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Der Song zieht ein in die Elektronik. Oder auch: die Elektronik zieht
ein in den Song. Was da im Moment zwischen tanzmüdem Techno, elektronischer
Klang- und Rhythmusforschung und modernisiertem Independent-Pop passiert,
könnte das Modell dafür sein, wo und wie der Stagnation zu entkommen
ist. Ob man das nun Data Pop nennt oder Kraut-Elektronica oder Indietronics,
ist ja eigentlich nur Etikettenhandel. Ganz vorne dabei: Dirk Dresselhaus
alias Schneider TM. Zwischen den unbekümmerten frühen Hip Young
Things in der ostwestfälischen Gitarrenprovinz und der funkelnden,
kosmopolitischen Elektronik der neuen Schneider TM-Platte Zoomer
liegt eine Entwicklung, die nichts mit Mode und viel mit der Findung eines
musikalischen Selbsts zu tun hat. Wenn sich nicht Ökonomie, Pech
und Ignoranz verschwören, kommen noch viele wunderbare Platten auf
uns zu. Tun wir mal was gegen die Ignoranz.
Zoomer hat mit seinem polit-poppigen Opener Reality
Check, dem in mehrfacher Hinsicht traumhaften Frog-toise
und dem nachdenklichen Cuba TM ein paar Songs an Bord, die
einen sofort ins Boot holen können. Dort gibt es dann noch mehr zu
bestaunen, vor allem die Schneidersche Spezialität, elektronischen
Sounds Leben einzuhauchen und sie wie Tierchen durchs Bild krabbeln zu
lassen. Das klickt, schnalzt, fiept, furzt, pfeift und schabt wie ein
Nagetier-gehege bei der Fütterung. Währenddessen gebärdet
sich eine Basslinie wie ein Schimpanse, der sich an einer Liane von Baum
zu Baum schwingt. Als Überraschungsgast dabei sind die gute alte
akustische Gitarre und eine Steel Guitar. Gesungen wird auch, mal im Chor
mit sich selbst, mal mit Vocoder, mal ohne. Oft haben die Titel extrem
lange Auslaufphasen, in denen der Track äußerst unterhaltsam
auseinander genommen wird. Detailwahnsinn rules, auch nach dem zwanzigsten
Anhören gibt es noch eine neue Nebenhandlung zu entdecken. Oder zu
bemerken, daß Frogtoise vielleicht gar nicht so sehr
nach den Beach Boys klingt wie man dachte, sondern nach Marvin Gaye, circa
Whats Going On. Aber verstanden, worum es geht, hat
man schon nach dem ersten Mal.
Haken wir noch mal die wichtigsten Stationen des Weges ab:
Die Hip Young Things waren ursprünglich eine reine Spaßband,
wurden zu deutschen Indierock-Hoffnungsträgern zu einer Zeit, als
Indierock dem Ende zuging, machten aber auch darauf aufmerksam, daß
Bielefeld zu dieser Zeit (und zu einem gewissen Grad noch heute) eine
Stadt mit einer sehr regen und kenntnisreichen Musikkultur ist. Dresselhaus
war bei den Hippies schon unter dem Namen Schneider
Gitarrist, Sänger und wichtigster Songschreiber. Nach dreieinhalb
Platten kam das Ende, praktisch gleichzeitig mit dem von Schneiders Nebenprojekt,
dem Duo Locust Fudge mit Christoph Krite Uhe von den Speed
Niggs. Bei Locust Fudges völlig unterbewertetem Zweitling Royal
Flush tauchten zum ersten Mal Loops und Elektronik auf. Die Remix-EP
LF Business Express zeigte so etwas wie eine Vorahnung dessen,
was heute Schneider TMs Sound geworden ist. 1997 kam dann der vorläufige
Abschied von Gesang und Gitarre und die Annahme des Trademarks, zunächst
mit einer 12 auf Payola, dann mit dem Album Moist bei
City Slang und Mute. Plötzlich spitzten gewöhnlich gut unterrichtete
Kreise die Ohren, denn was da meist mit einer geraden Bassdrum daher kam,
hatte mit Techno nicht allzu viel zu tun um es dancefloortauglich
zu machen, braucht man jedenfalls einen ziemlich talentierten DJ. Da stolperte
der Rhythmus über seine eigenen Füße, fiel unversehens
auseinander oder tauchte aus My-Bloody-Valentine-artigen Noisewänden
auf. Ganz weg war er also doch nicht, der Indierock. Danach kamen der
Umzug nach Berlin und viele Remixe, von High Llamas über Boss Hog
und Lambchop zu Laub, Micha Acher und Mina. Leute, die fernsehen, berichteten,
Schneider sei außerdem bei Viva gesehen worden. Leute, die Schneider
TM live hörten, berichteten von zerhackten Versionen der Tracks der
Platte. Das letzte Lebenszeichen vor Zoomer war 2000 die Split-EP
Binokular mit KPT.Michi.Gan wie Schneider ein alter
Indierocker. Und da war dann mit The Light 3000 eine Coverversion,
wie man sie sich wünscht: There Is A Light That Never Goes
Out von den Smiths, radikal transponiert in Schneider TMs elektronisches
Klanguniversum, den romantischen Überschwang des Originals übersetzt
in freundliche Melancholie und die Wiedergeburt des singenden
Songwriters Schneider. Soviel zu dem, was man zu sehen und hören
bekam ein erfolgreicher Weg in eine eigene künstlerische Identität,
vom charmanten Epigonentum zu etwas unverwechselbar Eigenem. Was man nicht
hören konnte, war der Versuch, trotz aller Widrigkeiten von der Musik
zu leben, ohne Kompromisse und Selbstfunktionalisierung per Jingleproduktion
oder Muckerjobs.
ouk schickte zwei alte Freunde aus, die sich mit ihrem alten Freund Schneider
über Zoomer, Futurismus und den Zusammenhang zwischen
Viva+ und CD-Schwarzbrennerei zu unterhalten. Es fragten Volker Backes
und Jens Kirsche Kirschneck, es antwortet Dirk Dresselhaus.
SCHNEIDER:
Mit positiveren Intentionen als diese Platte werde ich eine Platte nie
machen können. Da habe ich sämtliche positive Energie hineingesteckt,
die ich überhaupt zur Verfügung hatte. Und noch habe, allein
das Reden darüber ist dermaßen schlauchend, diese Interviews
ich kann zu der Platte eigentlich gar nichts erklären, da
ist alles drauf, was man wissen muß. Von mir aus ist da alles gesagt.
Man braucht nur die nötige Sensibilität oder sensitive Offenheit,
um das zu packen. Das ist unglaublich simpel, so einfach zu verstehen
gemacht, wie ichs machen konnte.
ouk: Christoph Ellinghaus [von City Slang] hätte doch schon
gern einen Hit von dir. Wie ich das so mitbekommen habe damals bei The
Light 3000, paßte ihm schon nicht, daß das Stück
so heißt. Bei einem Konzert drängte er darauf, daß ihr
es spielt, aber so wie auf der Platte, nicht wieder zerhackt.
SCHNEIDER: Ja, da vertut er sich halt. Gegen einen kleinen Hit
hätte ich auch nichts. Aber ich habe keine Lust, musikalische Kompromisse
einzugehen. Ich mache das alles so, daß ich das Gefühl habe,
daß wenn das jemand anderes machen würde, es meine Lieblingsmusik
wäre. Aber ich habe keine Lust, darüber nachzudenken, ob ich
da jetzt noch einen Four-to-the-Floor-Beat oder einen Kylie-Minogue-Baß
druntersetzen soll. Wogegen ich ja auch nichts habe, aber das machen andere
ja schon. Das ist einfach nicht mein Weg.
ouk: Das ist schon eine bewußte Verweigerungshaltung.
SCHNEIDER: Es ist eine Verweigerungshaltung gegen Dinge, die mir
egal sind. Ich habe keine Lust, Sachen zu machen, die mir egal sind.
ouk: Kirsche und ich sind ja der Meinung, daß Du in der Lage
wärst, den Hammer-Chartshit zu schreiben.
SCHNEIDER: Das wär mir egal. Weiter in Richtung Pop
als auf der neuen Platte würde ich nicht gehen wollen. Das ist für
mich schon hart an der Grenze und teilweise auch schon... was weiß
ich, die Background-Chöre bei Frogtoise sind schon eher
lustig gemeint. - Ich will ja auch in erster Linie Leute unterhalten,
aber es geht mir auch um eine gewisse Form von Bewußtseinserweiterung.
Ich habe gar keine Lust, mich in ausgelatschten Wegen zu bewegen, das
sollen andere machen. Ich werde nie vergessen, wie ich zum ersten Mal
Velvet Underground gehört habe, oder Dinosaur jr., auch Elektronik
wie Aphex Twin Mitte der Neunziger, das war wie ein LSD-Trip, absolut
bewußtseinserweiternd. Das will ich weitergeben, die Energie, die
ich mir damals aus solcher Musik gezogen habe. Darum geht es mir. Das
ist das, was mich selber kickt an Musik anderer Leute, und das kann ich
nur transformiert wieder in meine eigene Musik reinstecken. Um jetzt mal
komplett abzuheben, geht es um Liebe. Ich kann es amüsiert zur Kenntnis
nehmen, wenn jemand einen semicoolen Chartshit hat, den man dann natürlich
geil findet, weil sonst alles nur noch viel schlimmer ist also
relativ geil findet. Mir geht es um Musik, die richtig flasht, tief flasht.
Ich weiß nicht, ob ich die mache mich flashts nicht,
denn ich kenns ja (lacht). Ich finde es sowieso langweilig, Musik
zu machen, um damit etwas ganz bestimmtes zu erreichen. Ich muß
kein Popstar werden. Das wollte ich früher mal, weil ich persönliche
Probleme hatte oder Profilneurosen oder sonst was.
ouk: Ich habe den Eindruck, daß gerade dann, wenn Du das
Gefühl hast, daß darauf mehr Leute ansprechen könnten,
Angst vor Anbiederung bekommst und gleich so eine Kurve zurück machst.
SCHNEIDER: Neenee, das mache ich gar nicht bewußt, das ist
kein rationales Ding. Das hat einfach mit Konstruktion und Dekonstruktion
zu tun, das, was ich aufbaue, das reiße ich auch gerne wieder ein.
ouk: Ja genau.
SCHNEIDER: Aber das ist doch wunderschön. Harmonie und Disharmonie,
das ist einfach mein Feld. Das ist bei allen Bands, die ich liebe, so.
Das ist bei Velvets so, das ist bei Sonic Youth so, immer halb mit einem
Bein über dem Abgrund, und das ist Schönheit, finde ich, perfekte
Schönheit. Mich interessiert das nicht, wenn Sachen nach zwei Takten
klar sind, wenns nicht noch ein paar Wendungen gibt. Das ist wie
mit Filmen, solche Filme mag ich auch nicht. Ich mag halt Musik, die am
Rande des Wahnsinns ist, andere Musik interessiert mich nicht. Egal ob
soundlich oder inhaltlich. The Smiths zum Beispiel, ist ja nun nicht vom
Sound her, aber textlich absolut am Rande des Wahnsinns. Gespielt haben
die allerdings wie die Wahnsinnigen. Für mich geht nie die helle
Seite ohne die dunkle. Ich will unterhalten, natürlich, aber genau
damit. Ich will unterhalten genauso wie Bands, die meine Koordinaten gesprengt
haben, wie My Bloody Valentine damals, oder auch Aphex Twin oder Autechre,
die alles weggefegt haben, an das ich vorher geglaubt habe, wo die Grenzen
seien. - Ich finde es viel geiler, mutiger und interessanter, wenn junge
Bands versuchen, so utopisch das auch immer ist, nach vorne zu gehen,
nach übermorgen zu kommen, futuristisch zu sein. Aber nicht in so
einem Retro-Sixties- oder Seventies-Futurismus. Oder Cyberpunk oder so
einem Scheiß, sondern indem man, was man von Musik weiß und
was man an Musik liebt, weiterdenkt. Und zwar so weit man kann. Auch wenn
man dabei ins Klo greift! Das haben Velvet Undergound damals auch gemacht,
und darum wurden die auch gehaßt. Irgend etwas Geiles zu bauen aus
seiner musikalischen Sozialisation, aus dem, was man kennt, wie die Strokes
zum Beispiel, ist immer noch eine hohe Kunst. Auch absolut respektabel.
Was mich interessiert ist übermorgen. Zumindest morgen. Man kann
sich zwar nicht von der Vergangenheit lösen meine Stücke
klingen halt nach wie vor teilweise nach Neil Young und so was, das ist
meine Basis. Aber ich versuche das so weit wie möglich nach vorne
zu pushen, ohne eine emotionale Basis oder Sozialisation zu verleugnen.
Und da geht bei den Strokes halt gar nichts. Da geht was bei Bands wie
Mogwai, zum Beispiel.
ouk:
Gibt es auch Videos zur neuen Platte?
SCHNEIDER: Zu Frogtoise gibt es einen extrem hübschen
Clip, von einem japanischen Comiczeichner. Er lief nicht in so einer Megarotation
auf MTV und Viva, weil er komplett die derzeitige Videocliplandschaft
bricht. Sieht ganz anders aus, hat eher mit dem Kleinen Maulwurf zu tun
als mit irgendwelchen Musikclips. Was ich aber auch bitter nötig
fand. Ich bin froh, daß er überhaupt ein paar Mal lief. Gerade
Videoclips für Musik sind eigentlich so ein perfektes Feld, Kram
auszuprobieren. Was daraus gemacht wird, ist nur noch ekelhafte Selbstdarstellung
oder Werbung, da werden keine Stories mehr erzählt oder herumexperimentiert.
Es werden Körper verkauft, Gesichter in erster Linie. Es gibt ja
auch mittlerweile schon Standards, wie Clips sein müssen, damit sie
kompatibel genug sind für ein Mainstreampublikum. Das zieht halt
Werbekunden für die Sender.
ouk: Ich guck mir ja auch kaum Musikfernsehen an.
SCHNEIDER: Hast auch nicht viel verpaßt, außer dem
Frogtoise-Clip...
ouk: Spätestens seit die da unten so eine Leiste laufen lassen
da werde ich völlig verrückt. Ich weiß nicht, ob
das jetzt nun ein zusätzlicher Service sein soll?.
SCHNEIDER: Das ist einfach dazu da, um so viel Information wie
möglich pro Sekunde in das Bild reinzudrücken, genau wie bei
n-tv. Wobei das bei n-tv in gewisser Weise noch Sinn macht, weil es da
ja um die Information geht. Bei Viva+ werden Clips zu reiner Information,
so daß sich Leute die Clips angucken und denken aha, so sieht
der neue Clip von Moby aus. Genauso wie Leute sich Platten anhören
und es nur darum geht, das zu kennen. Es geht nicht darum, sich da tief
reinzudenken oder es wirklich zu genießen. Es geht nicht um irgendeine
Form von Tiefe, was ja bei Popmusik auch nicht erforderlich ist, sondern
nur noch um die reine Information. Darum reden ja auch alle möglichen
Leute über Platten, die sie noch nie gehört haben und bilden
sich ihre Meinung nur aus einem Querschnitt aus irgendwelchen Kritiken,
die irgendwo stehen und meist der totale Schwachsinn sind. Für Platten,
die mehr Zeit brauchen, aber dann auch länger halten, nimmt sich
ja auch niemand, kein Medium oder kein Blatt, mehr die Zeit, sich so tief
in sie hereinzuhören, daß man wirklich darüber schreiben
kann. So wird dann auch ein Großteil der Musik auf allen Ebenen,
sei es nun Pseudo-Underground oder Mainstream, immer leichter verständlich,
immer flacher, immer oberflächlicher. Da gibts dann gar nichts
mehr zu entdecken. Darum brennen sich die Leute die CDs, weil die Musik
auch nicht mehr wert ist, als daß man sie sich brennt, zweimal anhört
und dann wegschmeißt. Ich find das ganze Brennen echt scheiße.
ouk: Geht mir auch so. Wobei, die Sportfreunde Stiller kaufe ich
mir nicht, denn die hatte ich mir neulich mal ausgeliehen und die kann
man nicht mehr in einem CD-Laufwerk abspielen.
SCHNEIDER: Das hatte ich mit der Platte auch vor. Kopierschutz.
ouk: Das ist scheiße, denn mein CD-Player ist mein Computer.
SCHNEIDER: Deshalb ist es jetzt auch nicht so.
ouk: Das finde ich gut von Dir.
SCHNEIDER: Nur mal ein Beispiel: die Split-EP, Binokular. Zumindest
die Smiths-Coverversion kennt echt jedes Schwein, es ist das Grauen
wir waren in John Peels Festive 50 auf Platz 8, von den Hörern gewählt,
das erste Mal, daß das eine deutsche Band geschafft hat. Es nervt
schon, wie viele Leute diese Platte kennen. Wir haben weltweit knapp 3000
Stück davon verkauft. Das liegt nur daran, daß die gebrannt
wurde wie bescheuert. Das heißt für uns einfach, daß
wir damit keinen einzigen Pfennig verdient haben, nicht einen einzigen
Pfennig. Es heißt für uns, daß es sein kann, daß
wir das einfach nicht weiter machen können. Wenn Leute die Musik
mögen, sollen sie sie auch supporten. Wir machen das ja nicht als
Hobby, wir stecken da unsere gesamten Leben rein. Zwei, zweieinhalb Jahre
habe ich sämtliche Energie, die ich zur Verfügung hatte, in
diese Platte hineingesteckt. Konzentration, extrem viele harte Zeiten,
in denen ich gedacht habe, ich schmeiß einfach alles hin. Wenn sich
die jemand brennt, um sie anzuchecken, finde ich das okay; wenn sich die
jemand brennt und andauernd anhört, dann finde ich das zum Kotzen.
Weil das einfach respektlos ist. Ich bin sowieso nicht jemand, der an
so einer CD viel verdient.
Es gibt kaum etwas verblüffenderes, als Zoomer zu hören
und von Dirk Dresselhaus zu erfahren, daß seine größten
Vorbilder nach wie vor Indierock-Größen der Achtziger wie Sonic
Youth, Dinosaur jr. oder Velvet Underground (sic!) sind. Was nur beweist,
wie subtil er inzwischen seine Einflüße verarbeitet. Da ist
das Cure-Zitat in Reality Check, gekoppelt mit dem cure-esken
Gitarrensound im Hintergrund, geradezu ein Wink mit dem Zaunpfahl. Vom
Epigonentum, wie man es den Hip Young Things zumindest stilistisch noch
vorwerfen konnte, ist Schneider TM zum absoluten Original geworden. Seine
musikalische Nische hat er sich dabei selber gebaut, ähnlich wie
es Mouse On Mars oder The Notwist und die anderen Weilheimer Bands getan
haben. Hier ist, nach Kraftwerk, Can et al., mit Data Pop (oderwieauchimmer)
endlich wieder eine eigenständige, in Deutschland basierte, aber
internationale Musik entstanden.
Was mich bei deren einheimischen Protagonisten, inklusive Schneider TM,
zunehmend stört, ist ihr Beharren darauf, Englisch zu singen. Dresselhaus
antwortete auf meine Nachfrage: Ich schreibe auf Englisch, da mein
Sozialleben-Radius glücklicherweise über Deutschland
hinausgeht (ich lebe mit Hanayo aus Tokyo zusammen und spreche auch zuhause
ausschließlich Englisch...wenn auch ein etwas durch Deutsch und
Japanisch gemorphtes...). Mit sehr vielen Leuten aus aller Welt rede ich
komisches Englisch, mithilfe dessen wir uns trotzdem sehr gut verständigen
können. Die Texte werden vor allem in den USA und England in einer
Weise verstanden, daß es mich selbst wundert und aber zeigt, daß
der Inhalt im Hirn/Herz ankommt... darum gehts. Ich denke, ich würde
einiges verschenken, wenn ich Deutsch schreiben würde, da ich mich
sprachlich zu sehr in Sackgassen verrennen würde. Weniger ist
mehr und das fällt im Deutschen schwer. Ich stehe auch unbedingt
zu einer gewissen Naivität.
Naivität will ich gerne zugestehen, aber ich halte es für einen
Irrtum zu glauben, man würde sich in einer Fremdsprache weniger in
Sackgassen verrennen man merkt nur nicht, wenn man in ihnen steckt.
Was ja eigentlich noch schlimmer ist. Ich werde mir jedenfalls der Unzulänglichkeiten
meines Englischen um so bewußter, je besser ich die Sprache beherrsche.
Besonders schade finde ich, wenn man wie im Falle von Schneider TM auch
noch wirklich etwas zu sagen hat, es aber nur halb so gut herauskommt,
wie es sein könnte. Mein Traum wäre, daß sich die Vielfalt
der Menschen, die im Moment überall auf der Welt an der Vision einer
neuen elektronischen Popmusik basteln, auch in den Sprachen widerspiegelte,
in denen sie singen. ][ amv
Dirk Dresselhaus 10 Bands für die Open-Air-Bühne auf der
Insel:
1. Velvet Underground - die Factory-Phase (und laut, bitte) / 2. Pan Sonic
/ 3. Die Studio-1-Hausband / 4. Speed Niggs - 1989 / 5. Tuesday Weld.
/ 6. Dinosaur jr. - 1989 / 7. Suicide / 8. Elvis - 1969, in seiner Las-Vegas-Lederphase,
noch kurz vor dem Dickwerden. / 9. Schneider TM Experiments - es wäre
mir zu langweilig, nur Musik zu hören, ich will auch welche machen.
/ 10. The Roots - mit DAngelo (und wer da sonst noch so mitmachen
will)
www.schneidertm.com
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