OUK das neunund30ste ± sitzt & glänzt ± Okt/Nov 02 Schneider TM

Der Song zieht ein in die Elektronik. Oder auch: die Elektronik zieht ein in den Song. Was da im Moment zwischen tanzmüdem Techno, elektronischer Klang- und Rhythmusforschung und modernisiertem Independent-Pop passiert, könnte das Modell dafür sein, wo und wie der Stagnation zu entkommen ist. Ob man das nun Data Pop nennt oder Kraut-Elektronica oder Indietronics, ist ja eigentlich nur Etikettenhandel. Ganz vorne dabei: Dirk Dresselhaus alias Schneider TM. Zwischen den unbekümmerten frühen Hip Young Things in der ostwestfälischen Gitarrenprovinz und der funkelnden, kosmopolitischen Elektronik der neuen Schneider TM-Platte „Zoomer“ liegt eine Entwicklung, die nichts mit Mode und viel mit der Findung eines musikalischen Selbsts zu tun hat. Wenn sich nicht Ökonomie, Pech und Ignoranz verschwören, kommen noch viele wunderbare Platten auf uns zu. Tun wir mal was gegen die Ignoranz.

Zoomer“ hat mit seinem polit-poppigen Opener „Reality Check“, dem in mehrfacher Hinsicht traumhaften „Frog-toise“ und dem nachdenklichen „Cuba TM“ ein paar Songs an Bord, die einen sofort ins Boot holen können. Dort gibt es dann noch mehr zu bestaunen, vor allem die Schneidersche Spezialität, elektronischen Sounds Leben einzuhauchen und sie wie Tierchen durchs Bild krabbeln zu lassen. Das klickt, schnalzt, fiept, furzt, pfeift und schabt wie ein Nagetier-gehege bei der Fütterung. Währenddessen gebärdet sich eine Basslinie wie ein Schimpanse, der sich an einer Liane von Baum zu Baum schwingt. Als Überraschungsgast dabei sind die gute alte akustische Gitarre und eine Steel Guitar. Gesungen wird auch, mal im Chor mit sich selbst, mal mit Vocoder, mal ohne. Oft haben die Titel extrem lange Auslaufphasen, in denen der Track äußerst unterhaltsam auseinander genommen wird. Detailwahnsinn rules, auch nach dem zwanzigsten Anhören gibt es noch eine neue Nebenhandlung zu entdecken. Oder zu bemerken, daß „Frogtoise“ vielleicht gar nicht so sehr nach den Beach Boys klingt wie man dachte, sondern nach Marvin Gaye, circa „What’s Going On“. Aber verstanden, worum es geht, hat man schon nach dem ersten Mal.

Haken wir noch mal die wichtigsten Stationen des Weges ab:

Die Hip Young Things waren ursprünglich eine reine Spaßband, wurden zu deutschen Indierock-Hoffnungsträgern zu einer Zeit, als Indierock dem Ende zuging, machten aber auch darauf aufmerksam, daß Bielefeld zu dieser Zeit (und zu einem gewissen Grad noch heute) eine Stadt mit einer sehr regen und kenntnisreichen Musikkultur ist. Dresselhaus war bei den „Hippies“ – schon unter dem Namen Schneider – Gitarrist, Sänger und wichtigster Songschreiber. Nach dreieinhalb Platten kam das Ende, praktisch gleichzeitig mit dem von Schneiders Nebenprojekt, dem Duo Locust Fudge mit Christoph „Krite“ Uhe von den Speed Niggs. Bei Locust Fudges völlig unterbewertetem Zweitling „Royal Flush“ tauchten zum ersten Mal Loops und Elektronik auf. Die Remix-EP „LF Business Express“ zeigte so etwas wie eine Vorahnung dessen, was heute Schneider TMs Sound geworden ist. 1997 kam dann der vorläufige Abschied von Gesang und Gitarre und die Annahme des Trademarks, zunächst mit einer 12“ auf Payola, dann mit dem Album „Moist“ bei City Slang und Mute. Plötzlich spitzten gewöhnlich gut unterrichtete Kreise die Ohren, denn was da meist mit einer geraden Bassdrum daher kam, hatte mit Techno nicht allzu viel zu tun – um es dancefloortauglich zu machen, braucht man jedenfalls einen ziemlich talentierten DJ. Da stolperte der Rhythmus über seine eigenen Füße, fiel unversehens auseinander oder tauchte aus My-Bloody-Valentine-artigen Noisewänden auf. Ganz weg war er also doch nicht, der Indierock. Danach kamen der Umzug nach Berlin und viele Remixe, von High Llamas über Boss Hog und Lambchop zu Laub, Micha Acher und Mina. Leute, die fernsehen, berichteten, Schneider sei außerdem bei Viva gesehen worden. Leute, die Schneider TM live hörten, berichteten von zerhackten Versionen der Tracks der Platte. Das letzte Lebenszeichen vor „Zoomer“ war 2000 die Split-EP „Binokular“ mit KPT.Michi.Gan – wie Schneider ein alter Indierocker. Und da war dann mit „The Light 3000“ eine Coverversion, wie man sie sich wünscht: „There Is A Light That Never Goes Out“ von den Smiths, radikal transponiert in Schneider TMs elektronisches Klanguniversum, den romantischen Überschwang des Originals übersetzt in freundliche Melancholie – und die Wiedergeburt des singenden Songwriters Schneider. Soviel zu dem, was man zu sehen und hören bekam – ein erfolgreicher Weg in eine eigene künstlerische Identität, vom charmanten Epigonentum zu etwas unverwechselbar Eigenem. Was man nicht hören konnte, war der Versuch, trotz aller Widrigkeiten von der Musik zu leben, ohne Kompromisse und Selbstfunktionalisierung per Jingleproduktion oder Muckerjobs.

ouk schickte zwei alte Freunde aus, die sich mit ihrem alten Freund Schneider über „Zoomer“, Futurismus und den Zusammenhang zwischen Viva+ und CD-Schwarzbrennerei zu unterhalten. Es fragten Volker Backes und Jens „Kirsche“ Kirschneck, es antwortet Dirk Dresselhaus.

SCHNEIDER: Mit positiveren Intentionen als diese Platte werde ich eine Platte nie machen können. Da habe ich sämtliche positive Energie hineingesteckt, die ich überhaupt zur Verfügung hatte. Und noch habe, allein das Reden darüber ist dermaßen schlauchend, diese Interviews – ich kann zu der Platte eigentlich gar nichts erklären, da ist alles drauf, was man wissen muß. Von mir aus ist da alles gesagt. Man braucht nur die nötige Sensibilität oder sensitive Offenheit, um das zu packen. Das ist unglaublich simpel, so einfach zu verstehen gemacht, wie ich’s machen konnte.
ouk: Christoph Ellinghaus [von City Slang] hätte doch schon gern einen Hit von dir. Wie ich das so mitbekommen habe damals bei „The Light 3000“, paßte ihm schon nicht, daß das Stück so heißt. Bei einem Konzert drängte er darauf, daß ihr es spielt, aber so wie auf der Platte, nicht wieder zerhackt.
SCHNEIDER: Ja, da vertut er sich halt. Gegen einen kleinen Hit hätte ich auch nichts. Aber ich habe keine Lust, musikalische Kompromisse einzugehen. Ich mache das alles so, daß ich das Gefühl habe, daß wenn das jemand anderes machen würde, es meine Lieblingsmusik wäre. Aber ich habe keine Lust, darüber nachzudenken, ob ich da jetzt noch einen Four-to-the-Floor-Beat oder einen Kylie-Minogue-Baß druntersetzen soll. Wogegen ich ja auch nichts habe, aber das machen andere ja schon. Das ist einfach nicht mein Weg.
ouk: Das ist schon eine bewußte Verweigerungshaltung.
SCHNEIDER: Es ist eine Verweigerungshaltung gegen Dinge, die mir egal sind. Ich habe keine Lust, Sachen zu machen, die mir egal sind.
ouk: Kirsche und ich sind ja der Meinung, daß Du in der Lage wärst, den Hammer-Chartshit zu schreiben.
SCHNEIDER: Das wär’ mir egal. Weiter in Richtung Pop als auf der neuen Platte würde ich nicht gehen wollen. Das ist für mich schon hart an der Grenze und teilweise auch schon... was weiß ich, die Background-Chöre bei „Frogtoise“ sind schon eher lustig gemeint. - Ich will ja auch in erster Linie Leute unterhalten, aber es geht mir auch um eine gewisse Form von Bewußtseinserweiterung. Ich habe gar keine Lust, mich in ausgelatschten Wegen zu bewegen, das sollen andere machen. Ich werde nie vergessen, wie ich zum ersten Mal Velvet Underground gehört habe, oder Dinosaur jr., auch Elektronik wie Aphex Twin Mitte der Neunziger, das war wie ein LSD-Trip, absolut bewußtseinserweiternd. Das will ich weitergeben, die Energie, die ich mir damals aus solcher Musik gezogen habe. Darum geht es mir. Das ist das, was mich selber kickt an Musik anderer Leute, und das kann ich nur transformiert wieder in meine eigene Musik reinstecken. Um jetzt mal komplett abzuheben, geht es um Liebe. Ich kann es amüsiert zur Kenntnis nehmen, wenn jemand einen semicoolen Chartshit hat, den man dann natürlich geil findet, weil sonst alles nur noch viel schlimmer ist – also relativ geil findet. Mir geht es um Musik, die richtig flasht, tief flasht. Ich weiß nicht, ob ich die mache – mich flasht’s nicht, denn ich kenn’s ja (lacht). Ich finde es sowieso langweilig, Musik zu machen, um damit etwas ganz bestimmtes zu erreichen. Ich muß kein Popstar werden. Das wollte ich früher mal, weil ich persönliche Probleme hatte oder Profilneurosen oder sonst was.
ouk: Ich habe den Eindruck, daß gerade dann, wenn Du das Gefühl hast, daß darauf mehr Leute ansprechen könnten, Angst vor Anbiederung bekommst und gleich so eine Kurve zurück machst.
SCHNEIDER: Neenee, das mache ich gar nicht bewußt, das ist kein rationales Ding. Das hat einfach mit Konstruktion und Dekonstruktion zu tun, das, was ich aufbaue, das reiße ich auch gerne wieder ein.
ouk: Ja genau.
SCHNEIDER: Aber das ist doch wunderschön. Harmonie und Disharmonie, das ist einfach mein Feld. Das ist bei allen Bands, die ich liebe, so. Das ist bei Velvets so, das ist bei Sonic Youth so, immer halb mit einem Bein über dem Abgrund, und das ist Schönheit, finde ich, perfekte Schönheit. Mich interessiert das nicht, wenn Sachen nach zwei Takten klar sind, wenn’s nicht noch ein paar Wendungen gibt. Das ist wie mit Filmen, solche Filme mag ich auch nicht. Ich mag halt Musik, die am Rande des Wahnsinns ist, andere Musik interessiert mich nicht. Egal ob soundlich oder inhaltlich. The Smiths zum Beispiel, ist ja nun nicht vom Sound her, aber textlich absolut am Rande des Wahnsinns. Gespielt haben die allerdings wie die Wahnsinnigen. Für mich geht nie die helle Seite ohne die dunkle. Ich will unterhalten, natürlich, aber genau damit. Ich will unterhalten genauso wie Bands, die meine Koordinaten gesprengt haben, wie My Bloody Valentine damals, oder auch Aphex Twin oder Autechre, die alles weggefegt haben, an das ich vorher geglaubt habe, wo die Grenzen seien. - Ich finde es viel geiler, mutiger und interessanter, wenn junge Bands versuchen, so utopisch das auch immer ist, nach vorne zu gehen, nach übermorgen zu kommen, futuristisch zu sein. Aber nicht in so einem Retro-Sixties- oder Seventies-Futurismus. Oder Cyberpunk oder so einem Scheiß, sondern indem man, was man von Musik weiß und was man an Musik liebt, weiterdenkt. Und zwar so weit man kann. Auch wenn man dabei ins Klo greift! Das haben Velvet Undergound damals auch gemacht, und darum wurden die auch gehaßt. Irgend etwas Geiles zu bauen aus seiner musikalischen Sozialisation, aus dem, was man kennt, wie die Strokes zum Beispiel, ist immer noch eine hohe Kunst. Auch absolut respektabel. Was mich interessiert ist übermorgen. Zumindest morgen. Man kann sich zwar nicht von der Vergangenheit lösen – meine Stücke klingen halt nach wie vor teilweise nach Neil Young und so was, das ist meine Basis. Aber ich versuche das so weit wie möglich nach vorne zu pushen, ohne eine emotionale Basis oder Sozialisation zu verleugnen. Und da geht bei den Strokes halt gar nichts. Da geht was bei Bands wie Mogwai, zum Beispiel.

ouk: Gibt es auch Videos zur neuen Platte?
SCHNEIDER: Zu „Frogtoise“ gibt es einen extrem hübschen Clip, von einem japanischen Comiczeichner. Er lief nicht in so einer Megarotation auf MTV und Viva, weil er komplett die derzeitige Videocliplandschaft bricht. Sieht ganz anders aus, hat eher mit dem Kleinen Maulwurf zu tun als mit irgendwelchen Musikclips. Was ich aber auch bitter nötig fand. Ich bin froh, daß er überhaupt ein paar Mal lief. Gerade Videoclips für Musik sind eigentlich so ein perfektes Feld, Kram auszuprobieren. Was daraus gemacht wird, ist nur noch ekelhafte Selbstdarstellung oder Werbung, da werden keine Stories mehr erzählt oder herumexperimentiert. Es werden Körper verkauft, Gesichter in erster Linie. Es gibt ja auch mittlerweile schon Standards, wie Clips sein müssen, damit sie kompatibel genug sind für ein Mainstreampublikum. Das zieht halt Werbekunden für die Sender.
ouk: Ich guck mir ja auch kaum Musikfernsehen an.
SCHNEIDER: Hast auch nicht viel verpaßt, außer dem „Frogtoise“-Clip...
ouk: Spätestens seit die da unten so eine Leiste laufen lassen – da werde ich völlig verrückt. Ich weiß nicht, ob das jetzt nun ein zusätzlicher Service sein soll?.
SCHNEIDER: Das ist einfach dazu da, um so viel Information wie möglich pro Sekunde in das Bild reinzudrücken, genau wie bei n-tv. Wobei das bei n-tv in gewisser Weise noch Sinn macht, weil es da ja um die Information geht. Bei Viva+ werden Clips zu reiner Information, so daß sich Leute die Clips angucken und denken „aha, so sieht der neue Clip von Moby aus“. Genauso wie Leute sich Platten anhören und es nur darum geht, das zu kennen. Es geht nicht darum, sich da tief reinzudenken oder es wirklich zu genießen. Es geht nicht um irgendeine Form von Tiefe, was ja bei Popmusik auch nicht erforderlich ist, sondern nur noch um die reine Information. Darum reden ja auch alle möglichen Leute über Platten, die sie noch nie gehört haben und bilden sich ihre Meinung nur aus einem Querschnitt aus irgendwelchen Kritiken, die irgendwo stehen und meist der totale Schwachsinn sind. Für Platten, die mehr Zeit brauchen, aber dann auch länger halten, nimmt sich ja auch niemand, kein Medium oder kein Blatt, mehr die Zeit, sich so tief in sie hereinzuhören, daß man wirklich darüber schreiben kann. So wird dann auch ein Großteil der Musik auf allen Ebenen, sei es nun Pseudo-Underground oder Mainstream, immer leichter verständlich, immer flacher, immer oberflächlicher. Da gibt’s dann gar nichts mehr zu entdecken. Darum brennen sich die Leute die CDs, weil die Musik auch nicht mehr wert ist, als daß man sie sich brennt, zweimal anhört und dann wegschmeißt. Ich find’ das ganze Brennen echt scheiße.
ouk: Geht mir auch so. Wobei, die Sportfreunde Stiller kaufe ich mir nicht, denn die hatte ich mir neulich mal ausgeliehen und die kann man nicht mehr in einem CD-Laufwerk abspielen.
SCHNEIDER: Das hatte ich mit der Platte auch vor. Kopierschutz.
ouk: Das ist scheiße, denn mein CD-Player ist mein Computer.
SCHNEIDER: Deshalb ist es jetzt auch nicht so.
ouk: Das finde ich gut von Dir.
SCHNEIDER: Nur mal ein Beispiel: die Split-EP, Binokular. Zumindest die Smiths-Coverversion kennt echt jedes Schwein, es ist das Grauen – wir waren in John Peels Festive 50 auf Platz 8, von den Hörern gewählt, das erste Mal, daß das eine deutsche Band geschafft hat. Es nervt schon, wie viele Leute diese Platte kennen. Wir haben weltweit knapp 3000 Stück davon verkauft. Das liegt nur daran, daß die gebrannt wurde wie bescheuert. Das heißt für uns einfach, daß wir damit keinen einzigen Pfennig verdient haben, nicht einen einzigen Pfennig. Es heißt für uns, daß es sein kann, daß wir das einfach nicht weiter machen können. Wenn Leute die Musik mögen, sollen sie sie auch supporten. Wir machen das ja nicht als Hobby, wir stecken da unsere gesamten Leben rein. Zwei, zweieinhalb Jahre habe ich sämtliche Energie, die ich zur Verfügung hatte, in diese Platte hineingesteckt. Konzentration, extrem viele harte Zeiten, in denen ich gedacht habe, ich schmeiß einfach alles hin. Wenn sich die jemand brennt, um sie anzuchecken, finde ich das okay; wenn sich die jemand brennt und andauernd anhört, dann finde ich das zum Kotzen. Weil das einfach respektlos ist. Ich bin sowieso nicht jemand, der an so einer CD viel verdient.

Es gibt kaum etwas verblüffenderes, als „Zoomer“ zu hören und von Dirk Dresselhaus zu erfahren, daß seine größten Vorbilder nach wie vor Indierock-Größen der Achtziger wie Sonic Youth, Dinosaur jr. oder Velvet Underground (sic!) sind. Was nur beweist, wie subtil er inzwischen seine Einflüße verarbeitet. Da ist das Cure-Zitat in „Reality Check“, gekoppelt mit dem cure-esken Gitarrensound im Hintergrund, geradezu ein Wink mit dem Zaunpfahl. Vom Epigonentum, wie man es den Hip Young Things zumindest stilistisch noch vorwerfen konnte, ist Schneider TM zum absoluten Original geworden. Seine musikalische Nische hat er sich dabei selber gebaut, ähnlich wie es Mouse On Mars oder The Notwist und die anderen Weilheimer Bands getan haben. Hier ist, nach Kraftwerk, Can et al., mit Data Pop (oderwieauchimmer) endlich wieder eine eigenständige, in Deutschland basierte, aber internationale Musik entstanden.
Was mich bei deren einheimischen Protagonisten, inklusive Schneider TM, zunehmend stört, ist ihr Beharren darauf, Englisch zu singen. Dresselhaus antwortete auf meine Nachfrage: „Ich schreibe auf Englisch, da mein „Sozialleben-Radius“ glücklicherweise über Deutschland hinausgeht (ich lebe mit Hanayo aus Tokyo zusammen und spreche auch zuhause ausschließlich Englisch...wenn auch ein etwas durch Deutsch und Japanisch gemorphtes...). Mit sehr vielen Leuten aus aller Welt rede ich komisches Englisch, mithilfe dessen wir uns trotzdem sehr gut verständigen können. Die Texte werden vor allem in den USA und England in einer Weise verstanden, daß es mich selbst wundert und aber zeigt, daß der Inhalt im Hirn/Herz ankommt... darum geht’s. Ich denke, ich würde einiges verschenken, wenn ich Deutsch schreiben würde, da ich mich sprachlich zu sehr in Sackgassen verrennen würde. Weniger ist mehr und das fällt im Deutschen schwer. Ich stehe auch unbedingt zu einer gewissen Naivität.“
Naivität will ich gerne zugestehen, aber ich halte es für einen Irrtum zu glauben, man würde sich in einer Fremdsprache weniger in Sackgassen verrennen – man merkt nur nicht, wenn man in ihnen steckt. Was ja eigentlich noch schlimmer ist. Ich werde mir jedenfalls der Unzulänglichkeiten meines Englischen um so bewußter, je besser ich die Sprache beherrsche. Besonders schade finde ich, wenn man wie im Falle von Schneider TM auch noch wirklich etwas zu sagen hat, es aber nur halb so gut herauskommt, wie es sein könnte. Mein Traum wäre, daß sich die Vielfalt der Menschen, die im Moment überall auf der Welt an der Vision einer neuen elektronischen Popmusik basteln, auch in den Sprachen widerspiegelte, in denen sie singen. ][ amv

Dirk Dresselhaus 10 Bands für die Open-Air-Bühne auf der Insel:
1. Velvet Underground - die Factory-Phase (und laut, bitte) / 2. Pan Sonic / 3. Die Studio-1-Hausband / 4. Speed Niggs - 1989 / 5. Tuesday Weld. / 6. Dinosaur jr. - 1989 / 7. Suicide / 8. Elvis - 1969, in seiner Las-Vegas-Lederphase, noch kurz vor dem Dickwerden. / 9. Schneider TM Experiments - es wäre mir zu langweilig, nur Musik zu hören, ich will auch welche machen. / 10. The Roots - mit D’Angelo (und wer da sonst noch so mitmachen will)

www.schneidertm.com


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