OUK Das Fünfte   facettenreich & blickdicht Plattenkritiken

 Liebe  Oma,
 

ich wünsche Dir alles gute im neuen Jahr. Die Feiertage waren sehr schön. Sylvester habe ich mit meinen Freunden verbracht. Das war auch sehr schön und wir sind sehr schön gerutscht. Ich hoffe, daß Du den Jahreswechsel ebenfalls gut überstanden hast. Meine Reise nach London war auch sehr schön. Wir haben uns sehr viele Clubs angeschaut und uns den ganzen Tag in Plattenläden aufgehalten. Das war wirklich eine schöne Zeit. Das mußt Du Dir unbedingt mal ansehen. Die Menschen in London sind sehr nett und zuvorkommend. Wir haben ein paar lustige Raver und Jungler kennengelernt. Ich muß mich natürlich auch noch recht herzlich bedanken für das Geld, das ich von Dir zu Weihnachten bekommen habe. Ich habe mir dafür folgende Platten gekauft:

 

 

 Panacea 
"Tron"/"Torture" 
Chrome 006

Nein, das glaube ich nicht. Diese Platte kommt doch tatsächlich aus Germany, zumindest was das Label anbetrifft: Force Inc. hat hier seine Finger im Spiel, genauer gesagt ein neues Sublabel abgeworfen. Über den Artist kann ich Dir leider keine weiteren Informationen geben. Aber nun zu dem, was sich in den Rillen des schwarzen Rundlings befindet. Das ist das böseste und fetteste, was ich je aus deutschen Landen zu hören bekam und übertrifft sogar noch einen Ed Rush und Trace zusammen.

Die Label-Seite beginnt mit diversen düsteren Endzeitklangteppichen, die von einem mittelalterlichen Choral und einem verzerrten Sample "This is the dark..." aufgelöst wird. Die Breaks scheppern vor sich hin, bevor die Motorsäge um Deinen Kopf kreist und der Darkside-Funk Dich ins 21. Jahrhundert versetzt.

Auf der anderen Seite genießen wir Techsteppin' vom feinsten. Hier wird das druckvollste an Bässen und Beats aufgefahren, was die Maschinen so zu bieten haben. Dazwischen sind immer wieder Kampfschreie von einem Samurai zu vernehmen, der am Ende jedoch gegen den Soundwall nicht mehr anzukommen vermag.

Danny Breaks
"You ain't down"/"Science Fu Beats"
Universal Language/Evolution 081
"The Bear"/"Crime 96"
Droppin' Science 010

 

Ein Mann, dessen Output an qualitativ hochwertigen Produktionen sich sehen lassen kann. Erinnerst Du Dich noch an die legendären Tracks von Sonz of a loop da loop era, für die sich Danny Breaks verantwortlich zeigte?

Mit seinem Droppin' Science Label markiert er nun schon seit einiger Zeit, in welchen Gebieten sich Drum'n'Bass abspielt. Spätestens nach diesen zwei Releases wird Ihm der schon längst verdiente Respekt zukommen und er sich hinter so manch einem Dj-Pult hierzulande wiederfinden.

An dieser Stelle möchte ich mal wieder auf ein Zitat von Goldie zurückkommen, der nämlich feststellen mußte, daß Trip Hop nur "slowed-down" Jungle ist. Demzufolge lasse ich "Science Fu Beats" jetzt einfach mal als "slowed-down" Darkside im Raum stehen. "You ain't down" wirkt sehr mächtig und steppt vor sich hin, gespickt mit diversen kleinen Soundgimmicks, so daß Dir nicht langweilig wird.

Die Droppin' Science ist für mich die beste seit langem. Eine Seite geht verdammt nochmal ab, wie keine andere Platte im Moment. Viele metallene und zischende Beats, die eine sehr eingängige, flotte Bassline mitziehen. Die andere Seite wirkt wesentlich ruhiger, beginnt mit einem Funkbass, der kurz danach durch einen klareren Bass abgelöst wird. Die Drums bauen sich auf und das Ganze nimmt Gestalt an. So bringt es Danny auch hier wieder fertig durch diverse unterschiedliche Sounds, die nur nebenbei kurz auftauchen, eine bestimmte Atmosphäre zu schaffen.

Boymerang, 
"Still"/"Urban Space", 
Prototype 008

 

Das ist wahrscheinlich die seltsamste Veröffentlichung auf Prototype bisher, aber auf jeden Fall eine, die dem Labelnamen alle Ehre macht. Wer sich hinter Boymerang verbirgt weiß ich nicht, aber als ich "Urban Space" das erste mal in der Mars-Bar hörte, war ich schlichtweg angetan. Ein völlig neuer Style, den ich jetzt einfach mal Elektro-Jungle taufe, da der Breakbeat mit typischen Drumsounds aus der Elektroecke aufgebaut ist. Eine funky Bassline darüber gesetzt, ein paar nette Flächen und hinein damit in Fabios Plattenkiste. Leider verliert der Track gegen Ende hin ein bißchen an Energie. Also, wer nicht schnell genug mixt, der hat verloren. Auf der Labelside befindet sich ein kleiner Darkside-Stepper, nichts weltbewegendes, aber auch nicht schlecht.

Cybernet vs Genetix
"Cyborg One"/"Program Two" 
&"Cyborg Two"/"Program Three"
Emotif 011 & 012

 

Ein Sublabel von S.O.U.R., daß die zweite Darkness-Era einläutete. Vor zwei Jahren remixte Dj Trace (damals noch auf S.O.U.R.) den T-Power Alltime-Klassiker "Horny Mutant Jazz", der erst nur als Dubplate, dann als Whitelabel und schließlich auf dem T-Power Album als Bonus-Track erschien. Jetzt vor kurzem ist der zweite (Die 2 ist wohl das Zauberwort bei diesem Label hier?) Remix von Trace auf Emotif erschienen: "Mutant Revisited". Aller erste Sahne kann ich dazu nur sagen, auch zur Rückseite "Skyscraper". Aber selbst Releases, wie die Emotif 3 (Rollers Instinct) oder der Techsteppin-Sampler zeugen von höchster Qualität. Schwenken wir die Blicke von all diesen hervorragenden Scheiben ab und kommen zu den neuesten Releases, die Nummern 11 und 12 von Cybernet vs Genetix. Diese haben wohl zuviel die Moving Shadow 81 von Dom&Roland angehört und das Crossfaden mit Beats innerhalb eines Tracks entdeckt. Dennoch ein bißchen schwach das ganze. Lediglich "Cyborg Three" kann mit einem schrägen Bass und irgendwelchem Mönchsgeblubber aufwarten. Das größte Problem bei allen Tracks dürfte jedoch darin bestehen, daß es nie richtig los- bzw. abgeht.

John B
"Fermats Theorem"/"Sight Beyond"
New Identity 003

Noch so ein Sublabel liegt uns vor, diesmal von Formation , welches man wohl im Auge behalten sollte. John B liefert uns mit "Sight Beyond" einen Spitze-Track ab, der wohl zustande kam, als er Bukems und Grooveriders Plattenkiste kreuzte. Mehr gibt's dazu nicht zu sagen. Die Labelside ist relaxt und unspektakulär.

Zed
"Blue Nights"/"Urban Jazz" 
& Mission Control
"The wind changes"/"March ahead" 
Genetic Stress 003 und 004

 

Nach der Überflutung von darken Veröffentlichungen in letzter Zeit, bin ich froh, daß ich Dir zum Schluß noch ein Label vorstellen darf, das wunderbare jazzige Sachen veröffentlicht, die ideal für Deine Kaffeekränzchen sind. Abseits des ganzen "atmospheric"-Einheitsbreis existiert hier eine Welt, die noch völlig in Ordnung zu sein scheint und Bukem sollte sich schämen, daß er noch kein GS-Release auf seine Mix-CDs/Compilations gebannt hat. GS hat mit seinen bisherigen und den vorliegenden Platten eine völlig eigene Stimmung, sowohl durch ein gewisses Arrangement als auch durch die Verwendung bestimmter Beats, Sounds etc., kreiert.

 

Solltest Du noch kein Geburtstagsgeschenk für mich haben, hier eine kleine Wunschliste von Samplern, die demnächst rauskommen werden: The Speed of Sound (Ram Records); Torque (No U Turn); Hidden Rooms (Certificate 18); Dj Krust pres. Genetic Manipulation (Full Cycle). Ich fiebere schon eifrig der Moving Shadow 100 entgegen und freue mich, daß David Bowie jetzt auch jungelt.

Dein Oliver ][ lightwood

 

 Unter einem

 schweren

weißen

Mantel

aus Schnee
 
liegt die Umgebung. 

Die klirrende Kälte wird nicht nur in Werbespots von den aus Fenstern fliegenden, geschmückten Tannenbäumen durchschnitten, die beim Aufprall kleine Staubwolken aufwirbeln. Matsch klebt an den Füßen und macht das Gehen schwer. 50% Mittelkürzung an der Universität läßt nur eine minimale Abweichung zur Außentemperatur in den Uni-Gebäuden spüren. Eine Zeit also in der endlich die Geräusche der "Low On Ice" von Alec Empire (Mille Plateaux 18) nachzuvollziehen sind. Doch erschien zu genau dieser Zeit auch ein neues Werk von dem Atari Teenage Riot Mastermind. "Les Etoiles des Filles Mortes" (Mille Plateaux 30). Eine Filmmusik die ebenso wie die Low on Ice das oben geschilderte Szenario weich umhüllt und ausschmückt. Dabei bleiben bei den Sternen der toten Kinder jegliche Trommelgeräusche außen vor. Gedämpft wie die Schritte im Schnee? Geboren aus nur drei Geräten (ein Atari ist auch mit dabei) schleichen obskure Filmmusiksequenzen, zehn an der Zahl, durch die Ohrmuschel, und lassen, wie Nr. 8 = Opus 28; Pour la liberte Des Milles Universes, auch mal die Erinnerung an einen alten schwarz weiß B-Movie zu, in dem man selbst anbetracht der heutigen Umstände planlos umherirrt auf der Suche nach einem warmen, geborgenen Fleck.

Hat man dann endlich einen solchen gefunden, und lechzt nach Entspannung, so ist es nicht schwer mit der neuen "Weekend" Veröffentlichung, sich von Kreidler eine entspannte Wochenendathmosphäre zu zaubern. Die endlich auch auf Vinyl erhältliche Ansammlung der 11 Stücke auf Kiff-Records (004) gleitet so sanft wie eine Fusion aus Tortoise, Oval und Mouse on Mars durch den Raum, ohne dabei kitschig zu erscheinen oder den Verdacht aufkommen zu lassen, das eben genannte mitgewirkt haben könnten. Leichte klassische Elemente im Hintergrund mischen sich mit verspielten Jazzanekdoten in einer Grundstimmung der Elektronik. Musik die sowohl an Samstagen nicht am Weggehen hindert, aber auch am Sonntag zum Daheimbleiben einläd, oder andersrum, je nachdem.

Viel stärker den Bereich der Jazzelemente in sich bergend und diese auch freizügig über die Lautsprecher verspritzend, präsentiert sich die neue Veröffentlichung von Lisa Carbon & Friends. "Stereococtail" (Pod-Records 037) übermittelt auf vier Schallplattenseiten unter anderem die Versionen des Atom Heart'schen Verständnisses von Computer-Jazz, Megawhat Groovology und Costa Rica Cyber-Salsa. Die 8 Stücke auf ihr stellen sich dabei als konsequente Weiterentwicklung der noch ruhig beginnenden "Polyester LP" (Rephlex-Rec. 026) dar. Insbesondere die damaligen Stücke "Paraphonic" und "Stereo Coctail" leiten dezent zu dem neuen Werk über.

Auch aus Wien ist eine neue Veröffentlichung auf Cheap-Records über Berge und Schluchten zu uns geschlichen. Unauffällig hat sie sich in die Plattenregale neben die Rerelease des Labels gereiht. Die 5 Tracks der SOKOL "Mean Clowens Welcome" (Cheap 020) bieten ein breites Spektrum für alle Freunde der Music des englischen Clear-Labels. Experimentierfreudig erklingen Computer-Jazz Stücke neben monoton endlos erscheinenden Funk-Parts, wie sie seit der Showroom-Recordings Serie auf Cheap schon bekannt sind.

Auch Doctor Rockit aus England hat eine neue Doppel-LP auf den Markt gebracht. "The Music of Sound" (Clear 424) ist für all diejenigen, die noch nichts von ihm besitzen, eine gute Möglichkeit eine umfassende Retrospektive seines Schaffens zu erhalten. Es werden zwar keine alten Stücke erneut in der Form einer Best-Off auf die kleinen Rillen gepresst, wohl aber präsentieren sich die 16 Stücke in der gewohnten Art. Selbst Stilrichtungen, die ganz am Anfang seines Schaffens einzelnen Projekten zugewiesen waren (Wishmountain und Herbert) finden sich hier wieder. Neues Material auf jeden Fall vom Meister der Küchengerät- und Körpergeräusch-Samples und vor allem eine neue Clear-Veröffentlichung. ][ g

 

Die BeatNicks sind da. Eine Jugendkultur so um die Mitte der fünfziger Jahre, deren Lebensinhalt die Ekstase war. Stratosphärisch, flächenhaft wirkend, versetzten sie uns in Bewegung und ihr typische old-school Beat treibt uns zu Höchstleistungen. Verzerrt durch ein Gitarrensample entsteht eine unheimliche Stimung.

Die BeatNicks sind da. Zum entspannen dann etwas jazziger, fast schon leicht staubig. Virtuose Keyboards und ein nicht gerade aussagekräftiges aber doch passendes "OOOhhh" sorgen für angenehme Atmosphäre. Dann sind sie plötzlich m äuschen still und die Anspannung läßt die Nackenhaare höher stehen. Vielleicht waren die alten Zeiten doch besser.

Zugegeben als in NuYork noch der Soul regierte, wußte man noch Meisterwerke zu kreiiren, eine Sache die heute nur noch den wahren Meistern überlassen ist. Bezaubernder Soul und heimische Rhythmen in origineller Verpackung. So muß es sein! ][ mb und enco

Bringt Massen zum Kochen und wärmt des Liebhabers Herzen: Byron Burke, Attic Room EP, ContinueMusics 009 # BlakBeatNiks, Ooohhh - original mix, Pan 001 # M.A.W. , NuYorican Soul, Talking Loud.

 

Khan&Walker:Schleichfahrt (disko B)

Monotonie ist die Essenz des Techno. Für Außenstehende ist das mitunter schwer verständlich, aber die interessieren ja in diesem Falle nicht . Dieser 4-tracker kommt im Doppelpack und wird jede Tanzfläche mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr füllen, naja, nicht jede, versteht sich von selbst. Es verändert sich nicht viel im Laufe der 7-10 Minuten , aber das kickt dann umso doller. Gewohnt Erstklassiges aus der Lindwurmstraße. ][ motik

 

Mäuse (Morbid CD 02)

Gerhard Potuznik und Tex Rubinowitz haben vielleicht in letzter Zeit etwas ungesund gegessen, zumindest klingt dieses neueste Machwerk der Wiener in etwa so als ob. Sehr eigenartige Texte verbinden sich mit 80er-Jahre-New Wave, diversen gebrochenen Beats und sonstigen komischen Tönen. Laut Booklet spielt Potuznik übrigens alle Instrumente, macht den Abwasch, trinkt Alkohol, raucht, sieht nach dem Baby, geht einkaufen (meistens Wurst), rassiert sich, bringt den Müll raus, liest Zeitung und surft durch das Netz. Tex Rubinowitz macht gar nichts. Die spinnen, die Wiener. Zum Glück, denn sonst würde nicht all die wunderbare Musik aus unserem Nachbarland über die Grenze schwappen. Tolle CD (warum kein Vinyl?) aber ganz bestimmt nicht Everybodys Darling. ][ motik

 

Chain Reaction 15

Frech das Ganze, zumindest wenn man es, wie vorgeschrieben, 33 Mal pro Minute Runden drehen läßt, denn dann mutet die Platte raverunüblich sehr langsam an. Der Hintergrund klingt ähnlich wie die (übrigens großartige) neue Plastikman , ansonsten bewegt man sich im üblichen Post-Basic-Channel-Milieu. Ähnlich wie bei disko B ist auch das erstmalige Hören einerVeröffentlichung auf Chain Reaction wie Geschenke auspacken. ][ motik

 

Für Jasmin-Das Blümchen Remix Album (edel)

Ich muß mich wohl nicht mehr als Blümchen-groupie outen, da das sowieso jeder schon weiss. Das man jetzt sogar den Ton zuschalten kann, verdanken wir Künstlern wie Schorsch Kamerun, Egoexpress oder Tobitob, die aus dem vorgegebenen Soundmüll teilweise durchaus ansprechendes hervorzaubern. Für jeden Fan des lieblichen Cheerleaders ein Muß. ][ motik

back