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Barbara Morgenstern - Nichts Muss - Monika Enterprise
Wunderbare Platte. Ms. Morgenstern geht auf intelligente und interessante
Weise mit Einflüssen zwischen Downbeat und frühen New Order
um, singt vielleicht ein wenig zu selten und schreibt zauberhafte Popsongs,
die ein jeder auf den Lippen hätte, wenn diese Welt gerecht und
das Radio besser wäre. "Ohne Abstand" ist mit klassischer
Songwritermethodik upliftend, "Nichts und Niemand" denkt
ihren kongenialen Remix von Dntels "Evan and Chan" weiter, "Gute
Nacht" singt ein folkiges Wiegenlied zur Analogsynthesizer-Spieluhr,
und "Reset" setzt einen langen Gedankenstrich aus Knistern,
Summen und Akustikgitarrensprengseln ans Ende. "Nichts Muss" klingt
luftig und fett, melancholisch und funky, raffiniert und naiv zugleich.
][ amv
Nobukazu Takemura - 10th - Thrill Jockey
Teil eins einer neuen Serie des Chicagoer Labels. Gemeinsam mit seinem
langjährigen musikalischen Partner Aki Tsuyuko leitet Takemura
dieses Eröffnungsalbum in eine einzigartige leuchtende Wohlklangregion.
Vertraut unabhängige, musikstrukturelle Tendenzen, die auch schon
zu gemeinsamen Projekten mit Bandmitgliedern von Tortoise geführt
haben, erschaffen eine Mixtur aus akustischen Instrumenten, Piano und
Vibraphon. Leichtigkeit liegt in den Stücken unterschiedlichster
Tempi. Teilweise mit einem Hauch von klassischem Klavier, teilweise
mit verspielten Jazzexkursionen zaubern die beiden Japaner viele verträumt
bizarre Hintergründe in Raumklang. Darüber das vordergründige
Experiment der Stimmensynthetisierung. Die Stimme mutiert durch die
künstliche Manipulation zu einem neuen, geheimnisvollen Instrument.
Wie von Computerchips gesteuert scheinen Höhen, Tiefen und Rhythmik
zu den Melodien auf den Stimm(-magnet?)-bändern abspielbar zu
sein. Faszinierend. Eigene Stimmungen beeinflussen dabei die Wahrnehmung
dieses Instruments dergestalt, daß die einzelnen Stücke
immer wieder einen neuen Ausdruck bekommen. Ganz besonders entfalten
sich alle Facetten dieser sehr vielschichtigen Produktion zwischen
den Ohrmuscheln eines Kopfhörers. Sind doch sonst manche Nuancen
wegen ihrer dezenten Fragilität gefährdet, sich im Alltagsgeräusch
zu verlieren. Und wer möchte hier auch nur einen Augenblick ungehört
verstreichen lassen, bis sich bei Track 16 der "Lake Yogo" mit
sanftem Kräuseln über einem wohlwollend schließt? ][
g
Freeform - Condensed - Nonplace
Friedman werkelt fleißig weiter, dieses mal erneut in Form des
Compiler/Editor. Wie bei der vor einem Jahr erschienenen "Replicant
Rumba Rockers"-Zusammenstellung machte sich Friedman auf, aus den
Freeform-Veröffentlichungen der letzten sieben Jahre seine Lieblinge
herauszusuchen, diese zu bearbeitet, zusammenzufügen und verschmelzen
zu lassen. So liegt uns ein weiteres aurales Nonplace-Wunderwerk vor,
das in die Welt der experimentellen, dubbigen Elektronik entführt.
Simon Pyke aka Freeform hat die Fähigkeit entwickelt, unglaublich
tiefe Klangkosmen erschallen lassen zu können, was sich durch Friedmans
Zusammenstellung wunderbar bemerkbar macht. Komplexe Melodie- und Harmoniearrangements
arbeiten im Hintergrund, während sich in den Mittelpunkt des Geschehens
allerlei wirre Soundobjekte schieben. Dort lassen sie sich filtern, zerschnippeln
oder einfach nur durcheinander wirbeln. Am Ende jedoch wirkt dies alles
andere als verworren oder ungeordnet. Im Gegenteil, stets zeichnet sich
ein harmonisches Bild ab, nimmt eine lebhafte Geschichte vor einem Gestalt
an. 51 spannende Minuten also erwarten den Hörer, denn diese CD
hat wahrlich viel zu erzählen. ][ mb
Hagedorn - Homegrown - Onitor
Wolfgang Hagedorn musiziert auch gern mal ohne seinen Computer-Jockeys-Kollegen
Digital Jockey. Daß in seinen Solo-Werken dennoch immer auch
etwas (Data)Pop mitschwingt, ist weder verwunderlich, noch schlecht.
Im Gegenteil: sehr schön verbindet Hagedorn minimale Wuchtigkeit
mit lieblichen Elementen und Melodien, weshalb alle Tracks auf diesem
Album stets mehr als reines Tanzflächenmaterial (ohne dies abwerten
zu wollen) darstellen. Mal minimal technoid (dc 16), mal fast schon
unerhört frech funky (funky infection), mal melancholisch verführerisch
(inquieta) – Homegrown beweist sich als äußerst abwechslungsreich
und vielseitig und dabei auch stets clubtauglich. ][ mb
Donna Summer - This Needs To Be Your Style - Irritant
Nein nicht die weltbekannte Musikikone drückt hier die Knöpfe
und Schalter, keine ruhigen entspannten Erinnerungen drehen an den Reglern
... Die wohl gegensätzlichste Namensaneignung in der Musikbranche.
Sampleparanoia auf einer Mixtur aus Drill'N'Bass, Freejazz,
Noise und künstlerischem Experiment. Brachialität würde
total am Thema vorbei gehen. Auch wenn sich fast jeder der 12 Songs in
einer höheren BPM-Region aufhält, so bläst nichts plump
vor sich hin. Vielmehr hüpft man zwischen Raggasounds, Stromgitarrensamples
und squarepushermäßigen Eskapaden hin und her. Balanciert
auf Pieps und Beeps über zirpende Flächen. Helter Skelter im
Timewarp. Vielen drängt sich sicherlich als erstes der Begriff "Digital
Hardcore" auf. Aber da hätte man gänzlich die bei Donna
Summer miteinbezogenen hypermodernen Jazzauswüchse vernachlässigt.
Sehr unterhaltend. ][ g
VA - Club Bogaloo 2 - Spinning Wheel
More freestyle from out of nowhere – kann das diese Welt ertragen?
Ja, sie muß geradezu, denn diese Compilation dokumentiert nicht
nur die Musik, die seit fünf Jahren in einem gar nicht mal so kleinen
Club im (in der Tat dann) kleinen Pfarrkirchen gespielt wird. Sie steht
Pate für all das, was Reinhard Wimmer, Josef Wiesmeier und Wolfram "Oscar" Aichner
sich zur Lebensaufgabe gemacht haben. Zehn exklusive Stücke, produziert
von den DJs und Künstlern (Max Fresh, Russ Gabriel, Jimpster TGM,
um nur einige zu nennen), die in den letzten Jahren zu Gast im Bogaloo
waren, warten darauf, gehört zu werden und wollen dabei nicht nur
ihre Vielfältigkeit an den Tag legen. Denn trotz ihrer verschiedener
Ansätzen und Stilrichtungen finden sie wunderbar zusammen und sorgen
so für eine ausgewogene, nie langweilig werdende Compilation. Aber
auch für sich alleine und auf der Tanzfläche wirkt jedes Stück,
weshalb es über den Sommer verteilt einige Maxiauskopplungen geben
wird, auf denen dann noch Remixe der jeweiligen Stücke enthalten
sein werden. Und genau das ist es, was man an den Pfarrkirchenern so
sehr schätzt, sei es, wenn sie als DJs die Welt bereisen oder aber
im Plattenladen oder hinter der Kasse ihres Clubs stehen: Zielstrebig
aber offen für Neues bahnen sie sich ihren Weg und dennoch haben
sie dabei stets ihre ganz eigene Meinung. ][ mb
VA - Impact! - Universal Sound
Man möchte ja lästern, daß Soul Jazz (per Unterlabel
Universal Sound) jetzt nach Studio One mit dieser Zusammenstellung der
Schwesterlabels Randy's und Impact! die nächste Reggae-Sau
durch's Reissue-Dorf treibt. Aber auch hier sind die Qualität
der Auswahl, der Linernotes und des Masterings dermaßen frappierend,
daß es einem den Besserwisser verschlägt. Ich besitze beispielsweise – glücklicher
Zufall – eine jamaikanische Pressung von "This Is Augustus
Pablo". Von dieser LP haben sie hier zielsicher die beiden besten
Stücke (und ein Foto) ausgesucht, und das Mastering ist so gut,
daß ich auf einmal ein Klavier im Hintergrund von "Dub Organizer" höre,
das mir bisher immer entgangen war. Anders als bei der Studio-One-Serie
gibt es hier keine thematische Sortierung: Roots, Rockers, Soul und Scorchers
geben sich die Klinke in die Hand; der Katalog von Randy's dürfte
ja auch um einiges kürzer sein als der von Studio One. Im Vergleich
zum Studio-One-Sound sind die Titel auf dieser Sammlung dreckiger, lockerer
und reicher an Mundharmonikas, aber nicht weniger funky, soulful oder ärmer
an Jackie Mittoo. ][ amv
VA - Jazzanova Remixed - JCR
Rima - This World - JCR
Neues aus Berlin. Die Jazzanovas haben diverse Remixe ihrer Albumtracks,
aber auch einige Remixe von Stücken, die nicht vom Album sind, zu
einer Doppel-CD zuammengefasst. Verhalten tut es sich damit, wie mit
den bereits auf Maxis erschienenen Remixen: einige wenige interessante
und das Original bereichernde Werke teilen sich den Platz mit jeder Menge
Durchschnittlichem. Gute Arrangements und durchdachte, detaillierte Produktionen
lassen sich eben nicht einfach mal so neu gestalten. Überzeugen
jedenfalls tun Doctor Rockit (der aber auch auf Maxi zu haben ist), DJ
DSL (meisterlich) und Electric Sheep. Ob man sich's kaufen soll,
bleibt jedem selbst überlassen.
Nicht viel anders verhält es sich mit Rimas Debut-Album auf JCR.
Der Versuch von Domu und Volcov, denn diese beiden Herren verbergen sich
hinter Rima, ihre Welt der Musik auszugestalten und vorzustellen, endet
in einem (Jazz)Opus, der denen der frühen 80er in nichts nachsteht.
Und die waren genauso oberflächlich und nichtssagend wie "This
World". Nicht wissend, wo die Reise hingeht, reißen die Beiden
diverse Ideen an, spielen mit Arrangments und Solis, untermalen diese
mit mal mehr mal weniger vertrackten Beats und kommen dabei nicht auf
den Nenner. Da helfen die diversen Gastmusiker auch nicht viel weiter.
][ mb
VA - Indietronica - Pop + Electrónica - Sonarmusic
Ich weiß zwar nicht, wer heute noch eine Einsteigercompilation
in Sachen Indietronics (oderwieauchimmer) kaufen soll, aber sei's
drum. Die Zusammenstellung ist jedenfalls tadellos, alles paßt
prima zusammen. Neben Hits der üblichen Verdächtigen (Lali
Puna, The Notwist, Schneider TM) sollte hier für jeden etwas Neues
zu entdecken sein, und ein rares Schmankerl ist mit der Stereolab/Mouse-On-Mars-Kooperation "Cache-Cœur
Naïf" auch dabei (übrigens so ziemlich das Beste, was
die Beteiligten jemals gemacht haben). ][ amv
Column One - The Audience Is Sleeping - 90% Wasser/Moloko
Schon das Artwork des CD-Covers, das bei den schwer ertönenden Glockenschlägen
des ersten Tracks die Reise in weichkalte Bergregionen visuell vorbereitet,
ist außergewöhnlich. Verträumte Möwen, auf deren
Schwingen wohl die verschneite Klanglandschaft durch den Raum getragen
wird. Doch noch ruhen sie. Die Glocken lassen sie aufhorchen. Man startet
und ein Panorama bis zur Unendlichkeit breitet sich um einen aus. Raumklang.
In Trance versetzend. Mit teilweise eingeflochtenen Houseanklängen,
wie sie einst nicht schöner von Forever-Sweet-Platten erklangen.
Aber die Beatgerüste gehen weiter, werden verspielter und immer
tiefgründiger. Elektro findet sich genauso wieder wie Funk und Beat.
Unglaublich sexy, alles zum grooven bringend - und doch so reduziert.
Stimmenfragmente und Samples, präzise plaziert als ergänzende
Instrumentierung. In einem klar konstruierten Gerüst. Klangarchitektur.
Dann der Schritt in das Innere. Die maschinelle Rhythmik übernimmt
den Takt. Was geblieben ist, und alles so harmonisch zusammenfügt,
ist das Verhaltene. Die wenigen Geräuschquellen, die immer genügend
Platz lassen, in der eigenen Welt das Werk anzureichern und auszuschmücken.
Man glaubt Schemas wieder zu erkennen - Geborgenheit. Aber experimentell
und spontan genug, um nicht einfach nur vorüber zu ziehen. Mitgehen.
Treiben lassen. Atmosphärisch. Prickelnde synthetische Klänge
stimulieren die Nervenenden in einer simulierten Natur. Und wieder erscheinen
die Möwen, die mit leisen Schwingen durch die Weiten der aufgeklappten
Berglandschaft ihre gleichmäßig ruhigen Bahnen zum Ausklang
ziehen. Wie aufgezogen und angetrieben. Mechanisch. Ein Traum. Wer will
erwachen? The audience is sleeping! ][ g
Zongamin - Zongamin - XL Recordings
Eine Platte, die beweist, daß Japaner im Zweifelsfall die besseren
Europäer sind bzw. in der Lage, ohne historische Altlasten auch
dem ausgelutschten BigBeat/Downtempofunk, um nicht zu sagen: TripHop,
noch neue Seiten abzugewinnen. Zuförderst durch die Gabe, genau
im richtigen Moment den komplizierteren, mutigeren Weg zu gehen. Gitarrensamples
beispielsweise, eigentlich ein pfuibäh, werden hier in einer Weise
behandelt, daß auch Fatboy Slim die Ohren schlackern müßten.
Fremdsamples sind entweder komplett vermieden worden oder bis zur Unkenntlichkeit
verstümmelt, die Dreingaben diverser Gastmusiker an Percussions,
Keyboards, Turntables und weiterem Schnickschnack dagegen organisch auf
die Funkbeats gesetzt. Feine, vielseitige Arbeit – Daumen hoch.
][ mandel
VA - Tape 10 / Thema: Fotografie - Ware
Mehr als nur eine CD. Wie eine ganze Ausstellung. Zu zehn Aufnahmen,
die das Booklet dem Interessierten auch gerne zeigt, haben neben Labelgründer
Mathias Schaffhäuser neun weitere Künstler ihre vertonte
Interpretation der jeweiligen Fotografie hinzugefügt. Fern von
Beats und Tanzfläche. Spacige Klangmalereien, die den Bildern
Leben schenken. Ganze Kompositionen. Entspannte Hintergrundklänge,
die einen beim Schlendern durch die virtuelle Galerie begleiten. Eine
witzige Geschichte, so ein akustisch untermalter Fotokatalog. Doch
ein kleiner Wermutstropfen drängt sich sofort auf. Das Format
der CD, und damit auch das des Booklets, ist definitiv zu winzig, auch
nur einen Hauch von dem zu schenken, was die Großbildfotografien
in ihrer Originalgröße (180 cm x 180 cm und größer)
wohl vermögen. Hier hätte man sich sicher für ein anderes
Format entscheiden sollen. ][ g
DJ Scud - Ambush - Rephlex
Eine Sammlung verstreuter Veröffentlichungen des Londoner Toby Reynolds,
der als DJ Scud in heftigster Drill'n'Bass-Manie so manchen
Club auch noch zu spätester Stunde in eine dampfende Höhle
verwandelt. Alles beginnt zu zucken. Smoothe Raggaklänge werden
unter einer treibenden Walze aus jungeligen Beats vor sich her getrieben.
In der Klangästhetik zwischen jamaikanischer Straßen-Beat-Box, übersteuerter
Verstärker und Atarisounds, peitschen die neun Titel ziemlich wild
umher. Für alle, denen Atari Teenage Riot, Christoph de Babalon
und Panacea schon immer gefallen haben. Absolut schweißtreibende
Verausgabung bis zum Äußersten. Vor allem deswegen, weil es
durchweg tanzbar ist: "Kill or be Killed"… ][ g
The Modernist - kangmei - Wonder
Auf etlichen 12inches und Compilations hat J.Burger seit 1990 veröffentlicht,
aber mit [kangmei] liegt jetzt erst sein drittes Album als Modernist
vor. Dieses bewegt sich mit einem stilistisch griffigen Soundpool auf
der Ebene minimalistischer Techno-Strukturen, die in einem zügigen
House-Tempo entwickelt werden. Dabei dominiert ein locker und elegant
groovender Duktus, der sowohl für von prägnanten Melodiefragmenten
umspielte Synkopen als auch für Implikationen eines entschlossenen
Drives die notwendigen Räume läßt. Nur die auf drei von
elf Tracks auftauchenden Vocoder-Vocals streifen entfernt Assoziationssegmente
von Neo-Electronic-Pop, dienen aber eher dazu, ein paar inhaltliche Messages ´rüberzubringen,
die sich im Kontext des Titelstücks bewegen ("kangmei" ist
chinesisch für "Widerstehe Amerika !"). Phasenweise
unterstreichen auch ein paar dezente Gitarrenklänge eingängigere
Elemente, balancieren sich aber applaudierungswürdig erfolgreich
auf dem schmalen Grad zwischen angedeutetem (wenn auch vermiedenem) Kitsch
und praktizierter Kunstfertigkeit aus. Eine luftig-souveräne Hermetik,
die potentiell in den Bann zieht, erstreckt sich so über das gesamte
Album. ][ hve
Jay Alansky - Les Yeux Crevés - F Communications
Das F-Label hat einiges geleistet, umgibt sich aber nicht erst seit neulich
mit einer Aura übertriebener Süßlichkeit. Langsamer
als die meist House-sozialisierten Labelmates beginnt Jay Alansky sein
Album mit einer lupenreinen Dorfmeisterei und bleibt auch im weiteren
Verlauf im schleppenden Bereich tätig. Daß in diesem Bereich
eine reiche Ornamentik zum guten Ton gehört, erklärt meine
Reserviertheit gegenüber solchen Projekten. Alansky haut
einiges mit Gainsbourg-Verneigungen und entspannter Kiffertrance wieder
raus und ist mir zu meiner eigenen Überraschung soundmäßig
doch noch näher als die irgendwie viel zu verspießerte neue
Chanson-Szene. Ändert nichts daran, daß das Album für
seine paar netten Ideen ungefähr um die Hälfte zu lang geworden
ist. ][ mandel
VA - Bip Hop Generation V.6 - Bip Hop/Bleep
Teil sechs der außergewöhnlichen Darstellung besonderen Geräuschdesigns.
Elf ausgewählte Klangmalereien von Scanner, Battery Operated, Bittonic,
Alejandra&Aeron, Ilpo Väisänen und Angel. Elf mal tief
in Struktur und Arrangement. Maschinenarbeit und Menschlichkeit. Jedes
Stück ein in sich abgeschlossenes komplexes Gebilde, ein lebendiger
Organismus. In innerer Modulation sich fortbewegend. Kein Verharren.
Seine eigene Metamorphose kontinuierlich durchlebend. In den verschiedensten
Aggregatzuständen schwebt man mit transparenten Gasschwaden durch
klare Regionen, gleitet in zähflüssigem Klang durch düster
dampfende Industrielandschaften oder wirbelt in stroboskopartigen, funkelnden
Stimmstrudeln durch kristalline Platinenlabyrinthe. Keine klaren Beats,
keine simplen Rhythmusgerüste. Vertrackte Zusammenstellungen mit
viel experimentellem Gehalt. Für fortgeschrittenes Hören. ][
g
VA - Wir - L'age d'or & Ladomat
Eine Compilation, wie sie vielfältiger nicht sein könnte. Und
dennoch ist auch alles so harmonisch, wenn für diesen Sampler, der
36 Stücke umfaßt, die beiden Labels Ladomat und l'age
d'or miteinander fusionieren. Independent-Musik trifft auf Elektronika.
Und zusammen haben sie für jeden was dabei. Rock, Pop, Housiges
oder Fun, alles gibt's. So daß WIR auch alle zusammen hören
können. Da erklingt die umwerfende Stimme von Miss Kittin wie der
Gitarrensound von Tocotronic. Ascii. Disco entführt in die 80er.
Sensorama, Kandisquer, beigeGT, Console und Justus Köhnke sind neben
noch vielen anderen genauso mit am Start bei diesem fast dreistündigen
Ausflug in die letzten drei Jahre der beiden Labels. Sehr authentisch.
Ein Spaß bringendes, musikgeschichtliches Nachhörwerk in
sehr ausgedehnter Dimension. ][ g
The Modernist - kangmei - Wonder
Jörg Burger, seit mehr als zehn Jahren im Geschäft, früher
als Bionaut (neulich mit Vergnügen aufgelegt: Seinen Remix von Steve "Silk" Hurleys "Jack
Your Body"), später dann mit Mike Ink Gallionsfigur kölschen
Minimaltechnos und mir deswegen etwas entfremdet, denn mal ehrlich: jaaahrelang
den einen Sound pflegen, wem hilft das? Sogar von J.S. Bach wird erzählt,
er hätte es auf dem Höhepunkt seiner Karriere mal mit einer
zweiten Idee versucht. Nun, vielleicht bricht der eingetroffene Longplayer
auf Wonder das Eis? Das Intro ist schon mal ein richtiges Intro, dessen
Elemente sich allmählich auf Housetempo einschwingen, das dann für
den Rest der Platte auch das Zeitmaß vorgibt. Die schlanke Produktion,
mit zeitweise echt doofen Vocals und einigen schönen Hooks, kommt
mir vor wie ein Echo aus wilderen Ravezeiten, das jetzt für die
gereifte Stammkundschaft als DeLuxe-Listening-Ausgabe aufbereitet wurde.
Aber was soll der Neid: die Platte macht natürlich auch Spaß,
kann einen durch melancholische Phasen begleiten und ist mehr als eine
Singles-Compilation. ][ mandel
Turquoise - Turquoise - Salz
Die 80er Jahre sind wieder einmal zurückgekehrt. Doch wer nun fürchtet,
ein weiterer elektroider Abklatsch habe sich in die Plattenregale geschlichen,
ist auf dem völlig falschen Dampfer. Nein, Mundharmonika-Melodien
und fröhlich romantische Popverehrungen erklingen bei diesen 13
Elektropop-Perlen von Gerd Türke. Alles wirkt positiv. Eine heile
entspannte Welt. Gleichförmig und unkantig. Hier wohnen auch Erobique,
Captain Future, Heaven17, Burt Bacherach und Serge Gainsbourg. Zusammen
mit Jörg Burger (The Modernist) startete er seine musikalische Karriere
in eben dieser Zeit, die hier farbenfroh wieder aufblüht. Die Diskokugeln
drehen sich. Und ehe man sich versieht, dreht man sich selber in dem
netten Strudel der Retrospektive. Dabei werden alle Grenzen des ehemals
beschränkt wirkenden Genres verspielt gesprengt und mit progressiven
Ideen angereichert. Manchmal technoid wirkende, treibende Passagen voller
Energie, doch ohne agressives Potential. Unantastbarkeit. Spaß und
Freude als Konzept. Eine Reise mit der Vergangenheit in eine beschwingte
Zukunft. ][ g
The Black Dog - Genetically Modified - Hydrogen Dukebox
Bereits seit Jahren schon schreiben sie Musikgeschichte, und nun erscheint
ein neues Album der ständig in seiner Formation und seiner Stilvielfalt
mutierenden Formation aus England. Jede ihrer zahlreichen Veröffentlichungen
setzte neue Trends. So ist es kaum verwunderlich, daß jedes ihrer
Alben sich in einem total anderen Antlitz präsentierte. Und nun
ein neuer Abschnitt. Zum größten Teil als Remixe unter anderem
von CJ Bolland, A1 People, Laub und anderen dargeboten. Daneben zwei
eigene Mixe. Zum einen "unsavoury products" als Tribute
to William S. Burroughs ("Naked Lunch") und "voodoo" im
black dog drum&bass mix. Ein Hammer. Durch die zahlreichen Mitwirkenden
sind die einzelnen Stücke so unterschiedlich in ihrer Gestalt,
daß ein hohes Potential an Abwechslung dieses Release zu einem
wahren Hörgenuß werden läßt. Zeitlosigkeit erscheint
diesen Stücken ebenso eigen zu sein, wie sich das bei der Warp-Veröffentlichung "Spanners" auch
schon herauskristallisierte. Ein musikalischer Trip in eine andere
Dimension. Dort, wo die Kommerzialisierung nicht hin kann und dennoch
oder vielleicht gerade deswegen der künstlerische Anspruch so
sehr in den Vordergrund tritt. Nach dem die elf Stücke mit Laub
ihr Ende genommen haben, kommt der Commercial Part. Very funny … one
size fits all … ][ g
Dopplereffekt - Linear Accelerator - International DeeJay Gigolo
Digitaler Reinigungsprozeß. Sehr interessant, was die Herren aus
München da kurz vor ihrem hundertsten Release den Ohren schenken.
Fast schon zärtlich beginnt sich der "Photo Injector" in
die Köpfe zu schleifen, bevor er im Hall und Echo verebbt. Von neuem
Sonar wird man geortet und eingekreist. Eine klaustrophobische Atmosphäre
breitet sich langsam und beständig aus. In Zeitlupe. Nur die Peilung
erinnert noch an Echtzeit. Geräuschkulisse wie bei Kraftwerks "Vom
Himmel hoch …" . Assoziationen an den Film "Der Höllentrip" flackern über
die Netzhaut. Synthetisches Echo im Wassertank. Entspannung blubbert
in satten Blasen durch den Körper. Restgeräusch. Mit zerhackten
Distortions geht es weiter. Heftiger. Bedrohlicher. Maschinendialoge
in abstrakter Kommunikation. Vielleicht Signale? Ufo-Belauschung. Elektrostatisch
geladene Umgebung. Filigran blitzen Bleeps und Klicks in der Räumlichkeit
des Stereos auf. Um einen herum ein wabernder Organismus. Schnitt – Kontrast.
Plötzlich Spaceorgelsound. Melodisch. Meditative Elemente, futuristische
Geisterbahnvisionen, Tangerine-Dream-Welten und das Gefühl des
Rancho Relaxo verschmelzen im Kopfhörersound zu Träumen elektronischer
Pionierarbeit. ][ g
Faruk Green - A Certain Mr. Green - Copasetik
Bereits mit Vorschußlorbeeren von Gilles Peterson und Steve Lamacq
schmückt sich das Debüt-Album dieses türkisch-deutschen
Trios, das allerdings auf fast allen 13 Tracks von weiteren Musikern
unterstützt wird. Dabei haben wir es weniger mit dramaturgisch arrangierten
Songstrukturen oder beatorientierten Dancefloortools als mit meist elegischen
Stimmungsbildern zu tun, für die aber das Adjektiv chillig auch
nicht zutrifft. Das liegt schon an der konservativen Instrumentierung,
die mit beckenlastigem Schlagzeug und Kontrabaß ein bißchen
an Kaffeehaus-Jazz erinnert, obwohl die soundtragenden Keyboard-Harmonien
und nichtakkordischen Gitarrenlinien eher weniger in dieses Bild passen
wollen. Ungewöhnliche, wenn auch ruhige, fast einschmeichelnde Klanggemälde
entstehen so, die Tempowechsel weitgehend aussparen, überwiegend
langsam voranschreiten und ihrer einheitlichen stilistischen Linie nur
selten mit vereinzelten Vocals und anderen Zusatzinstrumenten eine leicht
abweichende Note verleihen. Und obwohl die im Schnitt nur 3 1/2 Minuten
langen Stücke eher Entwürfen als fertigen Kompositionen gleichen,
strahlen sie eine angenehme, ja fast wunderbar in sich ruhende Ganzheitlichkeit
aus, die fernab aller Genregrenzen selten zu finden ist. ][ hve
Zimpala - The Breeze Is Black - Lounge
Die beiden DJs BNX und David Walters aus Bordeaux fesseln dich mit den
zehn vorliegenden Tracks auf unterschiedlichste Weise. Vielfalt ist
das Zauberwort und jeder Track steht hier fast für sich. Trotzdem
ist ein sich durchziehendes Grundgefühl spürbar. Überwiegend
Downtempo- und House-Nummern, straight bis perkussiv breakig, mal zum
Träumen, mal zum Dahinschmelzen, mal zum Hüfte kreisen lassen,
erobern schnell dein Ohr. Organisch geformt und spannend arrangiert,
zimmern sich Zimpala zehn eingängige Nummern. Höhepunkte
sind "Adios", "Kush!" und "Crazy Girl".
][ lightwood
Le Rok - Hausarbeiten - Karaoke Kalk
Höchst merkwürdige Platte, die sich ihren Platz schafft. Eigenartig
und schön, wie Musik sich manchmal durch Wiederholung verändern
kann. Keine neue Weisheit, aber immer wieder gut anzumerken, daß Platten
sich trotz anfänglicher Ablehnung irgendwie durchsetzen können.
Ellbogen sind da durchaus erlaubt. Christoph Döhne aus Hannover
hat sich innerhalb von 5 Jahren dieses Album ausgedacht. Und genauso
bedächtig scheint sich seine Musik bei mir seinen Platz zu erarbeiten.
Le Rok ist kein Wunderknabe wie Roman oder Wunder, seine Stücke
sind eher unauffällig im Wust von elektronischer (Pop)-Musik dieser
Tage. Das Album als Ganzes hat es aber faustdick hinter den Ohren! Und
irgendwie erinnert mich das sehr an das fast verlorengeglaubte Erarbeiten
von Indie-Platten vergangener Zeiten. Musik, die man zunächst nicht
ganz versteht, einordnen kann, oder deren Reiz sich nur ganz langsam
entblättert, weshalb man dann auch wohl dran bleibt und für
die Hartnäckigkeit doppelt belohnt wird.
Indie-Pop elektronischer Herkunft, zwischen Low-Fi-Niedlichkeit, Drone-Rausch,
Artyness und Rockenwollen, fummelt an und um sich selbst herum und müßte
heute eigentlich auf Teenbeat herauskommen, wenn es das Label noch gäbe
und man dort einfach nur die Gitarren mit dem heute üblichen Alleinunterhalter-Equipment
getauscht hätte. ][ f. d`a.
Anders Ilar - Everdom - Shitkatapult
Puh! Der Sexdoktor Anders Ilar hat ein Album gemacht, das mehr noch als
seine Maxi einen Zustand auslotet, den man als ein Ringen zwischen
Entspannung und Aufregung beschreiben sollte. Die wenigen Tracks, die
von der Bassdrum und den glitschigen HiHats zusammengehalten werden,
können noch am ehesten mit Carsten Jost verglichen werden, was
ja nicht die schlechteste Referenz ist. Der Rest ist GAS, ohne den
deutschen Wald, die englischen Labradford ohne Gitarre und etwas Boards
of Canada ohne Beats. Die Tracks sind unerträglich radikal tief,
stehen im Raum. Wie Torpfosten im Nebel. Das Spiel findet irgendwo
auf einer Wiese zwischen Helsinki und Kopenhagen statt. Der Schauplatz
ist mit durchsichtiger Zellophanfolie eingepackt und wir dürfen
für eine knappe Stunde unter die Folie huschen. Die Mannschaften
heißen Zen und Rave. Aber kein Ball in der Nähe, also rauf
auf die Torlatte und an etwas Schönes gedacht. Irgendwo schießt
jemand von draußen Sternschnuppen in den Nebel. Sieht super aus.
Größter Stadionrock, das! Ach so, das Spiel endet 1:0 für
][ f. d`a.
VA - Neue Heimat 3 - Ministry of Sound
"Electric Music Made in Germany" heißt erneut der Untertitel
dieses Samplers, und erneut wurde (nahezu) willkürlich ein Sammelsurium
bekannter bis weniger bekannter deutscher Acts aus den diversen elektronischen
(und auch deutlich angerockten) Genres zusammengestellt. Die meisten
Stücke erschienen bereits (z.T. schon vor geraumer Zeit) auf eigenen
Tonträgern und wurden zudem, so weit dies möglich war, auf
den griffigen, potentiell charts-tauglichen Radio-Edit reduziert. Zwar
ist neben dem (Szene-)Overground auch Material aus weniger arrivierten
Bereichen vertreten, doch nach wirklich Innovativem sucht man eher vergeblich.
Auch ein roter Faden bei der Auswahl der Tracks ist kaum erkennbar, ihre
Qualität schwankt erheblich und ist für den Kritiker letztendlich
nicht schlüssig bewertbar, da uns von den 35 Titeln auf Doppel-CD
nur 12 auf Einfach-CD als Rezensionsexemplar zugingen, zwei Drittel also
fehlen. Mit dieser um sich greifenden Unsitte (ähnlich der, Tracks
nur zwei Minuten lang anzuspielen) der PR-Abteilungen werden diese sich
im Endeffekt ins eigene Fleisch schneiden, denn die gerade im unübersichtlichen
Wust elektronischer Clubmusik notwendigen Orientierungshilfen für
potentielle Konsumenten (kaufende Endverbraucher und multiplikatorisch
wirkende DJs) werden damit kontraproduktiv beschnitten. ][ hve
Ghost Cauldron - Invent Modest Fires - !K7
Ein Debüt-Album, das zwar nur von zwei Leuten (DJ Kaos von der Berliner
Gruppe Terranova und sein alter Skate-Buddy CE.EL) produziert wurde,
sich aber meistens anhört, als sei es von einer ganzen Band eingespielt
worden. Damit bewegt es sich auch nicht auf der Ebene dessen, was uns
als Clubmusik geläufig ist, auch wenn Gitarrenriffs, Drums und Streicher
gänzlich aus dem Live-Sounds-Sample-Archiv von Kaos stammen. Der
musikalische Duktus entspricht eher dem einer schwermütigen Down-Tempo-Rockband,
ist aber dennoch genremäßig nicht klar zuordenbar. HipHop-Elemente
tauchen da in getragenen Rap-Passagen ebenfalls auf, dazu melancholische
Orient-Sounds, Folk-Klänge, Disco-Beats und Garage-Gitarren. Meist
aber liegt eine dem Dark Wave ähnelnde Atmosphäre geheimnisvoll-mächtiger
Düsternis über den Stücken, ausgefüllt aber nicht
von finaler Depression und Resignation, sondern von akuter Bedrohlichkeit,
die noch Raum läßt für eine entschlossene Verteidigungshaltung,
sei die Lage auch noch so aussichtslos. Unterstützt wurde das Duo
bei dieser Produktion von fähigen Gast-Vokalisten wie Anti Pop Consortium,
Priest, Apani B Fly und Nick Taylor, die sich alle nahtlos in dieses
abwechslungsreiche Manifest nichttradierter Gothic-Erben einfügen.
][ hve
VA - DJ Patife & Suv pres. Fiesta - V Rec.
Bristol meets Sao Paulo. Der Sommer kann kommen. Auf zwei CDs finden
sich 25 überwiegend exklusive Tracks, die sich ungemixt voll entfalten
können. Interessant ist die Mischung der vertretenen Artists:
zum einen altbekannte V-Recordings-Künstler (Suv, Marky & XRS,
Lemon D, Ray Keith), dann Künstler mit ihrem V-Debut (John B,
Danny C, EZ Rollers, Sonic, A. I.), desweiteren Acts, die eher abseits
des Drum'n'Bass-Geschehens von sich reden machen (Dave
Angel, Nicola Conte) und nicht zuletzt nahezu unbekannte Namen (Koloral,
Syndicate, Como Le Gusta,...). Insgesamt aber ein schlüssiges
Bild und bis auf ganz kleine Ausnahmen hohe Qualität. Mit "Ready
For Love" stellen die EZ Rollers sogar die gesamten Tracks ihres
kürzlich erschienenen Albums in den Schatten. "LK" (hier
im M.I.S.T. Rmx) und "The Mexican" dürfen bei dieser
Reise durch die melodischen, funkigen und latinesquen Gefilde natürlich
nicht fehlen. Suv nutzt die Chance und packt gleich vier seiner Tracks
drauf, während Patife seine Landsleute unterstützt. Die Vinyl-Version
teilt sich auf mehrere Maxis auf. Ausschau halten nach "Inta
Outa", Lemon D und EZ Rollers! Mit Sicherheit eine der spannendsten
und gelungensten Compilations aus dem Hause V und vielleicht jetzt
schon DIE Drum'n'Bass-Compilation des Jahres... ][ lightwood
Coloma - Finery - Ware
Nach dem Debüt "Silverware" nun das nächste Album
von Alex Paulick und Rob Taylor, das eine ungewöhnliche Kombination
von minimalistisch-abstrakten elektronischen Cuts und Clicks, konventionell
eingespielten Piano-, Vibraphon- und Geigenklängen, sowie einer
unaufdringlich dominanten, aber meist melancholischen Gesangsstimme präsentiert.
Präzises Songwriting ermöglichte das Zusammenbringen solch
zunächst unvereinbar erscheinender Elemente. Die harmonisch angenehm
klingenden, aber nicht auf das Diktat von Eingängigkeit fokussierten
Gesangslinien gewinnen dadurch, daß sie nicht in füllige Begleitklänge
eingebettet sind, sondern sich nur über einem spartanischen Elektronik-Korsett,
mit gelegentlichen, dezenten Ergänzungen durch die oben erwähnten
Zusatzinstrumente, bewegen, einen fast abstrakten Eigenwert, ohne sich
letztlich ganz von diesem extrem reduzierten Fundament zu lösen.
Damit entsteht ein völlig unaufgeregt ausgetragener Antagonismus
zwischen cooler Distinguiertheit und zärtlich gebrochener Emotionalität,
der die Grenzen geläufiger Hörgewohnheiten überschreitet
und gleichzeitig den mal codierten, mal transparenten Texten die ihnen
gebührende Aufmerksamkeit sichert. Das Gefühl atmosphärischer
Verlorenheit transformiert sich dann in eine dezidierte Teleologie der
Sehnsucht, die neugierige Berührtheit erzeugt. Und sowas gelingt
wahrlich nicht vielen Produktionen. ][ hve
VA - Electronic Music for Heroes 02 - Hydrogen Dukebox
Das Londoner Label Hydrogen Dukebox (benannt nach einer Jukebox in einem
Allen-Ginsberg-Gedicht) wurde 1992 gegründet und veröffentlichte
(je nach Finanzlage) zunächst nur wenige Produktionen aus dem
leftfield progressive Techno/House-Bereich. Ab 1995, inzwischen etwas "seriöser" geworden,
widmete man sich mehr der Underground-Breakbeat-Szene und protegierte mit
James Hardway den bis heute erfolgreichsten Künstler des Labels.
Er ist auch auf dieser zweiten Label-Compilation mit dem etwas irreführenden "Helden"-Anspruch
vertreten, neben Acts wie The Black Dog, Technova, Metamatics, The
Lithium Project, Chamber, Justice, Globo, Norken und A1 People. Trotz
dieser Menge verschiedener Protagonisten klingt die Compilation stilistisch
ziemlich geschlossen, was für ein Label-Image vielleicht positiv
sein mag, für Freunde etwas intensiverer Abwechslung aber weniger
erbaulich ist, zumal die atmosphärische Einheitlichkeit der Sounds
nicht durch überdurchschnittliche Qualität gestützt
wird. Wir hören moodigen, häufig sogar chilligen Breakbeat-Electro-Techno,
der in meist langsamem bis schleppendem Tempo gehalten wird und deepe
bis spacige, manchmal sogar leicht trancige Vibes transportiert, vereinzelt
mit Vocals angereichert. Zwar sind die einzelnen Tracks nicht schlecht,
bescheren sogar manchmal ein stückeübergreifendes Emotionspanorama
angenehmer Melancholie, erregen aber nicht die substantielle Aufmerksamkeit,
die ich von einer Label-Compilation eigentlich erwarte. ][ hve
The Bug - Pressure - Klein
Kevin Martins Projekt The Bug wurde einst für eine Audio-Interpretation
von Francis Ford Coppolas paranoidem Überwachungsmovie "The
Conversation" initiiert. Vorher, seit den frühen 90ern, produzierte
er in Formationen wie Techno Animal oder Ice, arbeitete mit Iggy Pop
und William Burroughs zusammen, etablierte sich als gefragter Remixer
und stellte Compilations zusammen. Die dabei praktizierte Pflege des
Harten und Schrägen spiegelt sich auch im neuen Album Pressure wieder,
für das er zudem Gastvokalisten wie Daddy Freddy, Singing Bird,
Wayne Lonesome und sogar Tikiman ins Studio holte. Damit wird die hier
zu hörende kompromißlose Ragga-Linie bereits vorgezeichnet,
allerdings weniger eingebettet in wohlklingende Reggae- und Dancehall-Hymnen
als in z.T. staccatoartig komprimierte Techno- und Breakbeat-Fragmente,
die die Aggressivität der Vocals wirkungsvoll unterstützen.
Diese sollen, passend zum Album-Titel, ein Ventil sein, um "Unzufriedenheit
mit sozialen, ökonomischen und politischen Themen auszudrücken" (Infotext).
Diese Absicht wird auf rauhe und kraftvolle Weise umgesetzt, wobei herkömmliche
Merkmale der verwendeten Stilrichtungen nur noch rudimentär erkennbar
sind, dafür aber zu kantig pulsierender Energie zusammengeschweißt
werden. Nichts für Schöngeister. ][ hve
The Mover - Frontal Frustration - Tresor
Marc Acardipane, The Mover, seit Ende der 80er unter etlichen Pseudonymen
weltweit einer der einflußreichsten deutschen Techno-Produzenten,
veröffentlicht nun sein erstes Album auf dem Berliner Tresor-Label.
Auf 12 (CD-) bzw. 8 (Doppel-Vinyl-) Tracks präsentiert er seine
aktuelle Vision dunkler elektronischer Musik, in der sich ohne Beschönigungen
die eingefahrenen Parameter modernen urbanen Lebens widerspiegeln,
monoton, düster, cinematographisch abstrakt und physisch konkret
spürbar gleichermaßen, emotional erbarmungslos aufrührend
und kompromißlos dem Experimentellen verbunden bleibend. Dabei
führt er verschiedene Techno-Schulen zusammen, kein Wunder, hat
er doch viele von ihnen mitentwickelt. Rücksichten auf Dancefloor-Befindlichkeiten
und Clubmusik-Kontexte werden nicht genommen, er sprengt die einengenden
Grenzen von Tool-Notwendigkeiten und genreästhetischen Kategorisierungen.
Die Beats pochen dumpf und stupide, ohne sich um wohlklangliche Verträglichkeiten
oder bpm-Empfehlungen zu kümmern. Sein Bekenntnis zu Detroit liegt
in der deepen Erbarmungslosigkeit, nicht in der evolutionierten metrischen
Kunstfertigkeit. Die Besinnung auf den Kern technoider Expressivität – das
Verschmelzen von Seele und Maschine – richtet gleichzeitig das
Visier im Blick nach vorne neu aus, entrümpelt die Essenz von
modistischen Hüllen und verdeutlicht in einem eindringlichen Doomcore-Gewitter,
daß Techno weit mehr ist als das, was junge DJs heutzutage auf
Parties auflegen. ][ hve
Springintgut - Springintgut - Pingipung
Ein bunter Rummelplatz aus Samplesounds und frühlingshaften Klanggefühlen.
Zuckerwattesüße Melodien, popkornig zappelnde Geräusche
und die detailverliebte Beziehung zu seinen verspielten Rhythmusgerüsten.
Unverdorben wie ein Kinderlächeln. Schwebende Geräuschballone
in leuchtenden Farbtönen. Grüne Knete und Pustekuchen. Dieses
akustische Schlaraffenland läßt Andreas Otto im funkelnden
Licht sich drehender Karusselle gedeihen. Äußerst lebendig
arrangiert, machen alle Einzelteile und Teilchen dieser dritten Veröffentlichung
des Lüneburger Labels zu einem lebendigen Patchwork guter Laune.
Das Inventar seines musikalischen Spielzimmers und andere elektro-akustische
Niedlichkeiten ertönen am 29.04. beim "PINGIPUNG LABELABEND" in
Hamburgs "Golden Pudel Club". ][ g
Brian Aneurysm - Amplified - Substatic
Brian Aneurysm heißt eigentlich Bernhard Pucher und residiert angeblich
freiwillig in Texas. Hoffen wir gemeinsam, daß er immer brav bleiben
wird und nie mit dem dortigen Justizsystem zu tun bekommt. Die Gefahr
scheint aber klein, denn offensichtlich dreht und knubbelt der gute Mensch
lieber im heimischen Studio an allerlei Knöpfen, anstatt sich auf
den Straßen herumzutreiben. Als Ergebnis halten wir eine Doppel-12inch
in Händen, deren Ergebnis angenehmerweise noch nicht einmal dem
Vorwurf der Inchverschwendung unterliegen darf. Dunkle Klänge, gemeine
Bässe und verstörende Sprachsamples bilden die Eckpfeiler
für ein grundsolides Vierviertelprodukt aus der gesalzeneren Tech-House-Ecke.
Es knattert, krumpelt und knispelt wie verrückt, so daß man
meinen könnte, Daniel Düsentrieb höre genau solcherlei
Musik, wenn er seine verqueren Gedanken in all die wundervollen Erfindungen
umzusetzen versucht. Tanzbeinverdächtig. ][ motik
Mediengruppe Telekommander - mtk 01 EP - Enduro
Der Einstieg in eine ganze Medienwelt. Irgendwo zwischen deutscher Welle
der frühen 80er und dem hier und jetzt. Eiskaltes Neonlicht. Aneckend
in der Ästhetik rauhen Waschbetons. Vielleicht auch überzogen
mit Edding-Gemälden, Sprüchen und vertrauten Symbolen. Ein
Schelm ist, der nun an ein A im Kreis denkt. Eine ganze Lebenseinstellung
beginnt zwischen den Rillen der 5-Track-EP zu neuem Leben zu erwachen.
Purer Rock. Angereichert mit kleinen elektronischen Gimmicks und Soundtüftelein.
Die Texte auf deutsch und nach Liveauftriten schreiend. "Camouflage
Yuppie" - es geht nach vorne. Keine Atempause. Zwischen verspielter
Brachialität und nüchterner Sinnlichkeit. Beängstigend
schön. Irgendwie ungeschminkt. "…Moral schießt
keine Tore…". Das Vinyl aus Germoney ist dabei auch noch
ein Schlüssel. Zu einer Welt im Internet, die unter http://www.enduroplus.net für alle CD- und MP3-Freunde sämtliche Titel in bester Qualität
bereithält. Cover inklusive, versteht sich. Aber auch, oder vor
allem, diejenigen, die neuen multimedialen Medienexperimenten gegenüber
aufgeschlossen sind, werden bei diesem Projekt ihre Freude haben. An
einem Platz, an dem ein offenes Konzept existiert und immer neue Grafiker,
Visualisten und Musiker in das Projekt ihren Input bringen. Man kann
auf den Output gespannt sein, stehen doch schon jetzt alle Einzelspuren
der Veröffentlichung zur Verfügung. Wer will, kann aus Spaß selber
was kreieren. Kreativität. Die ersten Remixe sowie ein softcore
splatter animationclip sind bereits angekündigt und stehen dann
ebenfalls zum Download bereit. OPEN SOURCE. "…Untergrund
flüstern also tschüss dann!" ][ g
Pitch Black City feat. Roberta Sweed - Runaway - Mahogani
Zweiter Release auf Kenny Dixons Mahogani-Plattform. "Runaway" bleibt
dem mit den Amp Dog Knightz eingeschlagenem Kurs treu und atmet den Geist
eines Soul-Live-Jams. Tatsächlich scheinen einige Elemente von Auftritten
zu stammen bzw. sie imitieren dieses Gefühl verdammt gut. Wenn es
einen nach erstem Hören vielleicht ein wenig gruselt, gibt sich
das spätestens beim dritten Versuch. Schöner als die Musik
auf dem kommenden Moodymann-Album für Peacefrog. ][ janson
Sin - So Sad - Abuse Industries
Angst einflößende Schönheit dampft in berauschenden Weihrauchschwaden
warm über aufnahmewillige Nerven. Der Raum pulsiert in schwermütiger
Romantik. Wie ein Hauch von Verschwörung, ein sehnsuchtsvolles Aufbegehren.
Märchenhaft klingt Mona Moores atmosphärische Stimme über
einem, in düsterer Einsamkeit sich anschmiegsam windenden, synthetischen
Streichinstrumentenfluß. Tief im Herzen eines klingenden, bizarren
Kristalls isoliert, ausgekleidet mit weichem, dunkelrotem Samt. Downtempo-Beats
perlen durch die untermalende Klangmystik von Andy Orel. Ausklang. Stille.
Auf sanft schlagenden Flügeln eines Raben hinauf in schwindelnde
Höhen durch einen klaren schwarzen Sternenhimmel. Landung auf einem
fragilen Zweig. "Der Rosmarienbaum" trägt auf seinem
nadligen Blattwerk die unheilschwangeren Ängste einer verlassenen
Liebenden über die von Trommeln und Flöten erklingenden, einen
möglichen Erfolg vorgaukelnden Schlachtfelder mittelalterlicher
Kriege. Eine alte deutsche Volksweise (vor 1776) erstrahlt neu. Auch
neu erstrahlen lassen dubbige Remixarbeiten von Waldeck und Audiodope
zwei Stücke des letzten Album "Kissing". Und dann erneute
Stille, die diesmal traurig das viel zu frühe Ende eines im Fiebertraum
lodernden Dornröschenschlafes verkündet. ][ g
Spacek - Motion Control - K7
Eine Zeit lang stand ja UK Garage in dem Ruf, schlicht und einfach der
britische R’n’B zu sein: Champagner, dicke Schlitten, Sexismus,
bling bling....ihr kennt die Geschichte. Ich höre Spacek und sage:
DAS ist der britische R’n’B. Hat Seele, Ideen, ist technisch
gesehen vorne dran, traut sich was mit den Beats, und Rhythmus und
Blues muß man auch nicht gerade mit der Lupe suchen. Auf LP-Länge
zwar kaum erträglich, weil leider nicht sehr vielseitig, an der
Auskoppelung Motion Control habe ich aber nichts auszusetzen. Schicke
Marimba-Samples, schöner Gesang: eine Ode an die Liebste, bzw.:
die Gutaussehende da drüben. Die B-Seite ist zwar so lässig,
daß man sie schon fast verschlafen nennen könnte, blamiert
sich aber immerhin auf der Textebene nicht sonderlich. Das Instrumental
ist eigentlich zu nix gut, außer auf 45 als Garagetool zu dienen.
][ mandel
weltZwei - Expander - Sender
Es muß Frühling sein, den mir träumt beim Erklingen der
ersten Sequenzen von Expander von glücklich zwitschernden Piepmätzen,
die den Morgen in gleißendem Sonnenlicht wieder aufstehbar erscheinen
lassen. Doch hier zwitschert nichts. Vielmehr knuspert und knirpst es
nur so, als wäre eine Chipstüte auf Freiersfüßen.
Der Clou an der Geschichte aber ist die finster böse Attitude dieser,
mit Verlaub, ausgezeichneten Platte, hinterrücks ankriechend durch
ein verfremdet eingeplappertes Acid (wenn ich mich da nur nicht verhört
habe) und ein donnergrollend fiesen Bass, der mir endgültig die
Fassung raubt. So entblößt trauere ich nun über die verlorengegangene
Rückseite, die erst der Käuferschar zuteil werden wird und
mir eine Platte beschert, für die ich in ein paar Jahren ein Vermögen
geboten bekomme, das ich aber selbst unter der Brücke wohnend noch
ausschlagen müßte. Dahinter stecken übrigens Benno und
Matthias, was nicht weiter wichtig ist, weil, wo Sender drauf steht ist
auch Sender drin und offensichtlich weigert sich das Berliner Imprint
standhaft endlich mal eine nur durchschnittliche Geschichte in die Welt
zu flöten. So bleiben sie halt die Nummer 1, fernab von allen Superstars
dieser Welt. ][ motik
Mike Ladd - Wild Out Day / Jet Pack - K7
Wer nach der Majesticons-LP glaubte, Mike Ladd habe einen Naren an teurem
Studiosound gefressen, wird von der 7"-Vorabveröffentlichung
zu seinem eigentlichen neuen Soloalbum eines besseren belehrt: Wild
Out Day bollert rauh und garagenpunky daher wie ein Cabrio voller Speedfreaks
mit goldenem Herzen. Worum es in dem Stück genau geht, konnte
wg. Hoher wortfrequentz noch nicht eindeutig ermittelt werden, aber
es rockt! Relaxter Hip Hop und ziemlich im Sinne der ersten LP dagegen
auf der Rückseite, und das reicht locker zur Single des Monats
März. ][ mandel
DJ Gregory - Attend 1 - Kitsune
Jiggy-House aus Frankreich. Ähnlich Julien Jabres "Yaloopa" ist
das hier ein Ohrwurm sondergleichen. Dieses Mal zwar weniger aufdringlich
als bei manchem Soha-Release, aber nicht weniger bestimmt und konsensfähig.
Irgendwie die transzendentale Version eines Todd Terry im Jahre 2003.
][ janson
VA - odd pieces # 01 - Substatic
Odd pieces ist als Splitserie für jeweils 4 substatische Musikanten
gedacht, auf der diese ihre eher ungewöhnlichen Stücke zum
besten geben dürfen. Ob ungewöhnlich oder nicht, der Erstling
kann als durchaus gelungen bezeichnet werden. Der unter Coordinates firmierende
Matt Thibideau und der scheinbar als Mozart der Straße gehandelte
Dazed entspannen uns zunächst mit unspektakulären Houseklängen
und ebnen dem düsteren und atmosphärischen Pan/Tone-Track den
Weg, welcher mit seiner ungewöhnlichen Beatstruktur ungeheuer dicht
und mysteriös wirkt und eindeutig des Verfassers Favorit darstellt.
René Breitbarth ist als Tausendsassa bekannt und versucht sich
im Gegensatz zu seinem großartigen Solaralbum an einer heiter beschwingten
Computerspielnummer, die irgendwo zwischen frühen Speedy-J-Tönen
und modernem Tech-House schwebt. ][ motik
Quant - Micracle Man - Ecco.Chamber
Das Wiener Label Ecco.Chamber war in letzter Zeit nicht untätig
und hat diverse Künstler unter Vertrag genommen. Darunter auch den
Göteburger Jonas Quant. Dessen Maxi "Miracle Man" wirkt
nicht nur erfrischend sondern auch durchdacht. Statt sich viel mit Akkordwechseln,
chromatischen Halblebigkeiten und Detailversessenheit abzuplagen, konzentriert
er sich auf das Wesentliche. Die A-Seite gibt einen druckvollen Offbeat-Track
wieder, der in seiner Art ein wenig an Jamiroquai erinnert.Die Rückseite
wartet mit einem quirligen Bossastück auf, daß leicht verdaddelt
und unkonzentriert wirkt. Säuselnder Gesang versucht dabei über
die dann doch auftretende Langeweile hinwegzutäuschen, schafft dies
aber nicht. Hirds Remix dieses Stücks hingegen, läßt
es minimaler angehen. Beschränkt auf spärliche Percussion-Sounds
und den säuselnden Gesang sowie einen fiesen Synthiebass als Hauptelemente,
entsteht deutlich mehr Spannung und Wirkung als im Original. ][ mb
VA - Soil:Sole EP - Moving Rec.
Songs, so tiefgreifend und vielsagend wie das Leben, schaffen es nicht
in die Mediacharts der heutigen Welt. Vielleicht wird sie in fünfzig
Jahren einmal entdeckt, von irgendeinem Enkel, der beim Entrümpeln
seines Dachboden über diesen Tonträger voll herzergreifender
HipHop-Songs stolpert. Diese Musik, verbittert und selig zugleich,
untermalt von einfachen aber mitreißenden Rhythmusstrukturen
die in die Beine fahren, wird auch dann nichts an Authentizität
verloren haben. Absoluter Liebling: Antenna! ][ mb
Talib Kweli - Get By - Rawkus
Reiß-die-Hände-in-die-Höhe-HipHop ohne Peinlichkeitsfaktor.
Talib Kweli reitet in gewohnter Sicherheit über einem kickenden
Beat, der entfernt an ATCQ und deren Uptemo-Nummern erinnert. Obendrein
gibt es noch eine Frauenchor-Hookline und das Gefühl, daß doch
alles so einfach sein könnte. ][ janson
Mr. Lif - Return of the B-Boy - Def Jux
Mr. Lif ist Def Jux’ very own preacher with a mission und sehr
sehr dicken Dreads. Wer seine LP I Phantom immer noch nicht unter "Future
Classics" ins Regal sortiert hat ist selbst schuld. Zur Erinnerung:
Lif versuchte sich damit – erfolgreich – an einem HipHop-Konzeptalbum
mit verschiedenen Protagonisten und verschiedenen Näherungen an
die simplen, aber ganz schön komplizierten Dinge des Lebens: Arbeit,
Liebe, der Platz und die Rolle innerhalb der Gesellschaft ... und: HipHop.
An dieser Stelle steigen wir in die Geschichte ein, hier kommt der Beat,
ja, vielleicht der chartstauglichste Track, den El-P jemals produziert
hat (aus dem Hintergrund: " ...my ass"). Nee, wirklich, das
Teil swingt richtig und ist natürlich eine Hommage an die tollste
Musik der Welt. Die Rückseite mit Old-School-Beat und einer weiteren
Geschichte aus dem I-Phantom-Kosmos, auch hier wie üblich einmal
clean, einmal dirty, einmal instrumental, macht die Sache rund und Mr.
Lif ist und bleibt unser Mann. ][ mandel
Afrobutt presents The Missing Link - Hairy Claw
Basierend auf einem Sample des Prelude-Klassiker "Nobody Can Love
Me Like You Do" von Unlimited Touch, ist "Nobody" abgebrühter
und dringend benötigter Boogie-House. "Balls Deep" ist
dann ein smoothes Instrumental, daß sich in jedem DJ-Harvey-Set
gut machen würde. Diese Platte ist Beweis genug dafür, daß Steve "Fella" Kotey
bei den Guten Zuhause ist. Auch wenn er jetzt als Tour-DJ mit den fürchterlichen
Chicken Lips durch die Lande zieht. Aber da drücken wir doch noch
mal beide Augen zu. ][ janson |