OUK das einund40ste ± lichtend & sichtend ± Feb/März 03 Gespaltene Töne

TitelgrafikRoman - 5 Minutes To Match - Karaoke Kalk
Über diese Platte könnte man eigentlich gleich ein Buch schreiben. Ein junges Gesicht, ein Name (warum ist da eigentlich vorher noch niemand drauf gekommen?) der gleich ein Fingerzeig ist, in welche Richtung es geht. Ein Debüt-Album, was polarisieren wird.
Die Legende besagt, daß der der 23jährige Duisburger und Neu-Kölner Roman klassische Musik studiert, sich bei Karaoke Kalk-Labelchef Thorsten Lütz nur Informationen über die hiesige Labellandschaft besorgen wollt. Beim Raus-gehen noch kurz ein Demo in die Hand gedrückt, welches dann erst mal eine gewisse Zeit auf dem Schreibtisch lag.
Die Gesichter der Anwesenden hätte ich gerne gesehen, beim ersten Anhören des Demos. Beim ersten Einsetzen dieser Stimme, die einen an so viele Sänger/Innen der POP-Geschichte erinnert. Selten hat Musik in letzter Zeit so viele Referenzen heraufbeschworen, das Tolle dabei: Roman scheint die Bezüge nicht zu kennen! Spandau Ballet, Sade, ABC, Aztec Camera, Haircut 100 sogar Harry Belafonte, Stewart Walker, Robert Wyatt und Sade scheint man hier und da in Stimme, Arrangement und vor allem Instrumentierung und Ästhetik zu vernehmen. Man stelle sich dazu noch vor, daß das Ganze im Laptop komponiert ist (was nicht zutrifft) und man hat ein vage Vorstellung wonach das hier klingt. Die Geister der Geschichte aufzurufen, ist in diesem Falle durchaus legitim, hat man doch das Gefühl dass Roman keinerlei Pop-Ikonen zitieren will, noch scheint er zu wissen, dass er die feuchten Träume der Pop-Ideologen ins Heute übersetzt mit seinem hochmusikalischen Glitsch-Pop. Was in großen jungen Debüt-Platten immer Gültigkeit hatte, weil sie frei von Angst waren und sind. Die Bezüge und Referenzen stecken fest in den Köpfen der Hörer, sie sollten sie für 40 Minuten vergessen.
Die Mischung aus elektronischen Fritzeleien und Beats, akustischen Instrumenten wie Geigen, Akustik-Gitarren und diversen Percussions ist durchaus aufgeräumt und klassisch arrangiert im Strophe-Refrain-Format, der entscheidende Clou ist die nervöse Unschuld, die in dieser Musik steckt.
Gleichzeitig wirft Roman in seinen Texten mit Phrasen nur so um sich, was,solange Farbens letzte EP noch nachhallt, nicht angefochten werden darf, wenn sie richtig sind, wie wir wissen.
Karaoke Kalks Anzeigen in der DE: BUG zierten in den letzten Monaten lediglich Zitate wie: „I don`t believe in popstars, i`d rather like to die“ Wer nicht wusste, was das zu bedeuten hat, der weiß es jetzt nach dieser Platte! Mit dieser Dialektik werden große Pop-Hypes geboren. Nicht schlecht Strobo! ][ f. d`a.

Console - Reset the Preset - Virgin
Der dritte Notwister, der uns in seinem Seitenprojekt mit einer unterkühlten Sängerin kommt. Muß eine Weilheimer Seuche sein. Der Unterschied zu den Acher-Brüdern: hier wird der Computer gerockt, wenigstens auf der „Reset“-Hälfte dieser Doppel-CD. Die Computertastatur in Form der Erz-Hardrockergitarre „Flying V“ und das Motör-head-Shirt auf dem Cover sind mehr als nur ein Witz. Fängt an wie die Chemical Brothers beim Zahnarzt, schaut bei Tom Waits vorbei und legt ein Tänzchen mit Garbage hin. Schade bloß, daß Herrn Console nur der eine („Suck And Run“) oder andere („A+A=B“) Song glückt. Nicht jede Viertönemelodie, die in einem elektronischen Instrumentalstück funktioniert, trägt auch einen Vierminutensong, mit Gesang, Text und all dem Pipapo. Auf der „Preset“-CD hingegen ist man dann wieder ganz in Consoles warm-instrumentaler, wohnlich-organischer, fast kitschfreier Ambientwelt, und alles ist in Ordnung. Taugt sogar zum Hinhören. Schön ist auch das Bonusmaterial, vor allem das Komponier-Spielprogramm „Play Parts“, mit dem man sich kleine Ambientstücke zusammenfrickeln kann. ][ amv

VA - Bis Neun - Areal
Die Areal-Compilation-Mix CD beginnt gleich mit meinem persönlichen Areal-Favoriten von konfekt, einem durchgeknallten Techno-Boogie, der so herrlich durch die Gegend eiert, als wäre es an der Zeit den Blues fuer die 4/4 zu gewinnen. Mit eigenen Mitteln natürlich. Ein opti-maler Opener für diese Mix-CD, die bis auf einen Track, auschliesslich aus Stücken der ersten neun Maxis dieses Kölner Techno / Minimal / Abstrakto-Labels gemischt wurde. Lustig, dass man zu allem, was man über Areal sagen möchte und den vorangegangenen Maxis, auch genau das Gegenteil sagen kann: Areal-Musik ist nämlich straight, fordernd, kopfig, naiv, advanced, geil, abstrakt, poppig, nervig, schön, zurückhaltend, hysterisch u.s.w. Nie gleichzeitig, aber nacheinander und wirklich selten langweilig! Das macht der Mix von Jan Erik Kaiser über lange Strecken schön deutlich, obwohl die rockende tanzbare Seite von Areal auf der CD deutlich die Oberhand hat. Aber das soll ja auch so sein. Die Stücke, von konfekt, metope, basteroid und undo/redo, die Techno dekonstruieren, in seine Bestandteile zerlegen und auf seine Haltbarkeit prüfen, kann man sich ja auf den 12“es anhören.
Jedenfalls eine erholsame mutige Ausnahme in der Labellandschaft, immer bemüht einen Schritt nach vorne und zur Seite zu gehen, Erwartungen zu zerstören, aber unbedingt verständlich zu bleiben. ][ f. d`a.

ComicRené Breitbarth - Solar - Treibstoff
René Breitbarth gelingt mit seiner lange erwarteten Debüt-LP ein seltener Spagat: die geschickt durch das Gefüge aktueller Minimal-houseästhetik mäandernden Tracks bedienen sowohl träge in ihren Sofas herumlungernde Listeningfreaks, als auch tanzwütige Zappelphillips, ohne dabei den Fluß des Albums aus dem Gleichgewicht zu bringen. Flächige Gelassenheit verliert sich mystisch in druckvollen Vierviertel-Landschaften und hüllt den Hörer in eine Wolke zufriedener Entspannung. Die Platte fügt sich damit erfolgreich in den qualitativ hochwertigen Treibstoff-Kosmos ein und erweitert die Hall of Fame herausragender Kölner Tech-House-Produktionen. ][ motik

Leme - Passion’n’Patience
Domenico Ferrari - Commute - beide Straight Ahead
Das schweizer Label Straight Ahead geht das neue Jahr also forsch mit zwei Alben an. Leme bevorzugt dabei die poppiger klingende Variante, in dem er seine 13 (Intro und Outro nicht mitgerechnet) Songs in diverse, unterschiedliche Gewänder hüllt – Soul, R’n’B, Pop – all das schimmert auf 70 Minuten mal mehr, mal weniger offensichtlich durch. In deutlicher Anlehnung an Vikter Duplaix offenbaren sich hier anschmiegsame Hymnen (If They Wanna Fly Away), Stücke der rockigeren Art (Addicted To Rhythm) und folkiges (Live Your Life). Die klare Linie drückt „Passion’n’Patience“ vielmehr durch seine Soundästhetik als durch die Komposition an sich aus, auch wenn beim Hören auffällt, daß alle Stücke klar strukturiert und durcharrangiert sind.
Domenico Ferrari hingegen bevorzugt die etwas verspieltere Produktionsweise, gibt seinen Stücken einen Hauch von Soundtrackhaftigkeit mit auf den Weg, ohne dabei das wesentliche aus den Augen zu verlieren. Leidenschaftlich läßt er Baßläufe, Gesang und Drum-Patterns zu sich meist dezent zurückhaltenden Grooves verschmelzen, gibt den einzelnen Stimmen genügend Raum, um neben der Stimme Latasha Diggs’ bestehen und bestechen zu können.
Anhand beider Alben läßt sich gut dokumentieren, wie sich die Musiker, die sich um Alex Dallas und sein Label gesellen, stetig in Richtung ausgereifter (Soul)Kompositionen bewegen. Leme geht dies ganz klar pragmatischer, souliger, aber in gewisser Weise auch leidenschaftlicher an. Domenico Ferrari hält sich dagegen mehr im Clubkontext auf. Er läßt nicht nur die Sprache der Bassdrum, sondern auch seine eigenen Erzählungen sprechen, versucht, seinen Stücken Raum und Tiefe zu geben und ist für mich deshalb der vielversprechendere von beiden. ][ mb

Studio One Story - Soul Jazz Records
Inzwischen dürfte es auch dem letzen klar sein: Studio One war eines der großen, stilbildenden und Stil definierenden Labels, da oben mit zum Beispiel Motown, Blue Note oder Deutsche Grammophon. Wer sich selber immer noch über den „Reggae geht mir am Arsch vorbei“-Kamm scheren will, kann das zwar gerne tun, muß aber wissen, daß das genauso blöd ist, wie pauschal zu sagen, man möge keinen Soul oder keinen Jazz. Soul Jazz Records setzen jetzt ihrer vorbildlichen Ausgrabungsarbeit der letzten beiden Jahre die Krone auf und schließen die Studio One Serie mit einer opulenten Deluxe-Packung mit vierstündiger DVD ab. Auf der Platte sind ein paar der ganz großen Studio One Hits (die man allerdings im Zweifelsfall schon hat) in wie üblich exzellenter Tonqualität; auf der DVD kommen die wesentlichen Protagonisten zu Wort. Natürlich steht hier mit Clement „Sir Coxone“ Dodd der Labelgründer und -besitzer im Mittelpunkt; thematisch liegt der Schwerpunkt vor allem auf der Frühzeit des Reggae, Anfang der Sechziger Jahre. Vieles, das man in den Interviews erfährt, ist nicht neu und nicht alles muß man wörtlich nehmen. Ich persönlich hätte gerne mehr über die Siebziger erfahren, in denen die Brentford Street Allstars Reggae-Funk-Fusionstücke aus den Ärmeln schüttelten, bei denen einem noch heute der Schweiß auf der Stirn steht. Leider ist auch der jamaikanische Akzent häufig ziemlich kryptisch, so daß gelegentlich die Untertitel die einzige Entschlüsselungshilfe darstellen. Was man der DVD allerdings nicht hoch genug anrechnen kann, ist dass sie bildlich deutlich macht, daß diese unfaßbar gute Musik unter unfaßbar schlechten Umständen entstanden ist – es kann angesichts von vermüllten, leeren Grund-stücken, baufälligen Hütten und schäbiger Kleidung kein Zweifel daran bleiben, dass Jamaica ein Land der dritten Welt ist. Ganz ohne jedes unangebrachtes Drittweltladen-World-music-Entwicklungshelfersyndrom wird deutlich, daß Studio One eines der Zentren einer der großen Kulturleistungen der Geschichte war. Wird 13 Brentford Road in Kingston demnächst UNESCO-Weltkulturerbe? ][ amv

VA - Future Sounds Of Jazz Vol. 9 - Compost
Tief gegraben wurde beim Zusammenstellen der allseits bekannten Münchner Compilationreihe seit jeher. Das es in all den Jahren nie an Perlen mangelte, liegt vorallem in der Wendigkeit, die Michael Reinboth und seine Helfershelfer beweisen - stets strecken sie beim zusammenstellen dieser Compilationreihe ihre Fühler in neue Richtungen aus, lassen Hypes hinter sich und nehmen sich stattdessen neuen Stilen an. Nummer Neun weist 12 Stücke auf (davon sieben bislang unveröffentlicht), die im Gegensatz zu vielem anderen, was im letzten Jahr veröffentlicht wurde, keinen belanglosen Durchschnitts-Computer-Jazz darstellen. Vielmehr liegen ihnen ausgereifte Ideen und genügend Pathos zugrunde, um sowohl auf dem Sofa als auch auf der Tanzfläche zu funktionieren. Wem das immer noch nicht reicht, mag hier auf die beiliegende 3D-Brille hingewiesen werden, mit dem das Cover erst richtig zur Geltung kommt. Future Sounds Of Jazz Vol. 9 ist jedenfalls eine der wenigen Compilations, die man sich dieses Jahr zu Gemüte führen sollte. ][ mb

Danny Tenaglia Choice - A Collection of Classics - Azuli
Man mag ja von Azuli Records mittlerweile halten, was man will, für ihre Choice-Reihe haben die Londoner schon einen kleinen Orden verdient. Nach Frankie Knuckles und Francois Kevorkian ist nun Danny Tenaglia am Drücker. Auch wenn der Mann in den letzten Jahren eher durch seine Affinität zu „progressiveren“ Musikrichtungen wie Trance und allerlei anderem Mumpitz auffiel, hier macht er seine Sache gut. Tenaglia gab ja auch nicht immer den Ibiza-Großraumdiscotheken-Clown, sondern stand mit seinen frühen Arbeiten (meist mit Unterstützung des äußerst talentierten Keyboarders Peter Daou) für Strictly Rhythm, Fourth Floor oder Maxi (man erinnere sich nur an das großartige Instrumental von Daphnes „When You Love Someone“) durchaus in einer Phalanx mit anderen Deep House-Recken. Nun ja, irgendwann kam sein Album für Twisted, das da „Hard & Soul“ hieß und zusammen mit seinen Spezis Eric Kupper, Oscar Gaetan und Ralph Falcon, die letzten beiden sind auch als Murk Boys bekannt, folgte man dem Ruf des Erfolges. So wuchsen zwar seine DJ-Gagen in unerreichte Höhen, aber mit dem kreativen Output der frühen Jahre konnte der Mann nicht mithalten. Zumindest, wenn man die konservative Meßlatte anlegte. Nun besann sich der Mann, der niemals seine Kappe absetzt, seiner Wurzeln. Begleitet von unterhaltsamen und informativen Linernotes versammelt Tenaglia eine Auswahl dessen, was ihn in der Vergangenheit so umtrieb, großzügig auf vier Schallplatten respektive zwei CDs. Da trifft Adeva auf den Electro-Klassiker „Was Dog A Doughnut“ von Cat Stevens, Tony Cooks „On The Floor“ geht im Boyd Jarvis/Timmy Regisford Mix mit Hugh Masekelas “Don’t Go Loose It Baby” spazieren und wird gefolgt von der wunderbaren Sylvia Striplin mit „Give Me Your Love“. Danny Tenaglia hat sich nicht lumpen lassen und die meisten Tracks selbst neu editiert beziehungsweise seiner Meinung nach aktualisiert. Zum Glück ist er dabei behutsam vorgegangen und hat seine momentanen Neigungen außen vor gelassen. So gibt es z. B. von Frankie Knuckels „Whistle Song“ eine neue Version, für die Peter Daou einige Overdubs eingespielt hat und Tenaglia ist es sogar gelungen aus dem recht käsigen Nomad „I Wanna Give You Devotion“ einen passablen Hit zu schustern. Alles in allem bricht der Mann eine Lanze für dance music, wie sie der New Yorker gerne buchstabiert, und verdient dafür unseren vollen Respekt. ][ janson

Joakim - Fantomes - Versatile
Führt da wirklich einer Versatile aus dem manchmal dann doch sehr langweilig gewordenen “Versatile-Sound” heraus? Joakim, seines Zeichen Teil des TigerSushi-Konglomerats, experimentiert auf „Fantomes“ mit einer gewagten Mischung aus 80er-Soundästhetik, Soundforschung und skurriler Elektronika. Keine unverblühmten Housebeats erwarten hier den Hörer, sondern 65 spannende Minuten, in den Soundkreationen aufeinandergeschichtet werden, klassische Vocoder-Chöre triumphal die Stimme erheben und Electro-Tracks im besten Stile der frühen 80er den Elek-tronika-Charakter durchbrechen. ][ mb

Pest - Necessary Measures - Ninja Tune
Super Numeri - Great Aviaries - Ninja Tune

Klar, daß bei Ninja Tune ständig Demos reinregnen, deren Verpflichtung gegenüber dem hypernervös-verspielten Freestyle-Funk von Black & More von allen Eigenheiten die deutlichste ist. Die Frage ist, ob sich die Ninjas mit der Veröffentlichung einen Gefallen tun: Pest reisen mit +8 durch die bekannten Gefilde – Orgelfunk, Syntiepop, Breakbeat – und beömmeln sich darüber, wenn in einem Break mal das Wort „Knopfloch“ fällt. Titel wie „Dr Umz“ oder „herd yer bird moved in“ sprechen für sich, wobei letzterer eher zu den Treffern zählt, die bei einer solchen Produktion unvermeidlicherweise abfallen, und die als 12" sicherlich Sinn in der Sammlung machen. Dennoch: Funki Porcini, Clifford Gilberto undwiesiealleheißen haben auf diesem Gebiet vor 5 Jahren schon für verbrannte Erde gesorgt, und für noch mehr höheren Blödsinn vermisse ich die künstlerische Notwendigkeit. Auch bei Suoer Numeri fällt der Apple nicht weit vom Stamm, aber das Miles Davis’ „In a Silent Way“ in Erinnerung rufende Intro macht bereits deutlich, daß hier zuvörderst der alte Onkel Jazz der Vater der Gedanken war, und von solchen Gedanken kann ich mich auf „Great Aviaries“ schnell und gerne einlullen lassen (auch wenn's dafür keine Sitar braucht). Ist der Schlagzeuger erstmal aufgewacht, entfaltet sich ein zeitgemäßer Postrock/Jazz-Bastard, der auf ECM ebenso gut aufgehoben wäre und gegen das zurecht vielgepriesene Album von Jaga Jazzist qualitativ nicht sonderlich abkackt. Etwas weniger Pathos ist manchmal mehr, aber diese Baustelle sollten wir im Auge behalten. ][ mandel

Tiga - DJ-Kicks - !K7
Schlecht gesinnte Zeitgenossen sollen die DJ-Kicks-Reihe ja – zumindest was deren Qualität angeht – bereits abgeschrieben haben. Zuge-geben, weder Victor Duplaix noch Playground konnten mit ihren Beiträgen zur (ehemaligen) Vorzeigecompilation so richtig überzeugen. Dementsprechend gering bis gar nicht vorhanden sind auch die Erwartungen bei Tigas Mixtur aus Elektro, House und baßlastig-funkigem Allerlei. Aber Pseudo-Eighties-Revival hin oder der fade Beigeschmack von Tigas „Sunglasses at night“ Version (was haben wir gekotzt) her – diese Platte rockt wie viel zu lange schon nichts mehr aus dem Hause !K7. Vertreten sind unter anderem Le Tigre, Swayzak, Tutto Matto, Sir Drew, Soft Cell (!!!), Martini Brös sowie Tiga selbst. Einzig 2Raumwohnung bleiben mit „Ich und Elaine“ bei der ansonsten durchweg lobenswerten Titel-Auswahl zu beanstanden. Die auf dem entsprechend ungemixten Vinyl vertretenen Titel dieser DJ-Kicks bestärken den überraschend euphorischen Eindruck des Rezensen-ten. DJ-Kicks are back in town! ][ feindsoul

E-Z Rollers - Titles Of The Unexpected - Moving Shadow
Jay, Alex, Sängerin Kelly Richards und MC Jakes haben es wieder getan: ein Album. Nummer drei. Zunächst finden wir viele straighte, funkig housige Drum’n’Bass-Nummern, die doch etwas an Peshays letztes Album erinnern, wobei nicht ganz soviel rumgefiltert wird. Tracks wie „Back To Love“ klingen ein bißchen abgefrühstückt und reichen auch nicht an z. B. „RS 2000“ ran. Die Vocals von Kelly hätten ein wenig reduzierter vermutlich mehr erreichen können. Interessant werden die Tracks, die sich zwischen HipHop, Downbeat und Dancehall bewegen und mit zahlreichen Gastspielen, wie etwa HipHop-Legende Doug E Fresh oder Soul-Diva Sharon Brown geschmückt sind. „You’ll Never Know“ könnte so ein kleiner Hit werden. Überraschende, gewichtige Kaliber werden dann am Ende ausgepackt, die den typischen E-Z Rollers Sound nochmal gekonnt ergänzen. Trancig und energiegeladen wird „Dust“ die Tanzflächen abräumen. Insgesamt sehr vielseitig, immer ein wenig am Pop kratzend, aber kein Album des Jahres. ][ lightwood

ComicThetaphi - Licentious Lane - New Line Deluxe
Beim zweiten Minialbum von Thetaphi (die zwei griechischen Buchstaben...) wird einem bewußt, daß die extreme Verspieltheit Stilmerkmal der beiden Tübinger ist. Die sechs Tracks strotzen voller Ideen und Samples. Anmutende Choräle, wilde Computersoundmelodien und nicht zuletzt die Vocals von Brigita Ferencak und Verena Basler sorgen für die einzelnen Noten. Wesentlich klarer und übersichtlicher strukturiert als beim letzten Album, kommt mehr Licht in die Angelegenheit. Zwei schwere Slowmotion-Downbeat-Tracks bilden einen schönen Kontrast zu den doch recht hektisch nach vorne gehenden Drum’n’Bass-Stücken. Ein bißchen mehr Abwechslung und Biss bei den Beats könnte noch gut tun, ansonsten: gelungen. Erwähnenswert mal wieder das sehr schicke Cover. ][ lightwood

VA - Jazz & Bass Sessions Vol. 4 Pt. One
Der vierte Teil der jazzigsten Compilation seit es Kontra-bässe gibt, steht in den Läden. Zwar ist der Name weniger Programm als noch bei Teil 3, dafür rollen die vier Tracks von John B, Zen, Influx Datum und Labelboss DJ SS himself ganz gewaltig. Liquid Funk dürfte als passender Oberbegriff für das schmucke Stück Doppelvinyl langen und Freunden wie auch Gegnern dieses Sounds eine klare Ansage sein. Zwar kommt der wegweisende und innovative Aspekt im Vergleich zu den Vorgängern etwas zu kurz, dennoch werden qualitative Maßstäbe zwar nicht neu gesetzt, zumindest aber problemlos erfüllt. Die veröffentlichungspolitische Entscheidung, die Compilation auf zwei Parts anstatt auf ein komplettes Album zu verteilen, dürfte den positiven Ruf der Jazz & Bass Sessions auch potentiellen Nicht-Album-Käufern vermitteln. ][ feindsoul

VA - Space Odyssey - Feinkost13
Der wilde Osten. In Leipzig sieht die Street-Love-Parade etwas anders aus: man demonstriert hier nämlich noch zu Themen wie Menschen-rechte, Drogenpolitik, Freie Medien und bringt auch eine etwas ausgefallenere Compilation an den Start, auf Vinyl versteht sich, in 300er Auflage und oben drauf noch als Picture Disc getarnt. Gerissen, größenwahnsinnig und absolut einzigartig. Neun Artists aus Leipzig geben sich die Ehre. Mit Demo-O-Ton-Schnipsel aneinandergekettet, findet man eine angenehme Mischung zwischen Drum’n’Bass, Downbeat und Electronica, die am Ende durch eine Punk-Nummer aufgewirbelt wird. Die zwei Highlights hat man sinnigerweise auf eine Seit gepackt, sodaß sie etwas breitere Rillen genießen als die sieben Stücke auf der Flipside. LXC fährt komplexeste Beatgeschütze auf, angereichert mit Oldschool-haltigen Sounds und Stakkato-Lacher. Erinnert irgendwie an alte Razor’s Edge 12“s, kommt aber wesentlich krasser daher und garantiert zur richtigen Zeit totales Ausrasten auf der Tanzfläche. It’s time to drop the science! Die Smooth Pilots steppen sich hingegen gemütlich ein und lassen genug Platz für ein dezentes Trompetenspiel. Wahrlich ein Liebhaberstück. Mehr Infos und Bestellmöglich-keit unter www.feinkost13.org ][ lightwood

Andy Vaz - 6-6 - Soundvariation
„Das Label ist ein gallisches Dorf“ steht zu lesen auf der Kompakt-Seite. Danke Riley, für diese Anregung! Vaz`unbedingter Willen, seinen persönlichen musikalischen Entwicklungsprozess abzubilden, bedingt auf Soundvariation den kompromisslosesten Umgang mit Minimal-Techno, den es heute zu kaufen gibt, aus seiner ganz eigenen Sicht. Das Konzeptionelle steht damit noch stärker im Vordergrund als bei seinen Labels Background und A Touch Of Class. Wer dem Dorf Soundvariation näher kommt und nicht guten Willens ist, kann gleich draussen bleiben. Die 6-6 nimmt wieder den unglaublichen musikalischen Abstraktionsgrad der zweiten Maxi auf, wo die Variation der Sounds (!!) immer und immer wieder seine Bahnen drehte. Eine Platte, wie ich sie noch nie vorher gehört hatte und die mich erst packte, als ich mit einem dicken Kater morgens den ersten Kaffee trank. Die Sinne noch vernebelt, schien ich zu verstehen! Dieses ... ähm, ja ... psychedelische Kammermusik-Gewurschtel hat Vaz durch immer feinere Arrangements erweitert, die Produktiosmittel hat er immer besser im Griff, alles wirkt ausgefeilter, seine Tracks wurden mit mehr Tricks versehen, aber der Habitus bleibt: der punkigste Techno zur Zeit, aber das Gegenteil von Rock! ][ f. d`a.

Henrik Schwarz - Supravisisons EP - Moodmusic
Freestyle Man - The Scene EP - Moodmusic

Wahlberliner Henrik Schwarz schaut mit seinem ersten Release für Moodmusic kurz auf einen Tee bei Theo Parrish vorbei. Der Titel „Marvin“ ist dann auch durchaus programmatisch zu verstehen und die Ausdehnung auf eine ganze Seite kommt Anhängern der langatmiger Entwürfe entgegen. „Say Say Say“ und „Forbidden“, das Henriks Freunden am Bodensee Tribut zollt, entwickelt dann stärker eine eigene Handschrift. Von einer eigenen Handschrift kam ja auch beim Freestyle Man sprechen. Für die Verfeinerung derselben nimmt er sich auf seiner neuen EP mehr Zeit als genug und bewegt sich auf den beiden Tracks irgendwo zwischen late night House und leichten Acid Referenzen. Ach ja, die Stimme auf „You Never Let Down“ gehört dem berühmt-berüchtigten George Spruce. ][ janson

Frivolous - 40 inch EP - Background 031
Background hat eine neue hochkarätige Künstlerriege etabliert. Mit Portable (Südafrika/London /neue Maxi in der Pipeline) hat er meinen Mann der Stunde im Boot. Dave Miller aus Australien hat mit seinen beiden Maxis bewiesen, dass er der kommende Mann sein kann und der Kanadier Frivolous ist sowas wie ein heimlicher Liebling. Bei allen geht der der Trend hin zum Songhaften innerhalb des kleinen und doch so grossen Kosmos Minimal. Tracks, die also Geschichten erzählen, wo Melodien ihren Platz haben, aber immer klar bleibt: hier handelt es sich um Techno. Frivolous ist der lustigste von allen. Sehr leichte Tracks, fast oldschoolig, minimaler als Strand (Delsin) z.B aber mit ähnlich fluffiger Athmo. Wenn Clear sich Richtung grade Bassdrum bewegt hätte, wäre wahrscheinlich etwas ähnliches dabei herausgekommen. Das überstrapazierte Wort Deepness wird wieder seiner alten Bedeutung zugeführt. Deepness bedeutet eben nicht unbedingt langsam, schwer, mollig, verhalten oder pathetisch.Tiefe kann auch für das zwischen-den-Zeilen-lesen sthen, das versteckte Element, subversive Kunst, der Funk der sich durch die Leerstellen zeigt. Frivolous macht Musik für alle Tätigkeiten, die man sich so beim Musikhören vorstellen kann. Gute Laune auf Background. Wer hätte das gedacht? ][ f. d`a.

Franck Roger & DJ Deep - In & Out Ep - Straight up
Franck Roger hat ja schon mit seienr etwas zurückliegenden Kollaboration mit DJ Roy bewiesen, daß er austeilen kann. Zusammen mit DJ Deep hat er eine dieser seltsamen Platten gebastelt, die tonnenweise amerikanische Kohle in den Heizkessel werfen, nur um dann doch wieder nach Deep House französischer Machart zu klingen. Hier gibt es vier Tracks, die allesamt auf eine Club-PA hoffen und ohne deren Erwerb man vielleicht nicht unbedingt ärmer, aber bestimmt auch nicht reicher wäre. Gutes DJ-Futter ist das hier allemal. ][ janson

ComicStill - Love From Room 232 / Anodyne - Bomb Mitte
dälek - s/t 7” - musicismyheroin

Das erste Release des neuen 7-inch-Labels mit dem vielsagenden Namen Bomb Mitte bestreitet Still, seines Zeichens Plattenkratzer bei dälek und definitiv einer der lärmverliebtesten seiner Zunft. Seine Performance-Ästhetik hat er auf der Durchreise, im Hotelzimmer oder auf dem Flughafen im Laptop zusammengepusselt: einen hypnotischen Gitarrenloop, der lange offen vor sich hinschwingt, bis ein Bollerbeat die Dinge wieder klar rückt und es ein amtliches dälek-Instrumental sein könnte. Die Rückseite ist eine Übung in der Kopplung von Digitalnoise, gefolgt vom vermutlich ersten Hiddentrack, der je in eine 45er geschnitten wurde. A propos: die dälek 7-inch, die das Trio aus New Jersey auf seiner Tour durch die deutsche Provinz – nach Dürmentingen (Klangbad) nun Monheims finest Kleinlabel musicismyheroin – mal schnell fertigproduziert hat, spielt man auf 33 und bekommt dafür einen eher freien Track – däleks Stimme über einer weiteren Improvisation von Still - und einen amtlichen dälek-Stomper mit dem schönen Titel Halte deine Standhaftigkeit in Ehren. In diesem Sinne: viel Glück bei Aufspüren eines der anderen 499 Exemplare. ][ mandel

Das Bierbeben - Wir sind - Shitkatapult
Auch Shitkatapult enthält sich nicht einer Stellungnahme zur allgemeinen 80er-Plünderung, kann aber mit „Gnadenlos“ einen Track für sich verbuchen, der das gesamte Genre in einer Nußschale zusammenfaßt und damit eigentlich auch für beendet erklären könnte. Der Text kommt noch dazu von einem der schillerndsten Punks der Republik, Tommi Stumpff, und hat bereits gute zehn Jahre auf dem Buckel. Weitere Lyrics, in der Regel vorgetragen von zwei dünnen Stimmchen (laut Info: „Der Osten“ und „Der Westen“), die sich die Hamburg/Berliner Kapelle mit wer weiß welchen Versprechungen ins Studio gelockt haben, exerzieren, stellvertetend für die Musiker Alfred Bierlek, Wolf Dosenbiermann und Brian Vino eine Mischung aus gesundem Weltekel mit bierseligem Hedonismus („Wir sind und wir bleiben die Unreparierten“). Dazu unbekümmert pluggernde Synthiebässe wie von Muttern und alles was man von Malaria, Liasons Dangereuses und DAF so gelernt hat. Unser Tip: auflegen, und wenn einer fragt, ob ihr noch mehr Elektroclash in der Kiste habt, gleich’n paar aufs Maul. ][ mandel

Needs - Lost Tracks Vol. 1 - Needs Limited Edition
In den letzten Monaten wurde über Needs und deren Taten ja auf diesen Seiten schon genug Tinte vergossen. Also nur so viel, der neueste Streich ist streng auf 1000 Stück limitiert, präsentiert die bisher unter den Tisch gefallenen Stücke „Feel Mix“ so wie den Anspieltipp „Piano Groove“ und dürfte demnächst vergriffen sein. ][ janson

Simpson Vaults pres. Slave - Just A Touch Of Love - Reel 1
Old Schooler Paul Simpson, der bereits in den Achtziger Jahren für Labels wie Easy Street oder Ace Beat in die Tasten haute und als Studiomusiker bei einigen Größen New Yorker Club Music fungierte, legt hier den ersten zuvor unveröffentlichten Edit aus seinen Archiven vor. Slave waren eine der populärsten Funk- und Synthiesoul-Bands der frühen Achtziger. Im „Long 11 Minute Love Mix“ entwickelt sich deren „Just A Touch Of Love“, mit dem auch Kenny Dope gerne mal seinen Sampler lädt, zu einem wahren Feuerwerk der guten Laune. Simpson hält sich dabei an den Re-Edit-Ehrenkodex und verzichtet auf unnötige Spielereien. Nur der Dub Mix auf der Rückseite wird um ein kleines Synthiesolo bereichert. Definitiv die angenehmeren Achtziger, wenn sie wissen, was ich meine. ][ janson

Charles Webster - It’s Not What It Was - Dance Tracks
Auch wenn der Schotte nicht erst seit gestern im Rennen ist und schon das ein oder andere mal zu verzücken wußte, gehört er nicht unbedingt zu den verlässlichsten Vertretern der Zunft. Zu oft läßt er den Hörer mit einer gewissen Ratlosigkeit zurück. Mit dem neuen Release auf Dance Tracks verhält es sich anders. Angeblich schon vor knapp zehn Jahren entstanden, passen „It’s Not What It Was“ und „Fantasy Situations“ nicht nur durch tightes Mastering hervorragend ins momentane Geschehen. Der Titeltrack würde auch einem Label wie Spiritual Life gut zu Gesichte stehen und die Flipside weiß durch geschickt eingesetzten Stoizismus wohl auch Freunde der stumpferen Kost zu überzeugen. ][ janson

Fenin - Driven EP - Meteosound
Mapstation feat. Ras Donovan - Version Train - Staubgold

Das sind Karrieren: Ehemaliger Gitarrist einer Roots-Reggae-Band entdeckt seine Spiritualität durch Berliner Knister-Dub. Das stilbildende brrtzln ist auf dieser Debut-EP nicht so prominent verteten, die schlanke, leicht verrauschte Basic-Channel-Ästhetik bleibt für Hauptstädter jedoch weiterhin verbindlich, und man fragt sich schon, wie lange das noch gut gehen soll. Fenin kriegt die Kurve, indem er der Bassdrum mal einen leichten Steppaz-Schubs, mal eine kniffelige Synkope verpaßt und mit einigen arrangierenden Handgriffen dafür sorgt, daß den Tracks nicht auf der Mittelstrecke die Luft ausgeht. Dennoch erstaunlich, wie ein Sound, der vor wenigen Jahren als hypermodern Geschichte machte, kaum noch Auswege erkennen läßt.
To Rococo Rot Bassist Stefan Schneider ist’s, der mit Mapstation einen Schritt weiter macht: abstrakter und entfremdeter verhielt sich wohl nie ein Arrangement zu den Reggae-gesättigten Vocals. Ob Sänger Ras Donovan erst einen Roots-Track gevoicet hat, bevor Schneider daraus das bestrickend tröpfelnde Stück Gravity machte? Eine interessante Liason jedenfalls aus verregneter teutonischer Schwermut und westindischem Soul. Musik, bei der Teiche zufrieren. Geht es danach wirklich weiter? Was liegt dahinter? ][ mandel

Akwaaba - Munkey - Disfunction
Federführend bei Akwaaba ist ein gewisser Steve Kotey, seines Zeichens Master-mind von Hairy Claw und dem völlig wahnsinnigen Big Bear Label, das sich ziemlich auf obskure Disco-Edits versteift hat. So einer ist auf dem Label der ebenso völlig wahnsinnigen Idjut Boys natürlich bestens aufgehoben. „Munkey“ fügt sich als Disco Dub demnach auch perfekt in die fazed and twisted Soundästhetik der britischen Humoristen ein. Als Bonus gibt es noch einen Remix von Noid Player Sir Raymond Mang, der dann aber doch ein bißchen zu doll daherkommt und eher in der Beatversion zu überzeugen weiß. ][ janson

RJD2 - The Horror / Smoke and Mirrors - Def Jux
Die US-Presse hat’s gemerkt und ausposaunt, und so eine steile Vorlage soll man ja nicht unverwandelt lassen: RJD2, der optisch aus der Art geschlagenste Act auf Def Jux (genauso käsig wie El-P, dabei nur halb so breit) zeigt sowohl Moby als auch DJ Shadow, wie’s richtig dick klingt, ohne dabei übertrieben eitel zu wirken. Ja, er hat sogar etwas vom Fatboy Slim’schen Killerinstinkt, was die Breaks betrifft, und die Verheerungen, die sie auf einem vollen Dancefloor anrichten können. Auf Albumlänge kommt das alles doch etwas verspielt und um der Effekte willen aufgeblasen, diese 12” faßt aber die wesentlichen Vorzüge des DJ-Producers (der, wenn’s sein muß auch eine passable Beatbox auf der Pfanne hat) in der angemessenen Zeit zusammen: Kompressor-Rare-Grooves mit dem extra-brassy Punch (The Horror) und melodisch-leutseliges Blues-Faking mit Vocals (Smoke and Mirrors). ][ mandel

Wefunk! presents The Dancer’s Groove 12” Vol 1. - 6.0 Records
Ominöses Bootleg aus den Vereinigten Staaten, dass die Stücke „We’re On The Move“ und „Salsa House“ (hat entgegensetzter Erwartungen mit Richie Rich nix zu tun) vereinigt. Beide klingen schwer nach Juwelen aus der längst vergrabenen Detroit-Chicago-Schatzkiste und es will mir partout nicht einfallen, wie die Originale heißen. Sachdienliche Hinweise bitte an die Redaktion. Rockerplatte des Monats. ][ janson

Shawn Rudiman - Rubin’s Place - Technoairaudio
Rudiman, Shawn ist wohl kein Frischling mehr. Stöbert man mit Hilfe von Google nach seinen Spuren, fällt auf, daß der Mann schon die eine oder andere handelsunübliche Technoplatte ausgespuckt hat. So kann man wohl auch „Martini Kiss“, „Solitude“ und „Shakedown“ wohl irgendwie grob in die Ecke Tejada-Lig-Duvante stellen – mit all den damit verbundenen Flüchen und Segnungen. Der Grund auf „Rubin’s Place“ aufmerksam zu werden, ist an erster Stelle die Tatsache , daß mit „Rainy Days And Nights“ ein Stück Musik, zwischen Song und Track schwankend, ein bißchen was von der Freshness verbreitet, die heute einige gern für sich reklamieren und die den meisten dennoch fehlt. Abgesehen davon ist das einfach tolle Heulsusenmusik für Typen, die nah am Wasser gebaut haben und Maximilian Hecker trotzdem für einen Whimp halten. ][ janson

Focus - Marvin Is One - Versatile
Phil Ashers Sohn heißt scheinbar Marvin und wurde kürzlich ein Jahr alt. Grund genug für Asher, die Platte danach zu benennen und statt gebrochenen West-London-Beats oder Nu-Garage jetzt Techno-House (sic!) zu machen. Den Phlash hat man selten so gehört und komischerweise funktioniert das irgendwie. Nebst dem Titel in drei Mixen gibt es noch einen Beat namens „Hal“, der den Reggae zurück ins Haus holt und irgendwie wieder mehr nach Vintage-Asher klingt. Ob das jetzt gut ist oder nicht, darf jeder selbst entscheiden. ][ janson

Big Bang - Pressure (Fini Dolo Rework / S. Attias Rework) - Arision
Manchmal wird es erst im dritten Anlauf recht. Nach Domus Remixen und dem Original selbst, kommt mit diesen neuen Bearbeitungen endlich tanzbares Leben in Simone Seritellas Stück. Ein einfacher, ungebrochener aber eben groovender Housebeat, sympathische Synthie-Akkorde und die „Pressure-Vocals“ dürften so endlich auch auf der Tanzfläche genießbar sein. Klar, ein quasi-virtuoses Saxophonsolo darf natürlich nicht fehlen, dank seiner Kürze kann man es aber geflissentlich überhören. ][ mb

ComicL.I.F.E.Long - Incredibly Fresh b/w L.I.F.E. & At Sundown - Cajo Communications
Der New Yorker Rapper verdiente sich erste Meriten als Teil der vor allem für ihre Battlekünste bekannten Crew Stronghold. Mittlerweile ist er als Sidekick von Mike Ladd unterwegs, mit dem er die Upperclass-Verarsche Majesticons ausheckte, dem Nachfolgeprojekte der wunderbaren Infesticons-LP (beide auf Big Dada). Die drei Tracks auf seiner 12" bringen sein Talent auf den Punkt: Incredibly Fresh, produziert von dem Japaner Spier1200, hat die größte Ohrwurmqualität und die minimalistische Dichte, die die meisten Platten des Marktsegmentes Indie-Hop-Hop aufweisen können, allerdings nicht immer in dieser Frische. L.I.F.E. ist der Battle-Track und geht als okay durch, wer kann, der kann eben ... und muß offenbar auch manchmal. Sundown, ebenfalls ein Spier1200-Beat, versetzt und von der Battlestage auf die staubigen Straßen eines Wildwestkaffs. Unterm Strich: mit allen Instrumentals eine Menge Musik für eine 12". Wer einen gutgeölten Importweg zu seinen Connections zählt, sollte nach der Scheibe Ausschau halten. ][ mandel

Dutch Rhythm Combo - Go Dutch EP! - Pulver
Felix Haaksman, alter Stuttgarter Bekannter, gibt den Pulver-Veröffentlichungen eine neue Stoßrichtung vor. Jazzig swingend experimentiert er mit Gesang, dröhnenden Synthesizern und eben swingenden Beats. Minimal und zurückhaltend säuselt einem Anniks Stimme während des ersten Stücks ins Ohr und kurz-fristig mag man dem Schluß erliegen, daß sie das Heft in der Hand hält. Der nachfolgende Track belehrt einen aber sogleich eines besseren: Pumpende Beats und tieftönende Bässe treiben das Tempo voran und immer noch gibt sich das alles äußerst minimal, dubbig aber sehr geschickt durchdacht. Die B-Seite wartet mit dem namensgebenden Track auf, der sich in gelassener Downbeat-Manier gibt. Ein discoid geschrammelter Gitarren-Lick sorgt für den Swing, knarzende Bässe für den Druck. Eine willkommene Abwechslung im Pulver-Katalog. ][ mb

$tinkworks - Drexion Caves - Keynote
Name und Optik der Platte sind ziemlich eindeutig als Nachruf auf Drexciya zu verstehen, das als Projekt durch das Hinscheiden von James Stinson der Vergangenheit angehört. $tinkworks schaffen es zwar nicht an ihre Delsin-Großtat „Todas Las Noches“ anzuknüpfen, bleiben aber auch nicht allzu weit hinter den Erwartungen zurück. Wie gehabt gibt es hier Beats von Menschen, für die Musik aus Detroit nicht allein die Assoziationen Marshall Mathers und Motown wecken. Fußballrhetoriker würden hier von einem verdienten Null zu Null sprechen, glaube ich. ][ janson

Up, Bustle & Out - Runaway Hague - 500cc Revolutionary
Mit der zweiten der wunderschönenen 45er, zu deren erklärtem Sammler ich jetzt geworden bin, verweilen Up, Bustle & Out auf Jamaika, gehen aber in der Zeit noch zurück: Runaway Hague ist ein Ska-Instrumental, dessen einleitendes Bläser-Riff man sich schon mal als Scratch-Tool vormerken kann. Knisternder Vintage-Sound garantiert, das wird wohl das nächste große Ding (In Berlin bastelt ein mir bekannter Producer bereits an Rocksteady- und Mento-Arrangements im Mono-Gewand). Der "Air"-Mix auf der B-Seite ist ein untanzbarer Dub, der die Drumspur weitgehend in den Schrank sperrt und dem mit komischen Quartenfiguren quer einschlagenden Trompeten-solo jede Menge Luft läßt. ][ mandel

Fuse And - Place Unknown (Rmxs) - SBB
Strange But Beautiful. Fuse And ist eine Emo-Band aus Bonn, „Place Unknown“ ein Track aus ihrem letzten Album, der hier unter’s Drum’n’Bass-Messer kommt. Syncope hält sich nahe am Original, mit einfachen, elektroiden Beats. Straight. Henree lockert die Stimmung etwas auf und verwandelt das getragene Original sogar in eine lustig hüpfende Nummer. Easy. Bandhead Fatzo wagt sich am Ende nochmal selbst dran und stellt die Gitarre in den Vordergrund. Tragend. Die drei Tracks gibt’s als Mini-CD in 50er Auflage. Order unter www.f-spin.de][ lightwood

Alphacut 001
... und wächst. Quer durch die Republik präsentiert uns Labelmacher LXC drei Artists: Cycom aus Hamburg, Buzz aus Dortmund und Jakin Boaz aus Leipzig. Von tanzflächenschwanger bis kopflastig wird lediglich mit drei Tracks ein sehr breites Feld abgesteckt. Total zerlegte und noisig eingehüllte Beats finden sich bei „Eko“. Komplexe, chaotisch anmutende Beatfrickeleien hat „Powerplant“ parat, bevor Cycom seine Amensalven bei „Rude Bwoy“ unter’s Volk bringt. Knarzig und treibend. Für Rude Boys und Beatdigger. ][ lightwood

Precision 24
Debut von X-Plorer & Dee Pulse auf Precision und das gleich wirklich gekonnt. Bei „Nobody“ stimmt einfach alles. Der Tune pumpt mit allen Registern. Der sich nach oben schraubende Säge-Bass im Einklang mit der Vocal-Hookline von MC Triad ergeben ein sehr schlüssiges Bild. Clubhit und gleichzeitig Ohrwurm für zuhause. „Clear Cut“ auf der Rückseite entwickelt sich langsam und prächtig, gräbt tief unten und wird fündig. ][ lightwood

ComicNasdia 01
Leipzigs Labellandschaft wächst... Düstere SciFi-Atmosphäre verbreitet Demenz mit „Lost In Thought“ - ein straighter, technoider Stepper, der eine ordentlich durch den Filter bzw. Phaser gezogene Bassline mit sich schleppt, die am Ende richtig spannend wird. Sehr rough und auf eine ungewöhnliche Art monoton. Creative Urge bleiben auch straight, sind aber etwas frischer unterwegs. „Conversion“ taucht ein mit dezenten Female-Vocals und tragenden Flächensounds, bevor dir der Sägezahn um den Kopf kreist. 100 Stück sind erhältlich unter www.nasdia.de ][ lightwood

Matt Flores - Digital Self - Combination
Broken Beats meets Detroit. “Digital Self” groovet sich gefühlvoll ein. Gekonnt und sofort überzeugend wird die Brücke geschlagen zwischen eher organischer (Beat-) und digital-synthetischer (Sound-)Ebene. Angenehm überraschend und neuartig sind nach ca. Zweidritteln des Tracks die gecutteten Amenbeatsprengsel, die extrem funkig kicken. „Deep Into Your Mind“ fängt vielversprechend träumerisch an, wirkt dann aber etwas zu überladen und verspielt. „Higher Grounds“ ist dann die richtige Nummer um morgens um fünf nochmal die letzten Schweißtropfen zu vergeben. ][ lightwood


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