OUK Das Fünfte   facettenreich & blickdicht ouk interview:
Patrick Pulsinger

 Interview

Pulsinger
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Patrick Pulsinger Der Auto-Motor-Sport scheint in Österreich eine nicht ganz unbedeutende Rolle zu spielen. Neben Gerhard Berger, der auf den Rennpisten der großen weiten Welt die Reifen quietschen läßt, gibt es in der kleinen Alpenrepublik einen weiteren Mann dessen Faible für Autos er einen 63er Sambabus, einen 73er Cabrio-Käfer und noch drei weitere Autos verdankt. Musikalisch gesehen, gehört Patrick Pulsinger zu den Vorreitern elektronischer Musik in Österreich und gibt seit nunmehr 3 Jahren mit seinem Label Cheap mächtig Gas.

 

ouk: Wie reagierte die österreichische Bevölkerung damals auf dein Label?

P.P: Die Szene war recht klein damals, aber irgendwie besser und aktiver als in New York, wo ich zuvor lebte. Im August 93 brachte ich mit Erdem Tunakan dann die erste Cheap herauß, welche ich noch in New York produziert hatte. Zu der Zeit hatten wir aber noch keinen Vertrieb und gar nichts. Wir hatten es damals sehr schwer. Die ersten drei Platten hatten wir mehr oder weniger aus der Hand bzw. teilweise an Plattenläden verkauft. Ab der Nummer vier sind wir dann bei Neuton eingestiegen. Mit den Jungs sind wir sehr zufrieden.

 

ouk: Was hast Du davor in New York gemacht?

P.P: Ich lebte dort fast ein Jahr lang zusammen mit einem Freund. Wir hatten damlas schon Platten auf Vortex Rec. heraußgebracht, ein New Yorker Label, das eigentlich ziemlich Hardcore war. Das war eine Möglichkeit uns über Wasser zu halten. Damals gab es 2000 $ für eine Platte und das war es auch schon. Es gab keine Lizenzabtretungen oder Tantieme. Ich bin dann nach Wien zurückgekehrt, um mit dem Erdem zusammen Cheap zu gründen. Ich habe ihn von früher noch gekannt, denn wir hatten schon ein Projekt zusammen gemacht. Das waren zwei CD´s, so eine Art Soundcollage. Absolut unkommerziell. In New York wurde mir dann ziemlich schnell langweilig. Damals gab es dort sehr viel Hardcore und Gabber, was mir überhaupt nicht liegt. Es gab nichts, was mir richtig gefallen hat.

 

ouk: Hast Du in dieser Zeit auch Abe Duque kennengelernt?

P.P: Ja, das war gerade zu der Zeit, als ich weggegangen bin. Ich habe Abe zirka einen Monat vor meiner Abreise kennengelernt. Die Sekretärin von Vortex hatte ein Telefongespräch mit irgendeinem Typen. Er wollte Musik releasen. Die Sekretärin erzählte mir davon, daß dieser Typ Musik macht und daß er total nett wäre. Ich habe ihn dann zwei Tage später angerufen und ihn zu mir eingeladen. Abe spielte mir dann all seine Sachen vor, was damals alles noch etwas unausgereift und nicht als Release geignet war. Einen Monat später bin ich dann wie gesagt nach Wien zurück. Abe kam mich dann besuchen und lernte in Wien den Upstart von disko B kennen. Und so hat sich das dann alles ergeben.

 

ouk: Wann war das:

P.P: 1992

Patrick Pulsinger

ouk: Welche anderen Aktivisten gab es zu der Zeit noch in Österreich?

P.P: Also zu der Zeit hat sich sehr viel getan. Labels sind entstanden und wieder eingegangen. Wir sind eigentlich die einzigen, die seit 1993 noch bestehen. Alles andere ist eingegangen oder später gegründet worden. G-Stone z.B. wurde ´94 gegründet. Dann gab es noch Mainframe, daraus hat sich Mego und Grow abgesplittet. Mego macht mehr experimentelle Sachen, Grow setzt auf die House-Schiene. Ilsa Gold war damals auch sehr angesagt, sind dann aber recht schnell wieder abgestürzt. Das war wohl einer der ersten österreichischen Acts die Weltruhm erlangten. Wobei Christopher Just schon vor Ilsa Gold eine Platte auf Cheap gemacht hat. Momentan ist er beim Zivildienst, was ihm glaub auch nicht so gut tut.

 

ouk: Worin liegt der Unterschied zwischen elektronischer Musik in Österreich und derselben in Deutschland?

P.P: Vielseitiger. In Österreich ist alles wesentlich vielseitiger. Du hörst es ja auch an meinem Set. Wenn ich auflege mache ich viele Style-Changes. Das ist in Wien seit Jahren so. Wenn du dort in einen Club gehst, läuft dort wirklich von Jungle über Techno bis HipHop alles. Wenn House läuft, stehen eben die HipHop Kidz rum, und wenn dann HipHop kommt, sitzen eben die Houser rum. Dadurch entsteht ein ständiger Wechsel des Publikums, was sehr angenehm ist.

 

ouk: Das Publikum staunt bei sowas immer erst einmal.

P.P: Richtig, ja, aber für mich ist es sehr wichtig, daß die Leute im Verlauf des Abends was zu hören kriegen. Ich bin nicht auf prallvolle Tanzflächen angewiesen. Ich finde es auch langweilig zu sagen "ich gehe jetzt weg zum Tanzen bis die Unterhose naßgeschwitzt ist". Man geht ja auch mal weg, um diese oder jene Platte zu hören. Im Gegensatz zu uns Dj´s kriegen die Leute die nicht 3-4 mal pro Woche im Plattenladen sind, ja gar nicht mit, was alles so läuft. Deshalb finde ich es unverantwortlich eine solche Position einzunehmen, ohne den Leuten was zu bieten. Ob sie es dann mögen oder nicht, müßen sie entscheiden. Aber es sollte auf jedenfall die Möglichkeit dasein, eine neue Platte zu hören.

 

ouk: Auf eurem Label verfolgt ihr das selbe Prinzip. Die einzelnen Platten unterscheiden sich sehr voneinander.

P.P: Ja, völlig richtig. Unsere Acts wachsen ja auch. Wir binden unsere Leute auch nicht durch irgend eine Form von Vertrag. Sie sind also total frei. Wir treffen uns 3-4 mal die Woche im Studio, hören gemeinsam neue Tracks an und entscheiden dann welche Tracks gepreßt werden und welche nicht. Aber die Idee liegt bei den Leuten selbst und sie stellen auch die Auswahl zusammen. Es herrscht also kein Druck von unserer Seite her. Und da wir uns auch nicht auf einen typischen Sound festlegen, können die Leute machen zu was sie Lust haben.

 

ouk: In welchen Auflagen werden Eure Platten gepreßt?

P.P: Total unterschiedlich. Die experimentellen Sachen werden vielleicht 800-1000 mal verkauft. Bei Sluts´n´Strings bist Du dann schon bei 7000 Stück. Das hebt sich immer die Waage. Die Produkte die sich gut verkaufen, stützen die anderen Produkte die sich nicht so gut verkaufen.

Patrick Pulsinger

ouk: Kannst Du uns ein österreichisches Label empfehlen, welches hier gänzlich unbekannt ist?

P.P: Es gibt da Uptight. Uptight ist Downbeat, HipHop. Auch etwas Rare Groove. Sehr interessant.

 

ouk: Letztes Jahr machtet Ihr uns mit der Cocktail-Tour ein tolles Geschenk. Wie kam der Kontakt zu Clear zustande?

P.P: Ja das war lustig. ich bin damals über die ersten Clear-Platten gestolpert. Also relativ spät, bei der vierten oder fünften Platte. Und die Sachen haben mir so gut gefallen, daß ich mir dachte "Paß auf, die rufen wir einfach mal an!" Bevor es dann aber dazu kam, klingelte am nächsten Tag das Telefon, Hal von Clear war am Apparat und erzählte uns, daß er soeben Cheap-Platten gekauft hätte und unser Label absolut cool findet. Irgendwie kam dann die Idee mit der Tour zustande. Wir hatten ausgemacht uns vorher gar nicht erst zu treffen. Dann kam die gesamte Clear-Bande zu uns rüber, wir haben sie bei uns wohnen lassen und waren einen Monat lang unterwegs. Und es gab kein einzigesmal Streß. Wir hatten für die Tour auch kein festes Konzept. Wenn Dr. Rockit Lust hatte bei uns reinzuschlüpfen, hat er sich einfach ein Mic geschnappt und losgejammt. Es gab also auch keinen Gig der gleich war.

 

ouk: Was können wir 1997 erwarten?

P.P: Es wird viel kommen. Anfang Februar kommt eine Sluts´n´Strings LP an der wir fast ein halbes Jahr gebastelt haben. Es ist schon fast ein richtiges Pop-Album - vom produziertechnischen Aspekt her gesehen. Dann kommt unser erster deutscher Act aus Frankfurt, Christof Reimann. Christoph Just wird auch was neues machen. Dann wird es vieleicht noch einen Jazz-Sampler geben, der nur auf CD raußkommt. Mit jazzigen Cheap-Sachen und neuem Material. Also 70 min. Musik die total inneinander übergeht. Richtig staubiger aber elektronischer Jazz. ][ mb und thorsten

 

P.S.: Dieses schöne Interview wird in ungestalteter Form am Samstag, den 15.2.1997 in der Sendung "Satokii" im freien Radio Stuttgart .... gesendet.

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