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Klubkultur_Manyfest
der Klub ist das Opernhaus der Neuzeit mit den Gästen in den Hauptrollen
der Klub > der Klub ist ein halb-öffentlicher, halb-virtueller, sozialer Raum.
Öffentlich, weil er jedem zugänglich ist, halb, weil es einer Folge von Codes bedarf, um zu ihm und in ihn zu finden. Diese Codes gelten für und in bestimmten Gruppen. Sie sind für sie von ihnen geschaffen worden;
>Semiotik. Halb-virtuell, weil sich bisweilen Räumliches auflöst und zeitweise die Schwerkraft schwindet.
die Klubkultur > die Klubkultur bietet ein facettenreiches Stimmungslager.
Der Klub vereinigt Tonkünstler, Musiker, DJs, Bildkünstler, VJs, Lichtdesigner, Barkeeper, Gäste (Tänzer, Trinker, Flirter, Models, etc.), Grafikdesigner (Flyer/Site) und andere Gestaltgebende.
Jeder von ihnen bringt etwas mit. Es entsteht ein unvollendetes System von Teilen und gelegentlich entsteht aus diesen Teilen ein vollendetes Ganzes auf Zeit. Gestaltet und belebt wird ein spezieller Raum (s. der Klub).
der Gast > der Gast im Klub trägt Mode, spielt Rollen, konsumiert und erlebt.
Der Gast ist Teil eines womöglichen Ganzen (s. die Klubkultur). Er ist Teilnehmer und Teilgeber zugleich. Jeder reflektiert für sich selbst das Erlebte, setzt dies in (s)einen Kontext und gestaltet so jedesmal und immer wieder aufs neue seine eigene Erlebenswelt.
das Momenthafte > im Klub ist alles im Fluß.
Stillstand gibt es nicht. So wie die Zeit verstreicht, verstreicht auch das Erlebte. Jeder Moment ist nur ein Moment und eine Aufnahme gibt es nur für jeden Einzelnen. Zurück bleibt bestenfalls ein Flyer.
der Lebensraum > der Klub ist ein Raum des Er-Lebens.
... und deshalb den Institutionen gegenüber im Vorteil. Im Gegensatz zum Museum, Theater, Konzertsaal, Kino und anderen kulturellen Räumen ist das Frontale einer Inszenierung größtenteils aufgelöst und die Erleber (alle Teilgeber/Gestalter) sind Teil des Erlebten.
Die Ekstase und der Absturz liegen nahe beieinander und werden tatsächlich erlebt/gelebt.
der Spielraum > der Klub bietet einen ungeahnten Freiraum: den der Bewegung.
Im Gegensatz zu vielen anderen öffentlich-sozialen Räumen ist der Klub nicht statisch. Er verändert sich selbst Tag für Tag und er läßt auch bei seinen Besuchern Bewegung zu. Immer wieder kann der Gast von einem Blickwinkel in einen anderen wechseln, sich einer Soundfrequenz nähern oder einem Gespräch fern bleiben.
Der Klub bietet dem Gast einen Spielraum der Aktion, der Rezeption und der Reaktion.
die Raumsprache > der Klub ist ein Kommunikationsmedium.
Mit diesem Medium können intellektuelle, künstlerische und andere Inhalte lustvoll vermittelt werden. Das sinnlich Erlebbare steht dabei im Vordergrund, denn zur Vermittlung von Infor-mation stehen wiederum verschiedenste Sub-medien zur Verfügung.
Um einen Inhalt lustvoll zu vermitteln, ist es wichtig, erlebbare Werkzeuge zu wählen. Im Klub als realem Raum können hierbei alle(!) menschlichen Sinne angesprochen werden.
der Nährboden > der Klub ist ein Breitbandnährmedium.
Dieses Nährmedium dient zur gegenseitigen Befruchtung verschiedenster Gestaltungsgattungen und vermischt die Kunstsparten untereinander. Im Klub tauschen Gestaltende ihre Gestaltungen mit anderen Gestaltenden aus, legen ihre Produkte in- und übereinander, treffen auf- und reiben sich aneinander.
Auf diesem Nährboden können Ideen wachsen und Produkte gedeihen.
der Klubkurator > der Klubkurator zeigt im Klub Bewußtsein.
Die Wahl der Gestaltenden ermächtigt den Kurator zur Schaffung immer neuer Konglomerate aus Raum, Ton, Bild und anderen Gestaltungsräumen, die Wahl der Codes zu immer neuen Gästen. Sein Gestaltungsfreiraum ist enorm groß.
die Spannungsfelder > der Klub steht in den Spannungsfeldern verschiedenster Sparten und Welten (s. der Nährboden).
Zwischen den konventionellen Sparten (Disziplinen) und den traditionellen Welten (Kulturen) liegt eine extrem große Gestaltungsfreiheit und ein extrem aussichtsreiches Entwicklungspotential. Im Klub werden daher diese Disziplinen und Kulturen begriffen und gepflegt.
Auch wenn im Klub Musik immer noch als Hauptkomponente der Gestaltung begriffen wird, schaffen auch Raum, Licht, Kleider, Grafik, Bild, Geruch, Codes und Botschaften eine Atmosphäre, die schließlich zum Gesamten der Teile beitragen.
die Klublounge > im Gegensatz zum Dancefloor bietet die Klublounge die Chance des Nicht-Tanz-Zwangs.
Nicht daß das Tanzen im Klub nicht wünschenswert wäre, ist doch auch und gerade der Tanz ein sehr lustvolles und sinnliches Erleben von Rhythmen & Co. Die Gestaltenden jedoch setzt der Dancefloor unter einen gewissen Handlungszwang: Rhythmen müssen pulsieren, Lichter beweglich sein und Dunkelheit schafft Freiheit für den Einzelnen.
Die Lounge hingegen ist frei in der Wahl ihrer Mittel und Wege. In der Lounge können Klangraum und Wortwechsel, Rhythmus und Bild, Ruhe und Ordnung neben Chaos und Willkür stehen. In der Lounge gibt es Zonen zum Ruhen und Aufsaugen, aber eben auch die Freiheit der Bewegung.
Die Bewegung muß aber nicht zwangsläufig im Tanz enden (kann aber), und somit der Soundgestalter nicht zwangsweise an der Drummachine.
die Chancen > die Risiken in der Klubkultur schaffen neue Maßstäbe oder bestätigen bestehende Qualitäten.
Im Klub können Gestaltende Wege, Möglichkeiten und Verbindungen zeigen, oder diese andeuten, um die Potentiale jeder individuellen Entwicklung freizulegen. Eine freie individuelle Lebensgestaltung ist dann möglich, wenn in jedem Fremden und allem andersartig und unmöglich scheinenden die Chance einer Weltbildveränderung und -erweiterung gesehen wird.
die Aufgabe > die Sinnlichkeit der Klubkultur stiftet Sinn und Unsinn.
Es ist die Aufgabe des Klubs alle Sinne zu befriedigen und aus der bewußten oder unbewußten Wahl von Teilen ein kurzzeitiges Ganzes zu schaffen (s.u.a. der Klub). Der soziale Raum gibt hierfür einen Vorsprung und läßt gleichzeitig einen Spielraum für jeden einzelnen zur persönlichen Teilnahme/-gabe und zur individuellen Weltbildveränderung.
das Leben > die Klubkultur lebt, nach innen (Raum/Gesellschaft) und nach außen (Gesellschaft/Raum).
Vieles gibt es schon, das meiste noch nicht und weniges ist vollendet. Und dies ist zeitlebens so. Auf der Suche nach Antworten und Lösungen erscheinen im Unmöglichen die größten Möglichkeiten. Es geht dort weiter, wo es nicht weiter zu gehen scheint.
Abstrakte Sounds und abstruse Bildsprachen sind gewöhnungsbedürftig, Pop ist schön, Licht kann malen und Geräusche bauen sich zu riesigen Türmen auf. Und zwischen all dem findet das Leben statt.
dies ist ein meta_cogito_camp_strat_manyfest _niemals vollendet und deshalb zeitlebens teilwahrhaftig_ 16.11.2000_22:38
][ philipp meier
metastar@substrat.ch
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katja stier
katja@camp-cogito.net
www.camp-cogito.net
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