| das dreißigste ± verbindend & quirlig ± April/Mai 01 | Jenseits von bits und bytes |
JENSEITS VON BITS UND BYTES
Als erstes wäre da BIG SHOT, das 2-4 Spieler in die Welt der Grundstücksspekulation führt. Eine Stadt in den 20ér Jahren ist der Schauplatz, in welchem die Spekulanten versuchen, die wertvollsten Stadtviertel zu erwerben. Gestartet wird mit einem Grundkapital, das aber recht schnell aufgebraucht ist. Also bleibt nur noch eines: Kredite bei der Bank aufnehmen. Doch auch diese schaffen keine unendliche Liquidität, denn mit steigender Anzahl der bereits ausgehändigten Finanzstützen geht auch deren Auszahlungswert drastisch in den Keller. Somit muß mit sehr viel taktischem Gefühl um die einzelnen der 18 Maklerfelder gesteigert werden, denn hier warten immer vier Spielsteine auf ihre Verteilung durch den Ersteigerer. Dabei können einzelne Felder durch ihre farbentechnische Zusammenstellung dermaßen interessant für einen Spieler sein, daß allein schon aus strategischen Gründen manchmal ein Mitbieten gut ist. Hat man nämlich eine Mehrheit in einer Stadtregion erreicht, die bei sieben Steinen abgerechnet wird, so erhält man in diesem Viertel den Zuschlag und ist sicher(lich um einen Betrag zwischen 9 und 22 Millionen $ schuldenfreier). Vor allem aber durch die Möglichkeit bei Gleichstand zweier oder dreier Farben mit einer Minderheit eine ganze Region billigst zu erwerben, macht dieses Spiel von Alex Randolf zu einem anspruchsvollen Taktikspiel. Da unabhängig von der Spielerzahl immer mit allen vier Farben gespielt wird, sind auch die Zwei- und Dreispielervarianten herausfordernde Partien mit viel Spielfreude. Vorallem aber gewährleistet das superschnell erlernbare Regelwerk (ca. 5 Min.) jedem einen schnellen Einstieg. Für alle junggebliebenen Forscher steht desweiteren eine Reise nach LUXOR von Gunter Baars auf dem Ravensburger Neuheitenprogramm. Mit einer Altersangabe von 9-99 scheint dieses taktische Sammelspiel wohl eher auf den Markt für Kinder abzuzielen, doch schon nach den ersten Spielzügen wird deutlich, daß es weit in den Bereich des Familien- bzw. Erwachsenenspiels hineinreicht. Aufgabe der 2-4 Spieler ist es wertvolle ägyptische Sarkophage zu bergen, die in aufsteigender Wertereihenfolge einem der 7 Symbole zugeordnet sind. Hinter dem Feld ragt eine Hieroglyphenwand empor, in welcher die Spieler zufällig gezogene Symbolplättchen pärchenweise anordnen. Sobald ein solches Paar zustande gekommen ist, werden Skarabäuschips als Marker vor den jeweiligen Sarkophag gelegt. Weiterhin ist aber noch eine kleine Besonderheit zu beachten: Ist die Blickrichtung der Symbole auf der Wand gleich, dann darf auch noch der Forscher vor dem betreffenden Sarkophag ausgetauscht werden, und nur der Forscher, der beim dritten Skarabäus vor der begehrten Trophäe steht, bekommt auch die gewinnförderlichen Punkte. Die Möglichkeit, durch geschicktes Plazieren der Symbolkärtchen auch Mehrfachkombinationen zu erreichen, läßt dabei auch eine gehörige Portion Konzentration mit einfließen. Zu guter letzt bietet sich noch eine Reise in die, von Kanälen zerfurchten, Gegenden Venedigs. Mit SAN MARCO leitet Allan R. Moon 3-4 Spieler in die mittelalterliche Stadt. Dort versuchen sie als Adelsfamilien in den unterschiedlichen Stadtteilen durch geschickte Einflußnahme die Aufmerksamkeit des Dogen zu erwecken und so zu punkten. Spielsteine dienen der Verdeutlichung der Anspruchsverhältnisse auf dem Brett, welche aber nur mittels zufällig gezogener Karten verteilt werden dürfen. Doch der Zufall wird nach dem Prinzip der gerechten Verteilung stark relativiert, müssen doch die gezogenen Karten vom verteilenden Spieler so zusammen gestellt werden, daß jedes Angebot in etwa gleich interessant erscheint. Dabei spielen natürlich die bestehenden Machtverhältnisse auf dem Brett eine wichtige Rolle. Jeder Spieler reihum entscheidet sich jetzt für ein Kartenkonglomerat, bevor der verteilende Spieler den übrigen Haufen erhält. Gerade dieser außergewöhnliche Kartenverteilmechanismus, den es in einer solchen Form wohl noch nie bei einem Spiel gab, macht den Wettstreit zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Danach werden die Kartenaktionen ausgeführt: Adlige werden erneut in die Regionen geschickt, um dort die Mehrheitsverhältnisse auszubauen. Überläufer werden bestimmt und der Farbwechsel vollzogen, Brücken werden errichtet, die bei Wertungen durch das Ausspielen einer Dogenkarte von elementarer Wichtigkeit sein können, und es werden ganze Heerscharen von Adligen aus einzelnen Stadtteilen verbannt, wenn gut gewürfelt wurde. Daneben sammeln die Adelsfamilien ebenfalls durch die individuell zusammengestellten Handkarten auch Strafpunkte, die bei einer Anzahl von 10 das Aus für die jeweilige der 3 Runden bedeutet. Ständig wechselnde Machtverhältnisse lassen dabei jedes neue Spiel eine eigenständige Herausforderung werden, die nicht schon im voraus durch taktische Erwägungen in eine Richtung gedrängt werden kann. Allerdings sollte man, im Gegensatz zu der in der Anleitung beschriebenen Vorgehensweise, den Kartenstapel erst komplett durchspielen bevor man ihn neu mischt, da sonst zuviel Glück mit ins Spiel einfließt. ][ g |
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