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Das Siebte Schüsse & Küsse | 3 Seiten Ewigkeit |
| drei Seiten |
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| e w i g k e i t |
Schon wieder eine neue Ausgabe. Die Ostereier sind gerademal verzehrt und auch der Maibaum ist gefällt. 365 Tage Ewigkeit sind vergangen, auch wenn es nicht jeder bemerkt hat. Zu groß war die Kluft zwischen den Geschmäckern, zu schnellebig die Zeit in der wir uns bewegen. Rasch noch mal tief Luft geholt. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Ein Trend jagt den anderen, vor nichts bleibt meine Seele verschont. Bunte Titelbilder springen mir ins Gesicht, noch grellere Schlagzeilen durchdringen mein Gehör. Britpop ist tot! Des Popmagazins Spex neue Helden heißen Supergrass - die wiederum spielen Britpop! Das Spiel geht nie zu Ende. Der König ist tot, lang lebe der König. Die Glorifizierung bestimmter Personen oder Dinge ist schnell geschehen, zu schnell meist, als daß tieferes Nachdenken über den Sinn oder genaues Schlußfolgern hätte stattfinden können. Der moderne Mensch rennt gern von einer Tür zur anderen und will dabei nicht allzulange überlegen. Rasch ergibt er sich den Meinungsmachern unserer Gesellschaft, die den Takt der Zeit diktieren. Techno als radikalen Freestyle, Techno als atemberaubende Fusion, Techno als Kneipensound, Techno als Raverock mit Gesang, Techno als Soundforschung, Techno als Party-Energizer, Techno wie immer (FP 1/97). Die Front ist zusammengebrochen. Ausverkauf der eigenen Reihen. Wer hoch steigt, fällt tief. Wie oft sehe ich die Menschen, in Ihrem Unverstand versuchend der Gesellschaft zu genügen, armselig einherwandern um am Ende doch nur wieder die Verlierer zu sein. Der Versuch der Aufklärung wird abgeschmettert, alles drumherum droht in einem dicken Nebel zu verschwimmen und das eigene, engstirnige Denken wird als Lebensmaxime betrachtet. Der Versuch der Rettung endet in Ärgernis über Andersdenkende, die die Fähigkeit besitzen vielerlei Dinge zu betrachten und gleichzeitig Ihre Identität zu bewahren. Die Fähigkeit alle Möglichkeiten der Musik reflektieren zu können, die Vielfältigkeit mit Leidenschaft ausführlich betrachten und untersuchen zu können, ermöglicht ein offenes Denken und Handeln in allen Richtungen. Und trotzdem bin ich Ich, habe eine vertretbare Meinung, deren Wege ich alleine bestimme. Ich lasse mich nicht kaufen und schon gar nicht für dumm verkaufen.
Zum Teufel deshalb mit fälschlicher "open-mindedness", denn warum sollte ich jedem Hype hinterherspringen, nur um mir diese Worte auf die Stirn stempeln zu können. Die Vergewaltigung eines Begriffes. Verstümmelung bis zur Unkenntlichkeit. Eine Farce für die eigene Unfähigkeit, sein Versagen einzugestehen. Nichts spielt in unserer heutigen Gesellschaft eine größere Rolle, als fälschliches Interesse zur Etablierung der eigenen Person. Der Unterschied zwischen HipHop und Drum'n'Bass ist, daß die Zahl derjeniger die über letzteres Schreiben, die Zahl der Produzierenden bei weitem übertrifft. Dieses Spiel hat nichts mit Intellekt zu tun. Nur weil die alten Herren inzwischen das Wort Rave kennen (jedoch nur vom Hörensagen), sagt dies noch lange nichts über Ihre musikalische Kompetenz (im elektronischen Sinne) aus. Hauptsache political correct. Na dann Prost.
Im bunten Allerlei des heutigen Musikgeschehens gibt es viel Erwähnenswertes und mit tödlicher Sicherheit auch Werke, die eine besondere Zuwendung verdient haben. Geschmack jedoch ist eine subjektive Wahrnehmung, deren Interpretation sehr komplex ist. Zwischen angenehm und gut liegt ein großer Unterschied. Und deshalb soll hier auch nicht ein kollektives Gutheißen gepredigt werden, sondern lediglich Differenziertheit. Nicht das was gut und böse ist darf im Mittelpunkt stehen, sondern der Blickwinkel in dem so etwas wie "Gutes" gesehen wird. Angenehm ist das, was den Sinnen in der Empfindung gefällt. Musik hören ist auch Musik fühlen und das Gefühl für gute Musik wird um so intensiver geprägt jemehr über deren Bestandteile in Erfahrung gebracht wird. Denn das Wohlgefallen am Guten ist mit Interesse verbunden (Imanuel Kant).
Meine Liebe gilt der Musik, ebenso dem Schreiben über Selbige. In meinen Worten liegt der Versuch der Erklärung dessen, was ich verstehe. Mit ihnen verstärke ich mein Bewußtsein, wiederhole den seelischen Freudentanz, der mich beim Erklingen jener Töne ergriff. Durch Sie wird mir des Fremdlings Werk klar, denn mein Interesse macht nicht vor ihm halt
Sich diesem Prozeß zu verweigern, ist ein Fatalismus (um nicht Faulheit zu sagen), der einem die schönsten Momente im Leben kostet, wenn nicht sogar das Leben selbst.
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