum beginnen die Bürger sich in der jeweiligen Stadt anzusiedeln, da stellen sie auch schon ihre Forderungen. Daher ist es dienlich, seine Stadt mit den nötigen der elf zur Verfügung stehenden Einrichtungen zu versehen. Nur so kann ein weiterer Zuwachs ermöglicht und eine zufriedene Atmosphäre unter den Bürgern und die Attraktivität gegenüber anderen Städten erzielt werden. Und sind erst mal die nachbarlichen Stadtmauern bis auf drei Felder herangerückt, dann läuft ein unausgewogener Baumeister schnell Gefahr, daß ein massenhafter Auszug seiner so benötigten Bewohner stattfindet. Kaum daß sie weggezogen sind, verkommen auch schon die nicht mehr umsorgten Gebäude, und vorbei ist es mit der Expansion. Wer dagegen mit Sorgfalt ein breitgefächertes kulturelles, hygienisches und bildungsorientiertes Angebot seinen Bürgern angedeihen ließ, wird am Schluß die Lorbeeren davontragen. Mit Aktionskarten und Politikkarten planen dabei die Spieler im Verlauf der sechs Spieljahre in jeweils fünf Politikrunden ihren Zug. Ein etwas ungewöhnlicher Spielverlauf, der aber nicht zuletzt dem Spiel auch seinen besonderen Reiz verleiht. Weit entfernt von den Glücksfaktoren der Katan-Reihe gestaltet sich das Geschehen auf dem riesigen Spielbrett fast ausschließlich nach strategischem Geschick. Die detailverliebt gearbeiteten Steinminiaturen der Bürgerfiguren geben nebenbei einen angenehmen Anreiz mehr von selbigen als seine Untertanen sehen zu können. Mit der Gliederung der gut strukturierten Anleitung in vier teilnehmerzahlbedingten Spielvariationen läßt sich LA CITTA auch gut zu zweit spielen, und wird sich so sicherlich rasch einer großen Beliebtheit nicht nur unter den Siedlern erfreuen.

Auf wesentlich geheimnisvolleren Pfaden bewegen sich die drei bis fünf Abenteurer auf ihrer Suche nach den Schätzen von ESCHNAPUR. In dem von Reinhard Staupe entworfenen Spiel (Schmidt Spiele) betritt man den verloren geglaubten, von zahlreichen Sagen umwobenen, goldenen Tempel. Taktisch geschickt müssen Vorrats-Plättchen an einen Mitspieler verkauft, Entscheidungen ob und wenn, dann wie weit die eigene Figur gezogen wird, getroffen, sowie als letzte der drei Aktionsmöglichkeiten(!) der Entschluß zur Öffnung einer geheimen Nische gefällt werden. Denn oft verfügen die anderen Mitspieler über mehr Kapital, um in der Bietrunde den siegversprechenden Punktezuwachs zu ersteigern. Dabei dienen gut gemischte Zahlenkarten mit Werten von 1-30 als Einsatz, der aber je nach Gebotshöhe teurer bezahlt werden muß. Aber auch der mit dem niedrigsten Gebot geht nicht leer aus, bekommt er doch die Fundplatte, unter welcher sich der leider nicht errungene Schatz befand. Fairness ist in diesem Spiel sowieso groß geschrieben, gesellt sich doch der massiv lachende Tempelmönch immer auf die Seite der Zurückliegenden und vertröstet sie mit der Verdoppelung ihrer Punkte. Schnell wendet sich seine Sympathie aber einem anderen zu, sollte dieser das Nachsehen auf der Punkteskala einnehmen. Besonders unterhaltsam gestalten sich dabei die Verhandlungs- und Versteigerungsphasen. Vor allem erstere zeichnet sich durch eine unglaubliche Gebotsvielfalt aus, da alle Spielmaterialien bei der Gebotsabgabe zur Verfügung stehen. Preise werden bis aufs kleinste gegen andere abgewägt und schließlich erhält einer den Zuschlag. Nicht zuletzt ist es aber häufig reine Sympathie, die über den Zuschlag entscheidet. Ohne die übersichtlichen Übersichtskarten und äußerst ausführliche Spielbeispiele wäre allerdings die Altersangabe mit 9 Jahren zu niedrig angesetzt, da eine weit gestreute Handlungsvielfalt auch diesem Spiel eine ausgewogene Komplexität schenkt. Problemlos reiht sich ESCHNAPUR bei den sogenannten „Erwachsenenspielen“ ein. ][ g

Majongsteine

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