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Jan Jelinek - Loop-finding-jazz-records - ~scape
Es gibt sie also noch. Platten, die einen vom ersten Ton weg begeistern. Platten die einen in ihren Bann ziehen. Platten, für die es sich zu leben lohnt. Dabei ist das Strickmuster eigentlich so einfach: Jelinek, wir kennen ihn bereits aus seinen Tagen als Farben bei Klang Elektronik, füttert seinen Sampler mit Jazzsequenzen aus den Sechzigern, zerschnippelt diese in Sekundenloops und moduliert diese dann solange durch die Gegend, bis ein großartiges, raumfüllendes Arrangement entstanden ist. Vergleichbar mit dem Moiré-Effekt aus der Malerei entsteht so eine künstliche Tiefe aus Rauschen, Knacksen und technoidem Sound, ein stets nach vorn treibender Klangteppich, bei dem eigentlich nicht viel passiert, weshalb er so spannend klingt. Dabei wird einem keine Sekunde langweilig, auch wenn hier im Gegensatz zu seinen Produktionen als Farben jeglicher Groove-Gedanke außen vor bleibt, die Vielzahl der Verschiebungen, all die versteckten Hinweise auf das Originalmaterial, all das will in einer langen, ausführlichen Begegnung entdeckt werden. Jazz? Nein, den findet man hier nicht. Er wurde lediglich als Ausgangsbasis benutzt, um eine CD mit sehr viel Seele entstehen zu lassen, denn Soul ist es ja schließlich auch, was Jan Jelinek am meisten bewegt. Endlich mal wieder eine Platte also, mit der Mann sich in Ruhe auseinandersetzen kann, Spaß haben kann und vielleicht wird sie ja eines Tages auch in den Clubs dieser Welt gespielt. ][ mb
Fauna Flash - Fusion - Compost
Die DrumnBasser der Compost-Clique weiten ihr Spektrum mit ihrem zweiten Longplayer. Fusion reflektiert Christian Prommers und Roland Appels weitergeführte Auffassung von DrumnBass. Ein Genre in dem vieles möglich ist, auf vorliegendem Werk aber lediglich als roter Faden dient. Ansonsten ist alles dabei, was zu einem modernen Fusion-Sound gehört: Vocalisten, Live-Musiker, ein bißchen Latin, ein Schuß House, soulige, funkige und dubbige Anleihen, sowie Beats von 90 bis 175 bpm. Komplexe Grooves, die unweigerlich ins Ohr gehen. Lockere Melodien, die nie zu oberflächlich wirken. Spätestens bei Free merkt man wieder die starke Vorliebe für Peshays Sound, könnte der Track mit Sängerin Deidry Jones doch glatt als Truely durchgehen. Interessant auch Percussion, eine völlig überladene Percussion-Orgie mit einfachem Twostep-Beat, die nach dem fünften Anhören erst richtig kickt. Ein weiterer Höhepunkt stellt Referee dar, ein treibender, rollender, mit zahlreichen Drums vollgepackter Tune. Auffällig bleibt die Reihenfolge der Tracks, sind hier doch ständige Geschwindigkeitswechsel zu verzeichnen, die ein Durchhören im Wohnzimmersessel doch auf die Probe stellen. Sehr vielseitig präsentiert das Duo somit ein gelungenes Gesamtkunstwerk inklusive zeitlos schönem Cover. ][ lightwood
Lemongrass - Windows - Mole Listening Pearls
Erschienen auf Listening Pearls, macht dieses Album dem dahinterstehenden Labelnamen wohl alle Ehre. Wie schön können verregnete Tage doch sein, wenn sie ausgekleidet mit dieser TripHop-DrumnBass-Melange im Downbeat-Bereich alles Drumherum vergessen lassen. Bei seinem vierten Release läßt Roland Voss viele Elemente der japanischen Welt mit einfließen, die sich fein verwoben mit den umschmeichelnden Rhythmusgerüsten zu einem harmonischen Ganzen verwandeln. Unglaublich gefühlvoll bauen sich auf dieser Basis die einzelnen Tracks auf, deren Zeitspanne vom Urknall bis in die Unendlichkeit zu reichen scheinen. Fern von jeglicher Gewöhnlichkeit verlaufen die 16 Titel sehr einem, in uns allen wohnenden, Harmoniebedürfnis entgegen. ][ g
dZhian & Kamien - Refreaked - Couch Rec.
Schön war das, was dZhian & Kamien uns vor ungefähr einem Jahr mit ihrem Album Freaks & Icons bescherten. Gelassene wiener Leichtigkeit versehen mit lockeren Housebeats eben. Nach dem Erfolg ihres Debüts veröffentlichen die beiden Wiener nun die gesammelten Remixe ihrer Stücke in Form dieses Albums. Bereits bekannte und gern gespielte Perlen wie die before/after-Remixe von Herbert bzw. AtJazz strahlen hier ebenso ins Gehör, wie z.B. Eddie&Dus Interpretation von Smile. Gelassen kann man hier also zugreifen und braucht nicht zu fürchten, einen einfachen Abklatsch des Originals verkauft zu bekommen. ][ mb
VA - Club Bogaloo - Spinning Wheel
Man kennt das. Anstatt das kulturelle Glück im Herzen irgendeiner Großstadt zu suchen, setzt man seinen Dickschädel lieber dafür ein, daß trostlose Leben in der Heimatstadt aufzuwerten. So auch geschehen im Herzen Niederbayerns, besser gesagt in Pfarrkirchen, wo die Spinning-Wheel-Jungs schon seit einiger Zeit kräftig für Radau sorgen. Nun erscheint auf ihrem Label diese Compilation in Andacht an die zahlreichen Abende, die sie in ihrem Club Bogaloo erlebt haben und versuchen so, die allabendliche Atmosphäre an den unbekannten Hörer weiterzureichen. So Vielfältig wie das Clubprogramm ist auch die Zusammenstellung dieser CD: Off-Beat-Grooves, Downtempo-Stücke und relaxte Future-Jazz-Tracks geben sich die Hand sorgen für genug Abwechslung und Einzigartigkeit, um diese CD nicht sofort in den Tiefen des Compilationmarktes verschwinden zu lassen. ][ mb
VA - Playground Vol. 2 -Ecco.Chamber
Um zu zeigen, daß in Wien mehr möglich ist, als nur Downbeat der Marke K&D, bringt das kleine Österreichische Label Ecco.Chamber seit kurzem seine Playground-Reihe heraus. Teil 2 wurde von den LesGammas-DJs Tom Wieland und Marc Frank zusammengestellt und sichert so ein breites Spektrum an Musik: von brasilianischen Klassikern über soulige Diskostücke bis hin zu einem exklusiven Live-Arrangement von LesGammas findet hier jeder das Stück seiner Zufriedenheit. Die Tatsache, daß die einzelnen Stücke nahtlos und geschickt aneinandergereiht sind, erleichtert die Wohnzimmertauglichkeit dieser Compilation enorm, auch wenn gerade deshalb das Lounge-Melange-Klischee nicht gesprengt wird. ][ mb
Eyephone - Devolution - Source
Als sich der Silberling in meinem Player zu drehen beginnt, scheint es als öffne sich eine andere Welt. Fast schwerelos tönen die neun Stücke durch den Raum. Ambient ist vielleicht der erste Gedanke, doch schnell merkt man, daß sich viel mehr hinter den einzelnen Ebenen eines jeden Titels verbirgt. Sphärisch spiralförmig entblättern sich nach feinstem Zwiebelhautprinzip Schicht um Schicht bis sich der melodische Rhythmuskern in seiner abstrakt minimalen Art offen und klar in die Gehörgänge hineinschraubt. Nicht düster aber dennoch in gewisser Weise schwermütig gestalten sich strukturell die einzelnen funkig elektronischen Geräuschtropfen. Sanft fließen dabei die einzelnen Klangcollagen ineinander und geleiten einem vehementen Ende entgegen, bei welchem sich die alltäglichen Umgebungsgeräusche fast zu einer Art Melodienfortsatz verwandeln. Langsam verhallen die hängengebliebenen akustischen Schwingungen bis nur noch eines bleibt: Der Wunsch erneut PLAY zu drücken. ][ g
VA - Ladomat 100 - Ladomat
Ladomat scheint sich immer mehr dem 80er-Retro-Pop-Sound anzunehmen, aber angesichts der 100sten Platte mag man dies dann auch wieder verzeihen. Noch immer klingt Ladomat rauh, rebellisch, wild und völlig ungeordnet, wenn auch inzwischen nicht mehr ganz so ungewollt, wie früher. Zu gern erinnert man sich beim Durchhören dieser Platte an die alten Zeiten, die erste Ego Express, die zweite Whirlpool. Aber ich bin mir sicher, daß Charlotte es mit ihren nächsten 100 Platten erneut schaffen wird, an einem heute völlig unerwarteten Ort zu landen. Wir freuen uns erst einmal über diese 100ste Platte, genießen sie und erinnern uns ... ][ mb
T-Power Long Time Dead Botchit & Scarper
Schwer einzuordnen. Zu langsam geratener DrumnBass? Big Beat, der eigentlich nicht big ist? Eine neue 2Step-Variante? Gibt es Trip Hop noch? Wir weiten das Feld und einigen uns auf Breakbeat. Von dem einstigen S.O.U.R.-Aushängeschild T-Power hört man schon lange kein DrumnBass mehr. Die flirrenden Flächen erzeugen eine Atmosphäre, die an Mark Royals erstes Album The self evident truth of an intuitive mind erinnert. Die zwölf Tracks bieten eine eigene Melange aus Deepness, schrägen Sounds und catchy Frauenstimmen. Unterschiedlichste Breakbeats und teilweise extreme Filterbässe sind stilbildend. Schnittig bis rund, treibend bis relaxed und druckvoll bis zurückhaltend. Running ist auf den Punkt getroffen und wird dank Amazirees Stimme mit Sicherheit die UK-Charts stürmen. Der Remix von BLIM auf der Maxi-Auskopplung kann da in keinem Fall mithalten. Bei Wanker schimmert sogar ein wenig Humor durch. Long Time Dead hätte ebenso gut in den Katalog von Ninja Tune gepaßt. Schade nur, daß das alles hier keine 175 BPM hat. ][ lightwood
VA Funk Rock BBE
Das ewige Sammeln geht weiter. Ohne Unterlaß häufen BBE Compilation nach Compilation voller obskurer Raritäten an, um den Faden der schwarzen Musikgeschichte bis ganz nach hinten aufzuzäumen. Diesmal taten sich DJ Spinna und Labelchef Peter Adarkwah zusammen, um ihrer Fangemeinde die Verbindung zwischen Funk und Rock aufzuweisen. Dreizehn Stücke haben sie dabei zusammengetragen, von Can und Steely Dan über Steve Miller und Sly Stone bis hin zu Devadip, uns allen besser bekannt als Santana. Nichts für schwache Nerven und zart besaitete Clubgänger, sondern eher für den gelehrigen Durchschnittsrocker bzw. weltoffenen Plattensammler, insgesamt aber sehr ausgewogen und durchaus interessant. Funkpuristen würden sowas nicht mal mit Weihwasser und Kruzifix bewaffnet in die Hände nehmen. ][ mb
Populär Serie 1 & 2 - Heimelektro Ulm
Auf dieser Doppel-CD eröffnet sich eine weitgefächerte Landschaft aus 17 Kompositionen für elektronische Klangerzeugung. Nicht als Labelkonzeptalbum, gesellen sich zu den 15 bereits von den Veröffentlichungen des Labels her bekannten Künstlern auch Selenverwandte von anderen Labeln. Zusammen gestalten sie eine facettenreiche Reise, welche von minimalen Elektro über reduzierten elektro-pop bis hin zu feingliedrigem Ambient reicht. Aber auch zahlreiche andere Stilmittel wie 80'er-Flair, Jazzanklänge und Industrial finden sich als Essencen oder aber als Hauptbestandteil in den einzelnen Stücken wieder. Was aber sich wie ein roter Faden durch alle Titel zieht ist die gehörige Portion innovativen Arbeitens. So bereiten alle Titel einen wirklich neuen Hörgenuss, welcher auch nach häufigem Abspielen immer noch so manche Überaschung bereithält. Gespannt kann man also auf die weiteren Teile dieser Serie warten, die bis zu Nummer 6 fortgesetzt werden soll. ][ g
VA PutInOut Subetage
Eine Compilation die Freude bereitet - nicht nur aufgrund des politischen Kabaretts mit Titel und Cover. Sankt Petersburg scheint das Mekka der russischen Neuzeit-Musiker zu sein. Was diese zwölf Tracks - ausschließlich aus der Stadt in Russland - bieten, da kann sich so manch mitteleuropäische Werkschau eine dicke Scheibe abschneiden. Sankt Petersburg muß zudem eine schöne, lebendige Stadt sein. Man vermutet an der einen oder anderen Stelle einen gewissen kargen Minimalismus, der an endlose Taiga erinnern möchte, welcher dann aber recht schnell mit Saxophon oder Ähnlichem aufgelöst wird. Manchmal möchte man denken, wo wohl all die Einflüsse herkommen. Dann freut man sich wieder über die nie endende Spielwiese. Selbst russischer HipHop und DrumnBass fügen sich in dieses Sammelsurium interessantester Freestyle-Tracks ein. Vielfältigste Experimente der Sounds und Vocals lassen die Interpreten zu und die ansatzweise filigrane Klangarbeit erinnert gar an Säkhö. Kein Wunder, daß in der Presse-Info die Rede von russischen Stars wie DJ 108 und PCP ist. Bleibt nur noch die Frage zu klären, wie russische Musik auf einem österreichischen Label landet. Die Winterreise von Labelboss Robert Jelinek hat sich voll ausgezahlt. ][ lightwood
VA - Substancia 3 - Quatermass
Nach etwas mehr als einem Jahr erklingt nun lang ersehnt die dritte akustische Visitenkarte des belgischen Labels Qatermass (bei SubRosa). Wie auch schon von den beiden vorangegangenen Veröffentlichungen gewohnt, ist auch diesmal kaum ein Stilrichtungsbegriff ausreichend die Vielfalt der elf Darbietungen auf einen Punkt zu bringen. Mag natürlich hier der gern gebrachte Einwand gelten: "...aber halt mal, es handelt sich ja auch um eine Kompilation!", so ist dennoch auch im Varius-Artists-Bereich noch lange nicht alles Gold was glänzt. Doch hier strahlt es so, dass man am liebsten die Augenlieder fest zusammenpressen möchte um sich ganz den jeweiligen Exponaten aus dem klanglichen Kosmos elektronisch generierter Geräusche hinzugeben. Dabei ziehen die, schon im Vorbeihören auffällig schön gestalteten Tracks schnell die Aufmerksamkeit des Zuhörers tiefer in die Materie von Klang und Rhythmus im Inneren der jeweiligen Kompositionen. Tanzbarkeit hat den gleichen Stellenwert wie Strukturforschung, harmonisch wechseln sich Abstraktion und Vielschichtigkeit ab, ebenso finden trditionelle Anklänge die gleiche Beachtung wie inovative Experimentierbegeisterung. Daneben dient dann noch ein unvergleichlich ausgeklüngeltes Arrangement, welches sich wie ein Ohrwurm in alle Kopositionen eingenistet hat, einem unglaublich spannenden Hörerlebnis. Vereinzelt aus dem Hintergrund an die Grenze der Wahrnehmbarkeit dringenden Stimmband-Samples, aphextwinesker Klamauk, filigrane Rhythmusarchitekturen, sphärische Flächen, aufziehende Beatgewitter und künstlerisches Feingefühl ließen ein fast eudemonisches Album entstehen, das große Neugierde auf die kommendenVeröffentlichungen des Labels im Jahr 2001 gedeihen läßt. ][ g
Big Bud Late Night Blues Good Looking
Marketingtechnisch ist die Good Looking Organisation wohl das erfolgreichste und ausgebuffteste aller DrumnBass-Labels. Nachdem jede potentielle Zielgruppe mit altem Material versorgt wurde, darf man sich nun wie ein Schneekönig über frisches Material freuen. Big Bud trumpft mit einer Doppel-CD auf, gesplittet in DrumnBass und Nicht-DrumnBass aus überwiegend nicht veröffentlichtem Material. Alles fließt jeweils in einem Ganzen durch. Die acht Tracks der ersten CD sind mit Live-Applaus verkettet, der etwas überzogen und überflüssig erscheint. Diverse Live-Musiker geben ihr Stelldichein. Darunter auch Weldon Irvine, der zwar eine interessante Stimme hat, aber dessen Lyrics in gegebenem Zusammenhang zu gewollt klingen und inhaltlich nicht sonderlich tiefgründig sind. Rhodes, Saxophon und Flöte ertönen schon eher als gelungene Live-Elemente, kombiniert mit geraden und ungeraden Beats unter 140 bpm. Der so generierte Space-Jazz mit multikulturellen Anleihen treibt gleichförmig und wohlklingend das Gemüt an. An manchen Ecken bekommt man dann wieder den Eindruck, daß zu plakativ gearbeitet wurde, wie z. B. die aufgesetzt wirkenden afrikanischen Stammesgesänge in Mombassa. Die zweite CD erscheint in Form einer Mix-CD. Malerischer, qualitativ hochwertiger DrumnBass erwartet den Zuhörer. Sehr deep, flüssig und beinahe meditativ anmutend. Weit gezogene Flächen in diversen Variationen, gepaart mit funkigen Bässen und einfachen bis komplexen Beats überzeugen in gewohnter Good Looking Manier. ][ lightwood
Styrofoam - A short Album about Murder - Morr Music/Hausmusik
Wenn 37 Minuten richtig ärgerlich kurz werden, ist das ja schoin mal ein gutes Zeichen. Styrofoam ist also wieder geschmeideiger Morr-Style mit der merkwürdigen Schwebe zwischen Dur und Moll, New Wave und Elektro. Zarte Gesangslinien durchqueren gemächlich aber strukturiert vor sich himklöngelnde Windspiele aus feinster Looptechnik. Eine Tapete, um die Ihre Nachbarin sie beneiden werden. Unser Tip: Kaufen sie die Vinylversion und erreichen Sie durch die Kombination mit anderen schwermütigen Ambienten ungeahnte Effekte. ][ mandel
Saul Williams - Amethyst Rock Star - American
Sein Herannahen geschah sporadisch, aber unüberhörbar: Ein Track (Om) auf der Lyricist Lounge Vol.I ging etwas unter in der einsetzenden Aufregung um Mos Def, Talib Kweli und andere kommende Rawkus-Stars. Auf Coded Language schmetterte er eine Schnellfeuersalve Theorie über Krusts klaustrophobische Breakbeats. Schließlich via Ninja Tune-Compilation Twice the First Time, eine Spoken Word/Rap/Gesags-Bombe über Beatbox, DJ und akustisches Instrumentarium, die mit dem Kernsatz I will not rhyme on tracks...niggas in a chain gang used to do that way back nebenbei noch den uns heute bekannten Hip-Hop in Frage stellte. Dass das angekündigte Album bedeutend werden würde, war somit klar, aber die offenkundig recht diversen musikalischen Vorlieben des Mannes warfen die Frage auf: In welche Richtung geht er weiter? Und wie wird sich der Einfluss von Rick Rubin auswirken? Wer jetzt anhand von dessen Produktion für Johnny Cash und dem trockenen und einfach mal oberintensiven Arrangement von Twice the First Time Hoffnungen auf eine Weiterentwicklung in Richtung Puritanismus erwartete, wird enttäuscht sein: Saul Williams besitzt und beherrscht ein Instrument, das sich Star Spangled Guitar nennt, Rick Rubin besitzt die Telefonnummer von Chad Smith (drummer der Red Hot Chili Peppers). Zack de la Rocha (Rage Against the Machine) steuerte ein Voice Sample bei, und so klingt das ganze streckenweise eher nach Black Rock Coalition (Living Colour) oder späten Tackhead mit Breakbeats als nach den Beatruinen des Anti-Pop Consortium. Mit denen es aber genug Gemeinsamkeiten gibt, sei es die Zeile No man is an island, die Herkunft aus der Poetry-Szene New Yorks oder einfach dem Willen, Hip-Hop mal wieder jenseits seiner Grenzen zu pushen. Großartig. ][ mandel
VA - Zeta - Megahertz Tape
Es ist ein Jammer für die, an denen der Kelch vorübergeht, denn auch das sechste Megahertz-Tape wird nur einer Hundertschaft zuteil. Auch dieses Mal sorgt die Verpackung für eine nonaurikuläre Vorfreude, eine Spiegelkonstruktion, die erst das Lesen der illustren und internationalen Interpretenschar ermöglicht. Tangerine Dream-Legende Conrad Schnitzler ist deren einer und der beste Beweis, daß nicht alle 64-Jährigen der Musikantenstadelaltersdemenzförderung unterliegen. Trotzdem für die Highlights sorgen die Lokalmatadoren Klangstabil und Haine, deren experimentelle Gier keine Grenzen zu kennen scheint. Komplex und genreübergreifend präsentieren sich die Acts, neben den genannten noch NTT, Batchas und der Texaner Scott Garnett. Ein gemeinsamer Nenner ist die Schockwirkung bei Außenstehenden und der genießerisch lächelnde Ausdruck derer, die sich die Zeit nehmen und die nötige Offenheit an den Tag legen, um diesen Klangkunstwerken ein begeistertes Publikum zu geben. Popnihilismus oder die Kaufhausmusik des vierten Jahrtausends? ][ motik
Kulisch/Vana - Indian Masala Mix Vol.1 - Ecco.Chamber
Ein ambitioniertes Projekt, das versucht, Kompositionen aus dem reichhaltigen Arsenal indischer Filmmusik aufzugreifen, in strange klingende eigene Arrangements zu packen und zu remixen. Der immense Output der indischen Filmindustrie (Hollywood in Bombay = Bollywood) bietet dafür ein schier unerschöpfliches Reservoir, in dem sich auch starke westliche Einflüsse auf das Schreiben von hindi/tamil - Soundtracks wiederspiegeln. In Amerika, England und Indien selbst gibt es eine breite Remix-Szene für diese Musik, die österreichisch/tschechische Kombination Hans Kulisch/Stanislaus Vana operiert von Wien aus und hat nun das erste Album dieser Machart herausgebracht. Leider wurden wertvolle Seiten des Pressematerials durch ein peinlich-selbstgefälliges Interview mit Kulisch verschwendet, so daß man wenig über Originalkompositionen und -interpreten erfährt. Auch das Cover bietet außer dem Standardhinweis remixed and produced by Kulisch & Vana keine näheren Informationen (copyright ?!). Die 14 Titel selber überzeugen neben ihrer überwiegend soliden Produktionstechnik v.a. durch die ausgewogene Balance zwischen exotischer Klangfarbe, Harmonik und Rhythmik sowie westlichen Hörgewohnheiten und Dancefloor-Ansprüchen. Die mit einigen schnelleren Titeln auffrisierte Downtempo-Haftigkeit des Albums zeigt sich dem beackerten Musikgenre als durchaus angemessen und stimmig, ja geriert sogar ein paar volltaugliche DJ-Tools für den Ethno-Lounge-Bereich, die für manches Plattencase eine attraktive Bereicherung darstellen dürften. In Zeiten, wo durch Acts wie Asean Dub Foundation die Einstiegsbarrieren für viele Formen von Weltmusik niedriger geschraubt wurden, müßte eine solche Compilation eigentlich auf eine Menge für Abwechslung offene Ohren stoßen. ][ hve
VA - Geology - A subjective Study of Planet E Vol. 2
Hilft ja jetzt nix, es einfach dabei zu belassen, dass Fans von Planet E hier voll auf ihre Kosten kommen: Diese sanften, Trost verkündenden Orgeln, diese pumpenden Bässe aus der guten alten Zeit, die von Carl Craig und seinen Kumpanen mit ehrfurchtgebietender Sophistication ins heute und jetzt gemorpht werden. Ein Sound wie nach Hause kommen. Aber eine Review ist ja auch eine Kaufberatung. Hiesse es jetzt, die aktuelle geilste Mix-CD zu ermitteln, müsste G2 wohl gegen Matthew Herbert Globus-Mix ins Rennen geschickt werden. Und da sieht es so aus: Herbert gewährt mehr als nur einen Blick auf Zukünftiges und Zukunftsweisendes, während Mike agent x Clark laut Linernotes auch mal den Crowdpleaser raushängen lässt, und dementsprechend und historisch korrekt auch die Platten eingesteckt hat, die mit Latinflavour und Retrostyle deine verborgensten Instinkte antriggern. Für ein Format, das ja eher auf zu Hause zielt, nicht unbedingt die essentiellste Eigenschaft, aber aufgrund der verwendeten Qualitätsware immer noch was feines. ][ mandel
VA - Berlin macht Schule - V2
Klingt vom Titel her nicht ganz unbeabsichtigt nach einem Pendant zur Hamburger Schule, wenn die Compiler vom Berliner Radio Fritz auch Wert darauf legen, daß es in der Hauptstadt viele Musikszenen gibt und ihr Sampler keinen repräsentativen Querschnitt durch diese darstellt. Der Vergleich mit den Hanseaten drängt sich bei dieser Zusammenstellung von 21, meist gitarrenorientierten Popsongs junger Berliner Bands und Projekte dennoch auf - und fällt überwiegend positiv zugunsten der einst geteilten Stadt aus. Denn im Gegensatz zur molltrunkenen Larmoyanz und spätpubertären Selbstbemitleidung vieler Bands der Hamburger Schule verstehen es die hier zu hörenden Berliner Musiker, ähnliche Themen wesentlich beschwingter, spritziger, abwechslungsreicher und mit einem entkrampfenden Schuß augenzwinkernder Selbstironie zu verarbeiten. Ob romantisch-verträumt oder zupackend frisch - alles klingt dabei witzig-frech und offenbart zudem ein sicheres Gespür für textliche oder musikalische Anspielungen, Querverweise und geschmackvoll eingebaute stilistische Zitate. Ein Blick auf meine, beim Anhören mitgeschriebenen (unvollständigen) Notizen verdeutlicht die Weite des durch diesen Sampler potentiell abgedeckten Assoziationsspektrums: frühe Blumfeld, 60s-mäßig, DAF, Skunk Anansis, Cranberries, Sioxsie & the Banshees, REM, Nirvana-Akkorde, Foyer des Arts, Hansaplast, Humpe .... Keine dieser Klangfarben wird jedoch in einem Akt des Plagiatismus zu lauen Aufgüssen vergewaltigt, sondern leichtfüßig und schlüssig in einen anderen stilistischen Kontext montiert, der zudem fast unbekümmert klingende Popqualitätten aufweist (der Opener von 2-Raum-Wohnung mit Neonbabies/Döf - Inga Humpe hat den 15mal-hintereinanderhören-Ohrwurm-Test souverän bestanden!). Eine gewisse Nähe zur NDW klingt zwar häufig durch (einfache Songstrukturen, transparente Instrumentierungen), relativiert sich aber durch den kreativ-eigenständigen und gereift-zielgerichteten Umgang damit. Der Witz der Berliner Protagonisten verhindert ein Abgleiten in egomanische Präsentationen von Selbstzweifeln (Hamburger Schule) und rückt dafür einen wesentlichen Motivationsfaktor für Produzenten und Konsumenten wieder in den Vordergrund: den Spaß an der Musik. ][ hve
VA - Lyricist Lounge Vol II - Rawkus
Natürlich Vol.II im historischen Vergleich mit dem Vorgänger nicht so gut weg: Einfach weil sie nicht (mehr) das versammelt, was mit gutem Recht als aktuelle Avantgarde bezeichnet werden kann. Denn dann müssten Anti-Pop dabei sein, Sensational, vielleicht Dälek... Es sind eigentlich auch die überraschendsten Beiträge keine rechten Überraschungen geworden. Dennoch wird jeder fündig, der nach Qualitätsware sucht, die auf die eine oder andere Weise wirklich schockt: Macy Gray, mos Def und Gang Starr (als Remixer), mit der Selbstverständlichkeit, mit der sie einen Hit braten, Q-Tip mit seiner weiterhin nicht zu überbietenden AURA, Talib Kweli und Dead Prez mit dem immer wieder derben Hyperrealismus, mit dem sie das Loblied auf die Knarre ausführen. Oder die Geschwindigkeit mit der auf der gleichen (nicht der anderen) Seite der Medaille Leben wie das von Big L (ebenfalls mit drauf) oder irgendeines beliebigen armen Individuums ausgelöscht werden können. Mit anderen Worten: ob die Lyricist Lounge nun für Credibility steht oder für modernisierte Kulturindistrie in vollem Effekt, das Zeug kommuniziert, rockt, unterhält nach wie vor relevanter als der Durchschnitt. ][ mandel
Madcap - The solid Sender EP - Music for Speakers 06
Beginnend mit einem Track im Downtempo-bereich schrauben sich so langsam aus den schweren, durch zartes Chello beflügelten, Pianoklängen schnellere Rhytmussphären in den Vordergrund. Kaum merklich durchgleitet man so die drei gefühlvoll clubtauglichen A-Seiten-Tracks, bis die Endlosrille an das Umdrehen erinnert. Die B-Seite nach oben ins Licht der Nadel gedreht, eröffnet sich augenblicklich eine ganze Clublandschaft, bei der allerdings die im ´TimTalerSoundtrackFlair´ erklingende Hintergrundsmelodie ein gewisses kitschiges Ambiente verstrahlt, das den nächsten Track mit Sehnsucht erwarten läßt. Kaum gleitet man über, ist man auch schon wieder versöhnt und das wohlige Gefühl der A-Seite wieder hergestellt. Dabei gab es wohl seit den ersten Veröffentlichungen des CLEAR-Labels keine andere Platform auf der sich so eindruksvoll moderne Elektronik mit klassischen Instrumenten vereint. Und dennoch wirkt dise erste Veröffentlichung, nach Beiträgen für die 'MUSIK FOR SPEAKERS Compilation1' und 'Coda ep', nicht als Abklatsch sondern präsentiert sich vielmehe als eigenständige Fortentwicklung einer weit zurück liegenden Musikepoche. ][ g
Wondabraa - Open your Eyes/Discohead - Zomba
Maxi-Appetithappen für das anstehende (nach dem 99er Debüt Would you kiss me) zweite Album von Wondabraa (= Kai Liekenbroecker featuring Miriam Kassim on vocals), das Deck to Basics heißen soll und mit live eingespielten Drums, Bässen und Keyboards produziert wurde: zwei Titel in fünf Mixen, die durchschnittlich nette Housemusik in gemäßigtem (Open your Eyes) und etwas zügigerem Tempo (Discohead) zu Gehör bringen, dabei aber markante Sentenzen und eine eigene, den Rahmen des Üblichen verlassende Handschrift bei Arrangement, Produktion und Mix vermissen lassen. Auch die Einbeziehung von Electro-Accessoires, spacig-rockigen Klängen, upliftenden Gesangsmerkmalen und der Remix-Künste des besten deutschen House-DJs, Hans Nieswand, befreit dieses durchaus solide Release nicht von seinem stark graumäusigen Beigeschmack. ][ hve
Jiri Hönes - Bahnhof Rutesheim - Heckengäu
Lange nichts, dann das Nahen eines Zuges, er rauscht vorbei, wieder lange nichts, dann der nächste Zug. 2 mal auf jeder Seite. Definitiv stellt sich die Sinnfrage, aber genauso definitiv muß man sich beeilen, noch einen der auf 100
Stück limitierten Plastikrundlinge zu ergattern. Heckengäu ist jedenfalls ein neuer interessanter Punkt in der Labellandschaft, von dem in Zukunft vor allem im Bereich der Experimentalelektronik einiges zu erwarten sein wird. Es bleibt also nicht bei gesampleter Originalumwelt. ][ motik
VA - Hamburg eins - Dial
Ein Herr namens Diamantenräuber, Carsten Jost, ein Unerkanntbleibender (you don`t know me) und Ha.te. füllen mit jeweils einem Track diese EP. Wirklich herausragend ist allein der Ha.te.-Beitrag Winterhude, ein dunkler, sich langsam nach vorne sägender Techhouse-Track. Dazu gesellen sich ein Ambient- und zwei eher housige Durchschnittstonfolgen, die dem hohen Anspruch, den man an Dial aufgrund der bisherigen Releases stellt, nicht ganz gerecht werden. ][ motik
weltZwei - intercity - Sender
Der Berliner Benno Blome und der Kölner Matthias Werschnik lassen den Hörer über ihre Herkunft nicht im Dunkeln. Intercity Night ist druckvoller Minimal-Techhouse mit Berliner Grundgerüst. Navigator ist eine ruhigere rim-shot-orientierte Variante der Flipside. ][ motik
Jörg Bergs - Trip to Saturn EP /// Phase Encoder - Different Phases - beide Shokoy
Der kürzlich in den Kurbel-Künstlerstamm aufgenommene Jörg Bergs bestätigt seine demgemäßen Vorschußlorbeeren vor allem mit dem Titeltrack. Dichter Advanced-Techno mit fordernder Bassline und einem gewissen Eigenleben. Neben einem eher unscheinbaren weiteren 4/4-Track folgen zwei ruhige tiefgründige Elektrotracks mit nicht alltäglicher Beatstruktur. Phase encoder bewegt sich an der Schnittstelle zwischen detroiter und schwedischem Musikschaffen, wobei die harten tanzflächenorientierten Tracks über Toolstatus nicht unbedingt hinausgelangen. ][ motik
Vanguard - Alles oder nichts (Rmxs) - Frisbee
Die Chris-Liebing-Adaption ist uninteressante Technohausmannskost mit obsoleter Soundstruktur; Vanguard bewegt sich zwar hart an der Grenze zum bösen Obergrund, könnte aber (wohl genau aus diesem Grund) einen Clubhit gelandet haben, der mit einer Mischung aus 94er Trance-Elementen, Stimmensamples und modernem Advancedtechno, wie so oft bei Frisbee, den Wunsch heraufbeschwört, die ein oder andere nur kleine Änderung an dem Track vorzunehmen, um ihn in die Erstklassigkeit hieven zu können. Dazu gibt es noch den Bonustrack Para, ein nicht uninteressantes Elektrostück mit verwaschener Bassdrum und Stimmensamples. ][ motik
Combination 002
Kaum ist das Debut am Start, steht Katalognummer zwei für März an. Michael Scheibenreiter, eine Hälfte der Phoneheads, begibt sich zusammen mit Stefan Schwander a. k. a. Antonelli Electr. in den Swimmingpool. O Ton Left treibt in Form einer sanften Tech-House-Nummer mit schwebendem Bass genau in der richtigen Höhe. Ebenso zeitlos schillert Atomizer mit ständiger Entwicklung und ganz ganz tiefem Subbass weiter unten im Becken. Leichte Elektro-Spuren in den Beats und ein klasse Sound-Arrangement sind stilbildend. Dicht unter der Wasseroberfläche bewegt sich vorsichtig Left Version. Die vormals verwendeten Dub-Elemente werden hier intensiviert und kein Beat verwendet um für eine möglichst spannungsreiche Wasseroberfläche zu sorgen. Ein sehr schönes, warmes Release für die Morgenstunden. Ein Schritt weiter als das Label-Debut. ][ lightwood
Paul Brtschitsch - Venex One - Frisbee
Venex One ist ein sich langsam aufbauendes angenehm-grooviges 4/4-Stück mit einer hintergründigen Kraftentfaltung, dessen flächige Dichte und coole Funkyness auch auf den Tanzflächen funktionieren dürfte. Daylight again bewegt sich abgesehen von dem Doppelschlag auf der 4 in ähnlichen Gefilden, Tonality schließlich bestätigt den Schluß auf die hohe produktionstechnische Reife des Frankfurters, das durch die bassdrumlosen Takte 5-8 einen gewissen Vorprogrammcharakter aufweist. ][ motik
Jeff Mills - Metropolis (2) - Tresor
Eine weitere Auskopplung aus dem Metropolis-Album des Detroiter Minimalismusmoguls, dieses Mal für die deutsche Motorcity-Exklave Tresor. Robot Replica, Flood und Revolt sind Millspure Detroitminimalismusessentialia, nicht
mehr neu oder revolutionär, aber immer noch brilliant. ][ motik
Timeless 010
DJ Lee zog sich von der Tätigkeit als A&R bei Timeless zurück und wird in Zukunft Doc Scott mit 31 Records unter die Arme greifen. So war diese 12 hier vermutlich eines seiner letzten und besten Streiche. Nach Wots My Code stellen die beiden Remixe von Spacefunk einen weiteren äußerst gelungenen Remix eines alten Klassikers dar. Doc Scott a. k. a. Nasty Habits stellt die hölzerne Percussion klar in den Vordergrund. Mit ein wenig Amen-Break und Spielereien schafft er einen Remix, der sich nahtlos und ergänzend in jedes Set einfügen läßt. Hoher Wiedererkennungswert ist vorprogrammiert. Schwer auszumachen ob Photek a. k. a. Special Forces auf der Rückseite mit seiner Version das Ganze noch übertrumpfen kann. Er variiert mehr mit den plockernden Sounds und das Pfeiff-Geräusch tritt in den Vordergrund. Verschiedene Flächensounds erzeugen wechselnde Atmosphären. Sehr deep, vielschichtig und einprägsam. ][ lightwood
Dave Tarrida - Paranoid (again) - Tresor
Im Vorgriff auf das Album Paranoid erscheint diese Maxi mit einer Wiederbearbeitung des Titeltracks durch Christian Vogel, Funk d`Void, the Horrorist aka Oliver Chesler und Tarrida selbst. Die Tracks bewegen sich durch die Bank auf höchstem Niveau. Während Vogel seiner typisch eigenen funky Soundwelt treu bleibt, Tarrida durchdacht experimentell und Funk d`Void flächig groovig mit außergewöhnlicher Beatstruktur eher moderate Töne anschlagen, sorgt Chesler für einen energetischen massiven Clubhit. Tiefe sirenenähnliche Soundeffekte, Stimmen und Power pur für volle Tanzflächen. Sehr gute Platte. ][ motik
Markant ltd. 28
Man freut sich immer wieder über die Ergüsse des Carsten Endraß, wohnhaft in einem kleinen Örtchen bei Rosenheim, wenn ohne jegliche, weil scheinbar überflüssige Presse-Info, ein rundes Vinyl ankommt. Ganz besonders wenn es sich wie in diesem Fall um eine Picturedisc handelt. Musik weitab von allwöchentlichen, funktionalen Clubtracks, aber immer mittendrin im Leben. Zurücklehnen und abschalten. Musikalisch unbelastet und unvoreingenommen wird auch bei diesen drei Tracks wie mit beinahe jedem Markant-Release eine Nische aufgebrochen. Man wagt gar nicht zu fragen ob die extreme Knarzigkeit in den Hihats beabsichtigt, oder gar ein Pressfehler ist. Langgezogene Klangteppiche. Geschwindigkeit spielt keine Rolle. Analoge Anatomie. Eintauchen, Auftauchen, Durchatmen. Die Nadel wieder an den Anfang setzen. Track-Titel sind überflüssig. Wenn Rephlex einst very cinematic als Feedback auf sein Demo gab, spricht das Bände. ][ lightwood
Gyration 025
Stolz präsentiert man sein kleines Jubiläum (...das deutsche d+b Label mit den meisten Veröffentlichungen.) mit einer ungewöhnlichen Platte. MC Santana tourte mit zahlreichen DJs durch die Republik und zählt zu den gefährlichsten Waffen an der Mikrophon-Front. Momentan macht er sich im Gepäck von Goldie breit. In Zusammenarbeit mit Mad Vibes und Sebel entstand nun sein Debut auf vorliegender 12. Respekt gebührt zunächst der geschickten Einbindung der Vocals: nicht zu viel, nicht zu wenig, effektvoll bearbeitet und stilprägend. Twontytree offeriert lieblich sommerliche Klänge, bevor dann die zu geradlinig geratene Steppermaschinerie loshämmert. Can U Feel It baut sich langsam auf. Waber-Bassline, rollender Breakbeat und Hit-Potential. In der Mitte des Tracks passiert es dann: Zur Überraschung kommt eine kleine Homage an Mr. Fingers zum Tragen. Sehr gut. Zwei Floorfiller. ][ lightwood
Form 001
Nach der Don-Q-Ära war es lange still im Norden, genauer gesagt in Hamburg. In der Zwischenzeit ist viel im Untergrund gewachsen und ein alter Bekannter aus Wicked Wax-Zeiten sorgt für eine frische Plattform. Jungle Mania-Resident MTC Yaw präsentiert mit Kollege Rollin B das erste Release. Recall gleitet stromlinienförmig und beinahe hypnotisch. Ein gefilterter, kurzer Vocal-Fetzen zieht sich durch den kompletten Track. Nie zu dick auftragend entsteht eine angenehme Atmosphäre. Bewegung bringt die munter wedelnde Bassline ins Spiel. Nur schade, daß in der Abmischung die atmosphärischen Sounds im zweiten Teil zu stark im Hintergrund verschwinden. Vicious stellt eine gute Ergänzung dar. Im Bad Company-Stil entsteht eine unschuldig wirkende Einleitung, bevor der Break kommt und anschließend auf die Pauke gehauen wird. Amen-Breaks und sägender Bass im Rinse-Out-Stil. Gut gemacht und funktional. Erwähnenswert wäre noch ihre sehr aufwendig konstruierte Flashsite www.formrecording.com. ][ lightwood
Magic Vinyl 001
Pavlek-Mastermind Daniel Wiest, Feeva Krus Yen-Cee plus ein paar neue Gesichter bringen Stuttgarts erstes DrumnBass-Label Magic Vinyl ans Tageslicht. Katalognummer 001 offeriert zwar keinen brandneuen Sound, jedoch zwei Tracks, die für rockende Dancefloors und rauchende Colts sorgen werden. Breakthrough von Bizarre Individualz ist sehr schlicht gehalten und bewegt sich mit sehr elastischen Beats vorwärts. Der spannende Teil passiert in der Mitte. Ein längerer Break, der durch futuristisch anmutende Sounds sehr schön eingeleitet wird und durch einen Snarewirbel aufgelöst wird. Tension von Mr. Sprite ist klarer durchbrochen. Die Beats kicken enorm durch ihre stoppende Art. Ein Sci Fi-Sound hangelt sich zielstrebig durch den Track. Einzig und allein die unterschiedlichen Filter-Basslines klingen an manchen Stellen zu simpel und spielerisch. ][ lightwood
Argon 001
Bei den Ami-Labels driftet der Sound sehr gerne ins Extreme ab. Argon, ein neues Label aus Kalifornien, erfreut sich der Old School-Thematik. Mehrere Releases von Künstlern aus UK, USA und Australien sind bereits in der Pipeline. Stratus startet mit Lets go crazy, einem verrückten Tune, der an alte Zeiten erinnert. Everybody in the Place von The Prodigy könnte hierfür Pate gestanden haben. Keines der Elemente zeugt von aktuellen Strömungen. Lediglich die Geschwindigkeit sorgt für die Einbettung ins Mixset. Sehr ravig, sehr flashig und 100% NuSchool-OldSchool. Die Abmischung ist leider nicht ganz gelungen, wodurch die Beats etwas darunter zu leiden haben. Ansonsten erfrischender Hands-In-The-Air-Partygarant. Auf der Flipside darf geremixt werden und dafür wird natürlich ein bereits renommierter UK-Act geangelt. Skynet gibt sich jedoch nicht besonders Mühe und das Resultat ist eine überflüssige B-Seite. ][ lightwood
Millenium to Millenium - UR
Preformed by Galaxy to Galaxy & 4Hero-Remix, UR ist immer noch das Mutterschiff der Kreuzer durch Raum und Zeit. Haben sie wirklich die Weltformel (Beats, Innovation, Sound, Resistance) für gute Tanz-Musik im Spacecruiser-Tank? Ja - und hier wieder besonders: Ja! ][ neon tse tse
Mike Grant - And then it was my turn EP - Moods and Grooves
The struggle of my people - unglaublich schöner essentieller Track, basierend auf einem Gedicht von Maya Angelou - You may shoot me with your words, you may cut me with your eyes, you may kill me... but still like life... I rise... ][ neon tse tse
Ptaah vs. Opaque - Crossing -Ubiquity
Wer Ptaah eigentlich ist/sind, weiss ich jetzt nicht, nur daß mir ihre LP zwar im Bezug auf Experimentierfreude gefallen hat, sie mir aber auch viel zu überladen war. Dafür gibt es jetzt diese 12er mit einem Remix von Seiji (hier als Opaque), der etwas macht, mit dem man nun wirklich nicht unbedingt hätte rechnen können. Er zieht nochmal an allen vorbei, die im Laden im sogenannten "Nu-Jazz"-Bereich chubladisiert werden müssen. Er macht es ohne Gedaddel oder Klagngteppich, nix Café-Background oder gar Jam-Terror. Dies hier ist zweifellos die Speerspitze der Tracks der Neu-Jazzer zur Zeit. Das ist abstract africa 2001. ][ neon tse tse
Needs Brother EP Needs
Man darf aufatmen. Das Frankfurter Deep-House-Trio hat es in der Tat geschafft, die hohen Erwartungen nach der letzten EP zu erfüllen und legen somit dar, daß ihr Verständnis für Tiefe und Seele aus Erfahrung und Begabung herrührt. Das Deep-House nicht nur für den Kopf sondern auch für die Füße sein kann, wird hier auch gleich mitbewiesen, die Brother EP jedenfalls drängt deutlich ungenierter auf die Tanzfläche, als ihre anderen Stücke zuvor, ohne dabei mit den Ellenbogen anzustoßen. Kraftvoll, deep und trotzdem fröhlich, so gehen Needs ins neue Jahr.. ][ mb
VA Jazz Bizniz 2 remixed Counterpoint
Klar, das kann man sich nicht entgehen lassen. Im Zeitalter des Remixes muß man zu einer klassischen Jazzcompilation auch eine dazugehörige Remixmaxi herausbringen, zumal es zur Zeit äußerst beliebt ist, alte Klassiker einer Überarbeitung zu unterziehen. Counterpoint schlägt also auch diesen Weg ein und liefert mit Jazz Bizniz 2 Remixed zum ersten mal eine Remixmaxi zu einer ihrer Compilations nach, hier zu dem von Russ Dewbury zusammengestellten Jazz Bizniz 2-Sampler. Die Ehre des Remixes erfahren Billy Wrights Summer of Love, daß im beyond there remix zu einer groovigen, treibenden Instrumental-HipHop-BeBop-Nummer wird, während Sheila Landis Parentte-Seziure unter dem Einfluß der LesGammas zu einem flotten Off-Beat-Schmankerl mutiert, das deutlich mehr Charme und Leben aufweist, als die Bearbeitung des Billy-Wright-Klassikers. Als Bonus wurde noch das beste Stück der Compilation, Dansers Infernos Sombie Guitar dazugepackt, was alle DJs natürlich besonders erfreuen dürfte. ][ mb
Voom:Voom Ginger & Fred Compost
Der Medien neuestes Lieblingsprojekt Voom:Voom, bestehend aus Österreichs Dubkaiser Peter Kruder und dem Münchner Off-Beat-Gespann Fauna Flash, offerieren auf ihrer zweiten EP zwei weitere äußerst minimale Dancefloor-Tracks. Rollende Snares, trockene Kick-Drums, hier und da verhallte Klänge werden zu einem recht offenen, losen Gesamten zusammengeschnürt, ohne dabei all zu viel Dramaturgie oder Struktur erkennen zu lassen. So findet sich dann auch keine Spannung und keine Motivation, womit das ganze mehr als eine Art lockere Kooperation zur gemeinsamen Erweiterung der Beat-Programmierfähigkeiten einzustufen sein dürfte. ][ mb
VA PLSP EP Schreckfisch 001
Ein kleines Berliner Label wagt den Schritt an die Weltöffentlichkeit und überrascht mit seiner ersten 3-Track-EP sogleich positiv. Live gespielte, experimentelle Elektronikmusik paart sich mit Hardcore-Free-Jazz, ohne dabei den üblichen Klischees zum Opfer zu fallen (Die Enttäuschung), während auf der anderen Seite deutlich dubbigere, orientalisch angehauchte Tracks in tanzbarem Gewand auftreten, in der Sache aber genauso destruktiv und experimentell sind, wie Die Enttäuschung. Tolles Debüt, das auf mehr hoffen läßt. ][ mb
Soul Parlor Vol. 2 Sense
Ein lässiges, grooviges Tanzflächenmonster haben die beiden Mainzer Korben Dallas und Tobias Müller auf uns losgelassen. Einfach so Percussionen mit Off-Beats verwurstelt und drauf einen rauschenden Filter-Synthie gesetzt. Keine Langeweile durch konforme Hörigkeit, sondern Erhabenheit über die eigene Soundästhetik zeichnen diese Platte aus. Wirkt verspielt, ist es aber nicht, sondern ganz kühl kalkuliert und fegt gerade deshalb mächtig durch die Meute rumstehender Partygäste. ][ mb
Uschi Classen New Born JCR
Ihre zweite Soloplatte auf dem Jazzanova-Label widmet Uschi ihrem neugeborenen Kind (ist es eigentlich ein Junge oder ein Mädchen?), welches sogleich mit rollenden Drums und knarzigen Kontrabässen konfrontiert wird. Ansonsten herrscht eine verzaubernde Lässigkeit vor, die Tanzflächenenthusiasten erst einmal abschrecken dürfte. Selbst der Universal-Funk-Remix, der doch deutlich treibender und agressiver wirkt, dürfte es nicht schaffen, ernsthaft Schweiß auf die Stirn der Tänzer zu treiben, weshalb das Original das von mir bevorzugte Stück ist, da deutlich anmutender, harmonischer und ausgeglichener. So fügt sich diese Platte denn auch problemlos in die Reihe der JCR-Veröffentlichungen ein, die ja alle viel mehr alleinstehende Stücke aufweisen und weniger Tanzflächen rockende DJ-Tools. Aber stört das? ][ mb
Blaze - Natural Blaze - Life Line
Blaze - was gibt es da alles zu erzählen. Sie stellen eine der am längsten Währenden Produktionspartnerschaften, die längst eine Freundschaft geworden ist, dar und bereichern den Clubkosmos nun schon seit mehr als zehn Jahren mit tiefgreifenden Produktionen, die in der Regel Herz und Seele zerspringen lassen. Das dritte Album der New Jersey Produzenten-Helden Kevin Hedge und Joah Milan knüpft konsequent an ihren bisherigen Veröffentlichungen an und bietet in so fern nicht all zu viel Änderungen in Sound und Stil. Gesang, eingebettet in klassischen New York House heißt das Konzept, daß die beiden nun schon seit vielen Jahren erfolgreich anwenden. Dabei funktionieren ihre Songs ebenso als Highlights im Club wie auch zu kuscheligen Stunden auf dem heimischen Sofa. Ergänzt wird all dies durch eine üppige Portion afrikanischer Einflüße wie Percussionsolos, Afro-Beats oder afrikanische Poesie. Mit der Singleauskopplung Elevation ist dann auch bereits ein weiterer Blaze-Hit auf dem Weg Herzen und Ohren aller Clubjünger zu erobern. ][ mb
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