OUK Das Sechste   super & bleifrei Ein Label namens Shokoy

Menschen neigen dazu, die Vergangenheit zu glorifizieren, indem sie Negatives und Unangenehmes verdrängen und die schönen Seiten bewahren. Es gibt nur Wenige, die frühere Neigungen oder Fehler, die sie diskreditieren könnten, offen zugeben. Vielmehr wird getäuscht, gelogen und getrickst um der Öffentlichkeit die Fakten vorzuenthalten. Derlei Faxen hat der Pfullinger Jurastudent Elef Tsiroudis nicht nötig. Mit der klaren Vorgabe den eigenen Plattenladen bekannter werden zu lassen und dem Ziel auch finanziell in die Plusregionen zu kommen, gründete er 1995 zusammen mit Oliver Sliver und Alma Wehner das Label Shokoy. Shokoy ist phillipinisch und bedeutet "jungfreulicher Geist", was angesichts der ersten Releases einer wohl auch gewollten Selbstironie gleichkam, denn gepresst wurde wenig innovativer Mainstreamvierviertel-beat, der dementsprechend erfolgreich unter die kaufwillige Einheitsklientel verteilt werden konnte. Rückblickend gesehen war es dann wahrscheinlich auch das Beste für das Label, daß sich das Gründertriumvirat schließlich trennte und Tsiroudis Shokoy in Eigenregie weiterführte. Geld rückte in den Hintergrund und mit dem Debut der Formation Klangstabil" wurde starker Tobak in Vinyl geritzt. Nachdem Shokoy aber anfänglich als Schmelztigel verschiedenster Spielarten elektronischer Musik gedacht war, soll künftig hauptsächlich harter, minimaler Techno den Weg bestimmen.

ouk: Euer Logo ist bei allem Respekt superhäßlich und deutet auf Dingeldeitäschno hin. Was soll das?
E: Es ist richtig, daß es ravig aussieht, aber es hat den Vorteil, daß es auffällt und leicht einzuprägen ist. Über das Design kann man streiten.
ouk: Spuck sie aus, die schonungslose Wahrheit über die Labellandschaft Baden-Württembergs.
E: Sie läßt viele Wünsche offen. Bei uns regiert die Trancewelt, was verständlich ist, denn nur hier kann man noch Geld verdienen (z.B. Noom und die ganze andere Scheiße). Außerdem gründet derzeit jeder, sei er nun DJ oder Ladenbesitzer, in der Hoffnung der Star aller Stars zu werden, ein Label. Doch zum Glück ist es bei Labels nicht anders als bei den Menschen: sie werden geboren und sterben schnell, wenn sie nicht auf ihre "Gesundheit" achten, wenn sie also nicht richtig gepflegt werden. Mich stört die mangelnde Zusammenarbeit der Label untereinander. Die ganzen Deppen stolzieren lieber hocherhobenen Hauptes eitel und besserwissend herum, als beispielsweise Acts auszutauschen oder gemeinsame Projekte zu starten. Über die Szene in Stuttgart sage ich lieber nichts, sonst bekäme ich Morddrohungen...
ouk: Zukunft?
E: Ich werde verstärkt selber Sachen auf Shokoy produzieren und gelegentlich auch andere Acts releasen. DJ Gomez wird natürlich mit mir produzieren , denn wenn ich jemandem etwas gönne, dann ihm! Da ich auch einer der sog.Verräter bin, produziere ich auch Dancefloor mit 2 Leuten aus München. Außerdem werfen wir einen sehr erfolgreichen Trancesampler ("Clubtrance") auf den Markt und betreiben noch zwei weitere Label ("Tricycle Music Entertainment" und "Platform 7"). Es kommen auch ein paar Remixe auf "Dos or die" raus, aber das ist natürlich purer Kommerz.
ouk: Benenne Lieblingsfarbe, -club, -platte, -model, -auto, -stadt, -zeitschrift, -getränk, -stellung, -buch, -schriftsteller.
E: blue, zur Zeit Club Prag, Kanzleramt 16, Linda Evangelista, Porsche Carrera 4S, Zürich, Bravo/Playboy, Wodka Lemon, griechisch (anal total), "Es", Grisham.
ouk: Die Partysanleser haben Dich als Schöpfer der Kolumne "Rettet das Gyros" in ihr Herz geschlossen. Wie steht es im Match Gyros vs.Döner?
E: Leider 2 zu 5, doch der Kampf geht weiter und wie sagte doch einst der griechische Held: "Noch ist Theben nicht verloren".
ouk: Beschreibe die Frauen.
E: Sie sind wertvolle Geschöpfe, die für die Fortpflanzung des Menschen von großer Bedeutung sind. Doch hierfür ist erforderlich, daß sie gut aussehen. Leider ist in der Regel von 10 Frauen nur eine brauchbar (sorry, aber wahrscheinlich denkt ihr genauso über uns). Aber meine Frau muß einfach hübsch sein, sonst bekomme ich keinen hoch, ehrlich!
ouk: Räusper. Zeit für ein Schlußwort.
E: Grüße an meine Freunde Rambogoméz, Stanischlaf, Katjes, Krankstabil, Petro&Christine, S-it, Sozialfall Motik, Agent Wollsocke, Clemens, Jörg&Matze, Stefan&Dunja, Heiner&Michael, Thilo Wacher, Jungle-Oli&Marlon, Tanja G., Gunther&Christoph, Jura, Ken, Linda, Dominik, Daniela, Melanie, das restliche ouk-team u.v.m..Noch ein kleines Haßwort: Verrecken soll das Subculture (mitsamt der Redaktion), das Toy und das Zenith und unser toller Technopapst von den Backstreet Boys (ihr wißt schon wer). Bye and best regards from Elef, dem schönen Griechen. ][ motik


Anmerkung der Redaktion : Gruß an alle Haßtiradenschwörer und Bombenattentäter, dieses Interview spiegelt ausschließlich den Meinungsstand des Interviewten wieder. Wir übernehmen hierfür keine Verantwortung...

back