| Putting the Morr back in Ennio Morricone
Frage
Antwort: Ich kann mich gar nicht mehr so
richtig an das letzte Jahr erinnern, weil’s einfach so fies vorbei
ging, so komisch. Die Compilation
war ein Highlight, das war aber vor zwei Jahren auch so. War ein gutes
Jahr, wie die anderen auch.

Frage
Antwort: Ich meine, wir haben das Problem,
daß der ganze Zirkus immer ein bißchen teurer wird, und daß
die Kosten des Promoblödsinns mich extrem annerven. Wenn man den
Gewinn dazu in Relation setzt, ist das ganze System extrem fragwürdig.
In Deutschland ist es halt schwer, und es macht auch nicht wirklich Sinn,
hier Platten zu verkaufen. Das ist eher ein Zuschußgeschäft.
Es steht in keiner Relation zu anderen Ländern, wo man viel weniger
macht und trotzdem besser verkauft. Der Fokus war aber auch von Anfang
an - ein bißchen gepost gesprochen - ein bisschen internationaler,
und das rettet uns dann auch über die Runden. Wir leben sowieso zu
4/5 vom Export - Japan, USA, England waren schon immer unsere stärksten
Länder. Die Märkte sind auch viel größer.
Es ist nur bei den größeren Titeln so, daß Deutschland
ein bißchen besser dasteht. Es hat mir von Anfang an geholfen, daß
man [in jedem Land] seinen kleinen Botschafter hatte.
Daß die so verteilt sind, hat sich durch Zufall so ergeben. War
auch Glück, daß das relativ selbständige Leute sind, die
man auch ohne Bedenken für sich sprechen lassen kann.
Frage
Antwort: Das sind Leute, bei denen ich ein
sehr sicheres Gefühl habe, daß da kein Schrott kommt, weil
sie reflektiert sind und selbstkritisch genug, daß sie einem nichts
abliefern, das minderqualitativ ist. Es kann sein,
daß man sich musikalisch in komplett unterschiedliche Richtungen
entwickelt, so was kann immer sein, und da muß man ganz einfach
miteinander umgehen und sagen, daß es für einen selber nicht
mehr paßt. Das gehört aber dazu und das gibt es immer wieder.
Dann kann man selber aber gucken, ob man nicht selber ein anderes Label
findet, das das macht. Wenn
ich mit dem Artist noch mal weiterarbeiten möchte, habe ich auch
keine Lust, möglicherweise mit einem anderen Label verbunden zu werden,
das ich nicht sonderlich schätze. Fauxpas’ muß sich jedes
Label leisten können, es dürfen halt nicht allzu viele sein.
Ich habe schon den Grundsatz, daß ich reinquatsche, wenn mir wirklich
was nicht gefällt und wenn ich das Gefühl habe, daß es
qualitativ hinter das zurückfällt, was erreichbar wäre.
Dann würde ich die Leute bitten, das noch mal zu überarbeiten
und es erst mal aufschieben.
Frage
Antwort: Wenn ich so was machen würde,
würde ich es nicht auf der Basis entscheiden, daß es so was
wie ein kommerzieller Erfolg sein könnte. Dann würde es mir
halt gefallen. Die Sachen funktionieren in einem gewissen Rahmen ja auch,
aber ich mache mir nicht vor, daß es über gewisse Punkte hinaus
geht. Was da teilweise jetzt reininterpretiert wird, sehe ich halt anders,
weil es generell nach wie vor als Nischenmusik angelegt ist. Daß
man da das Maximum auslotet, ist cool, aber auf mehr zu schielen, finde
ich auch ehrlich gesagt unreflektiert.
Frage
Antwort: Sehe ich schon
so. Autorenlabels fand ich
auch immer besser. Zu Beginn war das schon eher als Projektlabel angedacht,
weil ich auch den 7"-Labelgedanken ganz gut fand. Für mich war
die key-Platte die zweite von Bernhard Fleischmann,
wo ich gemerkt habe, daß es zwar irgendwie cool ist, immer wieder
mit neuen Leuten zu arbeiten, es andererseits aber noch viel spannender
ist, einen Artist über einen längeren Zeitraum zu betreuen.
Das ist letztlich die größere Herausforderung, und das andere
Modell des Projektlabels hat sich sowieso im letzten Jahr selbst erledigt,
weil es eigentlich nicht mehr vermittelbar ist.
Frage
Antwort: Es wurde ja immer versucht, das
Label auf diesen Sound festzulegen. Das ist dann immer der Punkt, an dem
es Zeit wird, Haken zu schlagen. Es ist halt hart, Kritik für irgendwas
einzustecken, wenn man im Kopf schon wieder ein halbes Jahr weiter sein
muß. Das ist eine tricky Geschichte. Sachen, die man umsetzt, dauern
teilweise sehr, sehr lange. Ich habe neulich mal daran zurückgedacht,
daß die ersten Artists, die bei mir sind, vor zwei, zweieinhalb
Jahren den Auftrag hatten, ein HipHop-Sublabel zu starten. Das
ist bisher immer noch nicht passiert. Da gibt es jetzt erst die Verbindung
zu den Leuten, die ich interessant finde, zum Beispiel die Anticon-Jungs
und dieses Umfeld. Ich höre privat so was seit zwei Jahren, kaum
noch Elektronica, und das Label war hundertprozentig bis zum Sommer mit
diesen Namen verbunden. Es hat mich ab der zehnten Platte total genervt,
daß das Label in die IDM-Ecke
gestellt wurde, als ich schon komplett mit dem Genre durch war. Deshalb
kamen zu dem Zeitpunkt die Wechsel Garland
und die Tied & Tickled Trio Remixe,
was etwas ganz anderes war. Darüber hat sich die Klientel total aufgeregt,
aber ich verschwand endlich als Thema aus diesen komischen IDM-Mailinglisten.
Ich denke, daß die Gitarrensachen
das jetzt ein bißchen aufgelockert haben, aber da kann ich halt
noch so viel über HipHop reden, [das glaubt man noch nicht richtig].
Prinzipiell hätte ich es gern schneller gehabt, aber die Dinge brauchen
halt nun mal ihre Zeit, und ich finde es auch nicht so supervergänglich.
Die Artists, die da anstehen, finde ich sehr, sehr gut, und wie im Electronica-Bereich
sind es meine Lieblingsleute und deshalb bin ich eigentlich sehr positiv
gestimmt.
Frage
Antwort: Ich denke mal,
da kann man mit der Cocteau-Twins-Klatsche kommen. Das kann jedem passieren,
aber bei 4AD war es so,
daß die releases erheblich schlechter wurden und daß das die
entscheidende Rolle gespielt hat. Nicht, das sie von ihrer Identität
her in einer Falle waren, sondern daß da zu der Zeit ganz viel Schrott
rauskam. Die haben den Qualitätsstandard einfach nicht gehalten.
Das kann genauso gut bei uns passieren, es gibt immer die Möglichkeit,
daß man sich komplett vertut und so in seinem Film hängenbleibt.
Ich hoffe, das passiert mir nicht so leicht. Ich habe
da ganz gesunde skills und auch Leute, die mich auch in irgendeiner Weise
überprüfen. Durch die Artists und den Vertrieb,
in den ich eingebunden bin, habe ich ein viel größeres und
differenzierteres Feedback, was verschiedene Bereiche in diesem Plattenbusiness
angeht. Ich kriege, glaube ich, mehr Information als andere Label haben,
auch wenn die Arbeit härter und aufreibender ist.
Die Gefahr, daß die Artists vereinnahmt werden,
schreibe ich mir auch immer auf die Fahnen.
Bisher sind alle ganz gut damit gefahren, weil das Labelstanding ganz
gut ist, aber ich denke schon, daß es wichtig ist, sich als Label
etwas mehr zurückzunehmen. Damit man irgendwann zu einem "die
neue Platte von dem-und-dem Artist" kommt, statt "die neue Platte
auf dem-und-dem Label". Das bringt mir auch die Möglichkeit,
mehr zu veröffentlichen. Mit dieser Compilation ist es für mich
ganz gut angelegt. Ich werde sicherlich bald wieder eine Songwriter-Platte
haben, weil das auch Zeug ist, das ich privat immer weiter gehört
habe. Es wird eher bandmusikalische Sachen geben, dazu eben auch noch
HipHop, so daß man schwerer greifbar wird. Wenn es für den
letzten klar wird, daß man es nicht mehr mit einem Griff abtun kann
(was es ja Journalisten auch extrem einfach macht), dann gewinnt man eine
gewisse Freiheit, die Artists mehr in den Vordergrund zu schieben. Bisher
war es eher so, daß man als Schutzschild fungiert hat, und es ist
irgendwann Zeit, das zu ändern. Das ist auch mit Sicherheit eine
Aufgabe für mich für das nächste Jahr. Am Anfang ist man
kräftig gebauchpinselt, wenn man als Genrebezeichnung herhalten darf,
wenn in Plattenrezensionen oder Konzertankündigungen steht: "klingt
so Morr-Music-mässig". Aber auf einmal ist da ist auch die Gefahr.
Dann wird das mißbräuchlich benutzt, und irgendwann wird es
auch für Negativbeschreibungen herhalten. Davor muß man irgendwie
die Kurve kriegen.

Frage
Antwort: Die Lebensqualität
in Berlin ist für mich wichtig, denke ich. Dann ist es extrem angenehm
mit der Infrastruktur, die es hier gibt. Zum Beispiel mit den beiden Konzerten,
die ich mir gleich ansehen werde, Windsor for the Derby
und Erlend Øye,
der hier so was wie seinen Tourneeauftakt macht. Der spielt mit Sascha
Steinfurt, der auch so ungefähr aus meiner Heimat kommt. Der ist
einer von seinen Tourmusikern, und mit dem plane ich zum Beispiel auch
ein Solo-Songwriter-Album. Jetzt machen überall wieder Clubs auf
und es gibt viele parallel existierende Szenen, was zum Herumschnuppern
spannend ist. Dann ist es auch so, daß wenn jemand aus dem Ausland
Deutschland besucht, er für gewöhnlich hierherkommt. Ich habe
eine große Wohnung und eigentlich habe ich auch seit Anfang Dezember
durchgängig Besuch. Jetzt ist gerade Thomas Knak da, Mr Opiate. Es
ist sowieso fast immer jemand hier von meinen Künstlern oder andere
Leute, mit denen ich so zu tun habe. Dafür ist Berlin einfach ziemlich
klasse. Die billigen Mieten sind auch ein Riesenvorteil. Es ändert
sich zwar, aber die Lebenshaltungskosten in Berlin sind immer noch erheblich
unter denen in anderen deutschen Großstädten. Das darf man
gerade wenn man etwas startet, nicht vergessen. Wenn man am Anfang geringere
Fixkosten hat, baut sich nicht so schnell so ein Druck auf. Das ist eine
sehr angenehme Nebenerscheinung. ][ amv

Der Titel ist eine Anspielung
auf die erste Morr-Music-Labelcompilation, MM012, Various, "Putting
the Morr Back in Morrissey" 3LP/2CD, und geklaut aus dem San Francisco
Reader , 20.11.2002
MM030, Various, Blue skied
an’ clear (A Morr Music Compilation), 3LP/2CD
Zum Beispiel Limp/Manual
und Future 3 in Dänemark, Styrofoam in Belgien, ISAN in Großbritannien,
Phonem in Frankreich, Solvent in Kanada, Populous in Italien oder Lali
Puna in Bayern.
Die Platte, meint er.
Die Künstler sehen
das offensichtlich auch so, betonen aber auch die Gemeinschaft, die sich
entwickelt hat. Thaddi Kleine von Herrmann & Kleine: "je mehr
künstler man so kennenlernt auf dem label, umso klarer wird, daß
viele die gleichen musikalischen roots haben. anknüpfungspunkte jeglicher
art. das ist schön und wichtig. wir sind schon ein bißchen
eine familie. wenn man sich trifft, ist das immer schön. wir waren
ja gerade auf tour und das hat gut funktioniert. man kann keine 9 leute
für 10 tage in einen bus einsperren, wenn die sich nicht riechen
können. - thomas entscheidet eben, was rauskommt. er hat diese
art von labelsound aufgebaut, der aber in alle richtungen offen ist und
sich auch noch sehr verändern wird, denke ich". Populous: "Every
label, I think, is a kind of community/family. So, Thomas, as head of
the family/house-holder, plays the most important role. He’s the
one who makes everything spinning around." Valerie Trebeljahr bestätigt
diese Sichtweise im Gespräch mit junkmedia.com: "Yeah, it all
depends on that person and, you know, Thomas Morr made this label because
of his music taste. He’s got a very, very strict music taste and
he searches for people that he really likes. If he likes the music but
he doesn’t like the person, you know, he’d never do a record."
MM006, B.Fleischmann, "Sidonie"
EP (vergriffen)
Amerikanisches Indie-HipHop-Label.
Eher weiße Jungs, die über Schleifspuren abstrakte Lyrik in
schrägem Versmaß rappen, als ein partyrockendes Kopfnickerding.
Hoch gehandelt.
Intelligent Dance Music.
Besonders in den USA beliebter Terminus, wobei nie so recht klar war,
wer oder was dabei intelligent zu sein hatte, oder wer dazu tanzen sollte.
MM016, Wechsel Garland,
s/t LP/CD
MM013, Tied & Tickled
Trio, "ea1 ea2 rmx" LP/CD
MM029, MS John Soda,
"Drop=Scene" EP; MM031, MS John Soda, "no p. or d."
LP/CD und besonders die My Bloody Valentine-Hommagen auf MM032, Guitar,
"Sunkissed" LP/CD.
Britisches Label, zwischenzeitlich
in Beggar’s Banquet aufgegangen. Hatte seine Hochzeit Mitte der
achziger bis Anfang der neunziger Jahre. Wie Morr Musik mit durchgezogener,
hochgradig wiedererkennbarer Coverästhetik. Wird häufig mit
der ätherisch-esoterischen Musik von Cocteau Twins oder Dead Can
Dance gleichgesetzt, hatte aber auch mit den Pixies und ihren Abkömmlingen
echte (und sehr erfolgreiche) Gitarrenkracher im Programm und veröffentlichte
mit "Pump Up The Volume" von M|A|R|R|S einen bahnbrechenden
Dancefloortitel.
Hausmusik
Populous: "No one
forced me to work with Morr Music. I always loved the Morr philosophy
and identity (and, as a general rule, all labels with strong and precise
features). I love their artwork, their stickers, their t-shirts and so
on ... So, when Thomas offered me to be part of Morr roster, I did not
hesitate, because I knew what was expecting me". Thaddi Kleine hingegen:
"dieses corporate design gefällt mir persönlich überhaupt
nicht, aber es gibt dann ja immer wieder andere cover (wie bei uns z.b.)"
Melodische Indie-Gitarrenband
aus Austin, Texas.
Hornbebrillter Norweger,
50% Kings of Convenience, Gastsänger bei Röyksopp; auf seine
Soloplatte sind wir sehr gespannt.
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