OUK das fünfund30ste ± tiefgründig & erhellend ± Feb/März 02 Blab & blub

Louie Austen @ Travellers Club . . . . . . .
Der Nikolaustag in Stuttgart liegt zwar schon in fast verblichener Vergangenheit, doch sicherlich werden alle, die am 06.12.2001 im Travellers Club gewesen sind, noch farbenfroh das Erlebte reflektieren können. Und jede innere Retrospektive läßt erneut das Schwärmen aufkommen. Schwärmen von einer Barathmosphäre wie sie spezieller wohl kaum sein kann, von einer Stimmung wie zu Hause im Wohnzimmer im Kreis vieler Freunde - einen spritzigen Cocktail in der Hand - und natürlich von dem einzigartigen Musikereignis, daß Louie Austen darbot. Frank Sinatra unserer Gegenwart, Tom Jones in Perfektion. Und dahinter die atemberaubenden Kompositionen von Patrick Pulsinger. Selber war er nicht anwesend, viel mehr begleitete er den sowieso Raum erfüllenden Louie auf CD. So kommt natürlich die Darbietung dem Album "Only Tonight" (Kitty Yo) sehr nahe, doch den unvergesslichen Charme, mit welchem der 55jährige diese spezielle Stimmung schaffte, kann es nur im Ansatz wiederspiegeln. Stücke voller Zärtlichkeit und Sehnsucht. Zuneigungsvoll auf ein experimentelles Klanggerüst im Hintergrund perfekt abgestimmt und eindrucksvoll vertraut dargeboten. Dennoch zaubert auch der Tonträger eine etwa vergleichbare Stimmung, sowohl in die brodelnde Clublandschaft als auch in das verträumte Eigenheim. Und dann am Ende, man blickt schon mit wehmütiger Sehnsucht auf die Trackliste: noch ein Bonus. Erlösung und grenzenlose Steigerung der Freude. Freude an der Erinnerung. Die Gedanken in einer Zeit als "Jeany" von Falco durch die Radios provozierte. Da die Konzert-Tournee noch eine Weile durch aller Herren Länder zieht, sollte man unbedingt abchecken, ob man nicht doch noch etwas von dieser überwältigenden Stimmung sich zu erhaschen versucht. Musik so gefühlvoll wie ein sonniger Frühlingstag, an dem zurückgekehrte Zugvögel zwitschernd von fernen Abenteuern erzählen. ][ g

Festivalzeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Trotz knapper Kassen und allgemeiner Kürzung des Kulturetats erfreut sich die mediale Festivalszene bester Gesundheit. Im ganzen Lande konferiert man über die Zukunft von Kunst, Musik und Kultur, und das, trotz allgemeinem Dot-Com-Sterbens und Massenentlassungen im Multimedia-sektor. Vielleicht ist es ja aber auch ein instinktives Trotzverhalten, daß die Industrie eines Besseren belehren will. Gerade die Club- und (elektronische) Musikszene ist hierzu natürlich besonders prädestiniert und nimmt auch großen Einfluß auf die Festivallandschaft der nächsten Monate. Der „club transmediale“ findet dieses Jahr bereits zum dritten Mal im Rahmen der „transmediale“ - Berlins internationales Medien- und Kunstfestival - statt und ist dabei nicht nur ein kleiner, von einigen notorischen Musikfans kultivierter Anhang. Sondern ein innerhalb der „transmediale“ unabhängiges Projekt, dessen programmatischer Schwerpunkt auf dem Zusammenspiel von live generierter Musik und live erzeugter Video-Animationen liegt. Vom 5. Februar bis zum 17. Februar im Berliner E-Werk stattfindend, trifft man auf allerlei prominente Namen wie Jim Avignon, Pole, T. Raumschmiere. Alva Noton, Jan Jelinek und viele andere...

Etwa zur gleichen Zeit, nämlich vom 14. Februar bis zum 16. Februar, findet am anderen Ende der Republik die Münchner „digitalanalog“ statt. Definiert als „dreitägiger Spaziergang durch die elektronische Szene Münchens“ wird hierbei im Kulturzentrum t-u-b-e versucht, Literatur, Musik und Kunst zu vereinen, um dem Besucher ein stimulierendes Gesamterlebnis zu bescheren. Klangkünstler wie Robert Görl, Console oder Hans Plaztgummer treffen dabei auf Schriftsteller wie Thomas Meinecke oder Videokünstler wie das Highflyer VJ-Team. Beendet wird der Spaziergang mit einer Clubnacht im Ultraschall, bei lauter Musik von Christian Vogel und Dave Tarida.

Last but not least lädt die Schirn Kunsthalle Frankfurt vom 9. Februar bis zum 28. April zur Ausstellung „Frequenzen [Hz] - Audiovisueller Raum“ ein. Ton, Raum und Musik verschmelzen zu einem erlebbaren Ereignis, wenn Klangforscher wie Carsten Nicolai, Ryoji Ikeda oder Mika Vainio Klänge jenseits bekannter Hör-dimensionen erzeugen. Hervorheben will diese erste Ausstellung des neuen Schirn-Kunsthalle-Direktors Max Hollein die Multifunktionalität des heutigen Künstlers, der sich inzwischen nicht mehr ausschließlich auf sein eigentliches, künstlerisches Schaffen konzentriert, sondern als Künstler, Musiker, Komponist, Promoter und Labelchef gleichzeitig agiert. Mehr Infos unter www.schirn.de ][ mb

Mixtapekulturen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Die CD droht auszusterben, da soll es Kulturwissenschaftler geben, die sich sogar noch mit Mixtapes beschäftigen. Sagenhaft. Aber vielleicht gerade deshalb: weil das Tape ein Kulturgut geworden ist, was die digital kalte CD noch nicht unbedingt von sich behaupten kann. Und Vinyl z. B. hat sowohl kulturell als auch wirtschaftlich überlebt, aber wie sieht es mit Mixtapes aus? Das Institut für Volkskunde in Hamburg hat sich der Sache angenommen und präsentiert Mitte des Jahres eine Ausstellung mit Katalog. Wer sein Wissen oder gar Exemplare beisteuern will, nur zu! Tapes, Geschichten oder Cover werden gerne leihweise entgegengenommen: Institut für Volkskunde, z. H. Gerrit Herlyn, Bogenallee 11, 20144 Hamburg. Weitere Infos unter mixtapekultur@hotmail.com ][ lightwood

Goldene Tüten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Seit verflixten sieben Jahren öffnen sich jeden Montag die Türen des Tübinger Jazzkellers für Bag of Goodies. Unter dem Motto “Selected Freestyles” basteln sich die beiden Macher und Resident-DJs Emanuela de Luca und Marc Bohlmann ein Set aus alten Raregrooves, treibendem Dancefloor-Jazz, deepem House und elektronischen Beats zusammen und erspielten sich damit ein treues, musikbegeistertes und vorallem tanzwütiges Stammpublikum. Zudem verteilte man nicht nur Gratis-Goldbären an die Besucher, sondern bewies stets ein goldenes Händchen bei der Auswahl der Gast-DJs. Jazzanova oder Rainer Trüby z. B. legten lange bevor sie berühmt wurden in dem kleinen aber feinen Gewölbekeller auf. Die heißen Jubiläumsfeiereien im Februar gilt es also nicht zu verpassen. ][ lightwood

Elektronik in Tübingen . . . . . . . . . . . . . . . . .
Auch in Tübingen werkelt die elektronische Musikszene emsig an ihrer (Weiter)Entwicklung. Nachdem Hydraulik-Resident Arne Weinberg die Stadt gen Frankfurt verlassen wird, haben die Herren des elektronischen Sofas einstweilen die Techno-Lücke im Depot geschlossen, um am 9. Februar ihr eigenes Klangdesign zu präsentieren. Im März ist dann Sender-Mann Benno Blome (siehe Interview weiter vorn) zu Gast. Erste Anzeichen dem Tübinger Publikum das aktuelle Techno-Geschehen näherzubringen?
Am 22. Februar dürfen sich dann die Freunde des elektronischen bzw. zukunftsorientierten Jazz - oder eben den „Future Sounds of Jazz“ - einem Abend mit Compost-Chef Michael Reinboth und Michael Rütten aka Soulpatrol hingeben. Anläßlich der achten Ausgabe der beliebten „Future Sounds of Jazz“-Compilation beschallen die beiden das Depot mit ihren neuesten Vinylscheiben, wobei Housefreunde mit Sicherheit auch auf ihre Kosten kommen werden. ][ mb


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