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Das Vierte federfrei und schwindelfest | Bla & Blub |
Beginnen wir mit dem hype: Motor City IV war, wie nicht anders zu erwarten, ein voller Erfolg. Der Große Bär platzte aus allen Nähten, so daß bei Nr. 5 wohl nur ein Anbau Abhilfe schaffen konnte (wir waren leider nicht vor Ort). Die Musik u.a. von Mr. Abe Duque aka Kirlian aus Hollis/N.Y. war gewohnt erstklassig, die Stimmung dagegen eher verhalten, wie eigentlich überall derzeit, leider.
Partylaune Fehlanzeige auch beim Bam-Bam-Banane-Event im Tübinger Epplehaus. Dabei sollte doch bei einem geschätzten Durchschnittsalter von 16 Jahren jugendliche Frische etwas Aktivität versprechen. Wie dem auch sei, die Musik (Hip Hop) war sehr nett und gar beeindruckend die Sprechgesangskünste der Teenies. Schade nur, daß die Plattenhintereinanderleger ihr Werkzeug (noch ?) nicht zu nutzen wissen.
Wie schon angedeutet verbirgt sich hinter dem Begriff "Party" dieser Tage allzu häufig eine musikbeschallte Anhäufung von mehr oder weniger gelangweilten, übersättigten, sich möglicherweise leicht bewegenden, ab und zu gar lächelnden Individuen. Daß dies nicht so sein muß, wurde uns erst wieder im Ravensburger Douala richtig bewußt. Grandmaster Flash hatte sich angesagt, einer derer, die herausfanden, was mit Plattenspielern alles möglich ist und so ganz nebenbei einer der Rap/HipHop-Pioniere. Voll war es nicht unbedingt, aber das ist ja bekannt: Qualität steigt, Besucherzahl sinkt. Selbst schuld, wer den einzigen Europaauftritt diesen Jahres verpaßt hat, denn der Abend war mehr als gelungen. Nachdem Mr.Flash zunächst 10 min der freien Rede fröhnte, gelang es ihm in kürzester Zeit, die Stimmung an den Siedepunkt heranzuführen. Die zeitgleiche Darbietung atemberaubender technischer skills und seiner MC-Qualitäten wären Pflichtprogramm für jeden wanna-be gewesen (zwecks Grenzfindung). Musikalisch bewegte sich der Meister zwischen Disco, HipHop und (wenig) Elektro; nichts für OG`s übrigens, denn wie uns KevDog, Flash´s Begleiter, erzählte, ist für sie Rap die Musik, die die Kids von der Straße holen sollte. Daher sei ihnen auch all der Gangstashit zuwider. "It´s nothing but a party". "The message" sei eine Ausnahme gewesen, die lediglich auf die Mißstände aufmerksam machen sollte. Gangstarap sei ohnehin nur durch die Medien zum hype geworden, welche Kevin verachtet, weil sie die ihnen gegebene Macht in ihrem Interesse ausnutzten und die Allgemeinheit zu blöd sei, sich von dieser Beeinflussung loszusagen. Wie wahr, wie wahr...Der Abend wurde dann von Jesse mit hörenswertestem New-School-Elektro abgeschlossen. Das Douala wird uns nicht zum letzten Mal gesehen haben.
Daß die Szenepartys trotz der eingetretenen Normalität noch um ein vielfaches unterhaltender sind, als die Anlässe, auf denen sich unsere "normalen" Mitmenschen herumtreiben, zeigte sich bei der Akademischen Gesellschaft Stuttgardia auf dem Tübinger Österberg, es sei denn, man bevorzugt sich zusaufende Möchtegern- oder Tatsächlich-Intellektuelle, die den Pseudostatus ihres Daseins dadurch manifestierten, daß Dieter-Thomas-Kuhn-Dekadenz als Floorfiller dient. Gegen Ende soll im Keller Aphex Twin zu hören gewesen sein, nur leider war ich zu jenem Zeitpunkt schon entnervt diesem grauenvollen Snobismus entflohen.
Wunderbarstes Technogebrettere der progressiven Art von Helmut Geier und Kollegen erwartete den Musikfreund am 7.November im Münchner Ultraschall. Wer das jetzt alles genau war, ist aber ohnehin völlig nebensächlich, denn die hohe Qualität der Geräuschkulisse ist Standard im wohl derzeit schönsten Club Deutschlands. Standard und sehr symphatisch ist auch, daß beispielsweise Initiator Upstart auf der Tanzfläche umherspringt oder Monika Kruse einfach so vorbeischaut. Hier zeigt sich, daß Techno oder überhaupt elektronische Musik i.w.S. doch noch nicht überall von den Popstrukturen zerfressen ist. Noch ein kleines Dankeschön an den in der Kälte frierenden Türsteher, der mir mit seiner Bitte, ihm den Ausweis zu reichen, auch im sechsten Jahr meiner rechtlichen Zugehörigkeit zur Erwachsenenwelt deutlich meine Jugendlichkeit bewies (der Jungbrunnen kann warten...).
Musikalisch überzeugend war endlich auch einmal Mate Galic. Exzellenten Geschmack beweist er ja zumeist bei seinen wöchentlichen Vinylvorstellungen, allerdings hatte ich wohl das große Pech, ihn die bisherigen Male in allzu kompromißbereiter Stimmung zu erleben. Im Cosmicclub zu Tübingen trat dann doch einmal sein wahres Naturell zutage. Von Axis- über Chainreaction- bis zu Disko B-plastikrundlingen war eigentlich alles zu hören, was jedem Durchschnittsverrückten die Freudentränen entlockt. Sehr cool. Weniger cool das Publikum, aber breiten wir doch lieber den Mantel des Schweigens über das personifizierte Grauen. Armer Mate, armer Thomas Bumen. Letzterer, unser uprising star, bevorzugt übrigens die gerade Bassdrum (s.u.). Die herausragende Musik konnte das Ereignis also nicht retten. Schade.
Eine Entäuschung war auch das X-Mix-Gastspiel in der Alten Gießerei (Heilbronn). Zum einen konnte Dave Clarke, der mixtechnisch wahrscheinlich perfekteste DJ der weltweiten Elektro- und Technoszene, aufgrund einer Erkrankung seiner Frau verständlicherweise nicht zugegen sein, zum anderen war es relativ leer. Zusätzlich ist es angebracht, auch hier das Publikum unter dem gerade genannten Mantel des Schweigens zu verbergen...Einziger Lichtblick - wie sollte es anders sein-war der bestgekleidetste DJ Deutschlands (O-ton Handtasche) Hell, der aber durch teilweise etwas zu publikumsgerechte Musik nicht an seine sonst geradezu sagenumwobenen Sets anknüpfen konnte (wollte?), aber wer will ihm das verdenken? Clarke-ersatz Filippo "Naughty"Moscatello spielte überraschend langweiligen sound und über Marky B. braucht man angesichts der Tatsache, daß er Cherrymoons "House of house" auf den degenerierten Haufen abfeuerte, keine weiteren Worte verlieren.
Ein Krieg der Welten (frei nach Orson Wells) wäre am 18.November im Epplehaus eigentlich zu erwarten gewesen. Schönerweise war aber stattdessen polyglobales Denken angesagt. Die Rede ist von einem Konzert der Goldenen Zitronen, die im Vorprogramm vom Unit Moebius-kollektiv unterstützt wurden. Letztere jemals in Tübingen erleben zu dürfen, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt. Aber der holländische Bunker-, Acid Planet-, Disko B- und KK-act fand sich tatsächlich ein und ballerte 1 Stunde lang 195 Beats breaklos auf das vornehmlich punk-lastige Publikum, das trotz allem locker mitwippte. Es hatte den Anschein, als seien wir die einzigen gewesen, die überhaupt der Kultformation wegen gekommen waren, trotzdem erhielten die drei ihren verdienten Applaus. Die Techno-Akzeptanz nimmt so langsam unheimliche Züge an...Punkrock meets Avantegardetechno, alles ist möglich.
Der Eröffnungsparty des donnerstäglich im Ex-On-U stattfindenden KitKat-Klubs mangelte es zwar-welch Sensation-etwas an Stimmung, es war aber trotzdem sehr nett und mit 150 Gästen ein guter Anfang. Wer also mehr auf die abgefahrenere Techno-und Elektroschiene schielt, ist hier blendend aufgehoben. Housefreunde treffen donnerstags mit Allans Bashclub im Müsli die richtige Entscheidung.
Bleibt noch zu sagen, daß wir endlich unser Oz wiederhaben (dank neuer Tür und wissender Geschäftsleitung), das M1 sagenhafte Besucherzahlen vorweist (die meisten Veranstalter wären froh, nur diejenigen begrüßen zu dürfen, denen wegen Überfüllung der Eintritt verwehrt werden muß), das N-Pir laut Ohrenzeugen etwas zu massenkompatibel fährt und das Prag zumindest bei Fremdveranstaltungen (Tobias Schmidt) Klasse zeigt.
Zu guter letzt noch folgendes: Wir lesen und hören zur Zeit immer öfter vom Siegeszug des ouk-lieblings Elektro.Das wäre eine tolle Sache, wenn sie wahr wäre. Wahr ist zwar, daß diese Richtung häufiger in die regionalen DJ-sets einfließt, allerdings scheint halb Stuttgart gar nicht Elektro zu meinen, wenn es von Elektro spricht. Um also weitere Weißglutanfälle derer, die Elektro in seinem ureigensten Sinne über alles lieben, zu verhindern, folgender kleiner Tip: Detroittechno, Minimalismus und Chikagohouse sind zwar hochwertigstes Kulturgut der Präjahrtausendära, aber eben kein Elektro. Der grundlegendste Unterschied zwischen diesen Stilen ist der, daß erstere sich durch einen straighten Vierviertelbeat auszeichnen, wohingegen letzterer sich gebrochener Beat-Strukturen bedient, wie man sie vom Hip Hop her kennt. Ob das Ganze nun Breakdance, technoiden Aux 88-style oder Like-a-Tim-Postmoderne darstellt, ist letztlich nicht so wichtig. Wichtig ist, daß ein Techno-DJ nicht zum Elektro-DJ und eine Technoparty nicht zur Elektroparty ernannt wird, wenn diese Musik von bzw. auf diesen nicht zu hören ist. Alles klar?
PS: Das Apeironprojekt von Jeanette Poullion und Markus Irmer ist mittlerweile
in vollem Gange und wartet mit den ersten Partys auf (Oz, Großer Bär,
Müsli...). Veranstalter können DJ´s wie Roland Casper, Claus
Bachor oder die ehemaligen Fix-und Fertig-acts unter folgender Adresse anfragen:
Apeiron, Nikolaus-Otto-Str. 25, 70771 Stuttgart, Tel.:0711/9023737, Fax:9023755.
Eine wunderbare Nachricht zum Schluß: Attila wird Vater! Gratulation
und alles Gute mit dem kleinen Goof...
][ motik
+++ 12.12. Mick Wills funkt De(n)Pot +++ 13.12. Carl C. in der kosmischen Tanzschule +++ 20.12. Hans Nieswandt in der Eisenbahnstraße +++ 21.12. Bassment for the Basement vereppelt das Haus +++ 24.12. Kamin putzen +++ 25.12. ouktion +++ 27.12. Apeiron bringt Schwingungen ins Oz +++ 31.12. herzliche Atmosphäre und harte Trommeln zum Jahreswechsel im MS Connexion: Future 5 +++ 3.1. Alan Sommerville und "Mutig" experimentieren im M1 +++ 5.1. Clouse, Markus, Timo und Großer Bär +++ 30.1. Kemistry & Storm im Depot +++
Die Dauerhaften: +++ Mo. Bag of Goodies XXS im Jazzkeller +++ Di. Feeva Cru jungelt im Großen Bär +++ Mi. Großmaul und Thomilla im red dog +++ Do. Have a break, have a KitKat-Klub +++ Fr. Gomez im 1. Stock, Manize auch +++ Sa. HR 3 Clubnight +++ Sonntagsschule +++
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