| das dreiund30ste ± geradeaus & über Eck ± Okt/Nov 01 | hip hop aktuell |
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Underground Hip-Hop wird von den Marketing-Abteilungen in den USA erfolgreich ins alternative Abseits gepusht. Wie Tom Silverman sagte, als er die Neueinkäufe des SPEX-Korrespondetenten begutachtete: für Freaks. Einige Monate sah es so aus, als wäre die Zeit der Freaks gekommen. Nach dem (harmlosen) Spinner MC Paul Barman und dem (mit Sicherheit nicht harmlosen) Weirdo Sensational releaste Matador auch eine Split-Single mit Techno Animal und New Jerseys Dälek. Seitdem erwartete ich monatlich die guten Nachrichten vom Matador-Debut der Band aus New Jersey. Die Band selbst auch, wie sie mir an einem der heißesten Tage des Jahres erzählte: Matador machte diese Single mit uns und sagte, als nächstes schicken sie uns einen Vorvertrag. Auf den warten wir heute noch. Oktopus, dälek und DJ Still hingen zu diesem Zeitpunkt noch schwer in den Seilen, da sie den Vorabend offenbar mit ein paar Bier und den Gastgebern des Abends, der Audio-Chocolate-Crew herumbrachten. Das erste Album Negro, Nekro, Necros kam auf einem US-Hardcorelabel raus, jetzt würden die aufmerksamen Beobachter europäischer Elektronik mit hohem Splitterbeatgehalt am liebsten zu Warp. Sie sind dicke mit Scott Herren (Prefuse 73, Savath & Savalas) und der will mal schauen, was gääääähh(n)t, so MC Dälek. Der Live-Auftritt im Mudd Club kündet von Großem. Unterstützt von Oktopus an Laptop und diversem Hardware-Zeug und dem schwer rockenden DJ Still, knärgelte und schrie Dälek sich durchs Programm, mit dem tonnenschweren Megaton als Schlußnummer. Versteh einer die A&R-Truppe von Matador.
Fetter ist die Party Music von The Coup. Die Produktion geht auf einem genialen Mittelweg zwischen Spearhead, Prince und Automator, die Lyrics bleiben dennoch absolut entzifferungswürdig und politically aware. Leider wird 75 Ark das Album mit Verspätung, also erst im November, in die Läden bringen: Ein neues Artwork muss her, da auf dem ursprünglichen Entwurf das World Trade Center explodiert. Ein denkwürdiges Zeichen dafür, wie Fiction und Non-Fiction, Symbole und Zeichen durcheinandergeraten, wenn High-Tech-Gesellschaften, so wie jede Gesellschaft, Symbole, Metaphern und (Film-) Bilder für ihre Wünsche und Alpträume massenweise produzieren. Wie Mike Ladd (infesticons) sagte Was wir jetzt haben ist ein post-futuristisches Konzept ... das ist weder gut noch schlecht, es ist einfach die Situation, mit der wir umgehen müssen. Leute, die Science Fiction schreiben oder von der Zukunft träumen, tun das nicht mehr in Erwartung der Zukunft, sondern manifestieren die Zukunft, produzieren sie hier und jetzt. Das gilt ebenso für die Massen von Filmen von Godzilla bis A.I., bis hin zur Metaphorik der unterschiedlichsten Musiker von DJ Spooky bis Biggie Smalls: NYC war hier immer ein Kriegsschauplatz und sein vielfach durchgespielter Untergang eine stets funktionierende (= mit Kitzel konsumierbare) Metapher. The Coup setzen ihre Schwerpunkte etwas anders. Boots Riley von The Coup in einer Stellungnahme: Die Absicht war, das World Trade Centre als Symbol des Kapitalismus zu benutzen und keinesfalls als realistische Darstellung. Es ist das Babylon Burning, eine Forderung, deren vorzeitiger Vorgeschmack auf Erfüllung allerdings den größten Teil ihrer Propagandisten etwas überfordern dürfte. Aber sorry, Leute, so wird es wohl aussehen, wenn Babylon wirklich brennt. Für islamistische Hardliner (an denen es in der Öffentlichkeit so sehr mangelt, daß die Bilder der feiernden Palästinenser in den besetzten Gebieten dafür herhalten mußten. Bilder, von denen in email-Rundbriefen bereits bezweifelt wird, ob sie tatsächlich aus diesem Jahr stammen und nicht von 1991) ist es darüber hinaus das Zentrum der halluzinierten jüdischen Weltverschwörung. Gerade für Rapper, die dem immer wieder mehr oder weniger entschlossen aufgesessen sind, gibt es da möglicherweise etwas Nachholbedarf, ihr Positionen zu überprüfen. Schon um solche Diskussionen führen zu können, das Bewußtsein dafür zu schärfen, daß Frontlinien dieses Krieges auch durch die amerikanische Gesellschaft verlaufen, wäre das Cover in einer besseren Welt unverändert veröffentlicht worden. Nicht verzichten darf ich an dieser Stelle auf zwei Alben, die mit Party Music um den Rang der Hip-Hop-Scheibe des Jahres konkurrieren: das Album von Cannibal Ox, nach dem Ende von Company Flow, El-Ps neues Lieblingsprojekt, ist schon draußen und wie erwartet die Wucht in Tüten. Afro-Techno-Future-Hip-Hop mit den verquastesten Metaphern und den erdigsten Breakbomben der Saison. Wer das Ding nicht schon als Import an Land gezogen hat, kann noch mal loslaufen ... und bei der Gelegenheit gleich nach der zweiten Roots Manuva Ausschau halten: Im vergangenen Jahr als Gast bei 23 Skiddoo, Leftfield und tausendundeinem Ninja-Tune dabei, ist das hier sein wirklich gigantischer Wurf: Ragga-getränkte Riddims, Vocals wie Balsam und jedes Stück ein Hit. ][ mandel |
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