|

Super_Collider - Raw Digits - Rise Robots Rise
Drei Jahre nach ihrem Debut "Head On" nun die zweite Veröffentlichung von Cristian Vogel und Jamie Lidell a. k. a. Super_Collider. Wieder ist es ihr unvergleichliches Feingefühl für elektrifizierende Klangzusammenstellungen, welches den Lauschenden in die Ferne schweben läßt. Heraufgeschraubt werden neun verdrehte Ambienttracks mit futuristischem Souleinschlag. Ruhelos abgedreht, auflösend dubbig und zugleich bodenständig klickend. Durchweg beat-orientiert. Ätherische Harmonie, die anmutig aus synthetischen Geräuschquellen hervorquillt und gelee-artig schmeichelnd den Gehörgang entlang wabert. Durch die dubios eigensinnige Schönheit eine glänzende Perle für alle Liebhaber elektronischer Musik, die neben einsamen Stunden und trauter Zweisamkeit sicherlich auch den perfekten Sound fürs flauschige Grüppchen erklingen läßt. ][ g
RAS - Rhythmic Altered State - Best Seven
Das höchste Ziel des Menschen bleibt es, eine Einheit von Geist und Seele zu bilden. Beim Tanzen wird dieses Bestreben rhythmisch ausgelebt, zumindest in jenen Kulturen, in denen diese Philosophie eine zentrale Rolle spielt. Ras, namentlich Robert Galic, erzählt auf seinem Album eine spirituelle Geschichte, der Rhythmus als subversive Botschaft. Do Your Dance ist so ein Song, da verschmelzen Djembe, Perkussion und Dun Dun zu einer mehrdimensionalen Landschaft. Dance, Sleep And Dream, verändere die Welt durch Visionen, kämpfe, tanze gegen den Technokratismus - eine überholte Philosophie, eine naive Weltanschauung? Wohl kaum, in einer Zeit, in der sich die Grenze zum Irrealen stetig steigert, was wir zur Veränderung dieser Welt beitragen können, ist die eigene, gelebte Spiritualität. Robert Galic, geboren in Frankfurt am Main, wurde vor allem durch die Musik der Griots, einer Musikerkaste aus Westafrika, beeinflußt. Für ihn ist der Blues, Jazz, Funk oder Rock mit den Wurzeln der Griots verbunden. Und so ist der kleinste gemeinsame Nenner des Rhythmic Altered State der Rhythmus als Ausgangspunkt einer spirituellen Reise, die von Hip Hop (This is Ours) über Afrofunk (Diggin) bis hin zu jazzigem DrumnBass (P.A.C.) führt. Auffällig ist dabei das große Aufgebot an Gastmusikern, wie z.B. der französisch-schweizerische Posaunist Jerome Bugnon oder die in Brooklyn lebende nigerianische Sängerin und Tänzerin Wunmi. ][ j.n
Danny Breaks - Vibrations - Droppin Science
Danny Breaks knüpft dort an, wo Luke Vibert mit seinen Veröffentlichungen als Plug vor einigen Jahren aufhörte: mystisch anmutender, organischer und verspielter DrumnBass mit originären Breakbeats, die mehr Funk als DrumnBass sind. Umso erstaunlicher, daß sich alles um die 175 BPM bewegt. Bei den zwölf Tracks erwartet uns der pure Sample-Wahnsinn bzw. sagen wir besser: -Genuß! Sampeln im Sinne von samplen und nicht von klauen wohlgemerkt. Schon die Vorboten Beat Biter und Astral Vibes versprühten den sehr eigenwilligen Stil. Locker lecker leichte Kost ohne Grummelzerrbässe und Schranzfaktor. Danny gibt den Ton an und wählt den richtigen Zeitpunkt, denn das Album ist bereits seit über einem Jahr fertig. Und wenn es nicht auf Droppin Science erschienen wäre, dann auf Ninja Tune. Wenn das Wohnzimmer zur Partyzone wird... Zeitloser Dopeshit vom Altmeister und eine herzhafte Erfrischung vor der Sommer(-Realese)-Pause. ][ lightwood
Galaktlan - Sinine Platoo - Kohvi
Weite schneebedeckte Flächen. Kondenswölkchen beim Ausatmen. Klirrende Kälte bei Sonnenschein. Wie ein klangmalerisches Landschaftsportrait des Heimatlandes Estland. Unglaublich voluminös dehnen sich die Stücke aus und liefern bis in entfernte Geräuschbereiche filigran erhörbare Flocken. Sanft auf dem Trommelfell landend und weich zerfließend. Fast wie ein Blick durch eine gefrorene Scheibe auf eine gemächlich vorbeigleitende Unschärfe mit im Eis gespiegelten, bizarren Formen. Aber gleichzeitig verkörpern alle Tracks auch eine gewisse Wärme, die wie ein dickes Fell zwar den Frost spüren läßt, ihn dennoch aber auf Distanz hält. Würde man einen Film aus Stanislav Lems Buch "Robotermärchen" machen, hätte man bereits den passenden Soundtrack. ][ g
El-P - Fantastic Damage - Def Jux
Nachdem er mit Company Flow bereits Geschichte geschrieben hat, mit Cannibal Ox, Aesop Rocks und zahlreichen anderen Def Jux-Members bereits ein gewaltiges Opus an Produktion und Reimen auf die Hip-Hop-Welt losgelassen hatte und mit ungezählten, auch mal thematisch denkbar abgelegenen Remix-Arbeiten und charismatischer hemdsärmeliger Selbstdarstellung die Defintion von Underground-HipHop im Alleingang um ein paar Paragraphen erweitert hatte, bleibt sein Debütalbum auffallend bescheiden. Keine aufregenden Innovationen, keine Hymnen, ach was sag ich: Symphonien wie Aesop Rocks Daylight oder Can Oxs Iron Galaxy. Daß El Producto tatsächlich zum Größten zählt, was HipHop in seiner Geschichte zutage gefördert hat, steckt in jedem Takt, jeder Intro: wie Hank Shoklees Bomb Squad bringt er gerade genug Ordnung ins Chaos, um Ärsche zu kicken, ja, daraus geradezu melodische Qualitäten zu entwickeln, wie bei KRS1 entwickeln unter seinen Händen die dreckigsten, rudimentärsten Beats, ihre eigene Eleganz, und seine Affinität zum Rock beerbt Rick Rubins Def Jam-Produktionen. Diese Skills hat er über Jahre kontinuierlich entwickelt und verfeinert, und Fantastic Damage ist das vorläufige Manifest. Freuen wir uns auf zukünftige Arbeiten mit Zach de la Rocha (ExRage Against the Machine) und einigen hundert anderen. ][ mandel
Audio-Lotion - iAdelante! - Mole Listening Pearls
Bei Latin Music denkt man ja nicht automatisch an die Schweiz, doch Audio-Lotion, seit 1998 in der dortigen Electronica-Szene eigentlich eher für Ambient- und Drum&Bass-Klänge zuständig, machen es mit ihrem neuen Projekt möglich. Unter Einbeziehung versierter Musiker (diverse Vokalisten, das Funkadelic Brass Ensemble für die satten Bläser oder das Duo Conjunto Terciopelo für die rhythmisch vielschichtigen Percussion-Parts) ist ein Reigen von 16 Stücken entstanden, der mehrere Stil-Unterarten und emotionsgetränkte Moods aus dem weiten Bereich heutiger Latin-Electronics abdeckt. Meist eingängig komponiert und mit Liebe zum Detail dennoch locker produziert, bieten die Überlängen scheuenden Titel Nahrung für Herz und Seele, Stoff zum Entspannen und Träumen, aber auch Brauchbares für den Dancefloor. Allerdings - und dies mag der einzige Kritikpunkt sein - ohne ein einziges Mal anzuecken. ][ hve
VA - Playground Vol. 5 - Ecco.Chamber
Bislang stets sorgfältig und mit viel Liebe zusammengestellt, fällt auch Teil 5 dieser Compilation-Reihe nicht aus dem Rahmen. Ecco.Chamber gewannen dafür die beiden Kroaten und Kontrapunktfestival-Macher Eddy und Dus. Sehr soulig und ruhig (Tweak, Joseph Malik) wandern sie in Richtung HipHop (RJD2, Jigmastas) und weiter in Offbeat-Gefielde (Quant, SK Radicals etc.), behalten trotz aller Stilvielfalt Struktur und Stimmung bei. Bewußt stellten sich die beiden darauf ein, daß Compilations vor allem zu Hause gehört werden und verzichteten darauf, die (tanzbaren) Lieblinge aus ihrer Plattenkiste zu ziehen. Entspannt und bewußt kann man sich hier 74 Minuten lang der Musik hingeben, im aufwendigen Booklet Alan Browns Geschichte über Eddy und Dus nachlesen, um sich anschließend den gelesenen Eindrücken durch nochmaliges Hören der CD bewußt zu werden. ][ mb
März - Love Streams - Karaoke Kalk
"Die Geschichtenerzähler machen weiter." Das Album von März beginnt furios. Ein Text, gelesen wie eine Bassline. Es bedarf gar nicht der später einsetzenden verhaltenden Kick-drum, um Techno zu assoziieren. Sie ist natürlich schön und auch richtig, aber hier sind Lieder angelegt wie Tracks und trackartige Stücke sind gespielt wie Lieder, da hat man die Bassdrum eh im Sinn. Aber die Geschichtenerzähler Ekkehard Ehlers und Albrecht Kunze machen und gehen weiter. Wie auf dem wunderschönen Cover scheinen März mit "Love Streams" das ganze Leben abzubilden mit Symbolen und Formalismen aus Sequenzern und Schichten von Melodien aus allerlei Glockenspielen, Pianos und Gitarren. Neuer Folk sagt das äusserst gelungene Info und führt die eigene Offenbarung an, die Singer-Songwriter von ihrem Leben teilhaben lassen. März scheinen demnach das Leben zu lieben, strömt doch die Liebe zum Leben aus allen Poren ihrer Songs mit dem Wissen das Liebe und Leben auch ganz schön daneben sein kann. (The Hysteric Song/ Everybody had a hard year) Und wenn dann erst im sechsten Song, dem grossartigen Chelsea Boys von ihrer nicht weniger duften E.P. "One From The Heart", die Bassdrum zum ersten Mal alleine steht, dann weiss man wieder, warum das manchmal sein muss. Und warum sie vorher als ein Instrument von vielen ihren Beitrag im Team zu verrichten hatte. Ich erwähne dass so explizit, weil März ein bischen mehr sind als der Versuch akustische Musik mit elektronischer Musik zu paaren. März verstehen sich als Band. Und wie langweilig wäre bitte eine Band, die versucht Techno zu spielen? Techno war in seinen besten Momenten für mich schon immer Neo-Folk: versöhnlich, gross, nah und simpel. Und Euphorie ist doch auch ein großes Gefühl, oder? ][ f.d`a

Stereotyp - My Sound - G-Stone
Ich bin mir sicher, daß hier selbst der zugekiffteste Dub-Fan sein Tanzbein wird schwingen müssen. Stereotyps wilde Kompositionen mischen klassischen Dub und Ragga mit Broken Beats und elektronischer Synthese, die in die Beine geht. Sinnliche Melodien sorgen für nachdenkliche Momente und Tikimans Wirkung auf das Gemüt ist ja hinlänglich bekannt. ][ mb
High Contrast - True Colours - Hospital
Lincoln Barrett gewann letztes Jahr den Welsh Music Award 2001 als bester Produzent. Wow! Den 22-Jährigen kann man mittlerweile guten Gewissens als Shooting-Star in der DrumnBass-Liga einstufen. Ein Hit nach dem anderen: Make It Tonight (Disco is back!), Return Of Forever (Trance-DrumnBass-Hymne Nr. 1), Global Love (Snapshot-Remix?), Music Is Everything (basierend auf C+C Music Factory) und sechs weitere schicke Tracks sind auf True Clours vertreten. Positive Vibes, ausgedehnt auf weiten Soundlandschaften, verschaffen dem Zuhörer ein angenehmes Gefühl. Musikalität wird groß geschrieben und als selbstverständlich angesehen. Keine plakativen Melodie-Ergüsse, sondern viel mehr das gewisse Quentchen Ausgewogenheit ist das Geheimrezept von High Contrast cineastisch anmutenden Tracks. Die Beats geraten da schon schnell das eine oder andere Mal in den Hintergrund. Hits, ohne die selbst Grooverider und Fabio auf Radio One nicht mehr auskommen wollen. ][ lightwood
Open Transport - Psychedelic Walk - Temposphere
Seit annähernd zwei Jahren bastelte das Duo, das schon bei zahlreichen Technoevents mit von der Partie war, an ihrem aktuellen Album. Ein über 14 Titel andauernder Spaziergang durch deren Erfahrungslandschaften. Alles verschmolzen zu einem einheitlichen Fluß des Underground Dance. Sehr geradlinig und tanzbodenorientiert. Ein ganzes analog synthetisierendes Partyset auf einer CD - wie ein Mix nahtlos aneinander gefügt. Gespickt mit Soundspielereien und weiteren erlesenen Klangerzeugungsgeräten. Hört man das Ganze von Anfang bis zum Ende durch, erlebt man irgendwie eine Geschichte, die zwischen Chill-Out-Raum und Tanzbar ihren zärtlichen Verlauf nimmt. ][ g
Blaktroniks - Seduction At 33 1/3 - Moving
Eine Gitarre klampft, ein Saxophon schreit sich die Seele aus dem metallenen Körper, gibt die Trauer seines Spielers wieder, während eine zärtliche Stimme vergeblich nach mehr Liebe und Gerechtigkeit schreit. Edd Dee Pee und X-Ray bringen den Jazz zurück, bringen die Musik zurück - so wie sie vor all den Jahren und seit all den Jahren gefühlt wurde, gelitten wurde und verdammt wurde, vor allem aber geliebt wurde. Tiefgreifende, elektronische Arrangements erzählen vom alltäglichen Leben auf Oaklands Straßen, beschreiben heimelige Zwiegespräche und vermitteln dabei stets den kosmischen Zusammenhang zwischen Musik, Hörer und unserer Welt. Viel zu selten wagen sich Menschen so ehrlich an Musik, viel zu wenig erzählen uns all die Produktionen vom Leben und von den Ideen ihrer Produzenten. Seduction At 33 1/3 hingegen läßt einen jeden Stich und jeden Schmerz spüren, verführt den Hörer mit lieblichen, sanften Tönen um ihm sogleich hinterrücks die Wirklichkeit aufzuzeigen. Mit Verführung scherzt man nicht ... man gibt sich ihr hin, oder zerbricht daran. ][ mb
Mapstation - A Way To Find A Day - Staubgold
Ein alter Hase mit seinem ersten Solo-Album. Er wird mir die laxe Einschätzung sicher verzeihen, denn gemeint ist nicht das tatsächliche Alter des Künstlers, sondern das lange Dabei- und Aktiv-sein, das Wirken in Bands-und Projekten seit einigen Jahren im Kontext elektronischer Musik. Stefan Schneider veröffentlicht seit zwei Jahren als Mapstation sein Soloprojekt mit mittlerweile 4 EPs auf Staubgold und Domino. Seine Musik entzieht sich Erklärungsversuchen. Sie ist konzentriert erzählend und so fragil (stark nicht schwächlich!), dass man Angst haben muss, sie durch eine falsche Annäherung zu vertreiben. Sie funktioniert eben im Gegensatz zu frühen Kreidler-Stücken nicht als Möbelstück, sondern als lebendes interaktives Imperativ. Hörst du nicht zu, kann die Musik auch nichts mit dir anfangen. Das Info nennt es "neugierige Dynamik" die sich in den Tracks ausbreitet. Ein Zusammenspiel von Musik und Hörer, bei dem man nie genau weiss wo die Reise/die Musik einen hinführt. Das mag sich wie Hippietum lesen, hört sich aber ganz anders an. In der Nähe von Clicks und Cuts lässt es Schneider mit analogen Synthesizern fliessen. Ohne Bassdrum-Diktionen oder Groove-Attacken beschränkt sich sein Sound auf die Wirkung von Zeit und Ruhe in Albumlänge. In zwei Stücken gesellt sich die Stimme von Ras Donovan dazu., als das menschlichste Instrument überhaupt. Der Reggae-Bezug, den Donovan durch seine Stimme provoziert ist aber nicht zu orten, Weder in Kingston, noch in Berlin. Eine eigene "new direction", eine eigene neue Landkarte, ein Hit!
][ f. d`a
Red Snapper - It's All Good - Keep Digging
Wie gerne erinnert man sich doch immer wieder der zeitlosen Werke des Trios. "Prince Blimey" auf Warp - ein Meilenstein jazzig beeinflußter Elektronika. Kontinuierlich das Interesse weckend und immer noch spannend wie eh und je. Oder auch die bis zur Schlaflosigkeit aufputschende "Making Bones"-Veröffentlichung. Jeder Track eine kleine Ikone ausgefeilter Musik in einem Ozean abstrakt verarbeiteter Musikgeschichte. Doch diese Ära hat in der Auflösung des Projekts nun eine Ende gefunden. So erklärt sich auch, warum auf der reflektierenden Folie dieser einzigen Kompilation, die den Namen Red Snapper trägt, sich Stücke verbergen, die eine gewisse retrospektive Atmosphäre schaffen. Nicht wie Bausteine, sondern mehr eine Palette verschiedenster Einflüsse der Gruppe, zusammengefaßt in zehn Titeln. Downbeat, Experimental, Jazz, Breakbeat, Minimal, Tribal, Afro-Oriental ... eine unglaubliche Fülle. Darunter zwei eigene Stücke, die fast schon wie Abschiedsgeschenke wirken, öffnet doch "Belladonna" zum Ausklang sanft die Augen für eine kristallene Abschiedsträne. ][ g
The Menheads - Nighttripping All Night Long - Vienna Scientists
Nachdem die Menheads in den vergangenen Jahren für freudige Gesichter in der Downbeat-Szene gesorgt haben, hat nun jeder, der ihre beiden EPs Nighttripping und All Night Long noch nicht besitzt, die Chance, sich diese noch einmal zu Gemüte zu führen. Im Compact-Disc-Format offenbaren sich hier sieben Stücke, die sich nicht so einfach unter den TripHop-Hut stecken lassen. All Night Long frohlockt zum Auftakt mit jazzigen HipHop-Anleihen, zu denen Kudra Owens eine kleine Gute Nacht-Geschichte erzählt. Ka-Tiki und Nighttripping geben sich perkussiver und monotoner, aber auch druckvoller. 2000 Black hingegen trägt das charakteristische Deep-Funk-Trademark der Menheads - hypnotische Beats, rauhe Bässe ... wunderbar für den Floor geeignet. ][ mb
Mice Parade - All Roads Lead To Salzburg - Bubble Core
Mice Parade gehören zu den konstanten Fat Cat-Acts, die mit dronig-gniedeligen Instrumentals immer wieder eine Lanze für Mittneunziger Drone-Popper aus der Too Pure-Ecke brachen. Die vorliegende Sammlung dokumentiert das Session-Schaffen des einzigen festen Mitglieds der Parade (ich dachte bis heute, es handle sich um mehrere Mäuse): Adam Pierce, Mitglied von u.a. The Dylan Group. Zur Seite stehen ihm diverse Instrumentalisten der Dylan Group, aber auch immer gern gehörte Typen wie Doug Sharin, der mit seinem Dauerprojekt Him ähnlich gelassen zwischen Elektro, Jazz, Dub und Rock herumsurft. Die diversen Live-Sessions und Studio-Schnipsel streifen all dies, bewegen sich mitunter auch an der Grenze zu höherem Blödsinn und nehmen sich auch nicht so übermäßig ernst. ][ mandel
Maetrik - Quality Exertion - Treibstoff
Wie Dubhouse wirkt dies nur vordergründig ... steht im Beipackzettel geschrieben und dem kann ich nur zustimmen. Mehr House als Techno, nicht monoton sondern sehr vielschichtig und musikalisch präsentiert sich Maetrik aka Eric Estorael auf seinem ersten Album auf Treibstoff. Minimal wird es zwischendurch natürlich schon, aber ganz schnell erschafft Maetrik Soundsphären, Welten voller fremder Geräusche und damit zugleich eine unglaubliche Intensität. ][ mb
Paul Brtschitsch - Memory - Frisbee
Der Frankfurter Produzent kroatischer Herkunft, ungekrönter König der deutschen Technoszene, hat erneut zugeschlagen und sein drittes Album auf Frisbee Tracks veröffentlicht. Nach den Vorgängern Surftronic und Venex liefert Brtschitsch mit Memory ein weiteres Meisterwerk ab. Bestechend in Sounds, Arrangements, Atmosphärik, Harmonien und Grooves, wieder mit unüberhörbaren, aber ganz eigen verarbeiteten Trance-Einflüssen, entwickelt sich sein Konzept nahtlos weiter und spielt alle (vielfach gewiß nicht zu verachtenden) Kollegen an die Wand. Nur von wenigen im gesamten elektronischen Umfeld kann man wirklich behaupten, einen überzeugenden individuellen Stil zu besitzen, der zudem nicht stehenbleibt und sich fade selbst kopiert, sondern sich schlüssig weiterentwickelt. Dieser Mann gehört dazu. Großartig!
P.S.: Das Titelstück gibts nur auf der CD-Version des Albums, ist aber seit April mit zwei Mixes unter dem Titel 2nd Memory als Vinyl-Maxi erhältlich (natürlich ebenfalls empfehlenswert!). ][ hve
Mario van Hacht - Visitors - Beats Beyond
Mario van Hacht ist in Musikerkreisen kein ganz Unbekannter. Fischmob, Fanta 4 und 5 Sterne Deluxe, sie alle haben schon mit ihm zusammengearbeitet. Auf Visitors begab er sich nun ganz allein ins Studio, um äußerst chillige Tracks zu einem Album zusammenzusetzen. Fern ab vom Druck der Tanzfläche, setzt er sich liebevoll mit Details in seinen Kompositionen auseinander, ohne die dieses Album sicherlich flacher und lebloser wirken würde. So aber erfreut man sich an blubbernden Basslines, versprengten Klavier-Partituren und ganz vielen Flächen. Schön. ][ mb
Astrobotnia - Parts 1-3 - Rephlex
Während in den letzten Monaten Tischtennisbälle zu unerwarteter Popularität im Beatdesign freestylender Elektrohechte kam, beginnt Astrobotnia seine LP auf dem Tennisplatz. Immer lauter knallt er einem die Bälle um die Ohren, derber wird der Hall und surrealistischer der ganze Track. Mal wieder Lust auf Filme im Kopf? Hier ist euer Mann. Mag sein, daß er sein Demo zu Rephlex schickte, weil ihn sein Beatgeknatter, umschlängelt von rauhen Synthieschlieren, selbst etwas an Aphex Twin erinnerte. Schön, daß sie es dennoch rausgebracht haben. Die freigeistigen, nie als Track, sondern als parts (wie in: Tongedicht, z.B.) konzipierten Beat-Collagen schmecken mir besser als die meisten Click- und plucker-House-Produktionen. Weil: Free your beats and the rest will follow. ][ mandel
Paul Oakenfold - Bunkka - Perfecto
DJ-Legende Paul Oakenfolds erste Solo-Platte. Schockschwerenot, so genau wollten wirs gar nicht wissen, auf was der Mann eigentlich mittlerweile so ist: dicker Hollywood-erprobter Breitwand-Breakbeat-Pop, mit einem Extra-Schmankerl für die Ibiza-Fraktion. Die Gästeliste versammelt, von So-Solid-Crew-Member Asher D und ein paar mit nicht geläufigen Individuen abgesehen, lustigerweise eher Gestalten aus der Vergangenheit. Noch relativ frisch (aber irgendwie deplaziert): Tricky, Ice Cube. Schon etwas angestaubter: Perry Farrell (Janes Addiction). Noch oller: Grant Lee Phillips (Grant Lee Buffalo!), und schliesslich, ganz tief aus der Mottenkiste: The Voice of Hunter S. Thompson. Ein bizarres Album, das offenbar Massive Attack, die Chemical Brothers und Fattboy Schlimm gleichzeitig in den Schatten stellen will, und das zumindest in puncto Aufgeblasenheit auch locker hinkriegt. Kann aber sein, daß ich in der nächsten Ausgabe zugeben muss, daß ich mittlerweile total drauf abfahre. Manchmal passiert sowas. ][ mandel
Sender Berlin - Gestern Heute Morgen - Tresor
Seit 1998 arbeiten Hendrik Vaak, Torsten Litschko und Alexander Lukat als Sender Berlin zusammen, hervorgegangen sind sie aus den wöchentlichen Headquarter Nights im Tresor Club. Nach diversen Compilation-Beiträgen kam 99 das Debüt-Album Spektrum Weltweit, und nun liegt der zweite Longplayer vor. Wäre da nicht auch Paul Brtschitschs neuer, würde ich ihn glatt zum Album des Monats erklären. Eine atmosphärisch dichte elektronische Reise im Grenzbereich des Minimal Techno, wo auch dubbige Zutaten und ein paar andere, wohl ausgesuchte Sounds dem Ganzen einen Hauch von zurückgelehnter Selbstverständlichkeit geben, ohne dabei an grooviger Brisanz zu verlieren. ][ hve
VA - No Compromise - Gyration
Gyration hat keine Lust auf Kompromisse und so finden wir auf vorliegender zweiter Labelcompilation einfach das, was Gyration schon immer ausgezeichnet hat: Überwiegend düstere, abgespeckte Tracks mit dem gewissen Schuß Härte und Druck. Das Feld zwischen technoid-straightem und rollendem Material wurde ein wenig geweitet. Old School-Geschmack, wie u. a. auf dem LTD-Sublabel propagiert, und zunehmend deepere Einflüsse nimmt man gerne an. Der Funke springt zwar bei den insgesamt zwölf Tracks nicht immer über, aber die Herren heavy-rotation, Brubaker, Mad Vibes, kon.rad und HEK 187, sowie D.Kay als Remixer lassen ein respektables Gesamtbild erscheinen. Höhepunkte sind D.Kays Diva Remix, kon.rads Firewire und heavy-rotations NowJackzSphere. Club-Kost auf Doppel-Vinyl und Doppel-CD. Die zweite CD bietet noch ein paar Dubplateleckerlies, gemixt von HEK 187. ][ lightwood
Classic Man - Lounge Sessions EP - Natural Resource
Wayne Gardiner ist eine der vergessenen Lichtgestalten der Housegeschichte. Mit Logic The Warning auf Strictly Rhythm und einigen EPs als Classic Man für Nervous Records, zeichnet er sich für einige der besinnlichsten Stücke auf diesen Labels und den ausladenden Gebrauch von Synthiesoli im Viervierteltakt verantwortlich. Leider ist das alles schon gut und gerne an die zehn Jahre her. Das Letzte, daß man von dem Mann hörte, war eine mittelmäßige Veröffentlichung auf Peacefrog Records Ende der Neunziger. Jetzt ist er als Classic Man auf dem angeblichen Spiritual Life Geschwisterlabel Natural Resource zurück und hat sich kaum verändert. Immer noch dominieren verspielte Synthies seinen Sound und Konfektionsware sucht man vergeblich. Höchstens ein Schippchen Esoterik hat er zugelegt, was in diesen Kreisen jedoch durchaus zum guten Ton gehört. Gentle Morning Rain hört sich genau so an, wie es heißt und ist wohl zusammen mit Lounge File #1 der heimliche Gewinner dieser Platte. Mal sehen, ob uns Gardiner diesmal länger erhalten bleibt. ][ janson
Shanti Roots - Afrique - Vienna Scientists
Aus dem schönen Wien kommen derzeitig einige neue musikalische Errungenschaften. Shanti Roots, bestehend aus Markus Dohelsky, Christoph Ziereis und Istvan Zachar, beleuchten zusammen die Grenze zwischen DrumnBass und Offbeat-Ästhetik. Bei Afrique ist es vor allem Gerald Scheibosan Scheiber, der eine gewaltige Portion Funk beifügt. Ein wuchtiger Stepper, der mit einer hypnotischen Vocal-Line und konsistenten Rhodes-Sounds aufwartet. Die neue Wiener NuBreak-Schule, um mal wieder zu kategorisieren, zuletzt hat man das ja auch bei Stefan Mörth a. k. a. Stereotype gehört, auch wenn dieser noch mehr dem Reggae- und Ragga-Kosmos zugetan ist. Auf der B-Seite wird es dann noch einmal ein wenig veschachtelter: Believe ist eine elektrofizierte Subbass-Samba, die mit verspielten Ambient-Sounds flirtet. Peace ist dann die konsequente Steigerung in Richtung Nebel - ein tiefes, dunkles Stück Offbeatdub featuring Mc.n.ton. ][ j.n
Depth Charge - Robo-tomo/Honour - DC
Nach langer Zeit endlich wieder ein Release des elektronischen Sample-Kung-Fu-Meisters. Auf einer mutierenden Basis aus Elektrobeats zucken zahlreiche Samples durch den Äther, reißen den Konsumenten von einem Gimmick zum nächsten. Dabei zeigt sich gerade hier wie virtuos es Mr. Kane versteht, diese nicht einfach platt über einen Rhythmus zu legen, sondern sie vielmehr fein mit den analogen Synthiesounds zu einem treibenden Ganzen vereint. Gleiches gilt auch für sein Gespür, diverse Effekte mit einfließen zu lassen. Hört sich das vielleicht auch so an, als hätte sich nichts geändert, so wäre es nicht Depth Charge, wenn nicht gerade die Weiterentwicklung der Produktionen neue Spannung erzeugen. ][ g
Chez Damier - Ghetto Gospel Man - Village Sound
Totgesagte leben länger. Ein neuer Release von Chez Damier ist neben der Auferstehung von Wayne Gardiner wohl die größte Überraschung der letzten Zeit. Musikalisch ist die ehemalige Hälfte von Prescription Records allerdings kaum zu erkennen. Wer also hofft, sich in der gewohnten Soundästhetik suhlen zu können, muss enttäuscht werden. Das hier ist modern und verbreitet im Ghetto Vocal und mit dem halb singenden, halb sprechenden Euclid Gray durchaus eine ordentliche Portion Niceness. Was man vom unsäglichen DJ Ali Mix allerdings kaum behaupten kann. Der gute Ali disqualifiziert sich mit seinem Ghetto Style Dub, der mehr Westküste ist, als zu ertragen wäre. Trotzdem gehen die Daumen für Chez Damier nach oben und es bleibt zu hoffen, daß sich die Platte niemand wegen der B-Seite kauft. ][ janson

Andrés - Out In The Open - Moods And Grooves
Das neueste Erzeugnis von Detroits exponiertestem Hip-Hop-Fan zeigt wieder einmal, wie mit geringen Zutaten maximale Ergebnisse erzielt werden können. Andrés beherrscht wie nur wenige Zeitgenossen die Kunst des geschmackvollen Samplings und baut daraus drei Tracks, die den Geist und die Freshness von Hip Hop atmen, ohne peinlich zu wirken. In diesem Punkt braucht sich der Mann wahrlich nicht vor Kenny Dope zu verstecken. Super Platte für Mike Grants Moods and Grooves Label. Und für Andrés natürlich auch. ][ janson
Smith & Mighty - Life Has Its Way / B-Line Fi Blow - !K7
Aus ihrem ansonsten mit allzu viel belanglosem Lala vollgerieselten Album haben Bristols Breakbeat-Helden immerhin die richtigen Singles ausgekoppelt: Life Has Its Way ist ein mittelflotter Track mit schöner Gitarrenlinie und Trademark-Beats, wie S&M sie schon seit zehn Jahren hinlegen. Der Hammer hängt auf der B-Seite: Garage-Tempo, weich plumpsender Bass und ein Refrain, der sich einem den Sommer über in den Kopf schrauben wird. ][ mandel
Stinkworks - Todas Las Noches - Delsin
Ok, ich gebe zu bisher nicht der größte Verehrer von Delsin gewesen zu sein. Die Platten des niederländischen Labels klangen oft zu ungekonnt nach Detroit oder waren einfach (für meinen Geschmack) zu sehr Techno. Seit Todas Las Noches ist das allerdings anders. Stinkworks kreieren einen Vibe, den Spötter vielleicht sofort mit Metro Area gleichsetzen, der aber dennoch völlig eigenständig, weil kaum Disco ist. Vor allem Raise Up und Mus Mus haben hier die Nase vorne und verbreiten gekonnt Maschinensoul, ohne altbacken zu wirken. Rewind! ][ janson
Clyde Alexander & Sanction - Got To Get Your Love bw/ Cosmic Force - Chocolate Starfish - Vertige Productions
Kenny Dope und Dimitri from Paris treten auf dieser Split-12 in der Re-Edit-Disziplin gegeneinander an. Das bedeutet, dass sich jeder einen liebgewonnen (oder auch gehassten) Disco-, Funk- oder Soul-Klassiker greift und mit den vorhandenen Elementen seinen eigenen Edit bastelt. Fremde Zutaten sind verpönt und auf den Einsatz französischer Filtertechniken steht Disqualifikation auf Lebenszeit. Kenny Dope versucht sich an Clyde Alexanders Got to Get Your Love und kann dem altbekannten Stück nicht viel Neues abgewinnen. Was nicht zuletzt daran liegt, dass hier eigentlich ein Edit überflüssig ist, da das Original nahezu perfekt ist. Der Vorteil liegt also klar auf Seiten des Pariser Dimitris, da er mit Chocolate Starfish das obskurere Werk auf dem mixing desk liegen hat. Und wie im Falle seiner superben BBE-Serie macht der Playboy seine Sache gut und bastelt mit Hilfe der Cosmic Force ein wahres Funkmonster. Knappes 2:1 aufgrund des einfacheren Rohmaterials für Frankreich. ][ janson
Rhythm Plate - Lean - Mantis
Endlich mal wieder eine treibende Mantis-Maxi, die nicht unnötig mit Offbeats oder schwülstigem Gesang zu prahlen versucht. Ant Harrison und Mat Hut besinnen sich auf die treibende Kraft von gut programmierten Percussions und klar strukturierten Beats. Tanzbar, deep, sinnlich ... so sollte Mantis öfters sein. ][ mb
the architect - ... lost in the mood - tuning spork 05
Der Architekt von tuning spork aus Philadelphia war mir gänzlich unbekannt bis mir die ausgezeichnete Vorgänger-12" tuning spork 04 in die Hände fiel. So schnell ging das und und schon habe ich mich auf ein neues Lebenszeichen des spleenigen Alleinunterhalters gefreut. Wieder sind 4 Stücke auf dieser Maxi vertreten, die an Referenzen innerhalb des amerikanisch/kanadischen Minimal-Techno irgendwie kaum was zulässt. Akufen vielleicht noch, der seine Microsampling-Wissenschaft (wahrscheinlich durch seine Reife) mit Leichtigkeit an Pop-Issues getackert hat. Während Akufen aber durch rasend schnelle Verarbeitung von Samples aus der organischen Musikwelt, mit Gitarren, Mundharmonika und Stimmen Reminiszenzen aus der vollen Pop-Musiktüte am hörenden Auge vorbeischleust, bedient sich the architect ausschliesslich aus kleinen Schnipselns der elektronischen Tanzmusik. Seine Tracks knurpseln, hallen und wummern skruppellos in ausgesprochen guter Klangqualität. Da taucht dann auf einmal wie aus dem Nichts eine bollernde Bassdrum auf und ist im nächsten Takt schon wieder weg. Oder in sehr fragilen Minimal-Strukturen lässt er seinen Hang zu tiefen Bässen freien Lauf. Seine Stärke ist das Andeuten und Verzögern. Das macht ihn funky und zur Herausforderung für jeden DJ. Der Mann meint es ernst, der will nicht im ideologischen Elfenbeinturm versauern. Ich müsste mich schon sehr wundern, wenn wir von ihm nicht noch viel hören werden. ][ f. d`a
Octet - The Buxtehude Years - Diamond Traxx
Weit entfernt von emotionsloser Soundtüftelei schenkt das Duo Murando & Pyjaman der Welt fünf sonderbare Stücke auf ihrem ersten Release. Eine zärtliche Ballade, gesungen auf einem soften Synthetikteppich voller Klarheit. Daneben liefern zwei Remixe des selbigen, einer von Pyjaman, andersartige Be-trachtungsweisen. Auf der zweiten Seite noch zwei weitere Produktionen. Verspielte elektronische Musik im Jungle musikalischer Stilvielfalt. Angenehm experimentell, dezent verspielt. ][ g
VA - Best Of Movin Volume 1 - Trax
Seltsamerweise macht sich das Chicagoer Trax Label, das gemeinhin mit den Werken von Adonis, Mr. Fingers oder Marshall Jefferson und eben Chicago-House mit seiner exzessiven Begeisterung für drum machines in Verbindung gebracht wird, um das Erbe von Movin Records verdient. Movin Records war zunächst nur ein in New Jersey beheimateter Plattenladen, der im Fahrwasser von Tony Humphries und Club Zanzibar agierte. Inhaberin Abigail Adams entschied sich Ende der Achtziger wohl nicht zuletzt aufgrund der immensen Anzahl von Produzenten und Gesangstalenten in und um New Jersey dazu, auch ein eigenes Label zu betreiben. Die ersten Releases waren von Blaze oder Vicky Martin und wurden mit Mixen von Tony Humphries, Tee Scott oder auch Marshall Jefferson (der einzige Link zu Trax?) versehen. Schnell war man das populärste Label im Garden State, was bis Mitte der Neunziger und dem Einstellen der Labelaktivitäten so bleiben sollte. Best Of Movin Volume 1 ist ein 4-Tracker, der mit Phase II Reachin einen der größten Hits für Blaze und den Jersey Sound überhaupt an Bord hat und ansonsten einen guten Überblick über die Labelpolitik bietet. Libby Jones, Nyles Arrington und Children of a Deeper Society mögen zwar alles andere als zeitgemäß sein, großartige Dokumente einer vergessenen Epoche sind sie allemal. ][ janson
Erik Sumo - Just A Woman EP - Pulver
Tövishazi Ambros, wie der Mann mit bürgerlichem Namen heißt, bildet nicht nur zusammen mit Keyser & Shuriken die Crate Soul Brothers, sondern ist auch ansonsten äußerst umtriebig. Auf dem Stuttgarter Label Pulver erscheint nun seine schwungvoll produzierte EP, deren vier Stücke nicht nur lebhaft, sondern auch sehr ausgefeilt sind. Organische, wummernde Bässe tanzen mit das Trommelfell kitzelnden Bleeps & Blops in mal dubbiger, melancholischer Stimmung, mal geradezu leichtfüßig und leichtlebig. ][ mb
Abicah Soul Project - Chuckies Turn - Rushhour
Der Amsterdamer Plattenladen Rushhour zeichnet sich gemeinhin durch ein breitgefächertes und vor allem überaus geschmackvolles Angebot aus. Mit einer Pedanterie, die ihresgleichen sucht, versucht Rushhour nicht nur die Musik zu verkaufen, sondern das coole Wissen gleich mit. Learning by buying, oder so. Da bleibt das eigene Label natürlich nicht aus. Seit geraumer Zeit preßt man die musikgewordene Philosophie des Ladens auf Vinyl und fährt ganz gut, wenn bisher auch eher unbeachtet, damit. Mit Chuckies Turn wird das jetzt anders. Das Abicah Soul Project fußt auf der Produktionsarbeit von Stax und dem Orgelsolo von Chicagos höchst eigenem Glenn Underground. Kraft marschierendem Offbeat und dem Undergroundschen work out an der Orgel paßt das derart nahtlos in die Grauzone zwischen New York, Berlin und Philadelphia, daß einem schon angst und bange werden könnte. Wenn Chuckies Turn nicht seinen Weg auf die nächste Off Limits findet, fresse ich einen Besen. ][ janson
Vincent Halliburton - RM1x Files EP - Ferris Park
Ferris Park ist ein neues Label aus Detroit, genauer gesagt Highland Park, Michigan, das mit dem ersten Release von Scott Ferguson schon für mächtig Aufsehen gesorgt hat. Wem eben dieser erste Release ein wenig zu stumpf war, wird nach einem mittelmäßigen follow-up nun seine helle Freude haben. Halliburton lässt mit Flipside Erinnerungen an Nu Groove und deren bessere Veröffentlichungen wach werden. Wenig Schnickschnack, viel Bass und solides Futter für den Holzboden. Condenser klingt dagegen langweilig, uninspiriert und wird wahrscheinlich genau deshalb in manchen Kreisen zum Hit. Zum Schluß stimmt Dope On Wax mit einem gelungenen Hip-Hop-Cut versöhnlich. Mit Ferris Park muß jedenfalls weiterhin gerechnet werden. ][ janson
JoVonn - Mo Soul EP - Track Mode
VA - Next Session EP - Next Moov Traxx
Carolyn Harding - Dream a Dream - Next Moov
JoVonn schlägt dieser Tage gleich drei Mal zu. Böse Überraschungen gibt es eigentlich keine. Zwar versucht er auf der Mo Soul EP für Track Mode ein wenig mehr nach der neuen und musikalischeren Schule seiner New Yorker Heimat zu klingen, aber so richtig gelingen will ihm das nicht. Der Einsatz von Jazz Gitarren auf JoVonn-Basis kann ja nur floppen. Skip 2 My Chords und Lil Drummer Boy im Original Mix stimmen da aber wieder versöhnlich. Garage Fans werden mit Dream a Dream auf ihre Kosten kommen. Mikrofon-Veteranin Carolyn Harding gibt ihr Bestes und man wird das Gefühl nicht los an den Backing-Track von Gypsy Woman geraten zu sein. Mal sehen, ob die Platte überhaupt in die hiesigen Läden gelangen wird. Man hört ja immer wieder, daß Ami-House out sei. Der dritte Release für Next Moov Traxx bietet eben solche, die archetypischer nicht sein könnten. Interessant ist lediglich die Tatsache, daß Keyz Of Life auf das Konto eines gewissen Jeremias Santiago gehen, der aber haargenau wie sein Mentor klingen will. Alles zwar nichts neues unter der Sonne, aber sagt das mal einem Fan. ][ janson
Theo Parrish & Marsellus Pittman - Essential Selections Vol. 2 - Track Mode
Kaum hat man die surrealen Eindrücke der Three-Chairs-Tour verdaut, wird uns auch schon die Hand zur Versöhnung gereicht. Parrish und Pittman schieben auf Track Mode den Nachfolger zu ihrer Kollaboration auf Sound Signature nach und bemühen sich, allzu ermüdende Selbstzitate in den Fußnoten und Tracktiteln zu belassen. Über den dennoch nicht zu vermeidenden stolpernden Beats und zischelnden Becken regiert diesmal erhaben das Piano. Und mit Evidence of the 5th Green Foot kommt dabei das schönste Stück Trance heraus, das man seit langem gehört hat. In der Tat eine essentielle Auswahl. ][ janson
Koop - Bright Nights - JCR
Die zweite Auskopplung aus Koops Album Waltz For Koop wartet mit zwei Rima Remixen des Stückes Bright Nights sowie der Original-Version auf. Rima aka Domu und Volcov verleihen dem soundtrackartigen Stück im Techno-Crimp-Dub dank eines brummenden, grooveeintreibenden Beat die Fähigkeit zum Tanzen. Der Überbau bleibt harmonisch, zurückhaltend und sehr anmutend, womit dieser Mix perfekt für frühe Morgenstunden im Club geeignet sein sollte. Der Fusion-Mix hingegen wirkt mir etwas zu nervös und hektisch, was aber Geschmackssache sein mag. ][ mb
Phantom Noise 004
Die Schnittstelle zwischen DrumnBass und Breakcore wollen aleXdee und LXC aus Leipzig mit ihren Strukturbruch-Parties erobern. Passend dazu liefert LXC die Strukturbruch EP auf aleXdees Label Phantom Noise ab. Komplexe, rauhe Beats mit zahlreichen Breakdowns führen in eine ganz eigene Welt ein. Die Soundästhetik erinnert dabei teilweise an frühere Panacea-Maxis. Krass angezerrte Beats und Bässe und viele elektronische Verwirbelungen und Ausflüge verkörpern eine dreckige Attitüde. Während Eko für den Normalsterblichen noch verträgliches Futter ist, schießt Corebreaker dann den Vogel ab. Übertriebene Sounds und unerwartete Elemente werden eingestreut. Spannend, aber fast schon zu unkoordiniert. Das System wird über den Haufen geworfen. Die mutige und eigenwillige Platte offeriert als Bonus noch vier Endlosloops. Unbedingt auch das Umfeld der beiden checken, nämlich das Producer Network: www.protocut.net ][ lightwood
Sami Koivikko - Kut Pu-latin 3 - Shitkatapult
Mathew Johnson - She Is He - ITISWHATITIS
Zwei absolute Pflichtkäufe für den DJ mit Herz.
Auf die neue Sami Koivikko habe ich ja schon fast gewartet. Mit Part 3 hat der 23-jährige Finne auf Shitkatapult diese Trilogie somit abgeschlossen. Kut Pulatin 1+2 waren schon zwei Arbeiten, die in Reichtum an Melodie und Sound den vergangenen Oliver Hacke-Releases (um noch eien Youngster zu nennen) auf Trapez und Background in nichts nachstand. Koivikkos Tracks sind vielleicht noch einen Tick funktionaler und runder im Sinne von Präzision. Mit Zug zum Tor, wie wir sagen. Allein der Titel-Track, der "diese" eine Melodie so stur wiederholt, als hätte der Sequenzer panische Angst was anderes zu spielen. Ist ja viel zu schön hier sagt der sich und verbietet alle billigen suspense-erzeugenden tricks. 4 klare schöne Tracks für das Case und das allmorgendliche Zähneputzen.
Genau die Hälfte, nämlich zwei, hat Matthew Johnsons neue 12-inch auf seinem eigenen (?) Label ITISWHATITISRECORDINGS zu bieten. Beide Tracks sind um die 10 Minuten lang und dürften, wenns nach mir ginge, auch 20 Minuten
schimmern. Ich komme zwar ein bischen ins Schleudern, was die Zuordnung der beiden Tracks auf die A-und B-Seite angeht (noch nicht mal die Groove-Message gibt Auskunft), aber das soll mich nicht daran hindern zu erklären, dass der detroitige der beste Track ist, den Stewart Walker auf Persona nicht gemacht hat. Immer wieder lullt einen diese, ja wieder "diese" eine Melodie ein und lässt bei einsetzender Kickdrum völlig vergessen, daß jetzt weder Ort (Schreibtisch) noch Zeit (Augenringe) zum Tanzen vorgesehen ist. Funky Hymnentum, hier. Und Top-Twenty-Liste 2002. Das gilt fuer beide! ][ f.d`a
Mo Fire EP - U3R
Soul-, Techno- und Brasil-Einflüsse beherrschen derzeit die DrumnBass-Szene. Schön, daß es da im Südwesten Deutschlands noch jemanden gibt, der die Vielfalt noch bunter gestaltet. Die Rawhill-Cru dürfte mit ihrer Mo Fire EP momentan als einer der wenigen noch den Jungle-Vibe mit Ragga-Licks zelebrieren. Und die gewisse Portion Spaß an der Sache hört man der vorliegenden Produktion deutlich an. E.Decay, Krasqn und Royce standen an den Studioreglern und MCs wie Navigator, The Ragga Twins, Tenor Fly, Spyda, Soultrain und Shabba D. steuerten die Ohrwurm-Vocals in zwei Versionen bei. Der BC-Remix kursiert bereits auf Dubplate. Insgesamt eine witzige und gelungene Gute-Laune-Partyplatte mit hohem Mitgröl-Faktor. Rewind! Volle Punktzahl. ][ lightwood
Offline 002
Die Native Minds schlagen wieder zu und manifestieren ihren eigenwilligen Sound. Native Sound startet mit einem sehr eigenständigen Conga-Breakbeat, der schon allein dermaßen haften bleibt. Die dann auftauchende Synthie-Fläche, unterstützt von einem langgezogenen Sinusbass, ist so unbeschreiblich schön, daß es einem richtig wohlig ums Herz wird. Drittes wichtiges Element ist das vertrauenserweckende Native Minds-Sample, das sich als Loop immer wieder in den Vordergrund drängt. So minimal und einfach dieser Track doch gehalten ist, so unwiderruflich bleibt er im Gehörgang sitzen. Die Flipside ist nicht ganz so prägnant und geht in der Auswahl der Elemente etwas gewöhnlicher vor. Give it to me hat ansonsten aber ähnliches Energie-Level. ][ lightwood
|