Detroit 2002
I want to make sure, if you never heard of me this year you will... - Keith Tucker
(rx-7 - frequency - aux 88/auxmen - K1 - kt19941 - alien fm - optic nerve - puzzlebox - optic-universe ...)

ouk: Wie bist Du aufgewachsen? Wie war das so, damals?
kt: Nun, ich wuchs etwas außerhalb von Detroit auf und ich liebte den Teil der Stadt, in dem ich wohnte. Es gab immer etwas zu tun und ich war immer beschäftigt. Der östliche Teil Detroits war ja bekannt dafür, der gewalttätigere Teil Detroits zu sein, aber ich hatte damit nichts zu tun. Ich hielt mich von negativen Einflüssen fern, machte viel Sport und im Sommer, wenn Schulferien waren, legte ich als DJ auf.
ouk: Als Du anfingst, Musik zu studieren - was hattest Du da für Visionen?
kt: Ich nahm bereits in der Grundschule Percussion-Unterricht, um spielen zu lernen, anstatt immer nur auf allerlei Dingen herumzuschlagen. Damals merkte ich, daß mir Musik wirklich gefällt und dachte mir, daß mir das eines Tages nützlich werden könnte. Danach interessierte ich mich sehr für Klassik: für den Klang der Streicher, wie all die verschiedenen Instrumente unterschiedlich klingen und wie sie vom Komponisten arrangiert und umgeschichtet werden.
ouk: Wann hast Du angefangen, Deine eigene Musik zu machen?
kt: Ungefähr 1979, als ich eine Drummachine kaufte, um HipHop wie Grandmaster Flash und die anderen zu machen.
ouk: Deine Liebe für Streicher-Sounds - das kommt doch bestimmt durch den Einfluß der Klassik auf Dich.
kt: Sicherlich, vor allem als ich in jungen Jahren in der Grundschul-Band spielte. Unser Lehrer war ein bißchen daneben - er hieß Mr. Beager. Ich erinnere mich daran, wie er für uns Schüler alles spielte, was wir wollten. Ich bat ihn immer, die Titelmelodie der Bruce-Lee-Serie Green Hornet zu spielen. Er konnte es perfekt spielen. Ich war mir damals nicht darüber im klaren, aber er brachte uns dazu, mehr auf die Musik in Filmen und im Fernsehen zu achten. Er war echt cool ...
ouk: Hörst Du in Deiner Musik Echos aus Deiner Vergangenheit?
kt: Ja, klar. Elektro stammt von HipHop ab, der wiederum seine Vorfahren im BeBop und Jazz hat. Wie Techno eben auch ein Nachfahre klassischer Musik ist - nur im Disko-Stil eben.
ouk: Siehst Du auch eine Verbindung zu afrikanischen Mustern?
kt: Ja. Die Kongas, der 4/4-Takt ... das ist ganz klar ein afrikanischer Rhythmus. All die Perkussionen in unserer Musik haben einen ganz eigenen Groove ...
ouk: Kannst Du uns mehr über Deine Frequenz-Muster-Wissenschaft erzählen? Wie funktioniert das?
kt: Nun, für mich sind Effekte zweitrangige Gimmicks, die deine eigentliche Vision erweitern und vervollständigen. Ich verbringe viel Zeit mit Sounds und Frequenzen, weil ich es liebe, den Sound den ich in meinem Kopf habe, zu generieren und zu bearbeiten. Und jeder, der sich mit der Geschichte des Detroit-Techno auskennt, weiß, daß die kreativsten Sounds, die es auf Platten aus Detroit zu hören gibt, nach Kraftwerk produziert wurden.
ouk: Wie siehst Du Detroit, gerade auch im Hinblick auf seine Künstler und seine sozialen Aspekte?
kt: Für mich ist Detroit ein wundervoller Ort und ich möchte auch nicht woanders leben. Ich hatte eine wunderbare Kindheit und jetzt zu beobachten, wie die Stadt wieder aufblüht, tut sehr gut. Das lustige ist, daß Detroit so groß ist, daß es für mich als Künstler eine Ewigkeit brauchte, bis ich mal einen anderen Künstler kennenlernte. Detroit ist verdammt groß!
ouk: Wie sehen Deine Visionen für die Zukunft aus?
kt: Ich denke, daß unsere Musik immer noch voran kommt, denn es gibt so viele verschiedene Arten von elektronischer Musik. Zum Leidwesen für die Musik und für diejenigen, die geholfen haben, das Ganze entstehen zu lassen, bekommt alles gerade einen stark kommerziellen Beigeschmack, aber insgesamt wird dadurch die Musik auch mehr in Filmen und im Fernsehen eine Rolle spielen. Und vielleicht wird sogar mal ein Film über unsere Musik gedreht werden. Und sag nicht, daß es nicht cool wäre, Kraftwerk in einem Asci-Film zu sehen.

ouk: kt-19941 - Die Buchstaben und Ziffern die im Artwork zu sehen sind - was haben die zu bedeuten?
kt: Eddie Fowlkes bat mich, ihm einen Track für die React True People-Compilation zu machen. Ich konnte aber meinen Namen k1 nicht auf Direct Beat benutzen, so schlug Eddie mir vor, ich solle doch einfach meine Adresse und meine Initialen benutzen. Für ihn war die Tatsache, daß es mir von anderen verboten wurde, für eine fremde Compilation unter meinem Namen einen Track zu machen, gleichzusetzen mit Sklaverei. Darum diese Sklaven-Roboter-Nummer.
ouk: Und was bedeutet Pharaos Doorway?
kt: Gute Frage, das hat mich noch keiner gefragt. Anthony Horton, ein Optic-Nerve-Mitglied, lieferte die Idee für das Konzept und das Artwork der Delsin-Veröffentlichung und für die Optic-Universe-Website. Pharaos Doorway ist eine weitere Ebene, von der wir in Form unserer mystischen Persönlichkeiten abstammen. Sein Artwork ist unglaublich, er konnte schon immer gut mit Konzepten und Ink-Pens umgehen. Er kann Dir ein Bild in einer Minute zeichnen. Er ist ein guter und talentierter Freund.
ouk: Wenn Du zurückblickst und den Weg, den Du bislang gegangen bist, betrachtest, siehst Du da irgendwo entscheidende Änderungen bzw. Einschnitte? Hast Du überhaupt eine konkrete Philosophie nach der Du vorgehst?
kt: Meine Philosophie ist es, die Kontrolle zu behalten, alles zu lernen nicht über vergangene Fehler oder schlechte Entscheidungen zu lamentieren. Das Musikgeschäft ist eben so wie es ist. Nur weil jemand nach meinem Namen fragt oder meine Musik kauft, kann ich nichts daran ändern. Und dennoch reise ich in wunderschöne Städte und lerne nette Leute kennen, die jetzt meine Freunde sind.
ouk: Was bedeutet es für dich, unabhängig und underground zu sein?
kt: Es ist natürlich harte Arbeit, aber wenn du dann siehst, wie deine Ideen Form annehmen und du dabei deinen eigenen Richtlinien folgen kannst - das ist schon toll. All die Ideen die du hattest, die sich zuerst absolut verrückt anhörten, werden plötzlich Realität und werden von anderen kopiert.
ouk: Man erzählte uns, daß Du eine sehr nette Person wärst. Was macht dich wütend - gibt es Politiker oder politische Entscheidungen, die dich wütend machen?
kt: Nun, ich war lange Zeit in sehr gereizter Stimmung, da ich mir den Arsch dafür abgearbeitet habe, elektronische Musik zu machen und manchmal sind sich Menschen eben nicht immer einig. Wenn ich also Leute treffe, kann ich nur ich selbst sein, aber zu Reisen und Leute zu treffen, die mich unterstützen, treibt mich an, noch mehr zu geben.
ouk: Ist es richtig, wenn ich sage, daß es ein Wunsch von Dir ist, ein eigenständiger Künstler zu sein, der aber trotzdem gern mit einer Gruppe von Freunden zusammenarbeitet?
kt: Ich mache gerne meine eigenen Tracks, aber zusammenzuarbeiten ist viel befriedigender. Ich mag den Band-Aspekt. Vor allem live.
ouk: Kannst Du die Absichten, die hinter S.O.S stecken, erläutern? Wie arbeitet Ihr zusammen, wie kommuniziert Ihr ... es handelt sich schließlich um eine recht große Gruppe. Wie wird man überhaupt S.O.S-Mitglied?
kt: S.O.S. - Saving Our Sounds - bedeutet genau dies. Wir schmeißen einmal im Monat eine Party, bei der wir weniger bekannte Acts zusammen mit sehr bekannten Musikern präsentieren. Wir versuchen, S.O.S. international werden zu lassen - Parties in anderen Ländern, Seminare, Festivals ...
ouk: Kannst Du uns kurz einen Überblick über Deine Projekte und Pläne für das Jahr 2002 geben: Auxmen, DIS, Optic Nerve ... ?
kt: Auxmen - die ursprünglichen Aux88 mit allen vier Mitgliedern TomTom, BJ, Anthony Horton und ich - wir planen gerade eine Tour, die nach dem DEMF losgehen wird. Optic Nerve bringt im Mai eine LP auf Delsin raus und die Puzzlebox-EP dann im Juli. ][ neontsetse
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