OUK das zweiund40ste ± druckvoll & reinigend ± April/Mai 03 Gespaltene Töne

Titelgrafik

Barbara Morgenstern - Nichts Muss - Monika Enterprise
Wunderbare Platte. Ms. Morgenstern geht auf intelligente und interessante Weise mit Einflüssen zwischen Downbeat und frühen New Order um, singt vielleicht ein wenig zu selten und schreibt zauberhafte Popsongs, die ein jeder auf den Lippen hätte, wenn diese Welt gerecht und das Radio besser wäre. "Ohne Abstand" ist mit klassischer Songwritermethodik upliftend, "Nichts und Niemand" denkt ihren kongenialen Remix von Dntels "Evan and Chan" weiter, "Gute Nacht" singt ein folkiges Wiegenlied zur Analogsynthesizer-Spieluhr, und "Reset" setzt einen langen Gedankenstrich aus Knistern, Summen und Akustikgitarrensprengseln ans Ende. "Nichts Muss" klingt luftig und fett, melancholisch und funky, raffiniert und naiv zugleich. ][ amv

Nobukazu Takemura - 10th - Thrill Jockey
Teil eins einer neuen Serie des Chicagoer Labels. Gemeinsam mit seinem langjährigen musikalischen Partner Aki Tsuyuko leitet Takemura dieses Eröffnungsalbum in eine einzigartige leuchtende Wohlklangregion. Vertraut unabhängige, musikstrukturelle Tendenzen, die auch schon zu gemeinsamen Projekten mit Bandmitgliedern von Tortoise geführt haben, erschaffen eine Mixtur aus akustischen Instrumenten, Piano und Vibraphon. Leichtigkeit liegt in den Stücken unterschiedlichster Tempi. Teilweise mit einem Hauch von klassischem Klavier, teilweise mit verspielten Jazzexkursionen zaubern die beiden Japaner viele verträumt bizarre Hintergründe in Raumklang. Darüber das vordergründige Experiment der Stimmensynthetisierung. Die Stimme mutiert durch die künstliche Manipulation zu einem neuen, geheimnisvollen Instrument. Wie von Computerchips gesteuert scheinen Höhen, Tiefen und Rhythmik zu den Melodien auf den Stimm(-magnet?)-bändern abspielbar zu sein. Faszinierend. Eigene Stimmungen beeinflussen dabei die Wahrnehmung dieses Instruments dergestalt, daß die einzelnen Stücke immer wieder einen neuen Ausdruck bekommen. Ganz besonders entfalten sich alle Facetten dieser sehr vielschichtigen Produktion zwischen den Ohrmuscheln eines Kopfhörers. Sind doch sonst manche Nuancen wegen ihrer dezenten Fragilität gefährdet, sich im Alltagsgeräusch zu verlieren. Und wer möchte hier auch nur einen Augenblick ungehört verstreichen lassen, bis sich bei Track 16 der "Lake Yogo" mit sanftem Kräuseln über einem wohlwollend schließt? ][ g

Freeform - Condensed - Nonplace
Friedman werkelt fleißig weiter, dieses mal erneut in Form des Compiler/Editor. Wie bei der vor einem Jahr erschienenen "Replicant Rumba Rockers"-Zusammenstellung machte sich Friedman auf, aus den Freeform-Veröffentlichungen der letzten sieben Jahre seine Lieblinge herauszusuchen, diese zu bearbeitet, zusammenzufügen und verschmelzen zu lassen. So liegt uns ein weiteres aurales Nonplace-Wunderwerk vor, das in die Welt der experimentellen, dubbigen Elektronik entführt. Simon Pyke aka Freeform hat die Fähigkeit entwickelt, unglaublich tiefe Klangkosmen erschallen lassen zu können, was sich durch Friedmans Zusammenstellung wunderbar bemerkbar macht. Komplexe Melodie- und Harmoniearrangements arbeiten im Hintergrund, während sich in den Mittelpunkt des Geschehens allerlei wirre Soundobjekte schieben. Dort lassen sie sich filtern, zerschnippeln oder einfach nur durcheinander wirbeln. Am Ende jedoch wirkt dies alles andere als verworren oder ungeordnet. Im Gegenteil, stets zeichnet sich ein harmonisches Bild ab, nimmt eine lebhafte Geschichte vor einem Gestalt an. 51 spannende Minuten also erwarten den Hörer, denn diese CD hat wahrlich viel zu erzählen. ][ mb

Hagedorn - Homegrown - Onitor
Wolfgang Hagedorn musiziert auch gern mal ohne seinen Computer-Jockeys-Kollegen Digital Jockey. Daß in seinen Solo-Werken dennoch immer auch etwas (Data)Pop mitschwingt, ist weder verwunderlich, noch schlecht. Im Gegenteil: sehr schön verbindet Hagedorn minimale Wuchtigkeit mit lieblichen Elementen und Melodien, weshalb alle Tracks auf diesem Album stets mehr als reines Tanzflächenmaterial (ohne dies abwerten zu wollen) darstellen. Mal minimal technoid (dc 16), mal fast schon unerhört frech funky (funky infection), mal melancholisch verführerisch (inquieta) – Homegrown beweist sich als äußerst abwechslungsreich und vielseitig und dabei auch stets clubtauglich. ][ mb

Donna Summer - This Needs To Be Your Style - Irritant
Nein nicht die weltbekannte Musikikone drückt hier die Knöpfe und Schalter, keine ruhigen entspannten Erinnerungen drehen an den Reglern ... Die wohl gegensätzlichste Namensaneignung in der Musikbranche. Sampleparanoia auf einer Mixtur aus Drill'N'Bass, Freejazz, Noise und künstlerischem Experiment. Brachialität würde total am Thema vorbei gehen. Auch wenn sich fast jeder der 12 Songs in einer höheren BPM-Region aufhält, so bläst nichts plump vor sich hin. Vielmehr hüpft man zwischen Raggasounds, Stromgitarrensamples und squarepushermäßigen Eskapaden hin und her. Balanciert auf Pieps und Beeps über zirpende Flächen. Helter Skelter im Timewarp. Vielen drängt sich sicherlich als erstes der Begriff "Digital Hardcore" auf. Aber da hätte man gänzlich die bei Donna Summer miteinbezogenen hypermodernen Jazzauswüchse vernachlässigt. Sehr unterhaltend. ][ g

VA - Club Bogaloo 2 - Spinning Wheel
More freestyle from out of nowhere – kann das diese Welt ertragen? Ja, sie muß geradezu, denn diese Compilation dokumentiert nicht nur die Musik, die seit fünf Jahren in einem gar nicht mal so kleinen Club im (in der Tat dann) kleinen Pfarrkirchen gespielt wird. Sie steht Pate für all das, was Reinhard Wimmer, Josef Wiesmeier und Wolfram "Oscar" Aichner sich zur Lebensaufgabe gemacht haben. Zehn exklusive Stücke, produziert von den DJs und Künstlern (Max Fresh, Russ Gabriel, Jimpster TGM, um nur einige zu nennen), die in den letzten Jahren zu Gast im Bogaloo waren, warten darauf, gehört zu werden und wollen dabei nicht nur ihre Vielfältigkeit an den Tag legen. Denn trotz ihrer verschiedener Ansätzen und Stilrichtungen finden sie wunderbar zusammen und sorgen so für eine ausgewogene, nie langweilig werdende Compilation. Aber auch für sich alleine und auf der Tanzfläche wirkt jedes Stück, weshalb es über den Sommer verteilt einige Maxiauskopplungen geben wird, auf denen dann noch Remixe der jeweiligen Stücke enthalten sein werden. Und genau das ist es, was man an den Pfarrkirchenern so sehr schätzt, sei es, wenn sie als DJs die Welt bereisen oder aber im Plattenladen oder hinter der Kasse ihres Clubs stehen: Zielstrebig aber offen für Neues bahnen sie sich ihren Weg und dennoch haben sie dabei stets ihre ganz eigene Meinung. ][ mb

VA - Impact! - Universal Sound
Man möchte ja lästern, daß Soul Jazz (per Unterlabel Universal Sound) jetzt nach Studio One mit dieser Zusammenstellung der Schwesterlabels Randy's und Impact! die nächste Reggae-Sau durch's Reissue-Dorf treibt. Aber auch hier sind die Qualität der Auswahl, der Linernotes und des Masterings dermaßen frappierend, daß es einem den Besserwisser verschlägt. Ich besitze beispielsweise – glücklicher Zufall – eine jamaikanische Pressung von "This Is Augustus Pablo". Von dieser LP haben sie hier zielsicher die beiden besten Stücke (und ein Foto) ausgesucht, und das Mastering ist so gut, daß ich auf einmal ein Klavier im Hintergrund von "Dub Organizer" höre, das mir bisher immer entgangen war. Anders als bei der Studio-One-Serie gibt es hier keine thematische Sortierung: Roots, Rockers, Soul und Scorchers geben sich die Klinke in die Hand; der Katalog von Randy's dürfte ja auch um einiges kürzer sein als der von Studio One. Im Vergleich zum Studio-One-Sound sind die Titel auf dieser Sammlung dreckiger, lockerer und reicher an Mundharmonikas, aber nicht weniger funky, soulful oder ärmer an Jackie Mittoo. ][ amv

HolzfällerVA - Jazzanova Remixed - JCR
Rima - This World - JCR

Neues aus Berlin. Die Jazzanovas haben diverse Remixe ihrer Albumtracks, aber auch einige Remixe von Stücken, die nicht vom Album sind, zu einer Doppel-CD zuammengefasst. Verhalten tut es sich damit, wie mit den bereits auf Maxis erschienenen Remixen: einige wenige interessante und das Original bereichernde Werke teilen sich den Platz mit jeder Menge Durchschnittlichem. Gute Arrangements und durchdachte, detaillierte Produktionen lassen sich eben nicht einfach mal so neu gestalten. Überzeugen jedenfalls tun Doctor Rockit (der aber auch auf Maxi zu haben ist), DJ DSL (meisterlich) und Electric Sheep. Ob man sich's kaufen soll, bleibt jedem selbst überlassen.

Nicht viel anders verhält es sich mit Rimas Debut-Album auf JCR. Der Versuch von Domu und Volcov, denn diese beiden Herren verbergen sich hinter Rima, ihre Welt der Musik auszugestalten und vorzustellen, endet in einem (Jazz)Opus, der denen der frühen 80er in nichts nachsteht. Und die waren genauso oberflächlich und nichtssagend wie "This World". Nicht wissend, wo die Reise hingeht, reißen die Beiden diverse Ideen an, spielen mit Arrangments und Solis, untermalen diese mit mal mehr mal weniger vertrackten Beats und kommen dabei nicht auf den Nenner. Da helfen die diversen Gastmusiker auch nicht viel weiter. ][ mb

VA - Indietronica - Pop + Electrónica - Sonarmusic
Ich weiß zwar nicht, wer heute noch eine Einsteigercompilation in Sachen Indietronics (oderwieauchimmer) kaufen soll, aber sei's drum. Die Zusammenstellung ist jedenfalls tadellos, alles paßt prima zusammen. Neben Hits der üblichen Verdächtigen (Lali Puna, The Notwist, Schneider TM) sollte hier für jeden etwas Neues zu entdecken sein, und ein rares Schmankerl ist mit der Stereolab/Mouse-On-Mars-Kooperation "Cache-Cœur Naïf" auch dabei (übrigens so ziemlich das Beste, was die Beteiligten jemals gemacht haben). ][ amv

Column One - The Audience Is Sleeping - 90% Wasser/Moloko
Schon das Artwork des CD-Covers, das bei den schwer ertönenden Glockenschlägen des ersten Tracks die Reise in weichkalte Bergregionen visuell vorbereitet, ist außergewöhnlich. Verträumte Möwen, auf deren Schwingen wohl die verschneite Klanglandschaft durch den Raum getragen wird. Doch noch ruhen sie. Die Glocken lassen sie aufhorchen. Man startet und ein Panorama bis zur Unendlichkeit breitet sich um einen aus. Raumklang. In Trance versetzend. Mit teilweise eingeflochtenen Houseanklängen, wie sie einst nicht schöner von Forever-Sweet-Platten erklangen. Aber die Beatgerüste gehen weiter, werden verspielter und immer tiefgründiger. Elektro findet sich genauso wieder wie Funk und Beat. Unglaublich sexy, alles zum grooven bringend - und doch so reduziert. Stimmenfragmente und Samples, präzise plaziert als ergänzende Instrumentierung. In einem klar konstruierten Gerüst. Klangarchitektur. Dann der Schritt in das Innere. Die maschinelle Rhythmik übernimmt den Takt. Was geblieben ist, und alles so harmonisch zusammenfügt, ist das Verhaltene. Die wenigen Geräuschquellen, die immer genügend Platz lassen, in der eigenen Welt das Werk anzureichern und auszuschmücken. Man glaubt Schemas wieder zu erkennen - Geborgenheit. Aber experimentell und spontan genug, um nicht einfach nur vorüber zu ziehen. Mitgehen. Treiben lassen. Atmosphärisch. Prickelnde synthetische Klänge stimulieren die Nervenenden in einer simulierten Natur. Und wieder erscheinen die Möwen, die mit leisen Schwingen durch die Weiten der aufgeklappten Berglandschaft ihre gleichmäßig ruhigen Bahnen zum Ausklang ziehen. Wie aufgezogen und angetrieben. Mechanisch. Ein Traum. Wer will erwachen? The audience is sleeping! ][ g

Zongamin - Zongamin - XL Recordings
Eine Platte, die beweist, daß Japaner im Zweifelsfall die besseren Europäer sind bzw. in der Lage, ohne historische Altlasten auch dem ausgelutschten BigBeat/Downtempofunk, um nicht zu sagen: TripHop, noch neue Seiten abzugewinnen. Zuförderst durch die Gabe, genau im richtigen Moment den komplizierteren, mutigeren Weg zu gehen. Gitarrensamples beispielsweise, eigentlich ein pfuibäh, werden hier in einer Weise behandelt, daß auch Fatboy Slim die Ohren schlackern müßten. Fremdsamples sind entweder komplett vermieden worden oder bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, die Dreingaben diverser Gastmusiker an Percussions, Keyboards, Turntables und weiterem Schnickschnack dagegen organisch auf die Funkbeats gesetzt. Feine, vielseitige Arbeit – Daumen hoch. ][ mandel

VA - Tape 10 / Thema: Fotografie - Ware
Mehr als nur eine CD. Wie eine ganze Ausstellung. Zu zehn Aufnahmen, die das Booklet dem Interessierten auch gerne zeigt, haben neben Labelgründer Mathias Schaffhäuser neun weitere Künstler ihre vertonte Interpretation der jeweiligen Fotografie hinzugefügt. Fern von Beats und Tanzfläche. Spacige Klangmalereien, die den Bildern Leben schenken. Ganze Kompositionen. Entspannte Hintergrundklänge, die einen beim Schlendern durch die virtuelle Galerie begleiten. Eine witzige Geschichte, so ein akustisch untermalter Fotokatalog. Doch ein kleiner Wermutstropfen drängt sich sofort auf. Das Format der CD, und damit auch das des Booklets, ist definitiv zu winzig, auch nur einen Hauch von dem zu schenken, was die Großbildfotografien in ihrer Originalgröße (180 cm x 180 cm und größer) wohl vermögen. Hier hätte man sich sicher für ein anderes Format entscheiden sollen. ][ g

DJ Scud - Ambush - Rephlex
Eine Sammlung verstreuter Veröffentlichungen des Londoner Toby Reynolds, der als DJ Scud in heftigster Drill'n'Bass-Manie so manchen Club auch noch zu spätester Stunde in eine dampfende Höhle verwandelt. Alles beginnt zu zucken. Smoothe Raggaklänge werden unter einer treibenden Walze aus jungeligen Beats vor sich her getrieben. In der Klangästhetik zwischen jamaikanischer Straßen-Beat-Box, übersteuerter Verstärker und Atarisounds, peitschen die neun Titel ziemlich wild umher. Für alle, denen Atari Teenage Riot, Christoph de Babalon und Panacea schon immer gefallen haben. Absolut schweißtreibende Verausgabung bis zum Äußersten. Vor allem deswegen, weil es durchweg tanzbar ist: "Kill or be Killed"… ][ g

The Modernist - kangmei - Wonder
Auf etlichen 12inches und Compilations hat J.Burger seit 1990 veröffentlicht, aber mit [kangmei] liegt jetzt erst sein drittes Album als Modernist vor. Dieses bewegt sich mit einem stilistisch griffigen Soundpool auf der Ebene minimalistischer Techno-Strukturen, die in einem zügigen House-Tempo entwickelt werden. Dabei dominiert ein locker und elegant groovender Duktus, der sowohl für von prägnanten Melodiefragmenten umspielte Synkopen als auch für Implikationen eines entschlossenen Drives die notwendigen Räume läßt. Nur die auf drei von elf Tracks auftauchenden Vocoder-Vocals streifen entfernt Assoziationssegmente von Neo-Electronic-Pop, dienen aber eher dazu, ein paar inhaltliche Messages ´rüberzubringen, die sich im Kontext des Titelstücks bewegen ("kangmei" ist chinesisch für "Widerstehe Amerika !"). Phasenweise unterstreichen auch ein paar dezente Gitarrenklänge eingängigere Elemente, balancieren sich aber applaudierungswürdig erfolgreich auf dem schmalen Grad zwischen angedeutetem (wenn auch vermiedenem) Kitsch und praktizierter Kunstfertigkeit aus. Eine luftig-souveräne Hermetik, die potentiell in den Bann zieht, erstreckt sich so über das gesamte Album. ][ hve

HolzfällerJay Alansky - Les Yeux Crevés - F Communications
Das F-Label hat einiges geleistet, umgibt sich aber nicht erst seit neulich mit einer Aura übertriebener Süßlichkeit. Langsamer als die meist House-sozialisierten Labelmates beginnt Jay Alansky sein Album mit einer lupenreinen Dorfmeisterei und bleibt auch im weiteren Verlauf im schleppenden Bereich tätig. Daß in diesem Bereich eine reiche Ornamentik zum guten Ton gehört, erklärt meine Reserviertheit gegenüber solchen Projekten. Alansky haut einiges mit Gainsbourg-Verneigungen und entspannter Kiffertrance wieder raus und ist mir zu meiner eigenen Überraschung soundmäßig doch noch näher als die irgendwie viel zu verspießerte neue Chanson-Szene. Ändert nichts daran, daß das Album für seine paar netten Ideen ungefähr um die Hälfte zu lang geworden ist. ][ mandel

VA - Bip Hop Generation V.6 - Bip Hop/Bleep
Teil sechs der außergewöhnlichen Darstellung besonderen Geräuschdesigns. Elf ausgewählte Klangmalereien von Scanner, Battery Operated, Bittonic, Alejandra&Aeron, Ilpo Väisänen und Angel. Elf mal tief in Struktur und Arrangement. Maschinenarbeit und Menschlichkeit. Jedes Stück ein in sich abgeschlossenes komplexes Gebilde, ein lebendiger Organismus. In innerer Modulation sich fortbewegend. Kein Verharren. Seine eigene Metamorphose kontinuierlich durchlebend. In den verschiedensten Aggregatzuständen schwebt man mit transparenten Gasschwaden durch klare Regionen, gleitet in zähflüssigem Klang durch düster dampfende Industrielandschaften oder wirbelt in stroboskopartigen, funkelnden Stimmstrudeln durch kristalline Platinenlabyrinthe. Keine klaren Beats, keine simplen Rhythmusgerüste. Vertrackte Zusammenstellungen mit viel experimentellem Gehalt. Für fortgeschrittenes Hören. ][ g

VA - Wir - L'age d'or & Ladomat
Eine Compilation, wie sie vielfältiger nicht sein könnte. Und dennoch ist auch alles so harmonisch, wenn für diesen Sampler, der 36 Stücke umfaßt, die beiden Labels Ladomat und l'age d'or miteinander fusionieren. Independent-Musik trifft auf Elektronika. Und zusammen haben sie für jeden was dabei. Rock, Pop, Housiges oder Fun, alles gibt's. So daß WIR auch alle zusammen hören können. Da erklingt die umwerfende Stimme von Miss Kittin wie der Gitarrensound von Tocotronic. Ascii. Disco entführt in die 80er. Sensorama, Kandisquer, beigeGT, Console und Justus Köhnke sind neben noch vielen anderen genauso mit am Start bei diesem fast dreistündigen Ausflug in die letzten drei Jahre der beiden Labels. Sehr authentisch. Ein Spaß bringendes, musikgeschichtliches Nachhörwerk in sehr ausgedehnter Dimension. ][ g

The Modernist - kangmei - Wonder
Jörg Burger, seit mehr als zehn Jahren im Geschäft, früher als Bionaut (neulich mit Vergnügen aufgelegt: Seinen Remix von Steve "Silk" Hurleys "Jack Your Body"), später dann mit Mike Ink Gallionsfigur kölschen Minimaltechnos und mir deswegen etwas entfremdet, denn mal ehrlich: jaaahrelang den einen Sound pflegen, wem hilft das? Sogar von J.S. Bach wird erzählt, er hätte es auf dem Höhepunkt seiner Karriere mal mit einer zweiten Idee versucht. Nun, vielleicht bricht der eingetroffene Longplayer auf Wonder das Eis? Das Intro ist schon mal ein richtiges Intro, dessen Elemente sich allmählich auf Housetempo einschwingen, das dann für den Rest der Platte auch das Zeitmaß vorgibt. Die schlanke Produktion, mit zeitweise echt doofen Vocals und einigen schönen Hooks, kommt mir vor wie ein Echo aus wilderen Ravezeiten, das jetzt für die gereifte Stammkundschaft als DeLuxe-Listening-Ausgabe aufbereitet wurde. Aber was soll der Neid: die Platte macht natürlich auch Spaß, kann einen durch melancholische Phasen begleiten und ist mehr als eine Singles-Compilation. ][ mandel

Turquoise - Turquoise - Salz
Die 80er Jahre sind wieder einmal zurückgekehrt. Doch wer nun fürchtet, ein weiterer elektroider Abklatsch habe sich in die Plattenregale geschlichen, ist auf dem völlig falschen Dampfer. Nein, Mundharmonika-Melodien und fröhlich romantische Popverehrungen erklingen bei diesen 13 Elektropop-Perlen von Gerd Türke. Alles wirkt positiv. Eine heile entspannte Welt. Gleichförmig und unkantig. Hier wohnen auch Erobique, Captain Future, Heaven17, Burt Bacherach und Serge Gainsbourg. Zusammen mit Jörg Burger (The Modernist) startete er seine musikalische Karriere in eben dieser Zeit, die hier farbenfroh wieder aufblüht. Die Diskokugeln drehen sich. Und ehe man sich versieht, dreht man sich selber in dem netten Strudel der Retrospektive. Dabei werden alle Grenzen des ehemals beschränkt wirkenden Genres verspielt gesprengt und mit progressiven Ideen angereichert. Manchmal technoid wirkende, treibende Passagen voller Energie, doch ohne agressives Potential. Unantastbarkeit. Spaß und Freude als Konzept. Eine Reise mit der Vergangenheit in eine beschwingte Zukunft. ][ g

The Black Dog - Genetically Modified - Hydrogen Dukebox
Bereits seit Jahren schon schreiben sie Musikgeschichte, und nun erscheint ein neues Album der ständig in seiner Formation und seiner Stilvielfalt mutierenden Formation aus England. Jede ihrer zahlreichen Veröffentlichungen setzte neue Trends. So ist es kaum verwunderlich, daß jedes ihrer Alben sich in einem total anderen Antlitz präsentierte. Und nun ein neuer Abschnitt. Zum größten Teil als Remixe unter anderem von CJ Bolland, A1 People, Laub und anderen dargeboten. Daneben zwei eigene Mixe. Zum einen "unsavoury products" als Tribute to William S. Burroughs ("Naked Lunch") und "voodoo" im black dog drum&bass mix. Ein Hammer. Durch die zahlreichen Mitwirkenden sind die einzelnen Stücke so unterschiedlich in ihrer Gestalt, daß ein hohes Potential an Abwechslung dieses Release zu einem wahren Hörgenuß werden läßt. Zeitlosigkeit erscheint diesen Stücken ebenso eigen zu sein, wie sich das bei der Warp-Veröffentlichung "Spanners" auch schon herauskristallisierte. Ein musikalischer Trip in eine andere Dimension. Dort, wo die Kommerzialisierung nicht hin kann und dennoch oder vielleicht gerade deswegen der künstlerische Anspruch so sehr in den Vordergrund tritt. Nach dem die elf Stücke mit Laub ihr Ende genommen haben, kommt der Commercial Part. Very funny … one size fits all … ][ g

Dopplereffekt - Linear Accelerator - International DeeJay Gigolo
Digitaler Reinigungsprozeß. Sehr interessant, was die Herren aus München da kurz vor ihrem hundertsten Release den Ohren schenken. Fast schon zärtlich beginnt sich der "Photo Injector" in die Köpfe zu schleifen, bevor er im Hall und Echo verebbt. Von neuem Sonar wird man geortet und eingekreist. Eine klaustrophobische Atmosphäre breitet sich langsam und beständig aus. In Zeitlupe. Nur die Peilung erinnert noch an Echtzeit. Geräuschkulisse wie bei Kraftwerks "Vom Himmel hoch …" . Assoziationen an den Film "Der Höllentrip" flackern über die Netzhaut. Synthetisches Echo im Wassertank. Entspannung blubbert in satten Blasen durch den Körper. Restgeräusch. Mit zerhackten Distortions geht es weiter. Heftiger. Bedrohlicher. Maschinendialoge in abstrakter Kommunikation. Vielleicht Signale? Ufo-Belauschung. Elektrostatisch geladene Umgebung. Filigran blitzen Bleeps und Klicks in der Räumlichkeit des Stereos auf. Um einen herum ein wabernder Organismus. Schnitt – Kontrast. Plötzlich Spaceorgelsound. Melodisch. Meditative Elemente, futuristische Geisterbahnvisionen, Tangerine-Dream-Welten und das Gefühl des Rancho Relaxo verschmelzen im Kopfhörersound zu Träumen elektronischer Pionierarbeit. ][ g

Faruk Green - A Certain Mr. Green - Copasetik
Bereits mit Vorschußlorbeeren von Gilles Peterson und Steve Lamacq schmückt sich das Debüt-Album dieses türkisch-deutschen Trios, das allerdings auf fast allen 13 Tracks von weiteren Musikern unterstützt wird. Dabei haben wir es weniger mit dramaturgisch arrangierten Songstrukturen oder beatorientierten Dancefloortools als mit meist elegischen Stimmungsbildern zu tun, für die aber das Adjektiv chillig auch nicht zutrifft. Das liegt schon an der konservativen Instrumentierung, die mit beckenlastigem Schlagzeug und Kontrabaß ein bißchen an Kaffeehaus-Jazz erinnert, obwohl die soundtragenden Keyboard-Harmonien und nichtakkordischen Gitarrenlinien eher weniger in dieses Bild passen wollen. Ungewöhnliche, wenn auch ruhige, fast einschmeichelnde Klanggemälde entstehen so, die Tempowechsel weitgehend aussparen, überwiegend langsam voranschreiten und ihrer einheitlichen stilistischen Linie nur selten mit vereinzelten Vocals und anderen Zusatzinstrumenten eine leicht abweichende Note verleihen. Und obwohl die im Schnitt nur 3 1/2 Minuten langen Stücke eher Entwürfen als fertigen Kompositionen gleichen, strahlen sie eine angenehme, ja fast wunderbar in sich ruhende Ganzheitlichkeit aus, die fernab aller Genregrenzen selten zu finden ist. ][ hve

Zimpala - The Breeze Is Black - Lounge
Die beiden DJs BNX und David Walters aus Bordeaux fesseln dich mit den zehn vorliegenden Tracks auf unterschiedlichste Weise. Vielfalt ist das Zauberwort und jeder Track steht hier fast für sich. Trotzdem ist ein sich durchziehendes Grundgefühl spürbar. Überwiegend Downtempo- und House-Nummern, straight bis perkussiv breakig, mal zum Träumen, mal zum Dahinschmelzen, mal zum Hüfte kreisen lassen, erobern schnell dein Ohr. Organisch geformt und spannend arrangiert, zimmern sich Zimpala zehn eingängige Nummern. Höhepunkte sind "Adios", "Kush!" und "Crazy Girl". ][ lightwood

Le Rok - Hausarbeiten - Karaoke Kalk
Höchst merkwürdige Platte, die sich ihren Platz schafft. Eigenartig und schön, wie Musik sich manchmal durch Wiederholung verändern kann. Keine neue Weisheit, aber immer wieder gut anzumerken, daß Platten sich trotz anfänglicher Ablehnung irgendwie durchsetzen können. Ellbogen sind da durchaus erlaubt. Christoph Döhne aus Hannover hat sich innerhalb von 5 Jahren dieses Album ausgedacht. Und genauso bedächtig scheint sich seine Musik bei mir seinen Platz zu erarbeiten. Le Rok ist kein Wunderknabe wie Roman oder Wunder, seine Stücke sind eher unauffällig im Wust von elektronischer (Pop)-Musik dieser Tage. Das Album als Ganzes hat es aber faustdick hinter den Ohren! Und irgendwie erinnert mich das sehr an das fast verlorengeglaubte Erarbeiten von Indie-Platten vergangener Zeiten. Musik, die man zunächst nicht ganz versteht, einordnen kann, oder deren Reiz sich nur ganz langsam entblättert, weshalb man dann auch wohl dran bleibt und für die Hartnäckigkeit doppelt belohnt wird.
Indie-Pop elektronischer Herkunft, zwischen Low-Fi-Niedlichkeit, Drone-Rausch, Artyness und Rockenwollen, fummelt an und um sich selbst herum und müßte heute eigentlich auf Teenbeat herauskommen, wenn es das Label noch gäbe und man dort einfach nur die Gitarren mit dem heute üblichen Alleinunterhalter-Equipment getauscht hätte. ][ f. d`a.

Anders Ilar - Everdom - Shitkatapult
Puh! Der Sexdoktor Anders Ilar hat ein Album gemacht, das mehr noch als seine Maxi einen Zustand auslotet, den man als ein Ringen zwischen Entspannung und Aufregung beschreiben sollte. Die wenigen Tracks, die von der Bassdrum und den glitschigen HiHats zusammengehalten werden, können noch am ehesten mit Carsten Jost verglichen werden, was ja nicht die schlechteste Referenz ist. Der Rest ist GAS, ohne den deutschen Wald, die englischen Labradford ohne Gitarre und etwas Boards of Canada ohne Beats. Die Tracks sind unerträglich radikal tief, stehen im Raum. Wie Torpfosten im Nebel. Das Spiel findet irgendwo auf einer Wiese zwischen Helsinki und Kopenhagen statt. Der Schauplatz ist mit durchsichtiger Zellophanfolie eingepackt und wir dürfen für eine knappe Stunde unter die Folie huschen. Die Mannschaften heißen Zen und Rave. Aber kein Ball in der Nähe, also rauf auf die Torlatte und an etwas Schönes gedacht. Irgendwo schießt jemand von draußen Sternschnuppen in den Nebel. Sieht super aus. Größter Stadionrock, das! Ach so, das Spiel endet 1:0 für ][ f. d`a.

VA - Neue Heimat 3 - Ministry of Sound
"Electric Music Made in Germany" heißt erneut der Untertitel dieses Samplers, und erneut wurde (nahezu) willkürlich ein Sammelsurium bekannter bis weniger bekannter deutscher Acts aus den diversen elektronischen (und auch deutlich angerockten) Genres zusammengestellt. Die meisten Stücke erschienen bereits (z.T. schon vor geraumer Zeit) auf eigenen Tonträgern und wurden zudem, so weit dies möglich war, auf den griffigen, potentiell charts-tauglichen Radio-Edit reduziert. Zwar ist neben dem (Szene-)Overground auch Material aus weniger arrivierten Bereichen vertreten, doch nach wirklich Innovativem sucht man eher vergeblich. Auch ein roter Faden bei der Auswahl der Tracks ist kaum erkennbar, ihre Qualität schwankt erheblich und ist für den Kritiker letztendlich nicht schlüssig bewertbar, da uns von den 35 Titeln auf Doppel-CD nur 12 auf Einfach-CD als Rezensionsexemplar zugingen, zwei Drittel also fehlen. Mit dieser um sich greifenden Unsitte (ähnlich der, Tracks nur zwei Minuten lang anzuspielen) der PR-Abteilungen werden diese sich im Endeffekt ins eigene Fleisch schneiden, denn die gerade im unübersichtlichen Wust elektronischer Clubmusik notwendigen Orientierungshilfen für potentielle Konsumenten (kaufende Endverbraucher und multiplikatorisch wirkende DJs) werden damit kontraproduktiv beschnitten. ][ hve

Ghost Cauldron - Invent Modest Fires - !K7
Ein Debüt-Album, das zwar nur von zwei Leuten (DJ Kaos von der Berliner Gruppe Terranova und sein alter Skate-Buddy CE.EL) produziert wurde, sich aber meistens anhört, als sei es von einer ganzen Band eingespielt worden. Damit bewegt es sich auch nicht auf der Ebene dessen, was uns als Clubmusik geläufig ist, auch wenn Gitarrenriffs, Drums und Streicher gänzlich aus dem Live-Sounds-Sample-Archiv von Kaos stammen. Der musikalische Duktus entspricht eher dem einer schwermütigen Down-Tempo-Rockband, ist aber dennoch genremäßig nicht klar zuordenbar. HipHop-Elemente tauchen da in getragenen Rap-Passagen ebenfalls auf, dazu melancholische Orient-Sounds, Folk-Klänge, Disco-Beats und Garage-Gitarren. Meist aber liegt eine dem Dark Wave ähnelnde Atmosphäre geheimnisvoll-mächtiger Düsternis über den Stücken, ausgefüllt aber nicht von finaler Depression und Resignation, sondern von akuter Bedrohlichkeit, die noch Raum läßt für eine entschlossene Verteidigungshaltung, sei die Lage auch noch so aussichtslos. Unterstützt wurde das Duo bei dieser Produktion von fähigen Gast-Vokalisten wie Anti Pop Consortium, Priest, Apani B Fly und Nick Taylor, die sich alle nahtlos in dieses abwechslungsreiche Manifest nichttradierter Gothic-Erben einfügen. ][ hve

VA - DJ Patife & Suv pres. Fiesta - V Rec.
Bristol meets Sao Paulo. Der Sommer kann kommen. Auf zwei CDs finden sich 25 überwiegend exklusive Tracks, die sich ungemixt voll entfalten können. Interessant ist die Mischung der vertretenen Artists: zum einen altbekannte V-Recordings-Künstler (Suv, Marky & XRS, Lemon D, Ray Keith), dann Künstler mit ihrem V-Debut (John B, Danny C, EZ Rollers, Sonic, A. I.), desweiteren Acts, die eher abseits des Drum'n'Bass-Geschehens von sich reden machen (Dave Angel, Nicola Conte) und nicht zuletzt nahezu unbekannte Namen (Koloral, Syndicate, Como Le Gusta,...). Insgesamt aber ein schlüssiges Bild und bis auf ganz kleine Ausnahmen hohe Qualität. Mit "Ready For Love" stellen die EZ Rollers sogar die gesamten Tracks ihres kürzlich erschienenen Albums in den Schatten. "LK" (hier im M.I.S.T. Rmx) und "The Mexican" dürfen bei dieser Reise durch die melodischen, funkigen und latinesquen Gefilde natürlich nicht fehlen. Suv nutzt die Chance und packt gleich vier seiner Tracks drauf, während Patife seine Landsleute unterstützt. Die Vinyl-Version teilt sich auf mehrere Maxis auf. Ausschau halten nach "Inta Outa", Lemon D und EZ Rollers! Mit Sicherheit eine der spannendsten und gelungensten Compilations aus dem Hause V und vielleicht jetzt schon DIE Drum'n'Bass-Compilation des Jahres... ][ lightwood

Coloma - Finery - Ware
Nach dem Debüt "Silverware" nun das nächste Album von Alex Paulick und Rob Taylor, das eine ungewöhnliche Kombination von minimalistisch-abstrakten elektronischen Cuts und Clicks, konventionell eingespielten Piano-, Vibraphon- und Geigenklängen, sowie einer unaufdringlich dominanten, aber meist melancholischen Gesangsstimme präsentiert. Präzises Songwriting ermöglichte das Zusammenbringen solch zunächst unvereinbar erscheinender Elemente. Die harmonisch angenehm klingenden, aber nicht auf das Diktat von Eingängigkeit fokussierten Gesangslinien gewinnen dadurch, daß sie nicht in füllige Begleitklänge eingebettet sind, sondern sich nur über einem spartanischen Elektronik-Korsett, mit gelegentlichen, dezenten Ergänzungen durch die oben erwähnten Zusatzinstrumente, bewegen, einen fast abstrakten Eigenwert, ohne sich letztlich ganz von diesem extrem reduzierten Fundament zu lösen. Damit entsteht ein völlig unaufgeregt ausgetragener Antagonismus zwischen cooler Distinguiertheit und zärtlich gebrochener Emotionalität, der die Grenzen geläufiger Hörgewohnheiten überschreitet und gleichzeitig den mal codierten, mal transparenten Texten die ihnen gebührende Aufmerksamkeit sichert. Das Gefühl atmosphärischer Verlorenheit transformiert sich dann in eine dezidierte Teleologie der Sehnsucht, die neugierige Berührtheit erzeugt. Und sowas gelingt wahrlich nicht vielen Produktionen. ][ hve

VA - Electronic Music for Heroes 02 - Hydrogen Dukebox
Das Londoner Label Hydrogen Dukebox (benannt nach einer Jukebox in einem Allen-Ginsberg-Gedicht) wurde 1992 gegründet und veröffentlichte (je nach Finanzlage) zunächst nur wenige Produktionen aus dem leftfield progressive Techno/House-Bereich. Ab 1995, inzwischen etwas "seriöser" geworden, widmete man sich mehr der Underground-Breakbeat-Szene und protegierte mit James Hardway den bis heute erfolgreichsten Künstler des Labels. Er ist auch auf dieser zweiten Label-Compilation mit dem etwas irreführenden "Helden"-Anspruch vertreten, neben Acts wie The Black Dog, Technova, Metamatics, The Lithium Project, Chamber, Justice, Globo, Norken und A1 People. Trotz dieser Menge verschiedener Protagonisten klingt die Compilation stilistisch ziemlich geschlossen, was für ein Label-Image vielleicht positiv sein mag, für Freunde etwas intensiverer Abwechslung aber weniger erbaulich ist, zumal die atmosphärische Einheitlichkeit der Sounds nicht durch überdurchschnittliche Qualität gestützt wird. Wir hören moodigen, häufig sogar chilligen Breakbeat-Electro-Techno, der in meist langsamem bis schleppendem Tempo gehalten wird und deepe bis spacige, manchmal sogar leicht trancige Vibes transportiert, vereinzelt mit Vocals angereichert. Zwar sind die einzelnen Tracks nicht schlecht, bescheren sogar manchmal ein stückeübergreifendes Emotionspanorama angenehmer Melancholie, erregen aber nicht die substantielle Aufmerksamkeit, die ich von einer Label-Compilation eigentlich erwarte. ][ hve

The Bug - Pressure - Klein
Kevin Martins Projekt The Bug wurde einst für eine Audio-Interpretation von Francis Ford Coppolas paranoidem Überwachungsmovie "The Conversation" initiiert. Vorher, seit den frühen 90ern, produzierte er in Formationen wie Techno Animal oder Ice, arbeitete mit Iggy Pop und William Burroughs zusammen, etablierte sich als gefragter Remixer und stellte Compilations zusammen. Die dabei praktizierte Pflege des Harten und Schrägen spiegelt sich auch im neuen Album Pressure wieder, für das er zudem Gastvokalisten wie Daddy Freddy, Singing Bird, Wayne Lonesome und sogar Tikiman ins Studio holte. Damit wird die hier zu hörende kompromißlose Ragga-Linie bereits vorgezeichnet, allerdings weniger eingebettet in wohlklingende Reggae- und Dancehall-Hymnen als in z.T. staccatoartig komprimierte Techno- und Breakbeat-Fragmente, die die Aggressivität der Vocals wirkungsvoll unterstützen. Diese sollen, passend zum Album-Titel, ein Ventil sein, um "Unzufriedenheit mit sozialen, ökonomischen und politischen Themen auszudrücken" (Infotext). Diese Absicht wird auf rauhe und kraftvolle Weise umgesetzt, wobei herkömmliche Merkmale der verwendeten Stilrichtungen nur noch rudimentär erkennbar sind, dafür aber zu kantig pulsierender Energie zusammengeschweißt werden. Nichts für Schöngeister. ][ hve

The Mover - Frontal Frustration - Tresor
Marc Acardipane, The Mover, seit Ende der 80er unter etlichen Pseudonymen weltweit einer der einflußreichsten deutschen Techno-Produzenten, veröffentlicht nun sein erstes Album auf dem Berliner Tresor-Label. Auf 12 (CD-) bzw. 8 (Doppel-Vinyl-) Tracks präsentiert er seine aktuelle Vision dunkler elektronischer Musik, in der sich ohne Beschönigungen die eingefahrenen Parameter modernen urbanen Lebens widerspiegeln, monoton, düster, cinematographisch abstrakt und physisch konkret spürbar gleichermaßen, emotional erbarmungslos aufrührend und kompromißlos dem Experimentellen verbunden bleibend. Dabei führt er verschiedene Techno-Schulen zusammen, kein Wunder, hat er doch viele von ihnen mitentwickelt. Rücksichten auf Dancefloor-Befindlichkeiten und Clubmusik-Kontexte werden nicht genommen, er sprengt die einengenden Grenzen von Tool-Notwendigkeiten und genreästhetischen Kategorisierungen. Die Beats pochen dumpf und stupide, ohne sich um wohlklangliche Verträglichkeiten oder bpm-Empfehlungen zu kümmern. Sein Bekenntnis zu Detroit liegt in der deepen Erbarmungslosigkeit, nicht in der evolutionierten metrischen Kunstfertigkeit. Die Besinnung auf den Kern technoider Expressivität – das Verschmelzen von Seele und Maschine – richtet gleichzeitig das Visier im Blick nach vorne neu aus, entrümpelt die Essenz von modistischen Hüllen und verdeutlicht in einem eindringlichen Doomcore-Gewitter, daß Techno weit mehr ist als das, was junge DJs heutzutage auf Parties auflegen. ][ hve

Springintgut - Springintgut - Pingipung
Ein bunter Rummelplatz aus Samplesounds und frühlingshaften Klanggefühlen. Zuckerwattesüße Melodien, popkornig zappelnde Geräusche und die detailverliebte Beziehung zu seinen verspielten Rhythmusgerüsten. Unverdorben wie ein Kinderlächeln. Schwebende Geräuschballone in leuchtenden Farbtönen. Grüne Knete und Pustekuchen. Dieses akustische Schlaraffenland läßt Andreas Otto im funkelnden Licht sich drehender Karusselle gedeihen. Äußerst lebendig arrangiert, machen alle Einzelteile und Teilchen dieser dritten Veröffentlichung des Lüneburger Labels zu einem lebendigen Patchwork guter Laune. Das Inventar seines musikalischen Spielzimmers und andere elektro-akustische Niedlichkeiten ertönen am 29.04. beim "PINGIPUNG LABELABEND" in Hamburgs "Golden Pudel Club". ][ g

Brian Aneurysm - Amplified - Substatic
Brian Aneurysm heißt eigentlich Bernhard Pucher und residiert angeblich freiwillig in Texas. Hoffen wir gemeinsam, daß er immer brav bleiben wird und nie mit dem dortigen Justizsystem zu tun bekommt. Die Gefahr scheint aber klein, denn offensichtlich dreht und knubbelt der gute Mensch lieber im heimischen Studio an allerlei Knöpfen, anstatt sich auf den Straßen herumzutreiben. Als Ergebnis halten wir eine Doppel-12inch in Händen, deren Ergebnis angenehmerweise noch nicht einmal dem Vorwurf der Inchverschwendung unterliegen darf. Dunkle Klänge, gemeine Bässe und verstörende Sprachsamples bilden die Eckpfeiler für ein grundsolides Vierviertelprodukt aus der gesalzeneren Tech-House-Ecke. Es knattert, krumpelt und knispelt wie verrückt, so daß man meinen könnte, Daniel Düsentrieb höre genau solcherlei Musik, wenn er seine verqueren Gedanken in all die wundervollen Erfindungen umzusetzen versucht. Tanzbeinverdächtig. ][ motik

Mediengruppe Telekommander - mtk 01 EP - Enduro
Der Einstieg in eine ganze Medienwelt. Irgendwo zwischen deutscher Welle der frühen 80er und dem hier und jetzt. Eiskaltes Neonlicht. Aneckend in der Ästhetik rauhen Waschbetons. Vielleicht auch überzogen mit Edding-Gemälden, Sprüchen und vertrauten Symbolen. Ein Schelm ist, der nun an ein A im Kreis denkt. Eine ganze Lebenseinstellung beginnt zwischen den Rillen der 5-Track-EP zu neuem Leben zu erwachen. Purer Rock. Angereichert mit kleinen elektronischen Gimmicks und Soundtüftelein. Die Texte auf deutsch und nach Liveauftriten schreiend. "Camouflage Yuppie" - es geht nach vorne. Keine Atempause. Zwischen verspielter Brachialität und nüchterner Sinnlichkeit. Beängstigend schön. Irgendwie ungeschminkt. "…Moral schießt keine Tore…". Das Vinyl aus Germoney ist dabei auch noch ein Schlüssel. Zu einer Welt im Internet, die unter http://www.enduroplus.net für alle CD- und MP3-Freunde sämtliche Titel in bester Qualität bereithält. Cover inklusive, versteht sich. Aber auch, oder vor allem, diejenigen, die neuen multimedialen Medienexperimenten gegenüber aufgeschlossen sind, werden bei diesem Projekt ihre Freude haben. An einem Platz, an dem ein offenes Konzept existiert und immer neue Grafiker, Visualisten und Musiker in das Projekt ihren Input bringen. Man kann auf den Output gespannt sein, stehen doch schon jetzt alle Einzelspuren der Veröffentlichung zur Verfügung. Wer will, kann aus Spaß selber was kreieren. Kreativität. Die ersten Remixe sowie ein softcore splatter animationclip sind bereits angekündigt und stehen dann ebenfalls zum Download bereit. OPEN SOURCE. "…Untergrund flüstern also tschüss dann!" ][ g

Pitch Black City feat. Roberta Sweed - Runaway - Mahogani
Zweiter Release auf Kenny Dixons Mahogani-Plattform. "Runaway" bleibt dem mit den Amp Dog Knightz eingeschlagenem Kurs treu und atmet den Geist eines Soul-Live-Jams. Tatsächlich scheinen einige Elemente von Auftritten zu stammen bzw. sie imitieren dieses Gefühl verdammt gut. Wenn es einen nach erstem Hören vielleicht ein wenig gruselt, gibt sich das spätestens beim dritten Versuch. Schöner als die Musik auf dem kommenden Moodymann-Album für Peacefrog. ][ janson

Sin - So Sad - Abuse Industries
Angst einflößende Schönheit dampft in berauschenden Weihrauchschwaden warm über aufnahmewillige Nerven. Der Raum pulsiert in schwermütiger Romantik. Wie ein Hauch von Verschwörung, ein sehnsuchtsvolles Aufbegehren. Märchenhaft klingt Mona Moores atmosphärische Stimme über einem, in düsterer Einsamkeit sich anschmiegsam windenden, synthetischen Streichinstrumentenfluß. Tief im Herzen eines klingenden, bizarren Kristalls isoliert, ausgekleidet mit weichem, dunkelrotem Samt. Downtempo-Beats perlen durch die untermalende Klangmystik von Andy Orel. Ausklang. Stille. Auf sanft schlagenden Flügeln eines Raben hinauf in schwindelnde Höhen durch einen klaren schwarzen Sternenhimmel. Landung auf einem fragilen Zweig. "Der Rosmarienbaum" trägt auf seinem nadligen Blattwerk die unheilschwangeren Ängste einer verlassenen Liebenden über die von Trommeln und Flöten erklingenden, einen möglichen Erfolg vorgaukelnden Schlachtfelder mittelalterlicher Kriege. Eine alte deutsche Volksweise (vor 1776) erstrahlt neu. Auch neu erstrahlen lassen dubbige Remixarbeiten von Waldeck und Audiodope zwei Stücke des letzten Album "Kissing". Und dann erneute Stille, die diesmal traurig das viel zu frühe Ende eines im Fiebertraum lodernden Dornröschenschlafes verkündet. ][ g

Spacek - Motion Control - K7
Eine Zeit lang stand ja UK Garage in dem Ruf, schlicht und einfach der britische R’n’B zu sein: Champagner, dicke Schlitten, Sexismus, bling bling....ihr kennt die Geschichte. Ich höre Spacek und sage: DAS ist der britische R’n’B. Hat Seele, Ideen, ist technisch gesehen vorne dran, traut sich was mit den Beats, und Rhythmus und Blues muß man auch nicht gerade mit der Lupe suchen. Auf LP-Länge zwar kaum erträglich, weil leider nicht sehr vielseitig, an der Auskoppelung Motion Control habe ich aber nichts auszusetzen. Schicke Marimba-Samples, schöner Gesang: eine Ode an die Liebste, bzw.: die Gutaussehende da drüben. Die B-Seite ist zwar so lässig, daß man sie schon fast verschlafen nennen könnte, blamiert sich aber immerhin auf der Textebene nicht sonderlich. Das Instrumental ist eigentlich zu nix gut, außer auf 45 als Garagetool zu dienen. ][ mandel

weltZwei - Expander - Sender
Es muß Frühling sein, den mir träumt beim Erklingen der ersten Sequenzen von Expander von glücklich zwitschernden Piepmätzen, die den Morgen in gleißendem Sonnenlicht wieder aufstehbar erscheinen lassen. Doch hier zwitschert nichts. Vielmehr knuspert und knirpst es nur so, als wäre eine Chipstüte auf Freiersfüßen. Der Clou an der Geschichte aber ist die finster böse Attitude dieser, mit Verlaub, ausgezeichneten Platte, hinterrücks ankriechend durch ein verfremdet eingeplappertes Acid (wenn ich mich da nur nicht verhört habe) und ein donnergrollend fiesen Bass, der mir endgültig die Fassung raubt. So entblößt trauere ich nun über die verlorengegangene Rückseite, die erst der Käuferschar zuteil werden wird und mir eine Platte beschert, für die ich in ein paar Jahren ein Vermögen geboten bekomme, das ich aber selbst unter der Brücke wohnend noch ausschlagen müßte. Dahinter stecken übrigens Benno und Matthias, was nicht weiter wichtig ist, weil, wo Sender drauf steht ist auch Sender drin und offensichtlich weigert sich das Berliner Imprint standhaft endlich mal eine nur durchschnittliche Geschichte in die Welt zu flöten. So bleiben sie halt die Nummer 1, fernab von allen Superstars dieser Welt. ][ motik

Mike Ladd - Wild Out Day / Jet Pack - K7
Wer nach der Majesticons-LP glaubte, Mike Ladd habe einen Naren an teurem Studiosound gefressen, wird von der 7"-Vorabveröffentlichung zu seinem eigentlichen neuen Soloalbum eines besseren belehrt: Wild Out Day bollert rauh und garagenpunky daher wie ein Cabrio voller Speedfreaks mit goldenem Herzen. Worum es in dem Stück genau geht, konnte wg. Hoher wortfrequentz noch nicht eindeutig ermittelt werden, aber es rockt! Relaxter Hip Hop und ziemlich im Sinne der ersten LP dagegen auf der Rückseite, und das reicht locker zur Single des Monats März. ][ mandel

DJ Gregory - Attend 1 - Kitsune
Jiggy-House aus Frankreich. Ähnlich Julien Jabres "Yaloopa" ist das hier ein Ohrwurm sondergleichen. Dieses Mal zwar weniger aufdringlich als bei manchem Soha-Release, aber nicht weniger bestimmt und konsensfähig. Irgendwie die transzendentale Version eines Todd Terry im Jahre 2003. ][ janson

VA - odd pieces # 01 - Substatic
Odd pieces ist als Splitserie für jeweils 4 substatische Musikanten gedacht, auf der diese ihre eher ungewöhnlichen Stücke zum besten geben dürfen. Ob ungewöhnlich oder nicht, der Erstling kann als durchaus gelungen bezeichnet werden. Der unter Coordinates firmierende Matt Thibideau und der scheinbar als Mozart der Straße gehandelte Dazed entspannen uns zunächst mit unspektakulären Houseklängen und ebnen dem düsteren und atmosphärischen Pan/Tone-Track den Weg, welcher mit seiner ungewöhnlichen Beatstruktur ungeheuer dicht und mysteriös wirkt und eindeutig des Verfassers Favorit darstellt. René Breitbarth ist als Tausendsassa bekannt und versucht sich im Gegensatz zu seinem großartigen Solaralbum an einer heiter beschwingten Computerspielnummer, die irgendwo zwischen frühen Speedy-J-Tönen und modernem Tech-House schwebt. ][ motik

Quant - Micracle Man - Ecco.Chamber
Das Wiener Label Ecco.Chamber war in letzter Zeit nicht untätig und hat diverse Künstler unter Vertrag genommen. Darunter auch den Göteburger Jonas Quant. Dessen Maxi "Miracle Man" wirkt nicht nur erfrischend sondern auch durchdacht. Statt sich viel mit Akkordwechseln, chromatischen Halblebigkeiten und Detailversessenheit abzuplagen, konzentriert er sich auf das Wesentliche. Die A-Seite gibt einen druckvollen Offbeat-Track wieder, der in seiner Art ein wenig an Jamiroquai erinnert.Die Rückseite wartet mit einem quirligen Bossastück auf, daß leicht verdaddelt und unkonzentriert wirkt. Säuselnder Gesang versucht dabei über die dann doch auftretende Langeweile hinwegzutäuschen, schafft dies aber nicht. Hirds Remix dieses Stücks hingegen, läßt es minimaler angehen. Beschränkt auf spärliche Percussion-Sounds und den säuselnden Gesang sowie einen fiesen Synthiebass als Hauptelemente, entsteht deutlich mehr Spannung und Wirkung als im Original. ][ mb

VA - Soil:Sole EP - Moving Rec.
Songs, so tiefgreifend und vielsagend wie das Leben, schaffen es nicht in die Mediacharts der heutigen Welt. Vielleicht wird sie in fünfzig Jahren einmal entdeckt, von irgendeinem Enkel, der beim Entrümpeln seines Dachboden über diesen Tonträger voll herzergreifender HipHop-Songs stolpert. Diese Musik, verbittert und selig zugleich, untermalt von einfachen aber mitreißenden Rhythmusstrukturen die in die Beine fahren, wird auch dann nichts an Authentizität verloren haben. Absoluter Liebling: Antenna! ][ mb

Talib Kweli - Get By - Rawkus
Reiß-die-Hände-in-die-Höhe-HipHop ohne Peinlichkeitsfaktor. Talib Kweli reitet in gewohnter Sicherheit über einem kickenden Beat, der entfernt an ATCQ und deren Uptemo-Nummern erinnert. Obendrein gibt es noch eine Frauenchor-Hookline und das Gefühl, daß doch alles so einfach sein könnte. ][ janson

Mr. Lif - Return of the B-Boy - Def Jux
Mr. Lif ist Def Jux’ very own preacher with a mission und sehr sehr dicken Dreads. Wer seine LP I Phantom immer noch nicht unter "Future Classics" ins Regal sortiert hat ist selbst schuld. Zur Erinnerung: Lif versuchte sich damit – erfolgreich – an einem HipHop-Konzeptalbum mit verschiedenen Protagonisten und verschiedenen Näherungen an die simplen, aber ganz schön komplizierten Dinge des Lebens: Arbeit, Liebe, der Platz und die Rolle innerhalb der Gesellschaft ... und: HipHop. An dieser Stelle steigen wir in die Geschichte ein, hier kommt der Beat, ja, vielleicht der chartstauglichste Track, den El-P jemals produziert hat (aus dem Hintergrund: " ...my ass"). Nee, wirklich, das Teil swingt richtig und ist natürlich eine Hommage an die tollste Musik der Welt. Die Rückseite mit Old-School-Beat und einer weiteren Geschichte aus dem I-Phantom-Kosmos, auch hier wie üblich einmal clean, einmal dirty, einmal instrumental, macht die Sache rund und Mr. Lif ist und bleibt unser Mann. ][ mandel

Afrobutt presents The Missing Link - Hairy Claw
Basierend auf einem Sample des Prelude-Klassiker "Nobody Can Love Me Like You Do" von Unlimited Touch, ist "Nobody" abgebrühter und dringend benötigter Boogie-House. "Balls Deep" ist dann ein smoothes Instrumental, daß sich in jedem DJ-Harvey-Set gut machen würde. Diese Platte ist Beweis genug dafür, daß Steve "Fella" Kotey bei den Guten Zuhause ist. Auch wenn er jetzt als Tour-DJ mit den fürchterlichen Chicken Lips durch die Lande zieht. Aber da drücken wir doch noch mal beide Augen zu. ][ janson


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