OUK das siebenund30ste ± public & bubblig ± Junil/Juli 02 bla & blub

Just another Insolvenzverfahren?. . . . . . . . . . .
Unbestätigten Gerüchten zufolge soll die britische Schallplattenfirma Nuphonic Records mit beiden Beinen in der Pleite stehen. Wie so etwas geht, fragt man sich, war doch das Label mit dem schicken Logo in den Virgin Stores von Berlin bis Bangkok genauso vertreten wie beim Schallplattenhändler um die Ecke. Als Mitbegründer und Auslöser des Hypes um Nu House von der Insel (kann sich daran noch jemand erinnern?) im letzten Jahrzehnt ins Leben gerufen, haben sich die Londoner mit so schönen Projekten wie der Spirtual Life Compilation, dem Faze Action Album oder den feinen Loft-Gedenkboxen des liebenswerten und schrulligen David Mancuso selbst ein Denkmal gesetzt. Dazwischen gab es natürlich haufenweise mal mehr, mal weniger gute Maxis, aber für eine Überraschung waren die Insulaner immer gut. Zuletzt haben Nuphonic sogar einen eigenen Club in Shoreditch eröffnet. Jetzt soll alles aus, vorbei und die Welt um ein Stückchen ärmer sein. Wir trauern mit. ][ janson

Von Musik und Maschinen . . . . . . . . . . . . . . . . .
Vom 11. Bis 13. Juli tagt in Berlin bereits zum dritten Mal der Musik-und-Maschine-Kongress. Erneut im „Haus der Kulturen der Welt“ zu Hause, gibt es dieses Jahr neben Workshops, Diskussions-Podien und den obligatorischen Parties erstmals auch eine Messe, auf der Teilnehmer ihre Projekte vorstellen können. Mehr dazu auf www.musikundmaschine.com. ][ mb

plus minus acht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Nieswandt, Hans. DJ, Musiker, Journalist, Bohemien. Der Hans, der kann’s. Endlich hat er auch den letzen logischen Schritt getan, nämlich den, ein Buch zu schreiben. Und dann keine blöde und öde Pop-Geschichte wie sie deutsche Jung-Autoren am Fließband produzieren, nur damit später Fische darin eingewickelt werden können. Nein, Nieswandt begibt sich nicht erst auf das Glatteis, Literatur im engeren Sinne sein zu wollen, sondern bringt die beiden Dinge zusammen, die er wohl am besten kann: schreiben und Platten auflegen. Oder besser: schreiben über das Auf-legen von Platten vor Publikum und alles was so dazu gehört. Heraus gekommen ist dabei ein höchst subjektives Werk, das sich in Anlehnung an die pitch control des legendären Technics 1210/1200 “plus minus acht. DJ Tage, DJ Nächte” nennt und alles, bloß kein ordinäres DJ-Buch sein will. Hier gibt es keine Ratschläge, wie man in drei Schritten vom Schlafzim-merkünstler zum Jukebox-Hero heranwächst, möglichst viele Mädchen (oder Jungs) abschleppen und mit käsigen Remixen Millionen aufs Girokonto scheffeln kann - und das ist auch ganz gut so. Nieswandt beschreibt schlicht und ergreifend sein Leben als DJ. Der Leser erfährt, wie er irgendwann von Punk und New Wave bei Hip Hop und Dance Music im weiteren Sinne ankam, den Bodensee in Richtung Hamburg verließ, dort mit den ersten House Tracks und ausschweifenden Clubnächten zusammentraf, schließlich selbst immer mehr zum DJ und anschließend zum Spex-Redakteur in Köln wurde, der mit seiner Sirius-Kolummne Diskurs und Kopfschwere hinter sich ließ, um in den Hallen der Spex einen Tanzboden zu legen.
Alles serviert in der typischen Nieswandt-Schreibe, die sich liest, wie sich Nervous oder Strictly Rhythm Platten in den frühen Neunzigern anhörten: funky eben. Nerd-Herzen schlagen höher, wenn er von seinen Treffen mit amerikanischen House-Heroen wie DJ Pierre berichtet oder den Tagen, in denen Stücke von Bobby Konders auf bundesdeutschen Tanzflächen noch Begeisterungsstürme entfachten. Natürlich beleuchtet er auch sein Leben als Popstar und Drittelmitglied von Whirlpool Productions, die ja in Italien für eine kurze (aber heftige) Zeit mittelschweren Boygroup-Kultstatus genossen. Die Sprache könnte hier manchmal zwar etwas zurückhaltender sein, aber, hey, so sind sie eben, die Künstler. Außerdem befindet er sich damit nur in bester Gesellschaft mit den Verfechtern uneingeschränkter Subjektivität wie Ralph Waldo Emerson oder Henry David Thoreau. Transzendalismus rules. Nicht wenige werden das Buch gerade wegen der humoristischen Passagen lieben, die die wahnwitzigen Erlebnisse umherreisender Schallplattenunterhalter treffend vor Augen führen. Schweizer Zöllner, die Plattenkoffer wiegen und gegen Pfand wieder herausgeben, gefloppte Riesenraves, Silvesterabende, die man mutterseelenallein in surrealen Herbergen verbringen muß und die absurde Atmosphäre auf Geburtstagspartys oder besser -orgien von Marc Spoon. Nicht zu vergessen natürlich die Beschreibung enervierender Hörerwünsche, übereifriger Resident-DJs und das überaus sympathische und pedantische Listenwesen im Anhang des Buches. Bestellen Sie ihr Exemplar noch heute: Hans Nieswandt: plus minus acht. DJ Tage, DJ Nächte. Kiwi, 2002, 8,90 EUR.
Hans Nieswandt auf Lesetour: 07.06.02 Wien, Pavillon; 09.06.02 Wien; 15.06.02 München, Literaturhaus; 20.06.02 Hamburg, Mojo Club; 21.06.02 Berlin, Volksbühne; 22.06.02 Stuttgart, Suite 212; 25.06.02 Karlsruhe, Badischer Kunstverein; 12.07.02 Tübingen, Depot. ][ janson

James Last . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ein verregneter Samstagabend am 11.05. in Stuttgart. Die Besucher des Cannstatter Wasens hatten ihre Köpfe tief in den wärmenden Mantelkrägen gezogen. Pfützen spiegelten die müden Lichter der Geister-bahnen und Zuckerwattestände. Doch nur ein paar Schritte weiter lud die Schleyerhalle auf ein Konzert-ereignis nicht alltäglicher Art ein. Nach zwei Jahren verzauberte der in die Jahre gekommene “Hansi” sein überwiegend generationsgleiches Publikum mit seinem unverwechselbaren Big-Band-Stil. Ganz der Gewohn-heit entsprechend standen für seine Darbietung in der durchweg bestuhlten Halle moderne Stücke Pate. Nachgespielt vom James-Last-Orchester, daß ja schon Easy-Listening-Geschichte in den frühen 70ern schrieb. Doch einiges hat sich seit dieser Zeit geändert. Seit der Zeit, als noch das Musical “Hair” (1969-Polydor) den Stoff lieferte, als noch mit “Voodoo-Party” (1971-Polydor) der Tanzboden zum Kochen gebracht wurde. Selbst die “Beach Party”-Serie (um 1972-Polydor) zeigte noch ein ganz anderes Gesicht, als das, was der neue Musikmarkt scheinbar bereithält. Sicher gab es damals auch schon die “Non-Stop-Dancing”-Scheiben, die nicht unbedingt das Können des Ensembles dokumentierten. Aber selbst die neuen ABBA-Reinterpretationen rissen das Publikum nicht so richtig mit. Mag sein, daß das äußerst hohe, und mehrfach auch von Herrn Last selbst anspielend erwähnte Durchschnittsalter die Lust am Tanzen vergessen läßt. Man ist halt immer so alt wie man sich fühlt. Nicht zuletzt waren aber die bewegungsplatzunfreundlichen Stuhlreihen mitverantwortlich, daß mehr oder weniger gerade mal die ersten Reihen den engagierten Vortänzern folgten. Aber nicht jedes Stück war auf Partystimmung angelegt. Viele der neuen Produktionen verweichen leider im Sumpf der Fahrstuhlmusik. Sie plätscherten einfach nur so durch den riesigen Raum, der immer noch extrem mit seiner Akustik zu kämpfen hat. Sonderbarerweise handelte es sich genau um die Titel, bei denen das mehrköpfige Streichorchester in den Vordergrund sich bewegte. Würde man nicht den silbergrauen Altmeister auf der Bühne sehen, wie er mit charmant lässigen Handbewegungen alle Instrumente dirigiert (-alles zusammen hält), dann könnte man sich fast in die schrecklichen Zeiten von Rondo Veneziano zurückversetzt fürchten. Doch dem Publikum hatte es gefallen. Applaus, Applaus, und braves Mitklatschen. Sogar als eine der Sängerinnen des Chors auf der Bühne völlig deplazierte Bewegungen mit ihrem Unterkörper zelebrierte, die nur mehr Anklang noch in einen Tabledance-Schuppen am Ballermann hätten finden können. Vor - zurück. Stimmlich richtig begnadet, hätte sie sicher in den Augen der meisten auf die, als Höhepunkt der Tanzeinlagen, mit dem Handtuch dargebotene vaginale Selbstkasteiung verzichten können. Witzig, witzig. Allemal ein Ereignis, das man sich sicherlich nicht zu häufig zu Gemüte führt und führen kann. Und was hätte es sonst als aufschlußreichere Alternative gegeben. Äußerst interessant. Ein gepflegtes Abenderlebnis, das mit der Zeit gegangen ist. Ein Stück Musikgeschichte eben. Vielleicht ja dann wieder in zwei Jahren... ][ g


Local Nightlife gibt’s auch in Tübingen . . .
Die Zeiten ändern sich, behaupten manche und haben damit gar nicht unrecht. Daß diese Personen das Ausmaß dieser Änderungen nicht begreifen, ist genauso selbstverständlich. Tübingens lokale Presse jedenfalls tut sich schwer, sucht krampfhaft nach Veränderungen, blickt dabei allzu oft in den Rückspiegel und muß nun auch die Einstellung der monatlichen Kulturbeilage Kultimativ verkünden. Den Ersatz, die Erweiterung des lokalen Kulturteils sowie verstärkte Onlinearbeit, wird es demnächst zu nutzen und zu werten gelten. Beim Anblick des momentanen Webauftritts des Tagblatts jedoch, erlaube ich mir, große Zweifel zu hegen.
Ganz anders sieht es da bei www.partymoon.com aus, einer Kultur-Termin-Datenbank, die sich langsam aber sicher immer mehr mit Terminen füllt. Zwar unspektakulär in der Erscheinung (was ich nur positiv bewerten kann), lassen sich hier in flottem Tempo und äußerst übersichtlich Termine und Veranstaltungsorte eintragen und suchen. Definitiv ein Lesezeichen wert. ][ mb


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