OUK das einund40ste ± lichtend & sichtend ± Feb/März 03 Bla & Blub

Bla + Blub

Twin Peaks - Erste Season - Paramount . . . . . . .
Ein kleines Städtchen in den waldigen Grenzregionen zwischen Kanada und Amerika wird zum Schauplatz eines anfänglich noch harmlos wirkenden Mordes, als am 24. Februar die in Plastikfolie eingewickelte Leiche von Laura Palmer (Sheryl Lee) am Flußufer angespült wird. Und schon wird der Zuschauer in das Geschehen hineingezogen. Bereits im Verlauf des Pilotfilmes beginnt man sich in Twin Peaks heimisch zu fühlen, wenn der sympathische Sheriff Harry S. Truman ("einen Namen, den man nicht so schnell vergißt") und sein leicht zu Tränen gerührter Deputy Andy Brennan (Harry Goaz) ihre ersten Untersuchungen zwischen Ed Hurleys Tankstelle, dem Roadhouse, dem R&R-Diner und dem Great Northern Hotel beginnen. Schnitt. Durch dunkle Tannenwälder ("Douglastannen") reist der F.B.I.-Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) in die aufgewühlte Idylle. Doch er: ruhig und sachlich mit seinem Diktiergerät Diane. Kurzbericht und Spesenabrechnung. Ein zweites Opfer ist aufgetaucht. Seine übersinnlichen Fähigkeiten treten mit jedem Augenblick mehr zum Vorschein und lassen eine obskure Geschichte mit vielen Stimmungsschwankungen entstehen. Immer geheimnisvoller wird die Fahndung nach dem eingetragenen "J" in Lauras "Kokain" - Tagebuch. Kein Wunder, beginnen doch knapp von einem Drittel der Charaktere die Namen mit diesem Buchstaben. Aber bei einer guten und heißen Tasse Kaffee werden es die skurrilen Vorgehensweisen des F.B.I.-Agenten schon ans Tageslicht bringen. Was hat der Einarmige damit zu tun? Welche Hinweise verstecken sich hinter den Rätseln der Log Lady (Catherine Coulson)? Was erzählt der kleine Zwerg (Michael Anderson) vor dem schweren roten Vorhang? Worauf deutet das "R" unter dem Fingernagel hin? Daneben das gebrochene Herz des sicherlich so manchem Drogenexperiment nicht abgeneigten Dr. Jacoby (Russ Tamblyn), das gruselige Vorbeihuschen des Killers Bob (Frank Silva), der sprechende Beo, die rote Corvette, der Mann in einem lachenden Beutel, die zwielichtigen Geschäfte des Duos Leland Palmer (Ray Wise) & Benjamin Horne (Richard Beymer), ...
Scheint eines der Rätsel gelöst zu sein, wachsen aus ihm wieder neue heraus, die das Mitraten, die eigene ganz persönliche Untersuchung des Falles, zu einem Fernsehvergnügen ohnegleichen werden lassen, was ja nicht zuletzt auch die zahlreichen Twin-Peaks-Abende zeigen, die überall veranstaltet werden. Und über allem schwebt die perfekt ausgewählte Musik von Angelo Baddalamenti: düster, traurig, rätselhaft mit leicht verspielten Jazzanklängen.
Das DVD-Set beinhaltet den Pilotfilm, der nicht zu verwechseln ist mit "Fire Walk With Me", der eigentlichen Kinovariante mit David Bowie und den üblichen Verdächtigen, sowie die Teile 1-7 der niemals alt werdenden Serie (Erstausstrahlung 1990). Also die erste Staffel des von David Lynch und Mark Frost dann später auf 29 Folgen erweiterten Serienhammers. Wer sich noch nie diesen Grundstein aller Mysteryserien angeschaut hat, bekommt hier einen Leckerbissen der ganz besonderen Art. Aber auch diejenigen, die schon seit Jahren die Fernsehzeitungen auf der Suche nach einer erneuten Ausstrahlung durchforsten, können sich nun richtig freuen, da schon für Mai diesen Jahres die nächste Staffel angekündigt ist. ][ g

Die drei ??? - Master Of Chess/Live & Unplugged - Europa/BMG . . . . . .
Als 1979 das erste ??? Hörspiel (Der Superpapagei) die Trommelfelle der Menschheit berührte, hätte sich sicherlich niemand auch nur träumen lassen, daß die Geschichten um Justus Jonas (1. Detektiv), Bob Andrews (Recherchen und Archiv) und Peter Shaw (2. Detektiv) einen solchen Erfolg haben würden. Längst sind es nicht mehr nur die Eltern detektivbegeisterter Kinder, die in die Läden kommen und sich aus dem über 100 Folgen umfaßenden Repertoire die eine oder andere Kassette ergattern. Vielmehr hat sich das Klientel deutlich zu den jungen Erwachsenen und Junggebliebenen hin gewandelt. Ein neuer Kult war geboren. Und so quasi als erstmaligen Höhepunkt begaben sich die Originalsprecher: Oliver Rohbeck, Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck dann auf bundesweite Tournee. Wer das Glück hatte, an einem dieser Abende noch eine der begehrten Karten zu ergattern, hat wohl ein Erlebnis gehabt, das so schnell nicht in Vergessenheit geraten ist. Der Ansturm war gigantisch, so daß das Ludwigsburger Scala den zuhörenden Zuschauern sogar gleich zwei Vorführungen an einem Tag schenkte. Beide restlos ausverkauft. Gewissermaßen ein interaktives Hörspiel, das von einer Theateraufführung nicht weit entfernt gewesen war. Und genau das machte den ganz besonderen Reiz aus, wenn die perfekt hervorgezauberten Geräusche von Peter Klinkenberg durch kleine Gestiken und Grimassen derart untermalt wurden, daß kaum ein Lachmuskel unbeansprucht blieb. Doch nicht unerwähnt sollen auch die weiteren Hauptmitwirkenden bleiben, da Frauke Poolmann und Olaf Kreutzenbeck, jeweils in einer Dreifachrolle, der Erzähler Helmut Krauss sowie das Licht- und Tonteam ebenfalls erheblich dazu beitrugen, die Abende in ihrer außergewöhnlichen Individualität zu untermauern. Und nun die Doppel-CD mit der Liveaufnahme aus dem CinemaxX-Colosseum in Berlin. Für die Dabeigewesenen ein schönes Stück Freude an der Retrospektive, wenn die einzelnen Szenen noch einmal farbenfroh vor dem inneren Äuglein aufblitzen; für alle anderen eine neue spannende Geschichte, die im Gegensatz zu den Studioaufnahmen einen ganz eigenen Charakter besitzt, ist sie doch in einem Stück aufgenommen und nicht wie die sonstigen über mehrere Abschnitte. Sehr atmosphärisch. Sicherlich mag man der CD vorhalten können, daß gewisse Situationskomiken niemals wiedergegeben werden können, doch dies schmälert den Wert dieser Veröffentlichung nur minimal und läßt sie weiterhin einen absoluten Hit in jeder Sammlung sein. ][ g

J. J. R. Tolkien - Der kleine Hobbit - Hörbuchverlag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Bla + Blub Nachdem nun "Die zwei Türme", der zweite Teil der Herr-der-Ringe-Trilogie in den deutschen Kinos für neue Furore sorgt, wollen wir das Augenmerk auf die wesentlich kompaktere Vorgeschichte in Mittelerde lenken: den kleinen Hobbit. Dies geschieht dabei auch nicht ganz zusammenhanglos, denn Gollum, einer der neuen (vielleicht sogar DER neue) Protagonisten des Leinwanderfolges begegnete ja den Fans von Tolkien bereits in der Erzählung um Bilbo. Als dieser mit seinen Zwergenfreunden auszog, um endlich Abenteuer zu erleben. Aus hobbistisch typisch gekränkter Ehre alle Gefahren vergessend, macht sich die Truppe um den Meisterdieb Bilbo (gesprochen von Horst Bollmann) auf um den ersten Erkundungsstreifzug für uns Erlebende durch Mittelerde zu unternehmen. Vertraute Wesen wie Gandalf (gesprochen von Bernhard Minetti), Orks, Höhlentrolle, Riesenspinnen, der Drachen Smaug, und natürlich Gollum (gesprochen von Jürgen von Manger) begegnen dem Hörer. Der erste Kontakt, kurz nach dem Ringfund. Quasi als alles begann. Die Kompaktheit, mit welcher der Hörspielfreund hier in die Erzählung hineingerissen wird, ist ohnegleichen. Natürlich unterscheiden sich beide literarischen Werke erheblich in ihrem Umfang, doch die Ereignisse folgen beim "Kleinen Hobbit" schneller und schneller. Diesem dramaturgischen Lauf angepaßt, steigern auch die Sprecher immer mehr die charakterlichen Eigenschaften der Protagonisten. Schnell spürt man die sich anbahnenden Spannungen zwischen den Personen oder die lauernde Gefahr. Dabei unterstützt werden sie durch die atmosphärische Untermalung von Enno Dugend, der stimmungsvoll die Situationen auskleidet und ihnen dadurch enorme Tiefe verleiht. Alles zusammen schafft ein facettenreiches, akustisches Bild mit viel Platz für die eigene Phantasie und Vorstellungskraft. Mit ca. 276 Minuten Spielzeit auf vier CDs liegt sie auch gerade so an der Grenze zwischen Hörspielen, die man sich am Stück anhören kann und eben solchen, die man Abschnitt für Abschnitt erlebt. Aber ganz gleich ob man sich an einem mystischen Abend in den spannenden Abenteuern wiederfindet und für Stunden die Abenteuer erlebt, oder immer wieder kurze Ausflüge unternimmt - die Reise lohnt sich auf jeden Fall. ][ g

 


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