OUK das neunund30ste ± sitzt & glänzt ± Okt/Nov 02 Bla & Blub

Irvine Welsh - Klebstoff - KiWi . . .
Der 1958 geborene und in London lebende Autor Irvine Welsh ist wieder da und diesmal mit seinem sechsten Buch. Wer nach seinem letzten Werk "Drecksau" ein wenig verunsichert war, wie wohl die schriftstellerische Karriere weitergehen würde, wird sich 600 Seiten lang freuen. Freuen über die Rückkehr zu den vertrauten Charakterstudien, sowie der Schreibart, wie man sie in "Trainspotting" zu lieben gelernt hatte. Das Kernthema: Freund-schaft. Freundschaft zwischen vier schottischen Protagonisten, deren fein verwobenes Leben der letzten 40 Jahre in spannender Weise geschildert wird. Als Jungens in den ärmlichen Verhältnissen einer der typischen Arbeitersied-lungen Edinburghs aufgewachsen, erleben sie ihre ersten Raufereien, Gewalt, Tod, Drogen- und natürlich auch die ersten sexuellen Erfahrungen. Daneben Ausflüge in die Musik-geschichte von Punk bis Techno. Eine Geschichte über die Freuden und Schmerzen des jungen Erwachsenwerdens; über das Begegnen, die da-raus aufkeimende Freundschaft und das Einan-derkennenlernen. Eben über alles was so im Leben vorkommt. Wahrscheinlich ist genau dies das Ansprechende an diesem, viel zu schnell durchgelesenen Buch, das so unglaublich an die Zeilen fesselt, wie es einst auch schon sein Erstlingsroman tat. Wie eine Reflektion beginnt die eigene Lebensgeschichte vor dem geistigen Auge abzulaufen. Der Leser stellt sich selbst die Frage, wie es wohl bei einem selber aussehen wird, wenn diese Zeitspanne eigens durchlebt ist. Auch wenn Welsh mit "Klebstoff" keine neuen Regionen betritt, so gelingt es ihm dennoch durch seinen bissigen schwarzen Humor, sowie die galante Einbindung des schottischen Dialektes, einen frischen, authentischen und action-geladenen Roman zu schreiben, der zwar tragische Momente in sich birgt aber keinesfalls traurig ist. ][ g

Green Beats - Köln - 06.09.02. . . . .
Ein bißchen skeptisch konnte man vor dieser Party schon sein. Die Grünen, eine Partei, die mitten in die Politikverdrossenheit Superrappin-Artists und DJane Storm in das Internationale Kölndesignhaus bat?!? Würden sie uns schon am Eingang mit Wahlslogans auf die Nerven gehen, oder erst drin offensiv werden? Würden Grand Agent, Declaime, Fat Jon oder die Lone Catalysts ihren Sprechgesang joschkisieren? Nein. Nichts dergleichen. Die einzigen Hinweise auf den politischen Hintergrund waren die Grünen-Schriftzüge, die ab und zu über die Videoleinwände huschten und Jürgen Trittin, der mit Kerstin Müller am Eingang stand und bewies, daß das Fernsehen manche Leute auch kleiner macht. Er hat nicht mal versucht Schröder-like zu Miss Dees, Buckels und Storms feinen Klängen die Beine zu kreuzen. Hätten sie jetzt noch das Mikro in der HipHop-Ebene ein wenig leiser gedreht, um auch die ausgezeichneten Beats zu ihrer Berechtigung kommen zu lassen, dann wäre das eine Geschichte ohne Fehl und Tadel gewesen. Ein schön anzusehendes Publikum, drei Ebenen mit sehr sehr guter Musik aus den Untergründen dieser Welt und, na gut, da haben sie ein bißchen gewahlkampft, eine Sonnenblume zum Abschied. Danke ihr Grünen, daß ihr die Soundauswahl den Profis überlassen habt und danke Kut-L für die geradezu phantastische Musik im Vorpro-gramm der HipHop-Ebene. Die Stuttgart-geplagten Ohren fanden so eine erste Genesungsmöglichkeit. Rundum gelungen und vielleicht ein Mosaiksteinchen auf dem Weg zu 8,6 %. ][ motik

Extraschicht im Schacht . . . . . . . . . .
Düstere Wolken säumten die Zechen, Kokereien, Stahlwerke und Gasometer in den frühen Abendstunden des 31. August, als zahlreiche Industrieanlagen, verwandelt in aufregende Bühnen, zur "Nacht der Industriekultur" ins Ruhrgebiet einluden. Fast konnte man das Gefühl bekommen die teilweise über 150 Jahre alten Schlote, Kamine und Fördertürme wären wieder zu neuem Leben erwacht. Und gewisserweise war dem auch so, als sich über 83.000 Besucher mit Bus und Bahn zwischen den 32 Anlagen in 16 Städten bewegten. Neues Leben brodelte, in einer Region in welcher über Jahr-zehnte in dunklen Stollen, an glühenden Koksöfen und dampfgetriebenen Förderanlagen der Schweiß und manchmal auch das Blut von Millionen bei Kohle und Stahl beschäftigter Menschen floß. Lange Zeit herrschte gespen-stische Ruhe in den von leuchtendem Rost verwöhnten Industriekomplexen, zu denen der Zutritt mancherorts über Jahre hinweg verboten war. Zu den bekanntesten Vertretern zählt wohl die weit über die Grenzen des Potts bekannte Zeche Zollverein, die sich seit diesem Datum neben der Freiheitsstatue von New York, der Chinesischen Mauer und den Pyra-miden von Gizeh in die Liste des Weltkultur-erbes der UNESCO reiht. Von Johannes Rau, einer der anwesenden Prominenten, auch liebevoll als "Eiffelturm des Ruhrgebiets" be-zeichnet. Doch entworfen hatte nicht Herr Eiffel das gigantische Ziegelsteinmonument mit seinem 55 Meter hohen Doppelbockförder-gerüst, sondern Fritz Schupp in den Jahren 1928-1932. Derselbe, der auch den Förderturm des Deutschen Bergbaumuseums in Bochum entwarf. Und von hier aus sollte die kulturelle Reise durch die nächtlichen Fußspuren der Industriekultur beginnen. Ein über 80seitiges Infoheft, von den Veranstaltern Kommunalver-band Ruhrgebiet, Projekt Ruhr GmbH und der Ruhrgebiet Tourismus GmbH herausgegeben, diente als übersichtlicher Wegweiser. S-Bahnnetze und Shuttelbustouren als Vorschlags-routen machten schnell Lust, sich selbst möglichst zu allen Orten zu transportieren. Doch der neugierige Wunsch alles sehen zu können, kehrt bald in die Schranken des Möglichen zurück, da ein über 4.400 km2 umfassendes Schienennetz zwischen den Orten erst einmal bereist werden will. Und zwischen Bochum und Duisburg liegen nun mal ca. 30 Min. Fahrzeit. Wer sich bereits um 17:00 Uhr in die zunehmend voller werdenden Verkehrsmittel begab, der fand noch das ein oder andere Sitz-Plätzchen. Aber dennoch gelang es bis hin zur letzten Bahn (gegen 4:00 Uhr morgens), den Strom der Interessierten zufriedenstellend zu kutschieren. In Duisburg wartete man dann darauf an Bord der Rheinfels zu gelangen. Rund-fahrt im Innenhafen, um in der Silhouette von Kornspeichern das sich durch die Wolken schiebende goldene Abendlicht zu genießen. Eine beschränkte Kapazität an Bord ließ eine längere Wartezeit entstehen, die zwar zu weiteren Streichungen auf dem Vorhabensplan führte, zu den virtuosen Orgelklängen Mambo Kurts aber wie im Flug verging. Zu Walzerklängen, Popmedleys und "I was made for loving you" breitete sich eine angenehme Atmosphäre aus, die jegliche gesellschaftlichen Schichten altersübergreifend vereinte und gemeinsam an-stoßen ließ. Entscheidungen mußten gefällt werden. Nach knapp einer Stunde Hafenromantik im Abendlicht und Wind dann weiter nach Essen. Während sich Trauben von Begeisterten auf dem Gelände der Zeche Zollverein den Platz teilten, besuchten andere fast schon in familiärer Atmosphäre das Meteorid. Ein Gebäude wie ein überdimensionales Brillenetui, welches, von innen illuminiert, einlud, das Augenmerk durch eine spacige Architektur gleiten zu lassen. Ein Besuch in einer futuristischen Welt voller Ruhe, Schönheit und Science-Fiction-artiger Atmosphäre. Nach diesem Ort des Chillouts weiter Richtung Dortmund in die alte Kokerei Hansa. Hier fand die ebenfalls sehr gut besuchte Abschlußveranstaltung statt. Zwischen rostigen Rohren, verwittertem Holz und bemoosten Ziegeln erstrahlte ein pyro-technisches Spektakel. Feuerwerkraketen, Vulkane und dergleichen versprühten eine funkenreiche Lichterwelt im passenden Sound der Steeldrums. Schade nur, daß ein bekannter Gerstensaftanbieter mit seinem großen Zeltdach für viele das Sichtfeld stark beschränkte. Was für eine Standortentscheidung!? Ein Blick auf die Uhr signalisierte schnell das herangeeilte Ende eines Abends, der lichter- und farbenfroh Lust auf weitere solche Veranstal-tungen entstehen ließ. So viele Orte der Kumpels gibt es noch zu erkunden. So viel Geschichte noch zu erleben... ][ g

DMC German DJ Championships. Stadtgarten Köln, 24.08.02.. . . . . . . .
Lange Zeit konnten sich nur wenige DJs und noch weniger Besucher damit anfreunden, den deutschen DMC-DJ-Meisterschaften ihre kostbare Zeit zu opfern. Zu unstimmig war die Organisation seitens DMC Deutschland. Unqualifizierte Jurys, ein vollkommen ungeeig-netes Rahmenprogramm und der furchtbare, buffalounterwanderte Veranstaltungsort mach-ten es dem Konkurrenten ITF leicht, dem so traditionsreichen DMC-Event den Rang abzulaufen. Doch nachdem keiner mehr zu hoffen wagte, daß die zahlreiche Kritik irgendwann ein Einlenken hervorrufen könnte, besann sich DMC eines besseren. Der Autor dieser Zeilen konnte auslandsaufenthaltshalber der letztjährigen Veranstaltung nicht beiwohnen, aber der damalige, längst überfällige, Locationwechsel wies in die richtige Richtung. Endlich endlich, so kann man sagen, scheint DMC auf den Trichter gekommen zu sein. Die Technics German DJ Championships 2002 jedenfalls hatten endlich diese spezielle Atmosphäre, die man sich auf Battles wünscht.
Es wurde in 3 Kategorien um die Teilnahme an den Weltmeisterschaften in London gescratcht und gejugglet. Team, World Supremacy, also One-to-one im K.O.-Modus wie bei ITF und die klassische Variante, bei der jeder der 10 Finalisten 6 Minuten Zeit hatte, sein Können zu beweisen. Früher waren das nur 3 Minuten, auch diese Annäherung an den internationalen Standard war längst überfällig. Mit Woody, Razor, Hype und anderen reich dekorierten Turntablism-Kennern war die Jury endlich auch kompetent besetzt. Diejenigen, die sich dieses Jahr gegen eine Teilnahme entschieden haben, dürften dies also nicht aus Opposition zu der DMC-Verplantheit getan haben. Freilich zeigten sich davon noch letzte Ausläufer, so bei der German Battle for World Supremacy. Die Jury hatte mit den den beiden DJs zugewiesenen Zahlen 1 und 2 darüber abzustimmen, wer die nächste Runde erreicht. Mehrmals wurde deutlich, daß der Jury nicht klar war, wem welche Zahl zugeordnet war. Einige überraschende Entscheidungen legen die Vermutung nahe, daß sich das mehrfach auf die Entscheidungsfindung auswirkte.Ob die Jury tatsächlich J-Bounce auf den World-Supremacy Thron heben wollte, oder Rasyunado mit der erhobenen 1 meinten, wird daher wohl nie ganz klar werden.
Eines aber war augenfällig. Der deutsche Turntablism ist auf einem nie erträumten Niveau angelangt. Der HipHop-Overkill hatte auch seine guten Seiten. Eine ist die, daß hierdurch ein paar Jungs auf die Idee gebracht wurden, sich intensiv mit Plattenspielern und Mischpult zu beschäftigen. Und genau diese Jungs waren im bestens geeigneten Stadtgarten mit faszinierenden Routines die Gewinner des Abends. Allen voran die Lords of Fitness, deren Rafic und Rasyunado Musikalität und Skills zu beeindruckenden Leistungen verbanden.
Zu den Lords of Fitness gehört auch der in der Jury sitzende aktuelle deutsche ITF-Meister Kid Fresh. Diese drei machten wohl noch am selben Abend Nägel mit Köpfen und verpflichteten den durch seine Sauberkeit bestechenden Sieger der German Battle for World Supremacy und Technics German DJ Championships-Zweiten J-Bounce für die Crew. Da kommt auf Phaderheadz, Needleaddicts und Konsorten einiges zu.
Die Needle Addicts haben mit M-Tech einen weiteren großen Sieger des Abends in ihren Reihen. Seine Interpretation von D-Styles „Razorblade Alcohol Slide“ brachte das Publikum zum rasen und ihm den Titel beim wichtigsten Event des Abends, den Technics German DJ Championships. Er wollte diesen Titel unbedingt und seine Anspannung war mit Händen zu greifen. Trotzdem oder gerade deswegen gelang ihm eine blitzsaubere Kür mit zahlreichen Highlights. Da lebt einer für die Musik, so daß man ihm den Titel doppelt gönnt. Die unbändige Freude bei der Siegerehrung war alleine schon die Anreise wert.
Ganz knapp ging es bei der Team Battle zu, bei der sich die Berliner Phaderheadz mit der einheimischen Noisy Stylus Crew ein hochwertiges Kopf an Kopf Rennen lieferten. Letztere hatte schließlich die Nase vorn.
Die deutschen Vertreter bei den Weltmeister-schaften in London hießen somit M-Tech, J-Bounce und Noisy Stylus und dort schlugen sie sich mehr als achtbar. Die Noisy Stylus präsentierten sich mit neuen Elementen und verabschiedeten sich mit einer tollen Leistung in die Winterpause. J-Bounce verpaßte den Einzug ins Viertelfinale wohl nur, weil er die besten Routines unnötigerweise schon bei seinem Erstrundensieg ausgepackt hatte. M-Tech erreichte das Finale als Eliminations-Siebter und überzeugte dort mit der Kür, die ihn zum deutschen Meister machte. Den Titel holte sich Kentaro vor Skully, Dopey und Perseus. World Supremacy gewann Titelverteidiger Netik vor Jekey. Die Team Battle entschieden die ehemaligen Scratch Action Hero Mitglieder Birdy Nam Nam für sich. Auch wenn die ganz vorderen Plazierungen noch an andere gingen, geht einem doch das Herz auf, angesichts der Tatsache, daß der deutsche Turntablism endlich wieder würdige Vertreter zu Titelkämpfen schicken kann. Ob die Erfolge eines David Fascher jemals wieder erreicht werden können ist eine andere Frage. Aber davon hatten wir nur einen, jetzt wimmelt es geradezu ... ][ motik

Berlin Originators . . . . . . . . . . . . . . . .
Die Berliner Hard:Edged-Gang um Mastermind Stoffel hat ihr Plätzchen gefunden: Watergate wird der neue Club mit Bar/Lounge an der Oberbaumbrücke in Kreuzberg heißen. Nach legendären Nächten im Toaster, 97er Metalheadz Session und zuletzt Residency im WMF, war der eigene Laden der konsequenteste Schritt. 1. November ist Startschuß (26. Oktober kann man auch schon einmal vorbeischnuppern...). Bis auf Montag öffnet die Bar jeden Abend ab 20 Uhr. Am Wochenende wird die Tanzebene hinzugezogen. Mittwochs gibt’s Elevatormelodies-Minitech-Fratzentunes, donnerstags BlockpartyHipHop und Streetsoul, freitags Hard:Edged-Drum’n’Bass und samstags Abstract Beats und House. Mit u. a. Fat Jon von den 5Deez, Cornelius Tittel und Nixon ... äääh Dixon konnte man wahre DJ-Garanten als Residents gewinnen. Laßt’s krachen! ][ lightwood

10 Jahre INFRAcom! . . . . . . . . . . . . . .
Wie die Zeit vergeht. Zehn Jahre ist es nun her, daß Jan Hagenkötter und Namé Vaughn ihr Label INFRACom! Gründeten, um damit fortzusetzen, was sie bereits noch früher als DJs und Partyveranstalter in Frankfurt begannen. Schon immer propagierten sie den Sound abseits von Techno und House und der sollte fortan auch auf Vinyl gehegt und gepflegt werden. Mit inzwischen namhaften Künstlern, wie Megashira oder Shantel, sowie einigen Compilations, fing man an eher trackorientiertes Material zu veröffentlichen. Nach und nach veränderte sich dann die Herangehens-weise und mit Taxi und Cleveland Watkiss beheimatet man nun Acts, die auch in der Lage sind, komplexe Songs schreiben zu können.
Zehn Jahre und einhundert Veröffentlichungen zogen so ins Land und heute sehen sich Jan und Namé motivierter denn je. Mit „[re:jazz]“ liefern sie eine Art Rückblick und Werkschau zugleich, während Cleveland Watkiss’ neues Album durchaus als ein kleiner Meilenstein in der Geschichte des Frankfurter Labels bezeichnet werden darf. Nein, daß in Zukunft nur noch soulige, jazzorientierte Alben veröffentlicht werden, kann man getrost ausschließen, aber inspiriert hiervon, könnten die zukünftigen Veröffentlichungen schon sein. Vorerst aber möchte man feiern und zwar am 26.10. im Frankfurter Moussonturm, wo neben Cleve-land Wattkiss und der Band Beatclub 21 auch Michael Rütten, Philipp Maiburg und andere am Start sein werden. Glückwunsch! ][ mb


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