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Das Sechste super & bleifrei | 3 Seiten Ewigkeit |
5.45 a.m.c.e.t.
Vor 20 min. floß noch 1 heterogenes Kaffee-Milch-Zucker-Gemisch meinen Rachen hinunter. Mittlerweile mußte dessen Geschmack dem 1 Spearmint-Kaugummis weichen, denn die Aufregung des bevorstehenden Fluges macht sich in meiner Magengrube bemerkbar. Doch für Nervosität ist keine Zeit. Im Hintergrund dudeln die neuesten Chart-Hits, hin- und wieder von Nachrichtenmeldungen unterbrochen. Wie die Welt wohl ohne Musik aussehen würde? Irgendwie ist es noch zu früh um solch komplizierte Überlegungen anzustellen. Warten wir ab, was der Tag so bringt.
3.00 p.m.p.t.
Fenster auf, tief einatmen. Die salzige Luft durchdringt die Lungenflügel. Und BOOM, schon steht John Bon Jovi im Zimmer. 300 Watt sind eben doch mit Vorsicht zu genießen. 1 halbe Stunde später und 200m höher befinde ich mich inmitten 1 der schönsten Ausblicke Nob Hills. Doch auch hier bleibt man nicht von Ghettobläsern verschont. Music is my business - kommt es mir in den Sinn, mein Blick schweift über den Horizont, mein Fuß wippt im Takt zu den neuesten HipHop-Grooves. Nochmal 30 Minuten später ist die Musik immer noch dieselbe, das Szenario jedoch hat sich gewandelt. Aus Nob Hill wurde Financial District, aus Shirt & Short wurde Tux & Tie und aus dem mönströsen Ghettobläser wurde ein kleiner, eleganter Walkman. Und wieder liegt Musik in der Luft.
1.00 a.m.p.t.
Es gibt sie also doch noch. Künstler, die es zu verstehen wissen, 1 musikalisch reizvoll gestalteten Abend darzubieten. Selbstverständlich anonymous, denn große Namen sind hier nicht gefragt. Es will sie auch keiner lesen, hören erst recht nicht. Bleibt noch die Feststellung, daß auch die herrlichsten House-Beats bei zu hoher Lautstärke schlichtweg beschissen klingen. Dafür ist der visuelle Sinn wahrlich befriedigt, selten von solcher Schönheit und Vielfältigkeit berührt. Zeit zum Schlafen gehen.
11.25 a.m.p.t.
Szenenwechsel. Anstatt dunkler Gemächer, greller Sonnenschein. Anstatt schwingender Hüften, zerdrückende Massen. Anstatt wohlklingender Töne, schreiender Lärm. Der Versuch 1 Emporium des Sports zu errichten, der Versuch auf 1500 komplett durchdesignten qm moderne Sneakermode zu präsentieren, der Versuch den Eröffnungstag zum Partyereignis und somit zugleich zum Umsatzrekord werden zu lassen, ging nicht auf. Denn der Architekt vergaß die kleine, diesesmal aber entscheidende Menge von Angestellten miteinzuplanen. Niketown blieb Trabantenstadt. Die streikenden Beschäftigten verbrachten ihren Samstagmorgen lieber vor dem Geschäft. Die Kunden auch.
2.10 p.m.p.t.
ouk ist zum Lesen gedacht. Wo es überall gelesen wird, kann ich nicht sagen. Von stillen Örtchen wurde mir berichtet und von heißen Frühlingstagen im Park. Überhaupt sollte man viel öfters seinen Sonntagnachmittag im Park verbringen, anstatt schlafend im Bett zu liegen. Wer die fröhlichen Menschenmassen verpaßt, die sich langsam im Antlitz der Sonne durch die Natur bewegen, ist selbst Schuld. Es hat noch niemandem geschadet im Gras zu liegen und den sanften Tönen der Natur zu lauschen, oder ... zu lesen!
Lesen ist 1, sollte man nicht gerade zu den glücklichen Besuchern eines Anfänger(vor)lesekursus gehören, zumeist einsame Beschäftigung und bedarf, genau wie das Schreiben, äußerster Konzentration, will der Lesende nicht Bezug und roten Faden verlieren. 1 Tageszeitung ließe sich noch auseinandernehmen und somit mit seinem Liebchen teilen. Bei ouk wir dieses Vorgehen schon komplizierter, ist dessen Zusammensetzung doch um einiges komplexer. Aber wer hat schon noch die Zeit, die allmorgentliche Zeitung in Ruhe von vorne bis hinten durchzulesen?! In 1 Zeitalter in dem man seine Bücher via Internet bestellt (warum eigentlich nicht gleich dort lesen?) und Fernsehkanäle mit Werbung vollgestopft sind, strömen Berge von Informationen täglich auf uns ein, müßen zur Kenntnis genommen, geprüft und ausgewertet werden. Wie wohltuend ist es da, über so belanglose Dinge wie 1 Sonntagnachmittag im Stadtpark zu schreiben. Das Grinsen meiner Kollegen beim Lesen dieser Zeilen bestätigt mir, daß ich auch weiterhin über Dinge schreiben kann, die keinen interessieren.
Danke schön. ][ mb
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