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Baggern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Von Hamburgs Mojo Club weiß man ja bereits, daß es ihn nicht
mehr lange geben wird... Berlins Tresor wird früher oder später
ein ähnliches Schicksal treffen. Nun aber erst einmal später.
Im Gegensatz zu anderen, ehemaligen Berliner Clubs wie das Planet oder
das E-Werk erfreut sich der Tresor besserer Beziehungen zu seinem Vermieter
und zur Stadt. Während die beiden erstgenannten Clubs schon lange
auf Grund von angeblich anstehenden Baumaßnahmen geschlossen haben,
tatsächlich aber die beiden Gebäude noch immer unverändert
stehen,
konnten sich die Tresor’ler mit ihrem Vermieter darauf einigen,
erst dann den Laden zu räumen, wenn wirklich die Bagger anrollen.
Da sich der Baubeginn am Leipziger Platz aber erneut verzögert, darf
nun erst mal ungestört bis zum 31.05.2003 weitergefeiert werden...
und vielleicht sogar länger. Wir freuen uns! ][ mb
Maestro . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Groß war sie, die Vorfreude auf die Dokumentation, die Larry Levan,
der Paradise Garage und all den kleinen und großen Fußnoten
der Tanzmusikgeschichte des New Yorks der späten Siebziger und frühen
Achtziger gerecht werden sollte. Im Zuge der Kölner Popkomm war „Maestro“
als Eröffnungsfilm eines Festivals geplant, das sich mit Popkultur
auseinandersetzte. Also nichts wie hin, dachte sich der Schreiber dieser
Zeilen, der mit Bleifuß Hoppelino einen überaus verläßlichen
Fahrer gefunden hatte. Am Ort des Geschehens machte sich aber schnell
Ernüchterung breit, welche alsbald in Enttäuschung umschlug.
Es waren gerade mal an die 15 Leute erschienen, die in den Genuß
dieser filmischen Pionierleistung kommen wollten. Zu allem Überfluß
weigerte sich der Regisseur Josell Ramos, den Film zu zeigen, da er nur
eine NTSC-Version dabei hatte, die mit dem Vorführgerät des
Kinos nicht kompatibel war (das passende Gerät befand sich beim WDR
bzw. in einem Bonner Kino), und die mitgeführte VHS-Kopie durch den
darauf enthaltenen Timecode den Anwesenden nicht zumutbar sei. Selbst
Abgeordnete der lokalen Groove Attack Delegation konnten den überaus,
äh, „schwierigen“ Ramos nicht davon überzeugen,
den Film in seiner „schlechteren“ Fassung zu zeigen. Der Termin
wurde kurzerhand ein paar Tage nach hinten verlegt. Dann hätte man
sicher auch die richtigen technischen Mittel parat, ließ man die
Cineasten in spe wissen. Pustekuchen. Bleifuß Hoppelino und sein
Sozius waren nicht bereit, weitere 400 Kilometer abzureißen, um
einen erneuten Versuch zu wagen. Deshalb kann an dieser Stelle nur wiedergegeben
werden, was Augenzeugen der dann doch tatsächlich stattfindenden
Aufführung zu berichten hatten. Ganz toll sollen die Aufnahmen aus
der Paradise Garage sein, rührend die Szenen, in denen Nicky Siano
um Fassung ringt, weil er an das Ende von Larry Levan erinnert wird. Nicht
minder ergreifend soll sich François Kevorkian geben, der sich
während des Interviews ins Bewußtsein ruft, daß es innerhalb
weniger Wochen Dutzende von Freunden und Garageheads dahinraffte, als
Aids mit seiner ganzen unerbittlichen Härte zum ersten Mal zuschlug.
Auch schön sei die Musik, die, obwohl nur aus den Jahren nach 1987,
also „Post-Garage“, hervorragend zum Film passe. Auf weniger
Zustimmung traf die Zentrierung auf Larry Levan und die ihm zuteil werdende
abgöttische Verehrung, der man „Väth’sche“
Ausmaße bescheinigte. Dies ist auch einer der größten
Kritikpunkte in der Diskussion mit Zeitzeugen, denen Kollegen wie Tee
Scott und Clubs wie das Better Days, ganz zu schweigen von einem Ort namens
Chicago, doch etwas zu kurz gekommen schienen. Sei es drum: „Maestro“
genießt definitiv den Vorteil, bisher der erste und einzige Film
seiner Art zu sein. Menschen, die sich für das Phänomen Paradise
Garage und die dort entstandene oder gelebte Kultur interessieren, werden
kaum daran vorbeikommen. Wer nicht bis zum geplanten Kinostart irgendwann
in 2003 oder bis zum Erscheinen der noch geplanteren DVD warten will,
kann sich auf der quer durch Deutschland stattfindenden Maestro-Tour schon
einmal mit ausgewählten Ausschnitten Appetit holen. Zudem gibt es
tolle Musik von gestern und heute mit DJ Al-X und DJ-Biograph Hans Nieswandt.
Also, nix wie hin, meine Freunde. ][ janson
Maestro Clubtour . . . . . . . . . . . . . . . . .
07.12. Offenbach:Robert Johnson
13.12. Berlin:Neue Maria (plus The Ark)
14.12. München:Erste Liga
20.12. Hannover:Cumberlandsche Galerie*
25.12. Stuttgart:Suite 212
28.12. Hamburg:„Goldener Raum“/Hafenklang*
11.01. Chemnitz:Voxxx
18.01. Meiningen:Elan Club
25.01. Köln:Tanzhalle (plus Ata und Paul David)
*ohne Hans Nieswandt
ITF World Finals 2002 . . . . . . . . . . . .
Muffathalle München
Es
ist vier Uhr nachmittags. Daniels Augen sind noch schreckgeweitet. Die
Taxifahrerin war irre. Scheinbar, ich habe nichts bemerkt. Meine Gedanken
schwirren voller Vorfreude in Richtung Muffathalle. Die ersten DJ-Weltmeisterschaften
in Deutschland. Ein weiteres Indiz dafür, dass das Verwenden von
Plattenspielern als Instrument endlich auch hierzulande einen gewissen
Stellenwert hat. Pünktlich zur großen Krise des deutschen HipHop
gibt es so viele gute DJs in der Bundesrepublik wie noch nie. Das verwundert
nicht weiter. Viele haben in den Boomzeiten begonnen und ernten jetzt
die Früchte der harten Arbeit. Wer einmal versucht hat, ohne hüpfende
Nadel und mit Taktgefühl ein paar einfache Scratches anzubringen,
der weiß, wie hart man trainieren muß, um auf ein Level zu
kommen, wie es uns heute erwartet. Zwei Deutsche werden antreten. DJ Kid
Fresh, der deutsche Meister ITF und DJ M-Tech, der aufgrund seiner Finalteilnahme
bei den diesjährigen DMC-Weltmeisterschaften zu den wenigen eingeladenen
DJs in München zählt. Er gilt als bester Scratcher Deutschlands
und die Hoffnungen sind nicht unberechtigt, daß er heute den internationalen
Durchbruch schafft. ITF steht für International Turntablism Federation.
Die Gründung vor 6 Jahren geht auf die widrigen Umstände bei
den Meisterschaften des traditionsreichen DMC (Disko Mix Club) zurück.
Der Begriff der Weltmeisterschaften ist nicht geschützt, so daß,
wie im Boxen, mehrere Organisationen Meisterschaften unter diesem Begriff
ausrichten. Der DMC-Titel ist wohl noch immer der wertvollste, aber es
ist wohl der ITF zu verdanken, daß dieser inzwischen unter regulären
Bedingungen vergeben wird.
Bei der Ausgabe der Akkreditierungen stehen Rasgunado von den Lords
of Fitness und Mirco Machine vor mir. Die Schlange vor dem Ticketschalter
ist 200 Meter lang. Irgendwie scheint jeder da zu sein, der auch nur annähernd
etwas mit auflegen zu tun hat. Im Backstagebereich warte ich vergeblich
auf I-Emerge und JR-Flo, mit denen ein Interview vereinbart war. Mixer
im Hotel vergessen. Die Szenerie ist die übliche. Viva-Personal und
sonstige unwichtige Personen stolzieren gockelnd durch die Gegend, während
die Protagonisten des Abends im Übungsraum ein letztes Mal ihre Routines
durchgehen. Wer glitternde Glitzerjungs mit Starallüren erwartet,
sieht sich getäuscht. Das würde auch nicht zu den akribischen
Arbeitern passen, die Stunden um Stunden im heimischen Keller die Sonne
ausschließen, um der Welt ihre zweifellos atemberaubenden Skills
zu präsentieren. Genug der Vorrede.
Es werden 4 Titel vergeben: Scratching, Beatjuggling, Advancement und
Team. M-Tech tritt als Erster an die Plattenteller und die Aufgabe ist
mehr als schwierig. Sein Gegner ist der zweifache DMC-World-Supremacy-Gewinner
Netic. M-Tech greift auf eine Scratchkür zurück, die ihm bei
den deutschen DMC-Meisterschaften den Titel brachte. Es läuft nicht
ganz rund und der Franzose gibt sich anschließend keine Blöße.
M-Tech ist raus, bevor es richtig angefangen hat. Das Ergebnis ist eindeutig
und die Enttäuschung hält sich in Grenzen. Der andere war schlicht
besser. Weitere Qualifikationen schließen sich an. Da Germ tritt
in einem lächerlichen Roboterkostüm auf und handelt sich „Verpiss
dich“ Rufe ein. Die Pausen werden von den ausgezeichneten DJs Zuzee
und Stamina gefüllt und dabei leider allzu oft von den stetig an
der Grenze der Peinlichkeit wandelnden Moderatoren gestört. Die mangelnde
Aufmerksamkeit entlockte ihnen dafür puren Untergrund und gestattete
dem leider eher ignoranten Publikum einen Einblick in die Belletage des
HipHop fernab von R`n`B-Gedudel und Nelly-Geseier. Der Schweizer Battle-Veteran
J-Kay hat Pech in der Beatjuggling-Qualifikation und verliert unglücklich
gegen den Franzosen Trouble. Kid Fresh ist an der Reihe. Er tritt in der
Königsdisziplin an. Die Advancement-Class vereint Beatjuggling und
Scratching. Der Deutsche meistert die erste Hürde souverän.
Allerdings hat er unnötigerweise bereits seine beste Routine ausgepackt,
um ins Viertelfinale einzuziehen. Dort wird er später am Schweizer
Gimmamen scheitern, der bei DMC schon für die vorzeitige Heimreise
von J-Bounce gesorgt hat und damit schon zum zweiten Mal von der falschen
Taktik eines Deutschen profitiert. Die Stimmung im Publikum ist oft verhalten.
Viele dürften zum ersten Mal bei einem Battle sein. Das Problem in
Bezug auf die Massentauglichkeit von Turntablism ist, daß die technische
Seite eigentlich nur von jemandem nachvollzogen werden kann, der auf ähnlichen
Skillsphären schwebt. Die Geschwindigkeit der einzelnen Bewegungsabläufe
ist mit den Augen kaum nachzuvollziehen. Erleichtert wird dies in der
Regel durch Naheinstellungen auf einer großen Videoleinwand im Rücken
der DJs. Aber der übereifrige Regisseur in München schneidet
wild alle möglichen Bilder durcheinander, so daß man sich praktisch
ganz auf sein Gehör verlassen muß. Ich liebe diese Sounds,
aber vielen ist das auf Dauer zu abstrakt. Daher ist es auch nicht überraschend,
daß auf einer Turntablism-Veranstaltung ein Beatboxer den größten
Applaus erhält. Der sympathische und offensichtlich gehörig
zugerauchte Killa Kela tritt auf und macht Sachen, die unmöglich
sind. Zusammen mit Rhazel dürfte er der uneingeschränkte Herrscher
in dieser Kategorie sein. Er singt und läßt gleichzeitig Beats
und Bässe durchs Mikro dröhnen. Phantastisch. Angesichts seiner
Lebensgeschichte (siehe ouk 027) freut man sich mit ihm über die
tobende Halle. 2500 Besucher. Hype und Shine treten auf, schließlich
der letztjährige Advancement-Weltmeister Woody, der aber die Situation
leider nur zur Vorstellung eines Homies nutzt und seine außergewöhnlichen
Juggles im Ärmel läßt.
Selbst für jemanden wie mich, dessen Augen bei jedem Scratch zu
leuchten anfangen, beginnt der Abend lang zu werden. Die Finals stehen
an. I-Emerge, Netic und Rufftone sind die ersten, die um den Titel kämpfen.
Es wird die hochklassigste Battle des Abends. Alle drei beweisen wahnsinnige
Scratch-Künste und der sich diebisch freuende I-Emerge hat schließlich
die Nase vorne. J-Kay dürfte das anschließende Beatjuggling-Finale
mit Wehmut betrachtet haben. Er hätte ausgezeichnete Chancen gehabt.
Sein Gegner Trouble schlägt den amtierenden Weltmeister Jr-Flo und
Amichamp Kiko. In der Advancement-Kategorie stehen sich wiederum I-Emerge
und der letztjährige Runner-up Kodh gegenüber. Besonders bei
Kodh fällt auf, dass er sein Pulver eigentlich schon verschossen
hat. Er bezieht schließlich sogar seinen Kopfhörer als Mikro
ein und macht damit eher mies klingende Geräusche. Seine Skills retten
ihm aber den Titel trotz einer guten Leistung seines Gegners. Die letzte
Entscheidung fällt im Teamwettbe-werb, oft der Höhepunkt einer
Battle. Die Disses fallen aber dieses Mal leider eher verhalten aus. Die
titelverteidigende Nocturnal Sound Crew aus Hawaii überzeugt nicht
nur durch körperliches Übergewicht und gewinnt verdient. Die
Belgier Killa Tactics werden Zweiter, Impys Pizza nutzt auch das Bewerfen
des Publikums mit italienischen Fladen nichts, sie werden Dritter.
Alles in allem war die Veranstaltung eine Werbung für den Turntablism.
ITF und Veranstalter Eyes Wide Open sollten sich aber künftig überlegen,
die Veranstaltung auf zwei Tage auszudehnen und statt unbedarfter Moderatoren
lieber die Musik sprechen lassen. ][ motik
www.deep-groove.de . . . . . . . . . . . . . .
Nerds aufgepaßt! Zwar gibt es www.deep-groove.de als Plattform für
Deep House und Artverwandtes schon seit Januar 2002, aber bisher haben
die Macher Sven Graham, Stefan Bugenhagen und Dirk Gottwald durch eine
Auswahl feiner Mixtapes ausgesuchter Halbberühmtheiten brilliert.
Nach einigen ordentlichen Aufräum- und Renovierungsarbeiten erstrahlt
die Seite jedoch in frischem Glanz und hat nebst aktualisierten Mixen
und Playlist ein niegelnagelneues Forum zu bieten, das nicht nur allerhand
Oberstufencharme, sondern auch die ein oder andere nützliche Information
parat hält. Wer schon immer mal mit anderen Jungs diskutieren wollte,
ob Blaze was für ihre Remixer können oder nicht, ist hier genau
richtig. Mädchen können sich so lange bei www.beautyboard.de
amüsieren. ][ janson
Verwirrungen & Erkenntnisse . . . .
Träumt man als DJ davon als Künstler anerkannt zu werden? Und
muß man dann auch seine Musikauswahl und seine Mixtechnik entsprechend
ändern? Hans Booy und Paulus Fugers, bekannt auch als Klubartkollektiv
„Tulip“, widmen sich diesen Gedanken schon länger und
bringen ihre Erkenntnisse und Verwirrungen nun in Form einer Installation
zum Ausdruck. In der „kunstfreundlichen“ Atmosphäre der
Berliner Libido Lounge widmen sich die beiden den Themen „Industrialisierung
der Klubkultur“, „Personenkult - es trifft immer die Falschen“
und „Demokratie durch Kommerz“. Mal sehen, ob wir auch ein
paar DJs unter den Besuchern ausfindig machen werden. ][ mb |