| das dreißigste ± verbindend & quirlig ± April/Mai 01 | 430 West |
5 beautiful individual brothers
|
![]() |
Mit geliehenen 500$ eines Onkels entstand das Label 430 West im heimischen Keller der Eltern, die der Religion der Zeugen Jehovas angehören. Mit dem in Juan Atkins Studio aufgenommenen "I believe" als Octave One erschufen sie eine der Hymnen, die sich über Top of the Pops bis zur Loveparade 91 ihren Weg bahnte. Ihre Erfahrungen in der Arbeitswelt, unter anderem als Roadies bei Fusion-Jazzer Bob James, wurden in die Labels 430West/Direct Beat eingebunden. Mit viel kooperativem synergetischem Anspruch hinter den Kulissen (z. B. essentieller Support bei Submerge) schafften es die Burdons, nahezu unzählige herausragende Platten zu produzieren und zu veröffentlichen, um somit unentbehrlich für die Welt der Tanzmusik zu werden. Das Prinzip "We who are not as others" im künstlerischem, aber auch das lebensnahe auf-dem-Teppich-bleiben scheinen auch hier wieder wichtige Eckpfeiler für eine Musik zu sein, die durch ihre besondere, zeitlose Qualität einer Party/Disko einen spirituellen Sinn zu addieren vermag. |
Antworten von Lenny Burdon (430West-Ocatve One-RNG...)
ouk: Seit wann macht ihr Musik?
Lenny: 1988 haben wir angefangen. Wir kauften uns ein paar Drumcomputer und brachten uns das Programmieren selbst bei.
ouk: Wie war das als ihr angefangen habt?
Lenny: Es war sehr faszinierend. Meine Brüder Lawrence und Lynell und ich hatten alle vorher von der Grundschule an bis zur Highschool "konventionelle" Instrumente gespielt (Piano, Saxophon, Klarinette, Drums, French Horn, Tuba und viele mehr). Wir fanden es unglaublich, was man mit den elektronischen Kisten machen konnte.
ouk: Wie kam es zur Labelgründung?
Lenny: Nachdem unsere erste Platte auf Transmat erschienen ist, haben wir auf Hochtouren neue Tracks produziert. Wir produzierten so viel Musik, daß wir gar keine andere Wahl hatten als den nächsten Schritt zu gehen and learn how to put it together um ein Label zu starten.
ouk: Wie habt ihr es geschafft von der Musik leben zu können?
Lenny: Zuerst haben wir alles gegeben, um gute Songs zu machen. Als nächstes haben wir alles gegeben, um das Musikbusiness zu lernen. Der Trick ist immer nach den Möglichkeiten zu lernen Ausschau zu halten und das Bewußtsein darauf zu fixieren, das Wissen zu nehmen und anzuwenden.
ouk: Was habt ihr vorher gemacht? Wann kam der Wendepunkt?
Lenny: Der Punkt an dem sich die Sache verändert hatte, war gekommen, als das Label so viel
Arbeit machte, daß wir es neben den anderen Jobs nicht mehr bewältigen konnten. Es war nicht so, daß das Label genug Geld abwarf, aber Leute hatten angefangen, die Musik aufzugreifen und den ganzen Tag über klingelte das Telefon. Wir brauchten jemanden, der wenigstens zu den regulären Arbeitszeiten im Büro war. Lawrence hat dann seinen Job gekündigt, um die Firma zu betreuen und Lynell und ich arbeiteten weiter, um unseren Traum (und uns selbst) finanziell am Leben zu erhalten. Durch tagtägliche Arbeit für das Label hat es Lawrence geschafft, aus dem Hobby ein Business zu machen, das dann schließlich auch Geld abgeworfen hat.
Wir hatten viele Jobs. Wir haben versucht, jede unserer gemachten Erfahrungen in unsere Karriere einfließen zu lassen. Ich habe als Versand-Mailclerk gearbeitet. Meine Brüder und ich haben viele Jahre als Roadies gearbeitet, Instrumente für Liveshows auf- und abgebaut. Eine Arbeit, bei der wir der Musik nahe sein und gleichzeitig davon leben konnten. Roadie zu sein hat uns viel gelehrt, vor allem zu wissen, wie man das Equipment aufbaut und die Show am Laufen zu halten hat. Die weniger offensichtlichen Erfahrungen sind die, mit Leuten umzugehen und zu lernen, wie ein Künstler sich verhalten sollte oder wie eben nicht.
ouk: Gab es schwere Zeiten?
Lenny: Klar hatten wir auch schwere Zeiten. Die hat jeder. Aber ich kenne Menschen mit echten Überlebensproblemen. Ich kenne Menschen, die Probleme damit haben, täglich etwas zu essen zu bekommen. Die schlimmsten Sachen, die ich erlebt habe, sind nichts im Vergleich zu dem, womit manche Leute im täglichen Überlebenskampf zurecht kommen müssen.
ouk: Was würdest du anders machen, wenn du könntest?
Lenny: Ich denke ich würde nichts anders machen. Alle meine Fähigkeiten und Fehler haben mich hierher an diesen Ort zu dieser Zeit gebracht.
ouk: Gibt es auch die schlechten Erfahrungen im Musik-Biz? Was stört dich?
Lenny: Das Mißtrauen, das dort existiert. 80% oder noch mehr der Künstler, die wir auf dem Label hatten, haben uns beschuldigt, daß wir sie bestohlen hätten, ihre Musik nicht promoten würden, oder sie generell geschädigt hätten. Die meisten sind später zurückgekommen und haben sich bei uns entschuldigt und sich bedankt, daß wir an sie geglaubt haben.
Ich lehne wirklich dieses Ego ab, das Leute bei der Musik bekommen. Diese eine Sache verstehen die meisten Leute einfach nicht: Es mag sein, daß du etwas außergewöhnliches machst, aber das macht dich noch lange nicht zu einer außergewöhnlichen Person.
ouk: Welche Menschen haben für dich (Musiker und Nicht-Musiker) eine entscheidende Rolle gespielt?
Lenny: Das waren viele. Meine Mutter und mein Vater gaben mir die Grundlage und die Unterstützung. Meine Brüder natürlich, die mich auf der Reise begleiten, der Rest meiner Familie und Freunde aus vielen Gründen. Musikalisch und geschäftlich habe ich gearbeitet, beobachtet und gelernt von Derrick May, Mike Banks, Anthony Shakir, Kevin Saunderson, Carl Craig, Neil Rushton und vielen anderen.
ouk: Was ist für dich das wichtigste in deiner Kunst?
Lenny: Meine Musik ist ein echt spezieller Teil von mir und ich gebe mein bestes, um sie funky zu machen.
ouk: Ist es für euch als Brüder-Kollektiv leichter oder eher schwieriger eure individuellen Persönlichkeiten in die Kunst zu bringen?
Lenny: Wir sind als eine Einheit aufgewachsen, verlassen uns aufeinander, und zehren von des anderen Stärke. Wir kämpfen und haben Differenzen, wie die meisten Brüder. Jedoch teilen wir das gleiche Ziel, wenn wir im Studio sind, um den funkigsten Track zu machen, den wir können. Also muß man die Meinung des anderen akzeptieren, selbst wenn man es nicht versteht. Letzten Endes kommen wir immer wieder zusammen und können unser selbst im fertigen Produkt erhören.
ouk: Wie würdest du eure Musik umschreiben?
Lenny: Wir definieren unsere Musik als simple electronic dance music und manchmal auch nur als dance music. Wie auch immer die Leute es nennen, um es zu verstehen, ist es für mich in Ordnung. Es ist nur merkwürdig, daß die Leute, die sich damit brüsten, wie offen und frei sie sind, diejenigen sind, die die Etiketten brauchen, um sich selbst darzustellen, zu definieren, wer oder was sie sind. Es macht für mich einfach keinen Unterschied. Als ich in den späten 80ern angefangen habe dieser Musik zuzuhören, spielten die DJs Disco, House, Techno, was auch immer. Die Etiketten bedeuteten wirklich nichts, weil einen die Musik lediglich etwas spezielles fühlen lassen sollte, um tanzen zu können.
ouk: Detroit - gibt es etwas was noch nicht zu Detroit gesagt wurde?
Lenny: Das wirklich besondere an der Stadt sind die Leute darin und nicht der Ort. Die Leute, ihre Einzigartigkeit. Musikalisch ist es wichtig für uns, daß wir unseren eigenen Style haben. Durch diese Idee bleibt die Musik fresh & moving.
ouk: Wie siehst du dich in dem ganzen?
Lenny: Meine Sache zu machen und mein Bestes zu versuchen, Lenny zu sein !
ouk: Gibt es einen speziellen Schwerpunkt in deiner Arbeit?
Lenny: Momentan ist mein Focus darauf gerichtet, meine Identität im Universum zu suchen. Ich halte Ausschau nach der nächsten Stufe des Erfolges, ein Ziel, welches noch nicht definiert ist. Aus diesem Grund, schaue ich weiterhin nach etwas, daß außerhalb meiner Reichweite ist. Ich bin beinahe dort.
ouk: Was sind die Pläne für 2001?
Lenny: Wir arbeiten gerade an dem neuen Random Noise Generation-Longplayer "REIGN". Wir touren April und Mai durch Deutschland und andere Teile in Europa. Es stehen viele neue Veröffentlichungen von Octave One, Kaotic Spacial Rhythms und Wild Planet an, plus eine Octave One-MixCD im Sommer.
ouk: ... und weiterhin?
Lenny: Es genießen Musik zu machen und live aufzutreten. Unsere Musik so vielen Leuten wie möglich zugänglich zu machen.
][ Ido
|
|