OUK das einund30ste ± beäugend & irdisch ± Juni/Juli 01 Gespaltene Töne

VA - Hypercity. Forcetracks mixed by Andrew Weatherall - Forcetracks
Nicht wenige DJs würden wohl sowieso mal gerne alle ihre Forcetracks-Platten hintereinander cutten, und wer das wenigstens für’s Walkman-Tape noch nicht selbst erledigt hatte, hat schon mal den ersten Grund diese CD für eine dolle Sache zu halten. Wem Force Tracks noch vorgestellt werden müssen: schlanker, dubbiger House-Sound, die Euphorie gebremst, aber beständig köchelnd. In der Zusammenstellung erstaunt, wie homogen der Mix geworden ist, kaum zu glauben, daß hier doch ziemlich unterschiedliche Charaktere (Safety Scissors, M.R.I., Luomo, um drei zu nennen) zu einer so geschlossenen Vorstellung zusammenfinden. Gerade Andrew Weatherall, dessen Sets ja eigentlich die zuende kultivierte Diversität promoten, hat den Mix übernommen, wobei er eigentlich nicht viel machen mußte, als den Fader rechtzeitig aufzuziehen und ab und zu mal ein Delay anzuwerfen...was glatt noch ein bißchen zu viel des guten ist, angesichts der asketischen Eleganz des Materials. Mein liebster DJ-Mix des Jahres, bisher. ][ mandel

Readymade - Bold - F-Com
Anläßlich seines siebten Geburtstags überhäuft uns F-Com gerade zu mit neuen Veröffentlichungen, weshalb ich mit Readymade und Alexkid (siehe weiter unten) eine kleine Auswahl treffe, aber dem Leser auch die restlichen Platten ans Ohr legen mag. Doch zurück zu Jean-Philippe Verdin aka Readymade, der mit “Bold” weniger ein “fettes”, sondern vielmehr ein äußerst feinfühliges, avantgardistisches Album zustande gebracht hat. Erinnerungen an die ersten Depeche-Mode-Songs steigen in einem auf, verschwinden hinter einem Vorhang zarter Klänge, während sacht ein sich langsam vor sich hintragender Beat einsetzt. Doch das ist noch lange nicht das Ende vom Lied. Klassische Arrangements und süße Kindermelodien geben sich die Hand mit wild hüpfenden Dub-House-Stücken, um kurz darauf den Kollegen HipHop willkommen zu heißen. Dabei machen sich besonders Readymades Kooperationen mit Daniel Sylvain und Juice Aleem bemerkbar, die den jeweiligen Stücken Detailreichtum und (noch mehr) Abwechslung und vor allem viel Soul verleihen. Über all dem jedoch steht die verspielte Produktionsweise Jean-Philippe Verdins, die dieses Album zu einem aufregenden, musikalischen Werk werden läßt, das man sich immer wieder mit viel Freude zu Gemüte führen wird. ][ mb

Jeremiah - Un Dia Soleado - Grow!
Zehn Jahre ist eine lange Zeit für ein Album. Nicht das Jeremiah seit zehn Jahren an diesem Album arbeitet, er hat sich lediglich soviel Zeit gelassen, sein erstes Werk in Angriff zu nehmen. Schließlich gehört er nicht zu der Couleur, die mal kurz ein dutzend Tracks zu einem Album zusammenschustert. “Un Dia Soleado” weist deshalb auch nur elf Titel auf - genug, um zwischen minimalen Dancefloortracks und äußerst souligen Balladen hin- und her wandern zu können. Gemeinsam ist ihnen die Wiener Lässigkeit, die auch Jeremiah nicht verleugnen kann, sowie die gewisse Portion “Deepness”, die uns Connaisseurs das Herz höher schlagen läßt. Jeremiah selbst beschreibt das so: “Meine Stücke erzählen alle von der Sonne, aber nicht von der prallen Sonne, sondern von jenen angenehm schattigen Orten, an denen man die Sonne zwar sieht und spürt, von ihr aber nicht verbrannt werden kann”. Gibt es eine schönere Erklärung für DeepHouse? ][ mb

Mike Ladd - Vernacular Homicide - Ozone Music
Der wortgewaltige Reiter der Post-Apokalypse diesmal in klein - als 6-Track-10-inch. Zwei der Stücke kennen wir zwar schon von seiner 99er LP “Welcome to the Afterfuture”, aber erstens empfiehlt es sich wärmstens, jeden Krümel aufzuschnappen, den Ozone uns hinschmeißt, und zweitens gibt es keinen Grund, die Space-Oper “Red Eye to Jupiter” (wer jetzt referenzverseucht die Verbindung Sun Ra - Audio Active automatisch herstellt, liegt übrigens völlig richtig) nicht noch mal im Sortiment zu haben. Zur Sicherheit. Zum offiziellen Hip-Hop steht seine Musik ebenso quer wie zum europäischen Downtempo-Modell heutiger Prägung, obwohl ihn beides primär beeinflußt ... Es sind nur eher die dreckigen, nicht richtig zusammenpassenden Sounds, die ihn reizen, das hybridisierende des “Illbient” und natürlich das Wort. Ob er den Verfremdungseffekt direkt von Bertold Brecht übernommen hat, oder ob er Popmusik schon immer richtig als großes Theater verstanden hat, bleibt offen. Seine Produktion gibt einen Scheiß auf “amtlichen” Drumsound, Songstrukturen oder sonstige Anforderungen welchen Genres auch immer und schafft so Platz für allerlei Schrägheiten (die Damenchöre!), die die Stücke immer klingen lassen, als würden sie erst beim Aufnehmen entscheiden, wohin die Reise gehen soll ... auf irgendwelchen Umwegen landen sie doch immer wieder im Outer Space. ][ mandel

Andrés - Same - KDJ
Er hat es wieder getan. Wobei immer noch nicht eindeutig geklärt ist, wer “er” eigentlich ist. Falls es wirklich der Moodymann ist – Kenner behaupten dies - bringt er den rohen Funk der Andrés Serie mit dieser superben 3-Track-EP jedenfalls auf den Punkt. Jedes Stück ein Treffer. In einer besseren Welt würden bei diesen High Speed Hip Hop Instrumentals nicht nur bei Mad Mike und seinen Marsianern die Ärmchen in die Luft gehen. Und ich will einen Jeep zu Weihnachten. ][ janson

Alexkid - Bienvenida - F-Com
Kosmopolit Alex Mauri sorgt für das zweite Juwel des F-Com-Jubiläums und erweitert den sowieso schon breiten Label-Horizont erneut um ein Vielfaches. Mit House als vage Basis schuf Alexkid äußerst vielseitige Stücke, deren Detailreichtum mehrmaliges Anhören erfordert, bevor man seine Arrangements überhaupt würdigen kann. Eine gehaltvolle Atmosphäre agiert als Grundlage für Gastmusiker wie Ursula Rucker oder Richard Dorfmeister. Sie ermöglicht ihnen darüber hinaus ihren eigenen Stil zu wahren und einzufügen. Von Latin über Funk bis hin zu Dub tummeln sich hier die unterschiedlichsten Einflüsse, ohne sich dabei in die Quere zu kommen oder das Album zu einem Multi-Ethno-Sampler zu degradieren. ][ mb

Martin Landsky - In Between - Poker Flat
Daß sich Adjektive wie “deep” und “dancefloortauglich” nicht zwingend ausschließen, sondern symbiotisch neben- und miteinander agieren können, zeigt der Hamburger Martin Landsky mit seinem Album “In Between”. Minimale, einfach gehaltene Tracks veranschaulichen dem Hörer Landskys Auffassung von House, die sich irgendwo zwischen dem technoiden Hamburg und dem warmen New York wiederfindet. Immer mal wieder versucht er, mit einigen experimentellen Samples und Ideen für Abwechslung zu sorgen. Im Großen und Ganzen bleibt er aber auf einer stringenten, sehr tanzbaren Linie haften. ][ mb

Theo Parrish - I Can Take It - Sound Signature
Moodymann - J.A.N. - KDJ

Dem ein oder anderen mag es vielleicht ein wenig übertrieben oder verbohrt vorkommen, aber sehen wir den Tatsachen doch mal ins Auge: Momentan kann die Erzeugnisse dieser beiden Herren niemand rechts oder links liegen lassen. Wer es dennoch tut, ist entweder nicht ganz bei Trost oder Daft Punk Fan. Parrish und Dixon schaffen es immer wieder aufs neue, ihr Universum neu zu erfinden. Ersterer mit einem Remix für den Recloose Hit “I can´t take it” (Planet E), der vom Original außer dem abgeänderten Stimmsample nicht viel übrig läßt, letzterer liefert ein völlig wahnsinniges Epos ab, das dort aufhört, wo “Analog Live” anfängt. Kommt die Rettung für unser (abbruchreifes) House schließlich doch noch aus Detroit? ][ janson

Royal Family - Limitations - Spanka nkpg
Dieses skandinavische Kleinod steht zwar schon etwas länger in den Regalen, wurde aber bisher mit Nichtachtung gestraft. Dabei handelt es sich hierbei doch um eine der besten Vokaldarbietungen der letzten Zeit. Dem Sänger springt das Herz fast aus der Brust und der Backingtrack schiebt wie nix gutes. Spiritual uplifting. Und das ohne die handelsüblichen Plattitüden. Ach ja, einen Markus Enochson (Svek) Remix gibt´s gratis dazu. ][ janson

Fisherspooner - #1 - Gigolo
Warren Fisher und Casey Spooner aus New York verstehen ihre Formation als “offenes Kunstprojekt”, das ebenso Designer, Tänzer und weitere Sänger beinhaltet, also seine eigentliche Wirkung erst in der Live-Performance entfaltet, wobei vor allem auf mannigfaltige Visualisierungseffekte gesetzt wird. Die hierzu formulierte Programmatik geriert sich als neu oder gar “bahnbrechend”, beruht aber auf nichts anderem als einem Haufen abgedroschener und schon zehntausendmal origineller benutzter Phrasen, die nicht mal einen Mittelstufenaufsatz innovativ klingen lassen würden. Nur soviel zur Entlarvung der Blender-Konzeption, und damit zur Musik des vorliegenden Debütalbums, obwohl Casey tönt “ich hasse Musik” und Warren behauptet “wir hassen die Achtziger” - alles nur Aufmerksamkeit erheischen wollender Hype, denn die neun hübschen Titel dieser CD verweilen ausschließlich im Klangspektrum, das man von elektronischen New Wave Bands der 80er kennt. Damit liegen Fisherspooner sogar im Electro-Trend unserer Tage, worin sie sich (auch pop-)musikalisch ganz gut zurechtfinden. Allerdings ist mir hier die Einarbeitung aktueller Sounds zu kurz gekommen, um mich beim Anhören nicht vollständig wie in der Vergangenheit lebend zu fühlen, etwa beim Goutieren einer Human-League-LP im Jahre 1980. Für solchermaßen Unvorbelastete (sprich jüngere Semester) allerdings vielleicht mehr als nur ein nettes Album (incl. des Hits “Emerge”). ][ hve

VA - International DeeJay Gigolos CD Five - Gigolo
Das, was Fisherspooner (obwohl hier auch vertreten) auf ihrem Album nicht gelingt, schafft DJ Hell mit seiner neuen Doppel-CD-Compilation ohne Probleme, nämlich (hier allerdings nicht ausschließlich) an den 80ern orientierte Electro-Musik unserer Tage frisch, originell und auch teilweise innovativ klingen zu lassen. Dabei wird zu einem Drittel auf die Highlights eigener Label-Releases der letzten Zeit zurückgeblickt, zu zwei Dritteln auf zu erwartende Produktionen vorausgeschaut. Die 24, nicht im Mix miteinander verbundenen Tracks bieten viel Abwechslung und unterstreichen, daß Rückbesinnung nicht identisch mit Abkopplung von aktuellen und neuen musikalischen Entwicklungen sein muß. Und bei der beachtlichen Variationsbreite der vertretenen alten und neuen Acts bleiben dennoch stilistische Charakteristika erkennbar, die über die zunächst formale Tatsache, auf dem gleichen Label beheimatet zu sein, hinausgehen. Für diese Qualität sorgen u.a. Namen wie Inform3r, Tuxedomoon, Terence Fixmer, Savas Pascalidis, Stalker 7, Japanese Telecom, 3phase, Der Zyklus oder Dopplereffekt, um mal die mir leidlich bekannten zu nennen. Zu entdecken gibt es freilich noch ein paar mehr. ][ hve

Leaders of the 909 - Plastic Pattern - Frisbee Tracks
Der Frankfurter Jörg Henze ist nicht nur Kopf des Labels “Federation of Drums” und Besitzer der Plattenladen-Kette “Delirium”, sondern auch DJ und Produzent von Techno-Tracks, u.a. in Zusammenarbeit mit Steve Stoll, Pascal Feos, Toni Rios oder Frank Lorber. Als “Leader of the 909” hat er sich auf minimalistische, treibende und meist ohne harmonisches oder gar lyrisches “Beiwerk” auskommende Titel spezialisiert. Die vorliegende 3-Track-Maxi, follow up der 2000er “Freak out”, steht ganz in dieser Tradition und konzentriert sich vollständig auf die reine body-evidence knallender Beats und anschwellender Sounds, die im Hexenkessel des Techno-Dancefloors das Publikum zur Ekstase kitzeln sollen. Und dies bei Genre-Liebhabern auch mit Sicherheit tun. ][ hve

VA - Opensource.players - Source
Mit den von Move D gesammelten Groove-erlebnissen, von denen die CD 17 enthält, startet das Label eine neue Compilation Serie, deren nächster Teil Opensource.floor heißen soll. Aber warum in die Zukunft schweifen, wenn doch die Gegenwart so schön sein kann. Soul, Funk, Easylistening, Barjazz und Elektronik aus aller Welt vereinen die einzelnen, wild über den Globus verteilten Interpreten, von denen viele hier zum aller ersten Mal Veröffentlichen. Unglaublich, wie man diese überhören konnte? Wie konnte man bisher auf eine solche Atmosphäre verzichten. Nun so richtig verzichten mußte man ja im Vorfeld nicht wirklich, da auf der Veröffentlichung nicht ein unglaublich inovativer Musikstil dargeboten wird, aber Besonderheiten in diesem Metier stellen alle dar. Ein musikalisches Dokument positiver Lebensstimmungen, heiteren Behagen und nachdenklicher Zufriedenheit geboren aus pulsierenden Groovexperimenten. ][ g

Pastacas - Korvaklapid - Kohvirecords
Waren nicht die letzten Gewinner des Grand Prix D'Eurovision auch aus Estland? Hier auf jeden Fall ein faszinierendes Release aus selbigem Land. Zwischen verspielten Elektronikvibes und live eingespielten Instrumenten bildet sich ein perfekt eingespieltes Universum um eine, wohl dem Großteil unserer Leser unbekannte Sprache. Völlig neuartige Inspirationen und Darbietungen aus und um die Stilrichtungen Rock, Funk und Pop verbreiten einen spannenden jazzigen Kinderliedcharme, der fast schon die Gedanken zu Chick Corea schweifen lassen könnte. Aber schnell gesellt sich zu diesen Richard D. James und Thomas Jenkinson, um im Geiste strukturell auch das ihrige bei zu steuern. Sicherlich erinnert sich mancher auch an frühe Ween-Ästhetik, doch einzig und allein der Ansatz mag da aufkeimen, kann man doch bei Pastacas die eigene Innovation regelrecht bei jedem Ton hören und fühlen. Bis nach elf Liedern die erschreckend kurze Spielzeit von fast 39 Minuten zu Ende geht. ][ g

VA - Ru.electronic - Lo Recordings
Ein Label, das vielen wohl noch durch seinen Pioniergeist in Sachen elektronischer Musik ein Begriff sein dürfte. Schon 1995 versammelten die Labelmacher auf Extrem Possibilities alles was Rang und Namen hatte oder erst bekam auf einem glänzenden Doppelvinyl. Omni Trio, Scanner, David Toop, Waggon Christ, Luke Vibert uva. Mit United Mutations traten dann noch Aphex Twin, Ui, Thursten Moore oder Tortoise hinzu. Weiter gab es dann noch Veröffentlichungen von Melotrons und Funki Porcini. Und nun bricht eine neue Ära an. Diesmal konzentrierte man sich auf das große Land hinter dem gefallenen eisernen Vorhang. Selbst wenn eine Annäherung stattgefunden hat, so ist doch die Vertrautheit mit Rußland eher gering. Grund genug wenigstens im Bereich Musik dies zu verändern. Über 16 Titel stellen sich zehn Interpreten aus der russischen Elektronikszene vor. Wie schon bei der zu Beginn dargestellten Bandbreite ist auch hier eine besondere Stilvielfalt zu verspüren. Klare Elektronik, abwechslungsreiche Arrangements, gefühlvolle Melodien und fremde Einflüsse lassen eine eigene Umgebung entstehen, der sich Musikfreunde des oben skizzierten Genres wohl kaum entziehen können. ][ g

VA - Slag Boom Van Loon/So Soon - Planet Mu
Auch wenn mir die original Tracks von Jochem Paap leider kein Begriff sind und ich so auch nicht in der glücklichen Lage mich befinde, diese in einen direkten Vergleich zu stellen, so bin ich doch auf jeden Fall freudiger Hörer dieses Remix-Albums. Über zehn Tracks hinweg wird man sanft in das Zentrum einer Labelphilosophie befördert, das facettenreicher kaum sein kann. Entspannte Hörperlen von Boards Of Canada umklammern das ganze zu einem kompakten Ganzen. Dazwischen elektrifizierende Ausarbeitungen sowohl in abstrakten Gefilden wie die von Leafcutter John, bei dem wohl zum einen Teil der Name der Ausarbeitung entspricht - Hächselwerkromantik. Tipper mit einer unglaublichen schleifenden Elektronik über straighten Beats im Downtempo-bereich. Minimalistische Geräuschkollagen von Horse Opera. Und daneben noch Pole, Coil, Four Tet und Matmos, die diese Welten aufgreifen, modifizieren und angenehmes Interesse fordern. ][ g

VA - Compost 100 - Compost
Ich erspare es mir, alle 20 Stücke einzeln aufzuzählen und im Detail auf sie einzugehen. Vielmehr wage ich den Versuch, Composts 100. Veröffentlichung als ganzes zu besprechen, wobei man als erstes klarstellen muß, daß es sich hierbei um eine gelungene Werkschau handelt, ohne eine Retrospektive im Sinne von Labelhistorie zu sein. Zwanzig Stücke also, denen es gelingt, die für Compost, JCR und Compose (r.i.p.) typische Soundcharakteristiken (denn es war niemals nur eine) widerzuspiegeln, wenn man mal von den Brasilsounds der frühen Glücklich-Compilations absieht. Bezeichnend hierfür ist vor allem der “Compost-Bass” - jener warme, leicht funkige Basslauf, der schon fast zum Markenzeichen einer jeden Compost-Veröffentlichung geworden ist, sowie die vielfältigen musikalischen Einflüsse, die in den Tracks verarbeitet werden. Klar, manchmal ist es dann auch zuviel des Guten und es entsteht ein heilloses Durcheinander oder ein gähnendes Geplänkel, wie es sich (merkwürdiger Weise) gebündelt auf der zweiten CD dieser Compilation wiederfinden läßt. Doch meistens gelingt es den mit Compost verbundenen Künstlern hervorragend, den richtigen Mix aus Abwechslung, Vielfalt und Konsistenz zu finden. Und keine Angst, einige richtige Knaller hat Compost 100 auch aufzuweisen... ][ mb

Victor Malloy - The Musings Of Monsieur Malloy - Inertia
Ein belauschtes Gespräch, aufgenommen via Mikrophon auf Minidisc. Einzelne Wörter ohne Kontext. Doch den Zusammenhang bildet das musikalische Environment drum herum. Teils aus alten Platten zusammengesampelt bekommt der audio-voyoristisch eingefangene Moment eine eigene losgelöste Einbindung. Was Scanner mit “Spore” schon vor Jahren begann, findet hier ein neues Comeback in anderem Gewand. Funkige Rhythmen, jazzige Grooves und entspannte Beats schaffen eine tiefe losgelöste Stimmung, die sofort verzaubert. Daneben eine ausgefeilte Dramaturgie, die sich in jedem Track finden läßt. Wie ein sommerlicher Sonnenuntergang, bei dem der Wind ab und zu die Stimmen der Nachbarschaft sanft vorbeiträgt. ][ g

Add N to (X), Hairy Butter, Stereolab - Alternative3 - Lo Recordings
Ein weiteres Release auf LoRecordings. Diesmal in Form eines ganzen Soundtracks zu einem Film nach dem gleichnamigen Roman von Jim Keith. Rhythmusgerüste, die sich langsam aus zerrend zerrissenen Geräuschkulissen schälen treiben mögliche Visionen von Bildern, Szenen oder Handlungsabläufen vor das innere Auge. Immer wieder werden gleiche rauschende Themen aufgegriffen und neu modifiziert. Klaustrophobisch, düster, spannend. Noch in keiner Kinozeitschrift konnte ich irgendwelche Informationen zu der cineastischen Darbietung finden, doch im Zeitalter des Internets dann unter www.thule.org/alt3.html das Video in 4 Teile zerstückelt. Für Freunde der Mille Plateaux Doppel-CD “In Memoriam Gilles Deleuze” bestimmt eine gute Alternative. Auch wenn hier szenenbedingt stärker ein innerer Kontext das Programm bestimmt. “Niemals zuvor bestand die Wahrheit aus so vielen Lügen”. ][ g

VA - Lost In Bass Vol. 2 - U3R
Während der eine lieber die neueste “Progression Session” in seinem CD-Player verschwinden läßt, braucht der andere vielleicht eher eine Mix-CD mit dicken Bässen und krachenden Sounds für sein Wohnzimmer. E.Decay tritt in die zweite Runde und tischt heiße Beats aus Rawhill und Umgebung auf. “Consciousness” war bereits vor Erscheinen dieser Compilation ein Selbstläufer. Einfach MC Navigator & LP nach dessen Gig mit ins Studio geschleppt und fertig war der Ohrwurm! Frankfurter Gastspiele geben Mad Vibes und Makai. Vocals kommen ins Spiel, wirken aber zumindest bei “The Rewind” noch nicht so ausgereift wie bei “United So Far”. Die Beats könnten durchwegs etwas mehr Abwechslung gebrauchen. Ansonsten: astrein gemixt. ][ lightwood

VA - Playaz 4 Real - True Playaz
Es ist wieder Zeit für die True Playaz. Es muß wieder rollen! The vibe that counts. Nach spärlichen und nicht überzeugenden Releases in den letzten Jahren, dürfte mit dieser Compilation wieder alles in Butter sein. Die JumpUp-Attitüde abgelegt, präsentieren uns DJ Hype und Kollegen leckere Zutaten für einen ausgelassenen Drum’n’Bass-Abend. Wenige Schwachstellen weist vorliegende Compilation auf. Groovig rollende Tunes in teilweise verspielter Herangehensweise mit originellen Sounds. Besonders DJ Zinc trifft mit “Casino Royale” den Nerv der Zeit. ][ lightwood

Dillinja pres. Cybotron - FFRR/Valve/WEA
Wer gibt 85,- DM für eine Drum’n’Bass-fünffach-Vinyl aus, mit Tracks an denen man sich bereits satt gehört hat? Der Gruppenzwang könnte ein Motor sein oder aber die einprägsame Produktionsweise des Karl Francis. Beats und Bässe im roten Bereich, sowie Intros und Melodien, die eingängiger kaum sein können. Irgendwie ärgert man sich darüber, daß Schema F beim dreißigsten Mal immer noch überzeugend wirkt. Doch ihm ist es zu gönnen, dem großen Dillinja, der zusammen mit Bert (Nein, nicht der aus der Sesamstraße...) einst diese verzerrte Klangästhetik schuf. So sind ausnahmslos alle Tracks auf vorliegendem Album mit dieser Charaktereigenschaft geprägt, mal mehr, mal weniger futuristisch, mal mehr, mal weniger melodiös. Tracks für den Dancefloor oder um Großvater im Schaukelstuhl zu erschrecken. Böse, schön und einfach gewaltig. Und der Grund warum ich die 85,- DM nicht ausgegeben habe: “Never” - in meinen Augen der beste Track ist nur auf der CD-Version erhältlich.
Sniff... ][ lightwood

VA - Platinum Breakz 3 - Metalheadz/FFRR/WEA
Metalheadz ist wieder gesund! Frische Ware in den Regalen! Frisch? Naja, ich vergaß eben wie so eine Metalheadz-12” aussieht. Erstklassig trifft nicht nur auf das Aussehen zu. Doch Metalheadz spielten schon immer Erste Liga. Werkschau Nummer 3 zeigt erneut die Vielseitigkeit des Labels. Am Zahn der Zeit und darüberhinaus finden sich Tracks zum Headbangen und Tracks zum Kuscheln wieder. Hidden Agenda scheinen nachwievor an Drum’n’Bass Gefallen zu haben, liefern sie mit “Kramberry Juice” sogar einen der besten Tracks der Compilation ab. Digital schwächelt mit seinen zwei Beiträgen etwas ab, wohingegen Kollege Spirit mit “Solitaire” ein wahres Ravemonster schafft. John B darf ebenso als neues Mitglied an Bord begrüßt werden und ich glaube er war doch heimlich auf einer Garage-Party ... Sci-Clones “Everywhere I Go” ist auch im Original eine Perle und Total Science beweisen mit dem futuristischen “Cube’ mehr Tiefe als sonst. Weiterhin vertreten: Source Direct, Special Forces, “Drumz 2000”, “Beachdrifta”. MHD: unbefristet.][ lightwood

VA - Modern Living - Hardleaders
Hardleaders ist immer wieder für Überraschungen gut. “Modern Living” läßt brachial harte Tracks wie sonst üblich von Manifest, Capone (aka Dillinja), u. a. links liegen und kümmert sich um die musikalischere und relaxtere Seite von - nicht nur - Drum’n’Bass. Vorliegend haben wir also eine kunterbunte Mischung aus Drum’n’Bass und Downbeat-/HipHop-Tracks, aus bereits veröffentlichten und neuem Material und aus bekannten und unbekannten Künstlern. Die Downbeat-Tracks scheinen eher als Lückenfüller zu fungieren. Hervorstechend sind Carlito & Addictions Hit “Supergrass”, eines der besten Produktionen von A-Side: “Spread Love” und “We hear Drumz” des Australiers Greg Packer. Eine runde Sache. ][ lightwood

Sugarman Three - Sweet Spot - Unique
“Die spielen echten Soul - und nicht den klebrigen Pop, der in Deutschland derzeit von Ayman oder Laith Al-Deen als Soul vermarktet wird” (Spiegel 22/28.05.01). Und “Phuture Soul” kann da auch nicht mithalten, ganz egal wie man es nun schreiben oder nennen mag. Nicht nur sind Sugarman Three (die ja eigentlich zu viert sind) dynamisch in ihrer Spielweise, sie sind vor allem leidenschaftliche Musiker und mit Herz und Seele dem Soul verschrieben. Wer diese Band einmal spielen gehört hat, wird über abfällige Kommentare zukunftsorientierter NuJazzer (“Puuuh, das ist mir viel zu alt ...”) nur noch beifällig lächeln. Hoffen wir also, daß die Zuckermänner mit “Sweet Spot” (das gegenüber den zwei auf dem New Yorker Desco-Label bereits erschienenen Alben nichts Neues bietet) nun auch in Deutschland zu mehr Gehör finden werden.
][ mb

Boozo Bajou - Satta - Stereo Deluxe
Nicht gerade fleißig, würde man in heutigen Zeiten der Veröffentlichungsflut, drei Maxis und drei Remixe nennen. Doch Peter Heider und Florian Seyberth haben genau richtig gehandelt, sich Zeit gelassen, ihren Sound entwickelt und wirken lassen, während andere voreilig mit Einwegproduktionen den Markt übersättigt haben. Selbst eine Lizenzanfrage von Palm-Pictures-Inhaber Chris Blackwell brachte sie nicht aus der Ruhe. Neue Songs kommen zu den bekannten Klassikern hinzu, stets mit ihrem dubbigen Charme und ihrer verführerischen Gemütlichkeit versuchend, den Hörer in ihren Bann zu ziehen. Ohne Langeweile aufkommen zu lassen oder gar nervtötend zu wirken, stellt sich “Satta” als in sich geschlossenes Werk dar, das zu genußvollen Hörstunden einlädt. ][ mb

Form 002
Die Posse um MTC Yaw glänzt mit zweitem Release. Consequence produzieren mit den zwei vorliegenden Tracks noch mehr Funk, Tiefe und Gimmicks als wir auf dem Debüt zu hören bekamen. “Consequence” windet sich technoid anmutend durch variantenreiches Acid-Zirpen, trägt nie zu dick auf und fesselt dich stets. Federnde Beats sorgen für den nötigen Swing, während “Cube” auf der Flipside mit stoppenden, Matrix-ähnlichen Gerüsten arbeitet. Der Sägebass ist stilbildend und eventuell eine Spur zu dominant, doch der Breakdown macht dann in alter Virus-Manier alles wieder wett. Sehr stimmige und gut produzierte Drum’n’Bass-Maxi.
][ lightwood

Socio 002
Miguel Ayalas Outlet wird langsam zum Geheimtip, schafft er es doch auch mit Katalognummer 002 erstklassiges Material abzuliefern. “Phonehead” Philipp Maiburg stand dieses Mal mit Rat, Tat und guten Ideen im Studio zur Seite. Mit “Schlagabtausch” dürften die beiden wohl eine kleine Club-hymne geschaffen haben. Uplifting und einprägsam zieht sich die schleifende Hookline nach kurzem Intro durch das Stück. Mehr ist nicht von Nöten. Rollende Beats und steppender Bass sind Pflicht. Plötzlich dann der Breakdown und alles nochmal von vorne. Sehr schön. Lediglich das Ende erweist sich als nachteilig im Mix, da kein wirklicher Abbau stattfindet. Die Flipside ist sehr monoton gehalten und kann erst bei lautem Einsatz im Club überzeugen. Die etwas militant wirkende Bassline ist hier sicherlich Geschmackssache. ][ lightwood

Southern Sessions 011
Zwei umtriebige internationale Gesellen darf das Münchner Drum’n’Bass-Label begrüßen: der Däne Pyro (Outbreak, Semantix) und der Schotte Paul Reset (Semantix, Under Fire, Flex). Wenig innovativ und ohne große Vibes liegen uns zwei Dancefloor-Mixtools vor. Einfach gestrickt steppen “Calm Before The Storm” und “Switch” ohne großen Gimmicks auskommend. Hervorzuheben wäre die lustige Bassline bei “Switch”, die schnell aber auch nerven kann. Durchschnittliche Kost. Katalognummer 012 von Tobestar läßt mehr erwarten. ][ lightwood

Skunkrock 008
Skunkrock ist mittlerweile bekannt für ein breites Spektrum. Neue alte Acts geben ein Stelldichein und so wurden dieses Mal zwei Tracks - keine Remixe - von Alpha Omega gesignt. Mit den Beats von ‘Promised Land” will ich mich nicht so recht anfreunden, da sie wie ein Elektro-Track auf 45 rpm klingen. Die Erlösung kommt dann im Breakdown. Angenehme Strings, dann Old School-”Schreie” aus alten Rave-Klassikern und völlig unerwartet eine schräg improvisierende Synthie-Melodie. Der erste Teil von “Devil’s Advocate” klingt wie Ed Rush in seinen besten No U-Turn-zeiten, bis sich Photek und Digital hinzugesellen. Auch hier findet man einen excellenten breakdown, viele altbekannte und -bewährte Old School-Samples und ein paar exquisite Sounds. Alles in allem zwei gewöhnungsbedürftige Soundlandschaften, die es schwer haben werden im aktuellen Geschehen mitzuschwimmen. ][ lightwood

Bartholomäus & Raabenstein - Pauls Musique
Viermal unterschiedlichste Nahrung auf dieser 12”-Maxi mit endlos langen Track-Namen: Leicht beschwingte, sommerliche Beach-Party (“A Night Out With Net Foltz”); Zeitlupen-Nachtwanderung bei Vollmond (“Sunnyside Mallet Souls For Sale”); Piano-Gefrickel im Orchestergraben von Jamaika (“Club Dandy Goldrush”); Der letzte Mohikaner im Chill-Out-Zelt (“A Dog’s Life And Chinese Laundry”). ][ lightwood

Megashira - Infracom!
Eine kleine Vorab-12” zum im August erscheinenden Album “At Last”. Keine Trackbeschriftung ist zu finden. Beim Anhören munden diese Tracks doch sehr. Kabuki und Mainframe gelang der perfekte und die bisher wahrscheinlich auch aufwendigste Symbiose aus Live-Instrumentierung und Computer-Arrangements. Produktionsprozess in Kurzform: 1. Zehn Tracks schreiben; 2. Musiker aus aller Welt in London einfliegen; 3. Aufgenommene Einzelspuren am Rechner zerlegen und wieder zusammensetzen. Das Ergebnis ist - zumindest bei den zwei vorliegenden Tracks - brillant. Drum’n’Bass-Tracks, die lebendiger kaum sein können und trotzdem Stehver-mögen auf dem Dancefloor haben. Niemals kitschig-jazzig und immer die gewisse Prise Spannung innehaltend.][ lightwood

VA - SL24 - Sender
Zwölf Endlosrillen der härteren Art. Stets funky, treibend, knarzig und schön. Mit Sicherheit ein recht nützliches Utensil im rauhen DJ-Alltag und wer zwei davon besitzt, kann gleich einen ganzen Abend damit bestreiten. ][ mb

Kaos feat. A. P. C. - Fear - Stud!o K7
´Fear´ ist das Produkt einer Liaison zwischen Terranovas DJ Kaos und dem New Yorker Avantgarde-Rap-Projekt Anti Pop Consortium. Während sich auf der A-Seite der vier Tracks umfassenden 12” die schleppend düstere, futuristisch sakrale Version des Titeltracks in einer Vocal- und Instrumentaldarbietung befindet, prasselt noch als Zugabe in den letzten Rillen ein live gespieltes Bonusbeats-Gewitter auf den Zuhörer, bevor er das gute Vinyl wendet. Geschwindigkeit noch schnell auf 45 RPM gewechselt und schon schafft es der Wiener Patrick Pulsinger mit seinen fast strukturiert-improvisiert wirkenden Remixkünsten, einer Hand voll verspielter Klänge, Livegitarrenfragmenten und seinem ganz spezifischen Gespür für rhythmische Ästhetik eine gänzlich andere Welt zu erschaffen. Nur noch der Inhalt der Vocals erinnern an die gerade unten liegende Seite. HipHop meets Free-Elektronik-Future-Jazz. Mehr davon bitte. Aber das wird wohl gar nicht so lange auf sich warten lassen (ca. zweite Jahreshälfte 2001), da diese erste Veröffentlichung den Start zu einer fünf EPs umfassenden Serie darstellt, die Kaos und Pulsinger in Zusammenarbeit entstehen lassen werden. Zufrieden wartendes Aufatmen. ][ g

South - Remixes - Mo’ Wax
South, ein Name der noch nie in der Labelgeschichte von Mo’ Wax auftauchte. Und genauso neu wird wohl auch der Musikstil für das Label um James Lavelle werden. Begeistert von solchen Projekten wie U.N.K.L.E., kam in ihm der Wunsch auf, zusammen mit einer Band zu arbeiten. Nun hat sich das Londoner Trio mit ihm zusammen im Studio eingenistet, um an der ersten Rockbandveröffentlichung zu arbeiten. Während die im Vorfeld erschienene Maxi sich nur sehr wenig von dem Weg des Labels weg bewegt, da es sich ja auch um reine Remixe handelt, steigt durch die verwendeten Materialien nur die Vorfreude auf einen eventuell bahnbrechenden Meilenstein bei Mo Wax. ][ g

Falko Brocksieper - River Orange - Treibstoff
Treibstoff hat diese Platte genug und für ordentlich Druck auf der Tanzfläche sorgt sie auch. Im Dub-Techno-Kostüm zeigt sie sich im ersten Moment etwas zurückhaltend, setzt sich im Ohr fest und entfaltet dann eben jene Wirkung, für die man gekonnt produzierte Minimal-Platten liebt: Ohrwurmartig lassen sie einen nicht mehr los und sorgen für Tanzen bis in den Morgengrauen. ][ mb

Aardvark - Emsees - Music For Speakers
Vorliegen haben wir die erste Soloplatte des niederländischen Mike Kivits auf dem von ihm mitbegründeten Label. Sich nahtlos in die grenzensprengenden, teils melancholischen Klangabenteuer von M4S integrierend, definiert er hier für sich einen neuen Bereich: zeitlose Tanzmusik für Freunde ausgeklügelter Beatstrukturierung. Dem aufmerksamen Ohr entblößen sich auf wenige Spuren reduziert seine zahlreichen musikalischen Wegbegleiter wie Hip-Hop, House, Nu-Jazzfunk und Breakbeats nur sehr kryptisch. Deutlicher im Vordergrund stehen die eigenständigen Kompositionen, Umsetzungen und Ausarbeitungen, welche eine konzeptionell geschlossene Ansammlung von sechs Drum-Tracks über Flächen und zwischen kurzen Gimmicks entstehen lassen. Durchgehend interessant und untereinander wandlungsfähig. Musik für ein neues Industriezeitalter im Flair von David Lynchs “Eraserhead”. ][ g

Blaktroniks - Truth And Desire - Moving
Moving 002 bewegt nicht nur Hüften und Ärsche, sondern auch Gemüter! Die SanFran-Tech-Hopper Blaktroniks liefern zwei Originale und zwei Vorlagen für Remixe, die tief in die Seele gehen und, im Gegensatz zur ersten Platte, noch progressiver sind. Voller Leidenschaft und mit sehr viel Verständnis für ihr Tun, setzen sie Beat für Beat und Akkord für Akkord aneinander, immer aus dem Bauch heraus wie es scheint und dabei stets sehr sicher agierend. Mike Grant gewinnt den Remix-Preis für seine Raindrop-Bearbeitung, in dem er mal wieder in unvergleichlicher Weise sein Verständnis für wirklich “deepen” House an den Tag legt und diese Platte nicht nur zu einem Genuß für daheim gemacht hat, sondern auch noch für die Club-Hymne im Jahr 2001 gesorgt hat. Anspieltip des Redakteurs dennoch: “serenade (not serenade)”, vielleicht gerade weil es so verdammt lo-fi ist. ][ mb

The Soft Pink Truth - EP - Soundslike
Herberts Spielwiesenlabel Soundslike gibt einem weiteren Spielkind die Gelegenheit und den Raum, sich musikalisch auszutoben, Grenzen abzutasten und sie langsam und zögernd zu überschreiten. In seinem Versuch dies zu bewerkstelligen, klingt Drew Daniel, unser Gast für heute, mal äußerst belustigend, dann wieder todernst, fast gewollt, die Mauern seines Werkes mit aller Gewalt einzureißen. Was ihn letztlich daran hindert, ist der Groove, denn er eignet sich hervorragend zum Tanzen. ][ mb

Soulpatrol - Love EP1 - Infracom!
Düster und frohlockend, traurig und inspirierend - die Gegensätze der Liebe vermögen Michel Rütten und Max Schneider gekonnt auszudrücken, nicht nur durch die beiden Stücke “love variations pt.1” und “release your mind”, sondern auch innerhalb der Stücke selbst. Schwerfällige Bässe und aggressive Snaredrums kämpfen gegen liebliche Klavierakkorde und umschmeichelnde Vibraphonklänge um die Vorherrschaft. Das Ende bleibt offen, einen Sieger gibt es nicht, ständig wird der Tänzer gepeitscht und umschwärmt zugleich. Die Remixe von Charlie Dark und Fellmann & Louise kommen den Originalen in ihrer Intensität zwar nahe, aber stellen keine ernsthafte Konkurrenz dar. ][ mb


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