OUK Das Fünfte   facettenreich & blickdicht Bla & Blub

 Intro

Wo sind nur all jene, die von sich behaupten, fortgeschrittene elektronische Musik zu lieben, wenn es darum geht, ihresgleichen zu unterstützen? Sind sie inzwischen zu alt, um auszugehen, sehen sie lieber fern oder schlafen sie gar des nachts? Möglich, aber wenig wahrscheinlich. Viel eher wissen sie wohl mit der heutigen Ausgehgeneration nichts mehr anzufangen und verschmähen auch feinste Musikkost, nur, um sich mit jener nicht konfrontiert zu sehen. Da so viele inzwischen dieses triste Gedankengut in sich tragen, ist auch der immer häufigere Mißerfolg anspruchsvoller Projekte und die abnehmende Präsenz der Partypeople alter Schule erklärbar. So mußten Mitte Januar die Jungs vom Optischen Reiz ihre Bemühungen um den donnerstäglichen KitKatKlub wegen Sinnlosigkeit einstellen (zwischen 2 und 20 Zahlende verloren sich dort), obwohl Woche für Woche die besten DJ´s der Region ihr Können unter Beweis stellten. Sicherlich spielte hier auch die Tatsache eine Rolle, daß die (potentiellen) Besucher auch einfach die Location nicht annehmen wollten. Nichtsdestotrotz werden uns Thorsten und Michael Weh auch in Zukunft mit KitKat-Events verwöhnen. Nicht ganz so schlimm stellt sich die Lage im Stockwerk 1 (Reutlingen-Pfullingen) dar. Aber auch hier ist nach zwischenzeitlichen Besucherzahlen von über 300 der große Schwund eingetreten. Dabei versorgen die Residents Gomez (dessen Debut-release in Bälde in den Vinylregalen zu finden sein wird) und Manize die Gäste mit extrem tanzbarem Untergrundsound und laden einmal monatlich exquisite Gast-DJ´s aus dem Motor City-Umfeld ein. Hervorzuheben ist der gerade mal 13 Jahre alte Manize, der im Vorprogramm seine Stellung als größte Nachwuchshoffnung der maroden Szene untermauert und durch sowohl technisches als auch musikalisches Verständnis zu überzeugen weiß. Traurigerweise müssen die beiden aber jetzt jeden zweiten Freitag der Harttrance- und Digedidigedi-Seuche weichen. Es lohnt sich also sich vorher kundig zu machen.

Ist die Welt wirklich so schlecht oder benötigen wir einfach nur die guten alten Telefonketten um endlich die Musikliebhaber wieder zum tanzen zu bewegen?

Achtung, letzte Meldung: Nach sich verdichtenden Gerüchten haben die Stockwerk- betreiber den Laden (vorübergehend?) geschlossen. Hoffen wir auf den B-test...

Set

Carl Cox kam, sah und verlor. Aber beginnen wir von vorne. 18 Mark für einen DJ, der aufgrund seines zweimaligen Nichterscheinens pro bono auflegte sind ein starkes Stück, um nicht zu sagen eine Frechheit. Gerade diejenigen, die auf den beiden letzten Veranstaltungen vergeblich auf den kleinen breiten Mann gewartet hatten, müssen sich da mehr als hintergangen fühlen. Abzockerei heißt das im Volksmund. Man hätte darüber hinwegsehen können, wenn der Abend im Cosmic Club (Tübingen) die hingegebenen Devisen wert gewesen wäre. Stattdessen war es reine Zeit- und Nervenverschwendung. Nachdem wir dem Brechreiz nahe die Poserei und grauenhaft schlechte Musik von zwei Möchtegerns namens Tom und Plucky (oder so ähnlich) ertragen hatten und endlich Mr.Three-Deck-Wizzard die Teller drehte, folgte schnell Ernüchterung: Cox, vom Autogramme geben wohl müde, beließ es bei zwei 1210ern und passte sich dem zweirangig gaffenden Publikum (ihr wisst schon, Mantel des Schweigens...) mit belanglosem Ravertäschno an. Das er auch anders kann, hat er ja im alten M1 schon bewiesen, aber verzeihen kann man ihm das dann doch nicht ganz. Gerade DJ´s seines Bekanntheitsgrades sollten sich nicht die Blöße geben, Kompromisse einzugehen. Es bleibt dabei: Außer Spesen nichts gewesen, null Punkte. Eine Woche später hätte übrigens unser Ex-Moltkestraßebewohner Mate Galic kommen sollen, hätte sollen, ist er aber nicht. Der Eintritt wurde trotzdem einbehalten. Naja, Geld regiert die Welt...

Wie schön, daß einem gewissen Gottlieb Daimler vor etwa 100 Jahren die glänzende Idee eines motorisierten Vierrades gekommen ist, so daß die Flucht in die nähere und auch weitere Umgebung kein Problem darstellt. Nur ein paar Kilometer entfernt beglückte uns das Depot mit der Future Sound of Jazz-Tour. Michael Reinboth und Kollegen sorgten mit einem brilliant zusammengestellten Ausflug in die Welt der gebrochenen Beats für willkommene Abwechslung. Sehr schön.

Nach der Party ist vor der Party. Fellbach war das nächste Ziel, genauer das dortige Jugendhaus, so daß sich beim Betreten zunächst die Frage aufdrängte, welch eigenartige Budgetverteilung die Mittel für einen derart prunkvollen Teenietreff hervorzuzaubern vermochte, aber das nur am Rande. Geladen wurde zu den "elements of human beings", was auch immer damit gemeint war. Der New Yorker Synewaveboss Damon Wilde, Ultraschall(ra)barbara und Motor City-Ken sorgten für ansprechenden Sound; sehr böse und noisy war Ulis spartanischer Liveact und auch Catya überzeugte mit sauber gemixtem Vorwärts-Bumm-Bumm. Die Veranstalter haben sich sicher Mühe gegeben, aber legendär, wie wohl die Vorgängerpartys war es dann doch nicht. Wenigstens war es gut gefüllt, was zur Zeit ja schon ein Segen ist.

Schöne Erinnerungen und ein bißchen Wehmut überkamen mich bei meinem ersten Oz-Besuch seit fast drei Jahren. Die legendären Zeiten sind mittlerweile so entfernt, daß man sich fragen muß, ob diese nun Traum oder Wirklichkeit waren. Von der 90er Aufbruchstimmung ist jedenfalls nichts übriggeblieben, was aber sicher nicht am Oz liegt ( auch wenn die Goa-Deko etwas fehl am Platze wirkt), sondern an der Gewöhnung. Techno hat eben längst den Reiz des Besonderen verloren. Die Rede ist vom Apeiron-Event "Schwingungen" mit Tom Sioux, Roland Casper und HP 303. Es mangelte etwas an Gästen, aber Stuttgart und Freitag war ja schon immer so eine Sache, wie es auch unsere Kollegen vom Subculture treffend bemerkten. Eher entäuschend war das set des "trollin dwarf", dessen Freundschaft zu Jeff Mills an jenem Abend leider nicht zu sehr auf seine Musik abfärbte; vielmehr lieferte er wenig progressiven, aber sehr tanzbaren und perfekt aufeinander abgestimmten Techno. Vielleicht traute er auch den Anwesenden kein entsprechendes Musikverständnis zu. Wer weiß das schon. Anders HP 303, der die mittels UR-T-Shirt geweckten Hoffnungen durchaus erfüllen konnte, allerdings das Wort Turntable-Arbeit kaum jemals gehört haben dürfte (der Pitch blieb brav auf grün). Trotzdem war die Party etwas Besonderes, vielleicht wegen der Rückbesinnung auf bessere Tage, vielleicht auch nur, weil sich einige nette Menschen einfanden...

Scratch

Drei Mal in den letzten 23 Jahren kam ich beim Aufnehmen der Morgenfrische zu dem Schluß, die sei jetzt wohl die beste Geräuschaneinanderreihung gewesen, die jemals bewußt von mir aufgenommen wurde. Das erste Mal war das erste Mal, sprich meine allererste Technoparty, Lichtjahre entfernt, das zweite war die letztjährige UR-Night im Schlesinger und das dritte die von Apeiron organisierte Elektrokultur-Party im Großen Bär. "Schuldig" im Sinne der Anklage Claus Bachor, der uns drei Lehrstunden in Sachen moderner Musikgeschichte bescherte und uns von Jeff Mills´"Waveform Transmission" über Meng Syndicates "Sonar System" bis hin zu Shannons "Let the music play" führte: Traumhaft. Nur schade, daß sich der Club erst zur integrierten Afterhour richtig füllte. Trotz oder gerade wegen der anfänglichen Leere war aber gerade dieser Zeitraum sehr sehr angenehm. Selten gesehen und daher umso symphatischer waren die zwischenzeitlichen Tanzeinlagen des braungebrannten Kölner Musikfreundes (während des Vinyldrehens...). Auch die anwesende DJ-Prominenz würdigte den musikalischen Spannungsbogen der Extraklasse mit der Kreierung des zuvor bei Derrick May einstudierten "Tumulttanzes". Alles in allem eine wunderschöne kleine Party.

Kratzer

Zu zweit blaffen sie den unschuldigen Kassierer an und verlangen ihr Geld zurück. 12,- DM hätten sie bezahlt, um Monika Kruse zu sehen. Sehen? Hören nicht? Soweit sind wir also schon. Das im Club (der größte aller Bären) eine Person namens Bianca Strauch, im fliegenden Wechsel für Frau Kruse (Virusgeplagt die Arme) eingesprungen, eines der besten Sets der letzten Monate ablieferte und dabei auch noch das beliebte Machogerede (äh...), Frauen seien nicht fähig zu mixen, widerlegte, interessierte die beiden Schmocks nicht im mindesten. Kusch, zurück in den Fernsehsessel, ihr habt nichts verstanden. Geschehen auf der Januarausgabe der Motor City Reihe (am 21.2 geht es weiter). Bianca Strauch gebührt unser Respekt übrigens auch in graphischer Hinsicht, denn sie zeichnet sich für die Gestaltung der Kölner "House Attack" verantwortlich-Kommentar überflüssig...

Chillout

Drei neue Konzepte an drei Wochentagen: Easy music von Rino, Robin Banks und R.Walker kumuliert donnerstags ab sofort mit entspanntem gambling unter dem Namen "orange-the lounge" (Climax). Der Club Fusion im M 1 wird nun freitags unter dem Titel "tuffer beats" von einem größeren Local-DJ-Pool und wechselnden Gästen beschallt (Detroittechno, Chikagohouse, Elektro...). Ende Februar wird der kleine Bruder des Fresh floors dann auch dekotechnisch fertiggestellt sein. Wem die Motor City Veranstaltungen gefallen, wird auch hier viel Freude haben. Schließlich gibt es auch samstags im Club Prag künftig schräge Töne zu hören. Daniel Benavente und Gäste gestalten den Abend, sehr empfehlenswert. Leider fiel das Debut mit Christian Vogel&Dave Tarrida einer durchoukten Nacht zum Opfer, es soll aber gigantisch gewesen sein.

Eine Nachricht für Klangstabilfreunde beschließt diese Rezension: Nach längerem Warten ist endlich "Böhm, Gott der Elektrik" erschienen. Wer noch ein Exemplar ergattern möchte, ist gehalten sich zu beeilen, denn die Platte ist auf 300 Einheiten limitiert und zum Großteil schon vergeben (Informationen unter http://www.multimedia.de/klangstabil).
][ motik

 

Es ist kalt geworden, die Schneeflocken tanzen auch in Stuttgart leise vom Himmel und schon manch eine(r) erfreute sich (after night clubbing) daran, während der Dunkelheit der Nacht frierend die eine oder andere Autoscheibe freikratzen zu dürfen ... Und wenn wir schon beim Auto sind, dann sollte so ein Autounfall (crash) zumindest auf einige Zeitgenossen eine magische Karft ausüben dürfen. Narben, Sex ... Crash Kids are united!

 

Detroit

Nachdem sich die MOTOR CITY-Veranstaltungen in Stuttgart etabliert haben, so auch die sechste, am 06.12., mit Djane Catja und Big Daddy Rick Masters und einem tollen Live Act (Weltpremiere) von Schulz & Schlimm, gibt es seit Dezember ´96 ein- bis zweimal im Monat auch im M1, besser gesagt im Club Fusion einen "Detroit"-Abend (meistens von der Dream Factory) mit Künstlern aus den Staaten. Zum Auftakt, am Freitag den 13.12.96, gastierte das Black Nation-Label. An diesem Abend sollten die Legenden D-Knox und Vice live auftreten. Leider wurde daraus nicht viel, da D-Knox krankheitshalber zu Beginn (nur) auflegte, ich ihn deshalb verpaßte und so nur Vioce aka Jay Denham miterleben durfte. Und dieser Jay Denham macht alles wieder gut, in dem er diesen unverwechselbaren, puren Detroit-Sound durch die Lautsprecher förmlich prügelte. Es war zeitweise so laut, daß man befürchten mußte einen dauerhaften Gehörschaden davon zutragen. Aber um keinen unvollständigen Eindruck zu vermitteln, auch aus musikalischer und technischer Sicht stimmte das Programm der minimalen, aber tanzbaren Maschienenmusik, die in Euphorie umgesetzt wurde!

(Zwei Wochen später), am 27.12.96, war nicht nur Daniels Geburtstag, nein Claude Young kam ins M1 und sorgte mit seinem tollen Detroit orientierten Techno-Set für ausgelassene Stimmung, so daß ich das Gefühl hatte, daß im kleinen Club mehr Stimmung war als vorne im Großen. Außerdem schaffte es Claude Young mal wieder, daß sich eine Menschentraube um die Dj-Kanzel versammelte, da er mit Abstand die schnellsten Finger hat und es ein Augenschmauß ist, diesem Künstler auch nur beim mixen zusehen zu dürfen.

Und am 04.1.97 kam einer der Männer aus Detroit, die von sich behaupten dürfen: "I created Techno!" Ja, kein geringerer als Derick May spielte an diesem Abend, sogar im großen Club. Und es war schon faszinierend diesen Künstler, der Anfang der Achtziger eine Musikrichtung prägte, auf seiner musikalischen Weltreise zu begleiten. Nach diesen Ausflügen, u.a. ins Südamerikanische, spielte er eine Mischung aus House- und Detroit-Sound, ein Kompromiß, der gut ankam und ich das erste mal auf dem Parkett des großen Clubs stand. Was auch nichts zur Sache tut, die Deko, die spitze war, nur leider zur Jahreszeit paßte.

Die Lichteffekte verwischen die Realität und der treibende Rhythmus führt den Körper in die Extase. Die Tanzenden glauben das Glück zu berühren. So war es noch vor einer Stunde. Und jetzt? Alles vorbei: die Illusion der Ewigkeit zerplatzt wie eine Seifenblase, die Erinnerung bleibt. Der Heimweg ist zäh, einziger Zeuge ist der Mond. Beinahe unhörbar die unregelmäßigen Atemzüge der schlafenden Beifahrer und das monotone Geräusch des Motors. Zu sehen gibt es eigentlich nichts, außer dem Asphalt und dem Mitelstreifen, die im Lichtkegel des Scheinwerfers kurz erleuchtet werden, bevor sie wieder aus der Helligkeit fliehen. Die Müdigkeit überwinden ... weiter, immer weiter ..... so long.
][ Ag. Olsen

 

In den letzten Tagen des Jahres 1996 wurde noch einmal für viel Aufregung gesorgt. Bob Dole fiel sprichwörtlich zu Füßen von Präsident Clinton, der in diesen Tagen seine zweite Amtsperiode antritt. Ebenfalls zu Boden ging Mike Tyson, der chancenlos aber ehrenhaft seinen Weltmeistertitel an Evander Holyfield abgeben mußte.

Im Tübinger Depot began der Trubel mit Byron Burke, der am 29.11. seinen Auftritt hatte. Zwar strömten die Partygänger nicht gerade in Massen zur Tür herein, der Stimmung jedoch tat das keinen Abbruch, was mit Sicherheit auch am musikalisch vielseitigen und technisch perfekten Set von Herrn Burke lag. Einen Tag später ging es dann gleich hektisch weiter, denn niemand anderes als Herr Beck (manchen auch als Deejot Hausmarke bekannt) sorgte für ein volles Haus und swingende Beats.

Doch zuviel Streß kann auch negative Folgen habe und für Lähmungserscheinungen sorgen. Anders kann es am 6.12. nicht gewesen sein, als Mousse T. vor einer Hand voll Menschen auflegen mußte. Der aus dem überwiegend rocklastigen Hannover kommende Labelinhaber von Peppermint Jam avanciert in letzter Zeit zu einer richtigen Producer-Legende. Kaum ein anderer schafft es dermaßen viel Tracks zu releasen, ohne dabei an Qualität zu verlieren. Der Versuch den souligen Sound Amerikas nach Deutschland zu holen, ist sichtlich gelungen, wobei mit "amerikanisch" mehr die Qualität gemeint ist.

Weiter geht es nach Stuttgart, wo sich zum Jahresende nicht allzuviel spektakuläres abspielte. Neben den traditionellen aber eher langweiligen Weihnachstfeiern gab es nur wenige Partyhighlights. So z.B. die Ein-Jahres-Feier des Subculturs, welche im übervollen M1 stattfand. Zu hören gab es neben einem Gast aus England diverse Stuttgarter Dj-Größen zu hören. Während die Musik im großen Club eher einschläfernd wirkte, sorgten die Dj´s im kleinen Club mit roughem, exzellentem Techno für extrem gute Stimmung und Tanzfreude. An dieser Stelle also nochmals alles Gute zum Geburtstag und teu, toi, toy.

Das wohl größte Geschenk wurde uns allen am ersten Weihnachtsfeiertag gemacht, wo niemand anderes als die "Masters at Work" Little Louie Vegas und Kenny ´Dope´Gonzales (nachdem sie zuerst im M1 gastiert haben) das red dog beschallten. Eigentlich legte ja nur Lil´Louie auf, da Kenny Gonzales wohl schon recht mü de war, aber selbst die halbe Portion war so fantastisch, daß ich mir erst garnicht vorstellen will, wie es ist, beiden zuzuhören. Ein wirklich GROSSARTIGER Abend !!!

Bereits ins neue Jahr gerutscht, ging es dann am 18.01. ... aus unergründlichen Platzproblemen müßen wir leider die letzten zwei Absätze aus dieser Ausgabe verbannen (die red.) ][ mb

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