OUK das fünfund30ste ± tiefgründig & erhellend ± Feb/März 02 Gespaltene Töne

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Replicant Rumba Rockers - A Rather Interesting Mix - Nonplace
Ach ja, kaum hört man Burnt Friedmann, kommt die Sonne hinter den Wolken hervor und erwärmt einem das Herz. Südamerikanische Rumba-Klänge schlängeln sich sanft durch den Raum und dann bleibt die restlichen 41 Minuten erst einmal kein Stein auf dem Anderen. Wie kein anderer versteht sich Atom(heart) aka Senior Coconut in elektronischer Albernheit, ohne dabei jemals albern zu wirken. Mit Burnt Friedmann macht sich nun der Meister der elektronischen Destruktion ans Werk, um einen verflixt spannenden Non-Stop-Mix zusammenzustückeln. Wild wechselt er die Schauplätze, läßt Trompeten von Percussion-Sounds jagen, stampft mit brachialen Bassdrums den Dancefloor nieder und ganz plötzlich steht man dann auch noch Herb Alpert persönlich gegenüber. Gnadenlos werden sämtliche Stilrichtungen angespielt, verfremdet und auf die Schippe genommen, ohne dabei jemals langweilig zu werden. Im Gegenteil, selbst im Club dürfte diese CD (übrigens auch auf Vinyl erhältlich), nach anfänglichem entsetzen, für schwingende Hüften und jauchzenden Gemüter sorgen. Nach 42 Minuten findet man sich dann schweißgebadet im Sessel wieder, fragt sich, was man denn eigentlich gerade gehört hat und drückt erneut auf Play ... ][ mb

Beige - Ein Königreich für eine Handgranate - Nonplace
Willkommen im Land der lustigen Knackgeräusche. Einladung zu einem melodischen und leichtfüßigen Urlaubsmusikerlebnis an den Stränden des dritten Mondes in der Gegend der “Betelgeuze”. Entspannend spannend und funkig verspielt. Mit jazzigen Parts angereichert beginnt die Tanzlaune im Inneren zu köcheln. Tief fahren die klar durchstrukturierten Arrangements unter die Haut und lassen die Gliedmaßen lustig zum Rhythmus zucken. Dabei scheint alles abstrakt gehalten zu sein. Vielleicht eher: nicht überladen und experimentierfreudig. Musik, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit angenehm aneckt und die Wunderwelt des Stereo nachhaltig bereichert. ][ g

Würden & Kirsch - Ortlos - Headtractive
Max Würden und Reinhard Kirsch aus Leverkusen produzieren seit 1999 zusammen und machten bisher vor allem mit Soundtracks zu Kurzfilmen auf sich aufmerksam. Eigenen Angaben zufolge arbeiten sie seitdem daran, sich von der kommerziellen Tanzmusik weg hin zu experimentellen sampling- und synth-soundscapes zu bewegen, wobei der Schwerpunkt mehr in der Verwendung von Außenaufnahmen und Umweltgeräuschen als von traditionellen Synths liegt. Gemessen am eigenen Anspruch wirkt das Ergebnis dünn, denn weder von Experimentellem, noch von Innovativem oder gar Avantgardistischem findet sich wirklich etwas auf diesem, in 12 Tracks unterteilten, 70-min-Album. Fortschrittlichkeit definiert sich nämlich nicht durch das (fast ausschließliche) Weglassen durchgängiger Beats oder das Installieren leicht geheimnisvoll anmutender Klangräume, wie es hier mit soundtechnisch durchaus recht konventionell erscheinenden Mitteln geschieht. Legt man aber die Meßlatte eines tauglichen Chill-out-Albums an die Produktion an, so kann sie durchaus bestehen. Die Tiefe und die klare, ohne vordergründige Effekthascherei auskommende Strukturiertheit der geschaffenen Atmosphärik besticht durch ihre zurückgenommene Funktionalität. In Albumlänge würde das Vorhaben dennoch fast scheitern, wären nicht gegen Ende (als Alibi ?) noch einige wenige Tracks mit durchgehendem (naturgemäß langsamen) Beat aufgenommen worden. Insgesamt ansprechende Prä-Trance-Ambient-Musik in gesetzter Dosis für die Afterhour und Chill-Area. ][ hve

Baby Ford & The I-Fach Collective - Sacred Machine - Klang
Im Grunde genommen sind sich Peter Fords Produktionen alle sehr ähnlich - zumindest auf den ersten, oberflächlichen Höreindruck. Und trotzdem versetzen sie einen sofort in Verzückung, zwingen einen zum genaueren Hinhören und wäre ich jetzt im Club, ich würde wohl tanzen. So aber erinnere ich mich an die frühen Zeiten des Techno, an Acid, Rave und jede Menge Parties - denn all das läßt sich auf Fords neuem Album ganz deutlich heraushören. Nein, „Sacred Machine“ ist kein Ravemonster, eher ein minimales Werk und selbst mit dem Einsatz von Stimmen hat man sich zurückgehalten. Und doch meint man zwischen den tief unten wummernden Bässen und den verhallten Synthieakkorden ganz deutlich einen zarten Hauch der hysterischen „Chikki Chikkie Ahh Ahh“-Zeiten herauszuhören. Vorsichtig und schüchtern bewegen sich Sägezahn und Minimalbass aufeinander zu, tanzen gemeinsam um die fiese HiHat herum, bevor sich alle drei lachend in die Arme fallen und wild fuchtelnd davontanzen ... solche Bilder bekommt man nicht alle Tage zu hören, bei Baby Ford passiert das quasi immer. ][ mb

VA - Mach 1 - Frisbee Tracks
Die vierte Label-Compilation zur dritten Label-Tour der rührigen kleinen Plattenfirma aus Frankfurt. Gemixt vom Kölner Roland Casper, der zur ersten Generation deutscher Techno-Produzenten und –DJs gehört, bieten die 72 CD-Minuten eine aktuelle Werkschau von 20 Titeln, die in jüngster Zeit zumeist auf Maxi veröffentlicht wurden (oder in zwei Fällen noch gar nicht). Das äußerst rasante Set von Casper vereinigt treibende (u.a. von Zastiral, The Supply Vessel, Triebwerk oder dem Mixer selbst), Electro-dominierte (Vanguard), funkige (Jackmate vs Nik Reiff) und trancige, Detroit-verwandte (Paul Brtschitsch) Spielarten zu einem abwechslungsreichen und sehr energiegeladenen Flow der Beats. Lediglich potentielle Spannungsbögen werden von seinem Drive etwas niedergedrückt, wenn auch nicht gänzlich nivelliert. Als Dancefloor-Tool für ekstatische Momente im Techno-Hexenkessel entfaltet die Compilation aber immensen lobenswerten Druck, wie überhaupt jeder, der dieses Label links liegen läßt, wichtige Aspekte zeitgenössischer Techno-Musik ignoriert. ][ hve

Novatek - Exhibition - Treibstoff
Aufgeteilt in eine CD- und eine Vinylversion treibt sich der aus Thessaloniki stammende Novatek erneut auf dem Kölner Label Treibstoff um. Während die CD alle bisherigen Vinyltracks (inkl. der Neuen) enthält, findet sich auf dem schwarzen Rundling nur neues Material wieder. Im für Treibstoff recht typischen Stil läßt Novatek seine Maschinen minimalen, meist dubgeschwängerten Techno spielen, versieht seine Tracks aber immer auch mit einer gewissen Leichtigkeit. Trickreich hüpfende Bässe, peitschende Snaredrums und abgehackte Chords sind typische, diesen zur Zeit ja doch recht beliebten Sound gut beschreibende Charakteristiken. Dabei fallen vor allem die neuen Stücke durch ihre Lebhaftigkeit und komplexe Anordnung auf, wo Bassdrum und Snare nicht nur von einem Bass und einem oder zwei Piano-Chords umkreist wird, sondern durchdacht programmierte Percussionen und diverse Effekte immer noch das gewisse Etwas herauszukitzeln vermögen. Zuhörer und Tänzer werden so gleichermaßen gefesselt. ][ mb

Global Goon - Vatican Nitez - Rephlex
Seit dem 1998 erschienen letzten Album von Jonny Hawk nun sein drittes Release auf Rephlex. Musik zum wegspacen in ein buntes Hörspiel tausender Kulturen. Äußerst relaxed und dennoch eine Spur eigensinnig. Auf den schwingenden Rücken der gleichförmigen Programmierungen gleiten die einzelnen Stücke zärtlich durch den Raum. Ein Hauch von sakralem New Age im Schlepptau, ohne zu kitschig zu werden. Sanft taumelt man zwischen den Spuren aufwendig gestalteter Klangdarbietungen und sich dezent ablösenden Stimmungen. ][ g

Smash TV - Electrified - Bpitch Control
Nach diversen Sampler-Beiträgen und Maxis nun das erste Album des Berliner Produzenten-duos. Smash TVs Interpretation von aktuellem Techno basiert auf Rückgriffen und Vorahnungen gleichermaßen. Als „tighte Elechtech-Version von Elektro“ (PR-Info) werden digital-abstrakte Klangwelten (auch geräuschiger Natur), Old-School-Referenzen in Rückbesinnung auf das elektronische Wave-Erbe der 80er und vereinzelt durchschimmernde Pop-Qualitäten der „Küchenlieder“-Kategorie zu einem schlüssigen Konzept verbunden, das gleichsam als Reflexion auf das Lebensgefühl am nervösen Herzschlag moderner Kulturgesellschaften gesehen werden kann. So wird zwischenzeitlich auf die Durchgängigkeit des Rhythmus-Korsetts verzichtet, um zugunsten reduzierter Noise-Passagen in Bildflimmer- und Film-Roboter-Sound-Manier, gespickt mit melancholisch weit entfernt klingenden Vocoder-Stimmen, mediensozialisationsgetränkte Atmosphärik zu schaffen. Solange dies nicht in zu elegische Ausschweifungen abgleitet, befindet sich das musikalische Geschehen durchaus im Lot mit dem propagierten eigenen Anspruch, denn dann sorgen anschließend konturenschärfere Rhythmen für das notwendige Fortschreiten des Flusses. Nur – und das sei als einzige wirkliche Kritik angefügt – vielleicht nicht oft genug. ][ hve

Ben Human - Go Human - Not Ape! - Unique
Der Titel vermag nach mehr kulturellem Niveau verlangen, das gleichnamige Titelstück, mit dem dieses Album beginnt, entpuppt sich als treibender, die Tanzfläche begeisternder Offbeat-Track. Überhaupt legt Ben Human wert auf solide Drums und forsche Grooves - aus seiner Zusammenarbeit mit Rob Playford jedenfalls scheint er einiges gelernt zu haben. Jazzige Breakbeats wechseln sich mit wilden Offbeats aber leider auch mit einigen Ausrutschern ab. „Stonefox“ zum Beispiel erinnert mehr an einfachen Filter-Party-House, als an gekonntes Songwriting, während „Magic Man“ anfangs noch tapfer groovt, dann aber in seichte Gewässer entschwindet. Glücklicherweise wird diese Schwächephase schnell überwunden und der Rest des Albums erweist sich als gekonnt durchdachte und abwechslungsreich gestaltete Tracks. ][ mb

Fila Brazilla - Jump Leads - 23 Records
Bereits das achte Album der Formation um Dave McSherry und Steve Cobby, seit kurzem erscheinen sie ja auf dem eigenen Label 23 Records (im Vertrieb von Zomba). Im CD- bzw. 3fach-Vinyl-Format werden 11 Tracks präsentiert, die erst nach mehrmaligem Konsum den Status „nett anzuhören“ verlieren und mehr Substanz offenbaren. Eingekleidet in ein Gewand aus brasilianisch angehauchten Lounge-, Dub-, Trip-Hop- und Broken-Beats-Versatzstücken, die meist im Mid- bis Downtempo-Bereich daherkommen, verzichtet das Album weitestgehend auf innovative Sounds oder Kompositionstechniken, um dafür bekannte Klangfarben und vertraute Arrangement-Strukturen zu einem flüssigen Reigen meist sehr gefälliger, ja manchmal fast das Gebiet des Easy Listening streifender Höreinheiten anzuordnen. Dabei wird das Kriterium der Dancefloor-Tauglichkeit überwiegend erfüllt, einige Male sogar mit durchaus erinnerungsträchtigen Sequenzen. Dennoch ist wenig von einer klar erkennbaren eigenen Handschrift zu spüren; vielmehr wirken die Zutaten der Tracks (wenn auch durchaus gekonnt) zusammengeklaubt und (nicht immer organisch) adaptiert. Zudem hinterlassen die in einigen (wenigen) Stücken eingesetzten Gesangsstimmen einen zumindest zwiespältigen, um nicht zu sagen kontrakonsumptiven Eindruck. Einzig die musikalisch reife Kompetenz der Protagonisten, die an einigen Stellen für (v.a. harmonisch) sehr schöne Augenblicke sorgt, verhindert ein Abgleiten ins Belanglose und rettet dem Produkt gerade noch das Attribut „gut“. ][ hve

Art Konik - Vendetta Society - Comet
Als erstes wird einem geschulten Ohr die geradezu exzellente Qualität der Aufnahme auffallen, die ich im Dancefloorbereich so nur von einigen wenigen Labels kenne. Eine angenehme Überraschung, scheint sich doch im Allgemeinen der Einsatz von gewollt einfachen LoFi-Sounds als ästhetisches Stilmittel immer mehr durchzusetzen. Man denke da nur an Kruders Fauna-Flash-Remix. Musikalisch steht Arts erstes Album der Aufnahmequalität in nichts nach. Gefühlvoll und überlegt, lockt er den Hörer in ein Universum aus Jazz und Breaks, läßt dubbige Bässe den Bauch und zarte Percussionklänge das Trommelfell massieren. Stimmenfetzen reißen einen plötzlich aus der sich einstellenden Trance und der daraufhin einsetzende, treibende Groove peitscht einen förmlich ins nächste Stück. Die Übergänge von einem Titel zum anderen sind fließend, immer wieder sprengen wilde, frei improvisierte Saxophonsoli das Beatgerüst und sorgen für ein ordentliches Klangfeuerwerk. Es dürfte zwar schwierig werden, eines der Stücke in Mitten einer Clubnacht einzusetzen, aber dafür gibt es ja schließlich die bereits bekannten Remix-Maxis. Auf die Art-Konik-Trio-Tournee darf man dennoch äußerst gespannt sein. ][ mb

Red Sparrow - Endless Loop - Wohnton
Der Frankfurter Matthias Spittler wirft den Zuhörer bei seinem uns vorliegenden Debut-Album von der einen Ecke des Wohnzimmers in die andere. Mit einer gehörigen Portion vielfältiger Ideen und Genresprengungen präsentiert er ein sehr komplexes Werk. Es passiert viel Unerwartetes - eine spannende Angelegenheit also. Wer ‚Listening-Musik’ mit ruhigem Dahintreiben auf einem geraden Flußlauf assoziiert, wird hier eines besseren belehrt. Das Spektrum reicht von entspannten Wogen bis hin zu wilder Frickelei. Viele Sample-Splitter, die in einer Art und Weise in die Tracks eingeworfen werden, wie es Coldcut nicht hätten besser machen können. Wenn 80er-Wave-Einflüsse durchschimmern, dann nicht in dreckiger Gigolo-Manier, sondern in weicher, liebevoller Art und Weise. Der Pop-Appeal ist streckenweise zu gewollt bis unnötig, aber nicht erschlagend. Eigenwillige Soundkonstrukte verleihen dem Ganzen letztendlich die sehr kräftige und wichtige Eigennote. Das Video zu „Les Arbres“ ist bereits in Arbeit. ][ lightwood

Don Carlos - The Music in my Mind - Irma
Don Carlos wurde 1991 mit seinem zum Klassiker gewordenen „Alone“ bekannt; nach seinen folgenden zwei, nur in den USA veröffentlichten Alben vor sieben Jahren, hat er für Irma und Guidance produziert und geremixt. Mit seinem neuen (in CD-Version) 73-Minuten-Album liefert er auf 13 Titeln Elaborate seiner (traditionellen) House-Philosophie ab. Flüssige Grooves, weiche und vertraute, mit dem Saxophon abgerundete Wohlfühlsounds, softe und manchmal (wenn’s der Rahmen erlaubt) auch druckvollere (dabei aber stets federnd bleibende) Rhythmen und Tempi, sowie „wichtige“ Stimmen (Kim Mazelle, Michelle Weeks, Taka Boom oder Kevin Byrant) und eine perfekte Produktion beherrschen da das Bild. Sogar mit einigen hübschen Gimmicks (Hammond-orgel) kann der Italiener aufwarten, wenngleich er in der stimmigen Sanftheit seiner Sounds nicht die Klasse eines (klangtechnisch durchaus vergleichbaren) Ian Pooley auf dessen 2000er Album „Since Then“ erreicht (das im übrigen um Längen besser, weil inspirierter ist). „The Music in my Mind“ rechtfertigt durchaus die Bezeichnung „Ambient House“, wenn dies die Einbettung in eine bestimmte Atmosphärik (mein Lieblingswort in diesem ouk) meint, und zwar hier in eine kuschelige, und nicht die Zuweisung von Charakteristika, die kreative, innovative, nämlich sich weiterentwickelnde Musikproduktionen ausmachen. Sicher ist Don Carlos Mitschöpfer dieses angenehm berieselnden Sound-Prinzips, das sich vor zehn Jahren mehr und mehr durchsetzte und (leider) auch heute noch ein gewichtiges Stück Club-Kultur in Sachen House mitbestimmt. Das heißt aber (glücklicherweise) nicht automatisch, daß es deshalb im Jahre 2002 noch besonders interessant sein müßte oder gar zeigte, wo die Reise hingehen wird oder soll. Will Don Carlos wahrscheinlich auch gar nicht, aber soll ich mir nur, weil er die Produktion dieses „coolen“ Sounds vielleicht etwas souveräner beherrscht als viele andere, die Ohren mit konformistischen Appetithäppchen einer abgenudelten Spielart von House zudröhnen? Mich auf der öligen Ibiza-Spielwiese räkeln, wo der Brei aus ein bißchen Funk, ein bißchen „Jazz“, ein bißchen Brasil und ein bißchen Disco jede zündende Idee im Keime erstickt? Oder mich weiter von nervigen Old-School-Vocals mit ihrem Pseudo-Soul in oberen Frequenzbereichen quälen lassen? Die originäre Faszination des House-Beats ist viel zu grund-legend, um ihn den Traditionalisten zu überlassen. Nicht umsonst nähern sich Drum&Bass und Psy-Trance verstärkt diesem Tempo an. Und die wirklich interessanten, sprich inspirierten Entwicklungen finden auf den Gebieten von NuBreaks-/-Jazz- und (vor allem) Minimal-Tech-Electro-House statt, nicht bei diesen oder ähnlichen Formen von „Ambient House“, wenn man auch das eine oder andere nette Stück dieser Platte sicherlich unauffällig in ein DJ-Set einbauen kann. ][ hve

5 Deez - Koolmotor - Counterflow
Soul und HipHop kann man mittlerweile ja getrost als zwei Paar Schuhe sehen, wären da nicht einige, ihren Herzen treu gebliebene Seelen wie u.a. 5 Deez. Deren Album „Koolmotor“ ist alles andere als cool. In gelungener Weise schmiegen sich ihre Rhymes an Beat und Melodie und stets wird eben letzten sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Keine plumpen Loops, keine langweilige Samples, sondern fein arrangierte Stücke sorgen für Hörvergnügen. Jazzclub-Atmosphäre und live eingespielte Instrumente sorgen dabei für den richtigen Vibe, während housige Rhythmen immer wieder für angenehme Abwechslung sorgen. ][ mb

Def Cut - Street Level - MZEE
Der Basler Def Cut steht für pure Energie, schlicht pure Energie. Der Rezensent der 16 B-Boy-Tracks erfreut sich dann auch schon nach wenigen Takten eines gehörigen Bewegungsdrangs, der sich keinesfalls an alte Headspin-Zeiten anlehnt. Wahrscheinlich ist das positiv zu bewerten und definitiv ein Grund für Morgenmuffel, sich mit dieser Musik wecken zu lassen. Jedenfalls haben die im deutschsprachigen Raum händeringend nach Beats suchenden B-Boys einen weiteren MZEE-gelenkten Grund zur Freude. Das katastrophale Cover-Layout sollte einen nicht abschrecken. Der Schweizer DJ hatte nicht umsonst die Ehre, die Battle of the Year zu beschallen. ][ motik

Spenza - Time Society EP - Delete 001
Knackig schreddernder Funk, umschwirrt von ortlosen Soundwölkchen, Elektro-Clustern und Andeutungen von melodischen Motiven, all das von dem gewissen Flow und der melancholischen Erdung zusammengehalten, die von Aphex Twins 94er LP „I Care Because You Do“ noch in so guter und nostalgischer Erinnerung bleiben. Spenzer, Initiator und erster veröffentlichender Künstler des neuen Berliner Labels Delete, gibt zwar zu Protokoll, von Richrd D. James nicht mehr beeinflußt zu sein, als von Autechre oder jedem anderen Electronica-Act auch, aber soll einen das davon abhalten, diese 6-Track-EP unter Zuhilfenahme konsensfähiger Klassiker über den grünen Tee zu loben? Das wär ja noch schöner. Freestyle in feinster Form, von Down- zu Uptempo jeder freestylenden Anforderung gerecht werdend, nach dem alle freestylenden DJs tunlichst Ausschau halten sollten. ][ mandel

DJ Friction - Friction - Four Music
Der Stuttgarter DJ Friction weist mit seinem zweiten Album den Weg, den unser Magazin seit Beginn seines Bestehens verficht. Grenzenlosigkeit in der musikalischen Ausdrucksweise und die Weigerung sich den separatistischen Kategorisierungs-Bestrebungen vieler Musiker und Konsumenten zu unterwerfen. Elektro, House, Hip-Hop, R`n`B, Funk und Disko vermischen sich auf diesem Long-player zu einem heiteren Tanz durch die meisten Clubgenres der letzten 25 Jahre. Friction bewegt sich massenkompatibel auf einer Grenzlinie zwischen Underground und Kommerz, macht dabei aber im Gegensatz zu den meisten seiner Stuttgarter Kollegen nicht den Eindruck eines raffgierigen Prinzipienunterdrückers. Neu ist, daß Friction die Feature-Rate gering hält und deshalb vorliegend von seinem „eigentlich ersten Album“ spricht. Auch wenn anspruchsvolle Gemüter nur marginal erfreut sein werden, eines ist sicher: die Stuttgarter werden diese Platte lieben. ][ motik

The!She - Burgundy - No.Nine
Der Berliner Produzent me raabenstein präsentiert uns zeitlose Listening-Pleasure in zeit-lupenartiger Eleganz. Mal jazzig zurücklehnend, mal elektronisch plockernd, mal barmusikähnlich hintergründig, werden weite Atmosphären aufgebaut, die manchmal gar zu friedvoll und beruhigend erscheinen. Vorsichtig schieben sich hier und da leichte Vocals in den Vordergrund. Säuselnd, schräg, aber immer in die Mitte treffend. Liebeslieder? Paradiesische Hymnen? Träume? Selten zieht der Beat mal an oder der Bass drückt dich weg. Neunzehn sanfte und stimmungsvolle Downtempo-Nummern, die sich zwar in ihren einzelnen Sounds und Elementen unterscheiden, jedoch alle den selben Nerv treffen: lehn’ dich zurück und atme genüßlich ein und wieder aus und wieder ein... . Übrigens: selten trifft das Coverartwork so gut die Musik, die darin enthalten ist... ][ lightwood

VA - Neue Heimat - Electronic Music made in Germany - Ministry of Sound
Was haben Lali Puna, Sven Väth, Turntablerocker und die Computerjockeys gemeinsam? Well, sie machen elektronische Musik und haben einen deutschen Pass. Der Compilation geht es darum „das neue musikalische Deutschland“ aus seinem Dasein als 12-inch-Geheimtip zu befreien und mit „Neue Heimat“ einen ersten Querschnitt zu liefern. Artwork, Titel und Pressetext kann man getrost in die Tonne treten, die Musik ist so bekannt wie bewährt und reicht von Teschno bis Jazzanova, mit allerlei „Datapop“ und „Indietronics“ dazwischen. Hip-Hop, Drum’n’Bass und Breakbeat sind, wiewohl elektronisch, nicht vertreten, vermutlich da das Augenmerk auf Musik liegt, die „nicht getragen wird von importiertem Kulturgut aus USA oder UK, sondern sich in den vergangenen Jahren in Deutschland szenisch entwickelt hat.“ Ach herrje. Im „dritten Jahrzehnt nach Kraftwerk“ müssen wir also nach dem spezifisch Deutschen suchen, um zufrieden mit uns und unserer Musik zu sein. Egal, daß es mindestens zwei Atlantiküberquerungen brauchte, bis Kraftwerk via Detroit und NYC in Berlin, Frankfurt, Köln etc. das auslösten, was hier, 20 Jahre internationalen Austauschs unter den Tisch fallen lassend, als „Neue Heimat“ präsentiert wird. Egal, daß Phänomene wie Sven Väth, Rhythm&Sound oder Jazzanova auch nur im entferntesten denkbar wären ohne ihre internationalen Verstrickungen und eben auch ohne die Vorleistungen von Studios in Brooklyn, London, Kingston, Detroit etc. (was sie auch nicht von Hip-Hop aus Hamburg, Breakbeat aus Hanau, Ragga aus Berlin oder Dubreggae aus Dresden unterscheidet). Wenn diese Doppel-CD als Exportartikel gedacht sein soll: schön für die Beteiligten, Tantiemen sind was feines. Ansonsten: Laßt mich dem Schaukeln eurer deutschen Eier in Frieden, ihr liegt falsch. ][ mandel

Nobukazu Takemura - Sign - Thrill Jockey
Aus einem Aufenthalt des Japaners in Chicago, wo er mit Bundy Brown, Douglas McCombs und John McEntire zusammen arbeitete, wurde ein Projekt. Experimentelle Spielvielfalt über unterschiedlichsten Klangläufen in verschiedenen Tempi. Immer steht der virtuose Umgang mit dem elektronischen Equipment im Vordergrund, welches als Schnittstelle aller Ideen und Einzelgeräusche für den Hörer ein einheitliches Geflecht werden läßt. Darüber blubbern mit kindlicher Leichtigkeit Soundblase bis sie an der Oberfläche fein zerstauben. Neben den vier Stücken von CD1 befindet sich noch ein Video-File auf CD2. Der ebenfalls aus Japan kommende Animationskünstler Katsura Moshino, auch bekannt durch sein Flyerdesign unter anderem für Towa Tei und MoWax, produzierte einen ca. 10 Minütigen Kurzfilm, für den er das Titelstück “Sign” verwendete. So vielschichtig wie die Musik, ist dabei auch die Trickfilmwelt besonderer Art. Alles verschmilzt wunderbar miteinander zu einem Ganzen. ][ g

VA - Quartermass vs. Kitty-Yo - Quartermass
Wie bereits vom Mutterschiff Sub Rosa gewohnt, sucht Quartermass die - augenzwinkernd Soundclash genannte - Begegnung mit anderen Labels, und nach Kompakt hat es jetzt Kitty-Yo getroffen. Leider nehmen die sattsam bekannten Originale von Peaches, Gonzales und Rechenzentrum einigen Platz weg, so daß nur die gute Hälfte der CD, eben die Remix-Arbeiten, wirklich überraschen können: Add N to (X) legen mit düster dräuenden Elektro-Gefrickel vor, das mit Gonzales-Lyrics on Top aber dennoch nicht die gewohnte treibende Energie aufbringt. Die texanischen Calla schicken den Klingelklangelprogrock von Couch in die Wüste, wo verrottete Bohrtürme ihre einsamen Melodien quietschen. Tal eifern mit ihrer Peaches-Bearbeitung den Hip-Hop-Dekonstruktionen von Prefuse 73 nach. Richtig begeistern kann erst Mira Calix, die die pluckernde „submarine“ des Rechenzentrums noch tiefer in die Dunkelheit zieht. Unterm Strich: für Fans jeweils eines der beiden Labels unverzichtbare Ergänzung, andere Menschen finden oder haben bereits essentiellere Werke. ][ mandel

Drexciya - Harnessed The Storm - Tresor
Immer wenn das Projekt Drexciya aus den Nebeln der Mystik in das Diesseits eintaucht und über seine Mittelsmänner die Welt mit einem neuerlichem Ausfluß seines Schaffens beglückt, fragt man sich, wer wohl dem illustren Kreis derer angehört, die wissen, wem wir all das zu verdanken haben. Allein aufgrund des Verbleibs in der Anonymität, also wegen des Beharrens auf einer Idee, die dieser Musik, die wir Techno nennen, eigentlich längst entflohen ist, gebührt Drexciya der Ehrenpreis der Maschinenmusikszene. Harnessed the storm ist natürlich mit dem einfachen Wort Techno nicht umfassend beschrieben. Drexciya bedeutet genauso finsteren Experimental-, wie kraftwerkangelehnten Elektro und Techno, der Ursprung aber bleibt unverkennbar. Motor City Detroit. Drexciya bewegt sich produktionstechnisch auf gewohnt hohem Niveau und setzt seinem Lebenswerk einen neuen Eckpunkt hinzu, der in Zeiten des Einheitsretrobreigewürges schon fast wieder innovativ zu nennen ist. ][ motik

VA - More Dub Infusions - Best Seven
„Eine Bestandsaufnahme der Gegenwärtigen Lage“ nennt sich die Fortsetzung des Compilation-Projekts aus dem Hause Best Seven / Sonarkollektiv. Erneut macht sich Daniel Haaksman auf die Suche nach moderner, elektronischer Musik mit einschlägigem Dubcharakter. Bevorzugt hat er diesmal ruhigere gefilde, hat gleichzeitig die Grenzen aber enorm geweitet und eine sehr gelungene Zusammenstellung von 12 recht unterschiedlichen Stücken auf CD bzw. Vinyl gebannt. Unter dem Einfluß von dubbigen Vibes stehend, versammeln sich hier Namen wie Recloose, Rhythm&Sound, die Fantastischen 4 und sogar der Poet und Schriftsteller William S. Burroughs gibt seine Vorstellung von Dub zum Besten. Musik nicht nur für den Sofa, sondern auch für die besonderen Momente im Club, u.k.w.i.s. ][ mb

3582 -The living soul - Hum Drums
Fat Jon und J.Rawls firmieren unter dem Projektnamen 3582 und legen mit „The living soul“ ein perfekt produziertes Album vor, dessen Smoothness geradezu aus den Boxen zu wabbern droht. 3582 verstehen ihr Handwerk blind und überzeugen mit dichten und, man möge das Wort entschuldigen, fetten Beats sowie einem allürenfreien Flow. ][ motik

VA - The Funky 16 Corners - Stones Throw
Eigentlich schon seit geraumer Zeit erhältlich, kommt man an dieser Stelle nicht umher, nochmals auf Stones-Throw-Egons geradezu akribisch zusammengestellte Compilation hinzuweisen. Mit raren Funkperlen à la Keb Darge bestückt, ist sie viel mehr als nur eine weitere Funk-Compilation (auch wenn hier gleich hinzugefügt sein soll, daß es sich um überaus hervorragende Stücke handelt). Was dieses Werk so besonders macht, ist die Liebe und Energie, mit der Egon jeder einzelne der hier vertretenen Bands nachgegangen ist, Interviews geführt und Fotomaterial aufgespürt hat und all dies im Booklet und auf der Stones-Throw-Webpage (www.stonesthrow.com) aufbereitet hat. Die anstehende Deutschlandtour im Februar und März wird hoffentlich helfen, das Funkfieber in unseren Breitengraden weiter zu entfachen. ][ mb

Headman - It Rough - Gomma
Es gibt sie viel zu selten - Platten, die nicht bereits nach den ersten zwei Minuten kategorisiert und in einer Schublade abgelegt sind. Headman - das sind der Maler Robi Isinna und der Musiker Ralph Peter - produzieren des öfteren solche Platten, so auch schon auf Compost, damals unter dem Namen „Natural High Produktions“. In groben Zügen an Downbeat orientiert, offenbart sich mit „it rough“ eine geradezu abenteuerliche Mischung diverser elektronischer Einflüsse, die sich stets von wildgewordenen Gitarrensoli, rauchigen Stimmen und piepsenden Synthesizern traktieren lassen müssen. Mal HipHop, mal House, mal BigBeat - in Sachen Sound-Ästhetik findet sich hier allerlei wieder, auch wenn einigen Stücken die Trägheit zu sehr auf die Seele schlägt. ][ mb

Boogietroit EP - Form 003
Zwar sammelten MTC Yaw und Rollin’ B ihre DJ-Erfahrungen überwiegend in der Raveszene Hamburgs und Bremens, aber mit ihrem Label Form Recording (ohne ‚s’ wohlgemerkt) offenbaren sie ihre wahren Koordinaten. Wo sich diese befinden, läßt sich am besten mit vorliegender EP festmachen, die als zwei aufeinanderfolgende 12“s erscheinen wird. „Boogietroit“ arbeitet mit filmreifen Samples, die in Kombination mit einer Funkgitarre an Adam Fs „Dirty Harry“ erinnern. Die Rhythmik gleicht zwar ziemlich genau der von „Bodyrock“, aber was soll’s, es swingt halt wie Hölle und funky ist es noch dazu. Kleine Sounddetails sorgen für die Eigennote ohne alles zu überladen. „Exactor“ zieht da schon mehr an und erinnert an die ersten beiden Releases. Ein ultraschnell gespielter Synthie-Sound und ein sägender Bass kooperieren mit Detroit-Sounds und Fläche. Interessant ist hierbei die Schichtung und das zeitliche Auftreten der einzelnen Elemente. „Motation Tween“ entfaltet von Anfang an seine hypnotische Wirkung. Leichte Percussion, verträumte, synthetische Flächen und kontinuierliches Vorwärtsmarschieren der Beats. Spannend wird es nochmal nach ca. zwei Dritteln des Tracks, wenn alles auf eine andere Ebene gehoben scheint. „Corn“ arbeitet zunächst mit südländisch anmutenden Gitarren, die aber schnell wieder verschwinden und kaum noch von sich hören machen. Nach hinten raus verliert sich der Track leider ein wenig. Alles in allem eine runde, saubere, aber vor allen Dingen vielfältige Angelegenheit, der an manchen Stellen vielleicht noch das letzte Quentchen fehlt. ][ lightwood

Tosca - Different Taste Of Honey - G-Stone
Ein Intro, ein Outro und 13 verschiedene Mixe von „Honey“ - das könnte man fast schon als Zumutung auffassen. Da die angeheuerten Remixer aber nicht alle aus Wien kommen und somit nicht zwangsläufig einer gewissen Gemächlichkeit unterliegen, bietet diese CD bzw. 4-fach-LP ein äußerst vielseitiges Bild (auch wenn alle Mixe als „Dub“ gekennzeichnet sind). Faze Action treiben es gewohnt afrikanisch wild-percussiv mit Hang zum „Compost-Bass“; Organic Audio gehen es funky an und setzen auf einen gelungenen Offbeat während Supatone extrem dubbig für angenehme Vibes sorgen. Der Rest findet sich irgendwo dazwischen. Gedacht ist das ganze wohl eher für den DJ als für den bloßen Musikhörer, denn der dürfte auf Dauer wohl doch etwas gelangweilt sein. Reinhören und selbst entscheiden. ][ mb

Larry Heard - Praise (Rmxs) - Track Mode
Track Mode hat wohl gerade das, was man landläufig einen „Lauf“ nennt. Kaum ein Monat vergeht ohne eine 12inch aus Brooklyn. Stören soll’s uns nicht, da trotz all der Quantität die vielbeschworene Qualität nicht (oder kaum) auf der Strecke bleibt. Das gilt auch für diesen Fall. Larry Heard’s „Praise“ vom vielgelobten „Love’s Arrival“ Album. Leider liefert der Deep-House-Virtuose diesmal die schlechteste Neuinterpretation, die zwar heftig auf Ravesignale setzt, aber doch eher unter „ferner liefen“ abzubuchen ist. Netter kommt da schon Chris Gray vom Platz. Der Schüler Heards hat zwar nicht erst mit seinem Deep 4 Life Imprint zu einem eigenständigen Sound gefunden, kultiviert diesen jedoch immer mehr zu einer ernstzunehmenden Alternative. Derer gibt es ja nicht gerade allzu viele, wenn einen nach unprätentiöser Tiefe verlangt. Die Lorbeeren bekommt allerdings Glenn Underground überreicht. Von Chicago’s Very Own gab es ja im letzten Jahr außer ein paar 12“s hier und da nicht viel spannendes zu berichten. Im „Glenn Underground’s Thank You Mix“ setzt er seinen Namen allerdings bravourös zurück auf die Landkarte: funky Beat, Vocalspielereien, die schon fast an Todd Edwards erinnern und ein Vibe, der kitschiger nicht sein könnte. Super nice eben. Ans Herz gelegt sei auch der simple, aber unglaublich effektive KDJ Re-Edit von Heards „Another Night“ und die dritte Ausgabe der „Abstract Fusion“ Reihe, die mit „Root Beer Float“ einen der schönsten Theo-Parrish-Tracks seit langem für sich verbuchen kann. ][ janson

Titonton Duvante &
Rythm_Maker - Alles Mainstream - Background
Anna Kaufen - Drive In/ Drive Out - A Touch Of Class 07
Andy Vaz - Sounds_Variations 2-2- [- - -]

Verfolgt man den Weg dieser drei Maxi-Veröffentlichungen von verschiedenen Plattenfirmen bis auf den Inhaber der mechanichen Rechte zurück, so trifft man auf nur eine Adresse in Düsseldorf. Von dort aus lenkt Andy Vaz nämlich alleine die Geschicke von mittlerweile vier Trademarks mit unverminderter Konsequenz und Qualität. Background für den deepen Techno, ATC für den deepen House, [—-] fuer die deepen eigenen Entwürfe und Deep Night Essentials für Tracks, die sich in die strengen konzeptionellen Vorgaben der anderen Labels nicht einordnen können und trotzdem ebenfalls, wie der Name schon sagt, eben deep sind. Alles natürlich mit dem kleinen “m” für die große Minimal-Musik versehen, versteht sich.
“Alles Mainstream” ist als Vorabmaxi für die 2LP/CD “Landing” schon längst erschienen, war in diesem Heft aber noch nicht besprochen, was angesichts der “Größe” dieser Platte nachgeholt werden muß. Daß der Mann Hits in Serie schreiben kann, ist man von ihm ja gewohnt, daß er aber gleich mit beiden dieser Tracks einigen Detroiter Kollegen ihre Uninspiriertheit auf eigenem Terrain unter die Nase reibt, ist schon ein dickes Ding. Die B-Seite gibt der 12” ihren Namen, ist nicht auf dem Album enthalten und kann zu Rythm_Makers soundästhetisch reifsten Produktionen gezählt werden. Glockig klingen die Sequenzen an der Oberfläche, während der Bass sein Thema in wirklicher Deepness von unten monoton drumherumschlängelt. Es kann nicht oft genug erwähnt werden, daß alle Sequenzen und Melodien hier ihren harmonischen Sinn erfüllen, sich ergänzen, Schicht um Schicht bis zum Break eine verhaltene Euphorie aufbauen, welche den Dancefloor mit Samthandschuhen vor neue Aufgaben stellt. Peel auf der A-Seite spielt da offensiver sein Hit-Potential aus. Der Track ist in anderer Version auch auf dem Album enthalten und für diese Maxi zurecht auf den Club-Kontext funktional zugeschnitten. Peel geht die Nacht mit seinen Strings aggressiver an und sorgt für eine Schraube, wie sie aus Detroit in der Qualität schon lange nicht mehr zu vernehmen war. Pflichtkauf, auf den sogar die verschlafene englische Presse mehr als aufmerksam geworden ist.
Daß der Kanadier A(nna)K(a)ufen momentan everybodys darling ist, kann wohl niemand wirklich bestreiten. Der Mann scheint frei zu sein. Der hat keine Angst. Er hat seine lineare Produktionsweise derartig perfektioniert, daß er seinen extrem knackigen Tracks sogar Jazz-Pianos unterjubeln kann, in einer Weise, daß jedem klar sein muß (ja, ja auch den Kindern von der Minimal-Style-Polizei), daß das so hier zwingend notwendig ist. Völlig unhysterisch sind Drive In/Drive Out zwei Party-Disco-House-Wirkönnenunsalledaraufeinigen-Schieber, die in der House-Fraktion für zittrige Hände sorgen werden, weil Akufen es geschafft hat, das (im Minimal-Techno essentielle) konzentrierte Fokussieren auf das Wesentliche, mit Humor anzureichern. Es ist zu vermuten, daß viele DJs sich diese Platte zweimal besorgen, um im Set aus knapp 10 Minuten eine Stunde zu machen, denn was will man danach spielen, wenn das Dach brennt? Diejenigen, die beim Durchzappen immer die Nadel in Sekundenbruchteilen über die Platte hüpfen lassen, werden einiges verpassen, denn der wahre Meister weiß, daß die schönen Dinge ihre Zeit brauchen.
Andy Vaz darf seinen Acts in nichts nachstehen. Er weiß um all das Schöne und die Strenge, um die offenen und geschlossenen Systeme des Minimalen. Vaz weiß auch, was in den letzten Jahren in Detroit, S.F., Montreal, Köln, Düsseldorf und dem Rest der Welt rund um die gerade Bassdrum an Funk und an Soul aus den Maschinen geholt wurde. Während in Köln viele der wissenschaftlichen Herangehensweise, der Jagd nach Erkenntnissen im Mikrokosmos und Parallel-Universum Minimal-Techno den Rücken kehren, zugunsten einer verbindlicheren Lesart des Technos, (hin zum Menschen, hin zum Pop; was mir aus humanistischen Gründen nicht unsympathisch ist), beißt Vaz sich weiter fest an der Arbeit im Codierten. Da er bei seinen eigenen Veröffentlichungen die konzeptionelle Schraube dadurch naturgemäß noch ein bißchen fester andreht, handelt es sich bei seinen Platten um wahrlich reduktionistische Arbeiten, die zu meiner Überraschung aber dennoch ungehörte neue Wege gehen. Dabei will ich noch nicht mal auf den Namen eingehen, der keiner sein will, sondern mich eher über Vazs musikalischen Mut freuen, mit Disharmonien den nächsten Schritt zu machen. Disharmonien meist aus kurzen Flächensounds, die über die funky repetitive Bassdrum gelegt, hier und dort mal hereinschneien, sich auch mal verzahnen aber nie oberschlau zur Schau gestellt werden. Allzuviel passiert da nicht auf der langen Strecke, möchte man meinen. Ist aber ein komplett falscher Eindruck. Isoliert man nämlich vier Takte und würde sie im Loop auch auf knapp 8 Minuten dehnen, käme man der tatsächlichen Ausdehnung der Tracks nicht im Ansatz nahe. Aber eigentlich wollte ich nur zum Ausdruck bringen, daß die Stücke weder auf singuläre Höhepunkte hinarbeiten, noch auf Groove-gewichse innerhalb von Taktgrenzen, sondern sich ausbreiten wie zähe Flüssigkeit mit ihrer stoischen Bassdrum, Hörgewohnhweiten erweiternd. In der Testcard würde hierfür zurecht der dreifache Wyatt-Faktor ausgelobt werden.
][ f.d`a

Captain Comatose - Acapulco 2001 - Playhouse
Auch bei Playhouse hält heimlich NewWave Einzug, wenn auch in bedeutend interessanter und angenehmerer Form als auf anderen Labels. Snax und Khan rocken hier quer durch 20 Jahre elektronischer Musik im „4-to-the-floor“-Stile, mit meist sehr einfach aber wirkungsvoll gestrickten Mustern, die es einem schwer machen, ruhig sitzen zu bleiben. Besonders „mr. monkey“ fügt sich wunderbar in ein deepes Houseset ein und läßt Herzen höherschlagen. ][ mb

Fabrice Lig - Sensual - 7th City
Die Werke des Titonton Duvante für gut zu befinden, gehört ja mittlerweile selbst in Kreisen der gebrochen und jazzigen Breaks zum guten Ton. Auch wenn das Tempo manchmal doch etwas zu hoch ist, gehört Titonton wohl zu den interessanteren Produzenten around, und dürfte mit seinem Hang zur Soundtüftelei in Morgan Geist so etwas wie einen Seelenverwandten finden. Lig ist Belgier und sorgt dafür, daß das Label „Musik aus Detroit“ nicht kampflos einem DJ Assault überlassen wird. Steckt man die beiden unter eine Decke, kommt die schönste Techno-not-Techno-Platte der letzten Zeit dabei heraus. Der Volltreffer des 3-Trackers hört auf den etwas dallen Titel „Even Deeper“ und ist ein hypnotisch dahin gleitender Break for love, der auch auf Transmat nicht besser aufgeboben sein könnte. Essential! ][ janson

The Sugarman 3 - Funky so-and-so - Daptone
Gänzlich unbekannt dürften sie ja nicht mehr sein, spätestens mit dieser Single, ihrem anstehenden, neuen Album und der im April stattfindenden Deutschland-Tour dürften Sugarman 3 dann aber ihre Vorherrschaft in Sachen instrumentalem Soul unter Beweis stellen. „Funky so-and-so“ ist nicht nur ein meisterlich arrangiertes Stück, sondern besticht durch Kraft, Witz und der ganz deutlich zu hörenden Spielfreude der vier NewYorker. Würde es sich hier um eine Single aus den späten 60ern handeln, Keb Darge hätte sie längst für ein kleines Vermögen gekauft und auf einen seiner Deep-Funk-Samplern gepackt. So aber kann sich nicht nur jeder zum gewöhnlichen Single-Preis ein Stück Sugarman 3 kaufen, man darf sich auch noch auf vielversprechende Live-Auftritte freuen. ][ mb

Hugo Braun - Lieber ich - Elektro Komfort
Elektro Komfort ist ein neues Berliner Label, das sich, dem Namen sei es entnommen, der Elektromusik verschrieben hat. „Lieber ich“ kommt in der Original- und 3 Remixversionen in die Plattenregale und irritiert mit dem Stilmittel eines mehr als dämlichen und widersprüchlichen, scheinbar aus den Abgründen einer schlichten Gummizellen-Seele entkommenen Geschwätzs, das in der Produktinfo als eindringliche Gesangsstimme beschrieben wird. Musikalisch orientieren sich Braun und die Remixer Michael Adam und Dub Taylor an gängigen Techno- und Elektroklischees und verpassen durch den Einsatz althergebrachter Grundbausteine den gewünschten „innovativen“ Start in das Labeldasein. Die schlichte Struktur besteht aus einem eingängigen Motiv, in den Mixen leicht verschiedenen Elektrobeats und einer trancy Attitüde. Trotz allem eignet sich der stimmsamplefreie „Ambient-Mix“ als angenehme Vorprogrammalternative. Immerhin ist aller Anfang schwer... ][ motik

Brother Talipharaoh - God Will Take U Back - Bumpin’ City
Bruder Tali, der dem einen oder der anderen noch von seinen Arbeiten als Backgroundsänger für Blaze und das Funky People Camp („Lift Him Up“) ein Begriff sein mag, bringt uns nicht zurück nach Cali, sondern nach New Jersey und dies natürlich unter Mithilfe des Allmächtigen. Seltsamerweise geschieht dies auf einem Label aus der windigen Stadt, aber da die Platte ein astreiner Hit ist, wollen wir da doch mal nicht so kleinkariert sein. Die Minimalhouse-Kaste wird sich zwar eher die Ohren zuhalten und überhaupt steht der „Hardcore Gospel Sound“ wohl schon auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Musikstile, aber dennoch ist dies der Sound, den die Welt im Moment wirklich braucht. Mehr davon und einige überflüssige Cut-Ups gibt’s unter www.bumbincity.org. Hätten doch die Basement Boys bloß nie aufgehört, solche Musik zu produzieren... ][ janson


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