OUK das achtund30ste ± spannend & leitend ± AuglSept 02 Jenseits von Bits und Bytes

Jenseits von Bits und Bytes

Die Entscheidung ist gefallen. Villa Paletti aus dem Hause Zoch ist das neue Spiel des Jahres. Schade, daß der Verlag der hochwertigen Ausstattung auf diese Entscheidung wohl genauso wenig vorbereitet war wie alle anderen aus der Spielebranche. So hat er gerade alle Hände voll zu tun, die Bestellungen des Einzelhandels und die der großen Ketten zu befriedigen, was voraussichtlich erst Anfang September geschehen wird. Leider liegt uns daher kein Rezensionsexemplar vor, so daß auf Grund der Zulieferungsproblematik hier nur eine kurze Gratulation erfolgen kann: GLÜCKWUNSCH! Sicher wird aber sein, daß dieses Jahr nicht so viele Exemplare des Produktes mit dem begehrten Titel über den Ladentisch, vorbei an Registrier- oder Scannerkasse rutschen werden, bremst doch der hohe Verkaufspreis so manch einem seine Experimentierlust. Und vielleicht zeigt ja auch eine verständliche Verlagsphilosophie, die Preise nicht in schizophrener Art unter Herstellungskosten und Wert zu zwängen, daß auch ein Preisträger nicht verramscht werden muß. Keine Preiskämpfe im Verkaufsbereich, die bis unter den Einkaufspreis von Kleinunternehmen wandern, keine Massenpräsentationen zur Abverkaufssteigerung. Vielleicht sehr spannend. Man wird sehen.

Für all diejenigen, die sofortige Spannung erfahren wollen, steht der Weg offen, sich in den neubearbeiteten Rahmen von Cluedo zu begeben. Ja, die Mutter aller Detektivspiele aus dem Hause Hasbro hat ein neues Gesicht bekommen. Oberflächlich betrachtet ist eigentlich alles beim alten geblieben, außer daß die Schachtel nun Dimensionen angenommen hat, um sich herausragend unter die anderen Spiele im Regal einzureihen. Doch die luxuriöse Aufmachung verspricht mehr als nur aufgeblasen zu sein, denn was hätte die Welt der Familienspiele für einen Neuzugang durch dies erfahren, wären da nicht die kleinen Feinheiten, welche die XXL-Version Super Cluedo unter dem Deckel in seinen Tiefen bereithält. Am auffälligsten die Anzahl der Spieler, die sich an der spannenden Detektivarbeit beteiligen können. Selten genug können große, nein wirklich große Personengruppen, gemeinsam an einem Abend ein Abenteuer erleben. Nun ist der Bereich von 3-10 Spieler erschlossen. Wer die ursprüngliche Variante kannte, hofft zurecht neben einer gesteigerten Anzahl von Charakteren auf eine erweiterte Anzahl von Tatwerkzeugen und Tatorten. Bestimmt sitzen aber auch einige nun da und befürchten eine ins unermessliche ausgedehnte Spielzeit. Das Gegenteil demonstrieren schon die ersten Spielrunden, denn Geheimgänge und Spionagefelder auf dem extra großen Spielplan beschleunigen in spannender Weise die Suche nach dem Mörder des Grafen in dem Schloß an der französischen Riviera. Schritt für Schritt werden Beweise gesammelt und vage Vermutungen zerschlagen oder untermauert, bis einer denkt, alle Indizien gesammelt zu haben und als Superdetektiv Anklage erhebt. Weit ab vom simplen Remake eine gelungene Fortführung des Klassikers besonders für große Gruppen. Kleinere Gruppen können den Spielspaß der neuen Variation dadurch genießen, daß problemlos alle überschüssigen Karten aussortiert werden können. Welche fehlen erschließt sich ja auch erst im Verlauf der Runden. Zur Beschleunigung des Ganzen können die herausgenommenen Karten aber auch offen gezogen werden.
Wer allerdings das schottische Hochland bevorzugt, kann sich als Vertreter eines Clans am traditionellen Tauziehen beteiligen, wenn sich die Bowmores gegen die Glenfiddichs am Seil bei How-Ruck (Spiele Für Zwei - Kosmos) gegenüber stehen. Fast schon schweißtreibend werden zunächst die Karten an die zwei Kontrahenten verteilt, die ihrerseits Mannschaften bilden: eine Mannschaft für sich selbst und eine für den Gegner. Schnelligkeit ist hier gefordert, denn wer als erster mit der Aufteilung fertig ist, erarbeitet sich die ersten Vorteile. Nun wird noch das Whiskeyfaß auf die Startposition gestellt und schon kann es losgehen. Neben den ranken Recken, die durch ihren farblichen Rand einem der drei Kartenfelder der jeweiligen Seite zugeordnet sind, beteiligen sich auch einige robuste Frauen an dem Wettstreit, die als neutrale Karten auf jedem Feld ihr Plätzchen finden. Durch das Legen werden nun die Kräfteverhältnisse der Seiten Zug um Zug neu bestimmt. Doch Aktionskarten können manchmal alles wieder durcheinander bringen. Dies geschieht so lange, bis ein “How-Ruck” ausrufend gelegt wird und das Kräftemessen beginnt. Wer stärker am Seil zieht, darf nun das Fäßchen auf der Skala um den Differenzwert in seine Richtung ziehen. Und weiter geht’s. Solange bis einer der Spieler drei hölzerne Trophäen sein eigen nennt und das Spiel entschieden ist. Richard Borg entwarf ein einfaches, aber turbulentes Kartenspiel, das nicht zuletzt durch die amüsanten Grafiken von Franz Vohlwinkel viele unterhaltsame, ca. 30-minütige Partien schenkt. ][ g


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