OUK das vierund30ste ± auf & davon ± Dez 01/Jan 02 gespaltene töne

Nookie - in@thedeepend - Good Looking
Nach vielen Jahren als Drum’n’Bass-Producer und zahllosen Veröffentlichungen auf renommierten Labels wie Reinforced oder Moving Shadow, ist es um den in England lebenden Nookie aka Cloud Nine doch recht ruhig geworden. Diese Wochen kommt nun sein erstes Album in die Läden. Bei Good Looking hat er scheinbar sein neues künstlerisches Zuhause gefunden. Wenig verwunderlich klingen diese neun Tracks denn auch als durchaus repräsentativ für den Sound um Labelmacher LTJ Bukeem und suchen eine Hörerschaft seinesgleichen. Sphärische, weit anmutende Flächen, gepaart mit Geräuschen aus der virtuellen Natur, fliegen neben souligen Frauenvocals und eher einfach gehaltenem Beatarrangement in der Rhythmik des Drum’n’Bass durch die Gefilde. Dabei lädt diese süße Fusion im Moment des Fliegens doch eher zum Zuhören, als zum Tanzen in der jeweiligen Realität ein. Auf jeden Fall gemütliche Tracks für kalte Wintertage. Zu erwähnen ist noch der Gastsprechgesang von Label-MC DRS bei „Punish The Vibe“ und der durchaus gelungene Garage Track “My Lovin“ mit Ebony Simone im Good Looking Style. Mein Favourite ist allerdings “Natural Experience“. Enjoy. ][ tellme oh!

Polar - Still Moving - Certificate 18
Schon mit seinem ersten Mini-Album „37°C and falling“ manifestierte Polar seine Ausnahmestellung im Drum’n’Bass-Bereich. Selbst wenn man nicht wußte, daß dieser junge Mann aus Norwegen kam, spürte man schon damals die endlos weiten Landschaften, über die man mit einer gewissen selbstverständlichen Warmherzigkeit entlangglitt und die Eiseskälte zwar spürte, aber ignorierte. „Still Moving“ befindet sich immer noch in gleicher Umlaufbahn. Details werden zunehmend wichtiger und Grenzen neu ausgelotet. Runde, greifbare Arrangements, die wirkungsvoll in Szene gesetzt sind. Mal minimalistisch funky, mal komplex krank, aber immer am Puls des Zuhörers. Man mag es sich kaum vorstellen, aber selbst das Erbe Aphex Twins möchte er antreten („Nascent Dream“). Interessant immer wieder der Einsatz der menschlichen Stimme, den man erst beim zweiten Hinhören erkennt. Nur sehr kurze Fetzen werden teilweise stakkato-artig angeordnet. Eiszapfen regnen vom Himmel, samtweiche Flocken schneien auf dein Haupt. Blumige Phantasiewelten entstehen plötzlich aus dem Nichts. Und immer wieder schafft es Polar so einen kleinen, aber für die Drum’n’Bass-Szene eminent wichtigen Meilenstein aus dem Ärmel zu zaubern: „Inside The Plot“. DAS ist der Future Sound Of Jazz, Funk, Soul oder sonst irgendwas. The most underrated (Drum’n’Bass-)Producer. Leider immer noch. ][ lightwood

Kerri Chandler - 10 Years Of Madhouse - Madhouse
In einem Punkt darf den Linernotes dieser Compilation uneingeschränkt zugestimmt werden: Kerri „Kaoz 6:23“ Chandler ist eine Institution. Der Mann hat tatsächlich als 15-jähriger angefangen, Musik auf Labels wie Movin, Champion oder auch Atlantic zu veröffentlichen und sich als Discjockey zu verdingen. Nebst seines ausgesprochen außergewöhnlichen Talents kam ihm dabei natürlich zu guten Teilen die sprichwörtlichen Nachbarschaft zu DJs wie Tony Humphries, Kenny Carpenter oder auch Dave Camacho zugute - den gern als Koketterie verwendeten Begriff New Jersey darf man hier ausnahmsweise mal wörtlich nehmen. Zwischen tiefergelegten Dubs und himmelhochjauchzenden Gesangsgerüsten hat Kerri Chandler - immer mit einer dicken Extraportion Bass versehen - wohl so ziemlich jedes Feld beackert, das der gepflegte 4/4-Takt hergibt. Gleiches gilt für die Plattformen seiner Verrichtungen: kaum ein Label aus Übersee, das nicht in den Genuss eines Chandler-Bassline gekommen wäre. Alle aufzuzählen würde hier wahrlich den Rahmen sprengen. So ein Mahlefitzkerl stellt sich natürlich nicht nur als Bittsteller hinten an, sondern bringt auch sein eigenes Unternehmen an den Start. In seinem Fall war dies an erster Stelle – neben den eher nebenbei betriebenen Seitenarmen 11:07 Presentations und Bassmental - Madhouse Records. Matrix „Get Out“, Dreamer G „I Got that Feelin“ oder die Panic EP zählen zu den Großtaten auf dem Label mit dem Zwangsjacken-Character und sind allesamt auch auf dieser Dekadenschau vertreten, die nach „A Basement, a Red Light and a Feeling“ wohl schon die zweite ihrer Art ist und in gewohnter Weise keinen Stein auf dem anderen läßt. Christopher McCray und Dee Dee Brave streiten sich mit „Why You Wanna Do This To Me“ respektive „My Lover“ um den Titel der herzzerreißentsten Darbietungen in Sachen unerfüllter Liebe und auch sonst werden Feinde der menschlichen Stimme hier wenig Grund zur Freude finden. Die hessische New Jersey-Appreciation-Society empfiehlt jedenfalls dringend den käuflichen Erwerb, bevor man die nächsten zehn Jahre auf einen würdigen Nachfolger wartet. ][ janson

Beatless - Life Mirrors - Ubiquity
Zahlreiche Alben konkurrieren in diesen Monaten um die Gunst des Käufers und veranschaulichen den Philosophiewechsel in den Köpfen der Künstler und Labelbetreiber: nicht mehr die Maxi-EP für den DJ steht im Vordergrund, sondern der Künstler, seine Auffassung von Musik und sein Können, dieses einem größeren Publikum mitteilen zu können - im Album-Format eben. Mit „Life Mirrors“ erscheint nun also auch Alex Attias’ und Paul Martins erstes Album unter dem Projektnamen „Beatless“ und verzückt vom ersten Moment an mit maßgeschneiderten Soulperlen im futuristischen Gewand des 21. Jahrhunderts. Weinende Synthesizer, brummende Bässe und trockene Drums sorgen selbst im gemütlichen Wohnzimmersessel für Hüftbewegungen. Deutlich reduzierter als anderes Material von Alex Attias experimentieren die beiden hier mal mit Mischungen aus souligem Gesang in Rare-Groove-Format, mal mit flinken Percussionen, hymnenartigen House-Nummern oder gar mit einem modernisierten Remake von Aaron Melvilles Klassiker „Hercules“. Vor allem aber beugen sie mit viel Abwechslung der Langeweile vor - HipHop, R’n’B, Rare Groove, House, Broken Beats... alles hier vorhanden. ][ mb

Up, Bustle And Out & Richard Egües Master Sessions 2 - Calle 23, Havana - Ninja Tune
Als Groove-Akrobaten mit kurzer Konzentrationsspanne sind Up, Bustle & Out bisher auf Ninja Tune-Compilations angenehm, aber nicht nachhaltig aufgefallen, der Kauf einer LP schien nicht notwendig. Wer jetzt, bei den Master Sessions 2 zuschlägt, sollte sich darauf gefaßt machen, es eigentlich mit zwei Platten zu tun zu haben: einer konventionellen, bei der Miles-Davis-Hommage, ein schöner Dub (Sane Men Sourround) und Londoner Beat-Flexing im Vordergrund stehen. Auf der anderen Seite haben wir die auf Kuba aufgenommenen Stücke, die nicht einfach von kubanischer Musik inspiriert sind, es handelt sich schlicht und einfach um kubanische Musik. Solche, die heute gerne von den einschlägigen Compilation-Machern aufgesammelt wird, die im Spülwasser des Buena Vista Social Clubs eine schnelle Mark machen wollen. Aber auch die Musik, die einen immer wieder, ob da nun Gonzalo Rubalcana spielt, Carlos Puebla (der Komponist des berühmten “Hasta Siempre Commandante”) oder Compay Segundo, berührt, die eine so eigene rhythmische Charakteristik hat, wie man sie in Deutschland aus nur mit Neid bzw. Bewunderung betrachten kann (da die lokale Entsprechung der Marschrhythmus zu sein scheint). Das Problem: beide Seiten der Platte finden nicht recht zueinander, der eine Teil klingt einfach schnafte produziert und nach Ninja Tune, der andere nach Field Recordings ohne eigenen Input. Kommunikation? Eher im touristischen Sinne. ][ mandel

VA - Dublab presents: Freeways - Emperor Norton Records
Auf satten (von Efa vertriebenen) 66 CD-Minuten oder zwei 12inches präsentiert Dublab.com, 1999 mit dem Ziel gegründet, per Web-Stream auf DJ- und Live-Sets passend zum Motto „A positive driven lifestyle“ zugreifen zu können, Tracks von „bedroom producers“, die alle in Los Angeles beheimatet sind und dortige „Nischen der Schönheit und des Wohlklangs“ (Label-Info) besetzen. Ein Blick auf die andere Seite dieser Metropole sozusagen, auf der die „gemeinsame Vision einer neuen Form musikalischer Gemeinschaft ..., deren Grundlagen auf kreativem Ausdruck sowie Lehre und auf freiem Denken beruhen“ (dto), dargestellt werden soll. In der Praxis sind dies mehr (daedelus, mia doi todd, john tejada, skull valley) oder (zumindest mir) weniger bekannte Acts (wobei sich bei diesen aufgrund der Exklusivität der beigesteuerten Tracks z.T. vertrautere Namen hinter neuen Pseudonymen verstecken [z.B. Yesterday’s New Quintet aka Quasimoto]), die sich im weitgefächerten Dunstkreis moderner Dub-Lounge-NuJazz-Elektronik bewegen, dabei jedoch von den (z.T. ja wirklich hinreichend) bekannten Mustern ihrer europäischen Vertreter hörbar abweichen. Die im meist getragenen Tempo gehaltenen Stücke (mit und ohne Vocals) wirken trotz durchaus vorhandenen Synkopen-Reichtums fast statisch (Ausnahme: der Clubhit „digital, version 2.1“ von mia doi todd) und zimmern ihre Spannungsbögen kaum mit percussiven Links oder ausgeklügelten Melodielinien, sondern mit einer manisch intensiver werdenden, monotonen Sound-Sphärik eigenwilliger Akzentuierungen, ungewöhnlicher Einsprengsel und neuartig klingender Sound-„Instrumentier“-Kombinationen. Die Tracks ruhen mehr in sich (ohne allerdings auf einen Grundrhythmus zu verzichten) als daß sie einer climaxorientierten Dynamik folgten, wobei anfangs harmonisch konventionelle (wenn auch nicht gerade eingängige), teils sogar folkige (akustische Gitarre) Momente vorherrschen, während im weiteren Verlauf geräuschigere Passagen zunehmen. Die durchweg soliden Umsetzungen der jeweils klar erkennbaren konzeptionellen Vorgaben überzeugen nach (manchmal sehr wohl notwendigem) mehrmaligem Anhören mehrheitlich, wobei man sich in der einen musikalisch geschaffenen Aura mehr, in der anderen weniger wohlfühlen mag. ][ hve

VA - Enforcers: Battle Of The Breaks - Reinforced
Yes. Die alten Rude Boys sind wieder an der Macht. Was 4hero zugute kam, ging dem Label jedoch verloren: der Freistil. So entwickelte sich Reinforced in jüngster Vergangenheit Stück für Stück zum konsensfähigen Partylabel. Aber da die Oldschool-Wellen wie Blätter von den Bäumen fallen oder besser gesagt: peitschen, paßt das ja auch wieder irgendwo zu Reinforced. So geziemt es sich richtigen Oldschool zu bieten und man läßt infolgedessen Klassiker wie „Better Place“, „Here Come The Drums“, „She’s Gone“ und „Hardcore Junglism“ einfach im neuen-alten Kleid erscheinen. Hochkarätige Berater wie u. a. Total Science und M.I.S.T. ließ man einfliegen um die eigene Riege zu verstärken und die Doppel-12“-Picturedisc in eigenem Glanze erstrahlen zu lassen. Vier Remixe, die alles irgendwie ins Extreme ziehen, so daß kein anderer die Chance haben wird, besseren Nu-Oldschool darzubieten. Lediglich M.I.S.T. (wer sich dahinter wohl verbirgt?...;)...) tanzt aus der Reihe, nämlich in seine eigene Reihe und das ist auch gut so. Doch das ist noch nicht alles. Zahlreiche weitere Helden vollbringen einzigartige Taten in ihren gegebenen Dimensionen: Alpha Omega, der immer frischer zu wirken scheint; Bug Nyne, dessen letzte 12“ leider nicht so überzeugend war wie sein Beitrag hier; Lemon D mit einem überflüssigen Track; Digital, der hier herrlich leicht beschwingt um sich greift; Randall & Flex mit MC Fats, die seit ihrer EP auf Reinforced ihre Messer wieder feiner schleifen, um gemütlich bis anspruchsvoll durch den Kräutergarten zu steppen; Sonic & Silver, die mal wieder nach Digital klingen; Syntax, der ein richtig deepes Highlight beisteuert; Special Touch, der komischerweise auch nach Digital klingt und Genotype, den man eigentlich lieber ignorieren möchte, weil hier ganz schlecht. And the beat goes on and on and... ][ lightwood

Club Off Chaos - Par Et Impar - Eternity
Unprogrammiert, aufeinander abgestimmt und mit viel Gefühl für Rhythmik präsentiert sich auf der dritten Veröffentlichung das CAN Solo-Projekt um Jaki Liebezeit. Schon vor Jahren auf CAN-Veröffentlichungen erfreuten sich die Ohrmuscheln wenn “Monster Movie” oder “Soundtracks” einen hypnotischen Strudel um ein fast schon maschinell gespieltes, modifiziertes Schlagzeug wachsen ließen. Wie bei indonesischer Gamelanmusik gesellen sich die selbstkonstruierten Instrumente und analoge Synthesizer von Dirk Herweg und Boris Polonski - verwoben und weitflächig. Ein humorvoller Trip durch verschiedenste Musikära-Anklänge. Nichts wirklich neues, dafür angefüllt mit eigener Persönlichkeit. Geradlinige Beats von Drum´N´Bass über NewWave bis hin zu Spacerock als Leitfaden. Vertraute Musik, die doch so anders ist. Für was noch ein klar definiertes Programm, wenn Musiker so aufeinander abgestimmt ihre Geräte intuitiv bedienen können. Für alle, die unter anderem auch das Konzert in Frankfurts Jahrhunderthalle (ouk 019) verpaßt haben: als Bonus die ganze zweite CD. Live aufgenommen in elektronische Klänge gefasste Authentizität. ][ g

Fog - Fog - Ninja Tune
Freestyle Musik aus Kalifornien ist ja, wenn mich jemand danach fragen würde, der Trend des Jahres. Zwei Dinge gibt es dort offenbar reichlich: gute Turntablists und ein unaustreibbares Hippie-Feeling. Dazu gesellt sich in den letzten Monaten eine auffallende Hinwendung zu obskuren Abstraktionsstufen von Hip-Hop. Die jüngst erschienen dublab-Compilation und das ebenfalls via UK veröffentlichte Debut der mysteriösen clouddead sind gute Beispiele für diese unerwartete Mischung. Clouddead waren es auch, die das Ninja-Headquarter auf den jungen Mann mit dem Alias Fog aufmerksam machten. Mit seinem Debüt gelingt ihm das Kunsstück, einen eigenständigen Sound kreiert zu haben, ein gebrochenes Songwriting mit Knister-Atmos, virtuosen und ganz und gar nicht battle-klischeehaften Scratches, Akustikgitarren, einem Gastauftritt von clouddead und einigen Ausflügen in Rock. Als Soundreferenzen könnte man - subjektive Einschätzung - Kid Koala, Tommy Guerrero, Soul Asylum und Cypress Hill nennen. Wobei sich vermutlich jeder davon vor Stolz in die Hose machen würde, wenn ihm so ein Platte gelungen wäre. ][ mandel

The New Mastersounds - dto. - Deep Funk
Londons Funkgemeinde wächst und wächst und erste Kritik regt sich ob der neuen Veröffentlichungspolitik von Seiten Keb Darge und BBE. Die beiden wollen nämlich ihre Deep-Funk-Releases nicht mehr als 7“-Singles, sondern auf 12“-Maxi-Vinyl veröffentlichen. Sehr zum Ärger des Connaisseurs. Indessen veröffentlichen die „New Mastersounds“ ihr erstes Album und zeigen auf, daß sie sich intensivst mit der Soundästhetik und dem Zusammenspiel einzelner Instrumente der damaligen Zeit befaßt haben. Ein unwahrscheinlich dichtes, kraftvolles Schlagzeug untermalt treibend Hammond, Gitarre und Bläser, wobei gerade Bob Birch an der Hammond zeigt, daß er im Stande ist, einer alten B3 grandiose Sounds zu entlocken. Mit diesem Album erwartet einen also früh-siebziger Funk in reinster Form, wobei besonders die originäre Version von NuYorican-Souls „Nervous Track“ für Begeisterung sorgt. ][ mb

Koop - Waltz for Koop & Summer Sun Remixe - beide JCR
JCR erweitern beharrlich ihr musikalisches Spektrum mit „Waltz for Koop“ ein für den an Clubmusik gewöhnten Hörer ein geradezu unorthodoxes Album. Schwungvoll, stilvoll und beswingt befinden sich Magnus Zingmark und Oscar Simonsson musikalisch gesehen in längst vergangenen Zeiten. Elsie Bianchi, Miles Davies, Dorothy Ashby und die Novi Singers sind Namen, die einem als erstes in Erinnerung springen, womit dieses Album vielmehr im Kontext der bereits auf JCR erschienenen Jazz-Sampler zu sehen ist. Die Remixe dagegen finden wieder den Weg zurück in den (elektronischen) Club. Vor allem Richard Dorfmeisters Interpretation von „Summer Sun“ besticht durch den kratzenden Kontrabasslauf in bester Zero-dB-Manier. ][ mb

VA - Annex 4 - Tresor
Eine gelungene Zusammenstellung im 76-min-CD-Format, auf der eines der wichtigsten deutschen Techno-Labels Tracks präsentiert, die in den Jahren 2000/01 auf EPs und Alben nur als Vinyl erschienen, bzw., als aktueller Vorgriff sozusagen, erst im Winter oder 2002 veröffentlicht werden sollen. Als Kollektion für „home listener“ oder auch für DJs konzipiert, die sich Hinweise darauf erhoffen, welche Tresor-Stücke unbedingt Bestandteile des eigenen Sets sein sollten, findet sich der eine oder andere Insidern bereits bekannte Clubhit genauso darunter wie vielleicht übersehenes, vergessenes und natürlich auch brandneues Material (u.a. von Tobias Schmidt und Drexciya). In gewisser Hinsicht also eine zeitnahe, dem breiteren Publikum (distributorisch) problemlos zugängliche Werkschau der auf diesem Label beheimateten Spielarten von Techno (u.a. mit Stewart S. Walker, Dave Tarrida, Neil Landstrumm, Subhead, Ben Sims, The Advent, Fumiya Tanaka oder Matthew Herbert). Dabei ist die Gangart überwiegend hart gehalten, wobei das Spektrum sowohl treibende Tracks als auch Industrial-Sound- und Electro-80‘s-beeinflußte Klangfarben umfaßt. Für Techno-Freunde, die an aktueller musikalischer Entwicklung und elektronischer Kompetenz fernab von anbiedernden Oberflächlichkeiten interessiert sind, sicherlich ein wertvoller Sampler. ][ hve

Marvin Ayres - Neptune - Parade Amoureuse
Eine musikalische Reise in die Kompositionswelten endlos entspannender Strings. Ausschließlich auf Solo-Cello und Violinen beschränkt, gleitet man während der zehn Stücke durch Ozeane der Gefühlswallungen. Weich eingebettet in eine klassifizierte Ambientwelt. Der Soundtrack zum eigenen Film im Kopf. Unterschiedlichste Stimmungen keimen auf und verebben wieder in der Entspanntheit des angenehmen Klangs. Eine Komposition die weitab von Stress und Hecktick eine Oase zum Träumen, zum Denken und Genießen gedeihen läßt. ][ g

VA - Vikter Duplaix DJ-Kicks - !K7
Nächster Teil der hinlänglich bekannten Compilationreihe, diesmal zusammengestellt von Philadelphias Hoffnungskind Vikter Duplaix. Gleich vorweg: Das Schönste an dieser CD sind die Übergänge. Nicht künstlich, digital gemixt, sondern mehr gecuttet, manchmal mit kleinen Effektspielereien versehen und wirklich für ein bißchen Clubatmosphäre sorgend. Vikter läßt seine gelungene Aneinanderreihung bekannter Stücke von einer billigen Computerstimme, wie man sie erstmals mit dem Erwerb eines Amiga-Computers erschaffen konnte, begleiten und sorgt somit für weitere Eleganz bei den Übergängen. Viel Phusion, ein wenig Latin und natürlich jede Menge „Soul“ in Form von u. a. Herbert, P’taah, Waiwan oder Spacek sorgen sowohl für Aktualität als auch für Hörgenuß.
][ mb

Thetaphi - Chronic - New Line Deluxe
Sie werden uns immer öfters begegnen: Drum’n’Bass-Longplayer aus deutschen Landen. Spannend wird es, wenn auf einmal ein neues Label auftaucht, mit einem neuen Act, der gleich elf Tracks abliefert. Thetaphi ist so ein Act. Auffallend ist zunächst die Eigenständigkeit der Tracks im einzelnen sowohl auch der CD im gesamten. Es erwarten den Zuhörer weniger Tracks als viel mehr Soundcollagen, die in einen Drum’n’Bass-Kontext eingearbeitet worden sind. Schaurige Choräle, cineastisch anmutende Sounds, grummelnde Kelleratmosphären, verzogene Saxophonsprengsel, melodisches Bienen-Surren, schwere Industrie-maschinerien, orientalische Harmonien. Wahrhaftig wird ein breites Feld an möglichen Soundlandschaften abgedeckt. Liebe zum Detail macht sich deutlich bemerkbar. Die Beats erscheinen streckenweise eher als Mittel zum Zweck, nämlich Drum’n’Bass zu offerieren. Ein wenig angestaubt oder einfach nur gewollt oldschoolig? Die Bässe drücken auch noch nicht wirklich in den Magen und können noch ein paar Zentner vertragen. Eines haben Thetaphi zumindest im Kern erfaßt: Drum’n’Bass in seiner multivariablen Kompatibilität zu nutzen. Das schafft nicht einmal so manch einer der UK-Top-Producer. Erwähnt werden muß unbedingt noch das gelungene Cover-Artwork und die gelungene Webseite: www.thetaphi.net. Ausschau halten! Thetaphi wird interessant bleiben. ][ lightwood

VA - Aphrodisiac III - Infracom!
Eva Gardner, die umtriebige Pariser Dame, die laut CD-Beipackzettel sehr wohl weiß, was sie da tut - ob es jemand bestritten hat, wissen wir nicht - meldet sich mit einer weiteren Ausgabe ihrer aphrodisierenden Zusammenstellung aus deepen, warmen Clubtracks zurück. Zwölf Stücke lang versammelt sich hier namhaftes und meist bekanntes: Freestylman, Simone Seritella, Taxi ... Namen, die für sich stehen. Besonderen Reiz entfacht neben den bislang drei unveröffentlichten Tracks vor allem die Tatsache, daß sich ein Großteil der Stücke im Downtempo-Bereich aufhält, was in heutigen Zeiten geradezu bemerkenswert ist. ][ mb

Tweak - Hybrid Organics - Straight Ahead
Man hört es dieser Platte durchaus an, daß ihr Produzent Musik studiert und jahrelang Filmmusik produziert hat. Elektronisch orchestral leitet Cyril Böhler aka Tweak vieler seiner Stücke ein, plaziert gekonnt die einzelnen Instrumente im Raum und sorgt vor allem mit trickreichen Kontrabaß-Percussion-Konstellationen für ein ordentliches Groove-Fundament. Liebevoll versteckt er die kleinen Details, die seine diversen Musiker für ihn eingespielt haben, in komplexen, aber stets konkreten Arrangements. So wirkt das Free-Jazz-Stück „Nocturne“ genauso begeisternd und tanzfreudig wie die Klassiker „Fathorn“ und „Woodworm“, die wiederum genauso gefühlvoll produziert sind, wie die Soul-Ballade „Blood of Trust“. ][ mb

VA - Der Elektronische Sonntag - Tellerrand Musik
Leipzig hat einen Wohnzimmerclub: Ilses Erika. Was sich da einmal im Monat bei „Der Elektronische Sonntag“ abspielt, können wir nach Anhören dieser Compilation besser fassen. Nämlich daß Leipzig allergrößtes Potential im Bereich feiner, loungiger, elektronischer Musik besitzt. Diese CD überzeugt bereits mit nur elf Tracks. Bisher nahezu unbekannte Acts (Wanderer, Booga ...), teilweise deutsche Tracktitel und frischer Sound. Da weiß man gar nicht wo man anfangen soll. Und das Namensspiel geht weiter: Alaska Hardware. Im Oktober sah ich irgendwo einen Samurai an der Candybar stehen. Vielfältig eben. Extrem sogar. Warm, filigran, deep. Man lehnt sich zurück und wird doch erfaßt von der Eigenständigkeit der Tracks. Geschwindigkeiten lösen sich auf. Vokale Ergüsse treffen auf plockernde Elektronik-schnipsel. Wohlgeformte Arrangements. Acid. Drum’n’Bass. Alles in den Einzelheiten gewohnt, im Trackgefüge ungewohnt. Warum taucht der fechtende Samurai plötzlich im Defroster wieder auf? Fragen über Fragen. Stimmungen über Stimmungen. Und den krönenden Abschluß bestreitet Weng Holster mit einem kleinen Hit: „Happy 18“. ][ lightwood

VA - A Family Affair - Vienna Scientists
Keine Angst: heimelige Gefühle im Sinne von familiären Anläßen kommen beim Hören dieses von Jürgen Driemal und Raimund Flöck zusammengestellten Werks nicht auf. Vielmehr ist die „familiäre“ Freundschaft zwischen den beiden DJs und den jeweiligen hier vertretenen Künstlern gemeint. Musikalisch offenbart sich hier eine schöne Mischung aus dubbigen, teilweise aber auch frech nach vorn groovenden Tracks, die bislang entweder noch gar nicht oder nur auf Maxi-Vinyl veröffentlicht wurden. Die gefürchtete Wiener Trägheit bleibt dabei ebenso außen vor, wie die oftmals erlebte Eintönigkeit vieler anderer Compilations. ][ mb

VA - Essential Underground Vol. 3: Berlin Detroit - dj-sets.com
Eine mehr als gelungene Fortsetzung der Städteportraits des Labels auf dieser Doppel-CD, deren Berlin-Part von DJ Rok gemixt wurde, während Claude Young für die flüssige Zusammenstellung aus der Techno-Stammzelle Detroit verantwortlich zeichnet. Beide präsentieren in organischen Sets aktuelle und qualitativ sehr überzeugende Protagonisten des jeweiligen elektronischen Ansatzes. Dabei hält der treibende und energiegeladene Mix des Berliners, der mit einem pushenden Feuerwerk hoher bpm-Werte und galoppierender Soundgewitter durchstartet, was sein DJ-Name verspricht, ohne in stumpfe Knüppelei auszuarten, während die Detroit-Schiene sich zunächst erwartungsgemäß verhaltener, sphärischer im Sound und differenzierter im Arrangement offenbart. Der konstitutive Bezug zum deepen Techno-Soul klingt da durch, wenn sich Beats mal leicht verschleppen oder eine groovende Baßlinie auftaucht. Gegen Schluß steigert sich auch hier das Tempo, buttert aber die spezifischen musikalischen Charakteristika dieser Spielart nicht unter. „The more interesting side of electronic music“ nennt Claude Young nicht zu Unrecht seine Auswahl, die auch gut auf der heimischen Stereoanlage bestehen kann (u.a. mit Model 500, Mad Max, Jeff Mills, Carl Craig, Technasia etc), während der Rok-Mix doch überwiegend Clubtool-Qualitäten aufweist, die auch Bedürfnisse nach ekstatischen Dancefloor-Exzessen locker befriedigen. Beide Sets zusammen lassen fast keine Wünsche offen. ][ hve

Cypress Hill - Stoned Raiders - Sony
Cypress Hill, seit wieviel Jahren auf der Szene? Zwölf? Mehr? Und wer kann das noch von sich behaupten? Die Beastie Boys natürlich, und KRS-1. Während der sich allerdings inhaltlich immer wieder seiner Zeit anzupassen wußte, herrscht in den Songs der kalifornischen Legalisierungsbefürworter tatsächlich so eine Art Endzeit, zu der die Produktion von DJ Muggs in der Vergangenheit die Stimmung zu liefern pflegte. Ihre Affinität zum Rock lassen sie gleich zu Beginn der Platte aus dem Sack und schlagen sich ganz passabel. Gegenseitige Besuche, Gastauftritte und Coverversionen mit Rage Against The Machine hinterliessen ihre Spuren, jemand erzählte sogar vor kurzem, Cypress’ B-Real werde wohl den durch Zach de la Rochas Ausscheiden freigewordenen Platz am Mikrophon besetzen. Bereit dazu wäre er, dies die Erkenntnis einer ansonsten an Erkenntnissen zwar recht armen, aber dennoch gut zu genießenden Scheibe. Die zweite ist, daß ihre leiernden Hip-Hop-Grooves zwar nicht mehr so unschlagbar unverkennbar sind, aber immer noch ganz korrekt. Offen bleibt die Frage: wie sehen Cypress-Fans heute eigentlich aus? Werden sie mit ihrer Band älter oder wachsen sie im Dreijahresrhythmus nach? Oder sind Cypress Hill die Mark E. Smiths der Hip-Hop-Szene: ein ständig wiederkehrendes Signal für die Älteren, die die härtesten Schlachten schon geschlagen haben und etwas Kontinuität zu schätzen wissen. ][ mandel

Attention Industries Meets Patricia Oakley - Pattern Of L... - Heim-elektro Ulm
Mit reduzierten Sounds, die mehr das Arrangement in den Vordergrund stellen, leben die zwölf Titel zwischen tanzbarer Elektronik und Spacesoundästhetik. Wobei sehr gemächlich die Tanzorgie sich in die Endlosigkeit schlängelt. Ein elektro-akustisches Spektakel. Berauschender Weltmusikcharakter ohne experimentelles Beiwerk. Geradlinig und kontinuierlich. Gänzliche Anmut erfährt dann das Gesamtwerk, als die vorsichtig flüsternde Stimme von Patricia Oakley sich dazugesellt. Barmusik für das angebrochene Millenium. ][ g

VA - 90% Wasser - 90% Wasser
Vom Rauschen bis zur Noiseattacke ist alles vertreten. Teils Hörspielartig mit skurrilen Vocoderstimmen, dann wieder von einer völlig anderen Facette den Körper durch epelepsierende Beats zum Zucken bringen. Walzende Tonverknüpfungen im Zeitalter weit nach dem Echolot. Fast wie die Schnittmenge zwischen alten Säköh-Platten und Mego-Veröffentlichungen. Zerrende Hochfrequenzen, in denen dennoch auch eine meditative Ader unaufhörlich pulsiert. Spannungsgeladen für musikalische Auseinandersetzung. Selbst vereinzelt wahrnehmbare Rhythmusvertrautheiten lassen nicht das Ohr von den experimentellen Hintergrundsgeschehnissen abschweifen. Ein lebendiger Klangorganismus mit eigener Orientierung. ][ g

Anti-Pop-Consortium - The Ends Against the Middle - Warp
Bevor durch den neuen Warp-Deal des APC eine größere Ausschüttung von Solo-LPs (Priest, Beans) sowie im Frühjahr ein neues Gruppenwerk ins Haus stehen, schicken die New Yorker eine EP vor, die mit sieben Stücken schon fast den Hunger auf Neuigkeiten befriedigt. Festzustellen ist: Verfeinerung, oder besser - wie übrigens mittlerweile auch auf der Bühne - Professionalisierung. Die ortlosen und wie einem Fiebertraum entrissenen Hooks und Melodien sind dabei von gewohnter eigentümlicher Schönheit, die APC bei aller Härte und Zerrissenheit immer wieder aufblitzen lassen können. Zu gewissen Anlässen lassen sich die vier sogar auf eine gewisse Flottheit ein - um sie dann natürlich schnell wieder ausschnurpseln zu lassen. Werden APC In drei Jahren die neuen Neptunes? Wird M Sayid seine Flugangst überwinden? Wird Beans jemals hören, was Funkstörung mit seinem Track gemacht haben? Wir bleiben dran. ][ mandel

Samplified DNA - The Jack Variety EP
Zehn eigenwillige, mit Samples gespickte Electronic/Rock-Tracks auf knapp 25 CD-Minuten von einem Hamburger Duo, das aus Vince Chester (production, engineering, programming) und dem inzwischen nach Lüneburg übergesiedelten Ex-Tübinger Songwriter und Alleinunterhalter (mit el. Gitarre und Gesang) Free Wheelin´ Franklin besteht, der in diesem Zusammenhang fürs Gitarrenspiel und Archivmaterial zuständig ist. Beherrschendes Thema dieser Produktion ist das Montieren kultiger Filmdialoge (u.a. aus „Down by Law“ und „König der Fischer“), ausgesuchter musikalischer (z.B. Loop aus einem Velvet Undeground-Piano, Tom-Waits-Gesang) und Sprach- bzw. Gesangssamples, sowie des verzerrte, repetetive Riffs oder Einzelton-Hooks intonierenden Gitarrenspiels von FWF zu neuen Kontexten, die von einem elektronischen Beat- und Baßfundament zusammengeschweißt werden. Dabei leben die Ergebnisse dieser Vorgehensweise von der originären Atmosphäre der verschiedenen Samples, ihrer Positionierung in einem äußerst versierten Arrangement und den mit adäquater Sensibilität eingewirkten eigenen Zutaten gleichermaßen, was sie zu äußerst attraktiven, schlüssig und organisch wirkenden, neuen kleinen Werken performiert, die eine angenehm frische Bereicherung der elektronischen Musikwelt darstellen. Zu beziehen ist die CD unter 04131/246163. ][ hve

Jackmate vs Nik Reiff - Fastback EP - Frisbee Tracks
Typischen „Neuen Deutschen Techno“ bringt uns die neueste Maxi des schwäbischen Frisbee-Departments, und zwar in Form von vier, auf ihre jeweils eigene Art sehr überzeugenden Tracks: vom zügigen Tribal Beat über pumpenden Techhouse und heruntergekurbelte bpms bis hin zu moody-minimalen Klängen. Die Jungs haben Ideen und verstehen nicht nur das Handwerk am Computer, sondern auch, es kreativ und ambitioniert umzusetzen. Mehr als nur Tools. ][ hve

Hans Platzgumer - Denial Of Service - disko B/Seperator
Mit seiner sechsten Veröffentlichung der Seperator-Serie geht er erneut einen Schritt in eine andere Richtung auf den mannigfaltigen Pfaden elektronischer Experimentalmusik. Entstanden ist eine musikalisch ausgefeilte EP, die mit ihren acht Stücken die Umgebung atmosphärisch zum Schwingen bringt. 70er Jazz-Rock aus einer anderen Sichtweise in die jetzige Zeit transferiert und beatorientiert reinterpretiert. Das Mitwirken unterschiedlichster Künstler (Lahb, Nachtstrom, Pöschl,...) bei verschiedenen Stücken schenkt dabei immer noch eine persönliche Note, die den Abwechslungsgrad enorm steigert. Synthetische Klangläufe in einer verspielten Geräuschlandschaft, bei der eine ausgefeilte Struktur das Landschaftsbild bestimmt. ][ g

Vanguard - Peanutbutter (Rmxs) - Frisbee Tracks
Vanguard, auch bei dogmatischeren Techno-Anhängern beliebte Electro-Formation, erregt unsere Aufmerksamkeit mit der zweiten Auskopplung von ihrem vielbeachteten Album „Alles oder Nichts“. Als nicht gerade unauffälligster Track dieser LP bot sich „Peanutbutter“ für Remixe geradezu an. Von den melodischen Popqualitäten des Originals ist zwar einiges verlorengegangen, aber dadurch erleiden die Resultate, nämlich der „CJ Bolland’s E-Nut Smutter Rmx“ und der „Vanguard Z-Mix“, keinerlei substanziellen Abbruch. Der eine pumpt in einem treibenden Elec-Tech-Groove, der auch noch genügend Platz für elektronische Spielereien und sphärische Momente läßt, der andere erfreut mit fast plakativen (Electro-)Disco-House-Insignien. Zudem gibt’s noch den nur auf der CD-Version des Albums befindlichen Titel „Chinaman’s Beat“ als Bonustrack. ][ hve

Metro Area 4 - Environ
Der Metro Area-Zug dampft ungebremst weiter. Mittlerweile beim vierten Release - „Super“ also mal nicht mitgerechnet - angekommen, schießt man hier wieder im symptomatischen und selbst gebackenen Discostyle um die Ecke. Entflossen ist Morgan Geist und Darshan Jesrani dabei ein recht brauchbares DJ-Tool, ein überflüssiges Anhängsel und ein extrem fröhlich stimmender Track namens „Let’s Get...“, ohne den die 12“ etwas schwach auf der Brust aussähe. Fans und Charts dürfte dies zwar nicht weiter stören, aber wir hoffen doch mal, dass unsere Helden demnächst nicht an der eigenhändig hochgelegten Meßlatte scheitern werden. ][ janson

Andy Vaz - Sounds_Variation 1-1 - [---]
Das namenlose, nur mit drei Strichen dargestellte Label von Andy Vaz, das sich auch so etwas wie experimenteller Klangforschung verschrieben hat und mit keiner spezifischen Soundart assoziiert werden möchte, wobei die Tracks der einzelnen Releases aber sehr wohl um einen jeweils spezifischen Soundpool kreisen sollen, debütiert EP-mäßig mit einer Produktion vom Betreiber selbst. Vaz‘ eigenes Klangarsenal, das hier auf äußerst reduzierten, minimalen und spartanisch funkigen Tools basiert, dirigiert die drei Stücke in jeweils verschiedene stilistische Ausprägungen, die in Tempo, Tonschichtung und Instrumentier-Dichte differieren, dabei aber eine klare gemeinsame Handschrift aufweisen und trotz der Beschränkung auf wenige Gestaltungselemente einen erstaunlichen Groove aufweisen. Vergleichbar vielleicht mit der Atmosphärik mancher Maurizio-Tracks, dem verhaltenen Drive von Isolee oder dem zurückgenommenen Flair jüngster kanadischer Veröffentlichungen. Macht Lust auf mehr. ][ hve

Larry Heard, Kemeticjust, Brett Dancer - Paradise (Rmxs) - Track Mode
Mr. Fingers, Track Mode Mastermind Dancer und die Kemeticjust-Crew aus Atlanta machen es sich an Alton Millers „Paradise“ zu schaffen – und das mit recht unterschiedlichem Erfolg. Wo es dem Original an geschickten Backingtracks mangelte, springt vor allem Larry Heard in die Bresche. Mittels eines extrem relaxten Beats, der ohne weiteres auch auf „Love’s Arrival“ beliebt hätte, gewinnen Millers Vocals den gebührenden Rahmen und Heard wieder einmal die Oberhand. Der Chef selbst rollt das Feld von hinten auf und kredenzt einen sublimen Mover, der kraft spärlicher eingesetzter Stimmsamples auf die Zeit vor oder nach dem großen Dancefloor-Buzz schielt. Kemeticjust können da nur hinten abfallen und entpuppen sich leider als Langweiler vor dem Herrn. ][ janson

John Tejada & Arian Leviste - Syntax Free - Playhouse
Funky minimal treiben die beiden Amerikaner ihre deepen, housigen Beats durch die Lautsprecher, ohne jetzt zwingend „House“ sein zu wollen. Knackige Analog-Synthesizer und druckvolle, tiefe Bässe jagen hinterher und sorgen für wohligen Druck in der Magengegend. Stilsicher und versiert wird hier mit Melodien gespielt und experimentiert, ohne dabei nervig oder gar aufdringlich zu werden. Alles ist möglich, die Syntax eben frei. Drei durchaus atemberaubende Stücke, die den beiden Künstlern ein gelungenes Debut auf Playhouse bescheren. ][ mb

Blaze - Lovely Ones (Rmxs) - Life Line
Legenden unter sich. Blaze tun sich mit Shelter-Resident Timmy Regisford zusammen, um „Lovely Ones“ von ihrem äußerst erfolgreichen „Natural Blaze“-Longplayer einen neuen Anstrich zu verpassen. Regisford gibt sich dabei als Remixer der alten Schule keine Blöße. Behutsam dehnt er den Track ohne unnötige Spielereien auf Maxilänge aus und läßt den Dingen ihren gewohnten Lauf. Könnte wohl getrost als momentaner Standard New Yorker Tanzmusik bezeichnet werden. Zur völligen Zufriedenheit gibt’s von Hedge und Milan dann noch einen „Blaze Lovely Shelter Dub“ auf der B-Seite und die Gewißheit, daß Club Shelter zu Silvester in einer neuen Örtlichkeit wieder zur Stelle sein wird. ][ janson

Glissandro Bros feat. Jimmie Wilson - Pretender (Rmxs) - Stir 15
Stir 15 zeigen im Monat der Remixe einmal mehr, warum man sich den Kuchen in punkto wertkonservativem Schaffen mit den Mannen von Needs teilt. Die Interpretationen des Pretender Themas kommen dabei von „Neuoffenbacher“ Russ Gabriel, Thorsten Scheu unter seinem Nom de guerre Second Life, sowie von C-Rock höchstpersönlich, dem an dieser Stelle der Murk-Boys-Award für gelungene Vocal Dubs verliehen wird – mehr davon. Second Life und Gabriel stellen die Uhren dann ein wenig anders, wobei sich Herr Scheu durchaus mit MAW anlegen kann und Russ Gabriel gewohnt solides Handwerk abliefert. ][ janson

Ame - Tonite - Recreation/Sonar Kollektiv
Auch wenn Ame noch ein relativ unbekanntes Projekt aus Karlsruhe sind und „Tonite“ wohl den ersten ordentlichen Release darstellt, hat man es auf Anhieb in die Gemächer des Sonar Kollektivs gebracht. Musikalisch geben sich die Debütanten als gelehrige Schüler so mancher Environ-Skizze und wandeln mit einem Sampler bewaffnet quer durch die heiligen Hallen von Larry Levans Paradise Garage. Die Dub Version dieser Exkursion kann übrigens auch auf der dritten Folge von DJ Dixons beliebter Off Limits-Reihe nachgehört werden. Man harre der Dinge, die aus dieser Ecke der Republik noch kommen mögen. ][ janson

Low Tec - I Remember - Playhouse
Zweite Veröffentlichung auf Playhouse für Jens Kuhn und immer noch hypnotisierend ruhiger DeepHouse. Die beiden, jeweils über die volle Länge geschnittenen Stücke orientieren sich an einer Mischung aus Theo Parrish, NuGroove-Sound und typisch deutschem DeepHouse - leicht funky, recht minimal und doch eigenständig und voller Details sorgt „I remember“ bei DeepHouse-Fans bestimmt für ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen. ][ mb

Needs – Walkin’ Thru Circles – Needs
Yannick und seine beiden Needs Brüder Lars und Marek Bartkuhn schließen nahtlos an die äußerst erfolgreiche aufsehenerregende „Brother EP" an. „Walkin’ Thru Circles" kommt ganz klassisch in drei unterschiedlichen Mixes, wobei insbesondere der „Thump Mix" die Sache komprimiert: Eindringliche Deep House Chords wechseln sich mit wohlplatzierten und zartbitteren Streichern ab. Ohne jetzt unnötige Vergleiche anstreben zu wollen: Solche Platten hätten die Jungs von Guidance vor dem Abgleiten in formatierte Belanglosigkeit bewahrt. ][ janson

Soul:r 001/002
Momentan sicherlich eines der angesagtesten Produzententeams für gefühlvollen und trotzdem tanzorientierten Drum’n’Bass, sind die neuen Labelchefs und Küstler für die erste Soul:r-12“, Marcus Intalex & ST Files aka M.I.S.T. Wer ihre Hits auf Metalheadz oder Remixe für u.a. 4hero kennt, dürfte diesen seit Monaten auf Dubplate kursierenden Tracks nicht abgeneigt sein. Tief kickende Bässe, die Clubanlagen im richtigen Frequenzbereich reagieren lassen dürften, akzentuieren eine gute, den Raum ausfüllende, treibende Percussion, die spätestens beim zweiten Drop die wartende Meute zum Grooven bringt.Yes mate, play it for me! Die zweite A-Seite holt sich bezüglich der Namensgebung ihre Einflüsse bei Star Trek: “Warp“ könnte glatt als neue Definition für „rollin’“ in die Drum’n’Bass-Geschichte eingehen. Gesampelt wird dabei allerlei althergebrachtes, wie „Buffalo Dance“ oder das passende „Hypnotizin’“-Vocal, das von oldschoolartigen Bleepsounds untermauert wird. Für die zweite Auskopplung wurde der Freund und Senkrechtstarter Calibre gewonnen, der zwei seiner unzähligen neuen Tracks wahrscheinlich doch noch schnell von seinem kürzlich erschienenen Album “Music Concrete“ (Creative Source) genommen hat. Durch ein gleichförmiges Synthiepad im Zusammenwirken mit einer Variation im Arrangement, versteht er die Spannung zu halten. Für mich persönlich scheint die B-Seite lohnenswerter. Tiefe Dub- und Subbässe treffen ein gelooptes Gitarrenriff und eine exzellente Aufbauarbeit im Beatarrangement. Ein gutes Instrument, das nicht unbedigt immer Gas geben muß und Sets interessanter und eingängiger kreieren kann.
][ tellme oh!

Socio 004
Überraschung! ... so heißt es in der Presseinfo ... und die ist auch gelungen. Doch von vorne: John Tejada produziert eigentlich Techhouse. Socio releast Drum’n’Bass. Also releast John Tejada eine Drum’n’Bass-12“ auf Socio. Cool. „Shifter“ arbeitet zwar grundlegend mit einfachen ‚bumtschak‘-Beats, die wir aber schnell vergessen, weil kleine filigrane Drumsounds diese wirkungsvoll umspinnen. Wohlklingende Xylophon-Melodien und Stakkato-Synthie-Sounds reiten gekonnt auf dem tief unten liegenden Bass. Gesund trancig und aromatisch interessant. „Reset All Devices“ provoziert zunächst mit Rechteck-Schwingungen, vergnügt sich dann mit quietschenden Elementen, bis die Hookline die Führung übernimmt. Insgesamt geradlinig, funky und nicht verkehrt. ][ lightwood

Skunkrock 010
Shootingstars - die gibt es selbst noch im Drum’n’Bass-Bereich. Wenn der Zeitpunkt kommt, ist man plötzlich auf sämtlichen Labels präsent. So liefert der Ire Beta 2 vom Bassbin-Label auf seinem Skunkrock-Debüt zwei Hits ab. Smooth gleitend entwickelt sich „Kinetix“ nach kurzem Hören zu einem Ohrwurm erster Güte. Sanft gestrichene Flächen, behutsam gesetzte Detroit-Sounds und schön breakige, aber doch charmant-weiche Beats erschaffen einen zeitlosen Track. Beta 2 hat hierbei genau die richtige Mischung getroffen und wird viele Geschmäcker zufrieden stellen. „Changes“ taucht in ähnliches Terrain ab, wirkt aber insgesamt verspielter und unerwarteter. Das Echolot springt einem irgendwann ins Ohr und auch das liebliche Frauen-Vocal bleibt hängen. Gegen Ende mischen roughere Beats das Ganze auf. Vorliegend die beste Skunkrock seit „Intastate“. ][ lightwood


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