| das zweiund40ste ± druckvoll & reinigend ± April/Mai 03 | Andy Vaz |
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<<< Ich habe im September schon mal zusammen mit Portable eine Japan-Tour
gespielt, drei Gigs: Tokyo, Osaka and Kyoto. Dort ist auch meine "Live
in Tokyo"-CD entstanden. Ich dachte aufgrund des guten Feedbacks spontan
daran, aus dem Mitschnitt eine Live-CD zu machen. Die erscheint jetzt im März
in Japan und Ende April in Deutschland. Und ich bin recht froh und zufrieden
damit. Die CD ist ja quasi mein erster Longplayer, da es jedoch einfach eine
Live-CD ist, hat das den großen Vorteil, ganz lo-fi und frei von großer
Planung ein Projekt zu machen. Und es gibt gute Gründe dafür. In
Japan zu spielen ist wirklich toll, weil die Japaner total auf schräges
Zeug stehen, total offen für ungewöhnlichere oder minimale Technosachen
sind. Das macht schon so richtig Spaß und kann mit Auftritten in Deutschland
kaum verglichen werden. >>> Die Möglichkeit, als Laptop-Live-Act zu spielen, besteht für dich meines Wissens nach erst seit etwas mehr als einem Jahr. Du warst und bist z.B. dieses Jahr auch in Detroit und Kanada gebucht. Meinst du als DJ hättest du aufgrund deines Namens und deiner Reputation als Background-Chef und Booker [u.a. für Juan Atkins] ebenfalls diese Möglichkeiten gehabt, oder ist das Live-Set, das Spielen eigener Songs und eines eigenen Sets dafür verantwortlich? <<< Ich denke schon, daß es mit dem live spielen zu tun hat. Obwohl man das nicht 100% sagen kann, da keiner wissen kann, wie es für mich als DJ verlaufen wäre. Meine Musik ist sowohl für den 4/4- als auch für den Klischee-Minimal-Bereich ja eher untypisch. Ich denke, daß mir in erster Linie dieses Persönliche dazu verholfen hat, in relativ kurzer Zeit recht viel global zu spielen. Dadurch, daß ich nur live spiele und meinen eigenen Sound gefunden habe, der zwar stets 4/4, also Techno ist, ich dann aber ein wenig experimenteller und weniger minimal bin, als man das vom Betreiber von Background Records erwarten würde, bleibe ich für Veranstalter eine Alternative, da mein Set in der konkreten Form nicht durch einen DJ ersetzt werden kann. Unzählige DJs können jede Nacht auf der Welt unabhängig voneinander die exakt selben Platten spielen: Andy Vaz live ist Andy Vaz live. Da gibt es dann kein Entrinnen mehr. Es funktioniert, oder es funktioniert nicht. Ich habe ja auch grundsätzlich immer nur ein Set, wenn ich auftrete, sprich ich kann Situationen dann auch nicht ausweichen. >>> Sounds_Variation ist ein Label, das du gegründet hast, um deiner eigenen Musik eine Plattform zu geben. Was willst du damit erreichen?
>>> Sounds_Variation ist streng konzeptionell! Du verwirfst in einem sehr kleinen avantgardistischen Techno-Rahmen mit jedem neuen Release den Ansatz des vorherigen. Wird dir schnell langweilig? <<< Nein. Das ganze Konzept mit Sounds_Variation ist auch gleichzeitig ein Spiel mit Konzepten und ihrem geistigem Überbau. Sounds_Variation ist dann Konzept, wenn es Sinn macht, oder sonst völlig konzeptfrei. Irgendetwas durch strenge Statik einzuengen, ist überhaupt nicht mein Anliegen, sondern eher das Gegenteil. Mein Konzept soll Freiheit bedeuten, ein sich nicht genau festlegen wollen oder müssen. Sounds_Variation ist sowohl Konzept als auch kein Konzept. Die Idee, aus einem recht kleinen begrenzten Pool von Sounds zu schöpfen, welche in unterschiedlicher Richtung in verschiedener Weise ausgearbeitet werden, so daß dabei eine ganze EP mit mehreren Stücken entsteht, war recht einfach und passierte eher zufällig als geplant. Bei der Arbeit an den Stücken, die später zu 1-1 wurden, hat sich das zufällig so ergeben. Mich hatte einfach interessiert, was passiert, wenn man ein wirklich sehr sehr minimales und repetitives Stück weiterbearbeitet und es hat mich selber überrascht, was dann dabei rauskam. So kam ich dann schließlich auf das Sounds_Variation-Konzept, welches auf 10 Platten angelegt ist. Bisher basieren die meisten Andy-Vaz-Veröffentlichungen, sowohl auf Sounds_Variation als auch auf anderen Labels (Süd Electronics, Bruchstücke etc.), auf dieser konkreten Arbeitsweise. Dieses kann – muß aber nicht zwingend – immer so sein. Die einzige Vorgabe die Sounds_Variation hat, ist das es grundsätzlich 4/4 sein soll. Ich liebe den 4/4-Takt und er ist mir sehr sehr wichtig. Es wird mir einfach nie langweilig dabei. Die Basis sozusagen. Auch mag ich gerne was riskieren. Sounds_Variation hängt oft ein wenig zwischen allen Stühlen. Einerseits immer 4/4, also Techno, andererseits oft experimentell angehaucht und immer einen Schritt neben der Tanzfläche. Tänzerstolperfalle und Spiel mit dem Minimalismus, durch einen immer wiederkehrenden Ausbruchsversuch aus der Limitierung durch die Repetition, aber zugleich auch immer wieder gerne repetitiv. Es geht mir um Widersprüche und darum, die Eier zu haben etwas zu riskieren. Sounds_Variation-Platten sind nicht immer einfach und passen sicherlich nicht in jede Lounge oder in jedes DJ-Set ... >>> Du sagst, die Musik auf Sounds_Variation könne konzeptionell, aber auch non-konzeptionell sein. Wenn ich mir deine Veröffentlichungen nacheinander anhöre, komme ich zu dem Schluß, daß das Konzeptionelle gesiegt hat, weil nur in diesem winzig kleinen Rahmen können die Platten für Überraschungen sorgen. Für Außenstehende ist das zum Teil schwer nachvollziehbar. der Kreis derer, die das so mitmachen, scheint immer ausgewählter zu werden. Denkst du manchmal auch daran, dich zu öffnen für Pop oder Electro-Punk, wie das andere Labels wie Playhouse, Bruchstücke oder Kompakt gerade tun? <<< Nein, das ist in der Tat nicht denkbar. Im Gegenteil. Ich würde, wenn die Serie einmal abgeschlossen ist, gerne einmal House machen. Richtigen fast klassichen House. Der naheliegendste Ablöser des Sounds_Variation-Dings wäre sonst Soul. Ich denke, ich werde in Zukunft eventuell versuchen eine Art soulful House zu machen, oder mal was altmodisch jackendes. Wenn nicht das, dann könnte ich mir noch eher vostellen, schrägere Ambient-Platten zu machen. Etwas ohne Beats, was deshalb noch lange nicht schöne Musik sein will. Aber momentan stellt sich die Frage ja noch nicht. Ich mache erstmal die Sounds_Variation-Reihe zu Ende und arbeite derweil schon jetzt an einem Deep-House-Projekt, mit konkreten, auf meine ersten Entwürfe zugeschnittenen, Vocals von Cassy Britton. Und dann steht ja voraussichtlich noch eine V.Ö. für Portable´s "Süd Label" aus usw. Letztendlich denke ich nicht, daß bei Sounds_Variation das Konzeptionelle gesiegt hat, sondern meine ganz persönliche Vorstellung von Technomusik und der Mut sich weder dem Dancefloor, noch sonst wem anbiedern zu müssen. Das meine Platten so klingen wie sie klingen, hat ja auch nichts mit dem Konzept zu tun, sondern enspricht ganz einfach meiner Vorstellung von Techno. >>> Deine Fortschritte, was die klangliche Substanz und die Präzision deiner Sounds und Arrangements angeht, sind nicht zu überhören. Wird die Musik dadurch zwangsläufig besser, oder bist du meiner Meinung, daß die Stärke deiner Musik gerade das rohe, direkte ist, daß das persönliche, wie du es beschreibst, ausmacht? Und ist als Schlußfolgerung technische Perfektion abzulehnen? <<< Ja, ich denke da ist was dran. Ich mag es wenn es raw ist, nicht zu schön, direkt und auf jeden Fall persönlich. Meine Produktionen sind weit davon entfernt, technisch perfekt zu sein, weil sie das auch nicht sein wollen und vor allem weil sie es auch nicht brauchen. Natürlich freue ich mich darüber, daß die neuen Platten satter klingen als die ersten beiden, aber das macht die Musik nicht unbedingt besser. Denn die Musik an sich bleibt ja unverändert, sowohl die jeweilige Idee als auch der Moment, in dem sie entsteht, bleibt jeweils der gleiche und bleibt von technischen Aspekten unberührt. Mich beginnen diese Leute zu langweilen, die ständig damit prahlen, welche "Plug-in"-Schule sie besucht haben ... denn darum geht es letzlich überhaupt nicht. Wir reden ja von Musik. >>> Womit wir beim Thema wären: gestiegene Fertigkeiten in der elektronischen Musik, speziell im Techno. Stichwort Muckertum: Techno war eine stark vereinfachte radikale Musik. Funktional und direkt. Verkommt Techno zur ausgelutschten Nerd-Farce? <<< Ja und nein. Glücklicherweise kann sich jeder aussuchen, was er hört und auf welche Veranstaltungen er geht, welche Platten er kauft etc. Insofern kann das Muckertum, wie du es nennst, ja ganz einfach umgangen werden, wenn jemand das möchte. Ich denke, daß das nerdige aber auch eine Bereicherung, im Sinne einer Vielfalt, darstellt. Ob und in welchen Dosen man daran teilnimmt, entscheidet man selbst. Die bloße Existenz von vielen elektronischen Mini-Genres in der letzten Zeit (Clicks&Cuts, Microhouse, idm, Minihouse ...) bedeutet ja grundsätzlich erstmal ein Mehr, ein Zusatz an Möglichkeiten. Das kann ja prinzipiell nicht schlecht sein, solange Musik auch noch Spaß macht und es eben nicht nur um Poserei geht. Ich bin jedenfalls froh, daß es neben Detroit-Techno und Strobo-Gewitter auch noch andere Alternativen gibt. Um so mehr Vielfalt innerhalb dieser Musik stattfindet, um so besser für alle. >>> Du hast einmal gesagt, dass du manchmal denkst Minimal-Techno ist anachronistisch. wie denkst du darüber?
>>> Klingt nach "Ich lebe für HipHop"... <<< Ja, so könnte man es auch sagen. >>> Du hast Background als Mutterschiff deiner Arbeit 1996 gegründet, mit einer EP als Minisampler, der ausschließlich Detroiter Künstler vorstellte, obwohl du erst ein Jahr später zum ersten Mal in Detroit selber warst. Wie kam der Release zustande? <<< Ich hatte damals eine Bookingagentur für Detroiter Acts, die ebenfalls Background hieß (Background Booking). Der Kontakt kam dadurch zustande, daß ich vor Gründung der Agentur in Köln veranstaltet habe und dabei immer das Bestreben hatte, nicht die ewig gleichen DJs über Agenturen zu buchen, wie das viele Veranstalter damals gemacht haben, sondern ich wollte immer neue, für mich interessante Leute buchen, die damals für mich außergewöhnliche Platten gemacht hatten. So habe ich dann Terrence Dixon kennengelernt, nachdem ich ihn erstmal nach Köln (bzw. Europa) geholt hatte. Durch ihn kam dann der Kontakt zu den anderen Detroitern zustande (Atkins, Banks, UR etc.) und kurz darauf erschien dann auch schon die erste Background-Maxi. >>> Und der Kontakt besteht heute noch, obwohl sich inhaltlich kaum noch Deckungsgleichheiten ergeben? <<< Klar. Wenn auch nicht mehr so regelmäßig, aber wenn ich in Detroit bin, versuche ich immer alle zu sehen ... >>> Die Compilation-Reihe auf Background trägt den Namen "Futuristic Experiments". Das digitale Zeitalter, wie man es so schön nennt, hat doch auch zur Folge, daß die Produktionsmittel, um futuristisch klingende SF-Musik herzustellen, immer verfügbarer sind. Ist es nicht an der Zeit mehr in die Tiefe oder Breite zu gehen oder andere Dimensionen auszuloten, um Neues zu schaffen. Anders gesagt: ist Fortschritt immer noch Fortschritt? <<< Hm ... lass mich versuchen, deine Frage zu verstehen. Und ich sage eines gleich vorne weg, die erste Background-Veröffentlichung, welche du angesprochen hast, trug den Titel "Futuristic Experiments". Das war 1996, zu einer Zeit, zu der wir Techno und/oder elektronische Musik im allgemeinen noch für "futuristisch an sich" angesehen haben. Da ich immer ein Sympathisant der Konsequenz war, und die erste Mini-Compilation diesen Titel trug, habe ich mich dazu entschieden, ihn für Background-Compilations beizubehalten und an diesem Titel festzuhalten. Natürlich bedeutet dies nicht, daß alle Compilations sich in der Zukunft abspielen, dafür gibt es diese Musik jetzt schon zu lange und jeder weiß, daß die totale richtungsweisende Neuerung nicht von heute auf morgen erfolgt. Es geht vielmehr um ein Ausloten der eigenen Mittel. Und ich möchte mit der "F. E."-Reihe die Leute zu Wort kommen lassen, die sonst im Maxi-Bereich ihrer Musik eher eine andere Ausrichtung geben. Leuten die Chance geben, mit einem Compilation-Beitrag, ohne Formvorgaben, sich vielleicht aus ihrem sonstigen Schaffen zu lösen, oder auch einfach ihren Stil weiterzuverfolgen. Ich denke mit der letzten "Futuristic Experiments" ist das gut geglückt. Zwar ist die V. Ö. nicht futuristisch, aber ich halte alle Stücke für überdurchschnittlich gut. Was die Produktionsmittel angeht, so ist es ja bereits jetzt so, daß die Mittel immer verfügbar sind. Computer und Plugins hat heutzutage quasi jeder und jeder kann sie ohne weiteres nutzen. Was zählt ist nur was dabei herauskommt. >>> Genau darauf wollte ich hinaus. Du bist also ebenso der Meinung, daß Musik sich nie nur linear weiterentwickeln kann, sondern auch Zeit braucht, damit vielleicht auch die Konsumenten nicht abgehängt werden und sich Musiker bestimmter Genres nicht nur noch im Paralleluniversum alleine drehen? <<< Ja und nein. Ich gebe dir recht, was die lineare Entwicklung angeht, bloß denke ich nicht, daß das was mit dem Konsumenten zu tun hat. Was der denkt oder mitvollzieht, hat ja zunächst nichts mit dem zu tun, was ein Musiker entstehen läßt. Wenn sich dann Dinge nur noch in eigenen Bahnen drehen, wird das für den Musiker bestimmt mal zum Problem, sofern er von seiner Tätigkeit leben will. Aber ob Musikhörer nun "abgehängt" werden oder nicht, spielt ja so gesehen für eine musikalische Entwicklung erstmal keine Rolle. Wenn nicht jemand den Vorsprung wagt, wird sich nie was bewegen und die Dinge brodeln immer unten, bevor sie dann in die nächstgrößere Umlaufbahn geraten. Das war wohl schon immer so. Das gute ist, daß in der Zeit, bis die neue Formel in die nächste Umlaufbahn eintritt, die neue Nuance in der Musik sich im Detail bereits verfeinert hat und sich dann auf einem höheren Level in die nächste Bahn einfügen kann. So paßt das dann am Ende wieder alles. >>> Mit Dave Miller, Portable und Frivolous hast du eine – vor einiger Zeit noch relativ unbekannte – Künstlerriege etabliert, die in Australien, London / Südafrika und Kanada zuhause ist. Über Portable hat man schon mal ein bißchen, aber noch viel zu wenig, gehört und gelesen. Die anderen beiden kennt man wenig. Kannst du was über sie erzählen? <<< Dave Miller ist ein mit Anfang 20 recht junger Act aus einem Kontinent, der nicht gerade für elektronische Musik bekannt ist. Er hat eine klassische Jazz-Ausbildung absolviert. Außerdem liebt er Computer, weshalb er sich u. a. bei Ableton als Programmierer beworben hat. Daniel Gardener (Frivolous) ist aus Vancouver/Kanada und ist regional ein gefragter DJ und derzeit mein Lieblings-Kanadier. >>> Ja, meiner auch. Portable ist in meinem Blickfeld einer der brillantesten Musiker dieser Tage. Ärgert es dich nicht auch, daß solchen Leuten die angemessene Anerkennung nicht zuteil wird? <<< Ich mache mir überhaupt keine Sorgen um Portable und seine Anerkennung als Artist. Er ist von null auf hundert mit seinem orthodoxen Background-Album, dann hat er mit "Gridshift" eine weitere großartige Maxi hingelegt und mit "Süd Electronics" ein wirklich interessantes neues Label an den Start gebracht und einiges an Achtungserfolg hiermit erzielt. Wir waren, wie ich ich anfangs erwähnt hatte, zusammen in Japan auf Tour, und Al geht in den nächsten Wochen erneut dorthin. Seine neue Maxi auf Background erscheint in zwei Wochen. Ich denke, daß er für den Moment genug Anerkennung bekommt und daß sich die Dinge um ihn und für ihn super entwickeln. Außerdem ist er ein genügsamer Mensch, dem es nicht um Hypes geht. Wenn ich mir um die Erfolge eines Background-Acts keine Sorgen mache, dann um seine. >>> So musikalische Entwürfe wie die von Portable gehen weit über die Grenzen von Clicks & Cuts und Techno hinaus. Theo Parrish, den du ja auch verehrst, nur im House-Kontext zu rezensieren, ist ja auch zu wenig, um ihn zu beschreiben, das geht bei beiden ja schon eher richtung Soul und Blues ... <<< Ja, kann man so sagen. Seine afrikanischen Wurzeln sind hier nicht plakativ oder stilisiert, sondern authentisch in ein modernes elektronisches Musikverständnis eingebettet, ohne dabei kitschig oder esoterisch zu werden. Seine Musik schwankt zwischen Ärger, sich Luft machen und Hoffnung, ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Das ist wirklich was seltenes und besonderes und begründet sich in seiner eigenen Biographie. Al stammt aus einer Post-Apartheid-Ära und ist in Capetown, Southafrica in einem improvisierten schwarzen Ghetto names Bounty Valley aufgewachsen. In seiner Musik stößt er, was seine Frequenzen angeht, gerne an die Schmerzgrenze, verbindet dies jedoch meistens mit afrikanischen Rhythmen und viel, viel Soul. Er wird schon wissen, warum seine Musik so klingen muß. Deswegen mache ich mir auch keine Gedanken um die Aufmerksamkeit. Er hat andere Gründe, warum er Musik macht und diese sind weitaus authentischer als jede 12"-Rezension es auszudrücken vermag. >>> Apropos Soul oder House: du hast 1999 A Touch Of Class gegründet, um der House Musik, die dich beeinflußt hat, etwas zurückzugeben? <<< Naja, kann man so sagen. House war neben Techno natürlich immer meine zweite Liebe und House ist es gerade deshalb, weil es sich nie groß weiterzuentwickeln braucht. Im Grunde genommen wird das Label von Stefan Schwander (Repeat Orchestra) bestimmt. >>> Als wir eines Nachts in einem Düsseldorfer Club ins Schwärmen gerieten, angesichts eines Deep-House-Sets von Ata und der emotionalen Tiefe und der gleichzeitig ungeheuren Leichtigkeit, haben wir festgestellt, daß minimal manchmal diese Sexyness nicht hat ... <<< Minimal kann sehr sexy sein, ich meinte wohl: daß auch ein gewisser Grad Cheesieness sexy sein kann, wenn's richtig und wohl dosiert ist ... nein, im Gegenteil – natürlich ist minimal sexy! Um ganz gegensätzliche Beispiele zu nennen: Jan Jelinek (Farben), Repeat Orchestra, Larry Heard oder Theo Parrisch, um nur wenige zu nennen. Alles große Minimalisten. Oder frühe Trax Records. Auch alles super minimal: Bassline, Vocal, Drumcomputer. Bang! Hör' dir Dave Miller an, ich finde seine Musik ist super minimal und dabei stets sexy. >>> Du beschreibst Background als dem Genre Minimal-Left-Of-Center-Future-Techno zugehörig. Was meinst du damit? <<< Natürlich. Ich sehe Minimal-Techno als left of center, weil es zum einen als Gegenbewegung zu Rave/Trance fungiert. Jetzt könnte man einfach behaupten, daß Trance rechts und z. B. für Konsum steht. Das wäre mir jedoch zu plakativ und darum geht es mir nicht. Es geht mir bei meiner Labelarbeit nicht um das Zurschaustellen meiner persönlichen politischen Positionen. Ich finde, das gehört da in der Form nicht hin. Vielmehr sehe ich Minimal-Techno als nonverbale politische Aussage, sowie Techno auch eine nonverbale Kommunikation ist und somit schon immer eine nonverbale Sprache verfolgte. Das ist ja auch das, was ich an Techno immer mochte. Man muß sich nicht öffentlich irgendwo an plakativen Dingen außerhalb der Musik verfestigen und positionieren, die Musik an sich positioniert einen selbst innerhalb eines musikalischen Kosmos. Die Musik ist die Sprache und sie wird verstanden. Ich denke, daß sich jeder, der sich ein wenig mit dieser Musik auskennt, darüber im klaren ist, wo wir politisch stehen. Ich glaube, daß eine gewisse Grundhaltung in der Musik und in der Art, wie ich das Label und Kunst verstehe, ohne auf Ausführungen zurückgreifen zu müssen, vieles dennoch sehr konkret vermittelt. Insofern ist es doch auch eine klare politische Aussage, die auch unterbewußt immer mitschwingt, auch wenn sie dabei eher eine subtile, untergeordnete Rolle spielt. ][ f. d'a. |
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