OUK Das Achte   bunt & dufte Platten Reviews
Steinfuss

Frank Yentner:
Geschwollene Leiber
(Mutter Tonträger 002)

Daniel Benavente:
Spanien aus Leidenschaft
(Mutter Tonträger 003)

Deutlich ausgereifter als bei ihrem etwas zu klinisch wirkenden Debut präsentieren sich Daniel Benavente und Frank Yentner auf den Folgereleases ihres MTT-Labels. Yentners "geschwollene Leiber" haben sich ja bereits als gut funktionierendes DJ-Tool in die heimischen Flightcases eingefügt und die Qualitätssteigerung bestätigt, so daß man weiter keine Worte darüber verlieren muß. "Spanien aus Leidenschaft" kommt im September in die Regale und besticht mit britisch orientiertem Druck auf die Tanzfläche. Hervorzuheben sind die jeweiligen Anfangstracks, die dreckig und böse in gepflegter Scandinavia-Manier das Volk zum Steppen bringen werden. Daß die Angelegenheit auch noch unserem Landeshaupt-städtlein entspringt, vertieft die Freude. Schön das... ][ motik

The funq

"Don-Q war eines der ersten kleinen autarken Label, die sich ein Projekt vorgenommen hatten, dessen Resultat Euch nun vorliegt. Und wir sind noch lange nicht am Ende... " Der Einleitungstext des Booklets ist auf englisch, die Namen der Acts und deren Tracks sind auf englisch, der Name des Labels ist auf englisch und die Musik ist auch englisch, beinahe zumindest. Denn hinter dieser Compilation "funq" stecken ausnahmslos deutsche Drum'n'Bass-Produzenten, als da wären Makai (auch bekannt als Megashira, Powaflex, ...), Panacea (no comment!), X-Plorer (Köln), B*Scale (Berlin), D'Headbanga (Nürnberg) und das Umfeld von Don-Q. Mit Sicherheit ist hier nicht die ganze Szene vertreten. So fehlen z.B. Aktive aus einer der Hochburgen Germanys, dem Rhein-Neckar-Raum. "Was nicht ist, kann ja noch werden". So steht es ungfähr auch in der Pressemappe: "Natürlich kann diese Compilation nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben, und mir ist klar, daß deshalb noch die eine oder andere Kopplung von Nöten sein wird." Gehen wir der Angelegenheit auf den Grund. Gar keine Frage, die Struktur der Beats wurde verstanden, teilweise kühn eigeninterpretiert und auch an den Bässen ist nichts auszusetzen. Die verwendeten Drums jedoch klingen größtenteils alt und scheppernd, so daß die Tracks dadurch an Groove bzw. Soul verlieren, nicht genug kicken und kräftezehrend dahinrollen. (Dies betrifft auch Makai und Panacea, die in Deutschland meiner Ansicht nach am weitesten vorne liegen, aber auf dieser Compilation eher mit schwachen Releases vertreten sind). Anders sieht es bei dem Gewand aus, daß die Grundsubstanz vervollständigt und vollendet. Jedem Track wird eine gewisse Note durch ein bestimmtes Element verliehen, wie z.B. die Orchesterpauke bei "UFOride", die eingängige, jazzige Melodie bei "The Message" oder die E-Gitarre(?) bei meinem Lieblingstrack "Alien Hunt". Alles in allem Respekt an die Künstler, etwas eigenes abgeliefert zu haben, was eventuell so manchen überflüssigen Release aus UK übertrifft, und ich bin gespannt auf Vol. II. www.wildpark.com/easy

The ProdigY

Schade. Ein langweiliges Album liefern die Wunderknaben hier ab. Sie haben sich mal wieder zu lange Zeit gelassen. Die Schnelllebigkeit der Dancemusik geht auch an euch nicht vorbei! Herausragend sind "Firestarter" und "Breathe", doch die gab es schon als Maxi, also zählen nicht. Was bleibt übrig? Tracks, die gebündelte Energie in sich bergen, aber bei Prodigy bin ich gewohnt, daß sie immer noch einen draufsetzen. Bei "The fat of the land" ist das nicht der Fall und deshalb nur ihr drittes Album - mehr nicht.

The Carnival

"Der ist verrückt!" Die melodische Seite von HipHop interpretiert Wyclef Jean auf seinem Album "The Carnival" auf ganz eigene Weise. Egal, ob feenhafte Frauen-gesänge bei "Apocalypse", die liebliche Weihnachts-ballade "Gone Till Novem-ber", das Bob Marley angehauchte "Gun-powder", der Boyz-2-Men-Verschnitt "Mona Lisa", die überaus originellen Interludes oder "Guan-tanamera", Wyclef macht sich nicht lächerlich. Nein im Gegenteil, er weiß zu begeistern, zu unterhalten. Multimusikalischer-Hör-spiel-HipHop. Einzig überflüssig erscheint mir die "Stayin' alive"-Version. Fugees sind dennoch tot, es lebe Wyclef Jean.

The Acid Tune

Das hier ist ganz groß. Ein Künstler, der sich mit diesem Track die Krone aufsetzen darf. Seit mindestens einem Jahr kursiert der "Acid Trak" schon auf Dubplate. Doch irgendwie will dieses Dubplate nicht mehr aus den Recordcases der DJ's und irgendwie schafft es dieses Dubplate auch nicht, als offiziell erhältliches Release die Plattenläden plattzuwalzen. Eine Promo hält man dieser Tage schon in den Händen, und wenn ihr diese Zeilen gerade lest, steht die endgültige Version im schön designten Cover vielleicht schon im Recordstore. Viel zu sagen gibt es ansonsten nicht, denn der Name "Acid Trak" steht für sich, das Label heißt Pain, der Künstler Dillinja und dieser übertrifft damit seinen "Violent Killa" auf Valve um Längen.

The Rider

Die Metalheadz Nummer 30 hat Goldie Grooverider geschenkt. Vorgewarnt wurde schon auf "The Prototype Years", doch das hier ist das endgültige und schon lang erwartete "The Warning". Meeresrauschen, Bleeps & Klonks, Stepper-Beats, dann der große Break und es geht los. Doch moment mal, dieser Sound erinnert mich doch sehr an die A-Seite der Razor's Edge 001 ("Still Life" im Photek Remix). Aber solange es innerhalb des Lagers bleibt, kein Problem. Proble-matisch erscheint mir eher der weitere Verlauf des Tracks, denn bevor es richtig losgeht, ist schon Schluß. Also betrachten wir die Rückseite "Structure of red", ein absolut minimal gehaltener, atmosphärisch-funkiger Stepper mit Grooveriders momentanem Lieblingsspielzeug... dem typisch analog-klingenden Bass.

The Remix

Ein minimales, klar strukturiertes, sich langsam steigerndes Brett ist das Original. Ideale Grundlage also einen Remix anzufertigen und der hat es in sich. "Shadowboxing" untermauert hiermit seinen Kultstatus. Die Beats sind noch dreckiger, der Killer-sound noch direkter und plötzlich stößt Doc Scott an den Tonarm... Als Bonus gibt es eine äußerst geniale Rückseite. Das Drumgerüst von "March" besteht nur aus Bass-und Snaredrum und begegnet ständig diversen Geräuschen aus der Samplekiste, um mit ihnen zu kooperieren, bis in der Mitte unerwartet ein seichter, wohliger Klang erscheint. Dieser führt das Experiment zu Ende, und die Endsubstanz gleicht nicht mehr dem Ausgangsstoff. ][ lightwood

Blake Baxter / The H-Factor / disko B

Auspacken, auflegen, abheben. Treibend, hart, gnadenlos gut, um nur ein paar treffende Worte zu nennen. Auf der einen Seite tief und langsam, auf der anderen gnadenlos hart und schnell. Und doch klingen immer wieder klare Vocals heraus, die für den richtigen Tick Spannung sorgen. Und letzten Endes weiß keiner mehr, wo er eigentlich steht. Auf jedenfall eine intensive Beschäftigung wert, denn Blake zeigt wie einfach und doch vielfältig und aufregend Techno sein kann. Und weiter ...

V.A. / Compilation 1.1 / Polimorf

Minimaler Sound, experimentell arrangiert und mit einer deutlichen Brise M7 und Basic Channel ausgestattet. Polimorf, ein kleines Label aus Deutschlands Norden, präsentiert mit dieser Compilation qualitativen Sound, der zwar nicht neu ist, aber gut.

I:Cube / Picnic Attack / Versatile

Die Franzosen geben einfach nicht auf. Als es anfing zu regnen, sorgten Motorbass für schnelle Beruhigung der Gemüter. Als es dann richtig kalt wurde, verhalfen Daft Punk mit ihrem Album unseren Plattenspielern zu glühenden Riemen. Kaum gelangen nun die ersten Sonnenstrahlen an unsere Augenlieder heran, erfreut Nicolas Chaix aka I:Cube unsere Gehörgänge mit lockerleichter Kost. In einem gleichmäßigen Fluß an Ausgewogenheit, melodiöser Atmosphäre und stetigem Hang zur Verspieltheit gibt er seinen Tracks weit mehr mit, als zum Liebhaben notwendig wäre. Eine creation de première qualité, die uns noch viele schöne Sonnenaufgänge bescheren wird.

Steinfuss

Arj Snoek / People Know / Ladomat 2000

Ebenfalls verspielt, aber viel kompakter und kitschiger erklingt Arj Snoek, der seinem Stil treu bleibt und mit der für ihn üblichen Mischung aus Monotonie ala Studio 1 und folkloristischen Samples für Aufmerksamkeit sorgt. Einmal in den Bann dieser Scheibe gezogen, ist ein Entkommen nicht mehr so leicht zu bewerkstelligen.

Kerri Chandler / Kaoz on King Street - Unreleased Mixes / King Street

Erneut Mr. 6.23 und erneut verdammt gut. Drei bisher unveröffentlichte Mixe von "Be there", "Harder gets higher" und "Sunlife", die auf dem im Juni erschienenen Album "Kaoz on King Street" bereits enthalten waren. Während "Be there" eher etwas schwächer ausfiel als die Albumversion, hat vor allem "Harder gets higher" durch seinen schnellen, druckvollen Bass viel an Atmosphäre und Volumen gewonnen. Aber Kerri war ja schon immer berühmt für seine Bässe. ][ mb

Underground Sound of DC / mixed by DJ Spen

Hier eine House Compilation die das Prädikat underground verdient hat. Was uns hier "Basement Boys" member DJ Spen zu bieten hat, besticht durch Qualität, Seltenheit und Soulpower. Die Compilation beinhaltet Trax sowie auch Vocalstuff. Alle Stücke sind Jazz oder Soul orientiert, ohne in die Belanglosigkeit abzudriften. Highlights sind der unveröffentlichte Spensane Mix von Zhane's Requestline, Higher von TP/DL sowie Fever Night von DJ Oji. Step Ahead Records aus Washington DC beweisen mit ihrer Mix Session #1, daß der Undergound lebt. In naher Zukunft werden wir noch viel von diesem jungen, aufstrebenden Label hören. Get the peach. Notturno / the after hours ep / Melt Records

Sphärisch leicht, treibend gut und doch so kühl. Melodisch melancholisch! Der EP Titel ist hier Credo und Fakt. Serviert zur richtigen Stunde ist "she loves that kind of thing" eine bleibende Fusion aus Traum, Müdigkeit und Wohlbefinden.

Everything / Jaxx Love Dub / White Label

Nach einigen nicht so geglückten Remixen für die Pet Shop Boys und Shola Ama, hier der "return of the Jaxx". Der Jaxx Love Dub besticht durch seine monotone Geradlinigkeit. Wirr gepaarte Samples verschwinden in ewigen Echo Loops. Schrille Sounds prägen die Intensität. Dies ist der Anspruch den wir an Basement Jaxx stellen. Schräg, schrill, klar und der Zeit immer um einen Tick vorraus. Für Kenner. ][ enco

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