OUK Das Achte   bunt & dufte 3 Seiten Ewigkeit

V o r s p r u n g durch Techno. Sei aufmerksam mein Leser, denn auch in unserer kleinen Welt ist man vor Illusionen und Traum-schlössern nicht gefeit. In einer Zeit, in der es gilt sich aufzuraffen, sich neue Ideen einfallen zu lassen, um dem Schlamassel, das uns die Obrigkeit eingebrockt hat, wieder zu entkommen, in solch einer Zeit ist es allzuschnell geschehen, daß man sich einer Vision hingibt, die im Nichts endet.

Haeuser

So auch der Traum vom DJ-sein, ist dies doch die moderne Form des Pop-Superstars. Durch so manches Magazin zu dem Beruf schlechthin avanciert, erträumt sich die Jugend ihre Karriere hinter den Plattendecks. Der Popstar jedoch hat einen Major Plattenvertrag und eine große Company im Rücken, die ihm (bis zu einem gewissen Zeitpunkt) Rückhalt bieten. Mit Hilfe von Konzerten, Pressekonferenzen und Videos wird sein Werk der Öffentlichkeit vorgestellt und ordentlich gepuscht. Nicht so der DJ, dessen einzige Waffe aus ein paar Koffern voller Platten besteht. Mit elektronischer Musik hat man es gleich doppelt schwer, denn die Akzeptanz und das Verständnis für diese Musik ist nicht gerade groß unter der Bevölkerung. Und trotzdem läßt sich damit ein künstlerisches Werk erzeugen, mit dem man sein Publikum einen ganzen Abend lang in Freude versetzen kann. Sicherlich erhofft man sich deswegen Akzeptanz, wenn nicht sogar Anerkennung und Erfolg. Anzunehmen, mit dieser Art von Musik von heute auf morgen Starallüren zu schreiben, grenzt allerdings schon fast an Größenwahn. Vielmehr sind Enthusiasmus, Begeisterung und Liebe zur Musik die Beweggründe, die Mühen des Platteneinkaufs, Reisens und nächtelangen Auflegens in Kauf zu nehmen. Das Dasein als DJ ist nicht einfach, schon gar nicht, wenn man sich der Minderheitenmusik verschrieben hat, befindet man sich doch ständig auf einer Gradwanderung zwischen Kunst und Ausverkauf.

Tunnel

Einerseits vertritt man seinen Geschmack und seine Vorstellung von Musik, andererseits gilt es den Tanzenden zu genügen, denn auch sie haben ein Anrecht auf Spaß und Unterhaltung am Abend. Nein, eine totale Aufgabe des eigenen Willens wird hier nicht verlangt, auf keinen Fall. Ich will nur veranschaulichen, daß eine einseitige, ja manchmal schon fast sture Haltung dem eigenen Tun gegenüber nicht unweigerlich zum Ziel führt. Ebensowenig das Mitschwimmen auf der Welle der Allgemeinheit. Es läßt sich einfacher in unserer Gesellschaft leben, richtet man sich nach deren Ansichten; genauso leicht läßt es sich in Einsamkeit nach der eigenen Vorstellung leben. Tatsächlich leben tut nur derjenige, der inmitten der Menge die Freiheit der Einsamkeit beizubehalten vermag. Neidisch auf diejenigen zu sein, die in der Lage sind, einen gelungenen Clubabend zu gestalten (sei es mit Techno und House oder mit Jazz und Soul), verhilft dem eigenen Credo auch nicht weiter, sondern sorgt nur noch mehr für innere Zerrüttung. Auch reicht es nicht, Namen wie Derrik May, Jeff Mills und Kraftwerk im Schlaf aufsagen zu können, denn von diesen Herren und ihren Taten hat mittlerweile jeder gehört. Neid ist Unwissenheit, Nachahmung ist Selbstmord. Und so kommt es dann auch, daß manch einer das DJ-Dasein an den Nagel hängt und sich der Erzeugung von mTViva-Beats zuwendet. Für andere Musik zu machen, ist und bleibt eine Herausforderung. Doch darin liegt (nicht nur, aber) auch der Reiz des Auflegens. ][ mb

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