OUK das vierund30ste ± auf & davon ± Dez 01/Jan 02 metro area

Metro area

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Wohnzimmer und Tanzflur

Disco. House. Funk. Soul. Techno. Whatever. Viel wird den beiden sympathischen jungen Herren von Metro Area attestiert, seit Morgan Geist und Darshan Jesrani mit ihrer Metro Area Serie auf Environ Records ins Rampenlicht getreten sind. Noch mehr wird geredet und gedacht über diese Musik aus New Jersey; einem Teil der amerikanischen Ostküste, der sonst eher mit einer ganz anderen Version von Tanzmusik in Verbindung gebracht wird. Gelungen ist ihnen jedenfalls eines ganz bestimmt: quer durch die Reihen der hermetisch voneinander abgeriegelten Subgenres macht sich Begeisterung für ein Projekt breit, das ins formelhafte Treiben so etwas wie Freshness zurückbringt.

Musik

Die Platten von Metro Area wollen allerhand sein, nur nicht langweilig. Mit einfachsten Mitteln wird der orchestrale Geist von Disco geatmet und zugleich eine extreme Soundverliebtheit an den Tag gelegt. Dabei erinnern Tracks wie “The Art of Hot” eher an Dub Mixe auf B-Seiten der frühen 80er als an den Salsoul Cinemascope-Sound der 70er. Wem jetzt widerliche Acid-Jazz- oder sonstige Fusion-Manierismen in den Sinn kommen, der darf sich wieder beruhigen. Mit irgendwelchen rückwärtsgerichteten Authentizitätsverrenkungen hat hier niemand etwas im Sinn. Es geht eher um ein Aufbrechen starrer Formen und das Ausloten neuer Möglichkeiten - neuer Wein in alten Schläuchen. Seltsamerweise zeigen sich davon auch Konzept-Technotheoretiker beeindruckt und proben den Schulterschluß mit Deutschlands fabelhaftesten House-DJs. Dabei kann sich hierzulande doch keiner mehr an ein Phänomen namens Disco erinnern, das auch abseits der ausgetretenen Travolta-Pfade funktionierte. Jedenfalls hat noch keiner etwas davon erzählt.

Einwirkungen

Wie dem auch sei, Morgan Geist und Darshan Jesrani sind auch nicht gerade dokumentenecht. Zumindest bezüglich ihrer musikalischen Beziehung zu den goldenen Zeiten afroamerikanisch geprägter Tanzmusik. Als die Paradise Garage ihre Pforten schloß, waren beide gerade mal dem Grundschulalter entwachsen und haben insofern nichts vom süßen Nektar der angeblich so ausschweifenden Dekade gekostet. Unberührt gelassen hat sie diese Zeit jedoch nicht völlig: “Als Kind hörte ich viel Kiss FM und die damalige Version von R&B. Die ganzen Mastermixes von Shep Pettibone. Jocelyn Brown ‚Somebody Else’s Guy’ auf Prelude oder frühen Hip Hop wie Globe and Whiz Kid ‚Play That Beat’. Diese Mischung aus Drum Machine Tracks und klassischer Tanzmusik hat mich fasziniert. Eigentlich habe ich mir solche Sachen bis zur High School angehört, von da an nahm ich eher College Radio wahr. Ich konnte aber zunächst irgendwie keine Verbindung zwischen dem dort viel gespielten EBM und Acidhouse und der Musik herstellen, die ich als Kind mochte. Die Orte Chicago und Detroit waren musikalisch nonexistent. Ich dachte, daß House und Techno nur Übersee-Produktionen sind (Darshan).” Für Morgan verlief die Entwicklung interessanterweise genau in die entgegengesetzte Richtung: “Obwohl unsere musikalische Sozialisation fast beängstigend ähnlich ist, habe ich im Gegensatz zu Darshan viel mehr elektronische Musik gehört als, sagen wir, Hip Hop und R&B. Oder viel früher sogar Top 40 Zeug. New Wave Acts wie Devo oder die B-52´s waren auch sehr wichtig für mich. Musik auf Labels wie Supertronics, Prelude oder West End habe ich erst sehr viel später entdeckt. Da hatte ich Stationen wie EBM, Detroit Techno und Chicago House schon längst abgehakt.” Rückwärtsgewandt durch die Zeit: “Ich bin eigentlich eher durch Zufall mit der Vergangenheit New Yorks in Berührung gekommen. Z.B. habe ich das ganze West End Zeug so um `93 in Boston gekauft. Meine Freundin lebte damals dort. Es war irgendwie ein seltsamer Vorgang, durch diese Platten zu entdecken, was die Vergangenheit zu bieten hatte (Morgan).” Morgan, der schon eine rege Discografie in Bezug auf Techno-Soul vorzuweisen hat (Album auf Clear und zahlreiche Produktionen auf Fragmented, Dan Curtin´s Metamorphic oder dem eigenen Environ Outlet), stürzte sich ungefähr zur gleichen Zeit wie Kollege Darshan ins aktive Clubleben: allerdings in Cleveland, Ohio und nicht in New York. “Wenn es ums Ausgehen geht, mußt du mit Darshan reden. Meine Erfahrung als Clubkid beschränken sich größtenteils auf den Mittleren Westen. Dan Curtin legte Trax, DBX, Kraftwerk und alle diese Sachen auf. Es war wirklich aufregend für mich und sozusagen die Antithese von dem was ich über Musik dachte. Kein “höher, schneller, weiter”. Je reduzierter und abgespeckter die Tracks waren, desto mehr Aufmerksamkeit erhaschten sie. Platten von Wayne Gardiner und Pal Joey wurden mit Egyptian Lover, Rhythm is Rhythm und Booty Tracks gemixt. Das war sehr erfrischend.” Bekanntschaft mit den Sagengestalten Detroits machte Geist übrigens auch: “Manchmal sind wir nach Detroit gefahren, um Eddie Fowlkes, Derrick May und Juan Atkins zu hören. Es machte Spaß diese Leute in kleinen Bars zu sehen, wo sie für ein kleines Publikum auflegten. Juan Atkins spielte z.B. immer viel House und mixte holprig ...ha, ha, ha. Es war toll zu sehen, daß er auch nur ein Mensch ist und manchmal so mixt wie ich es tue ... ha, ha.” Darshan stolperte etwa zur gleichen Zeit in New York über einen Club namens Sugar Babes: “Das war so zum Ende meiner Collegezeit hin. Ich hatte Prescription Records für mich entdeckt und zum ersten Mal zu House getanzt. Der DJ hieß Troy Parrish und war ein wirklich guter Techniker. Wenn er auflegte, hatte er immer einen Drummer dabei, der dazu spielte. Für mich war dies die Zeit, in der ich wirklich das Feeling von Housemusik bekam.”
Produktion

Morgan und Darshan, die sich übrigens über das Internet auf einem Message Board das erstemal begegneten, bevor ein gemeinsamer Freund sie einander vorstellte, pflegen einen ausgeglichenen und harmonischen Umgang miteinander, wenn es an den gemeinsamen Produktionsvorgang geht: “Manchmal fängt es damit an, daß wir einfach zusammen jammen (Morgan). Oder Morgan gibt mir ein paar Sachen, mit denen ich arbeiten soll. Meistens ein Bündel von Ideen. Manchmal haben wir auch schon eine Form und gießen die nur zusammen aus (Darshan).” Die Gastmusiker auf ihren Alben oder besser die “richtigen” Musiker, sind übrigens allesamt Freunde der beiden: “Wir ‚benutzten’ unsere Freunde, um die Streicher o. ä. zu spielen. Wir mögen es, wirkliche Live-Elemente zu inkorporieren. Unsere Tracks repräsentieren einfach das, was wir an Musik mögen (Darshan).” Klar, daß sich die Ambitionen der beiden nicht auf die Herstellung von Tracks beschränkt, die ausschließlich im Club funktionieren sollen: “Wir wollen für die Clubs zwar weiterhin Maxis rausbringen, aber ein Album ist sozusagen das große Ziel (Darshan). Wir denken jetzt seit über zwei Jahren über ein Album nach. Es wird kommen. Unser Ziel ist es, Musik zu machen, die beständig ist. Nicht nur rein funktional, sondern hörenswerte Sachen. Das Album und die 12inches werden relativ ähnlich sein. Es ist nett, wenn Sachen auf dem Tanzboden funktionieren, aber man sollte sich davon nicht abhängig machen. Laß die Funktion der Form folgen, nicht die Form der Funktion. Gute Songs sind wichtig. Mach es funky (Morgan). Meistens haben wir drei Tracks und bei einem stellt sich heraus ‚Oh, das ist ein guter Dance Track, der muß auf die lange Seite’ (Darshan). Mann, keiner dieser Tracks ist im eigentlichen Sinne ein Dance Track. Die sind einfach verdammt weird. Wir machen Musik und die Leute tanzen dazu (Morgan).”

Aufsehen

Die Aufmerksamkeit und Beachtung die den beiden v.a. aufgrund des dritten Metro Area Artikels zuteil wurde, läßt weder den eher stillen und introvertierten Morgan, noch den lebhafteren Darshan unbeeindruckt. Geehrt und geschmeichelt fühle man sich von den Lobbekundungen aller möglichen aktuellen Postillen für elektronische Musik, Kultur und Lebensaspekte. Da lässt sich die Diskrepanz zwischen Lobhudeleien und wirklicher Präsenz gut verschmerzen. Hüben wie drüben. “Im Club habe ich unsere Platten noch nie gehört. Leute haben mir nur davon erzählt, daß sie unsere Platten auf Parties gehört haben. Aber nicht auf den “großen” Floors (Darshan).” Dieser nüchternen Betrachtungsweise verdanken die beiden auch ihre Ablehnung gegen Zugehörigkeitsaussagen, Teil einer wie auch immer gearteter Szenekultur zu sein. Morgan ist da konsequent und klingt wie ein gebranntes Kind: “Mir ist es egal, ob ich Teil einer Szene, Subkultur oder sonst etwas bin oder nicht. Du solltest tun, was du fühlst. Eine Zeit lang folgen dir die Leute einer bestimmten Gruppierung und im nächsten Moment, wenn du etwas neues ausprobierst, lassen sie dich fallen wie eine heiße Kartoffel.” Mitstreiter und Vielausgeher Darshan gibt sich diesbezüglich ein wenig kompromissbereiter: “Persönlich würde ich schon sehr gerne öfter und v.a. in einigen bestimmten Clubs in New York deejayen, aber ich kenne die meisten der federführenden Leute nicht sehr gut. Ich möchte, daß das durch einen natürlichen Prozeß entsteht. Vielleicht mag jemand dieser Leute unsere Platten und lädt uns mal ein.” Verwundert hat es sie nicht, daß der Durchschnitts-DJ aus dem großen Apfel trotz Dancetracks Präsenz nicht so richtig mit Metro Area warmgeworden ist. Dann schon eher einige Techno-Repräsentanten und Leftfield-House-DJs ... Ein Umstand, den Morgan mit einem “good to see different people like it” quittiert und den auch Darshan so sieht: “Für unsere Mentalität bzw. für meine ist der Grundgedanke von Hip Hop immens wichtig. Dieses ‚not doing the same shit all the time over and over again’. Ist ja auch fast schon eine Punk-Attitüde. Du kannst z.B. morgens ins Shelter gehen und hörst Timmy Regisford, wie er wirklich sehr kreativ mit Musik umgeht und ein breites Spektrum an verschiedenen Sachen spielt. Ebenso Timmy Richardson, der jeden Freitag im 2is auflegt. Aber während der Peak Hour ist es auf den meisten Floors in New York sehr ‚sicher’. Niemand will sich zu weit aus dem Fenster lehnen, obwohl es massenweise DJs mit einem guten Bewußtsein und einer ebensolchen Plattensammlung gibt.”

Disco

Metro Area geben ihre Lieblingsstücke aus der Disco-Ära zum besten.

Atmosphear “Disco Strut”
Cloud One “Disco Juice”
Barbara Mason “Another Man”
Visual “The Music Got Me”
El Coco “Cocomotion
Kashif “Baby, Don´t Break Your Baby´s Heart”
Change “Miracle”
Jimmy Castor Bunch “Party People”
Exodus “Forever Together”

http://www.environrecords.com

][ janson


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