OUK Das Sechste   super & bleifrei Bla & Blub
Die 3 von der Tanzstelle

Von 25 Grad im Schatten und blauem Himmel kann ich heuer berichten, von Einkaufswagen und von Einbahnstraßen. "Jetlag" und "Kreislaufkollaps" wollen wir gar nicht erst erwähnen. Von Bedeutung ist letztendlich nur das Partygeschehen der letzten 8 Wochen, welches am 7.2. in der Eisenbahnstraße zu Tübingen begann. Nach langem hin- und her gelang es dem dort ansässigen Club namens Depot für einen Abend Deutschlands angesagtesten House-Dj Boris Dlugosch zu ergattern. Dlugosch, der durch seine Produktionen inzwischen weltweit bekannt sein dürfte, fischte allerlei feine Housescheiben aus seiner Schallplattensammlung hervor, wodurch gutgelaunte Houser, Clubber und rothaarige Sonnenbrillenträger einen Abend voller Freude, Tränen und wunden Füßen erlebten.

Nach einem kleinen Zeitsprung, der 3 Wochen Faulenzen überbrückte, sollte das M1 mein Aufsehen erregen. Denn "Discolegende" Nick Holder sollte man schon einmal gesehen und gehört haben. Der zusätzliche Anreiz einer Rollerdisko im Vorhof stellte sich als Flop heraus, war es doch einfach zu kalt (und zu langweilig), um längerer Zeit diesem Spaß zu fröhnen. Zeit also, in die Tiefen hinabzusteigen und zu schauen, was der Star des Abends so macht. Dieser hatte wahrlich etwas Unterstützung nötig, wollte doch das Publikum nicht so recht zu den Discogrooves tanzen. Doch ein wirklicher Könner meistern auch dieses Problem und kramt flux ein paar härtere Scheiben aus seinem Koffer, was auch sogleich die Tanzfläche füllte. Von da an war es ein geselliger Abend mit viel Spaß an der Freude.

Bleibt noch zu erwähnen, daß unsere Landeshauptstadt Freitags noch immer von einer penetranten Trägheit heimgesucht wird, sind die Tanzsäle diverser Clubs immer noch sehr spärlich besucht. Am 9. Mai wird sich Houselegende George Morel ins Depot verirren, im Ultraschall gilt inzwischen: Duschen, Handtuch, Seife - fünf Mark und Abe Duque ist immer noch the sexiest guy in Hollis. In diesem Sinne .... ][ mb



Angsterfüllt und schweißgebadet öffne ich die Augen und sehe mich vorsichtig um. Kein Zweifel: Wir sind am Ziel und -wichtiger noch-am Leben. Es war durchaus nicht das erste Mal, daß ich mich -wohlgemerkt freiwillig- diesem Henker ausgeliefert sah, aber noch immer nicht vermag ich das nötige Vertrauen aufzubringen. Verständlich, wenn man bedenkt, daß dieser Verrückte die Strecke Stuttgart-München in 70 Minuten zurücklegt und dabei kalt lächelnd mit Blick auf die Rückbank 20-Tonner überholt (ganz zu schweigen von der Rückfahrt, bei der wir uns aquaplaningbedingt in einem permanenten lichtschnellen Schwebezustand befanden). Aber was riskiert man nicht alles für eine musikalischen Hochgenuß, der einem im Ultraschall zweifelsohne immer erwartet. Gigolo Hell, Anthony "Shake" Shakir und u.a. Grinser&Dakar live unterhielten uns blendend in der allerdings nur schwach gefüllten Kultlocation. Einerseits schade, andererseits nicht unsymphatisch, da die wenigen Anwesenden sich alle auf der Tanzfläche wiederfanden. Erfreulicherweise ist der Samstag weiterhin angemessen frequentiert. So auch eine Woche später, als sich u.a. "rrr" und "Like aTim" ansagten. Erstaunlicherweise verbirgt sich hinter letzterem ein unscheinbarer Schulbube, den man eher als Klassenbesten einer holländischen Eliteschule, denn als findigsten Musiker auf Saskias Djax-Up-Beats vermutet hätte. Leider kann er das Attribut DJ nicht in Anspruch nehmen, tolle Musik war es aber allemal, auch wenn ein Großteil der Erdbevölkerung diese als unerträgliche Belästigung empfände (zum Glück...).

Der Stuttgarter Nachtmensch erfreut sich derzeit an einer Fülle erstklassiger Freizeitgestaltungsmöglichkeiten. Neben den bereits zu Klassikern mutierten Motor City Club, Betty Oliphant Theatre (beide Großer Bär) und Radiobar, sowie dem Hip Hop-Mittwoch im Red Dog, kann man auch sorgenfrei sowohl freitags (0711-Club, sehr zu empfehlen, feinster Hip Hop, teilweise auch Oldschool-Breakdance) als auch samstags (Brit- und Detroittechno) dem Club Prag einen Besuch abstatten. Hörenswert bei letzterem waren beispielsweise die B.O.G.-knaben (thanks Ralf, daß Du Kompromisse den anderen überlässt!), auch wenn eine undurchdringliche Nebelwand meine Stimmung hustenbedingt etwas abflachen ließ. Primus inter partes für mich aber derzeit trotzdem das M1. Ich weiß, jetzt regt sich in manchen Kreisen wieder der Widerstand, aber es für sophisticated zu halten Stuttgarts schönste Location seit dem Tierexidus zu meiden ist für mich nicht nachvollziehbar. Durch die Angliederung des Club Fusion ist für eine musikalische Vielfalt gesorgt, die sich auch auf das Publikum ausdehnt. Sicherlich geht es einigen nur um "sehen und gesehen werden" , doch Musik als Haupttriebfeder des Erscheinens ist heutzutage eine Illusion, leider. Wenigstens tanzen hier die Leute noch auf den Theken und sehen zumindest so aus, als ob sie Spaß haben. Für die letzten Musikliebhaber dieser Erde sei gesondert auf die freitäglichen tuffer beats im kleinen Club des M1 hingewiesen, bei denen neben den tuffer residents auch internationale Größen wie Abe Duque, Claude Young oder Dan Curtin (so im März) zu hören sind. Auch der Feeva Cru-Samstag eben dort ist den Weg wert. Housefreunde kommen ohnehin durch die ständige Präsenz illustrer Gäste aus dem In-und Ausland voll auf ihre Kosten. Langer Rede, kurzer Sinn: Stuttgart ist wieder wer und dem, der trotzdem zuhause bleibt, ist nicht zu helfen...

Kleines outro: Mixmaster Mick Wills hat seinen ersten track auf der CD-Compilation seiner Berliner Booking-Agentur Barracuda veröffentlicht. Das monotone DJ-Tool entstand in Zusammenarbeit mit Maurizio Blanco. Fin. ][ motik


"Aus Lightwood's Backstube"

Heute: Käsekuchen ohne Boden

125g superweiche Butter, 300g perlweißer Zucker + 1 Vanillezucker sehr schaumig rühren, bevor 4 glubschige Eigelbe ihr letztes Gebet gesprochen haben und in den Fluten des Butter-Zucker-Gemischs zusammen mit einem Päckchen Vanillepuddingpulver, Backpulver, 4 EL Hartweizengrieß und abgerubbelter Schale von einer Zitrone versinken. 1 kg des magersten Quarks paaren Sie nun mit dem Saftigsten einer Zitrone und versuchen es mit der Grundmasse in Kontakt zu bringen. 4 Eiweiß bitte sofort steif schlagen und unverzüglich, aber vorsichtig unter die erweiterte Grundmasse heben. Danke! Wenn Sie es schaffen diese schwere Masse in eine Springform zu verlagern, haben Sie die Möglichkeit das Gesamtkunstwerk auf der mittleren Schiene Ihres warm gelaufenen Backofens bei 180 Grad eine Stunde lang zu vollenden. ][ lightwood

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