OUK Das Fünfte   facettenreich & blickdicht London

Da fährt man für zehn Tage das erste Mal nach London und hat keine Towerbridge, kein Wachs-figurenkabinett und den Big Ben nur durch Zufall aus einiger Entfernung gesichtet. Sehr seltsam. Manche würden es gar als traurig erachten. Aber wie verbringt man den ganzen Tag, außer in einer heruntergekommenen, aber nicht billigen Absteige zu übernachten, Fish & Chips mit Essig (göttlich!) zu konsumieren und englische Schokoriegel zu testen?

 

Nun, eine so multikulturelle Stadt wie London hat einiges abseits der üblichen Touristenschauplätze zu bieten. Die Musikszene z. B., floriert hier in einer ungeahnten Vielfätigkeit, so daß zehn Tage eine viel zu kurze Zeit sind, um sicher zu gehen einen ausführlichen Einblick in dieselbige zu bekommen.

Wir packen unsere Koffer:

 

1 Radio mit Tapedeck zum Aufnehmen

Wer vom Crossoverdancemix auf Kiss 100 genug hat, der drehe das Tuningrädchen rauf und runter und runter und rauf und kann nach einer kleinen Übungsphase Piratensender in den Sparten House, Reggae/Ragga und Jungle empfangen. Vergessen Sie nicht den Aufnahmeknopf zu drücken, denn so manches Tape ist Gold(i)es wert. Achtung: Steckdosenadapter besorgen oder von freundlichem Engländer borgen!

 

1 Recordcase; Inhalt: leer

Schlichtweg ein Vinylparadies für Jedermann. Dies mag verschiedene Ursachen haben: 1. Der Preis. Er variiert zwischen 3.99 und 6 Pfund (z. Zt. 10 bis 16 DM) für neues Material im 12"-Format. Second Hand ist selbstverständlich billiger bis gleich teuer. 2. Das Angebot. Einmal die Berwickstreet mit ihren Seitenstraßen abklappern und Sie vergessen Raum und Zeit, denn das hier vorliegende Vinyl deckt sämtliche Bedürfnisse. Meine besondere Empfehlung gilt dem Reckless Recordstore. Täglich gibt's hier neuen Nachschub an Second Hand-Ware. Von Grandmaster Flash über Farley Jackmaster Funk bis hin zu altem Suburban Bass/Moving Shadow/Reinforced-Gut gibt's hier zu akzeptablen Preisen einfach alles, was Sie brauchen. Leider hat man keine Anhörmöglichkeit, wie übrigens in den meisten anderen Läden auch. Wenn Sie sich also die neuesten Releases vorspielen lassen wollen, begeben Sie sich z.B. zu Black Market Records in die D'Arblay Street gleich um die Ecke. Hier noch ein paar weitere gutsortierte Plattenläden in Central London: Section 5, 121 Kings Road (only Jungle); Unity, 47 Beak Street; Rough Trade Shop, 130 Talbot Road (Riesenauswahl auf engstem Raum); Selectadisc, Berwickstreet (billig!); 24 Carat Records, 295 Caledonian Road (fast ausschließlich Jungle); Camden Tunes, im Herzen des Camden Markets.

3. Die Quantität. Sie brauchen sich wirklich keine Sorgen zu machen, daß Ihnen der Nachbar-Dj die neuesten Platten wegschnappt. Pro Exemplar stehen hier nämlich manchmal an die 100 (!) Stück im Regal.

 

1-2 Geldbeutel; Inhalt: voll

Im Gegensatz zu den Platten ist der Unterhalt recht teuer. Falls Sie vorhaben, Kleidung zu kaufen, sollten Sie noch einen zweiten vollen Geldbeutel mitnehmen. Sie bekommen hier alles an Klamotten, was Ihr Herz begehrt, aber die Preise sind auch für Second Hand recht ordentlich! Wer also nach Schnäppchen sucht, wird lange brauchen. Gegenden in denen man fündig wird, sind z. B. der Camden Market (Vorsicht Touristenoverkill, aber trotzdem gut), die Portobello Road samt Seitenstraßen in Notting Hill, der Kensington High Market oder das Ende der Kings Road in Chelsea. Aber auch die legendäre Oxford Street hat teilweise die bestsortiertesten Schuhläden, die ich je gesehen habe, taugt aber ansonsten nur zum Bummeln.

 

1 Sammelmappe

In London wird jeder Durch-schnittsmensch zum Flyerjunkie. Hochglanz reicht hier nicht mehr aus. Was Sie in den Händen halten fühlt sich doch stark nach Plastik an. Die Motive sind so bunt, daß ein SW-Flyer richtig auffällt und die Formen so verschieden, daß ein normaler A6-Flyer ebenfalls aus dem Rahmen fällt. Also sammeln, was das Zeug hält und die nächste Tapete ergibt sich von alleine. Vergessen Sie nicht Ihre Sammelmappe mit in die Clubs zu nehmen, denn am Ausgang werden Sie oft zwangsweise durch eine Gasse von Partyver-anstaltern mit Rücksäcken voll von Flyern gehen müssen.

 

1 Paar Ohrstöpsel mit extra Bass-Absorber

Wenn plötzlich eine ganze Wand von Boxen vor Ihnen erscheint, dann nichts wie rein mit den Dingern. Die spinnen, die Metallköpfe! Doch nicht nur zu gute Soundsystems und grandiose Flyer sind typisch für London's Partyszene. Auch sonst sind die Veranstaltungen überaus professionell organisiert, was wohl aus langer Erfahrung resultiert. Betrachtet man das Verhalten der Security, so stell ich mir die Frage, ob uns das auch eines Tages erwartet: Da werden die Besucher wie eine Horde von Schafen in eine Reihe gescheucht und wer auffällt wird erstmal rausgezogen und zur Sau gemacht. Anderswo übt man Aufstand wegen eines Schweizer Taschenmessers Marke XXS, das sich nur schwer von seiner Kette trennen ließ. Gott sei dank ein Zustand, der wohl eher auf Raves und größere Clubs zutrifft, denn wir haben auch andere Erfahrungen gemacht. Ein kleiner Tip für Großveranstaltungen und begehrte Clubs, der sich gleich dreifach auszahlt: Früh kommen, möglichst 10 Minuten bevor der Club die Pforten öffnet, denn das hat drei Vorteile: 1. Meistens keine lange Warteschlange (1-2 h Anstehen sind normalerweise die Regel). 2. Der Eintritt ist dann oft billiger (20,- DM ist üblich). 3. Die Türsteher sind noch guter Dinge.

Es bleibt eigentlich nur noch zu sagen, daß Sie sich bei der Ankunft ein Time-Out Magazin leisten sollten, auch wenn nicht gerade Keith Flint auf der Titelseite sein Unwesen treibt. Hier steht von der kleinsten Keller-Party bis zum Prince-Konzert alles drin, inklusive Adressen. Abschließend noch ein paar Tips von mir, die ihr Geld wert sind. Über die Metalheadz-Sessions brauche ich eigentlich keine Worte mehr verlieren, außer das sie halten, was sie versprechen: Saturdays, Leisure Lounge, 121 Holborn & Sundays, Blue Note, Hoxton Square. Montags kann ich Ihnen die Bar Rumba am Piccadilly Circus empfehlen, Motto "That's how it is!" und schönste Neuvorstellungen von James Lavelle. Die Nachfolge des unvergesslichen Speed-Clubs hat "tempo", donnerstags in der Mars-Bar, 12 Sutton Row, angetreten, mit Resident-Dj Fabio & Grooverider. Den schönsten Flyer bot der Metro-Club (samstags im Smithfields, 341 Farringdon St.), so daß wir ihm doch gleich einen Besuch abstatten mußten und wir in den Genuß eines der besten Freestyle-Rappers, den ich jeh gehört habe, kamen: JC 001. Am besten nach Hause kommen Sie mit den Black-Cabs, alle anderen wollen Sie abzocken!

 

30 Vitamin-C-Tabletten

Fish & Chips sind leider doch nicht so gehaltvoll! ][ lightwood

Von unserer ouk-Korrespondentin Damini aus London bekamen wir kurz vor Redaktionsschluß noch einige ihrer interessanten Shopping-/ Party-Tips zugeschickt.

Fashion:

Duffer of St. George, 29 Short Gardens

Menswear for hip young men! Betrete selbstsicher den Laden, um an der Bedienung vorbeizukommen, die sicherlich besser angezogen ist als du und sich auch dementsprechend benimmt. Viele schöne own-Label Cotton Shirts sowie eine Selektion von Acupuncture T-Shirts und Antoni & Alison Tops. Momentan hängen dort die schönsten Daunen-Jacken.

Boxfresh, 2 Short Gardens

Die Tatsache, daß die Besitzer ihr Office in Laguna Beach haben, sollte euch wissen lassen, woher ihre Klamotten kommen. Yup, das Wort 'Surfen' kommt einem da in den Sinn. Eines ihrer Label ist das belgische 'G-Star' für den Instant-Club-Skater-Look.

Slam City Skates, 16 Neil's Yard

Ein Mecca für all diejenigen, die ein Skateboard unter dem Arm tragen und für die, die auch damit fahren. Dieser Laden ist voll von coolen Casual Klamotten, aber das bedeutet nicht, daß diese billig sind. Im Angebot sind u.a. Boarding-Equipment und außergewöhnliche Turnschuhe.

My personal Fashion-Tip: Ausschau halten nach Tommy Hilfiger-Design und -Duft

His fashion appeals to both preppy New-Yorkers and black urban rappers: Prince Charles, Snoop Doggy Dogg, Björk,... zählen zu seinen Kunden.

 

Nightlife:

Jazz Bistro (Beat Wired), 340 Farringdon St.

A night of deep, dope and downright bizarre Beatz from WBC (=weird beat collective), Dj Matt Silver & Man like Toby - absolute Könner - absolute Freaks - 100 % dedicated - best Dj's - Respect! For all Freaks ein absolutes Muß! Electro Bizzarro!

Universe presents Voyager, 1-5 Parkfield St.

3 Dancefloors of Techno, Trance & Ambient Weirdness. Dj's aus Detroit, Chicago + Europa, was in vielen Clubs nicht der Fall ist (strictly british!). Besondere Attraktion ist die 10 Meter hohe Lavalampe, die durch alle Stockwerke geht.

Ministry of Sound, 103 Gaunt St.

Gehört zu London, wie die Tower Bridge. Einmal muß man dort gewesen sein. (Anm. v. Lightwood: Ich habe beides nicht gesehen und schäme mich auch dafür!) Beste Sound & Light-Anlage Europa's plus x-tra Raum, sponsored by Sony: Megaplaystation, Virtual Reality, ... ][dam

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