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Irvine
Welsh - Klebstoff - KiWi . . .
Der 1958 geborene und in London lebende Autor Irvine Welsh ist wieder
da und diesmal mit seinem sechsten Buch. Wer nach seinem letzten Werk
"Drecksau" ein wenig verunsichert war, wie wohl die schriftstellerische
Karriere weitergehen würde, wird sich 600 Seiten lang freuen. Freuen
über die Rückkehr zu den vertrauten Charakterstudien, sowie
der Schreibart, wie man sie in "Trainspotting" zu lieben gelernt
hatte. Das Kernthema: Freund-schaft. Freundschaft zwischen vier schottischen
Protagonisten, deren fein verwobenes Leben der letzten 40 Jahre in spannender
Weise geschildert wird. Als Jungens in den ärmlichen Verhältnissen
einer der typischen Arbeitersied-lungen Edinburghs aufgewachsen, erleben
sie ihre ersten Raufereien, Gewalt, Tod, Drogen- und natürlich auch
die ersten sexuellen Erfahrungen. Daneben Ausflüge in die Musik-geschichte
von Punk bis Techno. Eine Geschichte über die Freuden und Schmerzen
des jungen Erwachsenwerdens; über das Begegnen, die da-raus aufkeimende
Freundschaft und das Einan-derkennenlernen. Eben über alles was so
im Leben vorkommt. Wahrscheinlich ist genau dies das Ansprechende an diesem,
viel zu schnell durchgelesenen Buch, das so unglaublich an die Zeilen
fesselt, wie es einst auch schon sein Erstlingsroman tat. Wie eine Reflektion
beginnt die eigene Lebensgeschichte vor dem geistigen Auge abzulaufen.
Der Leser stellt sich selbst die Frage, wie es wohl bei einem selber aussehen
wird, wenn diese Zeitspanne eigens durchlebt ist. Auch wenn Welsh mit
"Klebstoff" keine neuen Regionen betritt, so gelingt es ihm
dennoch durch seinen bissigen schwarzen Humor, sowie die galante Einbindung
des schottischen Dialektes, einen frischen, authentischen und action-geladenen
Roman zu schreiben, der zwar tragische Momente in sich birgt aber keinesfalls
traurig ist. ][ g
Green
Beats - Köln - 06.09.02. . . . .
Ein bißchen skeptisch konnte man vor dieser Party schon sein. Die
Grünen, eine Partei, die mitten in die Politikverdrossenheit Superrappin-Artists
und DJane Storm in das Internationale Kölndesignhaus bat?!? Würden
sie uns schon am Eingang mit Wahlslogans auf die Nerven gehen, oder erst
drin offensiv werden? Würden Grand Agent, Declaime, Fat Jon oder
die Lone Catalysts ihren Sprechgesang joschkisieren? Nein. Nichts dergleichen.
Die einzigen Hinweise auf den politischen Hintergrund waren die Grünen-Schriftzüge,
die ab und zu über die Videoleinwände huschten und Jürgen
Trittin, der mit Kerstin Müller am Eingang stand und bewies, daß
das Fernsehen manche Leute auch kleiner macht. Er hat nicht mal versucht
Schröder-like zu Miss Dees, Buckels und Storms feinen Klängen
die Beine zu kreuzen. Hätten sie jetzt noch das Mikro in der HipHop-Ebene
ein wenig leiser gedreht, um auch die ausgezeichneten Beats zu ihrer Berechtigung
kommen zu lassen, dann wäre das eine Geschichte ohne Fehl und Tadel
gewesen. Ein schön anzusehendes Publikum, drei Ebenen mit sehr sehr
guter Musik aus den Untergründen dieser Welt und, na gut, da haben
sie ein bißchen gewahlkampft, eine Sonnenblume zum Abschied. Danke
ihr Grünen, daß ihr die Soundauswahl den Profis überlassen
habt und danke Kut-L für die geradezu phantastische Musik im Vorpro-gramm
der HipHop-Ebene. Die Stuttgart-geplagten Ohren fanden so eine erste Genesungsmöglichkeit.
Rundum gelungen und vielleicht ein Mosaiksteinchen auf dem Weg zu 8,6
%. ][ motik
Extraschicht
im Schacht . . . . . . . . . .
Düstere Wolken säumten die Zechen, Kokereien, Stahlwerke und
Gasometer in den frühen Abendstunden des 31. August, als zahlreiche
Industrieanlagen, verwandelt in aufregende Bühnen, zur "Nacht
der Industriekultur" ins Ruhrgebiet einluden. Fast konnte man das
Gefühl bekommen die teilweise über 150 Jahre alten Schlote,
Kamine und Fördertürme wären wieder zu neuem Leben erwacht.
Und gewisserweise war dem auch so, als sich über 83.000 Besucher
mit Bus und Bahn zwischen den 32 Anlagen in 16 Städten bewegten.
Neues Leben brodelte, in einer Region in welcher über Jahr-zehnte
in dunklen Stollen, an glühenden Koksöfen und dampfgetriebenen
Förderanlagen der Schweiß und manchmal auch das Blut von Millionen
bei Kohle und Stahl beschäftigter Menschen floß. Lange Zeit
herrschte gespen-stische Ruhe in den von leuchtendem Rost verwöhnten
Industriekomplexen, zu denen der Zutritt mancherorts über Jahre hinweg
verboten war. Zu den bekanntesten Vertretern zählt wohl die weit
über die Grenzen des Potts bekannte Zeche Zollverein, die sich seit
diesem Datum neben der Freiheitsstatue von New York, der Chinesischen
Mauer und den Pyra-miden von Gizeh in die Liste des Weltkultur-erbes der
UNESCO reiht. Von Johannes Rau, einer der anwesenden Prominenten, auch
liebevoll als "Eiffelturm des Ruhrgebiets" be-zeichnet. Doch
entworfen hatte nicht Herr Eiffel das gigantische Ziegelsteinmonument
mit seinem 55 Meter hohen Doppelbockförder-gerüst, sondern Fritz
Schupp in den Jahren 1928-1932. Derselbe, der auch den Förderturm
des Deutschen Bergbaumuseums in Bochum entwarf. Und von hier aus sollte
die kulturelle Reise durch die nächtlichen Fußspuren der Industriekultur
beginnen. Ein über 80seitiges Infoheft, von den Veranstaltern Kommunalver-band
Ruhrgebiet, Projekt Ruhr GmbH und der Ruhrgebiet Tourismus GmbH herausgegeben,
diente als übersichtlicher Wegweiser. S-Bahnnetze und Shuttelbustouren
als Vorschlags-routen machten schnell Lust, sich selbst möglichst
zu allen Orten zu transportieren. Doch der neugierige Wunsch alles sehen
zu können, kehrt bald in die Schranken des Möglichen zurück,
da ein über 4.400 km2 umfassendes Schienennetz zwischen den Orten
erst einmal bereist werden will. Und zwischen Bochum und Duisburg liegen
nun mal ca. 30 Min. Fahrzeit. Wer sich bereits um 17:00 Uhr in die zunehmend
voller werdenden Verkehrsmittel begab, der fand noch das ein oder andere
Sitz-Plätzchen. Aber dennoch gelang es bis hin zur letzten Bahn (gegen
4:00 Uhr morgens), den Strom der Interessierten zufriedenstellend zu kutschieren.
In Duisburg wartete man dann darauf an Bord der Rheinfels zu gelangen.
Rund-fahrt im Innenhafen, um in der Silhouette von Kornspeichern das sich
durch die Wolken schiebende goldene Abendlicht zu genießen. Eine
beschränkte Kapazität an Bord ließ eine längere Wartezeit
entstehen, die zwar zu weiteren Streichungen auf dem Vorhabensplan führte,
zu den virtuosen Orgelklängen Mambo Kurts aber wie im Flug verging.
Zu Walzerklängen, Popmedleys und "I was made for loving you"
breitete sich eine angenehme Atmosphäre aus, die jegliche gesellschaftlichen
Schichten altersübergreifend vereinte und gemeinsam an-stoßen
ließ. Entscheidungen mußten gefällt werden. Nach knapp
einer Stunde Hafenromantik im Abendlicht und Wind dann weiter nach Essen.
Während sich Trauben von Begeisterten auf dem Gelände der Zeche
Zollverein den Platz teilten, besuchten andere fast schon in familiärer
Atmosphäre das Meteorid. Ein Gebäude wie ein überdimensionales
Brillenetui, welches, von innen illuminiert, einlud, das Augenmerk durch
eine spacige Architektur gleiten zu lassen. Ein Besuch in einer futuristischen
Welt voller Ruhe, Schönheit und Science-Fiction-artiger Atmosphäre.
Nach diesem Ort des Chillouts weiter Richtung Dortmund in die alte Kokerei
Hansa. Hier fand die ebenfalls sehr gut besuchte Abschlußveranstaltung
statt. Zwischen rostigen Rohren, verwittertem Holz und bemoosten Ziegeln
erstrahlte ein pyro-technisches Spektakel. Feuerwerkraketen, Vulkane und
dergleichen versprühten eine funkenreiche Lichterwelt im passenden
Sound der Steeldrums. Schade nur, daß ein bekannter Gerstensaftanbieter
mit seinem großen Zeltdach für viele das Sichtfeld stark beschränkte.
Was für eine Standortentscheidung!? Ein Blick auf die Uhr signalisierte
schnell das herangeeilte Ende eines Abends, der lichter- und farbenfroh
Lust auf weitere solche Veranstal-tungen entstehen ließ. So viele
Orte der Kumpels gibt es noch zu erkunden. So viel Geschichte noch zu
erleben... ][ g
DMC
German DJ Championships. Stadtgarten Köln, 24.08.02.. . . . . . .
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Lange Zeit konnten sich nur wenige DJs und noch weniger Besucher damit
anfreunden, den deutschen DMC-DJ-Meisterschaften ihre kostbare Zeit zu
opfern. Zu unstimmig war die Organisation seitens DMC Deutschland. Unqualifizierte
Jurys, ein vollkommen ungeeig-netes Rahmenprogramm und der furchtbare,
buffalounterwanderte Veranstaltungsort mach-ten es dem Konkurrenten ITF
leicht, dem so traditionsreichen DMC-Event den Rang abzulaufen. Doch nachdem
keiner mehr zu hoffen wagte, daß die zahlreiche Kritik irgendwann
ein Einlenken hervorrufen könnte, besann sich DMC eines besseren.
Der Autor dieser Zeilen konnte auslandsaufenthaltshalber der letztjährigen
Veranstaltung nicht beiwohnen, aber der damalige, längst überfällige,
Locationwechsel wies in die richtige Richtung. Endlich endlich, so kann
man sagen, scheint DMC auf den Trichter gekommen zu sein. Die Technics
German DJ Championships 2002 jedenfalls hatten endlich diese spezielle
Atmosphäre, die man sich auf Battles wünscht.
Es wurde in 3 Kategorien um die Teilnahme an den Weltmeisterschaften in
London gescratcht und gejugglet. Team, World Supremacy, also One-to-one
im K.O.-Modus wie bei ITF und die klassische Variante, bei der jeder der
10 Finalisten 6 Minuten Zeit hatte, sein Können zu beweisen. Früher
waren das nur 3 Minuten, auch diese Annäherung an den internationalen
Standard war längst überfällig. Mit Woody, Razor, Hype
und anderen reich dekorierten Turntablism-Kennern war die Jury endlich
auch kompetent besetzt. Diejenigen, die sich dieses Jahr gegen eine Teilnahme
entschieden haben, dürften dies also nicht aus Opposition zu der
DMC-Verplantheit getan haben. Freilich zeigten sich davon noch letzte
Ausläufer, so bei der German Battle for World Supremacy. Die Jury
hatte mit den den beiden DJs zugewiesenen Zahlen 1 und 2 darüber
abzustimmen, wer die nächste Runde erreicht. Mehrmals wurde deutlich,
daß der Jury nicht klar war, wem welche Zahl zugeordnet war. Einige
überraschende Entscheidungen legen die Vermutung nahe, daß
sich das mehrfach auf die Entscheidungsfindung auswirkte.Ob die Jury tatsächlich
J-Bounce auf den World-Supremacy Thron heben wollte, oder Rasyunado mit
der erhobenen 1 meinten, wird daher wohl nie ganz klar werden.
Eines aber war augenfällig. Der deutsche Turntablism ist auf einem
nie erträumten Niveau angelangt. Der HipHop-Overkill hatte auch seine
guten Seiten. Eine ist die, daß hierdurch ein paar Jungs auf die
Idee gebracht wurden, sich intensiv mit Plattenspielern und Mischpult
zu beschäftigen. Und genau diese Jungs waren im bestens geeigneten
Stadtgarten mit faszinierenden Routines die Gewinner des Abends. Allen
voran die Lords of Fitness, deren Rafic und Rasyunado Musikalität
und Skills zu beeindruckenden Leistungen verbanden.
Zu den Lords of Fitness gehört auch der in der Jury sitzende aktuelle
deutsche ITF-Meister Kid Fresh. Diese drei machten wohl noch am selben
Abend Nägel mit Köpfen und verpflichteten den durch seine Sauberkeit
bestechenden Sieger der German Battle for World Supremacy und Technics
German DJ Championships-Zweiten J-Bounce für die Crew. Da kommt auf
Phaderheadz, Needleaddicts und Konsorten einiges zu.
Die Needle Addicts haben mit M-Tech einen weiteren großen Sieger
des Abends in ihren Reihen. Seine Interpretation von D-Styles Razorblade
Alcohol Slide brachte das Publikum zum rasen und ihm den Titel beim
wichtigsten Event des Abends, den Technics German DJ Championships. Er
wollte diesen Titel unbedingt und seine Anspannung war mit Händen
zu greifen. Trotzdem oder gerade deswegen gelang ihm eine blitzsaubere
Kür mit zahlreichen Highlights. Da lebt einer für die Musik,
so daß man ihm den Titel doppelt gönnt. Die unbändige
Freude bei der Siegerehrung war alleine schon die Anreise wert.
Ganz knapp ging es bei der Team Battle zu, bei der sich die Berliner Phaderheadz
mit der einheimischen Noisy Stylus Crew ein hochwertiges Kopf an Kopf
Rennen lieferten. Letztere hatte schließlich die Nase vorn.
Die deutschen Vertreter bei den Weltmeister-schaften in London hießen
somit M-Tech, J-Bounce und Noisy Stylus und dort schlugen sie sich mehr
als achtbar. Die Noisy Stylus präsentierten sich mit neuen Elementen
und verabschiedeten sich mit einer tollen Leistung in die Winterpause.
J-Bounce verpaßte den Einzug ins Viertelfinale wohl nur, weil er
die besten Routines unnötigerweise schon bei seinem Erstrundensieg
ausgepackt hatte. M-Tech erreichte das Finale als Eliminations-Siebter
und überzeugte dort mit der Kür, die ihn zum deutschen Meister
machte. Den Titel holte sich Kentaro vor Skully, Dopey und Perseus. World
Supremacy gewann Titelverteidiger Netik vor Jekey. Die Team Battle entschieden
die ehemaligen Scratch Action Hero Mitglieder Birdy Nam Nam für sich.
Auch wenn die ganz vorderen Plazierungen noch an andere gingen, geht einem
doch das Herz auf, angesichts der Tatsache, daß der deutsche Turntablism
endlich wieder würdige Vertreter zu Titelkämpfen schicken kann.
Ob die Erfolge eines David Fascher jemals wieder erreicht werden können
ist eine andere Frage. Aber davon hatten wir nur einen, jetzt wimmelt
es geradezu ... ][ motik
Berlin
Originators . . . . . . . . . . . . . . . .
Die Berliner Hard:Edged-Gang um Mastermind Stoffel hat ihr Plätzchen
gefunden: Watergate wird der neue Club mit Bar/Lounge an der Oberbaumbrücke
in Kreuzberg heißen. Nach legendären Nächten im Toaster,
97er Metalheadz Session und zuletzt Residency im WMF, war der eigene Laden
der konsequenteste Schritt. 1. November ist Startschuß (26. Oktober
kann man auch schon einmal vorbeischnuppern...). Bis auf Montag öffnet
die Bar jeden Abend ab 20 Uhr. Am Wochenende wird die Tanzebene hinzugezogen.
Mittwochs gibts Elevatormelodies-Minitech-Fratzentunes, donnerstags
BlockpartyHipHop und Streetsoul, freitags Hard:Edged-DrumnBass
und samstags Abstract Beats und House. Mit u. a. Fat Jon von den 5Deez,
Cornelius Tittel und Nixon ... äääh Dixon konnte man wahre
DJ-Garanten als Residents gewinnen. Laßts krachen! ][ lightwood
10
Jahre INFRAcom! . . . . . . . . . . . . . .
Wie die Zeit vergeht. Zehn Jahre ist es nun her, daß Jan Hagenkötter
und Namé Vaughn ihr Label INFRACom! Gründeten, um damit fortzusetzen,
was sie bereits noch früher als DJs und Partyveranstalter in Frankfurt
begannen. Schon immer propagierten sie den Sound abseits von Techno und
House und der sollte fortan auch auf Vinyl gehegt und gepflegt werden.
Mit inzwischen namhaften Künstlern, wie Megashira oder Shantel, sowie
einigen Compilations, fing man an eher trackorientiertes Material zu veröffentlichen.
Nach und nach veränderte sich dann die Herangehens-weise und mit
Taxi und Cleveland Watkiss beheimatet man nun Acts, die auch in der Lage
sind, komplexe Songs schreiben zu können.
Zehn Jahre und einhundert Veröffentlichungen zogen so ins Land und
heute sehen sich Jan und Namé motivierter denn je. Mit [re:jazz]
liefern sie eine Art Rückblick und Werkschau zugleich, während
Cleveland Watkiss neues Album durchaus als ein kleiner Meilenstein
in der Geschichte des Frankfurter Labels bezeichnet werden darf. Nein,
daß in Zukunft nur noch soulige, jazzorientierte Alben veröffentlicht
werden, kann man getrost ausschließen, aber inspiriert hiervon,
könnten die zukünftigen Veröffentlichungen schon sein.
Vorerst aber möchte man feiern und zwar am 26.10. im Frankfurter
Moussonturm, wo neben Cleve-land Wattkiss und der Band Beatclub 21 auch
Michael Rütten, Philipp Maiburg und andere am Start sein werden.
Glückwunsch! ][ mb
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