OUK das dreiund30ste ± geradeaus & über Eck ± Okt/Nov 01 Bla & Blub

Der Herr Der Ringe. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
J. R. R. Tolkien - Der Herr Der Ringe - der hörverlag Näher und näher rückt der Termin, an dem nach Jahren wieder die Leinwände der Kinos die spannende Geschichte der Hobbits reflektieren. Seit Ralph Bakshees Verfilmung in den 80er Jahren, die unvollendet eine Schar von Zuschauern in eine Reale Zeichentrick-Dimension schleuderte, hat sich nun Peter Jackson (Meet the Feebels, Bad Taste, Braindead, Heavenly Creatures) dem vor langer Zeit geschriebenen Kult-Buch ganzer Generationen zugewendet. Jede Vorschau des kommenden Realfilms verdeutlicht, daß er sich wohl intensiv mit den Charakteren auseinandergesetzt hat, um mit viel Sorgfalt ein größtmöglich vorstellungsglobalisiertes Bild der Welt aus Mittelerde zu präsentieren. Sicherlich keine leichte Aufgabe, gehört doch das dreiteilige Werk zu den meistgelesenen Büchern dieser Erde. Da jeder in seiner Phantasie sich ein eigenes Bild von Auenland, Gandalf, Legolas, Frodo, Pippin, Sam, Gollum, den Zwergen, Elben, Orks und schwarzen Reitern angefertigt hat, wird wohl vielerorts auch bittere Entäuschung am Ende des Leinwandspektakels die Gemüter berühren. Ganz anders gestalten sich in diesem Zusammenhang sogenannte Hörbücher oder auch Hörspiele, die weiterhin die eigene Welt der Phantasie bewahrend erhalten. Seit der gemeinsamen Produktion von SWR und WDR in den Jahren 91 und 92 existiert ein 11 CDs umfassendes Hörspiel, das in einem Zeitraum von ca. 760 Minuten (etwa 11 1/2 Stunden!) die Reise der Gefährten bis nach Mordor verfolgen läßt. Äußerst nah an der Buchübersetzung sich orientierend, leitet Ernst Schröder mit angenehm rauchiger Stimme die Zuhörer in unzählige Dialogreihen der Protagonisten. Diese werden wiederum gesprochen wie in einem Theaterstück. So liegen zwei hörbare Ebenen vor, welche untermalt mit verhaltener Geräuschkulisse und sanft verwoben, ein tiefes Hineintauchen in die Geschichte ermöglichen. Einfühlsam sind die Situationen der Gruppe um den Ringträger dargebracht und die einzelnen Stimmungen der Freunde lassen sich mit Spannung nachvollziehen, die nicht selten Schauer über den Rücken laufen läßt. In leuchtenden Farben entstehen so unzählige Bilder der zahlreichen Orte einer von Tolkien eigens geschaffenen Welt. Und diese sind so wie man sie sich selber geschaffen hat. Urheber sind die Stimmen zahlreicher Sprecher, die fest verwurzelt bis heute an den renommierten Theatern im ganzen Bundesgebiet engagiert sind. Daneben hilft die Aufteilung des Gesamtwerkes in 30 Einzelfolgen dem Zuhörer sich auch über einen längeren Zeitraum hinweg durch die enorme Spielzeit souverän zu manövrieren, bis endlich Saurons Reich Mordor im Flammenmeer versinkt. Über Jahre hinweg war der Anschaffungspreis von ca. 280.- DM für viele wohl eine enorme Hürde sich dieses Hörspektakel in das eigene Wohnzimmer zu zaubern. Nun läßt das bevorstehende Kinoereignis die Preise drastisch in den Keller purzeln und eine limitierte Auflage des Klassikers zu einem Preis von ca. 100.- DM allerorts in den Regalen erscheinen. Das sind pro CD nicht einmal mehr 10.- DM. Ein Spottpreis, angesichts des enormen Arbeitsaufwands, der sich hinter einem solchen Hörspiel verbirgt. ][ g

Earth Dance . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Letztes Jahr ging das international vernetzte Mega-Event „Earthdance“ auch in unserer Postille leider unter. Humanitäre Globalisierung könnte man das nennen, was sich die hauptsächlich aus dem Psychedelic-Trance-Bereich kommenden Protagonisten dieses Großereignisses auf ihre Fahnen geschrieben haben. Alle mitwirkenden Künstler und Helfer verzichten auf ihre Gage zugunsten eines notlindernden Projekts, wobei darauf Wert gelegt wird, daß die eingespielten Gelder auch wirklich bei der ausgesuchten Adresse landen. Eine organisierende Infrastruktur hat sich weltweit gebildet, die den Kontakt unter den lokalen Veranstaltern aufrechterhält und überregionale Pressearbeit betreibt (Näheres dazu im Internet). Letztes Jahr war die Tübinger Ausgabe ein voller Erfolg, sowohl was die finanzielle als auch die ravende Seite angeht. Auch heuer ist wieder eine große Anzahl von nahezu ehrenamtlich arbeitenden Helfern angetreten, um eine würdige Fortsetzung auf die Beine zu stellen. Schwierigkeiten im Vorfeld gab es diesmal bei der Verpflichtung renommierter Acts, da einige weniger idealistische DJs lange mit ihrer Zusage warteten, wohl in der Hoffnung, noch ein anderes, gut bezahltes Booking für diesen Termin zu ergattern. Doch nun steht die diesjährige Veranstaltung. Sie findet am Samstag, den 13. Oktober in der Tübinger B 27 Halle statt, mit internationalen Acts auf drei Floors (Main-, Chill-Ambient- und Dub-Alternative-) und zugunsten von Tübinger Kinderinitiativen. Wir wünschen umfangreiche Erträge und eine exzessive Party. ][ hve

Shelter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Das Shelter ist nicht mehr. Der New Yorker Traditionsclub, der auf eine über 10-jährige Geschichte zurückblicken kann und seit Mitte des letzten Jahrzehnts im Club Vinyl in Tribeca residierte, musste den Betrieb einstellen. Seit der Candyraver- und Glowstick-Tempel Twilo aufgrund massiver Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz von den Behörden dicht gemacht wurde, platzte der freitägliche Danny Tenaglia Abend im Vinyl angeblich aus allen Nähten. Laut Shelter Management Grund genug für die Geschäftsleitung des Vinyl, das Programm zugunsten höherer finanzieller Gewinne auf Hardtrance und Ravemelodien jeglicher Art umzustellen. Jedoch suchen die Shelter Macher Kevin Hedge (Blaze) und Freddie Sanon (Shelter Records) schon fieberhaft nach einer neuen Bleibe für Timmy Regisford (Resident-DJ der ersten Stunde) und seine devote Crowd. Vom Glück sind die Macher im Moment allerdings nicht gesegnet: Die für den 15. September angesetzte Abschlussparty fiel infolge der tragischen Vorfälle in New York auch noch ins Wasser. Der Sonntagstanztee Body & Soul, welcher bekanntlich in der gleichen Örtlichkeit beheimatet ist, ist von den Entscheidungen übrigens nicht betroffen. Sonntags ist wohl auch bei Ravekids im Big Apple entspannen angesagt. Wer sich auf dem Laufenden halten möchte, besucht www.clubshelter.com. ][ janson

Theater und Tübingen. . . . . . . . . . . . . . . . . .
„Wir können das. Alles.“ - ein fast schon anmaßender Titel, aber sie konnten es wirklich. Tübingens Theater-Gruppe U34, setzte Simone Ohnes clubtaugliches Stück gekonnt um und wählte als Austragungsort das Depot in Tübingen (das somit bereits zum zweiten Mal ein Theaterstück beherbergte). Ohne Bühne oder festen Darstellungsort und mit der Aufforderung zu trinken, zu rauchen und gefälligst das Handy anzulassen, wurde der ankommende Zuschauer erst einmal seiner selbst überlassen um sich anschließend von einem Schauplatz zum anderen, und somit durch den ganzen Club jagen zu lassen. Zwischen den kurzen Szenen, in denen sich die Schauspieler entweder in (manchmal zu)lässigen Gesprächen oder aber recht pfiffigen Monologen verfingen, immer wieder kleine Pausen mit (meist) treibender House-Musik, ausgesucht von Emanuela de Luca. Und obwohl die zu erzählende Geschichte doch recht oberflächlich und durchschaubar war, die Inszenierung war mutig, bis hin zu den Schuhen durchdacht und trotzte jeglicher technischer Pannen. Gratulation.
Aber auch sonst bewegt sich einiges in Tübingen. Die alteingesessenen, quasi schon festgesessenen Presse-Schergen verliesen alle zeitgleich die Stadt, um sich weltmännischer Großstadtluft hinzugeben. Sollte es also tatsächlich musikbegeisterte Liebhaber des Wortes geben - und daran zweifeln wir nicht - fordern wir diese hiermit auf, die Chance zu nutzen. ][ mb


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