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Pole-R - scape
Stefan Betke auf neuen Pfaden. Was einst als 12-Projekt geplant war entwickelte sich aus den beiden zugrundeliegenden Tracks "Raum 1" und "Raum 2" zu einerm vervollständigten Veröffentlichungswerk im eigenen Gewand. Weit entfernt von den zugrundeliegenden Kompositionen aus dem Jahre 1996 entstand ein abstrakt grooviges Album neu definierter Klangforschungen. Verspielt und doch unkonventionell gleiten zehn Stücke durch den Raum mit klar ausgearbeiteter Zurückhaltung. Moderne Tanzmusikstrukturen reduziert auf ein Universum aus ausgetüftelten Strukturen in besonderer Weise. Selten war eine Veröffentlichung so spannend, wobei sich deren Inhalt sicherlich nur dem aufmerksamen Zuhörer gänzlich erschließt. Und dennoch ist das gesamte Werk aus zehn Titeln so zugänglich wie kaum eine andere Schaffensperriode aus diesem eigenständigen Universum. Erschaffen durch das kumulative Zusammenwirken von S. Betke's neuen Interpretationen seiner eigenen Stücke, sowie den Künstlern D.Meteo, Kid Clayton und Burnt Friedman. Eventuell die unerträgliche Leichtigkeit des Hörens. ][ g
Senking - Silencer - Karaoke Kalk
Stimmung. Ganz viel Stimmung packt Jens Massel in seine Stücke und man darf sich fragen, wie er das bei all seiner Reduziertheit jedesmal aufs Neue schafft. Doch gerade das Fehlen jeglicher Beats, diese sanfte Ruhe, die ja auch schon im Titel angesprochen wird, lassen sich einen wohlig in den Sessel kuscheln. Als ob man einer Geschichte lauscht, die ohne Worte auskommt. Kein Anfang, kein Ende aber jede Menge Details, die es zu entdecken gibt. Dieses Album unter dem schnöden Begriff Electronica abzutun, wäre deshalb auch alles andere als angebracht. ][ mb
Rechenzentrum - The John Peel Session - Kitty-Yo
Eine auf die Zuhörer der legendären Radiosendung des britischen Senders BBC zugeschnittene Zusammenstellung. Wenn auch die zehn Titel so manchen eventuell dazu veranlassen könnten sich durch die CD nach individuellem Belieben zu navigieren, so ist es doch gerade die klar definiert wirkende Reihenfolge, die das Werk moderner elektronischer Musik zu einer tiefgründigen Reise im "Ocean of Sound" (David Toop) werden läßt-Architektur des Klangs und der Zusammenstellung. Marc Weiser, Lillevän und der neuhinzugetretene Sounddesigner Christian Conrad schaffen Bilder aus Tönen, die durch feingliedrige Arrangements zu Filmsequenzen reifen. Weniger im Sinne von Filmmusik als mehr zum Filme entstehen lassen. Dabei dokumentiert das Ganze in einem weichen Verlauf die weit reichenden, arbeitsintensiven Einflüsse, in denen sie sich sicher bewegen, und schafft eine Welt jenseits jeglichen Schubladendenkens. ][ g
David Shea - Tryptich - Quatermass
Der englische Komponist mit seiner ersten Veröffentlichung auf Sub Rosas Seitenlabel für elektronische Musik. Sicherlich keine Musik, die einfach so im Hintergrund vor sich hinlaufen kann, da die drei Stücke der CD allen Raum für sich beanspruchen. Ein klangliches Patchwork aus Jazz, experimenteller Klanggeneration, Big Beat, Easy Listening und Drum´n´Bass, irgendwo in einer Zwischenwelt wild pulsierend, die zwischen Weltmusik und elektronischer Klangforschung existiert. Mehr handelt es sich bei den einzelnen Klangcollagen um freie Improvisationen am Sampler, die live bei seinen Performances mitgeschnitten wurden. Da die einzelnen Tracks auf einen gemeinsamen Pool aus gesampelten Musikern, Orchestrierungen und live eingespielten Instrumenten basieren, entsteht im Verlauf der ca. 55 Minuten Spielzeit ein homogenes Gesamtbild, dessen Dramaturgie die atemberaubende Improvisationsfähigkeit David Sheas dokumentiert. Moderne elektrifizierende Klassik mit einem hohen Abwechslungsgehalt. ][ g
Panoptica - Panoptica - Certificate 18
Geradezu frech, was da einem ganz industriell klingend aus dem Lautsprecher entgegentönt. Abgehackte Snares, Oldschool-Pianos, Mayday-Keyboard-Flächen - das Entdecken nimmt gar kein Ende. Es muß schon sehr interessant zugehen, an der mexikanischen Grenze, wo Roberto Mendoza behauptet, all seine Inspirationen eingesammelt zu haben. Und ganz plötzlich konfrontiert er einen mit einem klassischen Piano-Lick, lacht sich ins Fäustchen und kehrt wieder zurück zu rauschenden Rhythmen, stotterneden Offbeats und lieblichen Keyboardgesängen. Wild und ungestüm lebt er seine musikalischen Phantasien aus und schafft es dabei, nicht nur ein weiteres Stück elektronischer Musik zu produzieren, sondern tief im Kern seine eigene Note zu verankern. Mexikanische Experimentierfreude eben. ][ mb
Tujiko Noriko - Mego 047
Was für ein Geniestreich des österreichischen Labels, diese bezaubernde Stimme mit in ihr sonst so andersartiges Repertoire zu integrieren. Fast scheint es als vereint die aus Osaka stammende und in Tokyo lebende Tujiko Noriko alle individuellen Stimmbandelemente von Kate Busch, Nico und Mona More ("Sin"). Darunter, daneben und darüber ihre eigene Musik, die teilweise wie ein japanophiles Geflecht sphärischer Drehorgelmusik wirkt. Wenn auch diese Veröffentlichung sich nicht nahtlos in bisherige Werke der experimentellen Klangschmiede integriert, so kommen doch in vielen der 10 Tracks Grundzüge zum Anklang, die Parallelen ohne weiteres zulassen. Fernöstliche Ufo-Beobachtung für verklärt dreinblickende Verliebte vom Stützpunkt Tokyo-Tower. ][ g
VA - BIP-HOp Generation Vol. 3 - BIP-HOp
Die dritte Veröffentlichung der BIP-HOp-Serie stellt diesmal erneut sechs unterschiedlichen Musikern ein Podium zur Verfügung, auf dem sie ihre klanglichen Experimente präsentieren können. Angefangen mit Neotropic (England), geht die musikalische (Welt-)Reise weiter mit Bovine Life (England), Pimmon (Australien), Zonk´t (Frankreich), Atau Tanaka (Japan) bis zu Novel 23 (Russland). So unterschiedlich die Länder ihrer Herkunft sind, so unterschiedlich ist auch ihre Interpretation moderner elektronischer Klangkompositionen. Durch die andersartigen Ausarbeitungen und Einflüsse verschiedenster Stilmittel, die sowohl aus sehr experimentellen Welten herrühren, als auch poppige Elemente integrieren, kann man sicherlich von einem Dokument zeitgenössischer Elektronik sprechen. Reine Geräuschlandschaften finden sich somit gleich neben elektroesken Ausarbeitungen. ][ g
VA - Bubble Bunny Music - Schneetreiben
Ein neues Label mit einem simplen und dennoch nicht minder interessanten Konzept: Als Veröffentlichungsmöglichkeit für zahlreiche Musiker, die noch keine Veröffentlichungsmöglichkeit hatten. Doch dabei geht Schneetreiben noch einen Schritt weiter, da es sich nicht auf einen bestimmten Musikbereich beschränkt, sondern übergreifend die Mannigfaltigkeit der Stilrichtungen versucht zu vereinen. Und dieser Versuch ist mit ihrer ersten Veröffentlichung gut gelungen, denn jeder der 18 Tracks wurde fein säuberlich für seinen Platz ausgesucht. Das harmonische Ganze, das hierdurch entstand, ist eine entspannte Reise durch zahlreiche Regionen unterschiedlichster Stile. Von Pop, 70er-Funk-Ästhetik, Überarbeitungen ´neuer deutscher Welle´, über tragende Balladen bis hin zu Elektro, sowie Drum`n`Bass- Anklängen reicht die Bandbreite dieses ersten Releases. Doch eines ist allen Darbietungen gemeinsam, nämlich ihre durchwegs gute Ausarbeitung, die sicherlich auch ihren Charme durch eine reizende, hoffentlich dem Label erhalten bleibende, Unprofessionalität erfährt. ][ g
F. S. Blumm - Mondkuchen - Morr Music
Vergessen wir mal die albernen Stücktitel wie Laichteich und Schneeglocke. Die Tonspur macht ausreichend klar, dass die Nouvelle Vague der urbanen elektronischen Selbstentäußerung im Zeichen der Zartheit unterwegs ist. Nach Hören der feingliedrigen Soundminiaturen aus obskuren oder charmant stinknormalen Quellen, Spuren von Piano, Glockenspiel, indonesischen Keksdosen und dem Geräusch von geschütteltem Haupthaar, Post-Rock und Post-Techno gleichzeitig, stelle ich mir F. S. Blumm als einen sensiblen Jüngling vor, der viel zu Hause ist, nicht recht weiss, ob er seine Lustigen Taschenbücher wirklich zum Flohmarkt tragen will, beiläufig etwas verzwicktes geisteswissenschaftliches studiert und jungen Damen (häufig ehrgeizige Medienarbeiterinnen) gelegentlich CDs zusteckt, auf die er, eines seiner kleinen, selbstversunkenen Stückchen gebrannt hat - Origami-Kraniche aus dem G4. Reizend. Aber vielleicht ist ja auch alles ganz anders. Gute Arbeit, jedenfalls. Dont play it loud. Play it zart. ][ mandel
Ursula Rucker - Supa Sister - Stud!o K7
Eines der bereits zu Beginn des Jahres herbeigesehnten Highlights dürfte die Veröffentlichung dieses Albums gewesen sein - nun ist sie also käuflich zu erwerben, die charmante Stimme des schwarzen Amerika. Auf zwölf Stücken läßt Ursula Rucker ihren Gedanken und ihrer Stimme freien Lauf, untermalt von langsamen, balladenartigen Arrangements, die ihr stets im richtigen Moment betonend unter die Arme greifen. Nicht, weil ihre Stimme etwa versagen würde, sondern weil sich manche Stimmung eben nur musikalisch erklären läßt. Weshalb dieses Album auch nichts für den Club und für die Bar viel zu schade ist, denn hier kommt es auf jede Note an, auf jedes Wort - nur so läßt sich der Kontext erahnen (von erfassen wollen wir erst gar nicht reden) und die Beweggründe verstehen. Hier wird nichts zwischen Gitarrenriffs und Schlagzeugbreaks versteckt, nur um dem konsumsüchtigen Popintellektuellen zu gefallen. Keine explizite Hervorhebung brisanter Aussagen oder gar politischer Parolen. Hier werden Tatsachen offengelegt, Probleme angesprochen und Liebeserklärungen verkündet aber nie agitiert. Direkt und unverblühmt und dennoch nur im Ganzen zu verstehen, zuckersüß und eindringlich zugleich, erklärt Ursula Rucker ihre Sichtweise dieser Welt. ][ mb
Aqua Bassino - Beatsn Blob - F Com.
Lars Behrenroth - BOC Productions - TOI
Und wieder ein in gauloiseschachtelblaue Gewänder gekleidetes Stück vom Geburtstagskuchen von der 7-Jahresfeier. Aber jetzt nicht gleich den ganzen Highway der frankophilen Vorurteile runterkacheln: Aqua Bassino kommt aus Edinburgh, und da weht ja ein etwas anderes Lüftchen als in Paris. Hier also: Hoher Anteil an versonnen Spielereien, konstante Stimmungslage zwischen Relaxtheit und Melancholie, Unsinn mit Jazztrompete, die gute alte Orgel, dann noch mehr Jazz, und freilich: Latin. So weit so unaufregend, im Grunde, aber das ist ja hier der Punkt: niemand soll sich aufregen, beim Chillen. Und chillen kann man gut mit dem Stoff. Dagegen zielen die Produktionen von Lars Behrenrodt, umtriebiger Produzent, DJ und Radiounterhalter zwischen Liquid Sound Loung und Compost, vor allen Dingen auf den Floor. Zu erleben auf der Werkschau von vornehmlich Vinylsingles aus seinem Produktionsstudio BOC. Und das geht gut runter, sowohl die nostalgisch stimmenden Frühwerke (House kann so unschuldig klingen), als auch die Jazzbreaks checkenden neueren Stücke, erst bei den einigermaßen unbeholfenen Jazzsolos würde ich dann aus Pietätsgründen die Bremse ziehen. Insgesamt eher eine Kauf- und Aufpass-Empfehlung für Vinyl als ein Album im eigentlichen Sinne. ][ mandel
Bauchklang - Jamzero - ecco.chamber
Ein interessantes Projekt, das sich hier gefunden hat. Sechs Mann, viel HipHop-Beat und jede Menge Groove sind ja schon mal nicht der schlechteste Einstieg. Wobei man jetzt nicht davon ausgehen darf, hier würde es sich um lupenreinen HipHop handeln - weit gefehlt, denn außer einer pumpenden Beatbox gibt es hier nur Münder. Mit denen aber werden die erstaunlichsten vokalen Klanggebilde geschaffen, so daß man, wenn man nicht eines besseren belehrt wäre, meinen könnte, Bauchklang hätten einen riesigen Gerätepark aufgefahren. Auch wenn der Gesang oftmals stark an Sting erinnert, erwartet hier einen knackige Beats und dubbige Soundgebilde, die eine willkommene Abwechslung in der momentan vorherrschenden Synthetikwelt darstellen. ][ mb
cLOUDDEAD - s/t - Big Dada
Nachdem Künstler wie das Anti-Pop-Consortium, Mike Ladd, Cannibal Ox und Dälek die Formsprache von Hip-Hop schon weit, sehr weit gedehnt haben, liefert jetzt ein mysteriöses Kollektiv namens Clouddead ein wahres Monument an Unzugänglichkeit, stilistischer Offenheit, Soundpoesie und Klischeeverweigerung. Oder so gesagt: es ist die Platte, die Godspeed You Black Emperor mit den Last Poets, Skiz Fernando und This Heat gemacht haben könnten. Oder so: das Ding ist ein verdammt unheimlicher Trip. Eine purpurne Wolkendecke als Startbahn, dann Flächen, endlose Flächen, irgendwann ein kaputter, asthmatischer Beat, Fetzen von Stimmen wehen darüber her (nicht aus dieser Zeit), dann sinkt alles zurück in die komfortable Kompaktheit des Drones. Stück zu Ende. Vielleicht. Plötzlich wieder: chorisches Geschnatter, weirdes Gedroppe von verschrobener Weisheit. Dann ein Loop aus einer alten John Abercrombie-Scheibe, es schwabert so daher, berührt - wenn überhaupt - von seiner eigenen Schönheit. Lakonisches Kommen und Gehen von Stimmungen und Elementen, keiner bekannten DJ-Dramaturgie verpflichtet, sondern wie grobkörnige Bilder eines mysteriösen Experimentalfilmes aneinandermontiert. Wer dem Pfad nicht folgen kann (oder will) hat daran - in der Vinyl-Version - immer noch ein gutes DJ-Tool. ][ mandel
VA - Playground Vol. 3 - ecco.chamber
Nummer 3 des Wiener-Downtempo-Samplers, deutlich rauher und aggressiver klingend als der Letzte. Andreas Künzel und Roland Hackl, bekannt als Aromabar, haben sich auf ihre DJ-Kenntnisse verlassen und in sommerlich-leichtem Mix eine sehr abwechslungsreiche Zusammenstellung geschaffen. Bei den meisten Tracks steht sehr stark die Stimme im Vordergrund, ohne aber in nerviges Gejammer zu verfallen. Eine große Anzahl unbekannter Tracks wird man hier nicht vorfinden, dafür eine kompakte, ausgereifte Compilation, die ihren Zweck zu vollster Zufriedenheit erfüllt. ][ mb
Larry Heard - Loves Arrival - Track Mode
Über Larry Heard und dessen Musik wurden schon einige Tintenfässer ausgegossen. Und dies beileibe nicht zu Unrecht. Für nicht wenige ist dieser Mann, der als Mr. Fingers, The It oder Fingers Inc. Geschichte geschrieben hat, eine der authentischsten und ehrlichsten Figuren in diesem Zirkus, den manche Menschen House nennen. Immer einen Schritt hinter dem Phänomen Zeitgeist zurück, und damit diesem eigentlich auch schon wieder zwei Schritte voraus, arbeitet der Mann seit einer Ewigkeit an seiner persönlichen musikalischen Vision, die er neuerdings aus reiner Erklärungsnot heraus Adult Dance Music nennt. Eigentlich ein blöder Begriff, aber ausflippende Teenager kann man sich zu den Stücken seines neuesten Longplayers beim besten Willen nicht vorstellen. Eher schon im Sessel tanzende Dreißigjährige, in die zum allerletzten Mal der Heilige Geist der Tanzmusik fährt. Vielleicht hatte der Mann mit den langen Fingern von der Industrie unzählige Male über den Tisch gezogen und nahezu jede Woche in Kapitulationsstimmung auch genau diese Zielgruppe vor dem geistigen Auge, als er Stücke für Love´s Arrival aufnahm. Mehr noch als bei all seinen Veröffentlichungen der letzten Jahre wie Ice Castles, Genesis oder Dance 2000 werden hier Traditionen gepflegt, ohne in Selbstzitaten zu ertrinken. File under Künstlerische Integrität. Und das obwohl sich Larry Heard am Ende des Tages ja immer wieder Luft darüber macht, dass ihm durch seine Brandmarkung als House-only-Producer die Türen zu den großen Soul, Jazz und R&B Artists für immer verschlossen bleiben. Wie auch immer: niemand entlockt den Maschinen mehr Soul als Mr. Fingers. ][ janson
Urban Soul Collective - Please Yoself - SI Project
Das lockere Beisammensein der Westlondoner Scott Clifford, Orin Walters, Kaidi Tatham und Paul Dolby, dem sie ab und an den Namen Urban Soul Collective aufzwängen, brachte die Ruhe auf, eine Ansammlung von 13 Stücken in Albumform zu veröffentlichen, statt wie gewohnt sofort alle einzeln auf Vinyl zu bannen. Und in der Tat, das innehalten hat sich gelohnt, weisen die einzelnen Stücke doch ein deutlich ausgereifteres Auftreten vor. Nicht wild durcheinander gejammt, sondern besonnen arrangiert, macht sich dieses Album auf, das Herz des Hörers zu erobern, denn reine Tanzbretter hat das Collective trotz aller Ruhe immer noch nicht produziert - bewußt und gewollt nicht, denn das Ausdrücken musikalischer Gefühle steht nach wie vor an erster Stelle. Und das macht sich deutlich hör- und bemerkbar. ][ mb
Da Kee - Moerda b/w International Antastbar - R.O.T.
Wer das Glück hat, diese 7-inch in die Finger zu kriegen, kann unbedenklich zugreifen, die Fusion aus Ragga und Breaks dürfte unter rechtschaffenden Headz und Junglists eigentlich nur Freunde finden. Ragga findet hier nicht nur in der Basslines und den Vocals statt, sondern dient als Grundlage der gesamten Beatstruktur, die dann mit reichlich Breaks aufgemischt wird, wobei DJ Rockateers Vorliebe für Acid-Sounds und unbekümmertes Auslösen von Bassbomben für anarchischen Spaß und eine gesunde Erdung im Underground sorgt, während MC Bomsh durchs Programm führt und mit gut ausbalanciertem (deutschsprachigem) Flow dafür sorgt, daß unterwegs keiner verloren geht. Heißer Stoff von einem der heißesten Teams der Stadt (in diesem Fall: Berlin). ][ mandel
Omni Trio - Even Angels Cast Shadows - Moving Shadow
Robert Haighs ist eine Ausnahmeerscheinung im DrumnBass-Zirkus. Auf der einen Seite ist er der Künstler mit den meisten Solo-Alben - jetzt sind es fünf. Auf der anderen Seite ist er einer der wenigen, die von Tag Eins bis heute ihrem Stil treu geblieben sind und lediglich nach Ausfeilung und Perfektion des eigenen Schaffens streben. Bereits 1994 legte er mit The Deepest Cut, einem der allerersten DrumnBass-Longplayern überhaupt, den Grundstein für seinen einzigartigen Sound. Kein zweiter macht so unschuldig schönen DrumnBass wie Omni Trio. Immer wieder diese zarten, eingängigen Piano-Melodien (hier bei Higher Ground, Artificial Life), die auf warmen Bässen reiten. Breakbeat Etiquette und Nu Birth, die bereits auf Maxi erschienen sind, finden sich hier in neuerem Gewand wieder. Ansonsten weitere lieblich schillernde bis treibende Atmosphären, die sich in klarem, einfachem Gewand zur Schau stellen. Omni Trio kommt wie immer ohne großen neumodischen Schnickschnack aus, sondern bedient sich überwiegend eines reduzierteren Repertoires an typischen, standardisierten Klängen, die wenig abgewandelt werden. Kompakte, faßbare und überschaubare Klanggebilde machen somit auch dieses Album auf eine sehr angenehme Weise konsumierbar, ohne Langeweile aufkommen zu lassen. Auffällig sind zudem die weniger komplexen Beats, die die Melodie-Linie, entstehend aus Bass und Piano oder ähnlichem, in den Vordergrund rücken lassen. DrumnBass-Tracks, die man sich auch mal durchaus im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorstellen könnte. So wären die drei Downbeat-Tracks hier gar nicht nötig gewesen... ;-). Einzig und allein die sehr sauber und digital wirkende Klangeigenschaft der Produktionen könnte bei manch einem auf Ablehnung stoßen. Hut ab für fünf essentielle Alben! ][ lightwood
VA - Doc Scott pres. Hidden Rooms Vol. III - Certificate 18
Certificate 18 ist das Label, auf dem Photek einst sein erstes Release feierte. Das spricht für sich. Certificate 18 war und ist immer noch ein Label, das Künstler featuret, die ein wenig abseits der Norm produzieren. Nicht immer direkt auf die zwölf, aber immer mitten ins Herz. Klute, Lexis, Polar, TeeBee und Mainline sind die aktuellen Rennpferde im Stall. Und Labelchef Paul Arnold hat inzwischen gelernt, wie man solch gestüme Burschen vermarktet. Doc Scott muß herhalten und präsentiert auf CD2 seine Lieblings-Certificate 18-Tracks im Parental Guidance Mix. Wie das beim Doktor nicht anders zu erwarten war, macht er seine Arbeit sehr gut und ich kann mir bildhaft vorstellen, wie er mit gelangweilt wirkender Mine, Ellbogen auf dem Mixer aufgestützt, in minimalen Bewegung das maximalste aus sich und den zur Verfügung stehenden Platten rausholt. Fein. Namedropping hin oder her, beide CDs beinhalten insgesamt 27 (!) exquisite Tracks, darunter auf der ungemixten CD1 einige neue, die auch auf der Doppel-LP erhältlich sein werden. Neben bereits zu Klassikern avancierten Stücken, wie Matrix Phone Call Remix, Polars Skydiver oder Klutes We r the Ones, finden sich bisher ungehörte, zeitlose Perlen wie Polars Innocent oder Klutes & TGMs Lost. Lediglich Mainline fehlt es mit Song 4 Eva noch ein bißchen an Überzeugungskraft, obwohl er vom Stil her zum Label passen würde. Wem das Cybotron-Album zu hart ist, die Good Looking Compilations zu seicht sind und mit Playaz 4 Real schon gar nichts anfangen kann, der sollte sich getrost Hidden Rooms Vol. 3 zu Gemüte führen. Spätestens mit dieser Compilation dürfte sich Certificate 18 vom Geheimtip zum Toplabel entwickelt haben. ][ lightwood
James Ruskin - Into Submission - Tresor
So stellt man sich die Musik in Technoclubs der Stadt Metropolis vor. Pumpend, düster und doch irgendwie ermutigend und beschwörend. Der afrikanische Voodoo-Tänzer des nächsten Jahrtausend dürfte mit James Ruskin den passenden Soundtüftler gefunden haben. Schnell treibt er seine Opfer in Trance, läßt sie Schwitzen und Strampeln, geht über in einen undefinierbaren Breakbeat, hämmert, sägt und trommelt. Erfreulicher Weise vermißt man hier nicht diese gewisse Wärme, die jedes Stück offen vermittelt. Wo andere Produktionen zwar technisch ausgefeilt, aber auf der Tanzfläche und im Ohr einfach kalt und lasch klingen, erfreut sich Into Submission einer besonderen Lebendigkeit. Feinfühlig werden Strukturen aufgebrochen und so Raum geschaffen für Ruhe und eigene Interpretation doch allzuviel Zeit bleibt einem nicht, denn James Ruskin verweilt nur sehr kurz an einem Ort, stürmt weiter und kann durchaus auch in Deinem Wohnzimmer halt machen, denn dieses Album läßt sich sehr wohl auch auf dem Sofa genießen. ][ mb
Herbert - Suddenly - Stud!o K7
Sehr würdige zweite Auskoppelung aus dem ohnehin klar als Pflichtkauf einzustufenden Album: Harmonien und Melodielinien, auf die Burt Bacharach auch ein wenig stolz wäre, und alle Sounds selbstverständlich mit dem Mund gemacht, oder so. Die B-Seite enthält Remixe, allerdings von den Albumtracks Addiction - in einer Bearbeitung von Nobekazu Nakemura - und Back to the Start. Ersterer als klingel-ambient mit später einsetzendem Downtempofunk, der es ordentlich blubsen lässt, der zweite mit einer sparsamen Dekonstruktion. Gut, wie der Mann mit dem Muppet nach seinem Werbe- und Video-Hit konsequent der Idee nachgeht, sich jetzt alles erlauben zu können. ][ mandel
VA - Output 64 / Delete all data / Input 64 Remixed 1/x - L´Age D´Dor
Viele werden sie wohl kaum mehr kennen: Fort Apokalypse, Jumpman Junior, GI Joe, Frogger, Motor Mania, Zaxxon, Blue Max, Bandits, Dig Dug, Boulder Dash, Atztek Challenge und all die anderen 8bit-Welten, die einen tagelang an den Fernseher fesselten. Doch nun bringen nicht nur zahlreiche Emulatoren im Netz den Spielspaß der Spritelandschaften erneut in die Lebensräume, sondern auch Musiker reinterpretieren die einzelnen Musikstücke der Computerspielgeneration Commodore C64. Doch anders als bei so vielen Aufarbeitungen vergangener Musikstücke, schufen die jeweiligen Vertreter, welche an diesem Remix-Projekt beteiligt waren, wirklich eigenständige neue Kompositionen, bei denen teils mehr, teils weniger die Wurzeln zu erkennen bleiben. Angefangen mit Plundersonics, David Chazam, den Gebrüder Teichmann sowie Scratch Dee entstand eine Vier-Track-Veröffentlichung, die unterschiedlicher in sich nicht sein könnte. Musik für den Tanzboden und die Beine darauf, in einem Veranstaltungsort, der sich Abwechslung auf die Fahne schreibt. Die energiegeladenen Stücke treiben richtig nach vorne, und kaum an ihrem Ende angekommen schnell die Nadel erneut an den Anfang der Rille gelegt. Daneben diese brennende Lust wieder den alten Joystick hervorzugraben und das angestaubte Floppy mit den vergilbten 5-Zoll-´Massenspeichermedien´ zu füttern. LOAD *,8,1... ][ g
Socio 003
Miguel gibt Gas. Bereits Nummero Drei liegt vor und ein Ende ist nicht in Sicht. Zweite Hand im Studio ist zum einen wieder Philipp Maiburg. Elitist hat zwar weniger Funk als Schlagabtausch (Socio 002), wird dafür aber definitiv keinen Grashalm stehen lassen. Bedrohlich wirkende, dronenartige Sounds bilden die Grundstimmung, die teilweise sehr mystisch anmutet. Die Drums sind eine Spur zu geradlinig und die Snare wirkt sehr plastisch. Viele Stimmungswechsel und ein beinahe ständiges Auftauchen von neuen Sounds sorgen für angenehme Abwechslung. Die einzeln verstreuten MC-Vocals stammen vermutlich von Glacius. Für die Flipside lud sich Miguel Ayala ein neues Producergesicht ins Studio: Miss Dee, Mitverantwortliche der Tatort-Parties in Köln. Sweet Sweep ist alles andere als süß, sondern schleicht wie ein Killer durch verregnete, dunkle Straßen. Ein dichtes, unkonventionell wirkendes Beatarrangement marschiert siegessicher an allen vorbei. In Kombination mit dem Bass entsteht ein angenehm grooviger Roller. Ein Tune, der ansonsten kaum weitere Elemente aufweist, wenig Steigerung erfährt, aber immer schön tight seine Runden dreht und sich sogar einmal selbst überschlägt. ][ lightwood
Basswerk 013
Split-Maxis sind das Basswerk-Konzept und so sind auf vorliegender 12 gleich vier Künstler vertreten. Daniel Savine aus Ludwigsburg und DJ Rio aus Stuttgart produzieren bereits seit längerem zusammen und werden fortan als Native Minds von sich Reden machen. Vibrations ist sehr einfach und old-schoolig gehalten. Minimale Elemente, mit denen eine schwebende Athmosphäre aufgebaut wird. Überzogene Delay-Effekte, Beat-Crossfading und Vibrations-Vocal sind stilbildend. Die Entscheidung fällt schwer, ob ein DJ-Tool, Lückenfüller oder Peak-Track vorliegt. Multifunktional einsetzbar. Auf der anderen Seite findet man ein mittlerweile ebenso eingespieltes Team. Labelowner The Green Man himself und Englands Deepness in Person, Klute, zeichnen sich für Chirashi verantwortlich. Komplexe Beats marschieren stakkato-artig, umringt von vielen exquisiten Sounds, die mal grollen, mal zischen, aber immer perfekt in den Gesamtkontext eingebunden sind. Hin- und hergerissen schaut man dem Treiben zu und ist der Spannung bis in die letzte Rille ausgeliefert. ][ lightwood
Headquarter 002
Racoon mausert sich zum Topproducer aus dem Osten. Seine Tracks spiegeln eine Härte wieder, die in der ostdeutschen DrumnBass-Landschaft beliebt zu sein scheint. Trotzalledem packt er immer eine gewisse Prise Funk und Melodie rein, die so auch die zwei vorliegenden Tracks wohltuend erfrischen. Aircraft steppt frech einer Synthie-Hookline entgegen, die durch ihre Banalität fast schon wieder genial ist. Zappelnde Sticks, nach Zweidritteln ein Breakdown ... und Endspurt. Ansonsten fehlt der Pressung vielleicht noch ein Schuß mehr Bass. Reproach besticht zunächst einmal mit einem sehr gelungenen und präzise gesetzten Frauen-Vocal. Etwas überzogen rotzt dann eine dreckige Bassline heran, die alle Chancen auf Wiedergutmachung ausräumt. Völlig unerwartet erwacht nach einem fiesen Breakdown alles in einem Amen-Gewitter mit zerstörerischer Säge-Bassline. Tanzt bis zum Umfallen! ][ lightwood
Smokin Drum 025
Vielleicht ein bißchen spät für dieses Release hier, oder kennt noch jemand Eminem? Bad Meets Evil sind Eminem & Royce 5-9 und Scary Movies ist bereits vor einiger Zeit auf Mole erschienen. Bassface Sascha und DJ Viper im Team remixen das Ganze auf vorliegender 12. Herausgekommen ist ein Chopper-Tune, der rockt und kickt, aber ohne Raps besser gewesen wäre. Die Flipside ist da schon eher empfehlenswert. Diesmal stammen die Vocals von einer Frau und die kann singen... Touchtone beginnt mit eben dieser lieblichen Stimme und ab und zu extrem gefilterten Rückwärts-Beats. Und dann wird alles stehen und fallen gelassen, eine Flatter-Bassline ausgepackt, die an DJ Die erinnert, und alles fett durchgerinst. Später noch die Steigerung mit Amen-Beats, kurze Verschnaufpause mit dem Intro-Thema und fertig ist die Hitkanone. Klassisch südwestdeutscher DrumnBass, der auch in Bremen funktioniert. ][ lightwood
Hard:Edged 010
Kurz vor Redaktionsschluß noch eingetrudelt - schnell noch besprochen, weil sehr gute und wichtige Platte. Und ich sehe schon tausende Headz in die Läden springen, die lechzend fragen: Habt ihr die Platte...da singt so eine Frau...Come spend the night.... Ja, dieses Vocal bleibt unweigerlich haften. Präzise gesetzte Drums mit stakkato-artigen HiHats, manchmal vorsichtig durch den Filter gezogen. Eine zupfende Geige springt durch die Nacht, minimalster Jazz-Trompeten-Einsatz. Bass drückt, aber spielt nicht verrückt. Gut so. Die Spannung wird gehalten bis zum Schluß. Der Soundtrack zu Spiel mir das Lied vom Tod Pt. 2. Hard:Edged-Homie One:Soul darf sich eine Flasche aufmachen! Snake auf der B-Seite wirkt extremer. Stoppende Beats, breite 95er-Bassline, die mehr stept als fließt. Easy. Später Amen-Schnipsel, die sich besser einfügen als in jeden anderen Track, der gerade kursiert. Dann dieser furchteinflössende, eiskalte Sci-Fi-Sound, der alles auf die Spitze treibt und am Ende wieder im Kerker verschwindet. Gefährlich gutes und unkonventionelles Release. ][ lightwood
Hardlife - Hardlife - UR
Simply Soul, Soul City, Happy Records stehen und standen für völlig übertriebene Piano Attacken und schmachtende Vocal Einsätze. Mit der neuesten UR Veröffentlichung haucht Mad Mike ebendiesen (seinen!) House Plattformen aus der Vergangenheit neues Leben ein und stellt obendrein den ein oder anderen UR Fan auf eine harte Probe. Zusätzlich sind alle Ingredienzien reputierlicher Old School Erzeugnisse vorhanden. Als da wären: sozialkritische Botschaften auf dem Label, mysteriöse Produzenten, die identisch mit der Katalognummer sind, plus - um mit etwas Raveline-Jargon nachzuwürzen - es pumpt wie nix gutes. ][ janson
Russ Gabriel - We Will Be Turning - Out Of The Loop
Russ Gabriel, vor etlichen Jahren mit seinem Soul on Wax Label positiv aufgefallen, wartet hier mit einem Epos auf, an dem auch Metro Area gefallen finden dürften. Ganz im Zuge der elektronischen Reanimation von Disco natürlich. Allerdings löst in diesem Fall nur der Remix von Ewan Pearson wahre Begeisterungsstürme aus. Crisper Disco Beat trifft auf schwülstige Streichersektion trifft auf Pathos mit Ausrufezeichen. Schlichtweg großartige Tanz-musik. ][ janson
Ladyvipb - Yesterday Has Gone/A New Day - Nuphonic
Man mag es kaum glauben. Die erste Nuphonic, die seit Ewigkeiten mal über kaffeesatzartige Mittelmäßigkeit hinauskommt, stammt vom amerikanischen Exilanten und Wahlaustralier Maurice Fulton. Unglaublich auch, dass dieser mal bei den Basement Boys in Baltimore im Keller saß und bei einigen derer Großtaten die Finger mit im Spiel hatte. Noch unglaublicher ist freilich, dass sich unter all der merkwürdigen Musik seines letzten Albums Stories of a Broken Heart and Recovering ein Track wie A New Day findet, der in Sachen Electro und Bass so manche der hiesigen Hühnerbrustentwürfe mit runtergelassen Hosen stehen lassen dürfte. Macht in der Tat abhängig (Achtung! Schon wieder Raveline Referenz). ][ janson
Morgan Geist - Super - Environ
Morgan Geist, seines Zeichens Labelhead von Environ und Metro Area Hälfte, wartet mit einem 3-Tracker auf, der tatsächlich super ist. Neben zwei eher zurückhaltenden Tracks namens Sleaze und Lullaby ist mit 24k eigentlich schon die potentielle vierte Ausgabe der Metro Area Reihe erschienen. Wie immer Happy-Go-Lucky Neo-Disco. Trotzdem oder gerade deswegen nicht langweilig. In englischen Wettbüros kann man angeblich schon auf Morgan Geist als nächsten Madonnaproduzent tippen. ][ janson
Salvador Group - Crosswinds - Compost
Es ist schon war - keine vier Takte vergehen und man weiß, daß eine Compostplatte auf dem Teller liegt. Im Falle der Salvador Group, bestehend aus den Münchnern Florian Hartl und Julian Fischer, ist es die rollende Snare, die sofort den Bezug herstellt. Überhaupt legen die beiden sehr viel Wert auf ausgeklügelte Perkussionsmuster, sowohl bei der langsamen und betörenden Guten-Abend-Ballade Crosswinds, als auch beim temperamentvolleren Crag, welches ganz klar vom eingesetzten Jerzy-Milian-Sample beherrscht wird. The Moon is High sorgt dann für wirbelnde Füße auf der Tanzfläche und besticht durch eine kompakte Bassline und tiefe Atmosphäre. ][ mb
Human Resources - Paradigm EP - Spinning Wheel
Es lohnt sich immer wieder, die Ohren offenzuhalten nach neuen Klängen und neuen Künstlern. So getan, entdeckten die Spinning-Wheel-Jungs das ost-europäische Projekt Human Resources, das ganz klar frischen Wind in die doch sehr festgefahrene Freestyle-Szene bläst. Auf vier Stücken sorgen stets knallende Beats für geraden Groove, ohne dabei auch nur im entferntesten an House zu erinnern, während Bass und Keyboards leicht improvisierend für Spannung und Abwechslung sorgen. Spielerisch wird das Territorium der Tanzmusik ausgelotet, plötzlich die Form eines Orchesters angenommen, um dieses sofort wieder in alle Himmelsrichtungen auseinandergehen zu lassen - so schafft man Raum für das Wesentliche: den Bass. Keineswegs kitschig und überproduziert, wie das so bei Fusion üblich ist, sondern den Nerv des Tänzers treffend und dennoch gehaltvoll. ][ mb
Jet Set Production - Bitter/Sweet - Infracom!
Moodymann-artige Klarinetten eröffnen diese Platte und leiten in schräger Tonart über in eine jazzige, quirlige Ballade, die wie angegossen für Jo Laundys Stimme produziert zu sein scheint. Style, der Name des Stücks, kann hier ruhig sprichwörtlich gedeutet werden. Mit den restlichen Stücken tut sich Senor Suzuki allerdings keinen Gefallen, driften sie doch allesamt ins Einseitige, daß sich entweder in Form von zuviel improvisatorischem Selbstvertrauen (>> dudelnde Saxophon- und Pianosoli) oder melancholisch-eintönigen Reisen durch dubbige Bassgefilde (>> tief aber drucklos) ausmachen läßt. Schade. ][ mb
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