OUK das neunund20ste ± gefühlvoll & schlagkräftig ± Feb/Mär 01 Bla & Blub

Kreidler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Für Freunde innovativer Musik scheint in Stuttgart sich so langsam ein Veranstaltungsort als ´Erste Adresse´ heraus zu kristalisieren. War es doch erneut der Travellers Club, der in den letzten Atemzügen des vergangenen Jahrtausends (nach Adam Riese), mit einem interessanten Abendprogramm lockte. Nach vielen Gerüchten und einer herausragenden neuen Veröffentlichung spielten Kreidler in modifizierter Besetzung zum ersten mal in der Schwabenmetropole. Da die alternativen Räumlichkeiten in Stuttgart zu fehlen scheinen, war auch dieses Mal der Club bis zum Bersten gefüllt, was aber der entspannten Stimmung keinen Abbruch leistete. Ganz im Gegenteil floß eine harmonische Bewegung, ausgelöst durch die bezaubernden Klänge, wie eine sanfte Woge durch den Raum. Selbst die mitfühlende Offerierung der Bühne als Ausweich-möglichkeit schaffte es nicht das verzaubert wirkende Publikum aus ihrem Umfeld zu reißen. Gänzlich entspannt verlief das ca. 90 minütige Konzert bis man beim Gehen vom naßkalten Regenwetter wieder in die graue Realität zurückgeholt wurde. Im Nachhinein erscheint es fast wie eine unglaubliche Reise, von der man noch lange erzählen kann. Als etwaiges Erinnerungs-’Album’ dient dabei gut die letzte Veröffentlichung von Kreidler (siehe ouk 027), an deren Konzeption sich auch die Live-Darbietung sehr stark orientierte. ][ g

Futurize your mice . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Die Zukunft des Filesharing hängt derzeit in der Schwebe. Hank Berry, Napster CEO, und Thomas Middelhoff, Bertelsmann Vorstand, scheinen jedenfalls noch keine genau abgestimmte Strategie zu verfolgen. Während Middelhoff Berry mit der Ankündigung schockte, bereits im Juni oder Juli den kostenpflichtigen Napster-Service zu starten, bringt nun Berry den Gütersloher in Rage, weil er voreilig von einem monatlichen Abo-Preis in Höhe von ca. US $5 sprach. Die Musikindustrie hatte, in Absprache mit Bertelsmann, eher einen monatlichen Abo-Preis von US $15 erwägt. Die Wogen um Napster haben sich also noch lange nicht geglättet.
In Berlin darf man sich seit Januar über kultivierte Clubklänge auf Radio Multikulti (Berlin/Brandenburg: 106.8) freuen. Im wöchentlichen Wechsel werden dort Gilles Petersons Worldwide-Show sowie die Jazzanova-Radio-Show ausgestrahlt. Cornelius Tittel, Redakteur bei Groove und taz, mimt dabei den "Host" und steuert Interviews und Features bei. Zu hören gibt es das Ganze (wie auch GPs Worldwide-Show) auch im Netz, unter http://www.multikulti.de.
In Tübingen tut sich was? In der Tat. Unser kleines Heimatstädtchen bietet mal wieder allerlei Anlaß zur Ausgeh-(Vor)-Freude, auch wenn an dieser Stelle noch nicht alles druck- und spruchreif ist. Im Depot jedenfalls darf man nicht nur das neue, mit viel Liebe gebaute Podest (erste Liebhaber nennen es bereits "das Kirchenschiff") bewundern, sondern auch den musikalischen Feingeschmack der beiden Frankfurter Ata und Heiko M/S/O (siehe auch Playhouse-Interview) genießen, wenn beide am 23. Februar im Depot zu Gast sein werden. Wir können nur aufs Dringendste zu einem Besuch raten.
An anderem Tage und an anderer Stelle feiert Emanuela de Luca das sechsjährige Bestehen ihres Montag-Abend-Clubs "Bag of Goodies". Zu viele bekannte und unbekannte Gast-DJs und Bands hat der Jazzkeller schon gesehen, als das man sie hier alle gerecht werdend aufführen könnte, was nicht weiter tangiert, denn das eigentliche dieser Veranstaltung sind die Abende an denen die Residentin selbst hinter den Plattenspielern steht, wie die zahlreichen Gäste gerne bestätigen. Wenn der Funke erst zündet, kann jederzeit aus einer sanft groovenden Menge ein ekstatischer Abend werden. Kommen darf man natürlich trotzdem, wenn am 12.2. zum dritten Mal die legendäre "Funk & Soul"-Nacht mit Keb Darge und Florian Keller stattfindet oder am 26.2. NuSpirit-Helsinki-DJ Lil'Toni zu Gast sein wird. Um schließlich allen "Bag of Goodies"-Fans gerecht zu werden, weicht man sogar ins größere Depot aus, wenn am Samstag, den 10.2. Michael Reinboth (Comppost Rec.) und J¸rgen von Knoblauch (Jazzanova) ihre Platten zu Gehör bringen werden, aber nicht bevor die Stuttgarter Band "Schnute" ihr Können dargeboten hat. Und weil es ja nicht immer ein DJ sein muß, gibt es am Donnerstag, den 19.2. ausschließlich Bands zu hören und zu sehen: "Funkophil" und "Funk Affair". ][ mb


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