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Im Alpenland Schweiz war die elektronische Musikszene stets auf einige Ballungsgebiete beschränkt Zürich, Basel, Bern und die französische Schweiz. Dennoch entschlüpften dem ansonsten so gemächlichen Land bereits einige musikalische Talente auch in Sachen elektronischer Musik. Das man in der Schweiz schon immer Wert auf internationalen Anschluß gelegt hat, zeigt sich u.a. am Sprachgebrauch der Schweizer, die gerne mal ein paar Anglizismen einschieben und sich auch gerne englische Künstlernamen verpassen. Cyril Böhler macht da keine Ausnahme. Als Tweak sorgte er mit seinen auf dem Züricher Label Straight Ahead erschienenen Maxis Woodworm und Fathorn sogleich für internationales Aufsehen und landete mir nichts, dir nichts in den Playlists von DJs wie Jazzanova, Rainer Trüby oder Gilles Peterson. Trotz der Beengtheit und dem dadurch bedingt kleinen Markt hat sich Straight Ahead in den letzten Jahren erfolgreich in die Herzen der europäischen Broken-Beats-Fans gespielt. Von Erfolg will Cyril aber eigentlich gar nicht so viel wissen, sondern bekennt sich lieber nach wie vor zu seinen Punk-Ursprüngen, die ihn als Schlagzeiger diverser Bands auf den Pfad der Musik führen sollten.
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twk: Die Attitüde von damals, als ich noch in Punkbands gespielt habe, ist in mir hängen geblieben. Die Jungs von Straight Ahead haben eine ähnliche Einstellung. Mir war im Jazz immer wichtig, daß eine Note sitzt, daß sie eine eigene Meinung hat. Wie bei Miles Davies eben. Jazz wird oft sehr virtuos gespielt, was auch sein großes Problem ist.
ouk: Wie ist denn die Szene in der Schweiz?
twk: In unserem Bereich ist es schon sehr zürichlastig. Es gibt ab und an auch Parties in der franz. Schweiz. Da passiert einiges um Eric Truffaz herum. Aber in Bern gehen die Parties mehr ab. Da haben sie keine Produzenten und sind noch richtig hungrig. In Zürich hat man natürlich viel Konkurrenz, zumindest im allgemeinen Sinne. Es gibt wahnsinnig viele Clubs. Es ist hier alles sehr lokal wenige Gast-DJs, viele lokale Leute eben. Aber kaum einer schafft es, sich international zu etablieren. Mit der Musik, die wir spielen sowieso nicht. Es gibt ein paar wenige House-DJs, die Erfolg haben.
ouk: In Sachen HipHop tut sich aber auch einiges. Zumindest sah es so aus, als ob die Plattenläden viel HipHop verkaufen würden.
twk: Ja, der lokale HipHop ist gerade am boomen. In Deutschland hat sich HipHop ja bereits etabliert, bei uns ist das alles noch in der Anfangsphase. Natürlich gibt es hier schon seit eh und je HipHop, aber zur Zeit passiert da viel und beginnt sich bei den Leuten festzusetzen. Die ersten Stücke schaffen es nun auch bis in die Top 10.
ouk: Wie sieht es den mit Dir und Deinen Labelkollegen aus? Kommt ihr viel in andere Länder?
twk: Ja, vorallem Alex Dallas kommt wahnsinnig viel herum. Er ist quasi unser Außendienst. Ich plane auch gerade eine Album-Tour, aber da muß man jetzt natürlich erst einmal die Resonanz darauf abwarten. Einfach so eine Tour ins blaue hinein zu planen, bringt schließlich gar nichts. Straight Ahead ist ja auch noch richtiger Underground das kennt man in bestimmten Kreisen, aber darüber hinaus wohl kaum.
ouk: Seit wann produzierst Du denn schon?
twk: Ich habe jahrelang fast nur Filmmusik gemacht. Irgendwann hatte ich dann einfach große Lust, mal was anderes zu machen. Aber ich fange von vorn an: Mit zehn Jahren habe ich angefangen Schlagzeug zu spielen, mit sechzehn habe ich dann auf dem C64 zusammen mit Freunden das erste mal eigene Musik gemacht, mit achtzehn bin ich dann nach Amerika und habe dort Musik studiert, mit Schwerpunkt Filmmusik. Nach fünf Jahren kam ich dann zurück in die Schweiz und habe hier dann Filmmusik praktiziert. Das mache ich jetzt immer noch, hauptsächlich um Geld zu verdienen und zum Teil macht es mir auch echt Spaß, aber irgendwann habe ich einfach gemerkt, daß ich ja letztendlich immer nur Musik für Andere produziere, daß ich immer nur das mache, was andere wollen bzw. bestellen. Ich bin dann an einen Punkt gelangt, wo ich für mich entscheiden mußte, ob ich entweder voll in die Filmmusik reingeh, oder etwas anderes mache. Die Entscheidung fiel dann recht schnell: weniger Filmmusik und erst mal eigene Ideen und Gedanken umsetzen.
ouk: Wann hat sich dann das mit dem Auflegen ergeben?
twk: Mmmmmh, nachdem ich die Jungs von Straight Ahead kennengelernt habe, wollte ich eben auch gerne die Musik meiner Kollegen und eben auch meine eigene Musik auflegen können. Auch der ganze Prozess hat mich einfach interessiert. Und es hilft mir natürlich auch, meine Musik zu präsentieren. Mein Bruder ist übrigens auch ein DJ er legt HipHop auf insofern war mir das alles nicht ganz fremd. Und es ist auch die bessere Art, mein Musik zu präsentieren, denn live ist das nur sehr schwer umzusetzen. Ich habe einmal zwei Konzerte mit Free Form Orchestra zusammen gespielt. Es haben die gleichen Musiker gespielt, aber eben unterschiedliche Stücke. Es war wirklich toll, aber gleichzeitig so aufwendig und teuer. Wir hatten die Auftritte selbst organisiert. Das fand alles sehr spontan statt. Wir dachten einfach: So, jetzt machen wir was richtig cooles und treten live auf. Viele Leute haben es dann auch gar nicht geschnallt, was wir da eigentlich machen. Das war eine einmalige Sache. Auf die Dauer müßte man das anders machen. Ich produziere jetzt aber nicht ausschließlich für den Dancefloor. Ich weiß zwar inzwischen wie etwas klingen muß, damit die Leute abgehen, aber das ist ja schließlich nicht alles.
ouk: Hattest Du von Anfang an mit Musikern zusammengearbeitet?
twk: Ja, eigentlich schon. Es gab unterschiedliche Sessions. Es ist auch oft so gelaufen, daß ich nur ein halbes Stück hatte oder nur einen Anfang. Dann haben die Musiker dazu gejammt und den Song vervollständigt. In der Regel editiere ich aber alle hinterher und spiele mit den Aufnahmen herum. Manche Soli auf dem Album sind z.B. komplett so, wie sie eingespielt wurden, andere habe ich umgestellt oder regelrecht zerpflückt. Ich bin da sehr froh, daß ich Leute gefunden habe, die das mitmachen.
ouk: Wenn Tweak jetzt live auftritt, wieviel Leute stehen dann da auf der Bühne?
twk: Für die Aufnahmen waren es sechs. Aber das wären dann bereits zu viele. Wenn ich das nochmal mache, werden es weniger sein. Wir hatte damals ziemlich spezielle Leute in der Gruppe. Wir hatten einen Alphornspieler, der auch Posaune spielte. Dann hatten wir noch einen Free-Jazzer dabei. Ich hab dann irgendwann gemerkt, daß mir das alles zu frei war. Zwei Konzerte lang hat es sehr viel Spaß gemacht, aber ich konnte mit meiner Musik nicht wirklich viel einbringen.
ouk: Du willst also auch in Zukunft elektronisch bleiben?
twk: Ja. Ich bin schon sehr elektronisch. Das Album jetzt ist quasi das Organischtste, was ich bislang als Tweak gemacht habe. Die neuen Stücke, die ich inzwischen gemacht habe, sind da deutlich elektronischer. Aber die Zusammenarbeit mit Free Form Orchestra hat mich sehr inspiriert und ich habe auch viel über Instrumente, deren Klang und deren Einbettung im Gesamtarrangement gelernt. Aber es ist eben nur ein Teil von dem, was ich will.
ouk: Willst Du dann in Zukunft mehr für die Clubs produzieren, oder verstehst Du elektronisch auch im Sinne von Soundforschung und experimentellen Klängen?
twk: Mmmh ... also ich bin schon dabei, Sounds und Klänge zu erforschen. Die Stimme ist für mich ein sehr schönes und auch interessantes Instrument, mit dem ich mehr experimentieren will. Ich habe inzwischen ein paar Leute gefunden, die darin wirklich gut sind. Mal schaun, vielleicht kann ich mit ihnen ja über längere Zeit hinweg zusammenarbeiten. Mal sehen ... deshalb tu ich mich gerade auch so schwer zu sagen, wie Tweak in Zukunft klingen wird. Am liebsten wäre es mir natürlich schon, wenn ich fest mit ein paar Leuten zusammenarbeiten könnte. Wenn diese dann auch auf eine Tournee mitkommen könnten, anstatt für ein Stück etwas einzuspielen. So eine Art Kern ...
ouk: Inwiefern mischt sich Alex Dallas in seiner Funktion als Labelinhaber in die Produktion ein?
twk: Auf die Produktion übt er keinen Einfluß aus. Er gibt natürlich Kommentare und Meinungen ab, aber eher allgemeiner Art. Das hat mich an der Filmmusik auch immer geärgert. Da sagt der Kunde dann: Super, aber weißt Du, das HiHat ist zu laut. Dabei weißt Du ganz genau, daß das HiHat nicht zu laut ist. Bei Alex geht es mehr darum, ob der Vibe stimmt oder um die Reihenfolge der Stücke. Da haben wir lange diskutiert, denn ich wollte die Gesangsstücke alle nacheinander haben, während er dafür war, daß man sie auf das gesamte Album verteilt ... er hat sich durchgesetzt. Bei den Remixen entscheidet dann meistens er, wer da angefragt wird und wer nicht. Wobei man sich da eigentlich immer erst einmal fragen muß, wer und wie man den Remix eigentlich bezahlt.
ouk: Ein Frage zur Ästhetik der Platte hinsichtlich des Designs. Es hat uns sehr verwundert, daß das Cover so aus dem Rahmen der gewöhnlichen Straight-Ahead-Cover fällt. Ist das gewollt?
twk: Ja, es gibt da in der Tat einen Grund, wobei das nicht allein meine Idee war. Der Graphiker hat dieses Ölbild selbst gemalt und damit das Cover gestaltet. Aber er macht auch alle anderen Straight-Ahead-Cover. Das auf dem Cover bin übrigens ich. Das war meine Idee, da ein Bild von mir draufzusetzen. Ich bin der Meinung, daß ein Album die Person zeigen sollte, die die Musik gemacht hat. Ich halte nicht viel von dieser Techno-Theorie, die rein auf abstrakten Grafiken basiert. Wenn ich selbst Musik höre, möchte ich auch wissen, wie die Person aussieht, auch wenn es stilisiertes Bild ist. ][ edl & mb
TWEAK 10 in November:
Nepa Allstars -Hearts of oak 12" (Surplus)
4Hero -Hold it down (Talkin' Loud)
Tweak -Weirdo (Beanfield Remix) (Straight Ahead)
Fauna Flash -The Vienna Mixes (P.Kruder/Stereotyp) (Compost)
Dalunartikz -Higher (Afro Beat Mix) (Arthrob)
Reel People -Spiritual (Opaque Remix) (Papa)
Incognito -Castles in the Air (Vikter Duplaix Afrotech Mix) (Talkin'
Loud)
Art Konik -Finger (U.F.O Remix)(Comet)
Kirk DiGiorigio's Offworld -Tornado (Far Out)
Hidden Agenda -Low Jazz Fidget (Fauna Flash Remix) (Straight Ahead)
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