OUK das achtund20ste ± zackig & wählerisch ± Dez/Jan 00 Skunkrock Tour Tagebuch

Skunkrock ist kein deutsches, kein englisches und auch kein amerikanisches Label. Skunkrock ist ein internationales Label und für Alicia Williams aka Alley Cat und Mark Bauer aka Mark ESP mittlerweile zum Fulltime-Job geworden. Nachdem man sich mit Remix-Einkäufen bekannter Drum'n'Bass-Artists wie Dom & Roland, Klute, Konflict oder Digital & Spirit einen gesunden Bekanntheitsgrad erarbeitet hat, ist in Zukunft verstärkt mit Remix-freien 12"s zu rechnen. Daniel Savine zog sich als Label-Mitinhaber zurück, wird aber weiterhin als Künstler unter dem SRP-Banner firmieren. Zudem bestreitet er am 23. Dezember diesen Jahres seinen letzten Auftritt als DJ. Und dann? Eine Karriere als Radiomoderator? „Intastate“ (Kabuki & Savine, Skunkrock 007) eroberte soeben die Deutsche Club Charts auf Platz 33. Was will man mehr. Der Relaunch der Webseite http://www.skunkrock.net ist geglückt und das neue Logo mundet sehr und läßt auf eine angenehmere Verpackung der schwarzen Rundlinge hoffen. Die Wahlvorbereitungen in den USA sind in vollem Gange und da müssen ausgerechnet die Skunkrocker in die USA fliegen, eine Tour machen und alles auf den Kopf stellen?! Was die amerikanische Drum'n'Bass-Szene mit Mannheim gemeinsam hat und daß selbst in Südafrika zu Drum'n'Bass gefeiert wird - das Tourtagebuch von Daniel und Alicia wird Aufschluß darüber geben.

-----

07.10.00 ::: Los Angeles
Alley Cat: „The Neverending Story“ war der Name des ersten Events der Skunkrock Tour und der Veranstaltungsort wurde kurz zuvor von Hollywood ins 90 Autominuten entfernte San Bernadino verlegt. Am Flughafen traf ich den sehr netten Künstlerbetreuer und Support-DJ Don. Konflict flogen bereits einige Stunden zuvor aus Australien ein, während Spirit und Loxy aus London erwartet wurden. Ich konnte kaum erwarten Spirit zu sehen, weil er mir einige langersehnte Promos mitbrachte. Vor Ort an diesem Abend trafen wir dann noch lustigerweise Lars und Pamela vom Berliner Icon Club. Auf der Party waren wir umgehend von ca. 2000 verpillten und Leuchtstift schwingenden Candyravern umgeben. Vor meinem Set traf ich E-Sassin, einen Veteran der amerikanischen Szene, der mich vor dem schlechten Soundsystem warnte. Es war sehr schwer die Raver mit anderem als den üblichen Hits zu motivieren. Spirit spielte nach mir ein hervorragendes Set und während alle eine gute Zeit hatten, wurde er vom Soundtechniker angeschrien, er solle gefälligst den 'Gain' runterdrehen. Rob (Konflict) mußte sich anschließend mit diversen Ablenkungen herumschlagen. Das fing an bei einem Möchtegern-MC, der ohne Micro einfach in die Menge schrie und hörte damit auf, daß Rob von Teenie-Ravern umringt wurde, die ein Photo mit ihm haben wollten. Dieses mußte ich dann machen, bis sie erkannten, daß ich auch einer der DJs war, und mich sogleich derselben Behandlung unterziehen wollten. Ich lehnte ab und machte mich mit Rob aus dem Staub. Nachdem die Drum'n'Bass-Area ins Trance-Zelt verlegt wurde, bestritten Kemal (Konflict) und Loxy den krönenden Abschluß. Nach nur wenigen Stunden Schlaf mußte ich mich bereits um 7 Uhr morgens wieder zum Flughafen aufmachen, von wo aus es erstmal für einige Tage nach Hause ging. Am darauf folgenden Freitag machte ich mich auf den Weg zum fast 6000 km entfernten Washington, um mich dort nach 5 Stunden Flug, drei Stunden Zeitverschiebung und diversen Spielfilmen mit den anderen Tour-DJs Daniel Savine und Digital & Spirit zu treffen.

13.10.00 ::: Greensboro
Daniel Savine: Freitag der 13., ein Unglückstag für andere, für mich der Beginn der Teilnahme an der Skunkrock-US-Tour. Um 5 Uhr morgens verließ ich Ludwigsburg. In Washington angekommen und mich ohne Arbeitsvisum durch den Zoll geschmuggelt, traf ich am Departure-Gate Alley Cat und Digital & Spirit. Digital kam am selben Tag aus London und Spirit aus Florida. Wir hatten ein schönes Hotel aber nicht viel Zeit zum Relaxen. Im Club angekommen, einem großen Warehouse, begann ich gegen Mitternacht aufzulegen. Während meines Sets füllte sich der Laden und ich hatte 40 Minuten Spaß beim Auflegen, bis ich feststellte, daß mich diverse Trainspotter anstarrten, was mich nervös machte. Alley Cat, sowie Digital & Spirit rockten nach mir den inzwischen mit ca. 550 Gästen recht vollen Club. Ebenso Teebee, der eine regelrechte Show abzog und sich durch sein Set mixte und scratchte. Ich verließ den Club mit dem Eindruck, daß die amerikanische Crowd der Mannheimer doch sehr ähnelt: viele Kids, ähnliche Klamotten, Lightsticks, Drogen und was eben sonst noch alles den wahren Raver ausmacht.

14.10.00 ::: Dallas
Alley Cat: Am nächsten Tag verließen wir Greensboro in North Carolina und flogen via Washington nach Dallas. Der Club hieß 'Homebar' und war mit den anwesenden 500 Gästen sehr gut gefüllt. Als ich als erste an die Decks ging, war der Monitor ohrenbetäubend laut. Ich fragte nach dem Techniker, der aber bereits irgendwo besoffen in der Ecke lag, so daß mehrere DJs versuchten der Situation Herr zu werden. Aufgrund meiner Müdigkeit erschien der Auftritt eher unwirklich, fast wie ein Traum. Die Crowd war abwechselnd am ausflippen und dann plötzlich wieder völlig emotionslos. Die Veranstalter hatten im Vorfeld 200 Feuerzeuge verteilt, die bei Hits wie 'Waterhouse Dub' oder Tracks der neuen Phantom Audio EP im Publikum ein wahres Lichtermeer entstehen ließen. Nach der Party waren alle ziemlich kaputt, aber doch zufrieden mit dem Verlauf des Wochenendes. Ich verabschiedete mich von Digital und bedankte mich auch bei Spirit für die Gastauftritte auf der Tour. Von nun an sollten Daniel und ich den weiteren Verlauf der US-Tour alleine bewältigen. Sonntag hatten wir endlich einen freien Tag zum Relaxen: Ausschlafen, mit dem Veranstalter abhängen, Essen und ins Kino gehen.

16.10.00 - 17.10.00 ::: San Francisco
Daniel Savine: Montag war ein weiterer Offday, allerdings mussten wir bereits um 6.45 Uhr aufstehen, um unseren Flug rechtzeitig zu bekommen. Zwei Stunden später waren wir in San Francisco, wo wir uns erstmal die Zeit um die Ohren schlagen mußten, da ein Kumpel, bei dem wir wohnen sollten, erst um 14.00 Uhr von der Arbeit kam. Am Nachmittag besuchten wir Compound Records, den wohl bekanntesten, reinen Drum'n'Bass-Plattenladen an der Westküste und ich deckte mich erstmal mit frischem Vinyl ein. Der Rest des Abends verlief mit einigen gemütlichen Gläsern Bier recht entspannt. Während Alicia noch eine Party besuchte, gönnte ich meinem geschlauchten Körper lieber einen frühen Schlaf. Am nächsten Tag legte ich bei „Phuncktion“ auf, der Party der bekannten Phunckateck Crew um UFO! und Sage im Club „The Top“. Alicia hatte dort vor drei Jahren eine eigene Party-Reihe laufen. Sie sollte an diesem Tag eigentlich in Santa Cruz auflegen, was aber kurzfristig abgesagt wurde, so daß sie den Abend nun als Gast verfolgte. Der Club selber, oder vielmehr die Bar, war recht klein und bereits mit 50 Gästen gut gefüllt. Dieses Mal waren etwas weniger Gäste als sonst anwesend, was vermutlich daran lag, daß man in San Francisco inzwischen an sieben Tagen in der Woche auf Drum'n'Bass-Parties gehen kann. E-Sassin legte vor mir auf und das recht hart mit ausschließlich Dubplates und einem Track auf Vinyl von Digital, der ehrlich gesagt auch der einizige war, der richtig rockte. Danach kam ich für zwei Stunden an die Decks und spielte ein für San Franciscoer Verhältnisse eher abwechslungreiches Set, was den Leuten scheinbar gut gefiel. Schade nur, daß das Soundsystem so schlecht war, was aber ein generelles Problem in den USA zu sein scheint. Insgesamt eine nette, familiäre Party.

18.10.00 ::: Los Angeles
Alley Cat: Kaum in LA gelandet, ging es direkt zum „Databass Webradio“, das sich in einer coolen Arbeits-/Wohnkombination im Industriegebiet der Stadt befand. Daniel und ich spielten eineinhalb Stunden und zum ersten Mal überhaupt back2back. Das funktionierte sehr gut und mal wieder ohne vorherige Ruhe im Hotel war es bereits wieder Partytime. Diesmal bei „Konkrete Jungle“, der Party von Daddy Kev & Hive.
Daniel Savine: Während unserer Sets waren Leute am Breakdancen - laßt uns das bloß nicht in Deutschland einführen! Der Höhepunkt war irgendein Verpeilter, der sich über die DJ-Kanzel lehnte und schrie: "The basslines, man, the basslines!" Für die Gäste war der Sound wohl etwas ungewohnt. Virus- und Bad Company-Basslines schienen eher erwünscht zu sein.
Alley Cat: Wir trafen schon wieder E-Sassin, wollten jedoch nach dem Gig schnellst möglich zurück zum Hotel, das im Art-Deco-Stil direkt am berühmten 'Hollywood Boulevard' lag. Wir hatten wieder mal nur wenige Stunden Ruhe zu erwarten, bevor wir um 6.30 Uhr morgens den ersten von drei Flügen nach Jacksonville in Florida erwischen mussten. Der Beginn einer zwölfstündigen Flugreise über drei Zeitzonen.

19.10.00 ::: Jacksonville
Daniel Savine: Abends angekommen, konnten wir noch schnell etwas essen, bevor es in den Fat Cat Club ging. Als ich auflegte, waren wenige Gäste am tanzen, da sich die Leute nach Aussage des Promoters für gewöhnlich erst „warmtrinken“. Das wäre letzte Woche bei Spirits Gig auch nicht anders gewesen. Na ja, wenigstens waren hier keine Pillen im Umlauf. Nach mir spielte Alicia und brachte sogar mich zum tanzen. Um 3.30 Uhr fielen wir dann erschöpft ins Bett in der Wohnung des Promoters Wes Reed, ein hervorragender DJ und guter Freund des Labels.

20.10.00 - 21.10.00 ::: Ludwigsburg
Alley Cat: Am Folgetag machten wir uns nach immerhin 6 Stunden Schlaf auf die Heimreise nach Europa. Daniels Frau Mirijam holte uns vom Flugafen ab und brachte uns nach Hause.
Daniel Savine: Zuhause wollte ich nur schlafen, wurde aber gleich von meinen drei Kids belagert, so daß ich mir dies abschminken konnte. Am Abend legten wir dann im Mercedes-Forum, ein riesiger Glasbau in Stuttgart auf. Alicia und ich spielten back2back für ca. 1000 Gäste und wir hatten unseren Spaß. Bukems Auftritt wurde mit Applaus vom Publikum gefeiert und glich auch sonst dem eines Rockstars mit allem Drum und Dran. Rückblickend auf die Tour hatte ich den Eindruck, daß das mit 15 Flügen und viel zu wenig Schlaf schon eine heftige Woche war. Negativ aufgefallen sind mir die schlechten Soundsysteme. Insgesamt hat diese noch wachsende Szene jedoch viele Ambitionen und definitiv Potential. Respekt!

22.10.00 - 30.10.00 ::: Südafrika
Alley Cat: Nach dem Gig in Stuttgart hatte ich bis Donerstag Zeit mich um andere Dinge zu kümmern: Schlafen! Desweiteren: Fertigstellung von Daniels und meinem Track 'Captive' in E.Decays Studio und Auftritt bei Daniels Radio Show auf Big FM am Mittwoch. Donnerstag morgen nahm ich den Zug nach Frankfurt und von dort ging es via London nach Johannesburg in Südafrika. In „Joberg“ - wie es die Einheimischen nennen - hatte ich zum Glück keine Pobleme am Zoll, mußte dann aber um sieben Uhr morgens eine gute Stunde auf meinen Fahrer warten. Endlich am Hotel angekommen, mußte mein Zimmer noch gereinigt werden - also nochmal eine Stunde ausharren. Ich war etwas unglücklich darüber, da ich zu diesem Zeitpunkt bereits wieder seit 24 Stunden unterwegs war. Das Hotel war modern und in Ordnung. Die Einladung zum Mittagessen lehnte ich dankend ab und schlief mich erstmal aus. Am Abend hatte ich dann das beste Steak meines Lebens mit den Veranstaltern Dane und Shanna. Wir fuhren einige Stunden vor meinem Set zum Club, „Reality“, einem riesigen mehrstöckigen Komplex mit einer Kapazität von bis zu 5000 Gästen. Auf dem Floor auf dem ich spielen sollte, legten direkt vor mir einige englische Hip Hop-DJs auf und ich wurde vorgewarnt, daß nach deren Set wahrscheinlich viele Gäste gehen würden. So war die Crowd zu Beginn meines Auftritts stark geschrumpft. Es war schwer sie zu motivieren, was sich auf meine Stimmung niederschlug. Das schlimmste aber war ein lokaler weiblicher DJ, der mich wenig bescheiden und pausenlos mit seinen Heldentaten als DJ belaberte und während meines Sets sogar unterbrach, um mir zu sagen welche Tracks ich spielen soll. Unglaublich! Wenigstens genossen die Veranstalter mein Set und als wir im Morgengrauen den von bewaffneten Wächtern bewachten Clubparkplatz verließen, offenbarten sich mir die Gegensätze von Johannesburg. Wir fuhren durch einige depressiv anmutende Armutsviertel, und dann wieder durch sehr malerische Stadtteile. Am nächsten Tag brachten mich die Veranstalter zu einem riesigen Einkaufskomplex und versicherten trotz mehrmaligem Nachfragen meinerseits, daß noch genug Zeit war, sich weiter Läden anzuschauen und der Flughafen sowieso sehr nahe war. Da ich normalerweise lieber viel zu früh als ein wenig zu spät zum Flugafen komme, wurde ich zusehends ungeduldig. Die Ungeduld wechselte über in Unmut, als sich eine Stunde vor Abflug herausstellte, daß der Flughafen 45 Autominuten entfernt war und der Promoter immer noch davon ausging, daß das kein Problem sei. In Südafrika ist schließlich alles „easy-going“. Natürlich verpaßten ich den Flug nach Durban, wo ich am gleichen Abend auflegen mußte. Die Fluggesellschaft zeigte sich zum Glück kooperativ und ich saß im nächsten Flieger. Endlich in Durban angekommen traf ich Toine, einen der Promoter, der mich an einen alten Hippie-Freund aus meinen San Francisco-Zeiten erinnerte. Er war sehr sympathisch und bot mir sogleich eine zweistündige professionelle Massage von einer Freundin an. Das konnte ich natürlich nicht abschlagen und fühlte mich zwei Stunden später wie ein 'neuer Mensch'. Doch damit nicht genug. Wir checkten in einem wunderschönen Hilton 5-Sterne Hotel ein. Ich ließ mir das Abendessen aufs Zimmer kommen und entspannte mich. Die Party war in einem leer stehenden Restaurant direkt am Strand. Alles war für Halloween dekoriert und wirklich jeder trug ein Kostüm. Der Vibe war sehr positiv und alle schienen sich untereinander zu kennen. Ein echtes Gemeinschaftsgefühl war spürbar und mir gefiel die einer Hausparty ähnlichen Atmosphäre. Beim Auflegen genoß ich dann die Möglickeit ein abwechslungsreiches Set zu spielen, denn die Gäste waren offen für alles. Sowohl der Veranstalter als auch ich kam auf meine Kosten. Am darauffolgenden Tag hatte ich noch einen angenehmen Nachmittag mit Toine, bevor ich wieder zum Flughafen gefahren wurde. Noch schnell ein paar Souvenirs eingekauft und ab nach London. Ich war froh nach vier Wochen auf Tour endlich wieder in meine Wahlheimat zurück zu kommen. Eine halbe Stunde vor unserer Ankunft kam die Durchsage vom Pilot, daß aufgrund eines Sturmes die Landung in London nicht möglich sei. Wir strandeten in Edinburgh, Schottland, auf einem Flughafen, der gar nicht auf Jumbojets eingestellt war. Dort wurden wir im Flugzeug sitzen gelassen, weil niemand wußte wann es weiter ging und keine passende Ausstiegsmöglichkeit vorhanden war. Nach fünf Stunden fand man Erbarmen und man konnte in Edinburgh auschecken. Ich bekam am selben Nachmittag noch einen Flug nach London und war dann fast 30 Stunden nachdem ich Südafrika verlassen hatte und vier Wochen nach meiner ursprünglichen Abreise von zuhause endlich in meinem eigenen Bett.

-----

Kaum zurückgekehrt stehen schon wieder Holland, Frankreich und sogar Hawaii auf der Booking Schedule. Global Players are shakin their hips in Honolulu. Drum’n’Bass is the music! ][ alley cat, daniel savine, lightwood, übersetzung: mark bauer

 

Alley Cat - Tour Top10 - Oktober 2000:
1. Nasty Habits -Drumz 2000 (31 Records)
2. Digital -Deadline (31 Records)
3. Total Science -Make Me Feel (CIA)
4. Marcus Intalex -Universe (Metalheadz)
5. A-Sides -Bustin Up Styles EP (Eastside)
6. Reprazent -Out of The Game (Talkin´ Loud)
7. Goldie -Golden Fingers (31 Records)
8. Digital -One Ton (Movement)
9. Drumsound & SBS -I Need Your Love (Technique)
10. Special Forces -Inta (Rmx) (Prototype)

Skunkrock Logo

 

 

Alley Cat

 

 

Daniel Savine

back