OUK das zweiund40ste ± druckvoll & reinigend ± April/Mai 03 Tom Churchill

>> Reply Re: Great Electronica Compilations!
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>> @#%$ off!
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Tom Churchillouk: Tom, kannst Du erklären, was genau es ist, daß Dich zu so einer knallharten Aussage ;) bringt und warum Du so etwas sagst?
Mr.Tom: Es war nur eine Reaktion darauf, daß dieser Typ das Forum mit diesen Trance-Compilations vollgespamt hat. Das 4Hero-Board ist einer der wenigen Plätze im Internet, wo die Beteiligten auf einer ähnlichen Wellenlänge sind, und dieser Typ kam aus dem Nichts und fing an, seine Scheiß-Musik zu promoten. Ich denke ich habe es auch deshalb gesagt, weil ich dachte, daß es die Sentiments von vielen anderen auf dem Board reflektiert. Hauptsächlich war es ein Protest gegen die hässliche, geld-motivierte Seite der Tanzmusik auf einem Forum von Musik-Liebhabern.

ouk: Kannst Du erklären, wo Du den Hauptunterschied zwischen Deiner Arbeit und Deine Ideen zu der des Trance-Attentäters siehst? Was bringt Dich dazu, zu glauben, daß es "besser" ist, was Du vertrittst? Was läßt Dich eine solche starke Meinung haben?
Mr.Tom
: Ich glaube, bei guter Musik geht es um den künstlerischen Ausdruck. Dies ist, was ich in meiner Arbeit zu erreichen versuche, ob es sich dabei um meine eigene Produktion handelt, oderes um das Veröffentlichen von Musik von anderen geht. Bei kommerziellem Trance (beipielsweise) geht es meistens nicht darum, irgendetwas mit Substanz auszusagen. Daß worum es dabei geht, ist, so viele Kopien wie möglich an so viele Leute wie möglich zu bringen – es wird ein Wegwerfprodukt. Es macht mich wütend, weil es die Art Musik ist, die die ganze Zeit in das Leben der Leute gepumpt wird – durch Fernsehen, Radio, die meisten Clubs etc. Dies macht es den Leuten schwerer, gute Musik zu finden, weil es so viel schlechte Musik gibt, die einfacher zu konsumieren ist. Aber vielleicht sollte ich lieber auf die Leute sauer sein, die diese Musik gedankenlos unterstützen, statt auf die Musik selbst?

ouk: bist du religiös? :)
Mr.Tom
: Nein. Ich folge keiner organisierten Religion und ich bin noch dabei herauszufinden, woran ich genau glauben soll.

ouk: Nach dem Hören der neuen Compilation, kommt es mir so vor, als ob die Musik, die Du veröffentlichst sich "auf einer Reise" befindet – es klingt so, als ob es sich um eine Gruppe von Künstlern handelt, die in "dem gleichen Raumschiff" zusammen reisen, die nahezu die gleichen Produktions-Tools benutzen (eindeutig mehr Synthesizer und Drumcomputer als analoges Equipment) und die Produktion ist sehr "direkt" – kannst Du dem zustimmen, oder ist das Quatsch?
Mr.Tom: Ja, ich denke, es gibt eine Menge Gemeinsamkeiten in der Technik und dem Equipment, daß manche der Produzenten auf dem Label benutzen, selbst wenn sie nicht Musik produzieren, die gleich klingt. Ich denke, die meisten der Künstler teilen sicherlich die Liebe für sehr "synthetische" Sounds, aber gleichsam sind die musikalischen Resultate sehr unterschiedlich und ich denke da ist eine gewisse Wärme und organische Qualität bei den meisten der Tracks, selbst wenn sie nicht mit erlesenem Analogue-Equipment produziert worden ist.

ouk: Lautet die Mission also "synthesized abstraction"? Warum und wo willst Du damit hin?
Mr.Tom
: Yeah – ich denke "synthesized abstraction" ist eine gute Zusammenfassung des "Emoticon Sounds" – aber genauso fühle ich, daß die Tracks eine menschliche Qualität, Seele haben. Es gibt eine Menge Musik da draußen, die als "synthesized abstraction" bezeichnet werden könnte, die ich mir aber ultimativ nicht behalten will, um sie mir wieder und wieder anzuhören.
Mein Ziel ist es, mit der Musik von Emoticon Tracks zu veröffentlichen, die leicht strange, abstrakte Vibes "aus anderen Welten" einfangen, aber dies kombiniert mit einer menschlichen Qualität – schwierig zu erklären. Ich denke, die Tracks von Future Beat Alliance demonstrieren dies am besten auf der Compilation.

ouk: wann und wie bist du mit Musik in Berührung gekommen, DJing etc.
Mr.Tom
: Ich war bereits in sehr jungen Jahren an Musik interessiert. Ich hatte Piano- und Geigenunterricht (meine Mutter war ziemlich musikalisch). Mit ungefähr zehn Jahren (Ende der 80er) habe ich angefangen, mich für Dancemusic zu interessieren, als die ersten House-Platten in die Charts gerutscht sind. Da began ich auch, mich für Computer und Technologie zu interessieren und ich war begeistert von Musik, die durch Computer und Synthesizer entsteht.
Mit ca 14 Jahren (1992) als ich anfing, mir 12inches zu kaufen, interessierte ich mich ernsthafter für House und Techno. Ich glaube, meine ersten billigen Plattenspieler kaufte ich mir mit 15. Einige der ersten großen Einflüsse waren Künstler wie Orbital und Aphex Twin, so wie die Artificial Intelligence Reihe auf Warp und danach Underground Resistance, Carl Craig, Derrick May etc. Als ich älter wurde, habe ich dann begonnen in Clubs zu gehen und fing an, eine Leidenschaft für Deep House zu entwickeln (Produzenten wie z.B. Ron Trent, Chez Damier, Joshua etc.)

ouk: Warum, wann und wie hast du mit dem Label Headspace angefangen?
Mr Tom
: Das Label startete ich 1996, als ich 18 war, in Cardiff. Es war eine Partnerschaft zwischen Raeph Powell, der damals in einem Plattenladen arbeitete. Ich hatte meine eigene Musik bereits seit ein paar Jahren gemacht und ein paar Freunde von mir auch. Also entschlossen wir uns, ein Label zu gründen, um die Musik zu veröffentlichen. Wir kamen mit dem Vertrieb "Ideal Distribution" zusammen, der auch zu der gleichen Zeit startete und veröffentlichten zehn 12inches in den weiteren 4 Jahren.

Tom Churchillouk: Warum hast Du dann Emoticon gegründet? Wo ist der Unterschied zu Headspace und warum gibt es den?
Mr.Tom
: Emoticon gründete ich, um Musik zu veröffentlichen, die nicht so sehr auf DJs und Clubs ausgerichtet war – ein wenig mehr experimenteller möglicherweise. Wir hatten ursprünglich Headspace mit der Idee gestartet, daß es mehr ein Deep-House-/ Techno-Label sein sollte, mit Musik, die DJs in Clubs spielen würden. Aber die Headspace-Veröffentlichungen fingen an, ihren stilistischen Fokus zu verlassen. Jede neue Veröffentlichung unterschied sich sehr von der davor und es schien, also würde das ganze so nicht mehr gut gehen. Vielleicht waren wir zu ambitioniert, als wir versuchten viele Styles auf dem Label zu veröffentlichen. Es war teilweise eine Business-Entscheidung – kleine Independent-Labels sind tendenziell für einen speziellen Stil bekannt und Vertriebe bevorzugen es, wenn die Labels einen bestimmten Sound haben, als wenn sie sehr eklektisch sind. Wir beschlossen das Label in Zwei zuteilen. Headspace für die "Clubsachen" und Emoticon für die Sachen für "zu Hause" (um es einfach zusammenzufassen). Wir kamen mit Emoticon bei Rush Hour unter und Headspace war auf Eis für ein paar Jahre, dann beschlossen wir dieses Jahr es wieder anzukurbeln.

ouk: Gibt es eine "philosophische" Basis für das Label ?
Mr.Tom
: Nicht wirklich :) – wir sind nicht ein überpolitisches Label – die Philosophie ist es, einfach Musik ohne Kompromisse zu veröffentlichen.

ouk: Dies scheint mir ein politisches Statement :) (oder besser: ein religiöses). Du würdest Musik besser verkaufen, wenn Du ein paar "big butt babes" auf das Cover machen würdest – aber ich glaube das ist noch nicht der Fall? Also: warum nicht machen?
Mr.Tom: Weil die Musik für sich selber sprechen sollte ... oder wenigstens sollte das Artwork eine Beziehung zur Musik haben. Die Musik hat nichts zu tun mit "big butt babes" :) Das Artwork und Design ist auch wichtig. Ich mag die Idee, daß Platten mehr sind, als ein Stück Plastik, das die Musik enthält. Ich wollte auch, daß Emoticon eine Webpage hat, die stilistisch mit dem Label-Artwork/Design verbunden ist.

ouk: Die grafischen Muster und Gebilde auf dem Artwork und der Seite – gibt es da ein Konzept?
Mr.Tom: Das Artwork und die Webseite sind von meiner Freundin Vanessa entworfen – meine einzigen Anforderungen waren, daß ich etwas ziemlich minimales wollte, nahezu wie Diagramme und daß so wenig Text wie möglich auf den Platten verwendet würde. Es gibt keine direkte Verbindung zur Musik, aber es gibt eine Entwicklung der Muster von Veröffentlichung zu Veröffentlichung

ouk: Was magst Du am liebsten am Musik machen und daran ein Label zu machen?
Mr.Tom
: Gleichgesinnte Menschen zu treffen, meine Musik in Clubs zu hören,von Leuten zu hören, die die Veröffentlichungen mögen etc. Es ist sehr zufriedenstellend, Musik beizusteuern, die andere Leute mögen.

ouk: Gibt es Dinge, die Du an dem ganzen nicht magst?
Mr.Tom
: Manchmal ist die Business-Seite sehr schwierig – ein kleines Label zu führen ist finanziell sehr schwer. Zum Glück habe ich andere Wege mein Geld zu verdienen, aber es ist manchmal sehr frustrierend, mit einem Release Geld zu verlieren (was manchmal passiert).

ouk: Was frustriert Dich noch?
Mr.Tom
: Wie gesagt, ich bin frustriert über die Leute, die wegen dem Geld im Business sind und Künstler ausbeuten, ohne irgendeine wirkliche Liebe zur Musik. Die Art und Weise in der die Dance-Musik-Medien wegen dem letzen Schrei oft wirklich interessante neue Musik ignorieren, ist auch traurig. Es scheint so, daß es derzeit nahezu unmöglich ist in einem Magazin gefeatured zu werden, ohne eine PR-Company zu bezahlen.

ouk: Wie ist die Clublage in Cardiff? Wird dort Deine Musik gespielt und tanzen Leute dazu?
Mr.Tom
: Ich lebe nun seit über einem Jahr nicht mehr dort – aber nein, ich denke unsere Musik wird dort nicht mehr gespielt. Als ich dort gelebt habe, habe ich einen Clubabend namens Radius gemacht, wo ich meine Musik spielen konnte. Aber nun, wo ich nicht mehr da bin, glaube ich nicht, daß einer der anderen DJs wirklich "into it" ist.

ouk: Also gut: was also geht ab in Glasgow?
Mr.Tom
: Es ist gut – ich lebe hier zwar erst seit einem Jahr, aber es gefällt mir richtig gut. Es gibt hier eine lange existierende Szene, die interessante electronische Musik unterstützt und es gibt jede Menge regelmässig stattfindende gute Clubabende. Rubadub ist ein großartiger Plattenshop und die Clubnächte vom Shop "Club 69" sind normalerweise brilliant. Es ist ein guter Ort zum DJen und die Leute wissen wie man feiert. ][ hummelberg


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