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Das Achte bunt & dufte | Bla & Blub |
Zwei Parties, ein Orchester, eine Einladung, das Sommerloch scheint wieder kräftig zugeschlagen zu haben. Beginnen wir chronologisch. Es begab sich, daß die Jungs von Subculture die Idee hatten, eine kleine Engländerin namens Hazel. B nach Tübingen einzuladen, um dort im Depot einen netten Houseabend zu veranstalten. Natürlich sprach sich diese Idee schnell in Insiderkreisen herum, so daß schon Tage vorher gemunkelt, gemauschelt und spekuliert wurde, was einen denn nun an besagtem Freitagabend zu erwarten habe. Die Mehrheit einigte sich schliesslich auf einen "typischen" UK-Vocal-House Sound und an einem Erfolg wurde nicht gezweifelt. Doch sollte alles anders kommen, als gedacht. Hazel B. hatte gerade nicht die "typischen" Uk-House-Platten in ihrem Case, was sowohl Veranstalter, Resident-Dj und natürlich auch Tanzvolk völlig überraschte. Nun aber zu behaupten, der Abend war mißlungen, wäre schlichtweg eine Lüge. Zwar war Hazel B. technisch gesehen mangelhaft, musikalisch bot sie aber ein interessantes Set bestehend aus deepem, ich will mal sagen "futuristischem" House der in unseren Breitengraden selten (um nicht nie sagen zu müssen) zu hören ist. Und als sich die verbliebenen Tänzer und Tänzerinnen an diesen ungewohnten Sound gewöhnt hatten, begaben sie sich auf die Tanzfläche und ließen sich vom Sog der Musik mitreisen. Wer anderer Meinung ist, hat nichts kapiert. Weiter gings im P&K in Reutlingen, das zu seinem ersten Houseabend einlud. Extravaganza war das Motto, und so wirkten dann auch Club, Türsteher und Publikum auf mich. Ein kitschiger "High-Society" Club, in dem das Personal (mit wenigen Ausnahmen) versucht, noch intellektueller zu wirken, als die Gäste. Von der Musik wollen wir erst gar nicht reden.
Sollte ich es noch nicht erwähnt haben, so will ich noch schnell anmerken, daß auch im Jazzkeller in Tübingen, nach wie vor musikalische Leckerbissen zu hören sind. Im Juni konnte man ganz unverbindlich die Infracom-Jungs Jan-Japaan und Viet-Namé antesten. Fachliches Urteil: ein gewürztes Potpourri aus diversen elektronischen Musikstielen, gemixt und (wie für den Jazzkeller üblich) ofenfrisch serviert.
Ebenfalls ein Schmauß für Gourmets war P.F. Cuttin, der am 11. Juli den 0711-Club im Stuttgarter Prag mit fetten HipHop-Beats versorgte. Tatsächlich ein wahrer Meister, sowohl in der Auswahl der Stücke als auch im Mixen, Cutten und Scratchen derselbigen. Für solch gelungene Veranstaltungen schlägt man sich gerne die Nacht um die Ohren. ][ mb
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Schnell eingeworfen noch ein paar Neuigkeiten und Gerüchte, die ich auf meinen Reisen aufgeschnappt habe:
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Ouker der Ausgabe
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Ein Leser - ein Brief - ein Ausschnitt
Fritz komm und spritz oder wie man im Zug die Liebe sucht und Berlin findet
Fr., 11. Juli 1997. HBF Stuttgart. Viele Besoffene (20 DM, wenn ich mir mal kurz eine von euren Frauen ausleihen darf), manch schwarzhaarige, langhaarige Verchecker (kschhschh, ich habe Ticket für Train to Love, he weisch, isse keine Fälschung, he weisch, Kollega). Dann, nach zweimal Pissen auf dem Bahnsteig und mindestens drei Litern Bier, Campari und ein paar kleinen Dingern, deren Name mir im Augenblick E-ntfallen sind, plötzlich der Zug, der uns im Namen der Liebe auf gleichgeartete Parade bringen soll.
In diesem Ferroviariam dann Schweiß, Tränen und andere Körpersäfte, belustigt und musikalisch berieselt von manch multikultreller Spezies mit dem einen Ziel der kollektiven EXTASE im technoiden Gewand begleitet von trillerpfeiffenden Maniacs und Glücksbringern aus der Hosentasche...
i.A. Armin
Liebe Anhänger der urbanen Partykultur,
eine Vielzahl von Veranstaltungen prägen Tag für Tag unsere schöne, nächtliche Umgebung der südlichen Hemisphäre. Einen kleinen Auszug der uns wichtig erscheinenden finden Sie auf der rechten Seite.
Um Aufmerksamkeit bei Folgendem wird gebeten:
1. Comeback. Ab dem 1. Donnerstag im September gibt es alle zwei Wochen wieder den KitKatKlub. Die Location in Stuttgart wird noch bekannt gegeben (Überraschung!).
2. Playground. Neuer Name - alte Spielwiese (Calwerstr.) - ähnliches Programm: Mi: HipHop m. Emil... # Do (alle 2 Wo.): Jungle m. Feeva Cru... (14.8. Gast: Daniel Savine) # Fr+Sa: House m. C. Schiller, A. Frenzel...
3. Großer Name in kleinem Club. Auch ESP bookings & events geben sich größte Mühe, qualitativ gute Drum'n'Bass-Partys in kleiner Form im Raum Stuttgart/Ludwigsburg zu präsentieren. So steht auch die Tour mit Photek unter ihrem Stern und für den Neckarraum interessant wird der 26.9., wenn Rupert Parkes im Clima.x die Platten dreht. Er ist einer der wenigen, die einen Majordeal mit totaler künstlerischer Freiheit genießen. Seine Veröffentlichungen "The Hidden Camera" und "Ni Ten Ichi Ryu" haben eindrucksvoll gezeigt, wie frei man Drum'n'Bass interpretieren kann. Man darf also gespannt sein, wie frei er sein Set an jenem Abend gestalten wird. Preview Okt./Nov.: Ed Rush, Kemistry + Storm ][ lightwood
Gebündelte Energie befindet sich seit kurzer Zeit in der Mörikestr. 67 zu Stuttgart. Das Wort der Stunde, "Medien", umschreibt das neu renovierte Haus am treffsichersten. Während die Räumlichkeiten im "Medienhaus" schon alle vergeben sind, befindet sich so manches Büro noch in der Phase der Ausstaffierung. Vom Keller bis zur Decke entfaltet sich die Kraft der zwei Herzen, Four Music und Bear Music Factory, Fanta 4 und der "Bär", die dieses Projekt verwirklichen konnten. Zahlreiche weitere Firmen/Unternehmen, die sich mehr oder weniger der Musik/den Medien verschrieben haben, vervollständigen das Gesamtbild. Als da wären: Prinz Verlag, Regionalvertretung Viva, Struktur (up2date), Continues Music, Feedback, PXD Media, Tanzboden, usw. Für die Gastronomie ist auch gesorgt, denn Sven Wellmer wird am 1./2. August offiziel sein Café im Erdgeschoß eröffnen. Schon beim ersten Blick durch die Tür überzeugt das kunstvolle Ambiente, in dem sich jeder wohl fühlen kann. Tagsüber fungiert es als Cafeteria und abends als Café mit Live-DJ's. Der Name stand noch nicht fest, aber irgend etwas in Richtung "Hudelmaiers-Mediencafé-Lounge" wird es wohl werden. "Prost!" auf ein spannendes Expandieren der hiesigen Medienlandschaft.
Huijuijui. Donnerstag, 3.7.97. Eifrige Radioreporter quälen die Gäste mit Fragen: "Wegen wem bist Du denn heute Abend hier?" - 0,5 Sekunden später: "Na, wegen Alexander Dorau!" Wir befinden uns wieder einmal im Depot. Hier sind wir froh, können Bonbons verzehren und überaus berauschende Abende geprägt von guter Stimmung und Musik verbringen. An jenem Abend habe ich wenige Tübinger gesichtet, viele bunte Vögel und viele Stuttgarter. Andreas Dorau war gekommen, um nach einiger Verzögerung seinen Auftritt zu beginnen. Die Bühne war ihm zwar zu klein, der Strom nicht auf seiner Seite, doch seinen Auftritt legte er mit Bravour hin und stellte sich dem Publikum zum Interview. Es war einzigartig, ein "Kindergeburtstag" (O-Ton) auf einer Bühne im Depot. Abwechslung muß sein! Huijuijui - und weg. ][ lightwood
Im fahlen Licht des satten Vollmonds kehrte man am 19.07.97 in Stuttgarts "Röhre" ein und genoss die abwechslungsreichen Rhythmen, die im Gegensatz zur ständigen Penetration des deutschen Fernsehens nicht nur stupide Trommel- und Bassrhythmen oktruieren. Auch wenn die Röhre mit ihren kalten, viel zu hohen Wänden an sich kein angenehmes Ambiente verstrahlt, so ist es dem Dekorationstalent der Veranstalter zu verdanken, daß selbiges Rohr kaum wiederzuerkennen war und ein Wohlfühlen unter den Tarnnetzen, zwischen den wabbernden Säulen und im Antlitz obskurer Plastiken sich schnell breitmachte, während hektische Laserlichter die neblige Luft zerstückelten.
Oliver Klangschneider, Oli H. und Burak geleiteten einen, nach ihrem ersten Versuch mit "Industriekessel", im "LIQUEPHEEL INDUSTRIES"-Ambiente in lang vergessene Welten, die an ihrer Aktualität bei weitem weniger verloren haben als oben genannte Rhythmen, die für Fernsehspots schon oft, wenn nicht schon bis zum EXODUS ihre(n) Mann/Frau stehen mußten. Zerstörerische Kugeln treffen auf unschuldige Autofahrer und zermalmen die Motorhauben französischer Hersteller im berstenden Geräusch der Sportschau.
Aber dennoch wird es auch weiterhin Spaß bringen, sich in die weite Welt der elektronischen Musik vorzuwagen, denn auch am 9. August wird wieder, diesmal unter dem Namen "Paralyzed With Pleasure", ein neuer Versuch gestartet, die Bevölkerung von Stuttgart und nächster Umgebung in den tiefen Bann dieser Idylle zu ziehen. Hierbei werden Ken (Motor City), Daniel (Analog) und wieder Oliver Klangschneider (LQI) die doch immer mehr hereinströmenden Massen mit elektronischem Allerlei, zwischen Minimal, Acid und Elektro bis morgens früh um 5 Uhr verwöhnen.
Auch im Depot wird das Ambiente durch "HYDRAULIK"- Parties, die allmonatlich uns das Leben verschönern, zu einem abwechslungsreichen Dasein gestaltet. Nur ist es doch traurig, daß bei solchen Festivalitäten die Leute in Tübingen ihren gewohnten Ausgehambitionen nachkommen, und so nur wenige in den Genuß zeitloser Rythmen gelangen. Viele Menschen werden es unendlich bereuen, einen Wechsel zwischen Aleister W. und Joel verpaßt zu haben, der sich am 05.06. wie folgt gestaltete: "KatModa EP" (Jeff Mills) und Metroplex Rec. "Detroit" (Robert Hood) - KLASSISCH! Aber auch dieses wird sich in naher Zukunft öfters wiederholen, wenn auch nicht in der gleichen Art, da es sich schon am 10.07 zeigte, daß es sich nicht um ein einstudiertes Programm handelt, sondern sich die Musik aus der Situation heraus entwickelt. Ein neues "Adventure in Techno Soul" alias Hydraulik die Vierte findet am 7. August an gewohntem Veranstaltungsort statt.
In Anbetracht dessen ist es eine Freude, junge Menschen zu sehen, die sich nicht nur zu den monotonen Rhythmen der LOVE-PARADE schütteln. Auch wenn das private Fernsehen, allen voran VIVA mit ihrer Moderatorin S. Christ versuchen, uns solches Medienspektakel als Non-plus-ultra aufzutischen. Angesichts dieser Tatsache bin ich froh, daß ich im kühlen Zimmer dem Treiben auf Berlins Straßen beiwohnen konnte, ohne den "neofaschistischen Zwang" mitzuempfinden, welcher sich dem Zuschauer wohl aufdrängen mußte, als er die Bilder der Millionenschaft, die sich vom Brandenburger Tor über die Straße des 17. Juni hinwegbewegte, mitansah. So ist es immer wieder ein Genuß, dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen beizuwohnen und mit Moderatoren/-innen des WDR oder des MDR eben solche Eindrücke hautnah mitzuverfolgen. "ES LEBE DAS ÖFFENTLICH-RECHTLICHE FERNSEHEN!", und zwar aus dem Grunde, weil sich oben genannte Moderatorin des Privaten Fernsehens erlaubte in Gegenwart eines solchen Szenarios die Phrase zu äußern: "1,2 Millionen bis 1,5 Millionen Techno-Jünger warten auf ihren
an-FÜHRER Dr. Motte".
Dr. Motte leg auf, wir tanzen dir?
Aber auch Interviews, Sound und Kameraführung bildeten einen hauptausschlaggebenden Punkt, weshalb es im WDR/MDR um einiges tiefer in die Materie der Parade ging: Was war eigentlich mit den Panzerminen russischer Bauart? Es gab wohl glücklicherweise keine solchen.
"Vanessa hat echt was drauf in Sachen Musik!"
Auch angesichts der Tatsache, daß Phillip, der DJ aus "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", von Vanessa´s Musikgeschmack begeistert ist, als sich beide über die neue "Grooverider" unterhalten, ist es doch angenehm zu sehen, daß sich einige Veröffentlichungen auf dem internationalen Musikmarkt einer solchen zwangsweisen Verkommerzialisierung entziehen können ...
... So stellt die neueste Veröffentlichung, nach den ersten beiden Releases "United Mutätions" und "Extrem Possibilities" auf LO-RECORDINGS (LP 04) von TWISTED SCIENCE mit Namen "BLOWN" einen sehr abwechslungsreichen wie auch innovativen Meilenstein dar. Die zehn Stücke der LP bewegen sich in einem Spektrum, welches von Ambient über Hip-Hop, Electro und Industrial bis hin zu Spy-Mania-artigen Breakbeats reicht. Die Stücke haben aber alle eines gemeinsam: sie werden nicht schnell langweilig und sind sehr erfrischend. Musik, die sich eher eignet zuhause angehört und genossen, als in Kellerräumen aufgelegt zu werden.
In ähnlicher Art und Weise präsentiert sich auch die neue ELECTRIC LADYLAND IV - "Electric Soul For Rebels" auf MILLE PLATEAUX (LP 39). Bei diesem Sampler geleiten einen Alec Empire, DJ Spooky, Panacea, Technoanimal, Spectre und andere auf eine Reise über 14 Titel, die das oben schon angesprochene Musikspektrum abdecken. Auch hier scheint es den vier Vinylseiten nicht darauf anzukommen, überall und permanent aufgelegt zu werden. Ein Großteil der Lieder bewegt sich in DJ Vadim-artigen Slomo-Hip-Hop zwischen den Lautsprechermembranen, um dann von Zeit zu Zeit durch Stressgewitter der Interpreten Panacea, Alec Empire und Spooky unterbrochen zu werden. Das wichtigste Element einer Veröffentlichung, die Abwechslung, wird somit aufrecht erhalten und Somnambulus, dem Gott des Schlafes, keine Möglichkeit gegeben, sich eines jeden Hörers zu bemächtigen. ][ g
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