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ouk: Wie hat das Line-Up der Russian Percussion sich geändert?
Killa Kela ist nicht mehr dabei.
dj vadim: Es ist nicht so, das Leute “nicht
mehr dabei” sind. Es ist eher so eine Art Rotation. Ich will die
Dinge in Bewegung halten, Dinge immer wieder anders anpacken. So wie Miles
Davis, der seine Band immer wieder geändert hat. John Ellis und Kela
sind also nicht dabei, aber wir haben eine Band aus Kopenhagen, Mr. Thing
und mich und Yarah Bravo als MC.
dj ouk: Aber das gab’s nie auf Platte.
dj vadim: Ne, wir haben noch keine Platte draußen.
Im Moment ist es ein Projekt für die Bühne, für die Szene.
Es ist ein Live-Konzept. Um mein Album zu promoten und Stücke davon
live zu spielen. Aber es gibt Pläne, das ganze aufzunehnmen und auf
Platte rauszubringen.
dj ouk: Du kommst herum, du kriegst ‘ne
Menge Zeug zugesteckt. Ich bin interessiert, wie du die Lage von Hip-Hop
beurteilst. Im Prinzip war es ja ein gutes Jahr, oder?
dj vadim: Vielleicht.
dj ouk: Vielleicht? Was denkst du?
dj vadim: Warum denkst du, es sei gut gewesen?
dj ouk: Weil wir nach einer langen Zeit wieder
unnheimlich viel interessante Ansätze haben: Def Jux läuft gut,
die ganzen Poetry-Leute - Sage Francis, Mike Ladd und so - bringen Sachen
raus, europäische Labels wie Leaf und Warp haben Hip-Hop-Acts gesignt,
die schräge Sachen machen: Boom Bip z.B., Anti-Pops Beans oder Scott
Herren. Viel schräges Zeug wie Dälek und Sensational ist an
die Oberfläche gekommen. Roots Manuva und sein Dub-Album, die Unsung
Heroes haben Tony Allen produziert. Man merkt wieder, was Hip-Hop alles
sein kann. Selbst die engstirnigsten Headz in Berlin checken das.
dj vadim: In Deutschland mögen sie ihren
Kram Hardcore, sei es HipHop, sei es Techno, sei es House. Wenn die Deutschen
was machen, machen sie’s gleich dick. BMW, Porsche. Im HipHop ist’s
auch so: Afrob, Massive Töne, alles dickes Zeug.
dj ouk: Aber es gibt doch auch witzige Sachen
wie die Puppetmastaz, die das ganze völlig von der Image-Sache und
der harten Attitüde befreien und dabei völlig interessante Styles
pflegen. Es wird wieder verwirrender.
dj vadim: Es ist wichtig, Styles und Sounds
zu fusionieren, neue Vibes reinzubringen und eine Balance in die Musik
zu bringen. Musik braucht eine Balance zwischen Experiment, Eklektizismus,
Sozialem und Politischem, Emotionen, Zeug für die Straße und
so weiter - etwas von allem. Vielleicht passiert das. Ich weiß nicht.
Die Leute, die Afrob hören, Spezialists, Absolute Beginner, sind
ganz andere Leute als die, die Roots Manuva kapieren. Glaube ich. Vadim
und Fünf Sterne werden immer noch von unterschiedlichen Leuten gehört.
dj ouk: Ich glaube, das durchmischt sich schon.
Leute wie du oder Roots Manuva tragen neue Ideen an die Leute heran, und
ihr seid präsent in den Magazinen. Es geht doch um Kommunikation.
Du zum Beispiel reist sehr viel. Denkst du, daß HipHop ein sehr
offenes Kommunikationssystem ist, eine weit verbreitete Sprache, in der
du auch kommunizierst?
dj vadim: Ja, du kannst einen gemeinsamen Nenner
zum Kommunizieren finden, du drückst dich durch die Musik aus. Ich
spreche kein japanisch, vielleicht zehn Worte. Aber als ich DJ Krush traf,
kommunizierten wir über Musik, durch die Plattenspieler. Wir spielte
uns Sounds vor, scratchten etwas rum, wir sprachen praktisch miteinander,
das war recht verrückt.
dj ouk: Habt ihr was zusammen auf die Beine
gestellt?
dj vadim: Keine Produktionen, er hat mal vor
langer Zeit einen Remix für mich gemacht, für die Reconstruction-Platte.
Und wir haben immer mal wieder zusammen aufgelegt. Ist gerade drei Wodchen
her, zwei Shows in Japan.
dj ouk: Du bist also unterwegs mit deinem Album.
dj vadim: Ja, für ein Jahr.
dj ouk: - schluck -
dj vadim: Klar, wir machen jetzt 7 oder 8 Shows
in Deutschland, dann Polen, Jugoslawien, Österreich, Frankreich,
die ganze UK-Sause, Spanien, Portugal. Dann ist Weihnachten, dann wieder
Deutschland, Schweiz. Dann nach Australien, USA, Kanada, Mexiko, Chile,
Brasilien, dann nach Neuseeland, China, später Südafrika, Nigeria,
und Kenia, Türkei, Libanon, Syrien, Israel.
dj ouk:(mit immer größer werdenden
Augen): Äh, dann kann ich wohl schreiben, dass du der am härtesten
tourende Mann im Geschäft bist?
dj vadim: Was weiß ich...
dj
ouk: Naja, die meisten Amerikaner kommen eigentlich am liebesten
gar nicht nach Europa.
dj vadim: Ja, aber die interssieren micht echt
einen Scheiß. Und die interessieren sich einen Scheiß für
den Rest der Welt. Es ist ein Schande, wie die Europäer immer noch
so verrrückt nach amerikanischer Musik sind. Denn die Amerikaner
kümmern sich einen Dreck um Europa. Viele von denen wissen doch nicht
mal, in welchem Land Berlin liegt. Vielleicht in Alabama? Vielleicht denken
sie, es ist irgendwo bei Afghanistan. Ich kann dem nicht viel abgewinnen.
Ich liebe es zu touren, und ich muß es tun, da ich keine teuren
Videos habe. Die Amerikaner müssen schon deswegen nicht touren, weil
sie ihre Videos Tag für Tag durch MTV pumpen. So was hab ich nicht.
dj ouk: Ninja Tune sind berühmt für
geniale, experimentelle Videos. Wenn sie eins machen, ist’s meistens
gut.
dj vadim: Ich hab ein Video. Aber die Musikindustrie
dreht sich darum, wieviel Geld du in ein Produkt steckst. Du kannst ein
Album haben, auf dem jemand hustet, furzt und niest. Mit 10.000.000 Euro
Promoknete kriegst du das Ding gechartet. Mit Geld kannst du die Leute
überzeugen , daß du ihnen da Hip-Hop verkaufst. Du kannst Doppelseiten
und Titelseiten kaufen in Juice, Wicked und Backspin, Style and the Family
Tunes. In Deutschland und UK kannst du Leute dafür bezahlen, daß
sie entscheiden, was eine Hip-Hop-Platte ist oder nicht. Mein Video würde
höchstens auf der Spätschiene landen, 1 mal im Monat. Sony kann
MTV x-amount of Dollars oder Euro zahlen, sie mit Promogeschenken und
einer dicken Party zuschmeissen, und dann wird das Busta Rhymes Video
gespielt. Und das ist ein Jammer. Anwälte und Angestellte machen
die Musik. In den 60er wurden Labels wie Motown und A&M von Leuten
betrieben, die Musiker waren, Künstler und Music-Lovers. Die A&Rs
heute sind Beamte. Sie suchen einen neuen Nelly, einen neuen Eminem. Das
neue Ding: sie nehmen einen harten Rapper wie Fat Joe und packen ihn in
einene smoothen Track, Top 5 Hit. Genauso mit Ja Rule. Sie stellen ihm
einen Haufen R’n’B-Sänger zur Seite und lassen ihn eine
Menge Müll erzählen, und das war dann der Hit. Alles Formeln.
dj ouk: Klingt, als würdest du auch gerne
mal einen Hit haben.
dj vadim: (schnaubt)
dj ouk: Im Gegensatz dazu hast du immer deine
eigenen Beats geschrieben. Erst ein Instrumentalalbum, dann ein Statement
für Vocals. Die aktuelle Platte ist praktisch ein Sequel der zweiten.
Wieviel persönlicher Kontakt war dabei im Spiel, inwieweit hattest
du die Aufsicht über die Aufnahmen? Wurden da viel hin- und hergeschickt,
wie bei DJ Krush, oder hast du dich selbst drum gekümmert?
dj vadim: Das meiste ist bei mir zu Hause entstanden,
ungefähr 90 %. Bei Musik geht’s um Sound. Ob das Vocals sind,
Scratching, Trompete, Poetry, Drums oder eine Harfe - es ist eine Collage
aus Sounds. Es geht nicht um eine Compilation, ein Rent-a-Rapper-Ding.
Es gibt so viele Produzenten in Frankreich, Spanien, Deutschland. Und
die gehen alle nach USA und holen sich die großen Movers & Shakers
- Busta Rhymes, Gang Starr, Missy oder Dre. Und dann streuseln sie ein
paar Local Heroes dazu, wie hier bei Desue. Nicht mein Ding, ich will
nicht, daß Leute meine Platte kaufen, weil KRS-1 oder die Beatnuts
drauf sind oder Afu-Ra. Ich würde vielleicht drei- oder vielmal so
viel verkaufen, aber sie würden sagen: Hast du auch die neue mit
KRS-1? Und sich einen Scheiß um DJ Vadim kümmern., Denn KRS-1
ist DJ Vadim egal, ihn interessieren höchstens die 40.000 $, die
er für ein paar Zeilen kriegt. Aber auf der Platte geht es um mich
und die Leute, die ich damit feature. In der Zukunft werde ich was anderes
machen, jedes Albums schreitet voran, mit jedem Album will ich was anderes
erreichen. Auf dem ersten Album wollte ich die Musik auf die Reihe kriegen.
Das zweite waren Remixe davon, plus einige neue Sachen. Das dritte Album
war Life from the other Side, da wollte ich mit ein paar MCs arbeiten,
weil ich irgendwie unter TripHop lief und damit Schluß machen wollte.
Das Isolationist-Album kam gleichzeitig raus. Diesmal wollte ich etwas
musikalisches machen. Abstrakt, aber musikalsich. Deswegen sind viele
Musiker involviert, und ich habe viel an den Basslines gearbeitet. Das
nächste wird vielleicht mehr mit Word & Sound arbeiten.
dj ouk: Wie steht’s mit Isolationist
und The Bug?
dj vadim: Für The Bug habe ich die Beats
gemacht, aber das war Kevin Martins Album. Ich habe eine Menge Sounds
und Effekte beigesteuert, und es war cool, aber Kevin hatte die Hauptverantwortung.
dj ouk: Und die neue The Bug-Single, mit Tikiman
und Daddy Freddy drauf?
dj vadim: Hab ich nichts mit zu tun.
dj ouk: Aber nennen sie nicht deinen Namen?
dj vadim: Echt? Nett, das muß ich mal
hören. Was Isolationist betrifft, da mach ich vielleicht mal Volume
II. Wir haben noch im Mai einige Shows gemacht, mit dem Anti-Pop Consortium
in Kanada. Und wir haben gesagt, wir machen was neues, alles cool. Zwei
Wochen später hörte ich, daß sie sich getrennt haben.
Und ich so: Mann, zwei Wochen vorher waren alle prima drauf, was ist passiert?
Ich hörte, sie hätten Beans rausgeschmissen. Keine Ahnung, es
sind drei starke Persönlichkeiten.
dj ouk: Vielleicht bringst du sie ja wieder
zusammen. Mal gucken, Andre Gurov ist dein Pseudonym für Mille Plateaux?
dj vadim: Hm ja, ich hatte einiges unter dem
Namen auf Jazz Fudge draußen, und sie haben was für Mille Plateux
lizensiert. Das war die Zeit, als ich auch Isolationist und USSR Repertoire
machte. Ich habe viel experimentiert in dieser Zeit, mit Rap, Rhythms
und so. Ich habe mein Ding gesucht. Ich glaube, jetzt weiß ich was
ich will und bin da sehr focussiert: welche Sounds, welche Samples, welche
Rapper. 1997 habe ich noch gesucht. Ich meine, ich suche immer noch, aber
ich weisßwas ich finden will. Heute habe ich meinen eigenen, individuellen
Sound. 96/97 klangen die Platten noch nach verschiedenen Persönlichkeiten,
und die verschiedenen Pseudonyme haben das repräsentiert. Heute fühle
ich, daß ich meinen Platz gefunden habe, und da möchte ich
weitermachen...ohne vorhersehbar zu werden.
dj
ouk: Es gibt einen etwas neuen Flavour auf der neuen Platte, einen
jamaikanischen., Schlägt da London durch, oder Jamaika?
dj vadim: Zum Teil schon. Ich meine, Bass-Musik
in London ist vielleicht eine der einflußreichsten überhaupt.
Sie haben sogar schon einen Begriff dafür: Basement. Habt ihr wahrscheinlich
auch bald. Roots Manuva, Speed Garage, Drum’n’Bass, alles
was diese fette Ragga B-Line hat. Verschiedene Styles, aber die B-Lines
sind die gleichen, in unterschiedlichem Tempo. Und natürlich schlägt
sich das nieder. Aber auf Reggae habe ich immer gestanden. Wir haben eine
7-inch gemacht mit Demolition Man, das sind richtige Reggae-Tracks. Wollte
ich die Leute mal überraschen, daß ich nicht nur Abstract-Hip-Hop
mache. Wie die Neptunes, die machen Produktionen für Linkin Park,
Britney, Justin Timberlake...hehe,. nicht daß ich Britney Spears
poroduzieren will, aber ich will halt nicht abgestempelt werden.
dj ouk: Aber ein paar Beats für ein schönes
Popalbum würdest du doch...
dj vadim: ...klar, für Super Furry Animals
oder irgendwas aus Chicago, wie The Sea and Cake. Vielleicht sogar U2,
R.E.M. oder Rage Against the Machine. Wenn’s irgendwie glaubwürdig
ist, keine komischen Boygroups. Dann lieber Pavarotti. Wie auch immer:
In London haben wir einfach eine riesige jamaikanische Communitiy. Es
gibt Orte in London, an denen du dich in Jamaika wähnst....abgesehen
vom schlechten Wetter. Und der UK-Reggae ist mittlerweile ganz anders
als der jamaikanische. Andere Beats, andere Produktion. Der englische
ist mir beinahe lieber. Ich mag das jamaikansiche Toasting. Ich mag Capleton,
Bling Dog, Sizzla. Aber die britischen Riddims bevorzuge ich. Der Einfluß
von Speed Garage und Drum’n’Bass. Sie sind experimenteller.
Und die Sprache hier ist anders. Ein Element von Patois, aber der Slang
ist englisch. Bei einigen Jamaikanern verstehst du einfach nicht, was
sie sagen. Ich versteh jamaikanisches English, aber der Street Slang ist....wenn
Elephant Man mit mir reden würde, würde ich wohl sagen: Sorry,
ich versteh nur jedes zweite, dritte Wort. Roots Manuva oder die Jungs
von New Flesh dagegen haben einen englisch-jamaikanischen Slang, der hier
auch gesprochen wird.
dj ouk: Und dann hast du noch ein paar Franzosen
dabei, die ich sehr mag: TTC. Wie hast du die getroffen?
dj vadim: Hab eine Show gemacht mit ihnen, in
Paris. Übrigens, schau mal hier: (holt eine Platte im schwarzen Lochcover
hervor)
dj ouk: Wow, da ist ja ein Track von Curse
drauf.
dj vadim: (strahlt) Ja, hab ich gemacht. Die
Platte ist auf 1000 limitiert und wird nur auf Konzerten verkauft (steckt
sie wieder ein, der Sack). Ja, TTC sind cool, ich hab noch mit ein paar
Leuten aus Marseille gearbeitet, mit Total Chaos aus Wien, hab was mit
Leuten aus Spanien, Schweden, Belgien gemacht. Vocals sind Sounds, und
wenn’s einen guten Flow hat, bin ich dabei.
dj ouk: Wenn du die Vocals aufgenommen hast,
bearbeitest du danach noch mal die Beats, um den Flow mitzukriegen? Denn
das ist richtig gut auf der Platte, wie Beats und Rhymes sich ineneinader
verhaken.
dj vadim: Das kommt vor. In einigen Fällen
frisiere ich etwas daran herum, gelegentlich nehme ich auch mal einen
ganz anderen Beat, der einfach besser mit dem Flow zusammengeht. Jedenfalls
eine gute Sache. Wenn die Deutsch-Rapper immer stöhnen: Oh, keiner
außer den Schweizren und Österreichern will unseren Kram hören...
das muß ja gar nicht sein! Schau dir Gotan Projekt an. Ihre Songs
sind auf spanisch. Und das Ding ging gut! Der Tango hat ihnen den Weg
geebnet, wegen dem Tango akzeptierst du es als das, was es ist. Ich verstehe
Curse nicht, aber ich mag diesen Flow einfach. Musik ist universal, und
wenn’s gut ist, ist’s gut!
dj ouk: Da haben es die D’n’B-Headz
besser oder die TripHopper, denn sie betrachten das Wort als Sound, Hip-Hop
dagegen ist nach wie vor vom Wort dominiert.
dj vadim: Ja, immer noch.Aber Musik ist universell.
Manchmal macht es keinen Unterschied, ob du den Text verstehst. Ja Rule
zum Beispiel klingt einfach wie ein Hund, der kläfft. Er hat nichts
intelligentes zu sagen, aber die Stimme macht’s eben.Und wenn du
sie magst, magst du sie. Ich bin sicher, hier gibt’s genug Leute,
die von Ja Rule kein Wort verstehen, aber die Stimme und die Hooks mögen.
Gift of Gab oder Motion Man reden keinen Scheiß, aber es ist nicht
unbedingt notwendig, ALLES zu verstehen. John Coltrane hat sich gar nicht
verbal ausgedrückt, aber er spricht zu dir, und die Übersetzung
besorgst du selbst. Ich treffe doch dauernd Leute, die Hip-Hop-Fans sind,
und kaum englisch sprechen können, wenn sie mich treffen.
dj ouk: HipHop ist zu einem Lebensstil geworden,
der regelt, was für Klamotten du kaufst, welche MTV-Shows zu schaust,
welche Platten du kaufst. Eine Guideline durch’s Leben, die eigentlich
keinem weiterhilft.
dj vadim: Du triffst den Nagel auf den Kopf,
und darum geht’s in meinem Album. Im HipHop dreht sich’s heute
um’s cool aussehen, Fubu-Jacken, Karren und Bitches und Hoes...
ein materialistisches Ding, aber die Leute hören der Musik nicht
zu. Sie kaufen alle Magazine und rennen dann nach den Platten, die darin
angepriesen werden. Aber dann, nach zwei Wochen ist die nächste Redman
draußen, und die zwei Wochen alte Cypress interesiert nicht mehr.
Das ist wie Fast Food, völlig gleich, wo du deinen Burger ziehst.
Aber wenn du mal in ein gutes Restaurant gehst, italienisch, indisch,
ganz egal ...nach ein paar Tagen willst du genau dahin zurück, weil’s
spitze war.. So will ich Musik machen, wie richtig gutes Essen. Etwas
worüber du reden kannst, etwas woran du dich erinnerst. 90 % des
HipHop ist Mackie D.
dj ouk: Das kannst du auf das ganze Leben beziehen.
dj vadim: Klar. Das ist eine McDonalds-Welt.
Ich meine McD haben als letzte offen, und nach ein paar Bier ist ein Big
Mac nicht übel. Aber iss 5 Jahr lang den Fraß, und du wirst,
dick und krank und stirbst daran. Musik ist Futter für die Seele,
und du brauchst Balance, dein Gemüse, deine Früchte, den Fisch,
die Mineralien, die Vitamine. Das geht nicht nur mit Steak und Burger.
Und ich bringe verschiedene Elemente auf meiner Platte zusammen. Gift
of Gab, Moshun Man, TTC, Yarah Bravo...
dj ouk:...deine Frau. Wird sie was veröffentlichen?
dj vadim: Ich habe sechs Tracks für ihr
Album in Arbeit oder fertig, und sie arbeitet mit einigen anderen Leuten
zusammen. Freestyle Fellowship, Aceyalone, Blackalicous, Lyrics Born von
Quannum. Sehr poetisch, recht politisch, etwas Gesang. Das wird sehr schön,
sehr jazzy. Hoffentlich nächstes Jahr, vielleicht auf Ninja Tune,
vielleicht auf Jazz Fudge. Ich will Isolationist weitermachen, das Russian-Percussion-Album,
ich denke über mein neues Album nach, ich hab sogar schon einen Titel.
dj ouk: Lass mich raten, es beginnt mit USSR.
dj vadim: Logisch. USSR - Music for the Living.
Denn das mache ich, Musik für lebendige Leute. Nicht für Zombies,
die in einer 1984-Welt leben mit President Bush watching over us.
][ mandel
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