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Nigel Hayes - ... but is it art? - Sunshine Enterprices
Als Abacus’ bester Buddy dürfte Nigel Hayes unter dem Pseudonym Charly Brown sämtlichen Guidance-Liebhabern bereits bekannt sein, erlangte aber zusammen mit Partner Lars Sandberg aka Funk D’Void unter dem Namen Chaser Lorbeeren von Gilles Peterson, Peter Kruder u.a. . Nun ermöglichte ihm das österreichische Label Sunshine seinen größten Traum: das eigene Album. Als Liebhaber von sowohl guter, klassischer Jazzmusik, als auch von pumpendem DeepHouse, schuf er eine Mischung aus diesen beiden Stilen, die der Freiheit des einen genug Raum ermöglicht und trotzdem wie für die Tanzfläche geschaffen ist und dabei eine lockere Atmosphäre erzeugt, die weder zum konzentrierten Zuhören, noch zum zwanghaften Tanzen auffordert. Gelegentliche Ausflüge in Sachen Disco, Funk oder gar technoiden House erhöhen dabei den Reiz, das Werk als ganzes zu hören. Da das Album als solches produziert ist, malt Nigel Hayes im verlaufe der einzelnen Stücke eine musikalische Landschaft, in die man sich förmlich hineinversetzen kann, weshalb man sich sehr wohl fragen darf: „ ... but is it art?“. ][ mb
Audun Kleive - Generator X - Jazzland Rec.
Sich in einer mit Geräten vollgestopften Garage zusammensetzen, den Aufnahmeknopf drücken und ohne Absprache, frei spielend fünf Stücke aufnehmen. Nur Harmonien vage vorausahnen, ansonsten wird eben gespielt, wie es kommt. Dieser Gedankengang dürfte den ein oder anderen lokalen Veteranen an seine Punk-Band-Zeiten erinnern, als man langsam dazu überging, elektronisches Equipment zu nutzen und dessen experimentellen Möglichkeiten auszuloten. Der Norweger Audun Kleive verfolgt diesen Ansatz im Hier und Jetzt und führt seine Improvisationskünste, die er an der Musikakademie in Oslo und als Schlagzeuger in Nils Petter Molvaers Quartett erlernte, in eine neue Dimension. Zusammen mit seiner 4-köpfigen Combo übt er sich so in improvisierten Collagen, allesamt jazziger Natur, die alsbald diversen Filtern, Geräuschattacken und teils heftigen Drumloops zum Opfer fallen, um in letzter Sekunde von einem überraschend einsetzenden Groove aus der Höhle des Experimentellen zurück ins Lager des Tanzbaren gebracht zu werden. Leichte Kost findet sich auf diesem Album somit nicht, weshalb alle zartbesaiteten Kaufhausbeschallungsfans sowie Liebhaber des plumpen Grooves gleich zur Aufgabe gebeten werden. ][ mb
VA - Cruising Level - Frisbee Tracks
Zum 3. Geburtstag von Frisbee Tracks erscheint nun passend die 3. Labelcompilation, auf der die Maxi-Highlights des Jahres, gemixt vom Ex-Omen-DJ Hack, zusammengefaßt sind. Einige davon wurden im Laufe der letzten Monate bereits in ouk (zumeist positiv) besprochen, und auch „in the mix“, auf knapp 72 CD-Minuten, stellt sich bald genau der Eindruck belebender Frische ein, den diese Veröffentlichungen in die Techno-Landschaft gebracht haben. Dabei werden vor allem die Album-Acts Paul Brtschitsch und Vanguard gefeatured (jeweils mit vier Tracks), weitere Titel kommen von Jackmate, Leaders of the 909, Roland Casper, Okayama und Ricardo Villalobos. Damit werden auch Tech-House, Electro und Minimalistic Style abgedeckt, denn das Label möchte sich „ausdrücklich nicht nur auf einen Sound festlegen“ lassen. Dennoch klingt (um Gerüchte von einer riesigen Bandbreite nicht aufkommen zu lassen) am Ende dann doch alles wieder nach artverwandtschaftlichem Frisbee-Techno. Allerdings sollte dieser Verdacht auf stilbildende Qualität das Label nicht weiter stören. Und die Hörer auch nicht. ][ hve
Vanguard - Alles oder nichts - Frisbee Tracks
Vanguard sind Aki&Asem Shama aus Hannover, die Ende der 80er Jahre ihre Hip-Hop- und Acid-House-Phase durchlebten, bevor sie 1992 der Techno-Thrill ereilte, der sie zu Protagonisten der vielbeachteten Veranstal-tungsreihe „Ravesyndrome“ im ehemaligen Kino „Weltspiele“ werden ließ. Gründung eines eigenen Studios und des Labels Syndrome Audio folgten, auf dem sie bis ´95 sieben eigene, Acid- und Breakbeat-infizierte Veröffentlich-ungen als „Raveraid“ und „Digital Age“ herausbrachten. Danach kamen Releases auf Bush Records, Planet of Drums und Party Rock, bevor ´97 DJ Good Groove von Frisbee auf sie aufmerksam wurde und bis heute weitere sieben Platten mit ihnen an den Start brachte, darunter als bekannteste das inzwischen mit prominenten Remixen versehene „Dort wo alles begann“, und als neueste das Album „Alles oder nichts“, auf dem zusätzlich die Sängerin Shade zu hören ist. Stilistisch bietet die Formation hier eine satte Mischung aus erdig synkopierten Electro-Tracks, die trotz moderner Klang-Kompaktheit (positiv!) an diverse End-80er- und Anfang-90er-Wurzeln im Acid- und frühen Breakbeat-Bereich (z.B. DJ Massive) erinnern, und (leider viel zu wenigen) zügig bis energisch dahinpreschenden Techno-Nummern im neudeutschen, Frisbee-typischen Gewand. Der musikalisch überzeugende Gesamteindruck wird lediglich getrübt durch die (vor allem für Sammler ärgerliche) Tatsache, daß einige Titel schon als Maxis erschienen sind, und die Dünnbrettbohrer-Qualität der Texte, die im gescheiterten Versuch, geniale Einfachheit a la Kraftwerk anzustreben, von einem Klischee zur nächsten Plattheit stolpern („All my dreams come true, when I’m fucking you“ - Ähnliches auch auf deutsch). ][ hve
Senor Coconut - El Gran Baile - multiColor
In den Jahren 1994-97 betätigte sich der Frankfurter Uwe Schmidt in den Projekten Atom Heart und Lassigue Bendthaus als z.T. experimenteller Erforscher von Strukturen und Reinheit des Klangs in den weiten Gefilden neuer deutscher elektronischer Musik. Mit seinem Umzug nach Santiago de Chile erweiterte sich das Spektrum ihn beeinflussender Stilrichtungen wesentlich um die Kategorie vor allem percussiver lateinamerikanischer Sounds, was Ende 1997 zur Veröffentlichung der Album-CD „El Gran Baile“ auf seinem eigenen Label Rather Interesting bzw Akashic Records in Japan führte. Nachdem sein aktuelles Album „El Baile Aleman“ (siehe Besprechung der Maxi-Auskopplung „Showroom Dummies“ in diesem Heft!), auf dem minimalistische Kraftwerk-Sequenzen in einer Verschmelzung aus latino-folkloristischen und Coconut-elektronischen Accecoires neu intoniert werden, weltweit begeisterte Reaktionen bei Kritikern und Publikum auslöste, entschloß man sich bei multiColor, sein inzwischen rar gewordenes Debütwerk wieder-, und zwar erstmals auch auf Vinyl, zu veröffentlichen. Denn auf diesem zeigen sich bereits eindrucksvoll die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Meisters, die strikte formale Strenge hart konturierter Elektronik mit der pulsierenden Lebendigkeit und sanft fließenden Emotionalität südamerikanischen Flairs zu fusionieren. Herausgekommen ist dabei diese Sammlung von 12 hochinteressanten, abwechslungsreichen, kurzweiligen und immer wieder aufhorchen lassenden Eigenkomposi-tionen, deren künstlerische Aktualität durch die inzwischen ins Land gezogene Frist von drei Jahren nicht im mindesten geschmälert wurde. ][ hve
Gabor Deutsch - Contrast - Mole
Der 23jährige Protagonist dieses Debut-Albums stammt aus Westungarn, war während seiner Kindheit fünf Jahre lang auf einem Ohr taub und hat die vorliegende Produktion ausschließlich auf einem alten Pentium II Rechner mit von ihm selbst eigens entwickelter Software aufgenommen. Die damit erzeugten, meist im gemäßigten Chill-Tempo daherkommenden Klanggebilde bewegen sich allerdings durchaus in der als vertraut wahrgenommenen Bandbreite des heutigen elektronischen Formenreservoirs. Dies hat zum einen den Wegfall rezeptionsfeindlicher Störfaktoren beim Einhören, andererseits aber auch eine gewisse, unter Umständen ermüdend wirkende Beliebigkeit zur Folge. Obwohl sich Deutsch „Multistyle“ als Credo auf die Fahnen geschrieben hat und dementsprechend Ele-mente aus Lounge, D&B, Industrial, Ambient, Downtempo, Nu Skool Breaks, Easy Listening, Garage und ... zur sorgfältigen Erstellung seiner detailliert ausgeklügelten Tracks heranzieht, fehlt es den gezeitigten Ergebnissen etwas an markantem Profil und erinnerungsträchtigen Sequenzen. Denn so gewieft die einzelnen Stücke auch sein mögen, so wenig kontrastreich wiederum wirken sie in ihrer Zusammenstellung auf den knapp 72 Album-Minuten, denen es zudem ein bißchen an der klar erkennbaren eigenen Handschrift mangelt. Demnach wird dem ganzen Werk vor lauter Ausgewogenheit und stilübergreifender Balance das essentiell Zwingende genommen, das einzelnen Tracks, beispielsweise als Compilationbeitrag oder Chill-Floor-Nummer, durchaus anhaften könnte. ][ hve
Domenico Ferrari - 3 - Straight Ahead
Komische Platte. Sieht erstmal nach nichts aus, ist wohl irgendwo zwischen New York und Schweiz zuhause (was erstmal nichts heißt) und nach ein paar Takten ist klar, wohin die Sache geht. Längst ist die Instrumentalmusik, für die einst Mo Wax, G-Stone oder Different Drummer Standards setzten, zum Trivialgenre verkommen. Daß ausgerechnet der bisher ziemlich unauffällige Domenico Ferrari dieses schöne Kompakturteil in die Revision zwingt, liegt an seiner Kunstfertigkeit, seinen Moves und Sounds (dominant: das Gitarrensample) innerhalb der Arrangements Ziele, Sinn und Richtungen zu geben, statt sie einfach nur formelhaft runterzuleiern und regelgemäß hinter den Break zu packen. Hey, in den Stücken passiert ja richtig was! Daß dazwischen die notorischen Frauenstimmen ihrer unvermeidlichen Bestimmung nachgehen müssen... geschenkt. Den Strebern von der Thievery Corporation ist diese „3“ jederzeit voraus. Das Info verrät, wieso: Ferrari kommt vom Jazz. Ach so. ][ mandel
VA - Botchit Break Speech - Botchit & Scarper
Alles pendelt sich in diesem Jahr irgendwie um 130 bpm herum ein, wenn nötig auch Aaliyah im Minnie-Maus-Modus und ähnliche Pitch-Rück-sichtslosigkeiten. Botchit & Scarper, bisher als solide, aber nicht unbedingt trenddefinierende Downtempo-Lieferanten in Erinnerung, gehen mit ihrer aktuellen Labelschau eher andersherum zur Sache. Hier kommen einem die Tracks wie um 25% gebremster Drum&Bass vor: wenn die MCs sich zu Wort melden, der Flow im Ohr sich dem Tempo aber nur zögerlich anpaßt, und insbesondere wenn als Opener gleich ein alter Jungle-Klassiker auftaucht. Shy FXs Original Nuttah&147; im T-Power-Remix gibt auch gleich die Richtung für die überwiegend prima Nummern vor: Roughes Shut Up And Dance-Feeling, zeitgemäßes, aber nicht zu verfusseltes Beat-Editing, sparsame Vocals, manchmal lasziv, manchmal karibisch zupackend - Futter für alle, denen 2Step-Produkte tendenziell zu cheesy sind. ][ mandel
VA - Sister Funk - BBE
Bislang besser bekannt als Remixer im klassischen Sinne, in dem er A- und B-Seite einer Single zusammen- und nebenbei das langweilige Saxophonsolo herausschneidet, ist Ian Wright längst dem ansteckenden Sammelfieber seiner ihn umgebenden Kollegen verfallen, weswegen er prompt von den BBE-Jungs aufgefordert wurde, seine Schätze mit der Weltöffentlichkeit zu teilen. 20 Soul- und Funk-Stücke, ausschließlich von Frauen gesungen, sammeln sich so auf zwei Vinylscheiben, um aufzuzeigen, daß sie zusammen weniger Bekanntheit besitzen, als ein Stück einer herkömmlichen Rare-Groove-Compilation, aber mehr Kraft und Musikalität, als Tausende dergleichen. Daß die Musiker, die diese Stücke einspielten, das Studio nach Einspielen der Stücke genau so schnell wieder verließen, wie sie es betreten haben, ist ebenso anzunehmen, wie die Tatsache, daß keine der hier auftretenden Sängerinnen jemals bei „Top of the Pops“ aufgetreten ist. Man kann sich also sicher sein, beim Kauf dieser Compilation einige Besonder-heiten erworben zu haben. ][ mb
Holger Hiller - Mute
„Mit Holger Hiller zusammenzuwohnen,“ schreibt Moritz R. in seinen Erinnerungen an den Plan, „ist ein Erlebnis der besonderen Art. Er war aufs Schlichteste eingerichtet und ernährte sich meist nur von Kartoffeln mit Möhren.“ Aus-serdem ließ er sich von seiner Mutter Texte schreiben. Dies zu wissen schadet nichts, wenn man sich Hillers fortgesetzten Experimente in exzentrischer Ideenentwicklung zu Gemüte führt. Diesmal hat er sich einen besonders zwielichtigen Rahmen gesucht: Breakbeats. Klar, bei 160 bpm grooven auch die weithergeholtesten Sounds irgendwie. Es wimmelt von Atatakismen (bedeutungsschwer intonierte Nebensächlichkeiten), Björkismen (Trollwaldstimmung) und weiteren -ismen, für die hier der Platz fehlt. Bei Kaufunentschlossenheit ist das grandiose „Pulver“ unbedingt zuerst anzuspielen. Es belegt in knappster Form, warum Drum’n’Bass für Erwachsene - eine etwas paradoxe, wenn nicht unangenehme Entwicklung - von Holger Hiller repräsentiert werden darf und muß. ][ mandel
VA - Frikyiwa Collection II - Frikyiwa
Den afrikanischen Bezug in seine moderne, elektronische Produktion einzubeziehen, ist nicht erst seit MAWs „Ex-pensive Shit“-Remix ein beliebtes Stilmittel, findet nach wie vor reger Anwendung und zeigt doch zugleich, daß Afrika nicht gleich Afrika und Verständnis nicht gleich Ver-ständnis ist. Gerade in Frankreichs elektronische Szene tummeln sich einige, mitt-lerweile bekannte Gesichter, deren Interesse an afrikanischer Musik bereits den Schritt zur Passion getätigt hat - Frédéric Galliano zählt zu diesen. Auf seinem eigenen Label Frikyiwa, offiziell ein Sub-Label F-Commmunications, widmet er sich schon seit längerem afrikanischen Musikern und überführt diese in die Welt der Elektronik, ohne dabei an Authentizität oder Seele zu verlieren. Dabei nutzt er das für die heutige Zeit wohl bestimmenste Mittel, den Remix, hier ausgeführt durch Llorca, Alex Attias, IG Culture, DJ Spider & DJ Philgood, Jeff Sharel, Pole und schließlich Galliano selbst, wobei sich die Besonderheit dieser Remixarbeiten nicht nur durch das Potenzial der Remixer und deren Fähigkeit zur Veränderung, sondern gerade auch in der Eigenart des Originals auszeichnet. Weniger Tanzflächenfüller oder gängige Afro-House-Beats, sondern spirituelle Rhythmen und ethnische Gesänge präsentieren sich dem Hörer in einem äußerst modernen Gewand, deren Herkunft man eindeutig erkennt. Daß man dazu sehr wohl Tanzen kann, legen uns die afrikanischen Einwohner am besten dar. ][ mb
DJ Ghe - Dingo Tools - Sonar
Die Berliner 12 Dingos werden demnächst vermutlich mit großem Hallo als neues heißes Ding ans Licht der Hip-Hop-Nation gezerrt. Bevor es aber so weit ist, schickt ihr DJ Ghe schon mal ein paar Signale voran. 10 knappe, universal einsetzbare Mittel gegen Langeweile im eigenen Set, meistens im Bereich des mellow funky Breakbeat, kompatibel mit Hip-Hop, Soul (den der Ghe sehr schätzt) und dem Latingroove aus der Sonar-Etage, die das ganze freundlicher-weise der Welt zur Verfügung stellt. Und so funktioniert sie: Nehmt sie mit, legt sie auf, und sie wird euch zeigen, was zu tun ist. Die Beats, die Breaks, die netten kleinen Europa-Hörspiel-platten-Schnipsel - Tools you can trust. ][ mandel
Johannes Heil - Future Primitive - Kanzleramt
Teilweise hart an der Kitschgrenze verarbeitet Johannes Heil die verschiedensten Facetten moderner Tanzmusik zu einem sehr variablen Album, das bei längerem Hören eine gewisse Magie zu entfalten weiß, die sich wahrscheinlich aus einer rückblickenden Melancholie ergibt. Detroitflächen verbinden sich mit eher europäischen Trance-Elementen und den drei Grundrythmusarten der musikalischen Neuzeit zu einer Mischung aus Techno, Elektro und Instrumental-HipHop. ][ motik
Glissando Bros. - A great gift anytime - Stir15
Die (Quasi)Frankfurter Christian Rindermann (C-Rock) und Nelson Machado bedienen sich mehr denn je der momentan vorherrschenden Aufbruchsstimmung Frankfurts, die sich immer mehr ausbreitet und auch in Hanau spürbar zu bemerken macht. Nach ihren ersten drei 12“s auf Stir15 liefern Nelson Machado und sein Wiener Kollege Marko Bussian mit „A great gift anytime“ ihr erstes Album ab und stürzen sämtliche Tanzflächen der deutschen DeepHouse-Szene in Begeisterung. Genüßlich verstehen sie es, schwere Bässe mit pumpenden Grooves zu paaren, stets tanzflächenorientiert, aber immer auch fordernd, um so die plumpe 4/4-Formel aus den Angeln zu heben, ohne den Rahmen „House“ verlassen zu müssen. ][ mb
VA - Vienna Scientists III - dto.
Unter dem Titel „A mighty good feeling“ lädt das Vienna-Scientists-Kollektiv zu einer weiteren Reise ins Reich der Downtempogefilde ein. Durch ihre zahlreichen Clubauftritte haben sie ihr Publikum mit ihrer Vorstellung von Downtempo bekannt gemacht und so versuchen sie sich nun in der Weiterentwicklung dieses doch leicht einschränkenden Begriffs, zumal er immer noch sehr K&D-geprägt ist. Latineske und brasilianische Einflüsse ergänzen die gemeinsamen Nenner Dub, TripHop und Funk und so vermischt sich alles zu einer Melange, die trotz aller Ingenuität all zu gleich und (um es mal salopp auszudrücken) lahmarschig wirkt. Gerade eben die von Latin und Brasil beein-flußten Titel wirken zu starr und statisch, als ob zwanghaft ins TripHop-Gewand gezwängt, während die alte Wiener Schule in gewohnter Manie von ihrem zwar alten, aber nach wie vor lebendigen Groove profitiert. ][ mb
VA – Vanille – Duftplatten 001
Auf die Idee muß man erst einmal kommen: Platten zum Duften zu bringen. Gut, Vinyl riecht ein DJ-Junkie genauso wie ein Drum’n’Bass-Junkie die Acetate schnüffelt. Aber ein starkes Vanille-Aroma ist mal etwas anderes. Es riecht sogar nach einer frischen, aufgeschlitzten Schote, die für die Weihnachtsbäckerei prädestiniert zu sein scheint. Der Vinyl-Geruch wird gänzlich übertyncht. Jetzt noch eine Picture-Disc mit Vanille-Schote. Das wär’s doch. See, hear & smell! Heimelektro Ulm zeichnet sich für die Limited Edition Serie in 500er Auflage verantwortlich. Gibt es Parallelen zwischen Gerüchen und Musik? Ich könnte mir welche einbilden, aber lassen wir die zwei Sinnesorgane bei dieser Rezension doch getrennt vonein-ander arbeiten. Zur Musik. Im Vergleich zu Heimelektro soll diese 12“-Folge weniger Lounge- als mehr Dance-orientiert sein. Scarcubem liefern mit Linien einen Nova Nova-artigen Deep House-Track ab. T-H-D ist ein brandneues Signing aus München. Hippies in da House ist zwar ein bescheuerter Name, doch der Track entpuppt sich schnell als Verwandlungskünstler. Organische Samples à la Dr. Rockit treffen auf langgezogene Flächen einer Orgel, die sich kurzerhand für ein Solo entscheidet um sich dann mit Stereo-Spielereien wieder aus dem Staub zu machen. Roger van Lunterens Rainy Autumn Sunrise ist dann lustigerweise fast eine Fusion aus den beiden Tracks der A-Seite und übertreibt am Ende maßlos schön. ][ lightwood
VA - Popshopping - Crippled Dick Hot Wax!
Was haben haben Gerd Wilden, Klaus Doldinger, Horst Jankowski und Christian Bruhn gemeinsam? Klar, alles bekannte Kmoponisten aus den 60ern und 70ern. Aber: Sie alle haben zur damaligen Zeit auch Musik für Werbespotts geschrieben und das lange bevor sie bekannt wurden. Ihre musikalischen Fähigkeiten standen ihnen aber auch damals schon zur Verfügung, wie sich leicht an Hand dieser amüsanten Compilation voller Werbe-spots aus den 60ern und 70ern hören läßt. Stets von Beat- und Jazz-Musik beinflußt, stellen diese Kompositionen nicht nur rare und teils obskure Werke dar, sondern beweisen ihre immense Kraft auch auf den Tanzflächen, wie die Kompilatoren dieser Platte, Sir d’Oeuvre und Senor 45 bereits getestet haben und auf der kommenden Popshopping-Tour beweisen werden. ][ mb
VA - Glücklich 4 - Compost
Auch im Jahr 2000 fröhnt man den verführenden Rhythmen des Sambas, vorallem in Form moderner Produktionen - Grund genug für Rainer Trüby, seine erfolgreiche Glück-lich-Serie fortzusetzen. Nachdem mit Teil 1 und 2 überwiegend Stücke aus den 60ern und 70ern vorgestellt wurden, wird inzwischen mehr und mehr der Einfluß brasilianischer Musik auf moderne elektronische Produktionen untersucht und spiegelt somit auch eine Entwicklung wider, die Rainer als DJ am eigenen Leib erfahren hat. Glücklich ist OldSchool und NuSchool zugleich. Manche Tracks loopen ein altes Sample, um es in einen kraftvollen, neuen Kontext zu stellen, während andere von Anfang an ihren eigenständigen Willen bekunden, doch stets sind es der treibende Beat und die fröhliche, warme Atmosphäre, die einen an Ort und Stelle wünschen lassen, am Zuckerhut zu sein. ][ mb
Hacienda - 3rd door left - Infracom
Die beiden musikalischen Naturtalente Jürgen Kadel und Markus Finger - beide haben sich das Klavierspiel selbst beigebracht - veröffentlichen nach „Sunday Afternoon“, welches 1996 noch auf Harthouse erschien, ihr nun zweites Album „3rd door left“ auf dem Frankfurter Outlet Infracom. In Form von 17 Stücken erforschen sie auf das Ausführlichste das Zusammenspiel von Bossa- und Samba-Rhythmen und jazzigen, melancholischen Melodien, teils in experimentell klingenden Kombinationen. Hier wird nicht geschwitzt und auch nicht geschrien, „3rd door left“ dient mehr dem gemütlichen Zuhören auf der Veranda oder dem vorabendlichen Ein-grooven. Lässig und nie zu bestimmt arbeiten sie sich durch zahlreiche Ideen, versuchen sie zu verknüpfen und lassen sie dann doch einfach fallen. Ein Album, dessen Ausgang so offen ist, wie eine Balkontür bei 28 Grad. ][ mb
Dublex Inc. – Collage EP – Pauls Musique
Pauls Musique – Stuttgarts Aushängeschild für funky Grooves und jazzy Things. Izquitos beginnt harmlos, ohne jegliche Anspannung. Das bleibt auch so. Locker, fluffy für die Lounge gemacht, zieht Dublex Inc. im Verlauf des Tracks kaum an. Fast schon zu seicht das Ganze. Die B-Seite stellt sich als eigentlicher Gewinner heraus. Serious Sylvia verheißt Spannung. Ganz langsam kommt hier eine Frau zum Singen, ein Beat ins Rollen und ein Bass zum swingen. Interessanter Aufbau und ständig neue Sound-Elemente, die erst einmal entdeckt werden wollen. Gegen Ende kreuzt z. B. völlig unerwartet eine Gitarre auf, die sich gewollt disharmonisch einschleicht. Essentieller Drum’n’Bass-Track für die Sonntagabend-Bar. Mocca Macho basiert auf zweierlei Rhythmen: schwerer Hiphop-Beat meets Afro-Percussion. Arabisch anmutende Klänge mogeln sich hervor. Und ganz ganz schwer kommt der Bass gerade so aus seiner Filterkurve schwingend zum Tragen. Gegen Ende wird das Geäst dichter und die Sounds klarer. Originell. Bleibt nur noch das gelungene Cover zu erwähnen: ein Schaufenster eines japanischen SM-Shops in New York, oder wie war das doch gleich...? ][ lightwood
Polar – Skydiver – Certificate 18
Frischer Wind, frischer Atem, frischer Sound. Unser norwegischer Fließbandproduzent sorgt für ausgezeichnete Abwechslung in den Drum’n’Bass-Cases dieser Welt. Skydiver wird sicherlich noch kurz vor Ladenschluß einer der Tracks des Jahres 2000 werden. Mit acht Minuten definitiv ein viel zu langer Fallschirmsprung. 1:30 Min. Intro ... Nervenkitzel im Flugzeug ... Anstauen der Energie auf der Tanzfläche. Irre schnelle, im Vordergrund stehende Hihats treiben dich ans Ziel. Ein ungewöhn-licher Plopsound entpuppt sich als prägnantes Element, das sich mit ständig wechselnden Percussion-Sounds ineinander schraubt. Es bratzelt nicht, obwohl es könnte. Nein - es poppt lieber. Federnd leicht und doch scharf wie eine Rasierklinge. Der Rausch des Fallens. Der Sprung vom Zehn-Meter-Brett kommt dagegen nicht an. Es rockt! Kein Ende in Sicht. Die B-Seite knüpft lückenlos an Polars bisherigem Schaffen an. Secret World und Headgames spannen wieder diese weiten athmosphärischen Bögen. Ein dichter Klangteppich durchkämmt die weite Landschaft. Und so passen selbst kleine E-Gitarren-Schnipsel dazu. Lediglich die Beats weisen straightere Ansätze als bisher auf. ][ lightwood
Skunkrock 007 & Reinforced 145
Kabuki & Daniel Savine - das neue Dreamteam. Intastate (Skunkrock) gleitet ebenso wie Invaders (Reinforced) mit einer unbefangenen, detroit’esquen Eleganz. Leicht, beschwingt und unschuldig wird der Groove ausgepackt. Funkige Basslines verstehen sich wie von selbst. Beinahe kein Zacken wird stehengelassen. Alles wird fein säuberlich rund geschliffen. Treibend und vollendet. Clink Street (Reinforced) geht einen Schritt weiter. Ein komplexes Beatgefüge, das nicht zur Ruhe kommen will. Zitternde Drums, gefilterte HiHats - ein vielschichtiges und vielseitiges Arrangement sorgt für ein außerordentliches Swing-Gefühl. Und nichts ist überflüßig. Alles paßt zusammen, greift ineinander, spielt miteinander. Plötzlich ein Break, Energie wird gesammelt und ab in die nächste Runde. Hoffentlich gibt es viele Runden. Das Vocal gibt es quasi als Sahnehäubchen noch oben drauf. Klute darf Intastate remixen und glänzt nach seinem hervorragenden Album einmal mehr. Elegant nimmt er den Vibe des Originals auf und gibt kaum merkbar seinen eigenen Senf dazu. Man könnte sich streiten, ob er in noch deepere Sphären vordringt. Gleichförmig, aber nicht monoton, surft auch diese Version ohne Höhen und Tiefen auf einer ganz hohen Welle. Feine und definitiv beste Skunkrock bisher. Traurig übrigens, daß man als deutscher Drum’n’Bass-Produzent erst eine Platte auf einem englischen Label (hier: Reinforced) veröffentlichen muß, um auf Radio 1 bei Grooverider gespielt zu werden... ][ lightwood
Danny Byrd & Teebee
Die Antwort auf 2Step haben die Drum’n’Basser dann doch noch in aller letzter Sekunde hinterm Gartenzaun gefunden: RnB vs. DnB. Danny Byrd zeichnet sich für den Remix von Darren Mc Night verantwortlich. Ein White Label, das großes Aufsehen und letztendlich Nachfrage erregte. Purer RnB-Singsang für Geist und Seele und dank Danny Byrd auch für den Körper. Knackige Drum’n’Bass-Beats und Basslines. Eine Fusion, die funktioniert, die für Geprächsstoff sorgt, die vielleicht überflüßig ist, die Spaß macht, oder die schon längst überfällig war. Eher gefällt aber das aktuelle Release von Danny Byrd auf Hospital, Do It Again, eine gelungene Zusammen-führung von Vocals, Old School und funkigem Drum’n’Bass. Die richtige Mischung macht´s. Bei dem einundzwanzigjährigen Shooting-Star Teebee muß dann gleich die ganze Palette herhalten: Missy, Brandy und wie sie alle heißen. Ebenfalls auf White Label gebannt, entfalten sich nicht mal schlechte Versionen bekannter Hits. Teebee-typische Sounds geben eine zusätzliche Tiefe und lenken die Originale teilweise sogar in eine ganz andere Richtung. Softcore-Drum’n’Bass für Kaffekränzchen und die verdiente Pause zwischendurch (zwischen Bad Company und Digital...). ][ lightwood
T. Raumschmiere - Himmel über Berlin - Sender
Hinter T. Raumschmiere steht der Berliner Marco Haas, der mit Himmel über Berlin ein weiteres Puzzleteil zum freudentränenspendenden Sender-Label hinzufügt. Der Eröffnungstrack könnte eine Vorstellungs-arbeit für die International Deejay Gigolos-Gilde darstellen. Jedenfalls verbindet Haas hier ein New-Wave-Thema mit einem Vierviertelbeat und einem düsteren Gesangssample. Track Nummer 2 erfreut sich mittels einer für Peter Ford so typischen leicht abgehackten tiefen Bassline und eines irritierenden Melodiefetzens einer gewissen I-Fach-Nähe. Die B-Seite stellt das dar, was die D2000 Shuffle-Techno nennt, eine etwas ins unterste abwandernde Variation des Vieviertelbeats mit enormer Sogwirkung für die Tanzfläche. ][ motik
Konfekt - Krokant - Sender
Sender ist ein Ende letzten Jahres gegründetes Label aus dem Kompakt-Umfeld und so etwas wie der Rookie des Jahres 2000. Irgendwie Köln orientiert und wieder doch nicht, besetzt diese Auswurfplattform die nur noch kleine Nische innovationsgerichteter elektronischer Musik. Knusper ist leichter und beschwingter Shuffle-Tech-House, der einem mittels einer fiepsigen Melodieführung den Weg in eine Endlosrille bahnt. Krokant bedient sich dieses typischen Robert Hood-Synthie-Sounds, der diesen durch sein gesamtes Werk hindurch in solch phantas-tischer Weise begleitet hat, jedoch ohne dadurch zu langweilen. Ausgezeichneter Minimaltechno, der vorliegende Platte endgültig zur besten der letzten zwei Monate macht. ][ motik
Senor Coconut - Showroom Dummies - multiColor
Zur Person von Uwe Schmidt alias Senor Coconut gibt’s in diesem Heft bei der Besprechung seiner Erstlingsalbum-Wiederveröffentlichung „El Gran Baile“ mehr zu lesen. Die vorliegende Maxi ist aus seinem aktuellen Werk „El Baile Aleman“ ausgekoppelt, auf dem Kraftwerk-Klassiker auf unkonventionelle Art latinifiziert werden. Das Lied selber soll ein von Kraftwerk gecovertes Latin-Traditional sein, das nun in einer Neubearbeitung wiederum den südamerikanischen Wurzeln angedient wird - allerdings in Senor-Coconut-typischer Manier. Da werden nämlich klinisch präzis ausgestanzte und fugenlos neu montierte Soundingredienzen europäisch-elektronischer sowie lateinamerikanisch-folkloristischer Provenienz zu einer bemerkenswerten bis aberwitzigen, von humorvollen Gimmicks durchzogenen, dabei aber weder Stimmigkeit noch Dynamik verlierenden Songstruktur vereinigt, der es weder an experimentellen noch an eingängigeren Elementen fehlt. Neben der Albumversion gibt’s noch zwei House-Remixe von Markus Nicolai (mit vocals + instrumetal) sowie das vom 97er Debut stammende „Musica Moderna“ auf dieser ausgezeichneten Maxi zu hören. ][ hve
Leaders of the 909 - Freak out - Frisbee Tracks
Wer bei dem Namen dieser Maxi (gleichzeitig der Titel der A-Seite) an den Disco-Klassiker von Chic („Le Freak“) denkt, befindet sich deutlich auf dem Holzweg, denn trotz funkig synkopierter Tech-House-Anleihen auf den beiden Stücken der B-Seite hat der Frankfurter DJ und Producer Jörg Henze, der hinter diesem Projekt steckt, mit elegant gleitenden Grooves dieser Edel-Disco-Marke nichts am Hut. Davon zeugt vor allem der Titel-Track: psychotisch treibend, unerbittlich schnell, lang und hart vorwärtsdrängend und dabei doch die inhärente Energie und Agressivität seines enormen Bewegungsflusses in eine fesselnde Grundstimmung darker und deeper Manie kanalisierend. Gehört in jedes Case mit aktuell relevanter Techno-Musik. ][ hve
Ural 13 Diktators - Lazer Attack - Lazergun
Die beiden Hi-Energy-Fanatiker Lauri Pitkänen und Lauri Virtanen verbinden auch hier wieder ihren musikalischen Background mit modernen technoesken Clubbeats zu dem, was sie den Sound of Helsinki getauft haben und was sie derzeit auf einer ungeheuren Erfolgswelle reiten läßt. Auch wenn viele andere den selben Weg beschreiten, so gelingt es den beiden Finnen doch ihre ganz eigene und damit unverkenn-bare Rückbesinnung auf Disko, Funk und Synthiepop zu entwickeln. Gewinner der Platte, ist der newwavebezogene Titeltrack. ][ motik
VA - Vol. 2 - Shokoy
Nun kann Shokoy inzwischen bereits auf dreißig Releases zurückblicken. Zur Feier dieser Zahl durften sich vier Stamm-Acts des Labels mit jeweils einem Track auf dieser EP verewigen. Neben zwei eher durchschnittlichen Advanced-Techno-Clubtools von Centrecourt und Glenn Wilson gewinnt diese Platte durch die Beiträge von N. Deiker und Chronobios. Chronobios, ohnehin schon die vielleicht erfreulichste Erscheinung im diesjährigen Technogeschäft, setzt seinem großartigen Jahr einen weiteren Eckpunkt hinzu und besticht mit dem für ihn typischen Chain Reaction orientierten, dichten und atmosphärischen Techno. Nicolaas Deiker hat seine Berufung wohl endgültig im Elektro gefunden und beweist einmal mehr seine technische Ausgereiftheit mit einem finsteren, von obskuren Stimm-Samples durchsetzten Broken-Beats-Meisterwerk. Gratulation zu dreißig teilweise außergewöhnlichen Releases. ][ motik
Jackmate vs. Nik Reiff - Rockers Choice - Frisbee
Die beiden Stuttgarter DJ«s Nik Reiff und Jackmate sorgen mit diesen vier teils an die Berliner teils an die Kölner Schule angelehnten groovigen Tracks in der Grauzone zwischen Techno und House für den besten Frisbee-Release bisher. Da verstehen zwei ihr Handwerk in Perfektion und lassen das lokalpatriotische Herz an den Rand der Belastbarkeit hüpfen. Großartige Musik aus dem landeshauptstädtlichen Talkessel. ][ motik
Heiko Laux - Sense Fiction Rmxs Pt. 3 - Kanzleramt
Den Abschluß dieser teilweise sehr ansprechenden Remixserie bilden die Adaptionen von Johannes Heil, Alter Ego und DJ Slip. Letzterer überrascht mit einem ausgefeilten an beatlose Basic Channel-Stücke erinnernden Listening-Track bester Machart. Heil verwandelte das Original in ein sich langsam aber unaufhaltbar aufbauendes und sich ins unendliche windendes Vierviertel-Epos mit Blickpunkt Tanzflächen-funktionalität. Alter Ego hielten sich ebenfalls an diese Vorgabe und überzeugen mit einem hintergründigen Bass und einer funky Attitude. ][ motik
Arne Weinberg - Through the colonnades - Propaganda
Jeff Mills antwortete einst auf die Frage, wie er es schafft, seine minimalen Tracks so lebendig und nie langweilig klingen zu lassen: „Ist es minimalistisch, dabei aber geordnet, dann ist es zu einfach. Manchmal kann Abstraktheit Absicht sein. Ein guter minimaler Track jedoch entwickelt sich erst nach 3 Minuten. Je öfters man ihn hört, desto besser wird er“. Arne Weinberg, Resident-DJ der Hydraulik-Reihe im Tübinger Depot, begeht mit „Through the colonnades“ sein Produzenten-Debut und somit weitere Abenteuer in Sachen Techno-Soul. Vorsichtig und in zurückhaltender Stimmung macht er sich auf den Weg, was ihm eigentlich anzurechnen ist, vermeidet er doch damit die Patzer anderer, die in ihrem jugendlichen Leichtsinn den Verlockungen des Sturm und Drangs verfallen. Geradezu einfach strukturiert er seine vier Stücke, untermalt Kickdrum und Bass mit dezenten Synthie-Akkorden und Percussions-rhythmen und begeht dabei oben angesprochenen Fehler der gewollten Ordnung. Anstatt sich nach drei Minuten zu entwickeln, findet man sich in ewiger Mono-tonie wieder und auch manche Disharmonie bezüglich der Sounds trägt dazu ungewollt bei, womit dem guten Anfang leider ein nerviges Ende beschert wird. Jeff Mills aber sagte weiter: „Es gibt jede Menge Dinge, die wir noch nicht ausprobiert haben. Gerade das Nervige bringt uns dazu, weiter zu gehen ...“. ][ mb
Carsten Jost - Elmenreich - Dial
Minimal gehaltene Tech-House-Tracks für Fortgeschrittene auf dem noch jungen Hamburger "Dial"-Imprint. Düster und technisch ausgereift präsentiert Jost diese ruhigen Wintertracks, denen sich der Kenner mit unverhohlener Begeisterung zuwendet, die aber aufgrund der von ihnen ausgehenden gediegenen Ruhe totz der teilweise experimentellen Ansätze auch beim gewönlichen Elektronik-konsumenten auf offene Ohren treffen könnten. Extrem gut! ][ motik
Native Force - Music Box - Compost
Michael Reinboth ist ja bekannt dafür, sowohl ein Händchen als auch ein Öhrchen für gute Tracks zu haben, die über den normalen Hi-Tech-Jazz-Standard erhaben sind, weshalb er auch sofort Feuer und Flamme für Simon Donohues „Music Box“, ursprünglich auf Zozan Records veröffentlicht, war. Mit 14 fing Simon an zu produzieren, erlag 1996 dem Drum’n’Bass, um sich dann schließlich als Native Force dem Hi-Tech-Jazz zu verschreiben. Die kraftvolle Art der Beats auf „Music Box“, die die elektrifzierten Melodien in ihrem Drang nach vorne unterstützen, lassen nicht nur Reinboths Herzen höher schlagen, sondern entpuppen sich gerade zu als Tanzflächenmonster. Selten entwickelt ein Track trotz kompliziertem Aufbau eine solche Wucht. „Rain“ hingegen nimmt die Tänzer anmutig und gefühlvoll in die Arme, um ihnen etwas Luft zu verschaffen, nimmt sie mit auf eine sanfte Reise durch die Welt der Elektronik. Mit Sicherheit eine der interessan-testen Compost-Eps, nimmt sie sich doch endlich wieder dem „Tech“ in „Hi-Tech-Jazz“ an. ][ mb
The Advent - Third Sketch - Tresor
Wären andere froh, etwas wie "Sketch Marks" zustande zu bringen, ist dieser eher unscheinbar und gewöhnlich erscheinende Track nur eine Cisco Ferreira-Ouvertüre für eine B-Seite, die beweist, daß auch im Advanced-Techno-Bereich riesige Qualitäts-unterschiede bestehen. Vor allem "Skatchertz Main" überzeugt restlos mit einer tiefen Bassline und extremem Tanzflächen-Appeal. Erfreulich gute Platte, auf einem Gebiet, das allzuoft nur noch mit geklonter Massen-ware aufwartet. ][ motik
Jay Denham - Techno Fugitive - Konsequent
Kalamazoo-Homie und Black-Nation-Macher Jay Denham ist nicht nur ein begnadeter Früh-stücker, sondern weiß auch gewissenhaft solcherart mit allerlei technischem Gerät umzugehen, daß diesem feinster elektronischer Hörschmauß entspringt. Wem der Techno-flüchtling entfliehen will, ob dem bösen Käptn Kommerz oder Gevatter Retrohype, man weiß es nicht. Jedenfalls versorgt uns der gemütliche Knabe auch hier mit detroitangehauchtem Advanced-Techno, der allerdings nur in Form des Titeltracks dem Toolstatus entfleucht und eine gewisse Eigen-ständigkeit beweist. Kein Highlight seiner Karriere. ][ motik
Visco Space - The Class of 84 - Konsequent
Visco Space ist Technos Liebling Christian Morgenstern und der gibt diese Liebe zurück und sorgt mit seinem fünften Album für tanzflächenfunktionalen Advanced-Techno der härteren Art. Ideentechnisch scheint Deutschlands Vierviertelprotagonistem zwar ein wenig die Puste auszugehen, aber an der Qualität dieser Tracks ist nicht zu deuteln. Basslastig mit größtenteils detroitianischen Stilmitteln arbeitet Morgenstern für die Tanzfläche und erleichtert dem Plattendreher damit die Wahl. ][ motik
Christian Morgenstern - Hawaii Blue - Forte
Zu Beginn des nächsten Jahres wird Morgenstern ein Album gleichen Namens auf den Markt werfen, dessen Variabilität sich bereits in der ersten Single-Auskopplung zeigt. Der Titeltrack des Albums im Original und im Heiko-Laux-Mix stellt hypnotischen Trance im besten wörtlichen Sinne dar, der einen vergessen macht, daß wir diese Art von Musik eigentlich längst ad acta gelegt haben. Dazu gesellen sich zwei Broken-Beats-Freestyle-Tracks, deren Einordnung irgendwo zwischen Jean Michel Jarre, Le Car und der DMX-Crew vorzunehmen ist. ][ motik
Shantel - Backwood - K7
Nach einer künstlerischen Pause von zwei Jahren, in denen er als DJ unermüdlich die Welt bereiste sowie Israel bewohnte, verarbeitete Shantel auf „Backwood“ schließlich all die angestauten, auf seinen Reisen eingesammelten Eindrücke in eine Handvoll Tracks. Flüssiger ist er geworden, jazziger aber auch druckvoller. Vergessen sind die Tage abstrakter Downbeats, melancholischer oder gar traurig anmutender Melodien - es scheint, als habe Stefan Hantel in den letzten zwei Jahren jede Menge Lebensfreude getankt, mit deren Energie er hüftschwingende Latin-Jazz-Tracks wie „Backwood“ oder mit „Chrystal“ gar krachende Tanzboden-Feger im House-gewand entstehen ließ und so äußerst gespannt auf sein im Frühjahr 2000 erscheinendes Album warten läßt. ][ mb
The Imaginary Visions - Texas Rumble - Deep Funk
Nach langem Kampf mit den Musikern und sich selbst, verwirklichte Keb Darge seinen lang gehegten Traum von der eigenen Produktion und verknüpft dessen Verwirklichung zugleich mit der Neugründung des BBE-Sublabels „Deep Funk Records“, daß sich in Zukunft unter seinen Händen den sicherlich nicht zahlreichen, aber doch vorhandenen Bands und Musikern annimmt, die sich auch in modernen Zeiten dem guten alten Funk hingeben. Tradition ist hierbei muß, auch bei der Herstellung der Platte: Single-Format mit großem Loch, unbedrucktes Cover und das treibendere Stück auf die B-Seite gepresst. Musikalisch bewegen sich „Texas Rumble“ und „The Houston Hook“ zwischen 60s-Soul und 70s-Funk, druckvoll, treibend aber auch geschmeidig und gefallen, enden dann aber doch ein wenig in der gefürchteten Monotonie. Kein perfekter Auftakt zwar, aber trotzdem wird die Richtung zielsicher angezeigt. ][ mb
Matthias Tanzmann - Rose Garden - Moon Harbour
Das dritte Release auf Moon Harbour bestreitet Eigentümer Matthias Tanzmann selbst und löst sich so vorübergehend von seinem Gammat-3000-Kollegen, um für weiteren Wirbel in der deutschen DeepHouse-Szene zu sorgen. Die Musik bleibt aber auch ohne seinen Partner gleich süß, tief und herzerwärmend. Detailtreue hilft den manchmal etwas schwerfälligen Bässen auf die Sprünge, bis diese dann ihre eigentliche Wirkung in der Monotonie der Wiederholung finden und den Zuhörer nicht mehr loslassen. ][ mb
Fellmann & Louise - Lie - Combination
Philipp Maiburg, Teil des Drum’n’Bass-Produzententeams Phoneheads, begeht gerne mal Excursionen in artfremde Regio-nen, weiß er doch die Vielfalt, die Musik bietet zu schätzen. Was liegt also näher, als ein neues Label zu gründen, auf dem man seinem Spieltrieb freien lauf lassen kann und gleichzeitig eine Plattform für junge Musiker und Künstler zu bieten. Den Zuschlag für die erste Maxi bekamen die zwei Hamburger Max Fellmann und Mojo-Resident Michael Sauer, die als Fellmann & Louise eine aufregende Mischung aus Popklängen, elektronischem Flirren undwilden Beats kreirten. Schlank und elegant, vielleicht vergleichbar mit den neuen Hidden-Agenda-Produktionen. Ein durchaus gelungenes Debut, das Appetit auf mehr macht. ][ mbJeff Mills antwortete einst auf die Frage, wie er es schafft, seine minimalen Tracks so lebendig und nie langweilig klingen zu lassen: „Ist es minimalistisch, dabei aber geordnet, dann ist es zu einfach. Manchmal kann Abstraktheit Absicht sein. Ein guter minimaler Track jedoch entwickelt sich erst nach 3 Minuten. Je öfters man ihn hört, desto besser wird er“. Arne Weinberg, Resident-DJ der Hydraulik-Reihe im Tübinger Depot, begeht mit „Through the colonnades“ sein Produzenten-Debut und somit weitere Abenteuer in Sachen Techno-Soul. Vorsichtig und in zurückhaltender Stimmung macht er sich auf den Weg, was ihm eigentlich anzurechnen ist, vermeidet er doch damit die Patzer anderer, die in ihrem jugendlichen Leichtsinn den Verlockungen des Sturm und Drangs verfallen. Geradezu einfach strukturiert er seine vier Stücke, untermalt Kickdrum und Bass mit dezenten Synthie-Akkorden und Percussions-rhythmen und begeht dabei oben angesprochenen Fehler der gewollten Ordnung. Anstatt sich nach drei Minuten zu entwickeln, findet man sich in ewiger Mono-tonie wieder und auch manche Disharmonie bezüglich der Sounds trägt dazu ungewollt bei, womit dem guten Anfang leider ein nerviges Ende beschert wird. Jeff Mills aber sagte weiter: „Es gibt jede Menge Dinge, die wir noch nicht ausprobiert haben. Gerade das Nervige bringt uns dazu, weiter zu gehen ...“. ][ mb
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