|
|
Das Siebte Schüsse & Küsse | Bla & Blub |
Halloooo! Lassen Sie mich heute über Veranstaltungen berichten, bei denen ich selbst gar nicht anwesend war. Das kann sehr spannend sein, wenn man seinen Text auf Aussagen anderer aufbaut. Ausgewählt habe ich bei meinen Recherchen zwei krasse Beispiele. Krass in dem Sinne, da? sie vielleicht in ihrer Erscheinungsweise eher untypisch für klassische Jungle-Veranstaltungen sind. Zum einen hätten wir da eine härtere Angelegenheit im Intergalactica in Stuttgart. Panacea kam, sah und bretterte los: schöne Musik, zu viele Rewinds. Zu voll war der "Punkkeller" wohl auch ein wenig, aber alles in allem eine einmalige Party. Wiederholung für alle Drum'n'Bass-Noise-Freaks findet an gleicher Location zu gleicher Zeit am 5. Juli statt und oben drauf noch der Live-Act "Chrome All-Stars" (Panacea, Problem Child, Heinrich at Heart). Für mein zweites Beispiel wurde geworben, da? sich die Balken biegen: ein Plakat an der Grundschule auf Waldhäuser-Ost, ein Plakat neben dem Tante-Emma-Laden in Immenhausen, ... . Nie gehört? - Macht nichts, vielleicht hing sogar ein Plakat an der Littfa?säule vor dem Garten deiner Oma. Fakt war also, daß eine gewisse Zigarettenmarke NY-Drum'n'Bass in Form von DJ Dara, Soul Slinger, etc. in der Radiobar präsentierte. Marlboro featured ja ausschließlich Events aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, doch "Drum'n'Bass" in diesem Kontext mit diesem Promotionaufwand klingt irgendwie spanisch, oder sagen wir besser englisch!? Wie wär's denn mal mit "Moskau-HipHop" mit DJ Petruschka im M1? Dramatisieren wir nicht die Lage, die Party war angenehm und voll - schließlich strömen hier Woche für Woche unabhängig vom Ereignis die Massen hin - und ein NY-Jungle-DJ legt auch nichts anderes als ein deutscher auf.
Der Vollständigkeit halber bespreche ich hier doch noch zwei von mir live erlebte Partys. Den wohl besten Gast-DJ brachte uns Dimensions (ehemals Starbeat) am 24.5.: Aphrodite! Der "King of the Beats", übrigens keine Frau (aber trotzdem lange Haare), drehte die neuesten HipHop-Jungle-Beats und erzeugte damit einfach nur fette Stimmung. Damit wurde einerseits bewiesen, daß erstens auch unbekannte DJ's zu überzeugen wissen und zweitens, daß gute Produzenten auch erstklassig auflegen können. Auf zweiter Ebene gibt es ab sofort kein House mehr, sondern HipHop bzw. Ragga und Artverwandtes. Gratulieren möchte ich an dieser Stelle dem "Optischen Reiz", haben sie doch ein Konzept umgesetzt, welches schon so manch einem im Kopf schwebte und in der Praxis doch sehr einfach durchführbar ist. Am Pfingstsonntag feierten über 300 Partygänger bei "Breakbeats #2" im Prag zu Stuttgart. Feeva Cru (Stuttgart), Bassment for the Basement (Tübingen) und die Jungs aus Bruchsal ließen sonstige überregionale, oder sogar UK-DJs, überflüssig werden. Lokal hieß die Wahl! ][ lightwood & Co
Sporadische Rezension März/Mai ´97
Ostern, Tierambiente, dezentes Licht und eine Vielzahl an Menschen, die Spaß hatten und dies ausnahmsweise auch einmal zeigten. Diese Charakteristika prägten eine der schönsten Partys, die das veschlafene Studentennest Tübingen je erlebt hatte: hellishly Hellmut, der Mann, der aus der Hölle kam und Stuttgarts Bester (und Eigenwilligster) Mick Wills als Protagonisten, ließen hohe Erwartungen zu und die Bestätigung folgte. Kleine Kritik an Mick Wills, der das Vorprogramm bezüglich der Trackauswahl etwas relaxter hätte angehen können, um den Besuchern eine Akklimatisierung zu ermöglichen, aber ansonsten auch von ihm gewohnt gute Musik und technische Brillianz. Herr des Abends war aber Hell, der sich in Bestform und feinem Tuch präsentierte und das darbrachte, wofür wir ihn lieben gelernt haben. Die extreme musikalische Variabilität und die seinen Sets eigene Coolness bescherte uns einen traumhaften Abend, auch wenn ich ihn dafür hasse, daß er eine von 25 Promos der neuen Plastikman besitzt, die bereits ein Dreivierteljahr kursiert, aber noch immer auf keiner Liste zu finden ist. Einziger Wehrmutstropfen einer - ich wiederhole mich - wirklich gelungenen Angelegenheit war die schwer nachvollziehbare Entscheidung der Betreiber, u.a. das Projekt Klangstabil nicht auftreten zu lassen, denn diese hätten dem österlichen Treiben sicherlich den I-Punkt aufgesetzt.
Komischerweise war der Sneak/Van Helden-Feiertag im M1 trotz der Fülle des Clubs erst in den frühen Morgenstunden den Weg wert, warum kann ich selbst nicht genau sagen. Mir ist jedenfalls ein "normaler" Freitag lieber, da gemütlicher und gafferfrei. Genau richtig war es dann auch zwei Wochen später, als Dimitry from Paris und der Kitkatklub ihr Stelldichein gaben. Letzterer trat mit 4 Plattenspielern und Freekitkats an und sorgte für tolle Stimmung und eine volle Tanzfläche im Club Fusion (Kein Eigenlob, da Tatsache, und wenn es sonst keiner für nötig hält, darüber zu berichten, muß ich es eben erwähnen, denn es war spitze, Punkt). Hervorzuheben ist noch die wunderschöne Blumen-deko von Dirk Wein.
Der Motor City Club ist tot, lang lebe die Suicide-Tour. Nach einem erfolgreichen Jahr mit herrlich gemeiner elektronischer Klang-gestaltung und einem nicht unwesentlichen Beitrag zur Kultstellung des Großen Bärs verändern sich Uli Matthäus und Olaf Schweitzer und gestalten nun ein neues Projekt, dessen Name Programm sein soll - die kopierten Schwarz-Weiß-Normalpapier-Flyer lassen einiges erwarten. Überrascht uns, meine Lieben! Überrascht hat der gute Olaf uns schon mit der neuen Esso - "Solo für Olsen" (Auflage: 104 Exemplare), eine wunderschöne musikfreie Gesellschaftskritik mit der Prämisse, den geneigten Leser zum Nachdenken zu bewegen. Die Dekadenz hat sich also doch noch nicht überall breitgemacht, schön zu wissen. Den Hort der Landschö-nen, Schnurbartträger und Chart-hörigen - Färberei 4, Reutlingen - als Location für ihre Metropolisveranstaltung zu wählen, kann man getrost als Fehlgriff der Internetagentur "21 Torr" bezeichnen. Daß der Berliner DJ Rok am liebsten auf dem Absatz kehrt gemacht hätte, kann ihm dann auch keiner verdenken, vielleicht war er auch etwas angesäuert, weil Mick Wills ihn in Grund und Boden gemixt hat, ungewohnterweise mit einem blitzblanken Houseset. Roks harter Techno kam bei den Unwissenden nur mäßig an, so daß auch er entnervt housigere Töne anschlug. Klangstabil live war krass, cool, heftig, kaputt und völlig daneben und raubte den überforderten Stammgästen den letzten Nerv. Diejenigen, auf deren Meinung es letztlich für May/Blanco ankommt, waren hingerissen, auch wenn ich mir noch immer nicht sicher bin, ob es nicht ein bißchen zu viel der Show war, musikalisch gesehen kann der Weg nur nach oben führen und zwar ganz nach oben. Barby Sue und Stefan Strauß bedienten den Fluchtpunkt Kleiner Club mit House und das verhinderte wohl auch die frühzeitige Leerung der Färberei. Nächstes Mal bitte woanders! ][ motik
Kaum ist es wieder Sommer geworden, schon springt Gott und die Welt in Cafés und Kneipen und will dort natürlich nicht die ihm vertrauten Klänge missen. Findige Gastronomiewirte rüsten sodann auch sofort auf, falls dies nicht bereits schon geschehen ist. In Reutlingen wird ab Juni wöchentlich im Rappenkeller die Funky Situations stattfinden, wo bei niedriger Deckenhöhe feine House-, Disco- und Soulscheiben laufen. Der erste Eindruck vermittelte eine angenehme Atmosphäre, die ich von einer "Kneipe" nicht erwartet hätte. Bleibt zu hoffen, daß nicht zu viele Besucher den Tücken der (Keller)Treppe zum Opfer fallen. Ebenfalls in Reutlingen eröffnet am 6. Juni das Café Seepost, wo Freitags und Samstags Housetunes der ruhigen, jazzigen Art zu genießen sein werden. Wir sind gespannt.
Am Tübinger Erscheinungsbild hat sich hinsichtlich der Kaffeehäuser trotz verstärkter Sonneneinstrahlung nicht viel getan. Zu erwähnen sind die sonntägliche Cocktail Lounge in der Tangente und der allseits bekannte Montag im Jazzkeller. Die von Emanuela dort veranstaltete Bag of Goodies hat mittlerweile Kultcharakter erreicht und auch neue Modeerscheinungen hervorgerufen. So zahlt man neuerdings Eintritt, um doch erst zwei Stunden später die Location zu betreten, wenn überhaupt. Auch musikalisch wächst die Besucherliste von Bag of Goodies. Neben diversen lokalen Matadoren, die zusammen mit Emanuela für vergnügliche Stunden sorgten, waren die Abende mit Michael Reinboth/Rainer Appel und Jazzanova ein Genuß sondergleichen. Letztere sorgten mit ihren jazzigen aber dennoch treibenden Grooves für den bislang besten Abend im Jazzkeller.
Bei Trüby konnte ich leider nicht anwesend sein, und auch mir nachgereichte Mitschnitte waren nicht besonders aussagekräftig, sondern ließen eher auf eine andere Tagesordnung schließen.
Doch kehren wir zurück zum Partygeschehen. Tübingens Lieblingstanzstelle Depot sorgte für zwei ereignisreiche Monate. Neben den höllischen Ostern waren unter anderem Boris Dlugosch, Byron Burke, die Infracom Labeltour und Stuttgarts Picknicker, DeeJot Hausmarke zu Gast. Während Boris Dlugosch und Byron Burke in gewohnter Weise das Haus füllten, blieben bei der Infracom Labeltour die Gäste aus. Schade eigentlich, denn der gebotene Sound der DJ's und der Live-Auftritt von Mega-Shira waren wirklich hörenswert.
So auch Michi Beck aka DeeJot Hausmarke, der am 24.5. den Beat dicker machte und das bis obenhin gefüllte Depot zum kochen und swingen brachte. Sein exzellentes HipHop- und Disco-Set war eine Wohltat in meinen Ohren und bleibt selbst nach einigen Tagen noch lebhaft in Erinnerung.
Aus Stuttgart gab es leider nur Trauriges zu hören. Die Nachricht von der Schließung des red dog nahm mich doch etwas mit, war es nicht nur mein persönlicher Lieblingsclub in Stuttgart, sondern auch (nach Tierschließung) der einzige, in dem tadeloser House lief. Die verschiedene Stadien (sowohl baulich als auch musikalisch) habe ich beobachtet und miterlebt und immer wieder war ich von diesem kleinen Keller fasziniert. Doch alles findet einmal sein Ende, darum wollen wir die verbleibenden Tage genießen und den Dingen harren, die da kommen werden.
][ mb
|