| das einund30ste ± beäugend & irdisch ± Juni/Juli 01 | Jenseits von Bits und Bytes |
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Als äußerst ausflugstauglich präsentiert sich da zunächst CARCASSONNE (Hans im Glück Spiele). Und dies nicht nur weil das unglaublich übersichtige Spielmaterial sehr kompakt zu transportieren ist. Vielmehr lassen sich die überdurchschnittlich gut verständlichen Regeln den zwei bis fünf Spielern in Windeseile erklären, und schon kann jeder loslegen. Und zwar mit dem Ablegen einer der 72 zufällig gezogenen Landschaftskarten, die vor den Augen der Spieler die Landschaften der mittelalterlichen, südfranzösischen Befestigungsanlagen wachsen lassen. Dabei entstehen zusammenhängende Straßennetze, die mit Wegelagerern in Punkte umgewandelt werden können. Aber auch Ritter in den wachsenden Stadtgebieten, Mönche in den Klöstern und zu guter letzt die Bauern in den Wiesen vor den Stadtmauern dienen demselben Ziel. Da jeder Spieler aber nur über ein Kontingent von sieben Gefolgsleuten auf dem Spielbrett verfügt, der achte markiert den Punktestand auf der Wertungstafel, ist es wichtig im richtigen Moment ein Ausbauvorhaben zu seinem Ende und der damit verbundenen Wertung zu führen. Nur so ist es möglich, die nötigen Figuren wieder frei werden zu lassen, um sie dann an einem neuen Ort punktebringend einzusetzen. Klaus-Jürgen Wrede ist damit ein Spiel gelungen, das zwar anfänglich starke Parallelen, von der Legetechnik her gesehen, zu EL CABALERO (derselbe Verlag) aufweist, doch schnell seinen eigenen Reiz durch die vier unterschiedlichen Zuordnungsmöglichkeiten der Gefolgssteine entfaltet. Gerade der auf wenige Handlungsalternativen reduzierte Spielmechanismus macht dieses Taktikabenteuer zu einer, zwei, drei, ... persönlichen Herausforderung(-en) ganz besonderer Art. Daneben ermöglicht eine Spieldauer von ca. 30 Minuten häufige Partien, die jedes mal eine gänzlich andere Landstruktur aufweisen. Seinem Format entsprechend ist die BOHNANZA-Reihe von Uwe Rosenberg geradezu ein Reisespiel. Das mag daran liegen, daß es sich um ein reines Kartenspiel handelt. Doch eigentlich wird der Begriff ´Kartenspiel´ nur dem Material gerecht. Stellt doch die Reihe aus dem Hause Amigo wesentlich mehr dar. Schon eine riesige Fangemeinde setzte sich mit der Kultivierung verschiedenster Bohnensorten wie Feuerbohne, Saubohne, Blauer Bohnen und dergleichen mehr auseinander. Immer begrenzt auf zwei eigene Anbaufelder und einen trickreichen Nachziehmechanismus sowie die äußerst kommunikativen Handelsphasen, gestaltete sich schon das Grundspiel BOHNANZA als eine unglaublich unterhaltsame Angelegenheit für drei bis fünf Gärtner. Durch das BOHNANZA-ERWEITERUNGS-SET, welches seit kurzem in einer neuen Aufmachung noch mehr Sortenvielfalt bietet, können dann sogar sieben Personen ihren grünen Daumen unter Beweis stellen. Daneben bieten die neu hinzu getretenen Auftragskarten eine weitere abwechslungsreiche Einnahmequelle. Mit der zweiten Erweiterung LA ISLA BOHNITA müssen dann nicht immer die sich im Aufbau befindlichen Bohnenfelder aufgelöst werden, sondern es tritt die Möglichkeit der zwischenlagernden Verschiffung mit hinzu. Doch auch feindliche, von den Spielern zu erwerbende, Piratenschiffe haben ein Auge auf die teilweise für sie so wertvolle Fracht auf hoher See. Daneben läßt sich mit dieser Erweiterung das Spiel auch endlich schon mit einer Mindestpersonenzahl von zwei spielen. Wobei die kommunikativen Elemente eigentlich eher in einer größeren Gruppe so richtig ihre Entfaltung finden und dadurch auch den Reiz erheblich steigern. Dies scheint wohl auch Herrn Rosenberg aufgefallen zu sein, der mit der neuesten Ausgabe dieser Reihe - AL CABOHNE - zwei imaginäre Spieler in Form von Bohnenmafiabossen hinzufügte, und so eine wirkliche Zweispielervariante schuf. Darüber hinaus läßt sich dieses Spiel durch einen dritten Mafiaboss auch gänzlich alleine bestreiten, was eine gewisse Patienceathmosphäre verbreitet. Nicht zuletzt sind es die witzig gestalteten Kartenmotive, die das wetteifernde Streben nach Bohnentalern zu diesem ganz speziellen, zeitlosen Erlebnis werden lassen. Stellt man daneben noch auf die gute Leinenstruktur der Karten ab, die quasi unverwüstlich sind, so kann sogar ein kurzer warmer Sommerschauer einem nicht die Spielfreude rauben. Neben dieser äußerst unterhaltsamen Gartenarbeit ist es erneut Uwe Rosenberg, welcher zusammen mit Hagen Dorgathen beim Kosmos-Verlag zwei strategische Spieler voll auf ihre Kosten kommen läßt. Mit BABEL schicken sie die ausschließlich zwei Kontrahenten in das Zweistromland von Euphrat und Tigris. Dort heißt es mit Hilfe von fünf verschiedenen Völkerkarten (Meder, Sumerer, Hethiter, Perser und Asyrer) sich beim Tempelbau zu Babel unter Beweis zu stellen. Auf einem Spielplan, den die gewohnte Zweispielerverpackungsgröße mitbeinhaltet, stehen jedem der Baumeister fünf Bauplätze für ihre Unternehmungen zur Verfügung. Wer mit seinem Spielstein und der Hilfe der jeweils erforderlichen Völkerkarte auf einem Bauplatz gelandet ist, darf mit dem In-Die-Höhe-Treiben seiner Türme beginnen. Nach einem klar definierten Muster legen so die Spieler in der Regel eine Stufe über die andere, bis endlich die sechste und letzte Stufe erreicht ist. Doch auch genügend Arbeiter bedarf ein solches Vorhaben, so das regelmäßig mindestens so viele Völker an diesem Bauplatz vertreten sein müssen, wie Stufen errichtet werden sollen. Daneben ist den einzelnen Völkern noch eine besondere Fähigkeit zu eigen, die sie immer dann entfalten, wenn in einer Reihe mindestens drei gleiche hintereinander liegen. So können beim Mitspieler Tempeleinstürze, Abwanderungen, Seitenwechsel, Baustufensprünge sowie der Raub einzelner Baustufen spannungssteigernd herbeigeführt werden. Weiterhin ermöglicht die Völkerwanderung noch das geschickte Verteilen seiner eigenen Arbeitsvölker, um an anderen Stellen ebenfalls die Höchststufe von sechs herbeizuführen. Seit den SIEDLERN VON CATAN (dem Kartenspiel) wohl eine der herausragenden strategischen Zweispielervarianten aus dem Stuttgarter Verlag, da hier ein wachsames Auge, das geschickte Ausspielen und Anlegen von neuen Karten sowie eine konzentrierte Kombinationsgabe einen wahren Machtkampf entstehen lassen. Auch wenn hier, angesichts des einfach konzipierten Spielmaterials, den Spielern haufenweise Handlungsmodalitäten zur Hand gereicht werden, so sind doch diese alle unverzüglich erlernbar dank einer hervorragend formulierten Spielanleitung, die selbst komplexeste Spielsituationen verständlich durch Beispielzüge dokumentiert. |
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